Sind sie mit treu? Lieben sie mich wirklich? Hat mein neuer Koalitionspartner ernsthaftes Interesse an gemeinsamen Lösungen? Oder lauert er nur auf eine Schwäche, um mit in den Rücken zu fallen? Was soll ich dann tun? Dies und viele weitere Fragen sind es, die Politikerinnen und Politiker immer wieder zu Star-Wahrsagerin Madralana Kambusia treiben.
Die inzwischen 63-Jährige hatte im vergangenen Jahr vorhergesagt, dass Corona noch lange nicht am Ende sein werde. Sie war es, die die Zeit der Zunahme von Aktivismus und Selbstermächtigung insbesondere in Bezug auf Umwelt- und Klimapolitik als beendet bezeichnete.
Gefragtes Orakel
Besonders bei langfristigen Entwicklungslinien wird sie um Rat gebeten, teilweise von mehreren Koalitionspartnern parallel, noch häufiger aber von Wählerinnen und Wählern, die mit "den jähen Wendungen der Politik einfach nicht mehr schritthalten könne", sagt Frau Kambusia. Ja, auch wenn sie keine Namen nennt: Zu Madralana Kambusias Klienten gehören Politiker, Handwerker, Kulturschaffende und Beamte. Bei neuen Stellen- oder Rollenangeboten wird Madralana Kambusia ebenso oft um Rat wie bei Entscheidungen über die Besetzung von Richterstellen, Kabinettsposten oder bei der Formulierung von großen Handels- oder Friedensverträgen. "Dass bekannte Gesichter aus der ,Tagesschau' in meiner Beratungspraxis sitzen", sagt sie selbstbewusst, "ist an der Tagesordnung".
Frau Kambusia steht ihren Klienten aber nicht nur mit ihrer einmaligen Hellsicht und ihrer Verbindung zu dem hohen Rat zur geistigen Welt zur Verfügung, sondern sie coacht ihre Kunden auch als moderne Lifetrainerin durch Koalitionskrisen, Konflikten mit anderen Großmächten und in Auseinandersetzungen um gemeinsame Werte.
Im Einklang mit dem Stress der Zeit
"Mir ist es wichtig, dass ich meinen Klienten eine hochqualitative und außergewöhnliche Beratung geben kann und dazu zählt nicht nur das natürliche Eintreffen der Prognosen, sondern insbesondere auch den Tempel des Klienten – seine Erwartungen, seine Visionen, seine Pläne – wieder in Einklang zu bekommen, gerade bei dem heutigen Stress unserer modernen Zeit", erklärt sie.
Madralana Kambusia stammt aus Sachsen, sie einst hat Fleischfachverkäuferin gelernt und in einer Schlachterei ihre besondere Gabe entdeckt, die Zukunft vorhersagen zu können. In Eingeweiden und Darmgeschlinge erkenne sie ohne hinzuschauen, was die Zukufnt bereithalte. In einem winzigen Städtchen an der tschechischen Grenze, in dem ihre Familie seit Äonen eine Fleischerei mit angeschlossenem Wurstfachverkaufsgeschäft betreibt, etablierte sie sich als emsige Verkäuferin, mehr noch aber als "die Frau, die alles weiß", wie sie in der DDR ehrfurchtsvoll genannt wurde.
Verbotene Eingeweidelesung
Damals war Wahrsagerei noch verboten, heute reguliert die EU-Richtlinie (EU 2014/25262) für Richtiges Wahrsagen (EU-Wahr-Richt/ das Geschäft mit Voraussagen. Für Madralana Kambusia brachte die jüngste Verschärfung einen tiefen Einschnitt: Die auch als Verification of Fortune telling - (VoFT) bekannte Neuformulierung der EU-Wahr-Richt verbietet es, Informationen aus den Eingeweiden von Tieren zu gewinnen.
Kambusia nutzt jetzt ersatzweise vegane Vogelfedern und Schafsknochen aus einer polnischen Seifenfabrik. Mit welchem Erfolg, weiß sie selbst noch nicht zu sagen. "Das ist noch Probebetrieb", sagt sie. Vieles, was die Federn und Knochen ihr sagen, könne eintreffen, müsse aber nicht.
Geschlinge und Gewebereste
Der Job, wie Kambusia ihre seltene Gabe nennt, ist gefährlicher geworden. War die Handhabung von Geschlingen und Geweberesten ihr über Jahrzehnte in Fleisch und Blut übergegangen, heißt es mit den neuen Arbeitsmaterialen auch für die erfahrene Prognostikerin, vieles neu lernen. Schon mit 13 hatte Madralana Verwandten und Freunden aus der Hand gelesen.
Mit 17 entschlüsselte sie ihre erste Zeitenwende aus den Eingeweiden gefangener Hausmäuse. Ihre Prognosen waren immer treffsicher, sie irrte sich nie, sagte das Ende des Afghanistan-Abenteuers der Sowjetunion ebenso voraus wie den Tod von DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker und später den Wechsel von Kohl zu Schröder.
Angst vor der AfD
Ähnliche Verwerfungen zeigen sich der Zukunftsexpertin auch derzeit. 2026 wird Madralana Kambusia zufolge kein Jahr wie jedes anderes, sondern wie alle genauso einzigartig. Geworfene Knochen und gelesener Vogelflug verrieten ihr, sagt sie, dass die Angst vor einem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr das bestimmende Motiv sei, das bei allen Regierungsnetscheidungen den Ausschlag geben werde.
Den Wählerinnen und Wählern traut Kambusia zu, genau mit diesem Knüppel zu winken. "Viele sind bereit, das Risiko einzugehen, dass die Falschen richtig gewinnen, so lange die Richtigen sich weigern, ihre falsche Politik zu ändern."
Hokuspokus beim Klickbait-Portalen
Die Welt der Knochenprognostik ist einfach. Die großen Fragen wechseln, die passenden Antworten aber sind immer schon da. Madralana Kambusia verweist auf den Ukraine-Krieg, die Konflikte in Israel und Syrien, Erdbeben, den im Vergleich zum Goldpreis unentwegt weiter abstürzende Kaufkraft des Euro. Und sie erinnert daran, dass der Astrologe und Schriftsteller Nostradamus in seinem Werk "Les Propheties" bereits im 16. Jahrhundert so viele Antworten gegeben hat, dass windige Klickbait-Portale heute noch Schlagzeilen aus seinen rätselhaften Vierzeilern backen.
Kambusia glaubt nicht, dass Michel de Nostredame damals wirklich wusste, welche Terroranschläge, politische Wendepunkten und Krieg die Menschen heute beschäftigen. Nostradamus habe die Sterne beobachtet, dabei meditiert und seine Visionen niedergeschrieben, kritisiert Kambusia. "Kein ernsthafter Wahrsager könnte auf dieser Basis 500 Jahre in die Zukunft schauen."
Selbst die Vorhersagen ihrer überaus angesehenen bulgarischen Kollegin Baba Vanga hält Kambusia für fragwürdig. "Sie wird oft als Ratgeberin herangezogen, obwohl sie 1996 verstorben ist", erklärt sie. Das habe auch damit zu tun, dass Vanga als eine der ersten Prognostikerinnen den Tod Wladimir Putins ankündigte. "Aber diese Prophezeiung wird natürlich nicht besser, je mehr Zeit vergeht."
365 ereignisreiche Tage
Kambusia konzentriert sich auf kurzfristige Ansagen, knapp und konkret. So könne sie im neuen Jahr deutlich 365 teils ereignisreiche Tage sehen, in denen so einiges passieren werde. In den Knochen und Federn verschmelzen für sie mystische Prophezeiungen und aktuelle Weltlage zu einem beunruhigenden Bild: Eine Reihe schwerer Naturkatastrophen steht an, die Renten- und die Krankenkassenkommission werden ihre Berichte vorlegen und Bayern München werde Fußballmeister. Ein Szenario, das angesichts von Klimakrise und Extremwetter vielen Menschen zusätzliche Sorgen bereitet, denn die Fußball-Bundesliga werde damit immer langweiliger.
Statt auf Nostradamus' rätselhafte Vierzeiler zu vertrauen, setzt Kambusia auf ihre eigenen prognostischen Analysen. Knochen und Vofelfeder haben ihr verraten, dass 2026 ganz im Zeichen anhaltender globaler Unsicherheiten stehen werde, geprägt von wirtschaftlichen Anpassungen an Handelskonflikte, geopolitischen Spannungen und strukturellen Veränderungen.
Stabil depressive Stimmung
Die Instabilität der deutschen Regierung unter Friedrich Merz, die zunehmende Fragmentierung in der EU und das erodierte Ansehen von Ursula von der Leyen legten nahe, dass selbst die Hoffnung auf schuldeninduzierte wirtschaftliche Impulse nicht ausreichen werden, die depressive Stimmung zu drehen. "Ich sehe für die Weltwirtschaft wird ein robustes Wachstum von 2,8 bis 2,9 Prozent voraus, trotz der US-Zölle", sagt Kambusia.
Die Bereitschaft der USA, Billionen Dollar auf Künstliche Intelligenz zu setzen, um die anderen Wirtschaftsräume auf Distanz zu halten, garantiere quasi eine Beibehaltung des Wachstumsgrabens. "Auch die verzweifelten Versuche der EU, mit Haushaltsresten und hochfliegenden Plänen dagegenzuhalten, werden ihr kein Einholen, Aufholen oder Überholen erlauben."
Angefahrener Zug zur Zeitenwende
Der Zug zur Zeitenwende, er ist abgefahren. Mit jedem Monat, den das Wachstum in der Eurozone hinter dem im Rest der Welt zurückbleibe, verstärkten sich die strukturellen Herausforderungen, mit denen die nationalen Regierungen in der EU und die als Zuchtmeister auftretende EU-Kommission konfrontiert seien.
"Wir haben kurzfristig das Problem der Finanzierung der ausufernden Sozialstaatskosten, mittelfristig das einer Wirtschaft, die ihre Wettbewerbsvorteile gegen Wettbewerbsnachteile eintauschen musste, und langfristig eine demografische Entwicklung, die weder positiv auf die Binnennachfrage noch positiv auf die außenwirtschaftliche Dynamik wirken wird."
Zu hohe Energiepreise dämpfen den Aufschwung, durch die hohen Verteidigungsausgaben aber ist kein Geld da, die durch zu hohe Steuern und Abgaben verursachten zu hohen Energiekosten zu dämpfen. "Selbst wenn es gelingt, eine Einnahme des kompletten Donbass durch Russland weiterhin zu verhindern, ergibt sich daraus keine positive Wirkung, sondern es wird nur eine negative vertagt."
Die Karten neu mischen
Dass Europa bei den Friedensverhandlungen zwischen den USA und Russland auf Verzögerung setzt, erscheine daher naheliegend, praktisch und logisch. "Niemand glaubt wirklich noch, dass Putin die Soldaten, die Panzer oder die Ressourcen ausgehen und er deshalb aufgibt." Doch wenn im November 2028 ein neuer US-Präsident gewählt werde, ergebe sich die Chance, die Karten neu zu mischen.
"Die von Trump gegen den Willen der Europäer erzwungene Waffenruhe im Nahen Osten hat gezeigt, dass Sanktionen und Ultimaten etwas bringen können." Ähnlich könnte, denkt Kambusia, ein Regimewechsel in Moskau nach 2028 stattfinden, angeführt von der Regierung Merz. "Ich gehe davon aus, dass die Koalition halten wird, denn keine der beiden Parteien hat eine alternative Machtoption."
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