Donnerstag, 9. Juli 2020

Psychokrieg an der Wetterkarte: Was ist das wieder für 1 Klimasommer!

Tagesschau-Wetterkarten im Wandel der Zeit: Je neuer, desto roter. 22 Grad sind heute das neue schon eine Hitzewelle.

Es ist ein Trauerspiel, das Moma-Wetterfee Silke Hansen erklären muss: Wieder so ein Klimasommer, der das Land mit Dürre quält, Welkstress für die Pflanzen überall, "da ist es gut, dass es jetzt mal regnet", sagt Hansen angesichts eines Sommers, der einmal mehr verdeutlicht, wie sehr der menschengemachte Klimawandel die gewohnten Verhältnisse durcheinandergebracht haben. Die Wetterkarte mit den gemutmaßten Tagestemperaturen, die hinter Silke Hansen zu sehen ist, zeigt es unübersehbar: Für 22 Grad  Klimahitze ist das alarmierende Rot vorgesehen, das noch vor ein paar Jahren ausschließlich zur Anwendung kam, wenn das Weltklimaziel von 36 Grad gerissen wurde.

Wetter aber ist ein gefühlter Zustand. Was von Menschen in Norwegerpullovern und Fellstiefeln als Hitze wahrgenommen wird, bringt den sinnbildlichen nackten Mann zum Bibbern, wo der Marathonläufer über eine grausame Wärme stöhnt, die ihn davon abhält, seine Bestzeit zu laufen, packt der Strandbadbesucher seine sieben Sachen ein, weil es zu kalt ist, um noch auf der Wiese zu liegen.

Wichtig ist Einordnung, Erklärung, die Vorgabe, was genau wie zu verstehen ist: Mitte der 90er Jahre (Karte Mitte rechts oben im Bild) illustrierte die amtliche "Tagesschau" mutmaßlich bevorstehende Temperaturen bis 33 Grad noch in einem Grün, das der klimasensible Bürgerseiende heute als verharmlosend empfinden würde. Inzwischen hat die Redaktion nachreguliert - schon ab 24 Grad warnt ein beunruhigendes Knallrot jetzt bundesweit vor den Folgen der Klimakatastrophe.

Eine Farbverschiebung, die im historischen Rückblick jeden Psychologen begeistert Beifall klatschen lassen würde. Vor fünf Jahren noch war die Farbpalette, der sich Deutschlands  meistgesehene Nachrichtensendung für ihre Wetterkarten bediente, recht einfach zu verstehen. 22 Grad kennzeichnete ein sähmiges Gelb, 27 erschienen in leichtem Rot, 29 wurden röter und ab 33 gellte alarmrot durch die Republik, die bis Ende der 90er Jahre hatte mit reinen Zahlenwerten zu anstehenden Tages- und Nachttemperaturen auskommen müssen. 12 Grad waren 25 und 25 waren 37 Grad, rein grafisch.

Doch der Klimawandel und die anstehende Klimakatastrophe, sie müssen illustriert, sie müssen begreifbar gemacht werden auch für die, eine Hitzewelle mit 24 Grad im Juli immer noch für ein relativ normales Phänomen halten und monatelange Dürre für unvereinbar halten mit Regenwassermengen, die über sechs Monate gemittelt im Durchschnitt liegen. Seit die Wetterkarten der ARD an die neue Aufgabe der Vermittlung zusätzlichen Wissens über den Klimasommer angepasst wurden, signalisiert eine Farbverschiebung an langwellige Ende des sichtbaren Spektrums, was hier Sache ist: 24 Grad sind das neue 32 Grad, glutrot wie der kommende Untergang wird bereits, wo das erreichen der 27 Grad-Marke  früher bestes Badewetter signalisiert hätte.

Röter als Rot geht leider nicht, aber doch eigentlich schon. Beim Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung  ist es Deutschlands besten Trockenforschern gelungen, aus laut Umweltbundesamt seit 1880 leicht angestiegenen Niederschlagsmengen eine grafische Jahrtausenddürre zu erzeugen, die die Wissenschaftler jetzt inspiriert hat, einen eigenen Wettbewerb um Dürrefotos auszurufen: "Ausgetrocknete Felder, Flussbetten oder Wälder: In vielen Orten Deutschlands machen sich die Hitzerekorde bemerkbar", laden sie dort jedermann ein, "Haben Sie Fotos von der Dürre, die Sie mit uns teilen wollen? Hier können sie hochgeladen werden."

Der 1. Preis ist übrigens ein knallroter Sonnenschirm, der sich auch bei Regen verwenden lässt.

5 Kommentare:

  1. Wetterkarten
    Passen doch zum politischen Mainstream: Rot, röter, am rötesten! BRDDR!

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  2. Das Helmholtz-Institut UFZ ist zu 100% staatlich. 1100 Akademiker singen dort das Lied ihrer Geldbewilliger.

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  3. Schulligung für OT:
    Immerhin bringt Freud Danisch jetzt die Nummer mit der Liebigstrasse: Linke unter Linken. Ach, wenn es das noch zu Pipi schaffen würde ...

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  4. Beim Merkelinstitut, nee Helmholtzinstitut findet man unter "news feed" folgende Themen:

    "Verregneter Juni ändert nichts an Trockenheit"
    "Warum die Landwirtschaft ein Dürreproblem hat - trotz Regen"

    Das muss die Dialektik der Frankfurter Schule sein.

    Kühler Juli ändert nichts an der Hitze.
    Warum das Land verblödet - trotz mehr Bildung

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  5. Da die Erde durchs All rast und dieses bekanntlich immer schneller expandiert, kann es da schon mal zu einer Rotverschiebung kommen. Geschwindigkeit frisst Hirn.

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