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| Den historischen Moment, in dem Philipp Amthor (r.) und sein treuer Kanzler Friedrich Merz erkennen, dass die Vorhersage das Wahl-O-Rat stimmt, hat der junge Maler Kümram in Öl gebannt. |
"Experimentell, freiwillig und demokratisch" – so beschreibt der bekannte Regressionsforscher Hans Achtelbuscher das von ihm und einem multikulturellen Team aus Psychologen, Programmierern und Politbeobachtern entwickelte Prognoseinstrument "Wahl-O-Rat". Während der von der Bundeszentrale für politische Bildung angebotene Wahl-O-Mat Wissenschaftlern zufolge durch offen angebotene rechtsradikale, rechte und rechtsextreme Positionen immer wieder und immer stärker dazu beiträgt, Ansichten des linken und rechten Randes hoffähig zu machen, setzt der Wahl-O-Rat traditionell auf zivilgesellschaftliche Beteiligungsformate und die kollektive Klugheit der Crowd.
Schulze schimpft über "rausgeschmissenes Geld"
Auch bei der Landtagswahl in "Sachsen" (Rheinische Post) hatte das bisher im Probelauf befindliche Messinstrument vorab Ergebnisse abgeliefert, die weitaus näher am Endergebnis lagen als die Prognosen aller renommierten Umfrageinstitute.
Für die millionenschwere Branche eine veritable Blamage, zumal der Magdeburger Wahlverlierer Sven Schulze seinen vielleicht schon letzten Auftritt auf der großen Berliner Bühne nutzte, über die Untauglichkeit der Vorhersagen von Infratest, Forsa, Insa und Allensbach zu wettern, "Rausgeschmissenes Geld" sei das, schimpfte Schulze. Unter der Hand besteht bei der gesamten Union Einigkeit: Der gemeinfreie, kostenlose, transparente und faire Wahl-O-Rat ist den gewohnten Systemen weit überlegen.
Ein Einblick in die Erwartungen
Denn hier erlauben die Abstimmungsergebnisse nicht nur eine exakte Prognose des Ausgangs von Wahlen, sondern auch einen interessanten Einblick in die Erwartungshaltung politisch interessierter Teilnehmer. "Methodisch sieht unser Versuchsaufbau ganz anders aus als der klassischer Wahlumfragen", erläutert Chefentwickler Hans Achtelbuscher, der am An-Institut für Angewandte Entropie der Kulturstiftung zu Fragen der Sprachregelungsmechanismen im Medienbereich und den Auswirkungen subkutaner Wünsche auf die berichterstattete Realität forscht.
Während die alteingesessenen Institute die AfD bei 40 bis 43 und die CDU bei 22 bis 23 Prozent sahen, lag der Wahl-O-Rat mit seiner Mehrheitserwartung "AfD über 44 Prozent" und "CDU unter 21 Prozent" deutlich näher am tatsächlichen Ergebnis von 43,8 zu 17,2 Prozent. Ein Vorsprung, den Achtelbuscher nicht als Glücksfall, sondern als Folge einer methodischen Konsequenz versteht.
Warum Demoskopen immer danebenliegen
Im PPQ-Gespräch erklärt der Erfinder des Wahl-O-Rats, warum die etablierten Demoskopen wie immer danebenlagen, weshalb taktische Verschiebungen durch eine anti-demokratische Kampagne einer Berliner NGO die Treffsicherheit des Messinstruments beeinträchtigten und warum selbst die größte Blamage die Symbiose aus Instituten, Parteien und Medien nicht erschüttern wird.
PPQ: Herr Professor, wir sehen Sie lächeln, offenbar immer noch glücklich über den Erfolg ihres Wahl-O-Rat. Aber sagen Sie uns doch zuerst einmal, für die Leserinnen und Leser, die es nicht mitbekommen haben, wie hat ihr Tool denn im Vergleich zu den renommierten Instituten abgeschnitten?
Achtelbuscher: Deutlich besser. Die Institute hatten die AfD in einem Korridor von 40 bis 43 Prozent und die CDU bei 22 bis 23 Prozent gesehen. Der Wahl-O-Rat lag mit "AfD über 44 Prozent" und "CDU unter 21 Prozent" einmal fast punktgenau richtig und einmal hat er den Absturz der CDU zumindest im Rahmen der Fragestellung vorweggenommen. Fakt ist: Die Institute haben die CDU systematisch zu hoch und die AfD zu niedrig angesetzt. Aber das ist kein Zufall, sondern ein Muster, das wir seit Jahren beobachten.
PPQ: Hat Sie dieses erstaunliche Ergebnis überrascht?
Achtelbuscher: Nein. Überrascht wäre ich gewesen, wenn die Institute diesmal recht gehabt hätten. Soweit ich mich erinnere, war das nie der Fall. Unser Wahl-O-Rat, ich nenne ihn oft ,mein Baby', ist einfach besser auf die Wirklichkeit abgestimmt, weil er nicht Wunschdenken misst, sondern die verdichtete Wahrnehmung einer politisch interessierten Öffentlichkeit, die den etablierten Zahlen seit Langem misstraut. Dass deren Wahrnehmung näher an der Realität liegt als die teuer bezahlten Panelbefragungen, ist für uns keine Sensation, sondern die Bestätigung unserer Methode.
PPQ: Die müssen Sie uns näher erklären, glaube ich.
Achtelbuscher: Es geht um zwei Dinge. Erstens auf die schweigende Mehrheit, die in klassischen Umfragen immer noch unzureichend erfasst wird. Diese Leute legen auf, wenn sie angerufen werden. Zweitens auf die Tatsache, dass wir nicht nach der eigenen Wahlabsicht fragen, sondern nach der erwarteten Realität. Dadurch entfällt ein Großteil der sozialen Erwünschtheit. Die Teilnehmer korrigieren bewusst nach oben, was sie für unterschätzt halten. Und sie korrigieren nach unten, wo sie sehen, dass ihnen jemand ein X für ein U vormachen will. Das funktioniert.
PPQ: Deutlich zeigt der Wahl-O-Rat aber, dass bei SPD und Grünen Fehleinschätzungen auftraten – woran lag das?
Achtelbuscher: Hier lag der Wahl-O-Rat tatsächlich daneben. Unsere Teilnehmer haben beide Parteien unter oder knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gesehen. Tatsächlich kamen die SPD auf 9,3 und die Grünen auf 8,9 Prozent. Das sind natürlich Welten! Aber der Grund ist offensichtlich: Die Auswirkungen der von Berlin aus gesteuerten millionenschweren Kampagne "Taktisch wählen" hatte keiner der Teilnehmer auf dem Schirm. Da wurden ja über Campact und befreundete Organisationen mit Millionensummen zehntausende Stimmen von CDU- und Linken-Wählern gezielt zu SPD und Grünen umgeleitet, um die beiden Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde zu retten. Das ist dann natürlich keine organische Wählerbewegung mehr, die man als Außenstehender fühlen kann. Sondern eine taktische Intervention von fragwürdiger demokratischer Qualität. Solche kurzfristigen Verschiebungen kann ein Instrument, das auf langfristige Stimmungslagen schaut, naturgemäß schlechter abbilden.
PPQ: Wie sehr vermag diese peinliche Blamage gegen ein Open-Source-Tool die etablierten Instrumente der Meinungsbeeinflussung denn jetzt beschädigen?
Achtelbuscher: Überhaupt nicht. Das ist die eigentliche Pointe. Im politischen Betrieb gilt, dass die Vorhersagen auch noch so weit danebenliegen können – und sie lagen diesmal summarisch um sieben bis acht Prozentpunkte falsch –, nie wird eine ernsthafte Beschädigung eintreten. Es besteht ja da eine wirklich vertrackte Symbiose. Die Institute liefern nicht nur vor Wahlen, sondern fortlaufend die Zahlen, die Medien und Parteien brauchen, um ihre Politik zu begründen. Die Blamage wird weggeschwiegen, wenn nicht mal einem persönlich Betroffenen wie dem Sven Schulze der Kragen platzt. Die Tragödie wiederholt sich dann beim nächsten Mal. Denn das System ist in sich geschlossen und daher robust gegen eigene Fehler.
PPQ: Warum vertrauen denn aber auch große Medien stets weiter auf Umfrageergebnisse, die manchmal weniger verlässlich sind als Internetmemes? Ich denke nur an die diesmal aufgeregt diskutierte gefälschte Umfrage, die letztlich näher am Endergebnis lag als alle echten.
Achtelbuscher: Weil sie Teil derselben Symbiose sind. Medien und Parteien beauftragen und bezahlen die Institute. Die Institute liefern daraufhin die gewünschten Korridore. Eine angebliche Fake-Umfrage, die die CDU bei nur 20 und die AfD bei 46 Prozent sah, lag am Ende tatsächlich näher am Ergebnis als die meisten seriösen Erhebungen. Die Abweichung betrug dort etwa sechs Punkte, bei den Instituten summarisch sieben bis acht. Dennoch wurde das Meme natürlich als unseriös verhöhnt und die Institutsprognose als Maßstab genommen. Auch nach der Wahl hat sich niemand entschuldigt. das ist schäbig, aber nicht anders zu erwarten gewesen. Das alles ist ja kein Zufall, sondern konstitutiv für die politiknahe Unterhaltungsindustrie. Man braucht Zahlen, die den bestehenden Narrativen nicht zu heftig widersprechen. Der Wahl-O-Rat tut aber genau das und wird deshalb als Außenseitermethode belächelt und ignoriert.
PPQ: Dabei hat er den massiven Einbruch der CDU zumindest erahnen lassen. Was wussten die freiwilligen Testteilnehmer über die langfristige Erosion dieser eben noch letzten Volkspartei, was große Medienhäuser nicht wissen?
Achtelbuscher: Nicht wissen wollen. Er bestätigt den strukturellen Trend, den wir seit 2021 beobachten. Die CDU hat sich von 37,1 auf 17,2 Prozent mehr als halbiert. Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern der Verlust der Stammwählerbasis im Osten. Die Partei hat aufgehört, und unsere Umfragenteilnehmer spürten das schon vorher, als Interessenvertretung der Bürger wahrgenommen zu werden. Sie ist zum Verwaltungsorgan der bestehenden Ordnung geworden. Wer Verwaltung wählt, wählt aber nicht mit Leidenschaft.
PPQ: Es gab vorab große Diskussionen um die Rolle der Briefwahl. Die Ergebnisse, die die Briefwähler liefern, unterscheiden sich ja deutlich von dem, was Menschen an Wahlergebnis erzeugen, die persönlich im Wahllokal vorsprechen?
Achtelbuscher: Die Briefwahlquote lag diesmal bei rund einem Drittel. Der Wahl-O-Rat hatte bereits vor der Wahl darauf hingewiesen, dass er eher das Ergebnis der Urnenwähler abbildet. Die frühen Prognosen um 18 Uhr lagen daher bei der AfD näher an der Wahl-O-Mat-Vorhersage als das spätere amtliche Endergebnis. Das ist die bekannte Sichelkurve: Zuerst kommen die mobilisierten, später die abgefederten Stimmen. Die Briefwahl verzerrt die Gleichheit der Wahl, weil ein Teil der Wähler auf einem anderen Informationsstand entscheidet.
PPQ: Sehen Sie in dem Ergebnis eine Bestätigung Ihrer These von den "Divan-Demokraten"?
Achtelbuscher: Absolut. Die progressiv geneigten Wähler sind heilfroh, wenn sie ihre Stimme möglichst früh und bequem abgeben können. Sie entziehen sich damit gezielt der letzten Phase des Wahlkampfs und der Gefahr, in einer Kurzschlussreaktion etwas Falsches zu wählen. Die Anhänger der AfD hingegen erscheinen überdurchschnittlich oft persönlich, sie wollen oft Gesicht zeigen und beweisen, dass sie die besseren Bemokraten sind. Das erzeugt zwei verschiedene Wählerschaften mit unterschiedlichem Wissensstand. Der Wahl-O-Rat hat diese Differenz sichtbar gemacht.
PPQ: Was folgt daraus für die Demoskopie insgesamt?
Achtelbuscher: Nichts, was die Institute ändern werden. Sie werden weiter gewichten, panaschieren und glätten. Unser Wahl-O-Rat bleibt ein Korrektiv von außen. Er misst nicht die sozial erwünschte Antwort, die jemand gibt, den ein Forsa-Mitarbeiter überreden kann, am Telefon ein paar Fragen zu beantworten. Er zeigt die durch eigenen Wahrnehmung und Überlegung geflterte Erwartung einer Öffentlichkeit, die den offiziellen Zahlen nicht weiter traut als die "Tagesschau" nach 20.15 Uhr läuft.
PPQ: Was könnten die Institute dagegen tun?
Achtelbuscher: Ihr untaugliches Handwerkszeug über Bord werfen (lacht). Nein, Scherz beiseite. Solange ein solches Misstrauen existiert, wird der Abstand zwischen Institutsprognosen und Realität da sein. Das ist keine Krise der Methode, sondern ihr Offenbarungseid. Wir leiten aus der Mehrheitsentscheidung unserer Teilnehmer ein objektives Stimmungsbild ab. Insgesamt ergibt sich daraus eine Projektion, auf die die Realität deutlich stärker Einfluss nimmt als auf klassische Umfragen. Der Wahl-O-Rat bietet kein gleichwertiges Gegenmodell, sondern ein überlegene, wie stark reflektierte Perspektive, die zumindest längerfristige Trends inklusive von Sättigungseffekten, der Gegenmobilisierung und wahrgenommener Details aus den Wahlkämpfen abbildet.

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