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| Die Straße von Hormus ist nicht nur die Halsschlagader des weltweiten Ölhandels, sondern auch eine Wasserstraße, über die Schmuggler den Iran mit verbotenen Hightechwaren versorgen. |
Es war ein geschlagenes Heer, das sich durch die Wüste schleppte. Und auf den fast 2.000 Schiffen, die die Soldaten Alexander des Großes über die Straße von Hormus nach Norden transportierten, die nicht mehr laufen konnten, sah es nicht besser aus. Alexander war geschlagen worden, geschlagen in Indien und doch geschlagen nicht von feindlichen Truppen oder einem mächtigeren Heerführer.
Zum Verhängnis geworden war dem bis dahin vom Glück geküssten Griechen eine Mischung aus Pech, Klima, Wetter und zu großen Ambitionen. Alexander war gerade 20 Jahre alt, als er im Jahr 334 aufbrach, um sein Weltreich über die Grenzen der bekannten Regionen auszudehnen.
Eine Reise durch den Krieg in zehn Jahren
Der ungeschlagene Kriegsherr startete sein größtes Abenteuer mit etwa 35.000 bis 50.000 Soldaten, Infanteristen und Reiterei. Begleitet wurde er von einer Flotte von etwa 160 Schiffen. Sieben Jahre schlug sich Alexander quer durch die Welt. Er besiegte die persischen Satrapen in der Türkei, löste in Gordion den berühmten gordischen Knoten und metzelte die Armee des persischen Großkönig Dareios III. nieder.
Er eroberte Gaza und gründete in Ägypten Alexandria, er schlug die Reste der Perserarmee bei Gaugamela und nahm Babylon kampflos ein. Persepolis wurde zerstört und die Armee, die sich durch Afghanistan, Usbekistan und Tadschikistan wälzte, wuchs durch Söldner und angeworbene Hilfstruppen auf bis zu 150.000 Mann, inklusive eines riesigen Trosses aus Helfern, Frauen, Kinder, Handwerkern und Händlern.
Überlistete Perser
Wie die Schlacht am Hydaspes ausging, ist bekannt. Alexander schaffte es ein weiteres Mal, seinen Gegner zu überlisten. Er griff von der Flanke an, seine Soldaten schalteten gezielt die Führer der gefürchteten Kriegselefantenführer aus. Die Tiere gerieten in Panik und sie trampelten die eigenen Truppen nieder. König Poros geriet in Gefangenschaft. Der siegreiche Alexander aber hatte ohnehin niemanden, dem er vertrauen konnte. Also lobte er seinen Gegner für seine überragende Tapferkeit. Und setzte ihn König von seinen Gnaden wieder in sein Amt ein.
Es war der Höhepunkt der Macht des alten Europa, das Alexander bis in den Punjab ausgedehnt hatte, 4.500 Kilometer entfernt von zu Hause. Zugleich aber war es eine Zeitenwende. Alexanders Soldaten waren der Kämpfe müde, sie wollten endlich die Früchte ihrer Siege ernten. Die treuen Truppen meuterten. Keinen Schritt weiter in die fremde würden sie ziehen. Viele waren krank, viele verwundet, viele hatten sich unterwegs Frauen zugelegt und die hatten Kinder geboren. Alexanders Macht geriet in eine Midlife Crisis. Was noch zu gewinnen sein würde schien weniger wert als das, was dafür riskiert werden müsste.
Mit 27 siegreich auf dem Rückzug
Der gerade 27 Jahre alte König und Heerführer hatte ein Einsehen. So schön waren die Länder nicht, die er erobert hatte, dass sich der Kampf gegen Meuterer in den eigenen Reihen lohnte. Neun Jahre nach seinem Aufbruch erreichten Alexander Heerscharen auf ihrem Rückmarsch die Gegend um die Straße von Hormus, dieses Meeresband zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel.
Auf der einen Seite lebten die geschlagenen Perser. Auf der anderen fast niemand. Um 325 v. Chr zog Alexander mit dem größeren Teil seines Heeres durch die Wüste nach Norden. Unter dem Befehl von Nearchos segelte der Rest auf den Schiffen einer neu gebauten Flotte an der Küste entlang.
Ein einzig Volk sollt ihr sein
Anfang 324 v. Chr. erreichte das Heer Susa im heutigen Iran. Alexander hatte die Idee, seine Männer massenhaft mit Perserinnen zu verheiraten, um aus Eroberern und Eroberten ein einziges Volk zu machen. Seine verdientesten Soldaten, Veteranen, die ihn über mehr als ein Jahrzehnt begleitet hatten, schickte er heim. Er selbst brach nach einem Jahr Pause auf nach Babylon, das die Hauptstadt seines Weltreiches sein wollte. Dort kam er wohlbehalten an. Dort starb er wenig später im Alter von 32 Jahren.
Hinter ihm hatte sein Weltreich schon zuvor begonnen, wieder auseinanderzufallen. Ist Macht nicht gegenwärtig, ist sie nicht vorhanden. Bis heute ist das so - und gut zu beobachten an genau der Straße von Hormus, die Nearchos mit seinen 2.000 Schiffen befahren hatte. Unter dem Himmel an der Meerenge, durch die ein Fünftel aller Öltransporte der Welt Richtung Asien und Europa schippern, gibt es neben den großen Handelsströmen aus dem Irak, Kuweit, Saudi-Arabien und Abu Dabi Richtung Arabisches Meer auch noch einen kleinen illegalen Grenzverkehr.
Schmuggler mit Dreitagebart
Kapitäne wie Ahmed, ein Mittdreißiger mit Dreitagebart und Wohlstandsbäuchlein, tuckern hier unermüdlich vom Hafen von Khasab auf die andere Seite des schmalen Meeresarmes. Dort lieg Bandar Abbas, die Hauptstadt der iranisches Provinz Hormozgan und die Heimat des Hauptquartiers der Kriegsmarine des Mullahregimes. Mit kleinen, schnellen Schlauchbooten, auf den Wellen schunkelnden Dhows und zuweilen auch größeren Kuttern wickeln Schmuggler hier den Tausch von Konterbande aller Art ab. Am helllichten Tage fahren die Boote vom Iran zum Oman und zurück.
Ein Fährverkehr für Ziegen, Benzin und Schafe, die in den Oman geliefert werden. Auf der Rücktour haben die Kapitäne dann Kühlschränke, Handys, Zigaretten, Kleidung, Schuhe, Kosmetika, Medikamente, amerikanische Softdrinks und Schokolade an Bord.
Ein sorgloses Völkchen
Diese Seefahrer von heute sind ein lustiges, sorgloses Völkchen. Furcht vor den Zöllnern des Iran haben sie so wenig wie Angst vor den Grenzposten der Omanis. Leicht könnten beide Seiten die kleinen Boote aufbringen, die die Meerenge ohne Visum und Einreisestempel kreuzen, oft mehrfach am Tag, da eine Tour nur zwei, drei Stunden dauert. Alle wissen, dass von beiden Seiten nur selten so getan wird, als wolle man etwas gegen das Schmugglerunwesen tun.
Das Sanktionsregime, das die Iraner gegen ihre obersten Führer hatte aufbringen sollen, kommt zwischen den staubtrockenen Felsen rund um Khasab an seine Grenzen. Die Lieferung zumeist chinesischer Hightech-Artikel in den Iran ist ebenso verboten wie der Verkauf die billigen iranischen Benzins und der preiswerten Ziegen und Rinder im Oman.
Glaubensbrüder gegenüber
Doch der Glaube an einen gemeinsamen Gott bindet die Menschen auf den nur 60 Kilometer voneinander entfernten Seiten der Meerenge mehr als das Versprechen an die Amerikaner, fest zur gemeinsamen Mission einer Verhinderung eines atomar bewaffneten Iran zu stehen.
"Es sind unsere Brüder", sagt Kapitän Achmed, der auf eine nie offiziell erteilte Erlaubnis von Sultan Haitham bin Tariq Al Said verweist. Der Staats- und Regierungschef habe nichts dagegen, wenn die unter den Embargofolgen leidenden Glaubensbrüder auf der anderen Seite unter der Hand unterstützt würden. "Offiziell helfen wir den Amerikaner mit Stützpunkten, deshalb dürfen wir inoffiziell auch ein wenig Handel mit den Iranern treiben."
Im Kampf gegen den schmuggel
Offiziell kooperieren die Regierungen beider Länder im Kampf gegen den Schmuggel. Und doch brausen schon früh am Morgen die ersten Motorboote in den Hafen von Khasab, vollbeladen mit Geflügel, Schafen und Kanistern voll Benzin. Die Schmuggler sind kaum im Hafen angelandet, da werden ihre Mitbringsel schon in bereitstehende Lastwagen umgeladen.
Das hier ist kein Gelegenheitsgeschäft, sondern in Business mit klaren Abläufen: Der Hafen von Khasab ist hochmodern, die Lieferungen aus dem Iran verwandeln sich auf der kurzen Fahrt aus der omanischen Enklave Musandam bis zur Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten in legale omanische waren.
Ein schwunghafter Handel
Es wird schwunghaft gehandelt, vom frühen Morgen bis in den späten Abend. Es wird in großem Maßstab verdient. Die Behörden beider Seiten wissen das. Die Behörden beider Seiten dulden es. Der Schmuggel über die Straße von Hormus ist groß genug, um viele Beteiligte zu ernähren. Aber er ist zu klein, als dass ihn die Amerikanern als echtes Problem betrachten müssten.
Die Halbinsel Musandam, durch das Gebiet der Vereinigten Arabischen Emirate vom eigentlichen Oman abgetrennt, ist als Beobachtungsposten für Briten und Amerikaner zur Überwachung des legalen Schiffsverkehrs in der Meerenge zu wichtig, als dass sie wegen des Verstoßes einiger hundert Ameisenhändler gegen das Sanktionsregime keinen Streit mit der Regierung des Oman riskieren würden.
Kontrolle über einen kahlen Felsen
Die strategische Bedeutung der Halbinsel Musandam erkannten schon die Portugiesin, die sich das von tiefen Fjorden durchzogene Zipfelchen Land im 16. Jahrhundert aneigneten. Das Fort, das heute noch in der Hauptstadt Khasab steht, stammt aus dieser Zeit, die allerdings schon 1650 endete.
Die Sultane trieben die Portugiesen aus dem Land und übernahmen selbst die Kontrolle über die abgelegene Halbinsel aus kahlen Felsen, die etwa doppelt so groß ist wie das Land Berlin. Das Interesse der Administration in der Hauptstadt Maskat aber erwachte erst, als die Amerikaner nach der islamischen Revolution im Iran Interesse an einer dauerhaften Präsenz direkt gegenüber anmeldeten.
Unterpfand der Treue
Die Khasab Airbase ist inzwischen seit mehr als 55 Jahren das Unterpfand der Treueversicherung der omanischen Sultane an die USA. Der Oman ist Mitglied der Allianz gegen den Terrorismus, dafür halfen die Vereinigten Staaten bei der Modernisierung der Königlich Omanischen Luftwaffe und statteten die Sultans Air Force mit 17 F-16-Jägern aus. Die kleinen Löcher, die der Schurkenstaat Iran bei Khasab findet, um seine Isolation zu durchbrechen, wird achselzuckend akzeptiert. Wenn es weiter nichts ist.
"Wieder du, alter Fuchs?", lächelten ihn die Grenzbeamten des Iran an, wenn er gelegentlich kontrolliert werde, erzählt Ahmed. Eine Stange Zigaretten wächst hinüber. Der übliche Tarif in einem gut etablierten informellen Wirtschaftskreislauf, der die armen Küstengemeinden beiderseits der Meerenge wirtschaftlich stützt. Hochrechnungen zufolge erreichte das Volumen des Schmuggels vor dem Beginn der jüngsten Eskalation einen Wert von bis zu 2,5 Milliarden Dollar im Jahr, abgewickelt überwiegend ohne einen einzigen Schein Bargeld.
Der Krieg als Katastrophe
Für die Bootseigentümer, Kapitäne und im Nebenberuf schmuggelnden Fischer ist der offene Konflikt zwischen den USA, Israel und den übrigen Staaten auf der arabischen Halbinsel und den Nachbarn jenseits der Meerenge eine Katastrophe. Hier geht vorerst nichts mehr. Keine Fahrten über die nasse Grenze, nicht einmal nachts. Kein Warenverkehr, kein Einkommen. An den Weltbörsen geht es abwärts. Hier waren sie von einem Tag auf den anderen ganz unten.

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