Google+ PPQ: Gala zum Gähnen

Sonntag, 21. August 2011

Gala zum Gähnen

Beim Kartenhändler Eventim wissen sie schon mehr. Viel mehr. "3. Liga" steht an Spieltag 3 der vierten Spielklasse unübersehbar auf den Tickets zum Heimspiel des Halleschen FC gegen Germania Halberstadt.

Ein großartiges Versprechen, auf das die Elf von Halles Trainer Sven Köhler nach zwei gewonnenen Partien zum Start auch gegen den Landesrivalen einen weiteren Schritt zugehen will. Bei einem erneuten Sieg lockt die Tabellenführung, wenigstens bis Mittwoch. Traditionell allerdings eine Situation, mit der der HFC noch nie gut klar kam: Immer wenn in den vergangenen Jahren eine Chance bestand, ganz oben zu stehen, misslang der Sprung an die Spitze.

Auch in den ersten zehn Minuten gegen die Amateure aus dem Vorharz sieht es nicht nach einem Sturmlauf der Saalestädter aus. Die Fankurve schweigt, einmal mehr aus Protest gegen als fürchterlich ungerecht empfundene Stadionverbote. Halle hat zwar mehr vom Spiel, doch die Chancen bleiben rar. Auf der anderen Seite jedoch ebenso. Lindenhahn hat die erste Halb-Chance für Halle, aber Philipp Schubert, bis letzte Saison noch Verteidiger beim HFC, blockt den Schuss ab. Wie aus heiterem Himmel fällt aber doch die Führung, kaum dass der Fankäfig mit Singen begonnen hat: Nach einer Ecke von Lindehahn springt Marko Hartmann unbedrängt am höchsten und köpft ein.

Halberstadt ist nun ein wenig konsterniert, die Null möglichst lange zu halten war die Taktik, mit der die Gäste zum Erfolg kommen wollten. Halle dagegen wittert nun Morgenluft. Keine zwei Minuten nach der Führung spielt Shala den Ball von links nach innen, diesmal fälscht Schubert unglücklich auf den ehemaligen Halberstädter Michael Preuss ab, der schießt aus der Drehung. Und trifft.

Zwei Chancen, zwei Tore, die 2200 auf der Tribüne, seit Jahren Magerkost gewohnt, ahnen schon Großartiges. 5:0, 6:0 und 9:0 werden als Spielausgang geboten. Doch seltsamerweise passiert auch in einer Besetzung, in der kaum noch ein Spieler aus den Jahren steht, in denen der HFC sich seine Punkte sparsam zusammenmauerte, dasselbe wie damals. Als spürten die Spieler nicht, dass Halberstadt beinahe zusammenbricht, nehmen die Rot-Weißen das Tempo raus. Achtzig Prozent Ballbesitz hat der HFC, und achtzig Prozent davon läuft der Ball zwischen den Abwehrspielern hin und her.

Die blonde Außenbahn mit Preus und Eismann müht sich immerhin noch, über die kleine mit den winzigen Lindenhahn und Kanitz dagegen geht gar nichts mehr. Schiedsrichter Dietz tut ein übriges: Er pfeift, wenn er nicht müsste. Und lässt es, wenn er sollte.

Zum Beispiel in der 40. Minute, als das bis dahin entschiedene Spiel durch einen Elfmeterpfiff wieder spannend wird. Ruprecht geht im Strafraum zum Ball, Banser fällt unter infernalischem Geschrei. Eggert verwandelt.

Ob berechtigt oder nicht - es ist schon der zweite Elfmeter im dritten Spiel, den Halle gegen sich erhält. Immerhin bleibt Halberstadt nicht viel Zeit, den Anschlusstreffer zu feiern. Mit dem Pausenpfiff schießt Maik Wagefeld nach einer erneuten Lindenhahn-Ecke volley zum 3:1 ein.

Ein Fussballfest, das jetzt folgen wird. Halberstadt ist geschlagen, verliert nach einer knappen Stunde auch noch den überehrgeizigen Schubert, der im Mittelfeld ohne Not mit der Sense gegen Lindenhahn durchzieht.

Aber ist es das schwülwarme Wetter? Ist es Gnade mit dem Landesnachbarn? Ist es Arroganz oder Arbeitsverweigerung? Die geplante Gala fällt aus: Halle spielt quer, Halberstadt gar nicht mehr. Köhler bringt noch Wegener für Lindenhahn, Boltze für Preuss und David für Wagefeld, aber mehr als eine Gala zum Gähnen ist das nicht mehr. Die erste richtige Chance der 2. Hälfte hat Preuss nach 70 Minuten, Shala vergibt noch eine hundertprozentige in der 85., dann ist es vorbei und geschafft, die erste Tabellenführung seit 2009, der beste Saisonstart seit zwölf Jahren.

Letzter Spieltag: Deine Mutter, Holstein Kiel

Kommentare:

derherold hat gesagt…

Ich lese da "Stadion am Bildungszentrum".

Bildung ? In Halle ?

Außerdem sollte man sich die Tabelle vom aktuellen Spieltag einrahmen. Schön wäre auch "Aktion Volkssolidarität": die Vereine der RegNo versprechen, sich voll gegen RB Leipzig zu engagieren und gegen Halle freiwillig zu verlieren.

ppq hat gesagt…

laut eintrittskarte hat rb keine chance. die tabelle bleibt jetzt so, der hfc ist durch!

was die bildung betrifft: ich glaube, das bildungszentrum ist inzwischen stillgelegt. die eine schule ist abgerissen, die anderen bauten der ehem. EOS stehen leer. der name ist nur noch eine reminiszenz, ähnlich wie "riebeckplatz". der typ lebt ja auch nicht mehr

Stephan hat gesagt…

Gabs die Karten an der Tageskasse? Auf meiner aus dem Vorverkauf stand normal Regionalliga drauf.
Mein persönliches Highlight war heute der Einlaß, ein ganz neues Erlebnis: Feuerzeuge zählen! Irgendjemand weiter vorne hatte vier Feuerzeuge, weshalb die Jungs von der BRU erstmal eine Konferenz durchführten, ob das geht oder ob das verdächtig ist. Sie entschieden sich für verdächtig und haben dem jenigen drei Feuerzeuge abgenommen. Und ab da hieß es bei den Rauchern "Wie viele Feuerzeuge hast Du?"
Dabei war mein liebster Spruch bisher von den Löwen "Du hast doch bestimmt ein T-Shirt unter der Jacke, ich muß gucken was da drauf steht.".

bpb hat gesagt…

Hab jetzt irgendwo gelesen, dass das Stadion der Zukunft "erdgas Sportpark" heißen wird. Ist das deren Ernst? Erdgas? Sportpark? Gas? Sport?

Gustaf Fröhlich hat gesagt…

Die Gesänge und Transparente der Ultras erinnern mich an die zahlreichen realitätsfremden "Wir fordern Umgehungsstraße" Banner, die Anfang, Mitte und Ende der 90er Jahre ein jedes Ortseingangs- und Ortsausgangsschild von ostdeutsche Dörfern und Kleinstädten umzingelten. Heute setzen die gleichen Kommunen wieder auf den stärkeren Durchgangsverkehr, aber der kommt nicht mehr..