Dienstag, 13. Juni 2017

DDR-Studie: Schonungsloser Blick auf westdeutsche Zustände

Zur Feststellung des Durchseuchunggrades Ostdeutschlands mit neofaschistischen und rechtsextremistischen Einstellungen ließ Ines Gleicke, die Ostbeauftragte der Bundesregierung, eine Studie untersucht Ursachen und Hintergründe von Rechtsextremismus in Ostdeutschland anfertigen. 


Und wirklich: Die aus Westdeutschland stammenden Forscher konnten nach rund drei Dutzend Gesprächen mit im Kampf gegen rechts engagierten Aktivisten tatsächlich feststellen, dass die Erziehung in der DDR bis heute als entscheidender Faktor zur Verbreitung von Rechtsextremismus beiträgt. Die Sozialisierung in der DDR, der Wunsch nach einer eigenen Identität sowie ein irrationales Gefühl der Benachteiligung lassen Ostdeutsche immer öfter zu rechtsextremistischen Feinden der Demokratie werden.

Rückfall der ostdeutschen Gaue


Unabweisbare Wahrheiten, gegen die Michael Klein von Science Files nun aber Einwände bringt. Aufgeschreckt durch ein analysierendes Feature des Deutschlandfunkes, der einen Autoren namens Christoph Richter hatte herausfinden lassen, dass nicht Erich Honecker, sondern das "komplette Versagen der Landeszentralen für politische Bildung" Schuld am Rückfall der ostdeutschen Gaue ins Dunkel des III. Reiches hat, ruft Sciencefiles zum Gegenangriff: Der Deutschlandfunk liefere ein "Meisterstück gruppenbezogener Menschfeindlichkeit", die "haarsträubende" (Welt) Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung werde behandelt, als verkünde sie die Wahrheit über die Ostdeutschen und trotz all ihrer sichtlichen Mängel sie diene dem Autoren dazu, Rechtsextremismus zu einem ostdeutschen Phänomen zu erklären.

Ein durchschaubares Manöver, mit dem Westdeutsche die westdeutsche Weste reinigen, indem sie sie neben eine dunkeldeutsche Ost-Weste legen. Augen zu und durch, danach dann gründlich trockenklopfen. 130.000 Euro hat Ines Gleicke die Anfertigung des Argumentationspapiers den Steuerzahler kosten lassen, kleines Geld für große Wirkung, denn die Wunschartikel zu den vermeintlichen "ostdeutschen Zuständen" gab es danach gratis.

Generalisieren und stigmatisieren, subsummieren und alles mit der Malerbürste zeichnen, das gelang den "Forschern" des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Und es gelingt auch dem Deutschlandfunk, nur das dessen Autor aus der Klischeeparade, die die Forscher nach ihren drei Dutzend Gesprächen mit Gleichgesinnten vorlegten, nun noch gesamtgesellschaftliche Schlüsse zieht, die zweifelhafter kaum sein könnten.

Fake News aus dem Westen


Ohne jede Kenntnis, aber auch ohne jede Erkenntnisabsicht pflegt er uralte urban legends etwa zur Genese des Begriffes "Fidschis", mit dem DDR-Bürger Vietnamesen bezeichneten. Die Wahrheit interessiert dabei nicht, stattdessen hagelt es Annahmen, Verschwörungstheorien und Fake News. Aus denen dann wiederum Schlüsse gezogen werden, die nur ein Westdeutscher ziehen kann: Weil die Erziehung der Menschen im Osten zu guten Demokraten im westdeutschen Sinn bisher offenbar nicht ausreichend gut gelungen ist, müsste zu den - bisher vergeblichen - Bemühungen der Zentralen für Politische Bildung um eine demokrative Grundausbildung der ostdeutsche Klientel "eine groß angelegte Offensive für ein lebendiges Miteinander in der Provinz" kommen.

5 Kommentare:

  1. Carl GustafJuni 13, 2017

    Weil es so gut paßt:

    DER SPIEGEL im Jahre 1989: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13492924.html

    DER SPIEGEL im Jahre 2017: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/finis-germania-spiegel-redakteur-johannes-saltzwedel-tritt-aus-sachbuch-jury-zurueck-a-1151810.html

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  2. Nach all den Jahren stürzen die Fidschis die Kommentatoren noch immer in einen Abgrund von Unwissen.

    Gesprochen wurde es immer Fitschies (kurzes i, hartes T, langes i) , und der Klang ließ keinen Bezug zur Inselgruppe der Fidschis zu.
    Das kam erst später, als nach der Wende das Wort von Unberufenen und Dahergelaufenen verschriftet wurde. Naheliegend gab es keine DDR-amtliche Schreibweise für diese Bezeichnung vietnamesischer Gastarbeiter, und erst durch faule Zungen auf der Quellenseite und faule Hirnzellen auf der Chronistenseite entstand die Mär vom Fidschi als Spitzname für Vietnamesen.

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  3. wahrscheinlich müsste es auch "Vietschis" geschrieben werden!

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  4. Die Aussprache hängt natürlich auch vom Sprachraum ab. In "meinem" Sprachraum und in meiner Erinnerung wurde tatsächlich "Fidschis" gesagt, wobei das zweite i etwas länger gesprochen wird, ohne zum ie zu werden.

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  5. sehr gute beiträge. knut hatte das vor jahren schon mal hier dargelegt, wir werden es demnächst noch mal aufgreifen, als spurensuche nach der ersterwähnung . alle hinweise hier sind richtig, vor allem der mit der schreibweise, die richtigerwiese vietschies lauten müsste.

    dass sich das dann in der sprechweise auf fidschis verschliff, ist naheliegend, kennen tat man die inseln ja auch in der ddr. nur nicht gut genug - das vordere i wurde immer zu kurz ausgesprochen um wirklich die fiji zu meinen

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