Donnerstag, 15. Juni 2017

Der Rückkehrer: Martin Schulz auf dem Weg nach Brüssel

Es würde zu dem passen, was Martin Schulz sein Leben lang getan hat. Gescheitert als Bürgermeister von Würselen, erfand sich der gescheiterte Buchhändler als Europa-Parlamentarier neu. Als er dann im Rennen um den Komissionsvorsitz scheiterte, entdeckte er sein Talent als Parlamentspräsident. Doch nur, bis die Karriere auch dort stockte. Plötzlich war der erfahrene Funktionär und Strippenzieher der Ansicht, dass Deutschland das Feld sein müsse, auf dem er seine Fähigkeiten am besten einbringen könne. Martin Schulz wurde Kanzlerkandidat und mit Hilfe befreundeter Medienarbeiter gelang es ihm sogar, ein kurz und heftig abbrennendes Fake-News-Feuerwerk zu eigenen Ehren anzuzünden, das die letzte Patrone der Sozialdemokratie als Heilsbringer ankündigte.

Inzwischen aber ist der trockene Knall ohne große Nachrichten verhallt, die Gerechtigkeitspartei, die einst die Hartz-4-Gesetze erfand, liegt in den Umfragen wieder dort, wo sie seit Gerhard Schröders Demission zu Hause ist: Irgendwo in den niedrigen 20ern, wobei ungeklärt ist, welche Leute diese Trümmertruppe aus Egomanen, Schlangenölverkäufern, Gelegenheitsprostituierten, Hetzern und Brachialpoeten überhaupt noch und warum zu wählen beabsichtigen.

Jedenfalls: Wenn es Trümmer regnet, ist stets Zeit für Martin Schulz, den Kopf ein- und weiterzuziehen. Die "Welt" meint auch schon zu wissen, wohin der Weg des Bürokraten mit dem Kotzbrockencharisma führen wird: In zwei Jahren endet die Amtszeit von Schulz´ bestem Freund Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident. Der scheidende SPD-Vorsitzende hätte dann mit 63 gerade das richtige Alter, um noch einmal ganz neu anzufangen und den ein Jahr älteren Vorgänger zu beerben.

Der Posten des EU-Präsidenten, seit der letzten Europawahl 2014 mit einigen demokratischen Ornamenten bemalt, wird nach den Regeln der EU-Demokratie in Hinterzimmergesprächen zwischen den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten vergeben. Nachdem mit Juncker zuletzt ein nichtdeutscher Kandidat ausgeknobelt wurde, hätte Deutschland beim nächsten Mal den direkten Zugriff auf die wichtige Kaderfrage.

Schulz, Wahlspruch "Aus Deutschland. Für Europa" und "Nur wenn Sie Martin Schulz wählen, kann ein deutscher Präsident der EU-Kommission werden", könnte nach der verlorenen Bundestagswahl wieder in Verantwortung treten, ohne das Berliner Postenkarussell durcheinanderzubringen. Zudem wäre die SPD den Quereinsteiger in die nationale Politik los, nachdem das Wahlkampf-Experiment, bei dem der in 30 Politikjahren runtergefahrene Reifen als frischer Ralley-Pneu verkauft werden sollte, komplett in die Hose gegangen ist.

4 Kommentare:

  1. Das ist halt doch zu gruselig hier mit den Wahlen, ich kann den Maddin da schon verstehn.

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  2. Schulz wurde Kanzlerkandidat,
    Gabriel wurde Außenminister.
    Nach den "Wahlen" wird Schulz Rentner.
    Gabriel bleibt Außenminister.

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  3. "welche Leute diese Trümmertruppe aus Egomanen, Schlangenölverkäufern, Gelegenheitsprostituierten, Hetzern und Brachialpoeten überhaupt noch und warum zu wählen beabsichtigen."

    Nach meiner persönlichen Analyse besteht die Hauptklientel aus Rentnern, alternden Menschen sowie an Demenz erkrankten Personen. Also sehr viele Menschen in Deutscheland stehen der SPD sehr nahe.

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  4. Am Rande bemerkt: Jean-Claude Junker halte ich für ungefähr so nichtdeutsch wie manche Attentäter für deutsch.

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