Sonntag, 16. Mai 2021

HFC: Wende gut, Ende gut

Torparade beim höchsten Sieg der Saison.

G
anz zum Schluss reißt der jüngste auf dem Platz die Fäuste euphorisch hoch. Drei Schläge treffen die Luft, als HFC-Torwartdebütant Tim Schreiber sich und seine Mannschaft feiert, der er gerade mit einer Weltklasseparade die Null im letzten Heimspiel der Saison gerettet hat. 4:0 gegen Wehen Wiesbaden, vor kurzem noch ein Aufstiegskandidat. 4:0 als vorläufiger Endpunkt einer Spielzeit, die gut war und schlimm, grauenhaft und gelegentlich so euphorisch, dass es zu lohnen schien, zur Tabellenspitze zu schielen. Nichts klappte und manchmal alles, zwischen absehbarem Zusammenbruch und der aufkommenden Versuchung, mehr zu erwarten als die Realität hergeben konnte.

Aus der Wüste der Niederlagen

Ende gut, alles gut. Die letzten Wochen wenigstens meinten es wieder gut mit dem Halleschen FC, seinem nüchternen Trainer Florian Schnorrenberg und den virtuell mitbangenden Fans. Nach einer langen Wüste aus Niederlagen, zunehmender Abstiegsangst und gleichzeitig wachsender Ratlosigkeit brachte ausgerechnet das Auswärtsspiel in Dresden eine geistig-moralische Wende: Das 3:0 an der Elbe, beim hohen Favoriten, wurde gefolgt von einem 4:1 gegen Türkgücü, einer knappen Niederlage in Mannheim und nun dem glatten 4:0 gegen Wiesbaden. In der Formtabelle der 3. Liga steht der HFC plötzlich auf Platz 2, 14 erzielte Treffer machen aus Schnorrenbergs Team die Tormaschine der Liga. Selbst die Abwehr, zuvor die Schießbude der Saison, zeigte auf einmal, was sie kann: Statt 12 Tore zu schlucken wie in den fünf Spielen zuvor, waren es nun nur noch fünf.

Nochmal Zyklop, diesmal doppelt.

V
ersöhnlich, nach dem Auf und Ab der Monate zuvor. Gegen die Gäste aus Wiesbaden, schon 2017 Entwicklungshelfer bei der Aufbauarbeit an einer angeschlagenen Mannschaft, gelingt es von Anfang an, hinten fest zu stehen und vorn druckvoll zu agieren. Florian Schnorrenberg hat Kapitän Nietfeld aus der Startelf rotiert und dafür mit Marcel Titsch-Rivero einem Spieler eine Bewährungschance gegeben, der als die vielleicht größte Enttäuschung unter allen Neuverpflichtungen gelten muss. Neben Antonius Papadopolous, der größten positiven Überraschung der Spielzeit, macht der frühere Wiesbadener seine Sache gut - wie alle Mann neben, hinter und vor ihm.

Pech verwandelt sich in pures Glück

Und was bisher so oft Pech war, verwandelt sich angesichts der fleißigen Laufarbeit vor der Abwehr um Vucur, Vollert, Kastenhofer und Sternberg diesmal in pures Glück, zumindest im zweiten Anlauf. Im ersten verfehlt Michael Eberwein das Tor von Wehens Keeper Lyska noch, obwohl ein voller Erdgas-Sportpark den Treffer schon bejubelt hätte. Im zweiten Versuch aber, der viel schwerer in Zählbares umzumünzen ist, stellt der drittbeste Torschütze des HFC seine persönliche Bilanz von 5 auf 6. Sichtlich erleichtert.

Kollege Julian Destroff, mit sieben Toren nun nur noch zwei vorn, wartet nicht ganz 70 Sekunden, ehe er nachlegt. Flankenlauf, Körpertäuschung, Schuss. Lyska ist erneut chancenlos und es steht 2:0. Bis zur Halbzeit geht es so weiter, nur Zählbares springt nun nicht mehr heraus.

So leicht sieht heute aus, was all die Monate so schwer über den Rasen schabte. Dass Wiesbaden dieses Spiel noch drehen könnte, glauben schon zur Halbzeit vermutlich nicht einmal mehr die aus dem Hessischen mitgereisten Trainer und Betreuer. Immerhin aber müht sich der Gast nach Wiederanpfiff, nicht ganz sang- und klanglos unterzugehen. Richtige Chancen sind rar und die, die Wiesbaden hat, macht im Ernstfall der junge Tim Schreiber zunichte. In der 52. Minute taucht er gedankenschnell nach unten ab, als Nilsson nach einer Ecke aus nächster Nähe köpft.

Zehn Minuten bis zum Happy End

Von diesem Moment bis zur Entscheidung dauert es nur knappe zehn Minuten bis zum Happy End mit dem höchsten Sieg der Saison. In der 62. Minute meldet sich der bis dahin fleißige, aber ohne große Torgefahr spielende Terrence Boyd zurück. Zentral im Strafraum angespielt, lässt er sich vom Gewimmel aus Gegenspielern ringsum nicht beirren. Er täuscht kurz und schießt ins lange Eck. Und während Wiesbaden noch am erneuten Nackenschlag kaut, ist Boyd schon wieder da: Nach einem Freistoß von Sternberg, für den HFC heute der erste Standard, die gefährlich hereinsegelt, köpft der Aushilfskapitän zum 4:0 ein.

Friede, Freude, Eierkuchen, auch wenn Niklas Kastenhofer, nach langer Zeit mal wieder in der Startelf und bis dahin auch mit einer startelftauglichen Partie, in der 79. Minute noch eine keineswegs gerechtfertigte Rote Karte sieht. Schnorrenberg wechselt, Manu kommt, Nietfeld, Landgraf und Böder und alle zusammen sichern den Erfolg, den Tim Schreiber schließlich in der 89. Minute mit seiner unfassbaren Parade gleich auch noch in einen persönlichen Sieg über die Reste der intoleranten Taliban im Anhang des HFC verwandelt. 4:0 und alles gut. Nun nur noch ein Punktspiel gewinnen und Magdeburg überholen. Und die größten Aufschneider der Welt dann noch im Pokalqualifikationsendspiel besiegen.

Zitate zur Zeit: Ein wahres Zeichen von Wohlstand

Dass die Deutschen ihre Atomkraftwerke abschalten, halte ich für ein wahres Zeichen von Wohlstand.  

Bill Gates kommentiert im Jahr 2011 den deutschen Beschluss, sich von der Kernenergie zu verabschieden.

Jederzeit umfallbereit: Wohlfühlmarsch ins Traumland

Jederzeit umfallbereit: Das V in Union steht für Vertrauen und Verlässlichkeit.


Das C in CDU steht traditionell für "Corona", denn die Union ist die Vereinigung der Pandemiegegner, deren Hoffnungen für die Bundestagswahl im Herbst nicht auf einem Kandidaten oder einem Programm ruhen, sondern auf dem Umstand, dass die "Durchimpfung" (DPA) Deutschlands bis dahin so große Fortschritte gemacht haben wird, dass all die schlechte Laune, das Gemecker über "Impfdesaster" (Welt) und "Staatsversagen" (Spiegel) vergessen und vergeben sein werden. Vor die Wahl gestellt, ein Kreuz bei den Grünen zu machen, von denen man nicht weiß, aber ahnt, was sie anzurichten in der Lage wären, oder doch wieder bei der CDU, bei der es zumindest viel langsamer abwärts gehen wird, könnte manche auf die Idee kommen, dass Armin Laschet dafür genau der Richtige wäre.

Laschets letzte Hoffnung

Wendig, stets in der Lage, Gewissheiten unerwartet über Bord zu werfen und in der großen Tradition nicht nur von Helmut Kohl, sondern auch der Bündnisse mit der SPD jederzeit umfallbereit, rüstet sich die letzte alte Volkspartei in diesen Tagen für den Endkampf gegen die erste neue, geboren aus euphorischen Medienhymnen und Umfragen, die deren Lesewert für viele Bürgerinnen und Bürger prompt bestätigen. Kommt es wie verabredet, wird man das nächste Stück Weges zusammen gehen, die Grünen nach vorn drängend  aus dem zweiten Glied, die Union züchtig ein Bremsen simulieren, wo es um Kernfragen wie die geht, ob der Braunkohleausstieg auf 2035 vorgezogen werden kann oder auf 2033 und ob Klimaneutralität nicht erst 2050, sondern schon 2045 oder 2041 oder 2038 erreicht sein soll.

So viele Jahre  noch und doch so wenig Platz, Termine  zu verschieben. Je früher heute schon festgelegt wird, wie viel früher morgen und übermorgen klimagerecht, nachhaltig, mobilfrei und regional gelebt werden soll, desto weniger Verfügungsmasse für die Beschleunigung der endgültigen deutschen Klimarettung bleibt für später übrig. Gesetzt den Fall, die kommende schwarz-grüne Bundesregierung würde den Ausstieg aus allem auf das Ende ihrer Amtszeit festlegen, wäre für kommende Bundesregierungen und -Parlamente gar nichts mehr zu tun übrig - die Bundestagswahl 2025 würde zur Farce, eine potemkinsche Abstimmung am Ende aller Tage.

Hoffnung Armin Laschet

Deshalb muss es schrittweise vorangehen, ein Ziel nach dem anderen, jedes verpassen, anschließend streng nachschärfen, fest entschlossen, auch diesmal aber wirklich wieder den Eindruck zu erwecken, als habe man einen Plan, wo man doch nur ein Ziel hat. Dann beim Strompreis entlasten, damit er der teuerste der Welt bleibt. CO2-Preis 'rauf, die Armen nicht vergessen und den Reichen geben, wo sie bereit sind, ihre gewohnte Mobilität einem auf Staatskosten neuangeschafften Elektroauto zu opfern. Armin Laschet gilt als Moderator, Annalena Baerbock weiß, dass der erste Anlauf meist nur in die zweite Reihe führt, dort aber kann man sich einrichten für die Zeit, in der es gar nichts mehr zu regieren gibt, weil alle Entscheidungen schon getroffen worden sind.

Die kommenden sechs Fünfjahrpläne heute schon stehen, gezimmert in nicht ganz zwei Wochen und wie alle Seuchenschnellgesetze durch den Bundestag gerutscht, ehe noch irgendwer öffentlich Kenntnis nehmen konnte, was das eigentlich und wie genau. "Deutschland ist gut vorbereitet" (CDU/CSU, 2020), wie immer, zumindest solange das Morgen noch nicht im Heute angekommen ist. Das Land, das immer überzeugt war, seine Grenzen nicht sichern zu können, das keinen pünktlichen Bahnverkehr sicherstellen, keinen Flughafen bauen, keine Internetversorgung garantieren und sich weder auf ein gemeinsames Bio-Siegel einigen noch darüber einig werden kann, welche Art geheimnisvoller Energie es denn sein wird, die künftig grünen Stahl kocht und grünes Wasserstoff-Benzin, zurrt die Leinen fest für einen Wohlfühlmarsch in ein Traumland, das es ganz allein bewohnt.

 

Samstag, 15. Mai 2021

Annalena Baerbock: Die Zärtlichkeit der Erschießungswand

Nein, der Schütze ist nicht Che Guevara. Der Welt liebster Revolutionär ließ sich beim Morden natürlich nicht fotografieren.

Die "Zärtlichkeit unter den Völkern", die hat Annalena Baerbock im Blick, wenn sie an eine solidarische Welt denkt, wie sie künftig zu gestalten ist. Che Guevara, der argentinische Revolutionär, im kubanischen Auslandseinsatz zu einem Posterboy der Weltrebellion gegen das gewachsen, was heute als Klimakapitalismus, neoliberale Ungerechtigkeit und verstockte Braunkohlewirtschaft gilt, hat den Satz geprägt. Und das Postergirl der Klimawende hat jetzt zu Grundprinzip von dem erklärt, "das diese Erde irgendwie friedlich hält" (Baerbock).

Actionfigur im Auftrag des Guten

Die grüne Kanzlerkandidatin orientiert sich dabei freilich nicht an dem Guevara, der wirklich war, sondern an der Actionfigur im Auftrag des Guten, in die der manische Berufsrevolutionär nach seinem Tod verwandelt wurde. Gelten Stalin, Mao, selbst Lenin, Honecker und Castro als Männer bester Absicht, denen die Verhältnisse irgendwo unterwegs in eine bessere, kommunistische Welt ein paar Unterdrückungspraktiken nahelegten, zuweilen ist sogar von Morden und sehr selten gar von Millionen Toten die Rede, läuft der Medizinstudent aus dem Großbürgertum unter Robin Hood. 

Guevara kämpfte als Held und er starb als Opfer. Zwischendurch war er Industrieminister und sich bei Arbeitseinsätzen im frischbefreiten Kuba nie zu schade, selbst eine Schippe oder Schubkarre in die Hände zu nehmen.

Star schöner Schwurbelsätze

So einer leuchtet, so einem spricht man Schwurbelsätze wie den von der Solidarität als "Zärtlichkeit der Völker" inbrünstig nach. Weniger häufig  erwähnt wird der Guevara, den Fidel Castro zum Chefankläger der Revolutionstribunale ernannte, die nach dem Sieg der Revolution unter den Gefolgsleuten der alten Macht aufräumte. Nein, kein Foto (oben) zeigt Che Guevara, wie er selbst wehrlose Frauen erschießt. Der sich selbst als "neuer Mensch" begreifende Exilant war sich  der Wirkung von Bildern viel zu sehr bewusst, als dass er sich hätte fotografieren lassen, während er an Erschießungen teilnahm.

Doch er tat es, denn die Notwendigkeit der Ausmerzung aller Andersdenkenden war Guevaras innerste Überzeugung. "Um einen Mann an die Wand zu stellen, bedarf es keines Prozesses", dekretierte er 1959. Gerichtsverfahren seien "archaisch" und "bourgeois", ein Revolutionär aber müsse "eine Tötungsmaschine sein, getrieben von purem Hass". Che Guevara machte keine Gefangenen, seine "Zärtlichkeit der Völker" war nicht Solidarität, sondern die solide Überzeugung, dass die größere Entschlossenheit zur brutalen Niederschlagung von Feinden den Sieg garantiere. "Wir führen die Pädagogik der Erschießungswand ein", versprach Che Guevara, ehe er die Anhänger Batistas zu hunderten an die Wand stellen ließ.

Ein Erz-Stalinist mit gutem Ruf

Seinem Ruf hat das so wenig geschadet wie die Berichte von Überlebenden wie Armando Valladeres. Der berichtete nach seiner Flucht von Kuba, wie Guevara bei Verhören, bei Folterungen und Erschießungen selbst zuschaute - sicher, dass die von ihm verübte "revolutionärer Justiz" Gerechtigkeit bringe. Von Kuba, der Flamme der Revolution in Lateinamerika, wandte er sich ab, als Castro ihm zu weich wurde, die Stalinisten in der Sowjetunion fielen bei ihm in Ungnade, als sie Stalins Verbrechen Verbrechen nannten.

Peak Lauterbach: Ist das schon das Ende?

Die vierte Welle lief nicht wirklich gut. Dabei tat Karl Lauterbach eigentlich ganz genau, was er seit mehr als einem Jahr getan hatte.  Er war im Fernsehen, er schrieb bei Twitter, er verschickte Pressemitteilungen und gab Interviews. Er fütterte die die Furcht also genau wie immer. Aber zum ersten Mal war das Echo ernüchternd. Prof. Dr. Karl Lauterbach, nach eigenem Bekunden eine "Wortbildmarke der SPD-Bundestagsfraktion", hatte seine Magie verloren. 

Der Bundesviruswarnbeauftrage, der das schlechte Gewissen für immer und überall unzureichende Seuchenschutzmaßnahmen bis auf Zellebene verinnerlicht hat, war plötzlich nicht mehr gefragt. Seine Vorschläge, Hinweise und Kritiken, eben noch die gefragteste Währung im medialen Warngeschäft, lagen nun wie Blei in den Regalen. Ein Lauterbach, bis Ende April der Goldstandart der Weltuntergangsvorhersagen, verfiel im Wert wie der Bitcoin.

Die gefragteste Währung im Warngeschäft

Unverkäufliche Saisonware, in Zeiten der Lockerungsdiskussionsorgien nicht einmal mehr als Schaufensterbelag verwendbar. Ein Strategieschwenk des direkt gewählten Abgeordneten des Wahlkreises 101 Leverkusen und Köln Mülheim  änderte nichts Grundsätzliches mehr an der Lage: Der Nationalmahner, nach Jahren des Leidens in den Randbereichen der politischen Realität und des Geschnittenwerdens durch das Parteiestablishment durch und mit Corona zu einem monster shouter der Pandemie gewachsen, wie ihn Kareem Abdul-Jabbar in Stephen Kings "The Stand" spielte, stützte zurück in den Abgrund aus Unsichtbarkeit, den ein Politiker mehr zu fürchten hat als alles andere auf der Welt.

Doch der Peak Lauterbach (Grafik oben), der für den 58-Jährigen einen so enormen Rückschlag auf dem Weg zu ersehnten Ministeramt bedeutet, könnte für die Nation Signalwirkung in ganz anderer Weise haben. Verzeichneten "andere Wissenschaftler" (Lauterbach) wie Christian Drosten und Henrick Streek bereits seit Monaten einen Rückgang der öffentlichen Nachfrage nach ihrem wissenschaftlichen advice, war es Karl Lauterbach durch schonungslose Omnipräsenz gelungen, einer ersten Wahrnehmungswelle eine zweite und schließlich sogar eine dritte folgen zu lassen. 

Von wegen Auslaufmodell

Sie katapultierte den noch vor zwei Jahren als Auslaufmodell geltenden Hinterbänkler aus der Provinz auf ein Niveau, auf dem eigentlich die Bundeskanzlerin allein residiert. Abgesehen von Annalena Baerbock, die als Tesla der deutschen Illusionspolitik einen Kursanstieg verzeichnet hat, der weltgeschichtlich einzigartig ist.

Seinen KanzlerInnenkandidaten Olaf Scholz jedenfalls trat Karl Lauterbach förmlich in den Staub, bienenfleißig, immer schon eine Viruswelle weiter, mit Mutanten im Gepäck, die er schneller aus dem Halfter zog als Jens Spahn Impfstofflieferungen in unbekannten und unerreichbaren Lagern für schlechte Zeiten auf Reserve legen lassen konnte. Britisch, Spanisch, Brasilianisch und Indisch, doppelt und dreifach mutiert - Lauterbach kannte sie alle. Als erster. Persönlich. Mit einer situationsangepassten Stimme aus Kreidekreischen und Anerkennungsheischen berichtete er täglich vom nahenden Ende. Was muss. Was  darf nicht mehr? Wie lange noch?

Makellose Talkshow-Bilanz

Eine gefragte Dienstleistung in düsteren Zeiten, die ohne aktuellen Schnelltest in Anspruch genommen werden darf, weil Lauterbachs Warnungen als körpernahe Dienstleistung gelten und der frühere CDU-Politiker mittlerweile bei ARD und ZDF zum Hausstand gehört. Hier ist er tatsächlich zu Hause gewesen in den schlimmen Monaten, vor allem seit dem Wellenbrecher-Lockdown ab November, der bis heute läuft. Karl Lauterbachs Talkshow-Bilanz liest sich wie das Tourprogramm eines deutschen Schlagersängers, der mit einer Missbrauchsbiografie hausieren geht: Überall war er und nirgends nicht, er getan, was er konnte, und gesagt, was er wusste.Nebenbei leistete er der ausgebildete Gesundheitsökonom auch noch Forschungsarbeit, er stimmte im Bundestag mit ab und beriet die Kanzlerin.

Dennoch nun dieser Einbruch, der von einer weitverbreiteten Undankbarkeit zeugt. Gewarnt werden haben so schon gern gewollt, die Deutschen, in deren Augen Karl Lauterbach nach einem Jahr Warnarbeit es bis auf Platz vier der beliebtesten deutschen Politiker geschafft hatte. Nun aber, wo die Vertreter der verfrühten Lockerungsdiskussionsorgien mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt die Definitionshoheit über Inzidenzen, Impferfolge und R-Werte für sich reklamieren, ist der der Bote mit der bösen Botschaft nicht mehr gefragt. Und das Ministeramt könnte im Herbst unverhofft noch aus den frischgewaschenen Händen glitschen.

Freitag, 14. Mai 2021

Doku Deutschland: Meine beinharte 60-Jahre-Diät

Man erahnt mein Problem schon auf diesem Selfie: Ich bin einfach immer noch einige Kilo zu groß, obwohl ich nahezu 1,80 Meter messe.

Ich weiß natürlich nicht mehr genau, wie das alles angefangen hat. Aber wenn ich darüber nachdenke, wird mir klar, dass das nicht daran liegt, dass ich das Problem ganz, ganz früher nicht hatte. Sondern eher daran, dass ich es immer schon mit mir herumgeschleppt habe, selbst zu der Zeit, als ich noch zu jung war, um mich heute noch daran zu erinnern, was ich damals dachte.

Um es kurz zu machen: Ich bin dick.  Zumindest nennen es Menschen so, die es gut mit mir meinen, die mich trotzdem leiden können und nicht die Nase rümpfen, nur weil ihnen jemand gegenübersteht - meist sitze ich - der dreimal so viel wiegt wie sie. Dreimal, sie lesen richtig. Ich bin im Moment bei knapp 210 Kilo, auch für einen Mann, der fast 1,80 Meter groß ist - genau sind es 1,73 - ist das eine ganze Menge.  

Zehn Kisten Bier

Man schleppt das ja immer mit sich, das ganze Zeug. Zehn Kisten Bier. Treppe hoch, Treppe runter. Die liegen einem beim Sitzen auf dem Schoß und beim Liegen auf der Brust. Verständlich, dass man sie loswerden möchte, wenn einem erst klargeworden ist, dass es so nicht weitergehen kann. 

Ich war 14, als ich das endgültig und mit allen Konsequenzen begriffen hatte. Das war vor 30 Jahren, wenn man es genau nimmt, und ich habe nicht mal lange gebraucht, um einen festen Diät-Plan zu entwickeln. Ich setzte mir einen festen Zeitrahmen und ein ehrgeiziges Programm, um mein Ziel zu erreichen. Zuerst einmal würde ich zehn Jahre lang nicht weiter zunehmen, damit ich mich an das Leichterwerden gewöhnen kann. Dann binnen von fünf Jahren entschlossen 25 Prozent Gewicht verlieren. Schließlich noch einmal 20 Prozent draufpacken, also abkochen.

Mein Gewicht, das bin ich

40 Prozent leichter in 30 Jahren, das klingt wenig, ist aber für jemanden, der gewohnt ist, sein Gewicht als Bestandteil seiner Persönlichkeit zu empfinden, eine ganze Menge. Ich gestehe denn auch offen: Es ist mir oft nicht gelungen. Also nie. Mental haderte ich mit dem Konzept, einen Teil von mir aufgeben zu müssen, um dem Rest von mir das Überleben zu sichern. Was verliert man, wenn man einen halben Menschen der Waage opfert, damit der andere Halbling es ein paar mehr Jahre lang gut hat? Im Innersten zweifelte ich an dem Konzept.

Diät und Diät versagte. Ich zehrte von den ersten paar Messungen, die mir bescheinigten, anfangs doch ziemlich Masse verloren zu haben. Aber danach ging nahezu nichts mehr. Um es in Zahlen zu fassen, damit Sie mein Problem verstehen: Ich wurde einfach nicht dünner, egal, was ich aß.

Ehrgeiz lässt nicht nach

Aber ich bin ehrgeizig. Wenn es mit dem ersten Abnehmziel nicht geklappt hat, sagte ich mir, warum dann nicht einfach ein zweites, drittes oder viertes aufstellen, das dich ein bisschen mehr fordert? Ohne langes Herumrechnen habe ich meine Diätziele also verdoppelt, das heißt, ich werde in den kommenden zehn Jahren Jahr für Jahr doppelt so viel Gewicht verlieren wie in den zurückliegenden drei Jahrzehnten! Und wenn ich das nicht geschafft habe, lege ich noch einen drauf: Heute schon habe ich mir vorgenommen, in zehn Jahren nicht aufzuhören, sondern konsequent weiterzumachen. Ich gebe mir dann noch einmal 15 Jahre Zeit, um weitere 35 Prozent Masse abzubauen. 

Sie staunen. Aber ich bin wirklich heute schon stolz darauf, wie ich das all diese Jahre durchgehalten haben werde. 60 Jahre Diät! 60 Jahre Entbehrung, Entsagung, dranbleiben, nie aufgeben, egal, was passiert. Das macht mir, glaube ich, so schnell niemand nach. Mögen mir auch die Leute nachgucken, wenn ich auf der Straße bin, mögen sie tuscheln und "fett" oder "adipös" denken. Ich weiß doch besser, was ich geleistet habe. Man sieht es vielleicht nicht, aber ich fühle es. Das können Sie ruhig weitersagen.

Wolken aus Wollen: Was ihr wollt

Angela Merkel, die FDP, Martin Schulz und die Grünen (im Uhrzeigersinn) und ihre Programmatik.


Die FDP hat es schon geschafft, ihr Wahlprogrammentwurf enthält so wenig "Deutschland", dass kein Grund zur Panik besteht. Bei den Grünen wird noch gekämpft, rein oder aus, hop oder top? Fährt man nicht ohne das Nationale besser, wenn es um das Ökologische geht? Ist nicht Martin Schulz, der Gottkanzler der deutschen Sozialdemokratie, bei der letzten Bundestagswahl auch daran gescheitert, dass er das Soziale mit dem Nationalen hatte versöhnen wollen?

Der rote Faden der Versprechungen

Der Ausgang der Geschichte ist noch offen, der rote Faden aber, der sich durch die Programmatik der Parteien zieht, er wird im Vorwahlkampf vor der Sommerpause schon deutlich. "Deutschland schaffen Menschen wollen" hieß es in Angela Merkels letzter großer Rede, "Deutschland muss wollen Frauen Menschen Zeit Arbeit schaffen", daran glaubte Martin Schulz. Das grüne Programm zur Bundestagswahl in diesem Herbst spart die "Arbeit" und setzt auf "Menschen wollen muss Grünen schaffen". Während die FDP, ewig am Rande, ein "Grundrechte wollen Europa Menschen braucht" ohne den auch bei den Grünen zentralen Verweis auf Deutschland für angemessen halten.

Es sind wahre Wolken aus Wollen, mit denen die Parteien in die letzte Schlacht vor dem nächsten Klimakrieg, der nächsten Anstrengung im Kampf gegen Rechts, dem nächsten Ruck im Gerechtigkeitsgetriebe und der nächsten Etappe bei der Kreditausweitung im Sinne der Nachhaltigkeit  ziehen. Kein "wir haben vor" und kein "wir möchten", kein "wir würden" oder "wir würden uns wünschen". Nicht einmal ein "wir werden" oder ein "wir würden", wenn man uns ließe. Nein, das Wollen allein, gestützt von einem assistierenden Müssen prägt die Ansprache: Parteien versprechen nicht mehr, sie versichern nur, dass sie wollen würden, was in jedem Fall müsste, ließe man sie dürfen.

In der Berliner Wollfabrik

Aber will das Volk das auch? Und lässt es sich mit bramarbasierenden Programmen aus der Wollfabrik im politischen Berlin auch diesmal wieder locken, Prokura zu geben für eine Maßnahmen-Demokratur, die auf keinem Wahlplakat versprochen wird und in keinem Wahlprogramm erwähnt? Jeder weiß, dass niemand Parteiprogramme oder auch nur ihre Operativausleger liest, die sie Wahlprogramme nennen. Wer mehr als einmal eine Stimme abgegeben hat, weiß, dass nichts schneller vergessen wird als ein Wahlversprechen - eben noch sind zum Beispiel Steuererhöhungen vollkommen ausgeschlossen. Und schon ein Augenzwinkern später treten sie in Kraft.

Gewollt hat das immer niemand, aber gemacht werden hat es müssen, wollte man nicht riskieren, dass man es tun muss. Politische Führung als Zwangshandlung, bei der Differenz zwischen der Realität und "Tagesschau", das legt das vierte Grundgesetz der Mediendynamik fest, stets größer sein ist als es die Anzahl der "Wollen" in der Parteiprogrammatik auszudrücken vermag. 

Der Wille ist da, vor allem der zur Macht. Das Wollen aber ist als konjunktivus politikus des Freihandels mit fragwürdigen Versprechungen eine Herzenshandlung, ungewollt fast rutscht das vom Althochdeutschen willio wie der Wille abgeleitete Verb (lateinisch velle, ‚wollen‘, lateinisch voluntas, ‚Wille‘, lateinisch volitio, ‚Willensakt‘) als sprachwissenschaftliches Abstraktum an die Stelle, an der Wählerinnen, Wähler und Wählende deutliche Zusagen und uneingeschränkte Aussagen erwartet. "Wollen" bezeichnet etwas Nichtgegenständliches, Wollen hat gegenüber dem Werden den großen Vorteil, dass schon sprachlich eine Umsetzungshürde eingebaut ist: Wer will, wird noch lange nicht, denn wenn er nicht kann, was soll er dann tun?

Die Steigerung des Wünschen ist das Wollen

Vorbild für die Sprachnebel, in denen das Wollen schimmert wie ein versprechen, ist die Bibel, die den Begriff sehr häufig erwähnt, stets im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Willen des vermeintlichen Gottes, der seinen Propheten Samuel sagen lässt „der Wille des Herrn geschehe“, obwohl es aus Sicht eines allmächtigen Gottes für eine solche Ankündigung nicht mehr Anlass gibt als für die Ankündigung eines Regentropfens, dass er jetzt falle. 

Natürlich tut er das, denn das allein ist sein Wesenszweck. Und genau hier findet sich der Grund für die Hochkonjunktur des Wollens. Das Wahlprogramm der Union enthielt im Jahr 1998 ganze fünf Wollen. 2017 waren es schon 20 Wollen. Und bei der kommenden Ausgabe rechnen Beobachter zuversichtlich mit zwischen 33 und 42 Wollen.

Donnerstag, 13. Mai 2021

Bundesnotbremse mit pandemischer Wirkung

Am deutschen Wesen ist die Welt genesen: Nach der Verhängung der Bundesnotbremse begannen die Ansteckungszahlen auch in den Nachbarländern sofort zu sinken.
Als die Zahlen ein paar Tage nach Verhängung der Bundesnotbremse zu sinken begonnen, obwohl sie noch nicht einmal theoretisch hätten fallen dürfen, hatte Lothar Wieler sich eine Erklärung überlegt. Man habe das bereits im vergangenen Jahr beim ersten Lockdown gesehen, sagte der Chef des Robert-Koch-Institutes angesichts der spukhaften Frühwirkung der umfassendsten Freiheitseinschränkungen, die es "seit dem Zweiten Weltkrieg" gegeben hatte. Auch damals hätten Maßnahmen schon gewirkt, ehe sie überhaupt verhängt worden seien.  

Wirkung vor der Wirkung

Auch der Infektionsepidemiologe Timo Ulrichs schwor auf diese Erklärung. Es brauche eigentlich erstmal die Inkubationszeit, und dann brauche es auch noch Zeit für den PCR-Test und die Meldung ans Robert-Koch-Institut. "Mit etwa zehn bis vierzehn Tagen muss man rechnen", rechnete er vor. So komme man vom Einsetzen einer Maßnahme bis zu deren Wirkung auf etwa zwei Wochen. Wenn also früher eine Trendumkehr zu sehen sei, dann liege das daran, dass allein ihre Ankündigung eine "Veränderung des Verhaltens" (Ulrichs) bei vielen Menschen bewirkt habe. Im Boxen ist das Phänomen als "Faustangst" bekannt: Der Geschlagene fällt bereits, ehe der Schläger ausgeholt hat.

Der erste Lockdown, nach aktueller Zählung der einzige vor dem immer noch aktuellen, ist so lange her, dass nur Historiker noch erinnern, dass er damals nicht nur gar nicht angekündigt, sondern die "massiven weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens" (Bundesgesundheitsministerium) sogar noch sogar noch wenige Stunden vor ihrer Ausrufung als Erfindung  böswilliger Staatsverleumder bezeichnet worden waren. Deren üblem Wirken in den sozialen Hetzwerken müsste die frühausschüttende Wirkung zugeschrieben werden - wer eher alarmiert, ist schneller virenfrei. 

Virenfrei aus dem Mai

Die Bundesnotbremse, als letzte Patronen gegen Mutanten verschossen, die aus aller Herren Länder hereindrängen, verdankt ihren durchschlagenden Erfolg folglich nicht nur ihren Verfechtern, die mit apokalyptischen Untergangsvisionen, vierstelligen Inzidenzwerten und Horrorgeschichten von "vielen Kinden, die jetzt ihre Eltern verlieren" (Lauterbach) die alte Bush-Strategie des shock & awe unterfütterten. Sondern erst recht ihren eingeschworenen Feinden, deren Widerstand erst endgültig warnend wirkte.

Und dass weit über die - seit Monaten weitgehend geschlossenen - unschliessbaren deutschen Grenzen hinaus. Ein Blick ins Ausland zeigt, wie die Bundesnotbremse hinaus die Welt wirkte, unaufhaltsam und heilend in ganz Europa. Kaum waren in Ulm, Schwerin und Bautzen Ausgangssperren ab 22 Uhr verhängt, sanken die Infektionszahlen auch in Prag, Wien, Genf und Pilsen solidarisch mit. Was sich in Deutschland auf der zeitlichen Schiene zeigte - eine Wirkung, die eintrat, ehe sie überhaupt hätte eintreten können oder dürfen - ist auch geografisch beobachtbar. Die Bundesbremse verzeichnet selbst dort durchschlagende Erfolge, wo sie nicht eingeführt wurde. 

Bundesbremse wirkt weltweit

Selbst Lockerungsdiskussionorgien mit ernsten Öffnungskonsequenzen, wie sie just zum Zeitpunkt der Verwandlung Deutschlands in einen Ausgangssperrenstaat in der Schweiz, in Österreich und Tschechien infolge des Fehlens von Karl Lauterbach und einer daraus resultierenden einer totalen Fehleinschätzung der Lage gezogen wurden, änderten daran nichts (Grafik oben). 

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Nach der Verhängung der Bundesnotbremse begannen die Ansteckungszahlen auch in den Nachbarländern sofort zu sinken, die angespannte Situation auf vielen Intensivstationen etwa im besonders getroffenen Tschechien konnte mit Hilfe der harten Maßnahmen für Greifswald, Hannover und Peine entspannt werden. Am deutschen Wesen ist die Welt genesen. Das deutsche Beispiel wirkt bis in die in den Nachbarländern teilweise bereits wieder geöffnete Gastronomie hinein, es rettet Leben auch dort, wo Regierungen sich entschlossen haben, den guten Rat der vorbildlichsten Pandemierepublik zu negieren und einer EU-weit einheitlichen Seuchenbekämpfung nach deutschen Vorbild eine Absage zu erteilen.

Heizkostensharing: CO für 2

Wie besser hätte es am Ende laufen können als mit der Schlagzeile "Bund entlastet Millionen Mieter"? Von der Bundesworthülsenfabrik vorgeschlagen, setzte sich die Zeile sofort durch. Fast anderthalb Jahre hätte die Bundesregierung nach dem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Recht auf ein stabiles Weltklima Zeit gehabt, sich einen Plan und umfassende, ausgeklügelte Maßnahmen zur Umsetzung zu überlegen. 

Doch was im Falle des vom selben Verfassungsgericht eigentlich zum Schrumpfen verdammten Bundestages in Jahren, Jahren und Jahren nicht zustande zu bringen war, geht in Corona- und Klima-Notstandszeiten in knapper Zwei-Wochen-Frist: Vermieter müssen künftig die Hälfte des CO2-Preises zahlen, das "entlastet die Mieter" (n-tv). Die nun nur noch die andere Hälfte der Preiserhöhung zahlen müssen. Die gerade erst begonnen hat.

Das Klima schaut erleichtert in die Zukunft

Was ein Glück für alle. Die Bundesregierung folgt endlich einmal dem Verfassungsgericht. Das Weltklima schaut erleichtert in die Zukunft. Und auch auf die EU, die mit deutscher Zustimmung "schärfere Klimaziele beschlossen" hatte, hört endlich auch mal wieder jemand.


D
as Ziel ist nun klar, die Wegmarken dahin auch. In den kommenden neun Jahren werden die Treibhausgas-Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 gesenkt, danach bis 2045 noch einmal um den Rest bis Null. Ehrgeizig: In den 30 Jahren von 1990 bis 2020 gelang eine Verminderung um 40 Prozent, in den neun Jahren bis 2030 folgen nun weitere minus 25, auf der Schlussetappe über 15 Jahre schließlich die verbliebenen 35 Prozent. Aus einer Jahresminderung von 1,3 Prozent werden so erst 2,7 Prozent, ehe die vorgeschriebene Minderung dann wieder auf 2,3 Prozent sinkt.

Neue Verrechnungsstelle geplant

Wie genau das vor sich gehen soll, verrät das Klimaschutzgesetz noch nicht, ebenso schweigt es strikt zu den Kosten, die auf Bürgerinnen und Bürger zukommen. Das soll eine Überraschung für die Tage nach der Wahl im Herbst werden. Fest steht aber schon, dass die Minderungsbemühungen geteilt werden: Mieter dürfen die Hälfte der Kosten der CO2-Szeuer von ihren Vermietern zurückverlangen. Abwickeln wird die Verrechnung die neue Zentrale Bundesausgleichsstelle für die CO2-Steuer-Zahlungsrückerstattung (ZBCOSZR), bei der auf entsprechenden Antrag bereits im Bundestagswahlkampf entsprechende Formblätter digital abgerufen werden können sollen.

Unbürokratisch können Mieter dort ihre Öl-, Strom- und Gaskosten eintragen, ein Zahlungsbeleg ist beizufügen sowie ein Beleg des Energieversorgers über die eingegangene Zahlung. Nach Prüfung des Antrags erstellt die ZBCOSZR dann eine bußgeldbewehrte Rechnung für den Vermieters, der 50 Prozent der Mehrbelastung als Energiegerechtigkeitsabgabe an die Bundeszentralkasse überweist, von wo sie solidarisch als Lastenausgleich auf das entsprechende Mieterkonto weitergeleitet wird. Hilfreich wird hier die neue bundesweit einheitliche Bürger*Innenidentifikationsnummer sein, die erst im März gegen den Widerstand Uneinsichtiger eingeführt worden war. 

Wegweisend für andere Bereiche

Der entsprechende Beschluss der Bundesregierung gilt als wegweisend für andere Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft. In der Großen Koalition war nach langem Streit Einigkeit darüber erzielt worden, dass eine faire Lastenverteilung zwischen Mietern und Vermietern hergestellt werden müsse, weil Mietende in der Regel keinen Einfluss darauf haben, wie umweltfreundlich ihre vom Vermieter zur Verfügung gestellte Heizung ist. Mit dem Argument, dass Vermieter wiederum keinen Einfluss auf die von Mietern gewählten Raumtemperaturen nehmen könnten, mussten sie bisher dennoch komplett für die Heizkosten aufkommen.

Im Wahlkampf auf dem Klimaschlachtfeld konnte sich nun aber die SPD durchsetzen: Damit Deutschland schon 2045 statt 2050 klimaneutral wird, müssen die Zusatzbelastungen durch die CO2-Steuer geteilt werden. Da etwa Autokäufer keinen Einfluss auf den von den Herstellern eingebauten Motoren nehmen können, ist hier eine ähnliche Lösung angedacht: Autohersteller würden mit der nächsten Ausbaustufe der Klimaschutznovelle die Hälfte der CO2-Steuer bei Benzin übernehmen. Eine ähnliche smarte sharing-Lösung ist unter dem Motto "CO für 2" auch im öffentlichen Nahverkehr, bei Flügen und in allen Bereichen des Konsums von der Nahrungsmittelversorgung bis hin zu ganz normalen Luxusartikeln angedacht.

Kohlekompromiss fliegt über Bord

Gelingt es zudem noch, den Beschluss der Kohlekommission schnell über Bord zu werfen, die nach zweijährigen Beratungen das frühestmögliche Ausstiegsdatum für die Braunkohleverfeuerung auf 2038 festgelegt hatte, wird schon vor Ende des sechsten Fünfjahrklimaplanes kein deutsches CO2 mehr in die Atmosphäre geblasen.

Mittwoch, 12. Mai 2021

Klimaturbo: Niemand hat die Absicht, das Fliegen zu verbieten

Bei den geplanten Einschränkungen des globalen Flugverkehrs sollen sogenannte "natürliche Flugbewegungen" weitgehend ausgespart blieben.

Als das ARD-Morgenmagazin die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock heranzitiert, um der SPD-Umweltministerin Svenja Schulze als "Oppositionspolitikerin" in Sachen Klimaschutz zu widersprechen, zeigte sich erneut, dass Gott einen sehr feinen, sehr subtilen und doch ansteckenden Humor besitzt. Würde Baerbock Schulze wirklich überbieten können? Geht da noch mehr beim Verbieten, Verteuern und Vorgeben? Lässt sich das Weltklima nicht erst 2045 retten, wie derzeit geplant? Sondern schon 2040, 2030, 2025 oder morgen? Wenn man noch die eine oder andere Stellschraube dreht, unsinniges Heizen erschwert, Herumfahren verhindert und der Industrie nahelegt, besser anderswo zu produzieren?

Ganz vorn bei der Rettung der Welt

Die Ambitionen, bei der Rettung der Welt ganz vor zu marschieren, hatte das Land immer schon, immer waren sie überaus beachtenswert und stets wurden sie mit großer Bewunderung zur Kenntnis genommen. Deutschland war Vorreiter, als es das Menschenrecht auf ein stabiles Klima noch gar nicht gab. Angela Merkel, gehüllt in die Winterjacke eines Sponsors, reiste als Klimakanzlerin in die - damals noch eisigen - Weiten des Nordens, um sich ein Bild zu machen von der Erwärmung, die gerade in diesen Frühlingstagen des zweiten Corona-Jahres so schmerzlich vermisst wird. Doch die Zentralmacht in der Mitte des Kontinents war zwar willig, aber ein wohlstandsverwahrloster dicker alter weißer Mann. Dick, zu unbeweglich, zu viel Energieverbrauch, und jedes Joule setzte Kilo an.
 
Es braucht Entschlossenheit und Eile, um noch zurechtzukommen vor dem Untergang - und dank Corona können nun alle Gesetze nicht mehr in Jahren, Monaten oder Wochen, sondern in Tagen entworfen, beraten, geschrieben, beschlossen, unterzeichnet und in Kraft gesetzt werden. Schneller als ein Wähler schauen kann, ändert sich seine Lebenswelt. 
 

Schneller als der Wähler schauen kann

 
Wer vor vier Jahren CDU, CSU oder SPD wählte, damals noch im Glauben, einen "neuen Aufbruch für Europa, eine neue Dynamik für Deutschland und einen neuen Zusammenhalt für unser Land" anzustoßen, bekommt vier Jahre später  "deutlich strengere Klimaschutzziele" (Tagesschau). Der/die Bürger*_:In hat nicht gehört und nicht gehandelt, nun muss die Bundesumweltministerin ihm helfen: Bis zum Jahr 2030 hat er mindestens 65 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als Jahr 1990, bis 2040 sollen die CO2-Emissionen sogar um 88 Prozent fallen. Und 2050 ist dann Nulldiät angesagt.
 
Wie das gehen wird, das wissen Schulze und ihre Gegnerin Baerbock ziemlich genau. Die Preise müssen hoch, die Mobilität muss runter, das alles freilich sozial gerecht. Steigende Heizkosten übernehmen die Vermieter, steigende CO2-Kosten für die Industrie fördert der Staat. Jeder wird verzichten müssen, aber natürlich wird nichts eingeschränkt, das hat die kommende Klimakanzlerin Annalena Baerbock ihren Wählenden bereits in die Hand versprochen, mit Abstand: Jeder werde weiter hinfliegen dürfen, wo er auch hinwolle, Fliegen werde auch nicht teurer werden, weil eine "neue soziale Spaltung" zwischen Fliegenden und Nichtmehrfliegenkönnenden zwingend zu vermeiden sei.
 

Nicht mehr fliegen ohne Verbot

 
Eingeschränkt werde den grünen Plänen zur CO2-Einsparung nach ausschließlich der "globale Flugverkehr" (Baerbock) soll eingeschränkt werden. Da werde nichts verboten oder beschränkt, jeder solle auch in Zukunft noch Urlaub machen können, wo er wolle. Grüne Politik sei die Änderungen der "Strukturen" (Baerbock) des internationalen Flugverkehr, der insgesamt begrenzt werden müsse. Dann klappt es auch mit den deutschen CO2-Zielen, die seit ihrer Verabschiedung 1990 ein einziges Mal erreicht wurden: 2020, als wegen der Stillegung weiter Teile des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft etwa 70 Millionen Tonnen CO2 oder 8,7 Prozent weniger als 2019 freigesetzt wurden.
 
Ein Rückgang, der nicht reichen wird. In den acht verbleibenden Jahren bis 2030 müsste Deutschland seinen CO2-Ausstoß Jahr für Jahr um 23,5 Millionen Tonnen CO2 reduzieren - und das, während es zehntausende Windräder und Solaranlagen baut, hunderttausende Häuser dämmt, 42 Millionen benzin-. und dieselgetriebene Kraftfahrzeuge durch Elektroautos ersetzt, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr massiv bis zur letzten Milchkanne ausbaut, die Chemie-, Stahl- und Agrarindustrie in nachhaltig wirtschaftende Effizienzmonster verwandelt und niemandem verwehrt, im wohlverdienten Urlaub auch mal auf den Spuren der wichtigsten deutschen Umweltschützer:_Innen um die ganze Welt zu fliegen.
 

Am Traumzauberbaum blinder Wünsche


Ein Traumzauberbaum, an den Politiker ihre Wünsche hängen, die gewiss sein können, dass sie in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren niemand mehr wird verantwortlich machen können für das, was sie da Großes vollbracht haben. Deutschland bleibe Industrieland, haben die Grünen schon verkündet. Kein Morgenthau-Plan, oder doch nur ein kleiner. Unbefangen und ohne einen ersichtlichen Plan setzen sie heute den "Rahmen" (Schulze), in dem die Menschen in aller Zukunft werden leben sollen. "Und auch die kommenden Regierungen müssen sich daran halten", hat Svenja Schulze schon erfreut festgestellt. 
 
Woher soll sie es auch besser wissen. 2009, als der Bundestag für alle Zeiten und Ewigkeiten beschloss, dass eine Schuldenbremse künftige Generationen fürderhin davon abhalten wird, exzessiv Kredite auf Kosten künftiger Generationen aufzunehmen, saß die Sozialdemokratin noch im Landtag von NRW. Dass die Schuldenbremse dann im vergangenen Jahr auf den Schutthaufen der Geschichte wanderte, nach einer kurzen und schmachvollen Geschichte, die nicht ganz bis zur Einhaltung der Maastricht-Kriterien gereicht hatte, spielte ohnehin schon keine Rolle mehr, weil die Schuldenbremser es längst geschafft hatten, die gute Absicht durch noch bessere Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank noch zu übertreffen: In nur zehn Jahren hat sich die Höhe der angehäuften Schulden der EU-Staaten auf nahezu elf Billionen Euro erhöht. Die neuen Corona-Kredite sind dabei nicht enthalten, auch die kommenden Klimakredite fehlen noch.

Schriller Schrecken: Die Stimmlage der Seuche

Bezeichnend für den Sound der Zeit: Der im beruhigenden Bass sprechende Robert Habeck (l.) unterlag im grünen Kanzlerwettstreit der im spitzen Diskant redenden Annalena Baerbock (r.)

Es ist ein gestrichenes F, das da erklingt. Wie Fingernägel auf einer Schultafel, wie Zähneknirschen und Zangekneifen am männlichen Geschlechtsteil, so klingt sie, die Stimmlage der Seuche, die seit Monaten die Tonart bestimmt. Wo immer über Pandemie und Maßnahmen, Fehler und das große Glück, all das in Deutschland erleben zu dürfen, gesprochen wird, sägen dieselben drei Dutzend Gestalten am Holzschnitt vom Pandemieparadies, das sich erst spät in eine Hölle voller Kontrollverlust verwandelte. 

Karl Lauterbach, Manuela Schwesig, Ursula von der Leyen, Anne Will und eine Handvoll anderer Dauergäste im Gemeinsinnfunk, darunter selbstverständlich Malu Dreyer und eine ganze Division von Virologen und Epidemiologen - sie alle teilen nicht nur eine Meinung, sondern auch ein schlimmes Schicksal: Eine Stimme, die zwischen grell und grässlich changiert, brutal spitz und von keinem Basston abgefedert.

Zwischen grell und grässlich

In der Auralwissenschaft ist das Phänomen als "Dysphonie" oder auch "Nahlismus"* bekannt und weitgehend auserforscht. Nach jahrelangen Untersuchungen bei professionellen mongolischen Obertonsängern herrscht heute weitgehend wissenschaftlicher Konsens darüber, dass eine Überlastung der Stimme bei Menschen, die aus beruflichen Gründen viel sprechen glauben zu müssen, ihre Ursache zumeist bei den Stimmlippen hat. Die dauerhafte Überbeanspruchung des fragilen Gewebes hier, vor allem durch unausgebildete Sprecher, führt zur Bildung von sogenannten Sängerknötchen. 

Sie sitzen auf den Stimmlippen und bestehen aus Bindegewebe, das eine ganz gewöhnliche Alltagsstimmlage, wie sie Monteure, Supermarkt-Kassiererinnen oder auch Straßenbahnfahrer*-:Innen wie selbstverständlich verwenden, in eine sogenannte "Seuchenstimme" verwandeln. Die nach dem Griechischen φωνή, phōné, „Laut, Ton“ und δυς, dys „falsch, schlecht“ benannt, klingt schwach und deutlich verändert, entfaltet damit aber gerade in angespannten Situationen die Kraft, passend zu klingen.

Die hierbei erzeugten Geräusche erinnern an zerbrechendes Glas,  reißende Styroporplatten und die im Gemeinsinnsfunk früher verwendeten Sendepausentöne. Sie stehen häufig im gestrichenen F, so das führende Vertreter der Alarmbranche in Hörfunk und Fernsehen quasi harmonisch im Chor auftrumpfen können. Der Dysphoniker lebt nicht mit, sondern von dem durch die eingeschränkte Leistungsfähigkeit seiner Stimme veränderten Klang seiner Sprache, er kompensiert die die höheren Frequenz, die durch schnelle Schwingungen der strapazierten Stimmlippen ausgelöst werden, durch Aufmodulation von mehr Informationen - im Alltag würde man sagen, Dysphoniker sprechen schneller.

Nachschub für Stimmlippen

Das allerdings zwingt sie auch zu schnellerem Denken, weil die Stimmlippen beständig nach Nachschub verlangen, der bei Gastspielen in Talkshows wiederum im Handumdrehen verfüttert wird.  Andreas Nahles, die als SPD-Vorsitzende eine der ersten Dyphonikerinnen an der Spitze einer Großorganisation war, wusste ein misstönend Lied davon zu singen, als sie im Bundestag das Pippi-Langstrumpf-Lied anstimmte und für Fassungslosigkeit und Entsetzen bei Nina Scheer und Diether Dehm sorgte, den beiden Musiker:_*Innen, die im Hohen Haus die mehr als drei Millionen deutschen Musikerinnen und Musizierenden vertreten.

Was früher als großes Karrierehemmnis galt ist im Zuge der pandemiebedingten Gleichstellungsmaßnahmen aber ebenso vom Tabu der Aufstiegsbremse befreit worden wie andere Äußerlichkeiten, die Bürgerinnen und Bürger als kollektive Misswahrnehmungsanlässe oft verleitetet hatten, kleingewachsene, ältere oder auch weiße, glatzköpfige Männer für wenig charismatisch oder Anführerinnen von unbestimmter Korpulenz für undiszipliniert und damit wenig führungsgeeignet zu halten. Pionierinnen und Pioniere wie Nahles, die beinahe unvergessene Katharina Barley, auch der "Trallafitti"-Erfinder Dieter Wiefelspütz, die Klimaikone Luisa Neubauer und die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock haben das Unmögliche geschafft: Die näselnde Klangfarbe von nervenden Lehrerinnen ist der Grundton der Pandemiedebatte.

Diese unverwechselbare Stimmlage der Seuche, sie liefert seit Monaten den schrillen Soundtrack zum Schrecken des Systemversagens. Lauterbach, Neubauer, Schwesig und Baerbock, denen ihr angeborenes Talent für mongolischen Obertongesang in normalen politischen Zeiten jede Chance verbaut hätte, in ein höheres politisches Amt zu scheitern, sind mit ihren gleich in mehreren Dimensionen hochfrequenten Auftritten heute der willkommene Gegenentwurf zu Gestalten wie der amtierenden Kanzlerin Angela Merkel, dem Unionskandidaten Armin Laschet oder einem alten, depressiven Mann wie Alexander Gauland. 

Mit diesen Stimmen zieht die neue Zeit, eine Ära der hemmungslosen Expression, in der nur noch der Schrillste, Spitzeste und Lauteste gehört wird, dann aber überall. Das gestrichene Klima-F der Luisa Neubauer, die Fingernägel, die aus Annalena Baerbocks Stimmlippen auf die Schultafel der Nation kriechen und kreischen, das Lauterbachsche Hochfrequenzheulen vor aller Ohren, auf allen Kanälen - sie markieren den Sieg der Dysphoniker über die angeborene Harmonieliebe des Menschen. 

Dienstag, 11. Mai 2021

Angriff der Antisemiten: Aufruf zur Maasigung

Unvergessener Klassiker: Das Opfer wehrt sich und erregt damit den Zorn der Zuschauer.

Kaum hatten die Terroristen begonnen, den einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten mit Raketen zu beschießen, Raketen, die direkt gezielt waren auf Altstadt von Jerusalem, eine zum Weltkulturerbe zählende Stadt, dichtbevölkert und engbebaut, trat der deutsche Außenminister Heiko Maas in die Bütt, um zur Mäßigung aufzurufen. "Wir haben uns in den letzten Tagen mit vielen unserer Partner um Deeskalation bemüht", ließ der beliebte SPD-Polotiker aus dem Saarland eine seiner Sockenpuppen schreiben, "wir können letztlich nur beide Seiten auffordern, diese wirklich explosive Lage zu entschärfen."  

Bitte an die Terroristen

Dazu könne auf beiden Seiten "beigetragen werden", schlug Maas vor. Wenn die Terroristen der Hamas vielleicht ein wenig abseits zielten und die israelischen Sicherheitskräfte steinewerfende Jugendliche einfach mal machen ließen, wäre schon viel gewonnen. Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, ein spanischer Sozialist, der das Kunststück beherrscht, Europas Spaltung als gemeinsame Haltung zu verkaufen, ein  fand diese Idee angemessen. 

Niemand greift an. Sie "beschießen sich".
 Der Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen auf die Zivilbevölkerung in Israel sei womöglich  nicht so schlimm, wie er aussehe, vielleicht sogar nicht böse gemeint und eigentlich eher ein Friedensangebot, aber denn doch "völlig inakzeptabel", ließ der vielbeschäftigte EU-Kommissar einen Sprecher bestellen. Das alles "fache die Eskalationsdynamik" doch nur weiter an, wo doch eigentlich "alle Verantwortlichen nun die Verantwortung haben, gegen Extremisten vorzugehen".

Ein alter deutscher Brauch

Die finden sich nach deutschem Brauch vor allem nur auf einer Seite: "Israel erwidert trotz Waffenruhe Beschuss aus Gaza" lautete schon vor Jahren eine klassisch antisemitisch geprägte Schlagzeile des Hamburger Magazins "Der Spiegel", in der die ganz spezielle deutsch-israelische Beziehung mit Hilfe der sogenannten Drehrumbum-Methode gepflegt wurde. Dabei wird das Prinzip von Actio und Reactio, auch Wechselwirkungsprinzip und drittes Newtonsches Axiom, wird dabei außen vor gelassen. Stattdessen wird von der Reaktion auf ein auslösendes Ereignis aus nach hinten erzählt, so dass für die ursprünglich reaktionsauslösende Aktion nur ein Nebensatz Platz bleibt. 

Der auf eine Aktion Reagierende steht so im Fokus: Die deutsche Presseagentur DPA hat diesbezüglich Meisterwerke wie "Palästinenser bei Messerattacke in Jerusalem erschossen", die staatliche Deutsche Welle meldete "Israel tötet Hisbollah-Mitglieder bei Luftangriff" und das klang, als seien die Extremisten Mitglied in einem Kleingartenverein gewesen und dem extremistischen Anschlag einer dämonischen Macht zum Opfer gefallen. Deutschland steht fest an der Seite Israels. Zugleich aber genauso fest an der Seite seiner palästinensischen Verbündeten, mit deren selbsternanntem "Präsidenten" Mahmoud Abbas, einem Diktator, dessen aktuelle Amtszeit eigentlich vor zwölf Jahren endeteHeiko Maas eine "zukunftsgerichtete Freundschaft" verbindet.

Bekämpfung wo es passt

Antisemitismus wird selbstverständlich bekämpft, .wo und sobald es passt. Wo nicht, da nicht. Bei "Anne Will" etwa, wo ein selbstgerechtes Kind in der Rolle eines Robespierre auftritt und mit Bezichtigungen um sich wirft, die sich die Moderatorin umgehend zueigen macht. Das ist gute Tradition, denn der aufgeregte Kampf gegen jüdisch gelesene Verschwörungserzählungen erlaubt es, sich selbst zu erlauben, Israel häufiger und härter anzugreifen als jedes andere Land der Welt. 

Bundesaußenbeschwichtiger Heiko Maas, als Kind erklärtermaßen "wegen Auschwitz in die Politik gegangen" schreitet hier seit Jahren maasigend voran: Zuletzt stimmte Deutschland bei den Vereinten Nation mehrfach anti-israelischen Resolutionen zu. Deutschland half damit, den hierzulande von Querdenkern, rechten CDUlern und bedrohten Judenstaat weiterhin vor allen anderen Ländern, Problemen und Konfliktherden auszuzeichnen: 2020 verurteilten 17 von 23 Uno-Resolutionen das kleine Land im Nahen Osten, das damit ein weiteres Mal Weltrekordler im Verurteilwerden war. In diesem Jahr stehen die Chancen gut, dass der Titel verteidigt werden kann: Zuletzt unterstützte Deutschland das palästinensische Begehren, ein Waffenembargo gegen Israel zu verhängen, damit der Judenstaat nicht mehr zurückschießen kann, wenn er angegriffen wird.


Impfen statt schimpfen: Die Corona-Zauberkünstler

Eines Tages wird der Tag gekommen sein, an dem man es besser macht.

Das Impfdesaster ist weg, wenigstens aus den Schlagzeilen, Deutschlands Medien haben sich entschlossen, als Erfolg zu werten, was an der Impffront erreicht worden ist. Fast acht Millionen Vollgeimpfte nach nur vier Monaten, rund 30 Prozent der Bevölkerung einmal "gepikst" (Bundesregierung) binnen von 120 Tagen. Wir sind wieder wer und wir werden immer besser, denn zwar sind die zehn Millionen Impfungen pro Woche, für die Finanzminister Olaf Scholz ab Ende März gesorgt hatte, noch immer weit, weit web. Aber sieben Millionen, das ist doch ein Anfang, der es erlaubt, vom "Impfturbo" zu schreiben und das wunderschöne Adverb "schon" in jedem einzelnen Satz unterzubringen.  

Es ist nichts falschgelaufen

Genaugenommen ist im Großen und Ganzen nichts falschgelaufen. Der Blutzoll für die Verzögerungen bei Start der größten Impfkampagne aller Zeiten liegt bei nicht mehr als ein paar tausend Toten, aber ein bisschen Schwund ist eben immer und der Gewinn, in der großen Krise gezeigt zu haben, wie fest die EU-Staaten zusammenstehen, auch wenn die Gemeinsamkeit sie etwas kostet, ist jeden Preis wert. Ursula von der Leyen, zwischenzeitlich angeschlagen, triumphiert. Die CDU, als Hauptverantwortliche für die zeitlupenhafte Befreiung von Eindämmungsmaßnahmen aller Art in Umfragen abgestraft, wittert Morgenluft. Der Sommer wird groß und die Wahl im Herbst dann eben doch gewonnen.

Beeindruckend an den Abläufen bis hierher sind weniger die Ergebnisse, als die jähen Wendungen, denen das Publikum seit Monaten folgen muss wie ein Schießhund dem hakenschlagenden Hasen. Was eben noch stimmt, ist jetzt schon grundfalsch, ein Glaubenssatz, der mit aller noch verbliebenen medialen Macht über alle Kanäle förmlich in die Köpfe gehämmert wird, kann schon im nächsten Augenblick das Gegenteil von dem sein, was zu glauben als angebracht und den Umständen angemessen gilt. 

Revisionismus im Wochenrhythmus

Zuletzt marschierte der Bundestag  ganz vorn in der Front der Revisionisten. Am 21. April verabschiedete das Hohe Haus die Bundescoronanotbremse als letzte Rettung vor der dritten Viruswelle. Am 24. April konnte das Gesetz inkrafttreten, schneller als jemals zuvor ein Gesetz. Und von diesem historischen Moment an dauerte es genau zwölf Tage, bis derselbe Bundestag sich entschloss, die eben verhängten Einschränkungen zur Rettung der Nation vor dem Volkstod für Geimpfte und Genesene wieder aufzuheben. Die ganz normale Inkubationszeit, die ablaufen müsste, um sehen zu können, ob der Tritt auf die Bundesnotbremse irgendeinen Effekte gehabt hat, war da noch nicht einmal ansatzweise abgelaufen. 

Einige Bundesländer aber waren ja schon vorgeprescht - sie hatten nicht einmal die normale Quarantänezeit für einen positiv PCR-Getesteten abgewartet, sondern die Bundesbremse mit Lockerungen außerhalb der Verfügungsgewalt des Bundes gekontert. Mit den neuen Lockerungsdiskussionsorgien beginnt nun eine neue Zeit der Unübersichtlichkeit: Aus dem Astrazeneca-Impfstoff, von dem die EU genug bestellt hatte, der aber nicht wie vereinbart geliefert wurde, der in Deutschland aber für Ältere ohnehin nicht zugelassen werden konnte, weil zwar die Europäische Arzneimittelbehörde an ihn glaubte, die deutsche Stiko aber impfstoffnationalistische Zweifel hatte, wurde erst ein nur noch für Ältere zugelassenes Vakzin.

Ehe die ersten Bundesländer darauf nichts mehr gaben. Und AstraZzneca für Erwachsene aller Altersgruppen zuließen. Wenig später folgte Johnson&Johnson. Jetzt für alle ab 60 empfohlen. Und freigegeben für alle überhaupt.

Der Zug wendet auf der Schiene

Was bleibt einem Bundesgesundheitsminister da noch? Der Zug hat auf der Schiene gewendet, die Fahrt geht nun in die Gegenrichtung. Den hält niemand mehr auf. Jens Spahn reagierte kurzentschlossen. Auch er gab Astrazeneca nun frei, allerdings nicht, ohne den anfangs auf vier Wochen, dann auf acht und schließlich auf zwölf Wochen streng wissenschaftlich festgelegten Zeitraum zwischen ersten und zweiter Impfung wieder streng wissenschaftlich auf vier Wochen zusammenschrumpeln zu lassen. Es sei "lebenspraktisch", den Abstand auf vier Wochen zu verkürzen, viele würden die Zweitimpfung lieber früher haben, "auch mit Blick auf den Sommer", sagt Spahn. Selbst wenn die Impfung dann - zumindest nach aktuellem Stand - weniger gut wirken werde. Käme es so, würde die EU den Hersteller einfach noch einmal verklagen.

Denn die Bundesnotbremse hat gerade erst gezeigt, wie Wille und Vorstellung Wissenschaftlichkeit in ihre Schranken weisen können. Noch ehe rein rechnerisch überhaupt eine Wirkung der Ausgangssperren hatte sichtbar werden können, erklärte der Gesundheitsminister die dritte Welle für beendet. Es sei wohl so, sprang ihm der Chef des Robert-Koch-Institutes bei, dass schon die Androhung der Verschärfung von Maßnahmen dazu führe, dass die Menschen ihr Verhalten vorsorglich änderten. Man kenne das aus der ersten Welle, versicherte Wieler. Damals hatte die Bundesregierung bekanntlich noch am Vorabend der ersten Ausgangssperren und Kontaktverbote behauptet, es werde im Internet "behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen", das aber stimme "NICHT!" (Originalschreibweise.

Das Wunder von Wieler

Das Wunder geschah, zumindest im Rückblick. Als wenige Stunden nach der Mitteilung des Gesundheitsminsiters, es werde keine wie immer gearteten "Maßnahmen" geben,  genau diese Maßnahmen verhängt wurden, hatten Bürgerinnen und Bürger ihr Verhalten schon so grundlegend geändert, dass Lothar Wieler heute stolz zurückschaut. Im politischen, epidemiologischen, wissenschaftlichen und propagandistischen Berlin weiß jetzt jeder, dass es eigentlich immer reicht,  Maßnahmen nicht einmal anzukündigen oder gar anzudrohen.

Klug ergänzt durch die Vermeidung eines weiteren Anstiegs von Tests mit ungewissem Ausgang durch die weitgehende Schließung der Schulen und einen beruhigenden Hinweis auf das sehr seltene Auftreten ungewöhnlicher Blutgerinnsel in den Handzettel des Astrazeneca-Impfstoffes, ist der Abschwung der Inzidenzen recht solide abgesichert. Vertrauen kann nun wieder wachsen. Die Bundestagswahl wartet auf das große Vergessen. Es hat schon begonnen.

Montag, 10. Mai 2021

Vor dem Wohlfahrtsausschuss: Der schwarze Fleck

Der engagierte Gemeinsinnjournalist Mario Sixtus denkt mit Wohlgefallen an frühere Zeiten zurück.

Es war der frühere Vorsitzende der früheren Arbeiterpartei SPD, der die historische Einordnung vornahm, noch ehe das Geschehen bereits Fahrt aufgenommen hatte. Sigmar Gabriel, weniger Historiker als Praktiker, beschrieb die Tage im Jahr 2017, ehe er seinen Anspruch aufgeben musste, Bundeskanzler zu werden, mit einem Bild aus der französischen Revolution. Bevor er damals zu seinem Konkurrenten und innerparteilichen Gegner Martin Schulz gegangen sei, um dem von sich selbst berauschten Europaparlamentarier die Kanzlerkandidatenschaft der deutschen Sozialdemokratie anzubieten, habe er gewusst, dass ihm kein anderer Ausweg bleibe. "Die Stimmung in der Partei war so", sagte er bei einem Auftritt als Welterklärer in der Talkshow "Sandra Maischberger". Und wenn die Stimmung so sei, dann gebe es in der SPD die Tradition: "Dann rufen wir mal den Wohlfahrtsausschuss und dann muss einer auf die Guillotine."  

Unter die Guillotine

Gabriel, der Milde und Einsicht ein Leben lang eher weniger verdächtig, beschreibt einen Zeitgeist, der sich längst auch außerhalb der SPD ausgebreitet hat. War  die in den USA erfundene cancel culture hierzulande anfangs noch ein unbestätigtes Gerücht, das nicht anhand von Beispielen diagnostiziert, sondern von einem aufgeregten Heer an hochrangigen Autoren immer wieder neu als Gespenst enttarnt wurde, mit dem Rechtsextreme, Rechtspopulisten und Konservative den Kampf gegen eine bunte, aber aufgeräumte Gesellschaft führen, wurde die Ausnahme bald zur Regel. 

Wer sich im Ton vergriff, unter Verdacht geriet, Anlass zur Besorgnis gab oder gar brüsk darauf beharrte, es sei ihm immer noch gestattet, eine eigene Meinung auch zu Fragen zu haben, die vom Corona-Kabinett bereits abschließend beantwortet waren, brauchte ein dickes Fell und gute Freunde, um unbeschadet durch die unweigerlich losbrechenden Scheißestürme zu segeln.

Durch Scheißestürme

Der Grüne Boris Palmer etwa entwickelte über die Jahre ein großes Talent darin, dem Wohlfahrtsausschuss zu entkommen. Als Realist in einer Partei, die die Traumtänzerei zur Basis ihrer Vorstellung von der Welt erklärt hat, fiel der Oberbürgermeister von Tübingen immer wieder dadurch auf, dass er das Wolkenkuckucksheim der grünen Visionen von Kobalt, Speichernetz und deutschen Klimavorbild durch geerdete Zwischenrufe störte. Seit langer Zeit schon möchte die ehemals so meinungsvielfältige Partei den Störenfried loswerden, der Einheit und Geschlossenheit gefährdet, Applaus von der Falschenseite bekommt und als Stachel im veganen Fleischersatz einer grünen Zukunft aus gutgelaunter Entsagung und Verzicht mahnt, man müsse immer auch die Folgen bedenken.

Der Wunsch bei Bündnis90/Die Grünen, wie die Grünen unbekannterweise immer noch heißen, war groß, Palmer loszuwerden, und sei es auf einem Weg, wie die kommunistische DDR sich einst des kommunistischen Querdenkers Wolf Biermann entledigte. Gott aber hat Humor, er machte ausgerechnet Palmer zu einem der erfolgreichsten Politiker der Grünen, einen Mann, der selbst für Christdemokraten wählbar war, unideologisch, pragmatisch und so unterhaltsam, wie es die vor gespieltem Gutsein strotzende Grünenführung um Baerbock, Habeck, Kellner und die Vorstandsauffüller Jamila Schaefer, Ricarda Land und Marc Urbatsch nie sein wird.

Gott und Jens Lehmann

Gut, dass es Jens Lehmann gibt, den Fußball-Nationaltorwart aus Zeiten, als die deutsche Fußballnationalelf noch kein Designerprodukt namens "Die Mannschaft" war, in der diplomatisch geschulte Talente spielten, sondern ein Haufen egozentrischer Haudegen, die stritten und zankten und in Fraktionen zerfielen und einander nicht grün waren und Titel auf viel interessante Weise nicht gewannen als ihre Nachfolger.

Gott hat Humor und trieb die Geschichte also ein weiteres Mal auf die Spitze: Erst ließ er jenen Lehmann, seit Jahren engagiert in der Anti-Rassismus-Initiative Kick it Out, dazu, den ehemaligen Kurzzeit-Kollegen Dennis Aogo in einer Whatsapp-Nachricht als "Quotenschwarzen"  zu bezeichnen - angelehnt offenbar an die erfolgreiche Kampamgne "Ich bin eine Quotenfrau", mit der sich Qutenfrauen wie Manuela Schwesig von der SPD und Ursula von der Leyen von der CDU für das Konzept der Quote ausgesprochen hatten.Dann geriet Lehmann die Nachricht auch noch in den falschen Kanal, sie direkt an Aogo. Der sah seine Chance, mal wieder öffentlich vorzukommen. Vergaß aber dabei, dass ihm gerade das Wort "Vergasen" über die Lippen gekommen war.

Untaugliches Drehbuch

Als Drehbuch untauglich, weil nicht einmal der Gemeinsinnproduzent Degeto ein derart unglaubwürdiges Skript verfilmen würde. Deshalb folgte der apperçu: Mitten in die Tagung der Wohlfahrtsausschüsse zur Frage, ob Lehmanns Rausschmiss bei Hertha BSC genug Buße sei und Aogo trotzdem Opfer bleiben könne, obwohl er die Täterschaft für die Vergasung-Floskel nicht bestritten hatte, tauchte Boris Palmer auf der Bühne auf, um aus der konkreten Verhandlung um die Verbalvergehen zweier Prominenter einen Prozess um Grundfragen zu machen. 

Soll hauptberuflich empfindliche Twitterer, professionell empörte Kommentatoren und taktisch erregte Missbraucher fremder Fehltritte auch wieder wie damals im Frankreich der Jahre 1793 und 1794 unbeschränkte Vollmachten zugebilligt bekommen, um als Organ einer neuen jakobinischen Schreckensherrschaft für porentiefe Sauberkeit in öffentlichen Debatten  zu sorgen?

Letzte Warnung für alle

Ja, ja, ja, schallt es aus der grünen Wahlkampfbaracke. Dieser "letzte Tabubruch" komme "zur Unzeit", attestieren die Wahlkampfberater vom Deutschlandfunk, der "Anstand" hindere die Berichterstatter daran, ihr Publikum überhaupt  "wortwörtlich zu wiederholen, was Boris Palmer (Grüne) da geschrieben hat - so obszön und schamlos ist der Satz", urteilt der SWR. Palmer hatte "das N-Wort ausgeschrieben". "Ein Wort, das ich in der Bedeutung zuletzt von pubertierenden Teenagern und raissistischen Hetzrednern gehört habe, und das ich hier wiederhole, weil man anders, scheint mir, nicht mehr vermitteln kann, wie gewollt OB Palmer hier provoziert hat", (Schreibweise im Original) zittert Sandra Müller vom SWR vor Hetzern, Provokateuren, Saboteuren und Rädelsführern, die die Harmonie des anstehenden Wahlkampfes stören könnten.

Nein, es ist genug, dieser Mann ist "nicht mehr zu halten".  

Nicht nur sauber, sondern rein soll sie sein, die Debatte, wenn sie sich schon nicht vermeiden lässt.