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| Als sich der Kabarettist Uwe S. zur Handarbeitsaktivistin Maja T. bekannte, brach im Wasserglas der grenzenlosen Satirefreiheit ein Sturm der Empörung los. |
Sie schämen sich im Nachgang nicht einmal, den Staat, seine Organe und seine Medien erneut lächerlich gemacht und delegitimiert zu haben. Mit einem ganz offensichtlich koordinierten Doppelschlag versetzen rechte und linke Aktivisten das moderne, weltoffene Deutschland der grenzenlosen Kunstfreiheit in einen Schockzustand.
Die beiden bekannten Popmusiker Danger Dan und Igor Levit griffen mit ihrer Pianoballade "Keine Angst" über links an. Der beim MDR bereits vor Jahren aussortierte Kabarettist Uwe Steimle sang derweil rechts außen die DDR-Hymne, eine Melodie, die unter Demokraten zuverlässig als Schlachtgesang wahrgenommen wird.
Mordfantasien und Gewaltverherrlichung
Steimle, 63 und in ganz Ostdeutschland Garant für volle Dorfsäle, assistierte sich selbst zudem mit "Mordfantasien gegen Merz und Merkel" (BR), vorgetragen auf einem AfD-Parteitag. Die Führung dort, so beschreibt der Bayrische Rundfunk, habe zu "Hitler-Vergleich und DDR-Hymne gegrinst" und "nicht widersprochen", sondern mitgelacht.
Zum Jahrgedächtnis des Freispruches für den RBB-Spaßvogel Sebastian Hotz alias "El Hotzo" beginnt die Diskussion um die Zulässigkeit von Witzen und die Genehmigungspflicht für Jux und Tollerei von vorn. Hotz hatte sich seinerzeit den Spaß erlaubt, das Scheitern eines Attentats auf den US-Präsidenten Donald Trump mit dem Satz "knapp verpasst" zu bedauern.
Die von der Staatsanwaltschaft vermutete "Billigung von Straftaten" war das nicht, denn der Satiriker beteuerte, es wirklich lustig gemeint zu haben. Zudem habe nicht er selbst, der "Wortkünstler" (SZ) Sebastian Hotz, Trump auf Twitter den Tod" gewünscht, sondern "sein Satire-Alter-Ego "El Hotzo".
Freispruch für die Kunst
Freispruch für die Kunst und letzter Präzedenzfall dafür, dass Satire weder erkennbar noch ein Witz witzig sein muss, wenn der Hersteller sich als Clown verkleidet. Selbst eine Beleidigung, eine wüste Herabwürdigung oder dumpfer Hass, die jeden Rentner aus Unterfranken unmittelbar Besuch eines sogenannten Bademantelkommandos bescheren würden, bleiben straffrei, wenn der Hetzer sich eine Narrenkappe überstülpt, weil auch "geschmacklose Satire" ausdrücklich von der Verfassung geschützt werde.
Wenn Steimle und Dan singen, der eine den Klassiker von Hanns Eisler und Johannes R. Becher, der andere seinen mit Unterstützung des Impfaktivisten Igor Levit selbstgemachten Schlager zur Mobilisierung gegen das Vierte Reich, füllt sich das Sommerloch dennoch wie von selbst. Eine Gesellschaft, die sich viel auf ihre Meinungsfreiheit einbildet, nimmt zwei ganz gewöhnliche Versuche, Aufmerksamkeit zu generieren, als Grenzerfahrung wahr. Darf ein Sänger wie Rio Reise noch dazu aufrufen, "kaputt" zu machen, "was kaputt macht"? Darf ein Kabarettist heute noch wie ehemals Heinrich Heine durch die Blume drohen?
Die fromme Kinderstube
Der große Dichter hatte Deutschland einst "die fromme Kinderstube" genannt und die Obrigkeit beruhigt, ihr Reich sei "keine römische Mördergrube". Heine diente sich damit freilich eines Tricks, von dem schon lange bekannt ist, dass ihn Rechtsextremisten missbrauchen: Vermeintlich ironisch überspitzt, malen sie ein verzerrtes Bild der Realität, das die Legitimität gutgemeinter Politik infragestellt.
Vor Jahren schon warnte die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) davor, dass Satire von "rechtsextremen Akteuren häufig instrumentalisiert" werde, "um Grenzen zu verschieben, Hass zu schüren oder zu provozieren". Karikaturen, Witze, Memes und per KI erzeugte Zuspitzungen tarnten als "Spaß" ausgegebene Angriffe auf den gesellschaftlichen Frieden.
Im Kampf gegen Hass und Hohn
Die Bundeszentrale empfahl seinerzeit Vorbeugemaßnahmen. "Der offizielle Umgang mit solchen Missbräuchen erfordert Aufklärung", riet sie. Mitlachen mache Menschen allzuleicht zu Mittätern, oft unwissentlich. Später zogen engagierte Ministerinnen die Zügel fester an. Lisa Paus und Nancy Faeser entdeckten den Hohn als neuen Staatsfeind Nummer 1. Nachdem aus dem guten alten Hass, einem über Jahrhunderte legitimen Urgefühl, der böse "Hate Speech" geworden war, verwandelten die beiden Aktivistinnen den Hohn in eine "allgegenwärtige Bedrohung für die Demokratie", wie Lisa Paus ausführte.
Wenn eine Künstlergestalt wie Uwe Steimle, dem der MDR vor Jahren den Stuhl vor die Tür stellte, weil er "wiederholt öffentlich die Grundwerte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage gestellt und das nötige Vertrauen zerstört habe", lächelnd und klatschend mit AfD-Politikern auf einer Bühne steht und die DDR-Hymne singt, ist das mehr als verdächtig. Faktisch war das Singen der DDR-Hymne in der DDR zwar verboten. Der die Zeile mit "Deutschland, einig Vaterland" war schon in der 70er Jahren nicht mehr hoffähig.
Gewaltszenen mit Merkelbild
Aber der hauptberufliche Ostalgiker aus Dresden hatte vorher schon "Gewaltfantasien" (BR) geäußert. Versteckt in einem Witz über das Aufhängen eines Merkel-Bildes, das man auch "an die Wand stellen" könne, hatte er, so war anschließend zu lesen, im Grunde zum Mord aufgerufen. Auch die mit dem Namen Friedrich Merz verknüpfte Frage, wo Stauffenberg sei, wenn man ihn mal brauche, erschien Analysten und örtlichen Staatsanwälten verdächtig genug, dem 63-Jährigen nicht nur die Huldigung des SED-Regimes, sondern auch staatsfeindliche Umtriebe nachzusagen.
Im Jahr eins nach El Hotzo wird nichts weiter rauskommen beim Versuch, Hausmannskost handfesten Humors nach den Paragrafen des Strafgesetzbuches abzuschmecken. So wenig amüsant der Witz des ehemaligen Polizeiruf-Hauptkommissars Jens Hinrichs ist, so wenig Gewaltaufruf enthält er - etwa verglichen mit Danger Dans Schlager "Keine Angst". Der enthält eine Art Gebrauchsanweisung aus den Thälmann-Jahren Anfang der 30er, als die Deutsche Kommunistische Partei die Losung "Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft" ausgab. In der Erwartung, dass sich die kleinen Nazis von den großen abwenden, wenn sie nur ausreichend Prügel beziehen.
Agitprop reinsten Wassers
Das eine wie das andere ist Agitprop reinsten Wasser. Wo Tucholsky die KPD-Parole noch in ein lyrisches "Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft" verwandelt hatte, stampfen die Propagandapoeten der Neuzeit in Knobelbechern über die Bühnen. Der Dichter Gottfried August Bürger, der mit seinem ironischen "Der Bauer. An seinen durchlauchtigsten Tyrannen" 1773 einem ungenannten Herren mit göttlicher Rache und einem Zahltag im Jenseits gedroht hatte, würde sich im Grabe umdrehen, bekäme er Dans "Keine Angst" zu hören.
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt, eine Zensur findet nicht statt, selbst wenn sich "Hand" auf "lang" und "geschrammt" auf Elefant" reimen muss. Zusammen befinden sich die Akteure ganz offensichtlich in einem Zustand höchster innerer Erregung: Der eine kann das Wasser kaum mehr halten, weil er den Endsieg nahen fühlt. Der andere sucht nach musikalischen Wegen der Mobilisierung von Widerstand um genau den zu verhindern. "Keine Angst, nehmt es selber in die Hand, die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang".
Handlanger des Kapitals
"Alles Handlanger des Kapitals – draufhauen!", empfahl die KPD-Zeitung "Rote Fahne" am 5. November 1929 einfache Lösung des für die deutschen Kommunisten schier unerklärlichen Phänomens, dass sich "große Teile der Volksmassen in der Krise nicht nach links, sondern nach rechts wendeten" (Unsere Zeit, 2022). Das Politbüro der deutschen Kommunisten hatte damals schnell zurückrudern müssen. Nur einen Monat später war klargeworden, dass weder die kleinen Nazis noch die als "kleine Zörgiebels" verhöhnten Sozialdemokraten mit Faust und Knüppel für Sache gewonnen werden können.
Wissen, das in den Jahrzehnten seitdem verloren gegangen ist. Mit dem Professorensohn Daniel Pongratz, der sich "Danger Dan" nennt, und Uwe Steimle, den Sprössling eines NVA-Offiziers, hat die deutsche Kunstkrise ihre Gesichter gefunden. Der Politpopper aus Aachen und der Boomer aus Sachsen sind die zwei Seiten derselben Falschmünze: Sie verwandeln konkrete gesellschaftliche Fragen nicht in allgemeingültige Kunst, sondern Kunst in ein Transportmittel für ideologische Botschaften.
In der Fantasiewelt des Danger Dan hätte sich Hitler vor 100 Jahren mit der Spraydose aufhalten lassen und Himmler hätte aufgegeben, sobald ein paar beherzte junge Leute ihn "gedoxxt" hätten. Wenn nicht, dann auf die Fresse! Es geht schließlich darum, "das Schlimmste noch verhindern zu können". Uwe Steimle zwar nicht als Bundestagspoet. Aber als Hofnarr der Kanzlereuse Weidel!
Kein Witz blüht mehr
Dass kein Witz mehr blüht in Deutschland und politische Kunst allenfalls mit dem Vorschlaghammer an die Türen klopft, spricht immerhin dafür, dass die Lage deutlich besser ist als die Stimmung. Der große Karl Krauss, der die Gewaltfrage in seinem Poem "Worte in Versen" mit dem Reim "Ja, so was zu sehn, sei es auch nur von fern, mit Gewalt muß der Mensch melancholisch da wer'n" abgehandelt hatte, glaubte noch, dass das beste Kabarett gemacht wird, wenn es um Land und Menschen am schlechtesten steht. So gesehen ging es Deutschland und den Deutschen dann noch nie so gut wie heute.
"Die Anstalt", eine Satire-Schleuder des ZDF, die an Fake News nicht spart, ist das Musterbeispiel für den verlorenen Humor. Die dort auftretenden Kabarettisten verstehen sich als Volkslehrer, die gekommen sind, um zu erziehen. Schale Witze werden hier nicht auf Kosten der Mächtigen gerissen, sondern zu deren Verteidigung, verpackt in ein Kostüm aus Gratismut im Dienst der guten Sache. Die härteste Kritik empfing Danger Dan vom "Neuen deutschland": "Eine Vision, wofür man überhaupt kämpfen soll, fehlt im Lied genauso wie jede Erwähnung der Klimakrise, der fortschreitenden Militarisierung und des damit einhergehenden Sozialabbaus."
Verlorene Feindbilder
Frühere Größen wie Dieter Hildebrandt, in den 50ern Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, klagten nach dem Ende der Ära Kohl, Genscher und Strauß über ein verlorenes "Feindbild" (Hildebrandt). Heute sorgen die Akteure auf der politischen Bühne selbst für den Schaden, aus dem der Spott sprießt. Verschwunden sind auch die Imitatoren, die Kohl konnten oder einen Kinkel draufhatten, der besser war als das Original.
Im Dessauer Krönungsaal wird gejohlt, in der "Anstalt" ausgeladen, dann aber - der Erziehungsauftrag! - nachholend vorgelesen, was an Gewaltfantasien nicht über den sender gehen sollte. Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk - ohne Musik kümmert das niemanden.

Geschenkt! Als ob es nicht vorherzusehen war, WIE diese Psychopathen darauf reagieren würden. Für sich dürften die über diese Steilvorlage jauchzen und frohlocken. Strategisch und taktisch eine Riesenblödheit, wenn nicht gar Vorsatz. Nebenbei waren die Witzchen dümmlich bis kindisch, etwa das Niveau "Ich bin der Chauffeur von ... Ich habe das Schwein torgefahren". Wahnsinnig komisch.
AntwortenLöschenUmfassende, objektive und ausgewogene Informationen zum WM-Finale von Sven Lorig, WDR aktuell 20.7.2026, 21.45:
AntwortenLöschenWar das ein schlechtes Fußball-WM Finale und waren das schlechte Verlierer, mit Prügelszenen nach dem Abpfiff, die Argentinier hatten offenbar eh nicht vor Fußball zu spielen, null Torschüsse in der regulären Spielzeit, dafür jede Menge Aggressivität, die gipfelte nach Spielschluss in dieser Szene: ein argentinischer Spieler geht einem Spanier an die Gurgel, reist dann noch einen Ersatzspieler zu Boden, das war wirklich krass. Am Boden saß dann auch ein frustrierter Lionel Messi nach dem Abpfiff, ansonsten war das Spiel arm an Höhepunkten, nur ein Tor in der Verlängerung, dafür unzählige Promis im Publikum, gefühlt eine nicht endend wollende XXL Halbzeit-Show, das WM-Finale ganz nach amerikanischem Geschmack, viel Tam-Tam, aber nicht wirklich was für Fußball-Fans, dafür um so mehr für eitle Präsidenten – der amerikanische verließ das Podium nur nach extra Aufforderung. Als schlechtes Beispiel gar nicht mal so gut, Hashtag Vorbildfunktion. Denn aktuell sorgt ein Fall in der Kölner Kreisliga für mächtig Wirbel, es geht um ein umstrittenes Widerholungsspiel…