Sonntag, 9. August 2020

Der Fall Eckhart: Satire darf das alles nicht



Beim Reinemachen den Eimer umstoßen, das gibt nach dem Wischen besonders saubere Böden. Was Ulrike Stockmann in ihrem lehrreichen Aufsatz "Eine deutsche Kehrwoche" als anschwellenden Bocksgesang einer Gesellschaft beschreibt, die immer öfter und immer heftiger Angst vor ihren eigenen Gedanken bekommt, hat im Fall der Kabarettistin Lisa Eckhart eine übersichtliche Benutzeroberfläche bekommen. Eckhart, eine scharfsinnige, garstige Person, der es gefällt, die widersprüchlichen Doppeldeutigkeiten der allgegenwärtigen Zweifachmoral in einer klinisch korrekten Sprache zum Lachen zu bringen, hat das Endziel aller Kunst erreicht: Ernst genommen werden, und zwar so ernst, dass, wie Marx gesagt hätte, ihre Witze zur materiellen Gewalt geworden sind, weil sie die Massen ergriffen haben.

Minimale Massen zwar, denn die anonymen Bedroher einer geplanten Lesung der Wienerin in Hamburg, ehemals Thälmanns revolutionäre Bastion, mögen nur eins, zwei oder vier Wutbürger*innen zählen. Doch in einem Land, das so furchtsam ist, dass es seine unter permanentem Rassismusverdacht stehenden Polizeibeamten zwingt, linke Szeneobjekte wie die Rigaer Straße in Berlin nur noch zu betreten, wenn vorher „die telefonische Erlaubnis eines Vorgesetzten des höheren Dienstes“ eingeholt wurde, wie Thilo Schneider anmerkt, reicht das laute Geschrei weniger weiter als der leise Ruf des common sense.  Ruhe im Karton.

"Lisa Eckhart wird nicht bedroht, weil sie Hetze betreibt, sondern weil ihr Hetze unterstellt wird", analysiert Gerd Buurmann, den die Causa Eckhart schmerzhaft daran erinnert, dass Humor "stets das Erste ist, was Faschisten verbieten."

Viel Widerstand haben sie nicht zu befürchten, denn der voluntaristische Kampf gegen die Meinungsfreiheit, befeuert durch Gewaltandrohungen, verursacht leitmedial nicht etwa helle Empörung angesichts der bedrohlichen Richtung, in die diese Treppe führt. Nein, die übliche Rede bemüht die üblichen Vokabeln: "Umstritten" sei die Eckhart, und auf "perfide Weise unterhaltsam" (Spiegel), eine "Grenzgängerin", die mit "fast jedem Satz provoziert" (Christian Stüwe). Und damit im Grunde selbst schuld daran, dass sich die gesunden und anständigen Reste der noch nicht rechtspopulistisch verluderten Republik unter Androhung von handfesten Maßnahmen gegen die Präsenz der Delinquentin im öffentlichen Raum wehren.

Bemerkenswert ist nicht das Achselzucken, mit dem etwa die "Zeit" die Raumnahme des Brutalen auf dem Spielfeld des Meinungsstreits als "Gespensterdebatte" abtut und auch nicht der Umstand, dass der als Fortsetzung eines seit längerem anhaltenden Trends zu lesende Vorfall außerhalb hypersensibler Feuilletonistenkreise keinerlei Wellen schlägt.

Bemerkenswert ist vielmehr der Umstand, dass Eckhart das Meisterstück gelungen ist, eine tiefe Bresche in die für gewöhnlich fest geschlossene Einheitsfront von "Zeit" und "Tagesspiegel" zu schlagen: Was in Hamburg als "Gerücht" gilt, "dass Menschen mit missliebigen politischen Ansichten heutzutage ausgegrenzt würden bis hin zur Vernichtung ihrer beruflichen Existenz", hahahaha!, ist für die Berliner Redaktion ein Beispiel dafür "wie die Wächter über das Sagbare die Redefreiheit einschränken".

Meinungsfreiheit also, wenn auch womöglich dadurch befeuert, dass selbsternannte Taliban des Meinungsfreiheitsschutzes durch Meinungsverbote vor vier Jahren am selben Ort in Hamburg versucht hatten, eine Lesung des Tagesspiegel-Kolumnisten Harald Martenstein zu verhindern, damals aber noch gescheitert waren. Der Fortschritt scheint von Berlin aus gesehen folglich nun doch ein bisschen bedrohlich, während im "Zeit"-Hochhaus eher täterbezogen argumentiert wird, es stehe ja jedem frei, gar nicht erst irgendetwas zu sagen oder zu schreiben, das jemand anders "wirklich nicht lustig" (Spiegel) finden könnte.

PS: Der frühere Fußballnationalspieler Thomas Berthold hat sich inzwischen bereiterklärt, in einem von der "Zeit" veranstalteten Großexperiment den Nachweis zu führen, dass auch "harte Kritik an der politischen Führung" im Deutschland dieser Tage keinerlei berufliche Konsequenzen hat.

Kommentare:

  1. Thomas Berthold hat die Rente durch. Seine berufliche Existenz wird nieman mehr vernichten können. (Soll heißen: Mit vollen Hosen läßt sich gut stinken ...)

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  2. OT:
    >> Weil beide Gruppierungen grenzen sich ab und bekämpfen den Rechtsstaat ! <<

    Vom schrägen Stil abgesehen, ist Danischs Leser ein Spaßvogel: Er behauptet, glaubt also ofenkundig, es gäbe /wir hätten einen Rechtsstaat.

    (Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!)

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  3. 'Natürlich gibt es Meinungsfreiheit, die ist ein hohes Gut. Aber dann man muss auch ein paar auf die Fresse aushalten können.'

    Merkel

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  4. Gerhard Schröder: Größte Lüge in der Geschichte Deutschlands ---

    Wie putzig auf Pipi verlinkt. Natürlich nichts dergleichen, wie denn auch - und noch nicht einmal die ZWEITgrößte Lüge, die mit dem Kohlendioxid.

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  5. https://twitter.com/Ricarda_Lang/status/1292476837638164480/photo/1


    die Ricarda von den Grünen mümmelt Mäcdo Junkfood im ICE .

    weitersagen

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