Sonntag, 10. März 2024

Bundesregierung im Bällebad: Todesstoß für ein Fußball-Turnier

Wie aufgemalt wirken die Bälle: Anlässlich des lahmenden Interesses an der Fußball-EM nimmt das Bundeskabinett die Sache nun selbst in die Hände.


Niemanden interessiert es mehr. Keiner schaut noch hin, und wenn, dann allenfalls aus Mitleid. Dreieinhalb Monaten vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft "im eigenen Land" (DFB) ist es der deutschen Profifußballbranche gelungen, den eigenen Laden weitgehend leer zu spielen. 

Drei Turniere hintereinander raus in der Vorrunde. Die Verwandlung einer Mannschaft aus originären Gesichtern in eine dumpfe Truppe von am Reißbrett designten Kickern. Das Augenmerk der Funktionäre auf Binden und Zeichen, Signale und allerlei gerechte Bewerbchen, nicht mehr auf Tore, Siege und Punkte. Dazu vergoldete Trainingsplätze, Zuchtprogramme für Nachwuchssöldner und auf den Bänken Laptop-Trainer, die Dünnes dick aufzutragen verstehen.

Kicken in glühenden Klimastädten

Die EM 2024 - oder wird es eine WM? - ist ein totgeborenes Kind. Deutschlandweit hat bisher kaum jemand mitbekommen, was da an "Sommermärchen" ins Haus steht. Und die, die es bemerkt haben, erwarten allenfalls Trauriges: Von Dürre durchglühte Klimastädte, trotz des Lauterbachschen Bauprogramms wegen zu hoher bürokratischer Genehmigungshürden immer noch ohne ausreichend viele Trinkbrunnen. 

Freunde zu Gast bei Fremden, aber vorsichtshalber vor allem im sicheren Westen, nicht in den AfD-regierten Regionen im russischstämmigen Osten. Ein Trainer ohne Nationalerfahrung. Eine Mannschaft ohne Struktur. Die Hoffnungsträger nach dem Trump-Biden-Schmit-Prinzip mobilisiert: Alt, aber was sie noch können, weiß man nicht.

Und nun auch noch das: "Unsere Vorfreude im Kabinett ist groß – wie im ganzen Land", hat der Bundeskanzler über seinen X-Account verkünden lassen. Dazu verbreitet der Regierungschef steife Fotos von sich und den Seinen mit bunten Bällen. Hubertus Heil ist zu sehen, dahinter Nancy Faeser, diesmal ohne Binde. Ein großgewachsener unbekannter Bürokrat sichert nach hinten ab, während die Alt-Internationale Claudia Roth ihrer grünen Kollegin Annalena Baerbock erklärt, was sich seit dem "Fußball-Fest" vom letzten Jahr* geändert hat.

Christian Lindner ist auch da, mit Ball in der Hand, als prüfe er den Druck. Er lauscht den beiden Frauen betont höflich.  Olaf Scholz selbst hält sich hinter allen anderen auf, er macht das Spiel, aber nicht selbst. Seit er für Equal Pay gesorgt hat, gilt das, weil er der Kanzler ist.

Todesstoß für ein Turnier

In 100 Tagen ist nun "Anpfiff zur Fußball-Europameisterschaft der Männer hier bei uns in Deutschland" (Scholz & Friends) und um zu verhindern, dass vielleicht doch irgendwer noch auf den Geschmack kommt, hat die Bundesregierung offenbar beschlossen, auch diese harmlose und aus nationaler Sicht sportlich langweilige EM mit allem aufzuladen, was noch da ist an Resten des politischen Parolenvorrats, mit dem Rot, Grün und Gelb vor zwei Jahren ihren Fortschritt in Gang brachten. Scholz hat das Turnier kurzerhand zu einem "Heimspiel für Europa" erklärt und dabei die "Millionen Fans!" nicht einmal vergessen. 

Ihnen zu Ehren haben sich 19 Kabinettsmitglieder im Kreis um einen grünen Kreis aus Plastikfolie aufgestellt. Jeder hat einen Ball in die Hand gedrückt bekommen und nur einer nicht verstanden, dass er ihn für das influencende Foto kurz hochhalten soll. Um wen es sich handelt, ist schwer zu ermitteln, den das Kabinett hat nur 16 Mitglieder, Linksverteidiger Boris Pistorius (SPD) fehlt zudem aus bekannten Gründen. Dafür ist zumindest eine fremde Frau auf dem Bild und es ist nicht Claudia Roth, deren offizieller Titel als "Kulturstaatsministerin" ihr jedes Recht gibt, hier auf - vom Fanblock aus gesehen - ganz rechts zu stürmen.

Pass ins Leere

Der Pass geht ins Leere, auch wenn Roth neben ihren Parteigenossen Cem Özdemir die Einzige ist, die am Ball nicht krampft, sondern ihn lässig mit einer Hand zu balancieren versucht. Die Fußball-EM, ein bürokratisches Monster, bei dem der europäische Fußballverband Uefa seine Monopolstellung schon bei der Kartenvergabe rigoros ausnutzt, um Interessenten ungeachtet europäischer Wettbewerbsregeln unter seine Knute zu zwingen, erfährt ihren Todesstoß schon vor dem ersten Anpfiff: Mit dem Werbefoto beschwören die Ampel-Aktiven Bilder herauf, die niemand sehen will, der sich für Fußball interessiert, Bilder von Ministern mit Armbinden, von Pressekonferenzen voller Parolen und Politarbeitern, die ihre Freikarten mit Durchhalteparolen abarbeiten. 

Alle anderen müssen zahlen, aber kräftig. Mögen in der EU auch Vereinbarungen strikt verboten sein, die den Wettbewerb beschränken, weil sie auf Preisabsprachen, der Aufteilung von Märkten, Absprachen über Kundenzuteilung und Vertriebsvereinbarungen zwischen Herstellern und Wiederverkäufern beruhen, bei denen beispielsweise der Verbraucherpreis vom Hersteller vorgegeben wird. Einer geht noch rein. "Im eigenen Land." Der Fußball ist zu wichtig, als dass Kartellgesetze hier straff zur Anwendung gebracht werden könnten. Selbst ein ins unbewaffnete Auge fallender Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung findet den Applaus des Bundeskabinetts, sobald die Ministernden die Bälle aus der Hand gelegt haben.


4 Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

>> Von Dürre durchglühte Klimastädte, trotz des Lauterbachschen Bauprogramms wegen zu hoher bürokratischer Genehmigungshürden immer noch ohne ausreichend viele Trinkbrunnen.

Das stimmt. Kuckst du auch den Benecke?
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Der Forensiker Mark Benecke wagt sich an das Thema Klimawandel.

Konkret sieht Benecke einen "Höllensommer" auf Deutschland zukommen. Die Temperaturen seien schon jetzt "nicht nur ungewöhnlich, sondern katastrophal". Und er wurde noch drastischer: "Ich kann Ihnen aus der Erfahrung der letzten Jahre mit großer Sicherheit sagen, dass wir den Höllensommer des Jahrhunderts und Jahrtausends kriegen werden."

Anonym hat gesagt…

Fußball ist ja in erster Linie eine Plattform des Bekennens zu unseren Werten und der Zustimmung zu den Beschlüssen. Wer das nicht versteht, kann zuhause bleiben.

Anonym hat gesagt…

sieht Benecke einen "Höllensommer" auf Deutschland zukommen

"Ich bringe jetzt Sibylle weg. Elektroschocks sollen noch das einzige sein." --- "Die sollen sie am besten gleich drinbehalten ..."

Die Anmerkung hat gesagt…

Das Siegerfoto wurde geleakt.

https://www.reddit.com/r/ichbin40undlustig/comments/1b9wutv/na_wer_freut_sich_schon_auf_die_kommende_em_mit/