Montag, 29. Dezember 2008

Israel soll stets alles erdulden

"Die Juden sind ein merkwürdiges Volk; Dinge, die anderen Nationen gestattet sind, sind den Juden verboten. Andere Nationen vertreiben Tausende, sogar Millionen Menschen, und es gibt kein Flüchtlingsproblem. Russland hat es getan, Polen und die Tschechoslowakei haben es getan, die Türkei hat eine Million Griechen rausgeschmissen und Algerien eine Million Franzosen. Indonesien hat Gott weiß wie viele Chinesen rausgeworfen - und keiner sagt einen Ton über Flüchtlinge. Aber im Falle Israels sind die vertriebenen Araber ewige Flüchtlinge geworden.

Alle bestehen darauf, dass Israel jeden einzelnen Araber zurücknehmen muss. Arnold Toynbee hat die Vertreibung der Araber ein Verbrechen genannt, das größer sei als die Gräueltaten der Nazis. Andere Nationen, die auf dem Schlachtfeld siegreich waren, diktieren Friedensbedingungen. Aber wenn Israel siegt, muss es um Frieden bitten. Jeder erwartet, dass die Juden die einzigen echten Christen in der Welt sind. Wenn andere Nationen geschlagen werden, überleben sie und erholen sich, aber sollte Israel besiegt werden, wird es vernichtet. Hätte Nasser triumphiert, er hätte Israel von der Landkarte gewischt, und keiner hätte einen Finger gerührt, um die Juden zu retten. Keine Verpflichtungserklärung, die gegenüber den Juden von irgendeiner Regierung - unsere eigene eingeschlossen - abgegeben wurde, ist das Papier wert, auf dem sie geschrieben steht.

Es gibt einen Aufschrei der Entrüstung in der ganzen Welt, wenn Menschen in Vietnam sterben oder zwei Schwarze in Rhodesien hingerichtet werden. Aber als Hitler die Juden abschlachtete, hat niemand ihm gegenüber protestiert. Die Schweden, die bereit sind, wegen dem, was wir in Vietnam tun, die diplomatischen Beziehungen zu Amerika abzubrechen, haben keinen Pieps gesagt, als Hitler die Juden abschlachtete. Sie schickten Hitler bestes Eisenerz und Kugellager und hielten die Züge in Schuss, die seine Truppen nach Norwegen transportierten. Die Juden sind allein in der Welt. Wenn Israel überlebt, dann nur wegen jüdischer Anstrengungen. Und jüdischer Ressourcen.

Doch in diesem Augenblick ist Israel unser einzig verlässlicher und bedingungsloser Verbündeter. Wir Amerikaner können uns mehr auf Israel verlassen, als Israel sich auf uns verlassen kann. Und man muss sich nur ausmalen, was im letzten Sommer geschehen wäre, hätten die Araber und ihre russischen Unterstützer den Krieg gewonnen, damit man begreift, wie lebenswichtig Israels Überleben für Amerika und den Westen insgesamt ist. Ich habe eine Vorahnung, die nicht von mir weichen will; was Israel geschieht, wird uns allen geschehen. Sollte Israel untergehen, wird der Holocaust über uns kommen."

Den Text verfasste der amerikanische Philosoph Eric Hoffer im Jahr 1968. Er bezieht sich darin auf den Sechstagekrieg von 1967. Hannes Stein hat ihn ins Deutsche übersetzt, die "Welt" verdienstvoller Weise heute gedruckt.

Kommentare:

  1. Auch wenn ich bei dir - nicht ganz zu Unrecht ;) - ein wenig Ironie in der Veröffentlichung hier vermute, danke ich dir für den Artikel bzw. den Verweis zur "Welt".

    Ich durfte erst im Frühjahr diesen Jahres für einen Monat das Zusammenleben in Israel miterleben. Juden und Palis feierten gemeinsam und ausgiebig bspw. jeden Freitag den Shabat an den Stränden von Tel Aviv. Dort ist wahrlich keiner des anderen Feind. Quintessenz aller Begegnungen war immer und immer wieder nur die eine: "Lasst mal die Hardliner-Generation auf beiden Seiten aussterben, dann wirds auch was mit dem Frieden." Zugegebenermaßen etwas schwachbrüstig, aber dennoch irgendwie wahrheitsbehaftet.

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  2. nein, was das betrifft sind wir mit sicherheit völlig unironisch

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