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Mit Chinadrohne und Klebeband testen Experten am neuen Drohnenabwehrzentrum, welche Flugeigenschaften die Importe haben. |
Es war ein besonders stolzer Moment für den Bundesinnenminister, als er direkt nach den Drohnenattacken auf Deutschlands wichtigsten Ukraine-Unterstützungsflughafen direkt ins nur ein wenig nördlich gelegene Cochstedt eilen konnte. Hier, auf einem Feldflugplatz, der einmal Billigfliegersitz und später größter deutscher Obstflughafen hatte werden sollen, schritt der Mann aus Bayern begleitet von zahllosen Kameras zum Abwehrkampf gegen die "hybride Bedrohung" aus der Luft, Russland und von rechts.
Diese Bezeichnung zu verwenden hatte die Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin dringend empfohlen, um Teile der Bevölkerung vor der Landtagswahl zu beunruhigen. Innere Schwäche braucht stets äußere Bedrohung um sich aufrecht zu halten. Alexander Dobrindt betrat deshalb in Cochstedt einen Gebäudekomplex, in dem das Herz des deutschen Überlebenskampfes gegen eine Vielzahl von Fährnissen schlägt.
Das erste Zentrum vor fünf Jahren
Im März vor fünf Jahren schon eröffnete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hier im abgelegenen Nirgendwo Sachsen-Anhalts offiziell das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme (NEZUL) in Cochstedt. Jetzt kam Dobrindt, um mit dem Technologiezentrum Drohnensicherheit Cochstedt (TZDC) eine Ergänzung zum Braunschweig Forschungs- und Erprobungszentrum Drohne (Reallabor) einzuweihen.
Der Minister weiß, wie löchrig der Drohnenwall an der Ostflanke ist, den es immernoch nicht gibt. Und er weiß auch, dass die EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen bei ihrer nächsten programmatischen "State of the Union"-Rede am 10. September dennoch nicht auf die in Stocken geratenen Pläne zurückkommen wird. Von der Leyen hat schon angekündigt, eine neue Sau durchs Dorf jagen zu wollen. Diesmal will sie EU-Europa, einen Kontinent, der momentan in einem Jahr so oft Raketen ins All schickt wie Elon Musk in zwei Wochen, zur führenden Macht im Weltraum erklären.
Integraler Bestandteil der neuen "G"-Infrastruktur
Deutschland ist bei seiner Verteidigung in der Luft auf eigene Fähigkeiten angewiesen. Langsam, aber beharrlich haben die Behörden in den letzten Jahren und verstärkt in den letzten Monaten eine mehrstufige Infrastruktur aufgebaut, die das Phänomen erkunden, erforschen und bekämpfen soll. Aktuell existiert in Berlin bei der Bundespolizeidirektion 11 das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) als zentrales Koordinierungs- und Lagezentrum von Bund, Ländern, BKA, Bundespolizei und Bundeswehr.
Das GDAZ ist integraler Bestandteil der neuen "G"-Infrastruktur, die von Gemeinsamen Terrorismus-, Islamismus-, Drohnen- und sonstigen Angriffsabwehrzentren mit Namen wie GTAZ, GETZ, GDAZ und GEGZ gebildet werden, um die Anstrengungen von mehr als "40 Behörden in verschiedenen Arbeitsgruppen" zu bündeln.
Aufbauarbeit geht noch weiter
Von Cochstedt aus, etwa 1.000 Einwohner und im Jahr 1693 einmal komplett abgebrannt, werden die neuen Mobilen Drohnenabwehreinheiten der Bundespolizei (MDBP) gelenkt und geleitet, die von derzeit vier Standorten aus in der Lage sind, binnen weniger Tage und Stunden an jedes Einsatzziel zu reisen.
Im Augenblick stehen bereits 130 Operative Einsatzkräfte (OP) zur Verfügung. Im Endausbau wird die Sollstärke der Truppe eines Tages bei 300 liegen - das entspricht der Personalstärke der Polizeiinspektion 6 (Südosten) beim Polizeipräsidium Köln. Diese Dimension zeigt schon, welche große Bedeutung die Bundespolitik dem Drohnenabwehrkampf seit dem verrückten Drohnenherbst 2025 beimisst.
Sichtbare Zeichen für einen klaren Kompass
Es geht nicht nur darum, diplomatisch sichtbare Zeichen für einen klaren Kompass zu setzen und mit Moskau Konsulate gegen Konsulate und Russische Häuser gegen Goethe-Institute zu tauschen. Wer dermaßen heimtückisch aus der Luft angegriffen wird wie Deutschland Anfang August in Leipzig, derr muss sich wappnen, muss die Struktur der unbekannten und ebenso plötzlich wie unerwartet aufgetauchten Bedrohung wissenschaftlich erforschen und sich Gegenmaßnahmen überlegen. Zwar lässt sich, das ist in Regierungskreisen bekannt, Russland allein mit düsterem Raunen immer für alles verantwortlich machen.
Wenn ein Außenminister sich darauf beruft, dass die Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden und die von europäischen Partnern "klar auf russische Involvierung hindeuten", fragt niemand mehr nach Beweisen. Johann Wadephul hat stattdessen von "Mustern" gesprochen, von einer "Kette hybrider Anschläge" und Indizien, die keinen anderen Schluss zuließen, als dass es russische Agenten waren, die sich als unfähig erwiesen, eine funktionstüchtige Kamikazedrohne zu bauen.
Russland zur Mäßigung erziehen
Das Problem: Nach mehr als vier Jahren der härtesten Sanktionen aller Zeiten, die längst schon die "maximale Wirkung" entfalten, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten, Russland mit Boykotten und wirtschaftlichen Strafmaßnahmen zur Besserung zu erziehen. Erst vor wenigen Wochen einigten sich die EU-Staaten mit Mühe auf ein 21. Sanktionspaket, das "verschärfte Maßnahmen im Finanz- und Kryptosektor, Handelsverbote für Metalle sowie schärfere Beschränkungen gegen die russische Schattenflotte" vorsieht. Mit eben soviel absehbarem Erfolg hätte die Gemeinschaft dem Import von Bärenfellen, Balalaikas und braunen Tschapkas einen Riegel vorschieben können.
Abseits der reinen Symbolik aber läuft die Maschine. Vorausschauend hatten schon die Ampel-Koalition dem Widerstreben von SPD und Grünen zum Trotz das von Anfang an als "großes nationales Forschungs-/Testzentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme " bezeichnete Experimentierflugfeld in Cochstedt gegründet.
Auf dem Erprobungsfeld gehen die Forscherinnen und Forscher des 1907 in Göttingen als "Modellversuchsanstalt für Aerodynamik" gegründeten Vereins der Frage nach, warum Drohnen fliegen, wie sie fliegen, wie weit und wohin. Mit Blick auf mögliche Entwicklungen in anderen Staaten und Rechtsräumen - etwa Lufttaxis, Drohnenlieferlogistik und Anwendungen in der Luftverteidigung - werden dazu Drohnen aller Art aus den Herstellerstaaten importiert.
Einblick ins Schätzkästchen der Hochtechnologie
Einen seltenen Einblick in die Arbeit der Forscher*innen erlaubten die Bilder (oben), die ein ARD-Team beim Einweihungsbesuch des Innenministers in Cochstedt drehen durfte. In der betreffenden Szene zeigte ein junger Drohnenforschender dem Team der "Tagesschau" stolz eine Eigenentwicklung: Der Flugkörper, im Fachjargon als FPV-Kamikazedrohne mit First-Person-View bezeichnet, wurde als Drohnenjäger für die Abwehr von Angriffen wie in Leipzig gebaut.
Wird eine anfliegende unbekannte oder gar feindliche Drohnen vom Radar entdeckt, steigt das Fluggerät auf, um sich dem Angreifer entgegenzustellen. Um ihn unschädlich machen zu können, verfügt die Drohne über ein Fangnetz, das sie der berühmte römische Gladiator in der leichtbewaffneten Ausstattung Retiarius über ihren Gegner wirft, so bald sie ihn eingeholt, ausmanövriert und sich in Abfangposition begeben hat.
Mit einer Art Bombenschacht
Ein Schuss muss reichen, und woher dieser Schuss kommen wird, war in der "Tagesschau"-Reportage aus der High-Tech-Schmiede überraschend deutlich zu sehen. Ihrer handelsüblichen Stangenwaren-Drohne haben Deutschland führendste Luftverteidigungsforscher eine Art Bombenschacht spendiert, aus dem sowohl das Retarius-Abfangnetz als auch schärfere Munition ferngesteuert abgeworfen werden kann. Imponierend, wie das gelang: Der als Racing- oder auch als Freestyle-Multikopter mit Carbonrahmen bekam als Nutzlast einfach den Gefechtskopf einer Panzerabwehrhandwaffe angeklebt. Dazu reichten Klebeband und Kabelbindern.
Bei der Entwicklung aus Cochstedt handelt es sich im Grunde um den improvisierten Nachbau der 2024 von der Rüstungsschmiede Donaustahl auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin vorgestellten "Maus"-Kamikazedrohne. Das in der Nähe von Passau residierende Start Up baut bis heute "Deutschlands erste Kampfdrohnen" (Donaustahl) unter Verwendung von Holz. Firmenchef Stefan Thumann steht deshalb selbst im Fokus russischer Angriffe und muss wegen eines "Mordkomplotts durch sogenannte Wegwerfagenten, höchstwahrscheinlich in russischem Auftrag" (BR) versteckt im Untergrund leben.
Das Zünglein an der Donau
Russland fürchtet offenbar, dass das 2020 gegründete Unternehmen mit seinen zwei Dutzend Mitarbeitern zum Zünglein an der Waage wird, die den Drohnenkrieg über der Ukraine entscheidet. 1,2 Millionen Drohnen setzten die ukrainischen Streitkräfte bereits 2024. Bei 1,1 Millionen davon handelte es sich "Einweg-FPV-Drohnen mit einer Wirkmittelladung zur Bekämpfung von unterschiedlichsten Zielen" (hartpunkt.de). Im vergangenen Jahr stieg die Anzahl eingesetzte UAV allein auf ukrainischer Seite auf 4,5 Millionen.
Dass die Donaustahl GmbH, die vor einem Jahr den Start eigener Fertigungskapazitäten für Drohnenmotoren und Lichtwellenleiter bekanntgegeben hatte, ihre Auslieferungszahlen streng geheim hält, ist nachvollziehbar. Im Zuge der Begabe einer im April 2025 aufgelegten Unternehmensanleihe formulierte die Firma das Ziel, eine monatliche Produktion von 5.000 "Maus"-Drohnen zu erreichen. Dazu sollten 10.000 Zündsysteme und 20.000 sogenannte Combat Stacks kommen.
Die amerikanische Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet bezifferte den Jahresumsatz von Donaustahl für das vergangene Jahr dann auf 100 Millionen Euro. Angesichts von Stückkosten von knapp 1.000 Euro pro Flugkörper deutet das auf eine Produktion von etwa 100.000 Kamikazedrohnen Typ "Maus".
Rare Testexemplare
Zu wenige, um sie bei Tests in Cochstedt zu verschleißen. Dort basteln sich die DLR-Experten ihre Adaptive Loitering Munition Platforms selbst: Eine Granate wird mit Panzertape an eine chinesische Renndrohne gebunden. Statt des "adaptiven Klicksystem für sekundenschnellen Wechsel von Wirkmitteln (z.B. Anti-Panzer, Anti-Infanterie, Anti-Struktur)", mit dem Donaustahl für seine " Combat-Proven"-Drohnen wirbt, kommt allerdings nicht nur klassisches Gaffa-Band, sondern ein sehr viel teureres Kapton-Band aus hitzebeständigem Polyimid zum Einsatz.
Der Minister staunte über den Einfallsreichtum der Forschenden, die im frisch umgebauten Hauptgebäude im ehemaligen Terminal herausragende Experimentiermöglichkeiten vorfinden. In das Nationale Erprobungszentrum flossen in den zurückliegenden Jahren etwa 20 Millionen Euro. Für die massive Erweiterung durch das neue speziellen Technologiezentrum Drohnensicherheit werden weitere zehn Millionen bereitsgestellt.
Mit Gaffaband und Kaptonwickel
Dadurch können die Forschenden in Cochstedt das bernsteinfarbene, leicht transparente Material Kapton-Spezialklebeband verwenden, das extrem hitzebeständige und zudem elektrisch isolierend ist. Ergänzt durch einige Streifen des klassischen silbergrauen Gewebebandes, das als "Panzertape" oder "Gaffaband" bekannt ist, entsteht eine extrem moderne FPV-Drohne mit pragmatischer, aber robuster Behelfsfixierung des Kampfmittels, im von der "Tagesscau" gezeigten Modell die Hohlladung einer RPG-Panzerabwehrgranate.
Nicht zu sehen war im Fernsehen aus Geheimhaltunsgründen der Zündmechanismus. Es dürfte sich aber auch dabei um einen improvisierten Auslöser gehandelt haben, etwa einfache Drahtkontakten an der Vorderseite, von denen die Erbauer hoffen, dass sie sich beim Aufprall berühren und den Stromkreis zur Zündung schließen. Im Fall der jetzt als russisch identifizierten Drohne, die den scharf gesicherten Vorfeldbereich nahe des ukrainischen Antonow-Frachtflugzeugparkplatzes in Schkeuditz erreicht hatte, klappte das zum Glück nicht.

Als Ladung den Sprengkopf einer RPG zu nehmen ist ziemlich dämlich, weil da ziemlich viel tote Masse in Gestalt des Stahlgehäuses mit dranhängt. Jedes Gramm lässt sich in Reichweite oder Loiterzeit umrechnen.
AntwortenLöschenIch könnte das für ein paar Millionen Euros Förderung mit ein paar Beispielen erläutern. Davon abgesehen wird die Funksteuerung gejammt, ohne Lichtwellenleiter braucht man gar nicht aufzutauchen.
Die Zünderattrappe hat vermutlich Dobrindts Security rausschrauben lassen, können ja nicht überall Idioten am Start sein.
Es gibt auch inzwischen Zielcomputer für Schützenwaffen, die die Drohne erfassen und die Bewegung berechnen. Den Schuss löst der Zielcomputer bei Koinzidenz aus nachdem der Schütze den Abzug betätigt hat. Also was man bei Panzern seit ein paar Jahrzehnten macht in klein.
Fundierter Kommentar. Hut ab, da kann ich nichts hinzufügen. Habe leider z.Zt. keine Millionen flüssig, obwohl es ebent Rente gab. Und die allseits beliebten NGO's rücken mit Sicherheit nichts von ihrer Beute raus, da gegenteilige Interessen.
LöschenOT: ...Es reichstagsbrennt und gleiwitzsendet in den Medien ...
AntwortenLöschenSeltsam nur, dass die Sache mit dem Sender Geilwitz erst zum KriegsENDE auftaucht. Mitnichten schon 1939, wie zu erwarten gewesen wäre.
Könnte es immerhin sein, dass bereits (im Groben und ungefähr) ausgekaspert wurde, wieviel und wo und was zerkloppt werden darf? Denn unvorstellbar, so behämmert die auch sind (nicht: sein mögen!) - eine solche Schote, mit einer Parodie auf eine Parodie auf eine Armee eine Atommacht anzupinkeln ... Dann wieder ein fauler Frieden, die Sparkonten und Geldanlagen des gemeynen volckes auf Null gesetzt,usw.
AntwortenLöschenAlso, dass alles bereits festgelegt ist?
Zum Glück für uns genießen die uns Regierenden eine gewisse Narrenfreiheit, weil die wirklich Mächtigen auf dieser Welt natürlich wissen, daß von denen keine international bedeutende Entscheidung getroffen wird. Aber wie der "Kanzler" so ganz kurz vor der Wahl im Osten gegen Rußland aufbraust, das wird so manchen schwankenden Ossi überzeugt haben.
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