Mittwoch, 25. August 2010

Wunderbar ohne Achselhaar

Wahrheit, Klarheit und ungeschminkte Wirklichkeit - seit die "Aktuelle Kamera" des DDR-Fernsehens nicht mehr sendet, gibt es das nur noch die allabendlichen "Tagesschau" der Gebührenfunkzentrale ARD und die Landesnachrichten der einzelnen angeschlossenen Funkhäuser draußen im Land. Hier wird noch mit viel Liebe zum Detail zurückgeschaut auf die Dinge, die die Welt bewegen, und mit großer Hingabe feilen unterschiedlichste Fachredaktionen an einem Bild der Gegenwart, das die Geschmäcker nicht beleidigt.

Auch auf Kleinigkeiten legen die Verantwortlichen dabei sehr viel Wert. Ist die Wirklichkeit nicht ganz so, wie sie sich die Redaktion in der Mittagssitzung vorgestellt hat, lässt sich mit Hilfe modernster Technik häufig das Gröbste ausbügeln. Kameras können in einem der Geschichte dienlichen Winkel gehalten oder Totale durch Nachaufnahmen ersetzt werden, während der Kommentator besorgt von noch weit höheren Dunkelziffern und dem verzweifelten Kampf irgendwelcher Helfer in der jeweils gerade größten Menschheitskatastrophe aller Zeiten raunt, von der später nie wieder die Rede ist, weil es dann ja schonwieder mächtigen Streit im Kabinett und Rumoren an irgendeiner Basis gibt.

Bei den Grünen in Hamburg aber ist derzeit alles in Butter, befand das "Hamburg-Journal" des NDR. Allerdings konnte mit ein bisschen Nacharbeit alles noch schöner gemacht werden. Während so etwa die Hauptnachrichtensendung schreckliche Bilder vom Parteitag der GAL zeigt, in denen Parteiführerin Anja Hajduk die Kamera ganz nah dran lässt an ihre üppig wuchernde Achselbehaarung (Foto oben), pflegte das öffentlich-rechtliche Online-Angebot die Achselhöhlen der Politikerin erst nach einer gründlichen Photoshop-Rasur (Foto unten) in seine Feinschmecker-Seiten ein. GEZ-Kosmetik für den schönen Schein im Dienste der inszenierten Wirklichkeit, wie sie treue Zuschauer bislang nur von nordkoreanischen Nachrichtenagenturen, aus Bilderbüchern über Lenin und aus dem ZDF kannten.

Kommentare:

  1. verstößt es nicht gegen das persönlichkeitsrecht wenn man jemanden virtuell seines achselhaars beraubt und somit ein falsches, was sagt ich, verzerrtes bild abgibt

    "da schau die grüne, rasiert sich a schon überall, zeiten san dös"

    AntwortenLöschen
  2. davon gehe ich auch aus. sie trägt die frisur ja sicher als politisches statement, nun kommt das gar nicht an. das gib einen prozess, mit sicherheit

    AntwortenLöschen
  3. Gustav FröhlichAugust 26, 2010

    alles halb so schlimm..immerhin handelt es sich bei dem besagten achselhaar um eine nachwachsende ressource..

    AntwortenLöschen
  4. das war aber eine politische aussage! die wachsen nicht nach

    AntwortenLöschen
  5. ÖR Sender sind eben etwas für Gourmets. Allerdings wäre es im Sinne der Freunde des guten Geschmackes, hätte man das Gesicht der Frau mit dem gleichen Pinsel ausgemalt.

    AntwortenLöschen
  6. Gustav FröhlichAugust 26, 2010

    naja..gottseidank mußten wir nicht unter die röcke gucken..

    AntwortenLöschen

Richtlinien für Lesermeinungen: Werte Nutzer, bitte beachten Sie bei ihren Einträgen stets die Maasregeln und die hier geltende Anettekette. Alle anderen Einträge werden nach den Vorgaben der aktuellen Meinungsfreiheitsschutzgesetze entschädigungslos gelöscht. Danke.