Freitag, 19. August 2022

Nationaler Rausch: Der Gemeinsinnfunk im Jubel-Taumel

Alle Farben Schwarzrotgold: Bei ARD und ZDF werden meiste nicht einmal die Sieger von Wettbewerben genannt, sondern nur das Abschneiden der deutschen Atlethen.

Ist es nicht vollkommen egal, wer gewonnen hat? Kommt es beim Leistungssport, mit Millionen und Abermillionen gepäppelt, nicht vor allem aufs Mitmachen an? Wen interessiert schon ein Sieger, wenn der Drittplatzierte vom eigenen Blut ist? ARD und ZDF haben bei den als "European Championships" zu einer Art Olympia für Arme aufgeblasenen Europameisterschaften in München eine vollkommen neue Art der Berichterstattung entwickelt. Nicht nur gelegentlich, sondern durchgehend wird nicht darüber berichtet, wer in welchem Wettbewerb gesiegt hat, wer Zweiter und wer Dritter wurde. Sondern ausschließlich, auf welchem fantastischen vorderen Platz die sogenannten "deutschen Starter" eingekommen sind.

Enttäuschender Japan-Feldzug

Der Zusammenhang mit der Olympia-Pleite des vergangenen Jahres ist unverkennbar. Damals  war ein gewaltiges deutsches Aufgebot als "Team Deutschland" nach Tokio aufgebrochen, begleitet von Heerscharen deutscher Journalisten, die gekommen waren, der pandemiegequälten Heimat gute Nachrichten von der Sportfront zu schicken. Die fielen dann aber aus,"Team Deutschland"  landete weit hinter dem dünnbesiedelten Australien und den winzigen Niederlanden auf Platz 9, weit hinter Frankreich und Brexit-Britannien.

Für eine frühere Sportnation eine traumatische Erfahrung. Wenn schon keine Innovation mehr aus Deutschland kommt, keine Erfindungen, keine moralische Führung und keine Vorbildwirkung beim Kampf gegen das Klima, dann darf die leidgewohnte Bevölkerung doch wohl wenigstens erwarten, dass unsere Sportsoldaten und Leichtathletik-Polizistinnen Säcke voller Medaillen mit nach Hause bringen.

Neuer Wettbewerb, neues Glück

Bei den Heimspielen der frisch erfundenen European Championships, die erst zum zweiten Mal stattfinden und diesmal in München, gelingt der Spagat zwischen 300 Millionen Euro Sportförderung jährlich allein durch den Bund und kärglicher Medaillenausbeute  zu schließen. Ohne Amerikaner, Chinesen, Japaner und Australier am Start gelingt es den deutschen Athleten deutlich öfter, vor ihren Konkurrenten ins Ziel zu kommen. 

Und noch deutlich häufiger triumphieren sie in der Berichterstattung: Sowohl bei ARD als auch beim ZDF ist nationaler Rausch verordnet, eine Begleitung der sportlichen Wettbewerbe als Aufwallung in Schwarzrotgold, die nicht einmal mehr so tut, als gehe es um Sport, um die besten Leistungen, die schnellsten Zeiten. Statt Ergebnisse von Wettbewerben zu referieren, haben die Redaktionen auf Nachrichten in den Nationalfarben umgestellt. Wird eine deutsche Sportlerin irgendwo Dritte, wird gar nicht mehr genannt, wer Silber und wer Gold gewonnen hat. Ist ein deutscher Sportler auf Platz 2 gerannt, reicht diese Information als Grundversorgung aus. Wer Platz 1 belegt, muss niemand wissen.

Das Wir gewinnt

Es ist ein Märchenland der Konzentration auf das Ureigene, durch das die beiden Gemeinsinnsender bei den "Championships" spazieren wie die Propagandabeauftragten eines Bundesaufmunterungsministeriums. "Zynischen Nationalismus", nennt es die FAZ. Schaut nur alle, wie gut unsere Sportlernden sind! Und wieder einmal Gold! Ein Erzählstil, der inzwischen auch die privat betriebenen Traditionsblätter erreicht hat. "Beinahe hätte es sogar für eine Einzelmedaille gereicht" (Süddeutsche). Das sind die "deutschen Medaillengewinner bei der Heim-EM" (Stuttgarter Nachrichte) und "Deutsche Kunstturnerinnen holen Bronze bei Heim-EM", wie der ehemals jeder nationalistischen Anwandlung unverdächtige "Spiegel"schreibt, ehe er, zumindest noch, ein "hinter Italien und Großbritannien" nachschiebt.

Hier regiert das Wir

Dazu kommt es bei ARD und ZDF kaum noch. Hier regiert allein das Wir, das Wir gewinnt oder niemand, jedenfalls keiner, der eigens noch erwähnt werden muss. Siege, daran erinnern Uroma und Uropa sich noch ganz genau, heben die Stimmung daheim, ein "Medaillenregen" (ZDF) ist so gesehen immer ein Segen. Das Nachrichtenhandwerk, das ehemals klare Regeln hatte, wie Informationen gewichtet, gesiebt und mitgeteilt werden müssen, damit der Empfänger sich nicht nur ins Bild gesetzt fühlt, sondern tatsächlich weiß, was Sache ist, müssen zurückstehen hinter der nationalen Aufgabe, aufmunternde Botschaften zu verbreiten.

Wir sind wieder wer! Wir mögen an der Energiefront unterliegen, aber auf der Tartanbahn sind wir Sieger! Wen daheim unter länger und noch nicht so lange hier Lebenden interessiert schon, wenn ein Spanier siegt, ein Franzose Zweiter wird oder eine Britin ganz oben auf dem Treppchen steht. Der Gemeinsinnfunk nimmt seine Aufgabe ernst, in düsteren Zeiten ein Licht anzustecken. Bei der Berichterstattung von den National Championships sind alle Farben Schwarzrotgold.

7 Kommentare:

  1. Warum schicken die da solche Hungerharken von Brot-für-die-Welt hin? Haben die von den 300 Millionen nicht mal ein paar Groschen zum satt essen über?

    Kein Wunder, daß solche Zuchtathleten nichts gewinnen. Eßt mehr Fleisch, dann klappt's auch mit Medaillen.

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  2. "Corona hat wohl doch zu viel Kraft gekostet: Malaika Mihambo verpasst in München EM-Gold im Weitsprung."

    "Malaika Mihambo springt zu Silber - und erleidet Kreislaufkollaps im Stadion"

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  3. wie dürr viele sind, haben wir auch mit großem entsetzen gesehen. da musst du die augen schon ganz fest geschlossen halten, um nicht zu sehen, was da los ist

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  4. wenn du oben auf dem bild die zweite von links anguckst... junge, junge. ob die es noch auf 35 kilo bringt?

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  5. Sport ist, wenn ich mit dem Arsch auf dem Fahrrad sitze. Alles andere ist kein Sport. Anderen beim Sport zuzugucken ist ungefähr, wie anderen beim Essen zuzugucken. Manchem mag das halt gefallen.

    P.S. mir ist auch aufgefallen, dass die Werbung für Ernährungsprojekte in dieser Saison extrem aggressiv ist

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  6. Malaila Bibimboo ist der neue herrenmensch

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  7. Und was kam da hervorgekrochen? Knochen! Knochen!
    (Hans Hick?)

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