Wie mit der Schere abgeschnitten war an Tag eins alles vorbei. Deutschlands Medien drehten den Hass-Hahn zu, aus dem bis dahin über Wochen ein endloser Strom an Hetze geflossen war. Unerschrockene Reporter hatten der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada in ihren Berichten immer wieder die miese Maske vom Gesicht gerissen.
Als es begann, war es vorrüber mit Hetze, Hass und Gejammer über alles. Als es zu Ende war, viel schneller als gedacht, erschien der Coitus interruptus fast gerecht: Die Selbstgerechten fahren wieder einmal früh nach Hause. Wie seit Jahren schon. Eine gute deutsche Gewohnheitsübung.
Tapfere Enthüller
Die Geschichte dieser WM ist die einer inneren Ablehnung, gepaart mit dem üblichen Größenwahn. Die Bemühungen vorab waren groß, alles kaputtzureden, abgesehen vom eigenen Team. Tapfer enthüllten ganze Reporterbrigaden, dass es sich bei dem Fifa-Turnier eigentlich um ein gewaltiges kommerzielles Unternehmen handelt. Dass der wirklich üble US-Präsident Donald Trump sich des Ereignisses schamlos bemächtigen werde, um es vollständig zu vereinnahmen. Und dass Millionen Amerikaner in Angst lebten, beim Stadionbesuch von den Terrorgruppen der Ausländerpolizei ICE gefangen und in fremde Länder voller Wurzeln abgeschoben zu werden.
Der Abschreckungseffekt
Der gewünschte Effekt trat umgehend ein. Umfragen zeigten, dass die Deutschen sich kaum für das größte Sportevent der Geschichte erwärmen konnten. Niemand würde hinfliegen. Kaum einer zuschauen. Trump habe das nicht verdient, sagten wackere Gelegenheitsfreunde des runden Leders bei Straßenumfragen.
Es war auch alles viel zu teuer. Die ARD hatte eine Busfahrkarte für fast 100 Dollar entdeckt und einen Mann, der für seinen Parkplatz fast 400 Dollar bezahlt hatte. Shock & Ave wie es ein früherer US-Präsident genannt hatte, der in seiner Amtszeit als das Böse unter der Sonne betrachtet worden war.
Ganz schlug die Abschreckungsstrategie nicht an. Als das deutsche Team, nach Jahren unter dem toxisch maskulinen Claim "Die Mannschaft" infolge des allgemeinen Rechtsrucks neuerdings wieder als "Fußball-Nationalmannschaft" bezeichnet, zum ersten Mal auflief, konnten die großen Medien zwar befriedigt das Fehlen jeder Euphorie konstatieren. Aber ein wenig Restliebe zum eigenen Team war geblieben, bei aller Ablehnung von Nation und Nationalstolz, wie Schnee vom vom letzten Jahr in einer dunklen Höhle. 7 zu 1 gegen Curacao! Wir waren Weltmeister!
Empörende Zustände
Das Umschaltspiel im Medienbetrieb lief. Keine der entrüsteten Reportagen über die empörenden Zustände im Hauptgastgeberland USA hatte auch nur annähernd so viele Zuschauer wie die Halbzeitpause eines beliebigen Freundschaftsspiels der DFB-Elf hatte. Doch nachdem die Bundesregierung diesmal demonstrativ darauf verzichtet hatte, selbst ins Bällebad zu springen, schien es nur angemessen, das Mammutturnier in Übersee allenfalls mit den spitzen Fingern anzufassen. Es sind dieselben Finger, die schon Olympia in China und die letzten Weltmeisterschaften in Russland und Katar zu ausgesprochen ekelhaften Veranstaltungen gemacht hatten.
Es fehlt nicht an Sicherheit
Nicht einmal die früher so beliebten Public-Viewing-Events in namhafter Zahl gebe es, schrieben sie. Als Ursache wurden nicht etwa die Sicherheitsvorkehrungen ausgemacht, von deren Ausmaß sich zur Heim-WM 2006 noch niemand eine Vorstellung hätte machen können. Sondern das fehlende Interesse wegen Trump und seinem Spießgesellen, dem Fifa-Chef Gianni Infantino, den hohen Eintrittspreisen, der mangelnden Möglichkeit, der Welt seine Regenbogenbinden zu zeigen.
Kurz auf knapp aber riss der Dauerbeschuss plötzlich ab ab. 7 zu 1 gegen Curacao! Wir waren Weltmeister! Die Enthüllungen mit Titeln wie "Spielfeld der Macht - Die Welt in Trumps Amerika" und "Foulspiel unter Freunden" waren gesendet. Torben Börgers aus dem ARD-Studio Washington hatte von den Spannungen zwischen den drei Gastgebern-Staaten erzählt und der bekannte Amerika-Kenner Elmar Theveßen hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass die "Fifa machtlos ist gegen Donald Trump".
Klage über kein Sommermärchen
Damit war es dann auch gut. Nach Deutschlands Auftaktsieg folgte die Qual gegen die Elfenbeinküste. Nicht schön, nicht gut. Aber die Klage, das werde wohl wie in Katar im Winter wieder kein Sommermärchen, verstummte. ARD und ZDF erinnerten sich gerade noch rechtzeitig der im Kanzleramt formulierten Hoffnung, wenn schon nichts anderes Grund zur Zuversicht gebe, könne vielleicht König Fußball die konsternierte, enttäuschte und ratlose Nation für ein paar Tage aus ihrer Depression reißen.
Fußball ist immer auch psychotherapeutische Ballarbeit an der von Kummer und Enttäuschung verletzten Volksseele. Genau deshalb war ja das teilstaatliche Telekom-Portal Magenta beauftragt worden, alle die Übertragungsrechte für sämtliche Spiele ohne Rücksicht auf Verluste einzukaufen.
Bei ARD und ZDF galt es zudem, die allein bei den beiden Sendern bei rund 150 Millionen liegenden Ausgaben für den Rechteeinkauf zu rechtfertigen: Eine WM, die niemand anschaut, ist kein Argument für hohe Investitionen ins nächste Turnier. Ohne Fußball aber fehlt dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Quotenbringer, in dessen Schatten der Grundversorgungsapparat ungesteuert immer teurer werden kann.
Trumps irritierendes Desinteresse
Das politisierte Turnier fiel überdies vollkommen überraschend aus. Trump kümmerte sich nicht um die WM. Regenbogenfahnen und -binden waren so wenig zu sehen wie deutsche Innenminister bei spontanen Demonstrativhandlungen auf der VIP-Tribüne. Deutschland trat wieder in den Farben Preußens auf. Das Trikotmuster zitierte überdies das Jahr 1990, jene entgrenzte Aufwallung der Einheit, die in nationalem Rausch und Weltmeistertitel gipfelte.
Schwarze Hose, weißes Hemd, so waren die ersten Fußballer für Deutschland aufgelaufen, klassisch im Stil des Königreichs. Schwarze Hose, weißes Hemd, so wurden die Kicker des Deutschen Fußballbundes (DFB) dreimal Weltmeister. Klassisch waren sie nun von der weißen Hose zurückgekehrt zur schwarzen. Und selbst die Linke und die rabiaten Grünen taten sich diesmal schwer, zu den üblichen Hetzjagden auf Nationalfahnen aufzurufen.
Die Basis war gerade erst mit einem Strategiewechsel überrascht worden. Im Zuge des allgemeinen Rechtsrucks hatte die Partei beschlossen, vor den Landtagswahlen im Osten mit dem regressiven Schlagwort "Heimat" populistisch um den extremistischen Rand der radikalen Nationalisten zu buhlen.
Hassgesänge beim Rudelgucken
Zwar sangen ein paar jüngere Parteimitglieder beim Rudelgucken auf dem Parteitag "Deutschland, verrecke", die dank eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes straffrei nutzbare Hassparole aus dem alten Slime-Hit "Deutschland muss sterben". Doch im Gegensatz zur Syltkrise löste das keine allgemeine mediale Aufregung aus, sondern nur große Sorgen im Karl-Liebknecht-Haus: Wer sich von Siegern fern hält, wird in den Augen des gemeinen Volkes schnell selbst zum Verlierer.
Es war nicht wie damals, als sie die Populisten aller Lager schamlos in Leibchen hüllten, die sich die Ärmsten und Armutsbedrohten nicht einmal in ihren kühnsten Träumen leisten können. Auch der neue Bundeskanzler hoffte aber still darauf, dass die Elf von Julian Nagelsmann möglichst lange durchhält. Von seiner Vorgängerin, die lange mit dem Sport gefremdelt hatte, weiß Merz, dass sportive Großereignisse immer auch Handlungsgelegenheiten sind.
Helden in kurzen Hosen
Die Idee von der Sportnation, der Beste sich im fairen Wettbewerb mit anderen Sportnationen messen, kann in diesen Augenblicken missbraucht werden, um Politik zu machen. Ist das Volk im nationalen Taumel, weil elf junge Männer in kurzen Hosen von Sieg zu Sieg eilen, regiert es sich mit leichter Hand: An Tagen, in denen schicksalhafte Länderspiele anstanden, haben Bundesregierung und Parlament statistisch gesehen dreimal häufiger wegweisende Steuererhöhungen, gesetzliche Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten und teure Reformen beschlossen als in Zeiten ohne entsprechende Ablenkung.
Das Fahnenschwenken, die nationalistischen Adidas-Trikots, die Event-Fans, von Kopf bis Fuß von Check24, Rossmann und 1und1 ausgestattet mit Girlanden in Nationalfarben, billigen Trikot-Kopien und Autofähnchen, sie gehören zur Kulisse eines Sommers, der jetzt nach Verwesung riecht: Nichts, was zuvor prognostiziert worden war, ist eingetreten. Aber alles ist so gekommen, wie es abzusehen war.
Donald Trump hat die Schlagzeilen nahezu komplett geräumt. Wo vor drei Wochen noch jeder Witz des Präsidenten eine Woge an Empörung zur Folge hatte, schalteten die Kommentatoren dann doch lieber nach Winston-Salem, wo die Vorbereitung auf das nächste Match ganz konzentriert betrieben wurde. Polierte Kulissen wurden präsentiert. Wie einst die ARD den dopingverseuchten Tour-de-France-Radsport zu einem hauseigenen Produkt gemacht hatte, machten die Medien jetzt die DFB-Titelmission zu ihrer Aufgabe.
Um das Schicksal der Nation
Nicht einmal mehr Spurenelemente der Aufregung um die Großkrisen der letzten Monate fanden sich in den letzten Wochen in den Unterlagen.Vom Iran bis Ukraine, von Reformen und Rente über Merz bis Bas und Klingbeil - alles musste zurückstehen, seit der Ball rollte und sich das Schicksal der Nation und ihrer Regierung wieder auf dem Platz entscheiden sollte. Die "Stimmungswende", die Friedrich Merz im letzten Jahr hatte herbeibefehlen wollen, sie sollte jetzt von Nmecha, Brown, Musiala und Tah bewirkt werden, herbeigeschossen von Dennis Undav und Kai Havertz, angeführt von Joshua Kimmich.
Der "Kapitän", wie die ARD eine liebevolle Dokumentation über den Kicker aus Rottweil genannt hat, war nach seiner Verdammung wegen gewisser Corona-Vergehen wieder in die Gesellschaft aufgenommen worden. Er galt als das Herz der deutschen Mannschaft, er war ihr Taktgeber und neben dem ewigen Torhüter Manuel Neuer ihr bekanntestes Gesicht. Als Friedrich Merz der deutschen Nationalmannschaft in einer typisch merzschen' Fehleinschätzung vor Turnierbeginn telefonisch "viel Erfolg auf der Jagd nach dem fünften Stern" (DFB) wünschte, war es der Impfverweigerer, der sich Merz Versicherung anhören musste. "Ganz Deutschland hält euch die Daumen!", soll Merz gesagt haben, "hier fiebern alle mit!"
Comeback des Ungeimpften
Wie der ungeliebte, weil ungeimpfte Bayernspieler erlebte das Nationale ein famoses Comeback. Sämtliche Medien hatten das Bashing eingestellt. Es kam vor, dass Gianni Infantino im Fernsehen zu sehen war, wie er auf der Haupttribüne saß und guckte, ohne dass Kritik geäußert wurde. Um 150 Millionen Tickets hatten sich Fans beim fürstlich geführte Weltverband des Italieners beworben. Nur 5,5 bis sechs Millionen standen zur Verfügung.
Und trotz der gerade von Nicht-Amerikanern als astronomisch hoch empfundenen Preise ist so ziemlich alles weggegangen. Auch deutsche Anhänger seien mehr da als zuletzt in Russland und Katar, hat ein Turnierbegleiter des ZDF bemerkt. Nach all dem Aufwand und den Mühen im Vorfeld, möglichst jedem allen Spaß an einer Reise zur WM zu vergällen, klang das geradezu obszön unkritisch.
Merz spürte das Mitfiebern
Der Regierungschef, ein Meister im Erkennen gesellschaftlicher Großströmungen, spürte das Mitfiebern schon vor dem ersten Anstoß. Wie auf sein Wort waren aus den Bildern der fahnenschwenkenden Sachsen, die für einen ganz normalen Menschen kaum zu ertragen waren, Hoffnungszeichen geworden. Wenn schon nichts sonst mehr geht, würde der Fußball zeigen: Deutschland kann es noch, Deutschland könnte wieder wer werden! 7 zu 1 gegen Curacao!
Der Schub könnte die Landtagswahlen entscheiden. Die schlimmen Umfragewerte drehen. Auf europäischer Ebene würden endlich die Stimmen verstummen, die nach der europäischen Armee endlich auch eine einzige unschlagbare Multinationalmannschaft fordern.
Lange reichten Medien es als gutes Omen herum, dass das Lied zum kommenden Triump "Dieser Zug hat keine Bremsen" hieß. Ein dumpfer Gesang gleichen Namens hatte den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vor neun Jahren bis beinahe ins Kanzleramt getragen. Der Hausherr dort zeigte sich auch Augenblick des Scheiterns noch einmal als Besucher aus einer Parallelwelt: "Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, DFB-Team!", stellte er seine Sichtweise vor. "Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch."

Obwohl das Scheitern der ersatzreligiösen Bolzokratie in den modernen Brot-und-Spiele-Arenen dem Ballaballa-Fanatikerpöbel vom obersten Kanzel-Heilsbringer bereits wieder schönredend als Sieg verkauft wird, besteht nun wieder etwas kümmerliche Hoffung, dass die geballte Michelintelligenz sich fortan wieder den wirklich wichtigen Themen des Gutmenschentums zuwenden kann wie Heiliger Krieg gegen Russland oder mehr malochen für weniger Rente, um das Milliarden kostende Ostfront-Schlachtfest und die Millionen faulen Dauerurlaub-Importnichtsnutze im bunt bereicherten Westwerteparadies fürstlich zu alimentieren.
AntwortenLöschenBundeskanzler Friedrich Merz @bundeskanzler
AntwortenLöschenAuch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, @DFB_Team ! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.
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Er aka "Wir"" ist stolz auf Versager und Nieten! mehr muß man über den Regierungschef nicht wissen.