Samstag, 29. März 2008

Selbstmord aus Angst vor dem Tod


"Viel gelassener als erwartet"
hätten Moslems weltweit auf die Veröffentlichung von Geert Wilders Film "Fitna" reagiert, melden die sich selbst für seriös haltenden "Tagesthemen", natürlich wie immer ohne zu verraten, wer eigentlich mehr Aufregung erwartet hatte. Die Redaktion? Die Regierung?

Dazu dann Bilder aus niederländischem Moscheen, in denen Mullahs Zurückhaltung predigen, und von pakistanischen Straßendemos, zu denen sich die internetaffine Glaubensgemeinschaft zusammengefunden hat, um durch das Schwenken von Fahnen in der Farbe des Propheten gegen Wilders` Zusammenschnitt von Zitaten und Filmschnipseln zu protestieren.

Nirgendwo ein einziger Hinweis darauf, dass irgendein Zitat aus "Fitna" nicht stimmt. Dass irgendeine Filmszene verfälscht ist. Alles richtig also, aber in der Wucht, in der Essenz nicht auszuhalten für den angeblich meinungsfreien Westen.

Da sind die Kommentatoren von "SZ" über "Spiegel" bis "HZ" einmal mehr einig: Wilders ist ein Westentaschenhitler, der zum Glaubenshass aufstachelt. Jetzt ist Europa bedroht, Anschläge sind eine Frage der Zeit, auch Deutschland rückt wieder "ins Visier" (BKA).

Alles an dieser Argumentation spricht für Wilders` Thesen. Die Internetseiten der deutschen leitmedien setzen kollektiv keinen Link zum Film, um unverlangt zugesandten Sprengkropen zu entgehen. Doch wenn ein Film damit rechnen muss, mit Bomben beantwortet zu werden, kann die Ursache nicht beim Film liegen. Hier aber geht es nicht um Ursachen, sondern um Politik, hier geht es nicht um einen Film, sondern um Angst vor der Auseinandersetzung mit einer intoleranten, mittelalterlichen Religion, deren Kraft im Hass auf alles liegt, das anders denkt, anders lebt, anders handelt.

Dann doch lieber Selbstmord aus Angst vor dem Tod, Hauptsache, es ist niemand beleidigt - vorgestern von einem Buch, gestern von einer Karikatur, heute von einem Film, morgen von einem Theaterstück, einem Lied, einem Haus, einem Baum, einer Hose, einer Frisur, einer Mahlzeit, einer Sexpraktik, einem Haustier. Liveleak.com hat reagiert und "Fitna" gelöscht, nachdem Mitarbeiter der Firma bedroht worden waren.

Ein Aufschrei der Politik? Ein Aufschrei von Künstlern, von Musikern, Filmemachern? Soli-Konzerte für Wilders? Ein Schutzschild aus Menschenleibern vor der Liveleak-Zentrale? Um Allahs willen, nein. Kein Ton. Die Verteidiger von künstlerischer Freiheit und Grundgesetz sind abgetaucht, eingegraben, einig in der Bewertung: Nicht die Intoleranz einer Glaubenslehre, die ihre Anhänger in Unbildung hält und zu Beleidigtsein auf Knopfdruck erzieht, ist schuld, dass die Meinungsfreiheit nur noch so weit frei ist, wie Angst und Furcht es zulassen. Sondern der, der mit ein paar im Netz zusammengesuchten Filmschnipseln auf diesen Umstand hinweist.

Eine Lektion, die nirgendwo so genannt werden wird, wenn Hendryk M. Broder nicht zur Feder greift. Mal sehen, wie es weitergeht: In Potsdam startet, allein die gelegentlich schon leicht verwegen weltfremde "Bild" meldet das direkt neben einem erstaunlich sachlichen Stück zu Wilders Film, heute abend eine Theateraufführung von Rushdies "Satanischen Versen". Ein Schauspieler hat sein Engagement abgesagt, nachdem er Drohungen bekommen hat. Der Potsdamer Polizeichef wird zitiert mit dem Satz "Keine gute Idee, soetwas auf die Bühne zu bringen."

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