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Montag, 23. Januar 2017

Poet Ralf Stegner: Er ist nicht dicht, er ist Dichter

Ralf Stegner ist ein wütender weißer Mann, wütend auf einen anderen wütenden weißen Mann.

Das alles bringt dieser Trump in nur wenigen Stunden zustande. Erst den Klimawandel beendet, dann die größten Demonstrationen der Menschheitsgeschichte provoziert - mächtiger noch als die gegen Vietnamkrieg, Irak-Einmarsch und Nachrüstungsbeschluss. Und nun inspiriert der "Irre" (Rundschau) "Wahnsinnige" (Spiegel) den bislang jeder poetischen Anwandlung unverdächtigen Bad Dürkheimer SPD-Vordenker Ralf Stegner auch noch zum Dichten:


Die Rede von Trump
war hauptsächlich plump
halbstark statt groß
stellt selbst er sich bloß
Von Yes we can
zu angry white men
armes Amerika!

So reimt der Mann vom linken Flügel der deutschen Sozialdemokratie im Holpersound eines Vorschülers. Der würde bei einer Analyse von Stegners Lyrikversuch zuerst einmal über die erste Zeile stolpern. Stegners "die Rede von Trump" ist grammatikalisch richtig, stilistisch aber unteres Kellerniveau. Ein Possessiv im Gassensound, nur knapp über "Trump seine Rede" und Äonen entfernt von "Trumps Rede", der eleganten Flexion von "Trump", die Stegner nicht bemühen konnte, weil "Trump" in seinem Poem hinten stehen musste.

Denn dort wartet "plump" als Reimangebot. Doch um bis dahin zu kommen, muss der SPD-Parteivizechef inhaltlich Abstriche machen. denn er schreibt "hauptsächlich plump" und in diesem "hauptsächlich" versteckt Stegner - sicher von sich selbst völlig unbemerkt - ein Lob für die von seinem Parteichef als "hoch nationalistisch" (im Original mit Trennung) bezeichnete Rede. Wo etwas "hauptsächlich plump" ist, ist es zwingend zumindest in Teilen nicht "plump". Obwohl Stegner eigentlich auszog, Trumps Rede zu verdammen, teilt der Dichter damit offensichtlich zumindest die von ihm als nicht-plump erkannten Passagen.

Dann aber "halbstark statt groß", der Versuch einer Gegenüberstellung, hier insofern gänzlich misslungen, als "halbstark" und "groß" eben keine Antipoden wie in Goethes "Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben". Ja, sie sind nicht einmal einleuchtende Gegensätze wie "willig" und "schwach". Was werden sollte wie Rückerts "stets einen größeren Teil wirst du vom Ganzen sehn, doch alles Einzelne wird immer kleiner"platzt wie ein Polenböller in der Hand. Ein Halbstarker kann durchaus groß sein; halbstarkes Verhalten, wie es Stegner anzuprangern versucht, zeigt sich oft genau in großen Gesten und großer Lautstärke.

Was Ralf Stegner von Dichtung weiß, legt er in die nächste Zeile seines regellosen, anarchistischen Haikus. "Stellt selbst er sich bloß" folgt der Notwendigkeit, das reimbildende "groß" am Ende zu platzieren. Fällt aber aus dem Metrum, weil Stegner mit dem inhaltlich überflüssigen "selbst" eine Strecke von fünf Silben bis dahin zu gehen hat, obwohl doch die Ausgangszeile nur vier aufweist.

Doch das ist seine Handschrift, das originäre, knitterversische Poesiegefühl des 58-jährigen Twitterpöblers, wie das nächste Zeilenpaar zeigt. Im Sprung vom viersilbigen "von Yes we can" zum sechssilbigen "zu angry white men" geht dem Arbeiterdichter nun jeder Flow verloren. Der Vers fährt auf der Felge, es quietscht, kracht und wäre auch durch eine vertonung nicht mehr zu retten.

Ralf Stegner merkt das wohl auch selbst, denn sein Conclusio "armes Amerika!" bleibt - aus Ideenarmut, Lustlosigkeit, dem plötzlichen Bewusstwerden der Vergeblichkeit des Bemühens, einen US-Präsidenten wegdichten zu wollen - ganz ohne Reim im Nirgendwo hängen.

Ein Schulbeispiel vor allem, weil Ralf Stegner volle sieben Jahre nicht nur Politikwissenschaft und Geschichte, sondern auch Germanistik studiert hat.




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Studieren hat nicht zwingend etwas mit dem Aneignen von Wissen zu tun. Was am Beispiele Herrn Stegners wohl deutlich wird.

Noch mehr Gedichte dieser Art und das deutsche Volk wählt diesen Trump nicht noch einmal. Jedenfalls nicht 2017. Ob es aber die SPD zur neuen Führerin wählen wird, ist nicht gewiß.

Die Anmerkung hat gesagt…

Aus der gleichen Sparte.

Modebloggerin verweigert Amtshilfe für Melanie Trump.

Anonym hat gesagt…




der Feind hat einen Namen

https://philosophia-perennis.com/2016/11/15/frau-oezoguz-deutschland/


https://de.scribd.com/document/330725895/Impulspapier-MigrantInnenorganisationen-zur-Teilhabe-in-der-Einwanderungsgesellschaft-2016

Anonym hat gesagt…

Es reimt sich zwar nicht, ist aber ebenso undicht: "EU-Diplomaten warnen vor Putins Propaganda"
http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-warnt-vor-russischer-einmischung-in-wahlen-in-europa-a-1131336.html

Dort der Verweis auf "East StratCom Taskforce" https://euvsdisinfo.eu/ , und dort als Disclaimer: "The information, opinions and judgements presented on this page do not represent official EU positions."



Sauer hat gesagt…

Das Land der Dichter pfeift aus dem letzten Stegner - äh: Loch