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Mittwoch, 25. Januar 2017

Martin Schulz: Die letzte Patrone der Sozialdemokratie

"Jetzt ist Schulz" hieß es zuletzt, als Martin Schulz die Europawahl verlor.

Schicksalsstunden für Deutschland, Neuanfang in der SPD. Schulz statt Gabriel als SPD-Wahlverlierer: Angela Merkel soll ausnahmsweise den Sekt aufmachen lassen haben, als die Nachricht vom neuen SPD-Wahlverlierer im Kanzleramt eintraf. Einfacher kann es für die Kanzlerin nämlich nicht mehr werden: Draußen im Lande kennt kaum jemand den früheren Buchhändler, der die letzten 23 Jahre in Brüssel abgeparkt worden war.


Kurz nach dem Terroranschlag vom Breitscheidplatz verstummte der Hoffnungsträger der SPD. Martin Schulz, die letzte Patrone im letzten Gefecht der deutschen Arbeiterbewegung um einen Platz am Katzentisch der nächsten Ganz Großen Koalition mit CDU, CSU und Grünen, meldete sich auffällig nicht zu Wort, um wie sonst üblich zu mahnen und zu warnen. Beobachter schlossen messerscharf: Parteichef Gabriel, der sich gerade seinen Magen verkleinern ließ, um den eigenen Machthunger in den Griff zu bekommen, kann nichts sagen. Also darf Schulz auch nicht, um nicht Porzellan in der Partei zu zerschlagen.

Selbstmordpakt der Schaumschläger



Der Verdacht aber, dass dem russischen Diktator Wladimir Putin Schulz als Kanzler haben will, trog. Denn damals im Dezember hatten die beiden Gefährten im andauernden Überlebenskampf der SPD, das weiß man heute, bereits ihren Selbstmordpakt geschlossen, der nun als „Paukenschlag bei der SPD“ (ARD-Hauptstadtstudio) die schreibende Republik erschüttert. Zum "Weltbürger aus Würselen" hat der "Spiegel" ihn prompt ernannt, "Gabriels Husarenstück" bejubelt die FAZ, einen "starken Abgang" sieht die Taz. Die "Bild", ein Zepter und Thron des Gerhard Schröder, treibt die Kandidaten-Mythologisierung auf die Spitze. Hier "spricht" Schulz, er "kennt" und "prangert", "stärkt", "nimmt" - vom Tun hingegen ist ncith die Rede.

Nur zweimal nahm der "wortgewaltige EU-Politiker" (Bild) anno 2015 an Abstimmungen im EU-Parlament teil, dem er vorstand. „Herausragende Arbeit und herausragendes Engagement für Europa“, wie "Bild" schreibt.

Bald nun für Deutschland. Gabriel tritt als Parteichef zurück und macht Platz für Schulz, den gescheiterten Europa-Politiker. Der übernimmt auch das undankbare Amt als Zählkandidat der SPD zur Bundestagswahl, wird dafür aber mit dem Wirtschaftsministerposten abgefunden. Zum Dank erhält Gabriel den Stuhl des Außenministers, den Walter Steinmeier freimacht, weil ihm der prestigeträchtigere Posten des Bundespräsidenten versprochen ist.

Eine reife Demokratie, die wie eine Skatrunde funktioniert


Eine reife, eine runde Demokratie, die wie eine Skatrunde funktioniert. Vorhand, Mittelhand, Hinterhand, Reizen, Abwerfen, Buben sind Trumpf. "Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern und mit mir die SPD", begründete Gabriel seinen zweiten Verzicht auf die Kandidatur, die ihm nach den Regeln der Monarchie zustünde. Schulz dagegen hat noch keine acht Jahre Versagen hinter sich, ihm wird zugetraut, dass er auch SPD-Wahlergebnisse unter 20 Prozent weglächeln kann.

Die würden reichen, um das Trio Infernale der mehr als hundert Jahre alten Partei weiter in die Lage zu versetzen, irgendwie weiter mitzuregieren mitzurumpeln. Schulz, beim Versuch gescheitert, den EU-Parlamentspräsidentensessel zu seinem persönlichen Thron zu machen, „steht für einen Neuanfang“, witzelte Sigmar Gabriel dem Magazin "Stern" gegenüber, das wie die „Zeit“, die ARD und weitere Blätter seit Monaten in den Coup eingeweiht war, aus Gründen der Staatsräson aber getreulich schwieg.

Schulz ist zehn Jahre älter als Egon Krenz an dem Tag im Herbst 1989, an dem der seinen Neuanfang ausrief.  Ihn trage "die Hoffnung auf eine andere Sprache, einen unverbrauchten Habitus, eine glaubwürdige Haltung", lobt der "Spiegel", der den Bürokraten aus Würselen in der Stunde seiner Demission aus Brüssel den "Joker" nannte.

Ein Joker im Skatspiel, in dessen Schaffen sich Bürokratismus und Populismus in einzigartiger Weise mischen. Hinter den Kulissen haben die Genossen die Pfründe für den Rest der Wahlperiode aufgeteilt. Kurz vor der Rente übernimmt Brigitte Zypries, zuletzt vor vielen, vielen Jahren als erste SPD-Netzreinigungsexpertin auffällig, übernimmt das Wirtschaftsministerium. Gabriel steigt auf im Außenminister um.

Angesichts der vielen Krisen überall auf der Welt, die nach Trumps Machtübernahme in washington nur noch Deutschland befrieden kann, hofft Gabriel, dort weniger herumreisen zu müssen.




Kommentare:

Florida Ralf hat gesagt…

ein, nunja, analytisches husarenstueck!

Anonym hat gesagt…

Ich bin der Martin, ne.

https://www.youtube.com/watch?v=t7TvBhX5vEI

Die Anmerkung hat gesagt…

http://www.mundmische.de/bedeutung/1568-Schulz

Schulz
Schulz ist ein anderes Wort für Schluss, aus, vorbei, Feierabend. Man kann sagen "Schulz", man kann aber auch sagen: "Gleich ist Schulz." In Betrieben sagt man auch: "Gleich kommt Kollege Schulz vorbei." Diese Verballhornung des Wortes Schluss kann in einigen "Werner"-Comics gefunden werden, wodurch sie Eingang in die Umgangssprache fand.

Schulz
wenn zusammen getrunken wird und man muss aufstossen soll man "Schulz" sagen sonst gibts einen vor denn Kopp von allen anderen

Anonym hat gesagt…

Die Dichtung der Zentralorgane zum Thema Schulz hat den Planeten verlassen.

Tuttinho Bull hat gesagt…

Diese Rochade der Arbeiterführer mutet eher wie eine Partie Schieberamsch an. Wobei weder der Faschist noch der Fettwanst eine realistische Chance haben Jungfrau zu werden.

Carl Gustaf hat gesagt…

Mich dünkt, dass die Strategie der Sozen jetzt nur noch dahingend lautet, die CDU, auf das eigene Niveau runter zu ziehen. Und ich befürchte, dass Schulz für diese Strategie wie gemacht ist.

Wenn wir schon mal dabei sind:
1.: Die Grünen schicken einen Kandidaten ins Rennen, dem gerade einmal 1/3 der Basis das Vertrauen ausgesprochen hat. Der scheint in der eigenen Partei noch unbeliebter zu sein, als bei den türkischen Taxifahrern in Berlin.

2.: Man muss die AFD nicht mögen, und Höcke erst recht nicht. Aber Wahlkampf- und medientaktisch ist denen in der letzten Woche geradezu ein Meisterstück gelungen. Ob bewusst oder unbewusst ist hierbei nicht klar. Da die Berufs-mit-dem-Finger-auf-Zeiger in ihrem reflexhaften und impulsiven Sofortreagierenmüssen nichts besseres zu tun hatten, als den youtube-link für die Höcke-Rede überall zu verdrahten, konnte jeder, ob er wollte oder nicht, Anteil an der Rede nehmen. Wie solche Sachen am Ende ausgehen, weiss man ja aus der Steinigungsszene in "Das Leben des Brian"

Anonym hat gesagt…

eines ist wohl jetzt schon gewiss die Grünen u. die SPD werden wohl zwischen 5-10% dümpeln so das der Wahlgewinner JETZT schon feststeht.(;;§;;).
EIN ALKI als BK HAhAhAhAhA wie besoffen muß man denn noch sein!

ppq hat gesagt…

"Die Dichtung der Zentralorgane zum Thema Schulz hat den Planeten verlassen." besser kann man es nicht in einem satz fassen

Carl Gustaf hat gesagt…

PS: Der (regierungsamtliche?) SPIEGEL ruft zum Pressefest und alle kommen: http://www.spiegel.de/fotostrecke/70-jahre-spiegel-feier-in-berlin-mit-ehrengaesten-fotostrecke-144544.html

Ob der olle Augstein sich deswegen jetzt im Grabe umdreht, ist nicht überliefert.

ppq hat gesagt…

mir hat die bilderstrecke ausnehmen gut gefallen. fast so hübsch wie die letztes jahr, als prominente der kanzlerin prächtige blumengebinde übergaben (also sie wollten und hätten, nur war die empfängerin nicht da)

Anonym hat gesagt…

Not my Chancellor!