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| Ein Vierteljahrhundert nach 9/11 ist die ganze Sache kein großes Ding mehr. |
Wenn spätere Historiker zurückschauen auf das letzte Jahrhundert vor dem neuen Jahrtausend, dann werden sie wahrscheinlich nur einige wenige Ereignisse für wirklich bedeutsam halten. Der erste Kriegsbeginn und das erste Kriegsende. Der Auftakt des zweiten großen Weltkrieges und sein Ende. Den Mauerbau und den Mauerfall. Der Rest ging überwiegend glücklich über die Bühne. Ein paar lokale Zwistigkeiten. Ein erster Bundeswehreinsatz ohne völkerrechtliches Mandat.
Die erste Attacke seit 1944
Kaum neun Monate nach dem Start des neuen Jahrtausends aber änderte sich die Welt erneut an einem einzigen Tag. Es war der 11. September 2001, heute vor einem Vierteljahrhundert, als Terrorkommandos der Al-Kaida des saudischen Milliardärs Osama Bin Laden die Vereinigten Staaten frontal angriffen. Es war die erste Attacke einer ausländischen auf das Festland der USA seit dem Versuch der japanischen Marine, die USA mit 9.000 Ballonbomben anzugreifen. Die waren 1944 aufgelassen worden, um vom Jetstream getrieben über den Pazifischen Ozean nach Nordamerika zu, wo sie Waldbrände auslösen sollten.
Den Japanern misslang ihr Angriff. Nur 300 Ballons kamen überhaupt an. Auch die Deutschen versagten beim Versuch, die USA auf heimischem Boden anzugreifen. Erst Bin Laden und seine Hamburger Truppe aus hochgebildeten Glaubenskriegern schlug erfolgreich zu. Am 11. September vor 25 Jahren brach tatsächlich eine neue Zeitrechnung an. Nicht metaphorisch, nicht rhetorisch, sondern ganz konkret: Als die Türme fielen, endete die kurze, scheinbar friedliche Nach-Wende-Phase der Weltgeschichte.
Brüche und Bruchlinien
Al-Kaida als organisatorischer Träger des globalen Dschihad wurde später zwar zerschlagen, Osama Bin Laden in einer allseits beklatschen völkerrechtswidrigen Kommandoaktion getötet. Doch die seismischen Wellen der Anschläge haben nie aufgehört. Sie spülten die Entspannungsphase nach dem Kalten Krieg weg und legten die immer noch bestehenden Bruchlinien bloß – erst zwischen dem Westen und Russland, dann zwischen den USA und - mit Abstrichen - Europa und China.
Die EU hatte zwischendrin versucht, sich als moralische und geopolitische Großmacht neu zu erfinden: Doch sie scheiterte grandios an ihrem eigenen Ehrgeiz, nicht nur gut, sondern die Beste zu sein. Heute spielt Europa - so nennt sich die EU am liebsten - auf der Weltbühne keine Rolle mehr.
Eine unsichtbare Bedrohung
Aus 9/11 wurde zuerst die Finanzkrise, die erste unsichtbare Bedrohung, die Politiker auf dem gesamten Globus mit frischgedrucktem Geld eindämmen wollten. Danach setzte eine bis heute nicht endende Phase unablässiger Erschütterungen ein.
Die Fluchtwellen ab 2015, fünf Jahre später die Corona-Pandemie, dann der russische Angriff auf die Ukraine und schließlich die offene Spaltung des Westens über die Frage, wie mit den neuen Machtverhältnissen umzugehen sei. All das sind letztlich Nachbeben von 9/11. Diejenigen, die damals sagten, die Welt werde nie wieder dieselbe sein, hatten recht.
Fast vollständig verblasst
Und doch: Die öffentliche Behandlung des Ur-Ereignisses eines Jahrtausends, das seine besten Zeiten vielleicht schon hinter sich hat, ist allenfalls vergleichbar mit der eines großen Sportereignisses oder eines runden Stargeburtstages. Der erste große Anschlag des fanatischen Islamismus auf die Zivilisation ist nach nur 25 Jahren fast vollständig verblasst. Wo 2001 noch jeder wusste, wo er war, als die Türme fielen, wo noch Jahre später Analysen, Dokumentationen und Debatten den Alltag prägten, herrscht heute tiefes, strenges Schweigen.
Die großen Blätter bringen allenfalls eine pflichtschuldige Gedenknotiz. Die Sender eine alte Doku im Spätprogramm. In Deutschland ist 9/11 nirgendwo verpflichtender Schulstoff. Weder in den Rahmen- und Kernlehrplänen für Geschichte, Politik/Sozialkunde oder Gesellschaftslehre taucht der 11. September 2001 als Pflichtinhalt auf, der flächendeckend behandelt werden muss.
Niedersachsen hat immerhin ein Wahlmodul "Der ‚11. September 2001‘ – ein Wendepunkt der Geschichte?" mit Fragezeichen im Fach Geschichte. In den anderen Bundesländern verschwindet das Ur-Ereignis in Schwerpunktsetzungen wie "Vom 20. ins 21. Jahrhundert", "Terrorismus und Sicherheitspolitik" oder "Globalisierung und Konflikte".
Die Jugend weiß nichts
Wer heute 15 Jahre alt ist, hat zumeist nur kursorisch vom Kalten Krieg gehört, er weiß nur wenig über den Mauerfall, aber gar nichts über den anhaltenden Krieg zwischen der Zivilisation und ihren Feinden. Die Migrationswellen erscheinen wie ein Naturereignis. 9/11 wird allenfalls als Beispiel für besonders üblen Terrorismus oder als Auslöser des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr erwähnt – auch das aber nur, wenn ein interessierter Lehrer das Thema mitbringt und auf eine Faust erörtern lässt.
Die neue Journalistengeneration, für die 9/11 nur noch eine Fußnote im Geschichtsbuch ist, spricht längst von "Muslimen" statt den deutschen Begriff "Moslems" zu verwenden. 9/11 ist unpraktisch, der Tag lässt sich überhaupt nur bewirtschaften, indem ein feiner Unterschied zwischen Islam und Islamismus gemacht wird. Für Gedenkstunden eignet sich das nicht.
Beständige Folgekrisen
Glücklicherweise überlagern beständig Folgekrisen – Wahlkampf, Wirtschaft, Russland, Energie – die Frage, wie es weitergehen soll. Die Erinnerung an den Tag, an dem der Steinzeit-Islam stolz und erbärmlich zugleich an die Türen der westlichen Moderne klopfte, stört die Behaglichkeit einer Welt, die es gern bequem hat.
Dabei war 9/11 ein Tipping Point wie der Mauerfall. Eine rationalisierte Gegenwart sah sich konfrontiert mit durchaus westlich sozialisierten jungen Männern aus gutbürgerlichen Familien, die sich in fliegende Bomben verwandelten und damit zeigten: Es geht nicht um Armut, nicht um Verzweiflung, nicht um Hunger, sondern um Ideologie, die sich Religion tarnt.
Rückständigkeit, Unterdrückung und Konflikte
Der Islam erhebt seit 1.400 Jahren einen Allmachtsanspruch und produziert überall, wo er dominiert, Rückständigkeit, Unterdrückung und Konflikte. 26 von 44 Staaten, die heute noch an der Todesstrafe festhalten, sind islamisch geprägt. In keinem islamisch dominierten Land ist die Prügelstrafe verboten. Mehr als die Hälfte der Länder mit der geringsten Lebensqualität leben nach dem Koran.
Frauen genießen dort nur eingeschränkte Rechte, Minderheiten fliehen, Schiiten und Sunniten sind gefangen in einer unauflösbaren Dauerfehde. Juden haben den Jemen verlassen, Christen fliehen aus Syrien, das neuerdings von einem waschechten Islamisten regiert wird, dem Donald Trump Absolution für frühere Sünden erteilt hat.
Der Westen reagierte wie immer: Weitergehen. Augen zu und durch. Kopfschütteln und Pfeifen im Keller. Als schärfste Waffe gegen die Angst gilt die strikte Verleugnung. Selbst noch als der Terror wie ein Echo der Angriffe auf Amerika die deutschen Fußgängerzonen erreichte und das Wort "Sicherheit" eine vollkommen neue Bedeutung bekam, hieß es stur "Wir lassen uns unsere Lebensweise nicht nehmen". Dabei hatte sie längst verabschiedet.
Terror als Dauererscheinung
Betonpoller, Messerverbotszonen, Überwachungsgesetze, die in den 80er Jahren noch zum Regierungssturz geführt hätten. Sprachregelungen. Strafen. Islamophobie. "Rassenhass" auf die Angehörigen einer Religionsgemeinschaft. Der Terror wurde zur Dauererscheinung. Al-Kaida starb, dem IS wuchs ein neuer Kopf, der IS ging unter, doch das Problem blieb. Hamas, die "palästinensische Sache", der Islam, der nun "zu Deutschland gehört" – alles
Fasern vom selben Fleisch. Langsam hat sich der Alltag verändert. Und angefangen hat es am 11. September.
Trotzdem 9/11 nach nur 25 Jahren zur historischen Randnotiz geworden. Die Nachgeborenen schütteln den Kopf: War da was? Ja, der Startschuss für eine Welt, in der der Westen sich selbst nicht mehr verteidigen will und stattdessen die Verleugnung zur Staatsräson erklärt. 9/11 glich einer Alieninvasion, unerklärlich und unabänderlich. Nun sind sie halt da, hat eine Kanzlerin das später beschrieben.
Nichts ist gelöst
Keines der Probleme, die 9/11 mit solcher Wucht ins Bewusstsein gerückt hatte, ist ein Vierteljahrhundert später gelöst. Der Hydra wachsen allenthalben Köpfe nach, mal sone und mal solche. Die Probleme wanderten ein, die öffentliche Debatte wanderte ins Internet ab. Weil es einfacher ist, über alles andere zu reden als über die eine große, unangenehme Wahrheit: Am 11. September hat das neue Jahrtausend mit einem Schlag seine Unschuld verloren.
Die Illusion der Entspannung
Damit endete auch der Traum vom Ende der Geschichte. Der Terror war der Startschuss für die Erosion der Stabilität, die bis heute anhält. Aus der Angst vor neuen Angriffen ist die Angst davor geworden, über die alten Angriffe weiter nachzudenken. Wo anfangs noch analysiert und aufgearbeitet wurde, herrscht inzwischen ein strenges, fast mönchisches Schweigen. 9/11 ist in die Phase der stillen Historisierung eingetreten.
Die Welt von heute ist nicht mehr die, die sie vorher war. Doch der Mensch ist ein anpassungsfähiges Tier. Denen, die nicht dabei gewesen sind, erscheint die heutige Unsicherheit als Normalzustand. Die Angriffe auf Zivilisten, begangen von oft westlich sozialisierten Hassern des Westens, werden von einer politisch unerfahrenen Elite verwaltet, deren Bestreben der Beruhigung gilt.
Es bleibt die Hoffnung
Ihre schärfste Waffe gegen die Angst ist das Appeasement. Der Islam, mit 1,6 Milliarden Gläubigen eine Weltmacht, kann nicht besiegt oder auch nur umerzogen werden. Doch wenn er nur dort, wo er dominiert, Armut, Unfreiheit und Krieg produziert, bleibt die Hoffnung, dass das Vorbild der Golfstaaten und Indonesiens eines Tages dafür sorgt, dass alles anders wird.
Was bleibt also nach 25 Jahren? Ein tiefes Misstrauen, eine unterdrückte Angst und ein Gefühl des Befremdens, das nicht weichen will. Dazu ein Mahnmal am Ereignisort, typisch amerikanisch mit pathetischer Geste gebaut und mit einem Museumsshop ausgestattet. Die Gesellschaft hat sich schweigend mit dem Unvorstellbaren abgefunden. Der 11. September 2001 liegt ihr fern. Vielleicht war es nur das, was die meinten, die damals sagten, die Welt werde nie wieder so sein wie sie vorher war.

Das Google sagt mir beim Aufrufen der des Posts, der sei nur einfaches Chinesisch, die können das für mich in jede höhere Sprache übersetzen.
AntwortenLöschenSo, nun zur Lage der nordamerikanischen Union.
Nochmal 25 Jahre und das erste Denkmal für die tapferen Piloten steht vor der Al-Reichstag-Moschee.
AntwortenLöschenAyaan Hirsi Ali
AntwortenLöschenNach 25 Jahren ist es an der Zeit, dass sich der Westen der wahren Ursache des 11. September stellt.
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Ähäm. Das wird die herrschende Klasse nebst derer widerlicher Schmierfinken nicht tun.
Wer heute 15 Jahre alt ist, hat zumeist nur kursorisch vom Kalten Krieg gehört, er weiß nur wenig über den Mauerfall ...
AntwortenLöschenDie Rotzlöffel wissen, dass Adolf die Berliner Mauer gebaut hat, dass die Erdatmosphäre zu 1/3 aus Sauerstoff und 2/3 Kohlendioxid besteht, und dass letzteres, sofern es aus Vulkanen stammt, "natürlich" und damit unschädlich ist,
Ein Intelligenztest, den sogar Dikigoros NICHT bestanden hat.
AntwortenLöschenIch war entsetzt, als ich das erfahren mußte.
AntwortenLöschenNein. Ich sollte mich sorgfältiger ausdrücken: Ich war enttäuscht.
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