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Sonntag, 15. September 2019

Dummheit: Wie es sich anfühlt, wenn man immer der dümmste Mensch im Raum ist

“Ich dachte, ich wäre irgendwie abartig. Krank, oder sonderbar. Ich spürte, dass etwas mit mir nicht stimmte, aber ich wusste nicht, was es war.”

Andrea Samthof erzählt von ihrer Kindheit. Die heute Mitte 40-jährige ahnte schon früh, dass sie anders war als andere Kinder. Doch diese Andersartigkeit empfand sie nicht als etwas Positives. Als Kind will man nicht anders sein. Man möchte dazu gehören.

Erst als Erwachsene erfuhr Samthof nach einem IQ-Test, dass sie dumm ist. Endlich ergab alles einen Sinn. Das ständige Anecken, all die Missverständnisse – erst im Nachhinein konnte sie viele Konflikte aus ihrer Kindheit verstehen.

Dumm zu sein, ist nicht so schlimm, wie viele vielleicht denken. Stumpfheit, das allgegenwärtige Gefühl, dass man diesen Film noch nie gesehen und dieses Spiel noch nie gespielt hat, machen das Leben mit einem unterdurchschnittlich niedrigen IQ erträglich. Wie es sich anfühlen kann, wenn man meistens der dümmste Mensch im Raum ist, beschreibt Samthof in ihrem kürzlich erschienenen Buch “Dummerweise dumm” (Berts-Verlag). Sie möchte zwischen Minderbegabten und allen anderen Menschen vermitteln. Denn ein offener Austausch – davon ist Samthof überzeugt – würde allen helfen.

Erkennenen, wie dumm man ist


“Gerade bei Kindern ist es ganz wichtig, offen damit umzugehen und ihnen zu erklären, dass Intelligenz eine ganz neutrale Eigenschaft ist, die jemand hat oder eben nicht. Das ist nichts anderes, als groß oder klein zu sein, blonde oder dunkelbraune Haare zu haben. Niemand kann sich das aussuchen und niemand kann etwas dafür”, sagt sie.

In ihrer eigenen Kindheit sorgte ihre mangelnde Intelligenz ständig für Konflikte. Imhof war langsam, sie sprach spät, sie vergaß Dinge und merkte nicht einmal, dass sie sie schon einmal gewusst hatte. Ihre Eltern verstanden sie nicht. Für sie bedeutete Denken keine Arbeit. Für Imhof bedeutete es Qual und Schmerz.

Andrea Samthof erzählt über ihre Dummheit.

Ständig war sie den anderen Kindern hinterher. Erst mit 22 Monaten konnte sie laufen und sprechen. Während ihre Mitschüler in der Grundschule lesen lernten, guckte sie aus dem Fenster. Selbst kindgerechte “Was-ist-was”-Bücher, die es zu Hause gab, bestaunte sie nur, weil die Bilder schön bunt waren. Sie interessierte sich weder für Märchen noch Astronomie und Paläontologie, sie hörte keine Verdi-Opern und verspürte keinen Drang, ein Instrument zu lernen. Wenn sich alle anderen am Tisch unterhielten, wurde es Imhof oft zu langweilig, denn sie verstand nicht, wovon gesprochen wurde. Sie zog sich dann in ihre eigene Welt zurück, starrte die Wand an und dachte an gar nichts..

Ihre offensichtliche Dummheit wurde jedoch von den Eltern nicht erkannt. Dummheit gilt in Deutschland als letztes Tabu, das weder erforscht noch öffentlich diskutiert wird. Imhof blieb sich selbst überlassen, und sie erfuhr auch von Gleichaltrigen häufig Ablehnung. Manche Klassenkameraden reagierten – verständlicherweise – nicht immer wohlwollend auf Samthofs offensichtliche Unfähigkeit, Gesprächen zu folgen, logische Entscheidungen zu treffen und eigene Ansichten zu äußern.

"Auf die Ablehnung, die ich als Kind erfuhr, habe ich zunächst mit Provokationen reagiert”, erzählt Imhof. “Eine Zeitlang habe ich Mitschüler regelmäßig verprügelt. Das war sozial eher kontraproduktiv.” Diese Zeiten, in denen sie ihren inneren Instinkten folgte, waren die wohl glücklichsten ihres Lebens.

Wenig später kam es jedoch zu einem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben: “Als sich herausgestellt hat, dass ich einfach dumm bin, wurde selbst mir einiges klar.“ Hatte sie bis dahin geglaubt, ein böser Mensch zu sein, konnte ihre Familie ihr nun tröstend mitteilen, dass sie einfach nicht über die Intelligenz verfügt, die andere haben. Imhof begriff nicht, was „Intelligenz“ ist, doch sie musste nicht länger versuchen, sich zu verstellen und zu verleugnen. Stattdessen kündigte ihren Job als Kartoniererin und begann, ihr Leben zu genießen.


Normaler Tag im Leben


Auf die Frage, wie denn ein ganz normaler Tag in ihrem Leben aussieht, reagiert Imhof amüsiert. “Ganz normale Tage sind ganz normal”, sagt sie. Selbst wenn sie sich lange mit ein und derselben Sache beschäftigt, etwa mit dem Angucken von Bildern in einer Zeitschrift, wird ihr nie langweilig. “Meinem Umfeld zuliebe versuche ich trotzdem, das zu vermeiden. Denn die Leute werden unerträglich, wenn sie mitbekommen, dass ich stundenlang dieselben Bilder angucke.”



Es ist nicht so, dass Imhof nicht auch gern zwanzig Sprachen sprechen, 1000 Seiten am Tag lesen und einen Doktor in Islamwissenschaften haben würde, zusätzlich zu einem in Philosophie und vergleichender Religionswissenschaft. Sie weiß nur nicht, was das alles ist. Deshalb hat sie weder eine klassische Gesangsausbildung gemacht noch jemals mit Schwertkampf begonnen oder sich mit Astro- und Quantenphysik beschäftigt und zahlreiche historische Romane veröffentlicht. Dass ihr Verstand so langsam arbeitet und sie den meisten anderen Menschen dadurch nicht folgen kann, heiße aber nicht, dass sie nicht verstehe, was ihr fehle. „Mit war nur lange nicht bewusst, worin meine Andersartigkeit bestand.“ Wenn man nicht wisse, dass man dumm sei, sei das aber am Ende auch nichts anderes als es zu wissen und wegen der Dummheit nicht begreifen zu können. “Je weniger Intelligenz man verstecken muss, desto weniger fehlt sie einem.”

Sie spricht offen über ihre Dummheit


Mit Freunden und vertrauten Menschen spricht Imhof inzwischen ganz offen über ihre Dummheit. “Das bedeutet aber nicht, dass ich den ganzen Tag darüber rede ”, sagt Imhof und lacht. Sie könne sich ja ohne Weiteres über ganz alltägliche Dinge unterhalten, Geschirrspülen, Saubermachen, die Farbe ihres Pullovers. Solange sie auf regelmäßige Pausen achtet und regelmäßig ihre intellektuellen Reserven auflädt, etwa, indem sie „Bauer sucht Frau“, „Sing meinen Song“ oder .Bares für Rares“ anschaue.

“Es ist leichter, sich auch mal auf einem völlig ‘normalen Niveau’ zu unterhalten, wenn man sich zwischendurch die Möglichkeit herausnimmt, die anderen Bedürfnisse zu befriedigen”, erklärt sie. Als Ausgleich schläft Imhof viel, sie hört Hörbücher von berühmten Kinderbüchern oder tauscht sich mit Menschen aus, die ähnlich dumm sind wie sie. “So kann ich meine Akkus wieder aufladen”, erzählt sie. Inzwischen ist Imhof mit sich selbst im Reinen, hat ihr bisschen Verstand lieben gelernt und will es nie wieder verleugnen. Eines will sie jedoch nicht verraten: Wie hoch das Ergebnis ihres IQ-Tests ausgefallen ist. “Dann würde man mich bestimmt für dumm halten!”


Samstag, 14. September 2019

Zitate zur Zeit: Ascheschleier über dem Geist


Ganz allgemein befand man sich in einer ideologisch seltsamen Epoche, in der jeder in Westeuropa davon überzeugt zu sein schien, dass der Kapitalismus zum Scheitern verurteilt sei - und zwar sogar kurzfristig - und seine allerletzten Jahre erlebte, ohne dass es aber den ultralinken Parteien gelungen wäre, über ihre übliche Kundschaft von gehässigen Masochisten hinaus neue Anhänger zu gewinnen.

Ein Ascheschleier schien sich über den Geist der Menschen gelegt zu haben.


Michel Houellebecq, Karte und Gebiet, 2010

Neue Bundesdiskussionzentrale in Suhl: Palast der Republik

Die neue Zentrale der neugeschaffenen Bundesdiskussionsbehörde (BDB) wurde auf Vorschlag der SPD gebaut, steht mitten in Suhl und verkörpert einen neuen Aufbruch zu neuer deutsch-deutscher Gemeinsamkeit.
Es wird eine großer Aufbruch werden zum runden Jahrestag der Deutschen Einheit, wenn die SPD mit der Gründung eines "Ost-West-Kulturzentrums" in einer mittelgroßen Stadt in Ostdeutschland ein Zeichen setzen wird für einen gesamtgesellschaftlichen Dialog. Das neue Haus, ein Forschungs-, Veranstaltungs- und Kulturzentrum, der als offener Ort der ständigen Begegnung, der Erinnerung, des Nachdenkens und der Debatte zu allen Fragen der zukünftigen Entwicklung Ostdeutschlands innerhalb der Bundesrepublik und im Kontext Europas, vor allem auch Osteuropas, dienen wird, ist der richtige Platz, die Erinnerung an 30 Jahre friedliche Revolution und Mauerfall mit einem neuen Aufbruch für Ostdeutschland zu verbinden.

Ein neuer Aufbruch


Schon die Bauart des neuen "Palast der Republik" in der Mitte von Suhl zeigt, was damit gemeint ist. Als "offen" und "in der Mitte der Gesellschaft angekommen" bezeichnet die im Zuge der Bundesbehördenansiedlungsinitiative der Bundesregierung neugebildeten Bundesdiskussionsbehörde (BDB) ihre neue Zentrale selbst, die innerhalb von nur wenigen Monaten nach Bauplänen errichtet worden war, die zuvor schon für die BND-Zentrale in Berlin genutzt worden waren.

Entsprechend begeistert sind die erdverbundenen und normalerweise nicht leicht zu begeisternden Thüringer von der Beton gewordenen Interpretation des Freiheitskampfes vom Herbst 1989, als Grenzen eingerissen und auf friedliche Weise ein freies Leben und demokratische Strukturen erkämpft wurde. Ausgreifend und monumental erscheint die Selbstdarstellung dieses epochalen Kampfes mitten in der Stadt, die eher mittelklein als - wie es sich die SPD gewünscht hatte - mittelgroß ist.

Der breite Rayon, der die neue Zentrale der BDB auf allen Seiten umgibt, löst mit den straffen Zaungittern und den schrägen Gräben Bilder alter Festungsanlagen aus. Doch einige dürren Bäumchen und ein paar von renommierten Künstlern errichtete Kunst-Palmen, die auf ein Lied der DDR-Rockgruppe City anspielen ("Wo die Palmen sich verneigen") zeigen, dass der gewaltige fahlweiße Monolith, der von vielen alten Suhler Bauernhöfen im Umland aus sichtbar ist, den Eindruck eines gelandeten Raumschiffen gar nicht brechen will.

Die Freiheit, ein Ufo


Die Freiheit, sie ist in den entdemokratisierten Osten gekommen wie ein Ufo, eine Kunstpalme, die bis heute keine Wurzeln schlagen konnte. Hier steht sie nun, erbaut nach Plänen der westdeutschen Demokraten Andrea Nahles, Heiko Scholz und Kevin Kühnert, ein Gebäude, dessen Gigantismus dem architektonischen Vorbild von Ceaușescus Parlamentspalast in Bukarest nacheifert und damit mahnt: Sehet, wo ihr gelandet wäret, hätten wir euch nicht befreit.

Damit sich der Bau in die bizarre Geschichte der Überwältigungsarchitektur weltweit ein: Bauhaus für Potentaten, ein Mahnmal für jeden Demokraten. In Deutschland zählt die BDB-Zentrale, aus der später einmal 12.000 Diskussionführer, Demokratielehrer und Propagandapraktikanten ausschwärmen sollen, um, so der Plan des SPD-Parteivorstandes, "Missverständnisse zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen aufzuräumen" und "Gespräche über die vielen Brüche, die Familien in den 90er Jahren erlebt haben" zu führen.

Bis 2019 hat die deutsche Sozialdemokratie gewartet, diese Diskussion zu führen, zu viel anderes war noch zu tun. Dieses Jahr aber "verstehen wir als große Chance, über deutsch-deutsche Geschichte miteinander ins Gespräch zu kommen, einander zuzuhören und sich gegenseitig Respekt zu zollen", heißt es nun in einem Vorstandsbeschluss, der am Anfang eines der größten Bauvorhaben des Landes stand. Und nun Realität geworden ist: 14 000 dunkel getönte Fenstern lassen Blick in die insgesamt 260 000 Quadratmeter Zukunft der Demokratie zu. Diese Öffnungen der Fassade könnte man, da unendlich repetitiv und gleichförmig schmal dimensioniert, als Perforationspunkte in einer Mauer aus Schweigen interpretieren, das viel zu lange angehalten hat.

Nach vorn gerichtet sprechen


Jetzt endlich, wo der machtvolle Bau steht, der zeigt, dass die frühere deutsche Arbeiterpartei verstanden hat, kann eine "ehrliche und einander zugewandte Debatte" (SPD) beginnen. "Wir wollen neben der Aufarbeitung der DDR-Zeit besonders auch die Nachwendezeit in den Fokus nehmen", hat die SPD als Ziel vorgegeben, "die Debatte wollen wir nach vorne gerichtet führen, weil es auch eine Debatte um die Anerkennung der Lebensleistung ist."

Hat nicht Oskar Lafontaine früh vor der Einheit gewarnt? Ging nicht die neue Freiheit dann wirklich "bei viel zu vielen mit harten beruflichen und familiären Veränderungen einher?" Hatten nicht SED und SPD mit dem Papier "Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit" schon 1987 einen Plan vorgelegt, wie es besser gehen könnte?

Klar ist die Botschaft, die die Bundesdiskussionsbehörde ins Land tragen soll: Ein Gefühl des Aufbruchs, von Stolz und dem Willen, unsere Gesellschaft besser machen zu wollen, dazu Dankbarkeit Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gegenüber, die heute "in allen ostdeutschen Bundesländern als Regierungsparteien Verantwortung" übernehmen und mitgestalten und ihren Beitrag leisten, die soziale Einheit zu vollenden.

Mehr Sorge um den Osten


Mehr Sorge um den Osten und die  Wahlentscheidung der Menschen dort war nie. Obwohl die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, ja, mancherorts akuter Fachkräftebedarf besteht und junge Leute heute wieder Perspektiven in ihrer Heimat finden, weigern sich viele Menschen, der SPD dankbar dafür zu sein. Die Methode Zorn, die frühere Parteivorsitzende pflegten, indem sie ihre Kritiker als "Pack" bezeichneten, hat nicht wie gedacht verfangen. Jetzt sollen es "Versachlichung und Versöhnung" (Nahles) richten.

Seit der SPD-Vorstand Ende Januar eine Arbeitsgruppe gegründete, die zeitnah konkrete Vorschläge ausarbeitete, wie ein Aufarbeitungsprozess über die Umbrüche in Ostdeutschland aussehen kann, ist eine in die Zukunft gerichtete Diskussion im ganzen Land in Gang gekommen. Was Egon Krenz einst "Dialog" nannte, den Emmanuel Macron jüngst als "nationale Debatte" wiederbelebt hat, wird in der professionellen Planung der SPD zu einer Institution, die die Macht hat, Deutschland durch Diskussion zu verändern. Mit einer lichten Höhe von  mehr als 37 Metern steht die Zentrale der Bundesdiskussionsbehörde beispielhaft für das, was möglich ist, wenn politische Fantasie und entschlossenes Verwaltunghandeln auf einen gut geführten Haushalt treffen.


Archiv: Erfolgreiche Ansiedlung im Osten - das Bundesblogampelamt (BBAA) im mecklenburgischen Warin

Freitag, 13. September 2019

Huntington: Die Zukunft des Westens


Der Konflikt zwischen Multikulturalisten und Verteidigern der westlichen Kultur und des amerikanischen Credos ist laut James Kurth "der eigentliche Kampf" im amerikanischen Teil des westlichen Kulturkreises.“ Die Amerikaner können der Streitfrage nicht ausweichen: Sind wir ein westliches Volk, oder sind wir etwas anderes?

Die Zukunft der USA und die Zukunft des Westens hängen davon ab, dass die Amerikaner ihre Bindung an die westliche Kultur bekräftigen.

Innenpolitisch bedeutet das eine Absage an die konfliktstiftenden Sirenengesänge des Multikulturalismus. International bedeutet es die Absage an die schwer fassbaren, illusorischen Forderungen, die USA mit Asien zu identifizieren.

Welche wirtschaftlichen Verbindungen es zwischen ihnen geben mag, die fundamentale kulturelle Kluft zwischen asiatischen Gesellschaften und der amerikanischen schließt ihren Einzug in ein gemeinsames Haus aus. Die Amerikaner sind kulturell Teil der westlichen Familie; Multikulturalisten können diese Beziehung beschädigen und sogar zerstören ersetzen können sie sie nicht. Wenn Amerikaner ihre kulturellen Wurzeln suchen, finden sie sie in Europa.

Mitte der neunziger Jahre gab es eine neue Diskussion um Wesen und Zukunft des Westens. Daraus entstand eine Erneuerung der Erkenntnis, dass eine solche Realität existiert hatte, und die besorgte Frage, was ihre weitere Existenz garantieren würde. Die Diskussion entsprang zum Teil der Überlegung, die führende westliche Institution, die NATO, um die westlichen Länder des Ostens zu erweitern, und zum Teil den ernsthaften Meinungsverschiedenheiten im Westen über die richtige Reaktion auf den Zerfall Jugoslawiens.

Sie spiegelte in einem weiteren Sinne auch die Sorge um die künftige Einheit des Westens nach dem Wegfall der sowjetischen Bedrohung und besonders die Sorge darüber, was dieser für das Engagement der USA bedeute.

Samuel P. Huntington, Kampf der Kulturen, 1996




Magnetkraftwerke: Die Energieerzeuger der Zukunft

Das Handelsblatt berichtet über die neuen Möglichkeiten des Magnet-Antriebs.
Wer in einem alten Diesel durch das rheinische oder das mitteldeutsche Ökostromrevier fährt, kann die weit über 10000 oft hundert Meter hohen Türme der in der Landschaft verteilten Windkraftanlagen ebensowenig übersehen wie die Sonnenkraftwerke, deren blitzblank polierte Oberflächen gerade in diesen trüben Wintertagen besonders neugierig auf kostenlose Sonnenstrahlen warten. Von hier aus liefern große und kleine Energieversorger normalerweise rund um die Uhr verlässlich Strom an Industrie und Haushalte, von hier aus aber geht auch die Erderwärmung aus. Denn weil Wind und Sonne nicht immer zur Verfügung stehen, müssen alte, schmutzige Atom- und Braunkohlenkraftwerke vorgehalten werden, um Elektroautos, Fernseher und selbst Regierungsrechner und -limousinen anzutreiben.

Magnetenergie als saubere Lösung


Doch nur wenige Kilometer entfernt, im Herzen Kölns, befindet sich ebenfalls ein Kraftwerk, das genauso zuverlässig und noch viel zuverlässiger Energie liefert. Nur sitzt es recht unscheinbar in dem Hinterhof einer kleinen Seitenstraße im Stadtteil Ehrenfeld - und im Unterschied zu seinen großen Brüdern arbeitet es nach den Gesetzen der Grünen Physik: Abraumfrei, emissionslos, divers und vielfältig.

Magnete statt tonnenschweren Betonbauten, unsichtbare Kräfte statt dickem Qualm, dieses pfiffige Konzept hat das noch blutjunge Unternehmen Future Energy zu einem der größten virtuellen Energieerzeuger Europas gemacht. Die Stromproduktion des virtuellen Kraftwerksriesen entspricht mittlerweile in etwa dem, was zwei große Atomkraftwerke produzieren würden, nachdem sie abgeschaltet wurden. Future Energy schafft das mit mehr als hunderttausend Neodym-Magneten, weit über anderthalb Millionen Ferritkernen, 3000 Magnetspeicherlagern und tausenden Heuslerschen Hufeisenmagneten, deren Flächenverbrauch nur etwa dem des Saarlandes entspricht.

„Die großen Versorger haben den Markt für Magnetkraftwerke lange nicht ernst genommen“, sagt FN-Chef Reinhold Herger, der als Gründer der Restaurantkette Hot Bird zu Vermögen gekommen. Gerade die Magnetspeicheranlagen gelten dem Erfinder der "leckeren Vogel-Brutzel-Bude" als 
besonders zukunftsträchtige Möglichkeit, nachhaltig erzeugte Energie im Einklang mit dem grünen Wahlprogramm zu speichern. „Wir vernetzen die Vielzahl verschiedener Energieelektronen digital, so dass sie sich einzeln steuern und regeln lassen“, erklärt Ravon Ahlmann, der Erfinder der ausrollbaren Netzspeicherfunktion, der mit der Entdeckung der sogenannten Kernspannungsschmiere die Voraussetzung für widerstandsloses Netzspeichern begründete.

Der Zauber des Magnetantriebs


In der Kölner Zentrale von Future Energy - gelegen zwischen Starbucks-Filiale und Bionade-Brauerei - wird inzwischen aber auch die alternative On-Board-Stromerzeugung für Elektroautos getestet: Beim Magnet Drive handelt es sich um ein neuartiges Speicher- und Energieerzeugungskonzept, das durch  Messfehler und die Nichtbeachtung geringer, jedoch entscheidender Gegenkräfte in der Lage ist, bei entsprechender Größe genug Energie zu erzeugen, um beliebige Verbraucher zu versorgen.

Ein virtueller Elektroautoantrieb besteht dabei aus einer aufgeladenen Großmagneten, der das ihn tragende Fahrzeug über unsichtbare Magnetströme zieht. Dabei erheben Firmen wie Future Energie Echtzeit-Daten über die aktuelle Auslastung, erstellen Prognosen für die Zukunft und schalten auf dieser Basis die Magnetspulen zu oder ab, je nachdem wie hoch der Strombedarf gerade ist. Das alles passiert vollautomatisch und digitalisiert.

Das System könnte ein Problem lösen, das die Erneuerbaren einst selbst verschärften: Anders als konventionelle Kraftwerke, die ihre Produktion sehr genau steuern können, unterliegen Wind- oder Solarparks naturgemäßen Schwankungen. Die Sonne scheint nicht immer, genauso wie der Wind nicht immer weht. Magnetspeicheranlagen aber, so Herger, sind zwar nicht in der Lage, mehr Strom zu produzieren, als das Netz aufnehmen kann, sie können jedoch ohne Aufladen oder Nachtanken durch einfaches Bremse lösen Transportarbeiten verrichten, Turbinen antreiben oder über Reibungswärme Wohnungen beheizen.

Magnetenergie wird so zunehmend zu einem wichtigen Kriterium für ein stabiles Stromnetz. Außerdem: In einem Magnetkraftwerk wird Strom zwar dezentral und induktiv aus erneuerbaren Quellen erzeugt, er kann aber am effektivsten zentral, zum Beispiel in einem der gigantischen Permanentmagneten, gespeichert werden.

Future Energy setzt bei der Kinetisierung der dabei gespeicherten potentiellen Energie insbesondere auf moderne Magnetmotoren nach den Plänen des schleswig-holsteinischen Maschinenbauers Friedrich Lüling, der bereits im Jahre 1954 einen voll funktionsfähigen Magnetmotor gebaut hatte. Damals scheiterte der Pionier an der Energiemafia und der Lobby der Verbrennungsmotorfans von BMW bis SPD. Doch mit der Entdeckung von Supermagneten aus „Seltenen Erden“, dem sogenannten Neodym, steht einer Umrüstung der deutschen Energieversorgung auf Magnetantrieb nichts mehr im Wege.

Neodym als Endlösung


Neodym-Magneten erlauben es, wenn gerade viel Strom aus Erneuerbaren ins Netz kommt, der in dem Moment nicht gebraucht wird, magnetisch zwischenzuspeichern und bei Bedarf wieder abzurufen. Insgesamt verfügt Future Energy in Europa derzeit über fünf Magnetgroßsspeicher. Ziel der Firma ist es aber, in allen 570 Millionen Haushalten Heimspeicher auf Eisen-, Neodym- und Borbasis aufzubauen.

Mit ihrer Hilfe wären ausreichend Kapazitäten da, um Netzüberschüsse ganzjährig für Engpasssituationen zu speichern. Future Energy übernähme das Netzmanagement, das die vorhandenen 60 Gigawatt Magnetenergie jeweils dorthin mobilisiert, wo sie benötigt werden. Das könne auch per Lkw oder Zug geschehen, stellt Ravon Ahlmann klar, denn dank ihrer modularen Bauweise sind alle Magnetspeicher mobil.

Das Problem der sogenannten Redispatch-Kosten wäre damit auch gelöst: Noch 2017 mussten die großen Übertragungsnetzbetreiber die Rekordsumme von 1,4 Milliarden Euro aufwenden, um das Netz zu stabilisieren – und letztlich Stromausfälle zu vermeiden. Mit der flächendeckenden Einführung von Magnet Nets stünden Angebot und Nachfrage stets im Einklang, Betreiber des Übertragungsnetzes müssten nicht mehr eingreifen.

Donnerstag, 12. September 2019

Klimakrieg: Sie wollten nur das Eis retten


Sie wollten nur das Eis retten, retten vor dem heißen Atem des Klimakatastrophe, die auch in der Arktis dafür sorgt, dass menschengemachtes CO2 zur Aufheizung des Packeises führt. Perspektivisch steigt damit der Meeresspiegel, vielleicht um zwanzig Zentimeter, vielleicht um einen Meter oder auch um zwei. Nicht nur die seit dem 29. Oktober 2001 beharrlich in den Fluten versinkende Insel Tuvalu geht immer weiter unter, auch der Rest der Erde ist zunehmend bedroht.

Eine Gruppe von Klimaaktivisten wollte das nicht weiter hinnehmen. Die 16 Kämpfer gegen den Klimawandel schifften sich auf der MS Malmö ein, um direkt vor Ort zu helfen. Eine Filmcrew wollte die unmittelbaren Folgen des Klimasommers dokumentieren und die Folgen der aktuellen Erderwärmung so für Interessierte in aller Welt sichtbar machen. Doch dann diese dramatische wende: Obwohl Wind- wie Eiskarten sagten die Meerenge in Übereinstimmung mit den Prognosen des Weltklimarates und der führenden Klimamahner als eisfrei angezeigt hatten, wurde die "Malmö" vom Eis blockiert. Der Wind habe das nach allen Klimaprognosen eigentlich geschmolzene Eis in die Hinlopenstraße geblasen, sagte Expeditionsleiter Tore Top Arctic Tours, einer australischen Firma, die nachhaltige Arktisreisen ab 6000 Dollar anbietet.

Dramatische Szenen spielten sich daraufhin ab, denn die 16 Passagiere steckten nun unerwartet und unvorbereitet vor Longyearbyen, Spitzbergen, auf halber Strecke zwischen Norwegen und Nordpol fest. Zu Hilfe gerufenerettungs Hubschrauber konnten die vom Klimawandel bedrohten Passagiere schließlich unter schwierigen Bedingungen an Bord nahmen und evakuieren. Sieben Besatzungsmitglieder hingegen verblieben an Bord und warten nun auf die Unterstützung eines Eisbrechers der Küstenwache, der die 1943 gebaute MS Malmö freifräsen soll.

Von wegen töten: So segensreich wirken SUVs

Deutlich positiv: Je mehr SUVs auf den Straßen unterwegs sind, desto weniger Menschen sterben im Verkehr.
Elftausend starben 1991, 1997 waren es noch fast 8000, selbst im Jahr 2006 mussten in Deutschland noch mehr als 5000 Verkehrstote beklagt werden.

Spätestens der schwere Unfall mit vier Toten in Berlin hat nun eine Diskussion darüber ausgelöst, ob Autos, die nicht der Bauart SUV entsprechen, grundsätzlich aus dem Verkehr entfernt werden sollen. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte im "Tagesspiegel" rasch umsetzbare Maßnahmen. Ein Blick auf die Statistik der Verkehrsunfalltoten (oben) zeige, dass erst der Erfolgszug der Sport Utility Vehicles zu einer spürbaren und nachhaltigen Senkung der Opferzahlen im Straßenverkehr geführt hatte. Weder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte sehr teuer mache, noch die vielen Parkverbote in Innenstädten oder die Verampelung Deutschlands hätten einen vergleichbaren Effekt gehabt.

Positiver Einfluss 


Der Unfall in Berlin, ausgelöst mutmaßlich durch einen medizinischen Notfall bei dem Mann am Steuer, hat damit eine wichtige politische Debatte über Autos in Städten ausgelöst. SUV sind bei Autokäufern in Deutschland zunehmend beliebt, obwohl sie von Kritikern als besonders umweltschädlich bezeichnet werden. Andererseits zeigten die Unfallzahlen, dass die zunehmende Anzahl von SUVs auf den deutschen Straßen offenbar einen deutlich positiven Einfluss auf die Zahl tödlicher Unfälle im Verkehr hatten. Die "panzerähnlichen Autos", wie sie der grüne Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, nennt,  dämpfen die Lebensgefahr augenscheinlich nicht nur für "Unschuldige" (von Dassel), sondern ganz allgemein.

"Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich ungefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", glaubt der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Mehr Einfluss als das Gewicht eines Fahrzeuges hätten Geschwindigkeit und Art des Zusammenstoßes. Werde ein Auto nicht bewegt, sinke die Unfallgefahr drastisch ab, wohingegen ein seitlicher Aufprall eines mit hoher Geschwindigkeit fahrenden anderen Autos auf ein SUV ganz anders wirke als derselbe Aufprall auf einen Fahrradfahrer.

"Menschheitsherausforderung"


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Frage in ihrer ersten Bundestagsrede nach dem Beginn der Grundsatzdiskussion vorerst unerwähnt gelassen. Wichtiger sei die "Menschheitsherausforderung", die der Klimawandel bedeute, der einen "gewaltigen Kraftakt" von allen erfordern werde. Merkel fuhr dabei, reportiert der "Spiegel",  "mehrfach mit der Faust durch die Luft".

In Richtung all derer, denen es plötzlich viel zu schnell gehe mit den Ankündigungen von radikalstem Klimaschutz, sagte sie: "Nichtstun ist nicht die Alternative", denn das Geld sei "gut eingesetzt". Niemandem werde etwas weggenommen, das Geld sei da, denn der Bund habe gut gewirtschaftet. Deutschland als Industrieland könne deshalb auch in diesem Bereich mutig vorangehen und beweisen, dass man mit entsprechender Technologie sogar wirtschaftlich von Nachteilen profitieren könne, die sich beispielsweise aus dem höchsten Strompreis der Welt ergäben. Gelinge der kühne Plan, aus Energie, Atom, Glyphosat, Fleisch, Rechtsradikalismus, Ostdeutschland und SUVs gleichermaßen auszusteigen, stehe fest:"Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor - dafür vielen besser."


Mittwoch, 11. September 2019

11. September: Ein Ast vom Baum Allahs



Der dänische Liedermacher Carl Ladeplads muss seit dem Erscheinen seiner allah-kritischen Nummer "Mohammed" im Kopenhagener Untergrund leben.

Der vorerst letzte Chef von Al-Kaida trug ein besonders trauriges Schicksal. Hamza bin Laden, der Sohn des "Terrorscheichs" Osama, der es heute vor 18 Jahren mit dem vermutlich perfidesten Anschlag der Weltgeschichte geschafft hatte, die gesamte westliche Welt zu erschüttern, übernahm den Posten seines Vaters als Vorsitzender der Reste der Terrorgruppe, ohne dass es jemand mitbekam. Erst als die USA ihm eine Rakete auf den Kopf geschossen hatten, wurde bekannt, dass der Sohn dem Vater nachgefolgt war. Da aber war Hamza bin Laden bereits tot.

Zum 19. Jubiläum der Anschläge, die am 11. September 2001 mehr als 3000 Menschen das Leben kosteten, gibt es wie seit Jahren schon keinerlei Erinnerungsandachten. 9/11 ist Geschichte geworden, Geschichte der Art von Ereignissen, bei denen Zeitzeugen immer noch wissen, wo sie waren, als es geschah. Und Nachgeborene den Kopf schütteln: War da was?

Wenige Daten haben die Weltgeschichte so nachhaltig beeinflusst wie dieser Tag, wenige Ereignisse verschwanden anschließend so gründlich aus der Debatte.  9/11 war der Tipping Point in eine andere Welt, der Moment, in dem der islamistische Terror sich zum ersten Mal stolz in seiner ganzen Erbärmlichkeit vor aller Augen zeigte und hier und da Menschen klar wurde, dass der Islam nicht irgendein weiterer lustiger Geisterglaube mit Mummenschanz und heiligen Märchenbüchern ist. Sondern eine reale Gewalt, die danach strebt, die individuelle Freiheit aller Menschen abzulösen durch ein Freiheitskonzept der Unterwerfung unter eine höhere Idee, das dem gleicht, das Nationalsozialisten und Kommunisten als Handhabe nutzten, Millionen Menschen zu ermorden.

Das macht es schwer, 9/11 heute noch öffentlich zu besprechen, denn selbst wo der Islam als vermeinlichter "Islamismus" maskiert wird, um die saubere Religion von ihrer blutigen Pervertierung zu unterscheiden, bleibt der Terror ein Ast vom Baum Allahs. Gäbe es ihn, wie gute Muslime (vor 9/11: Moslems) behaupten zu glauben, hätte er es genau so gewollt.

Was geblieben ist, sind die Zweifel an der  offiziellen Version der Ereignisse, der letzte Rest vom Hühnerknochen, an dem gelegentlich noch genagt wird, weil selbst der Beweis, dass es doch die USA selbst waren, die Russen oder die Marsmenschen, dem Zusammenleben der Völker und schrägen Religionen dienlicher ist als der Hinweis darauf, dass es seinerzeit tatsächlich Menschen gab, die den Zusammenbruch der Türme feierten.

Zum Jahrestag also Neuigkeiten über World Trade Center 7, das Nebengebäude der Twin Towers, das zusammenfiel, weil, so hieß es, genau wie bei den größeren Nachbarn Feuer die Stahlkonstruktion so geschwächt hatte, dass sie nachgab und das Hochhaus unter der Last seines eigenen Gewichtes zusammenrutschte.

Stimmt nicht,  erklärten die promovierten Bauingenieure Leroy Hulsey, Zhili Quan und Feng Xiao, die in jahrelangen Untersuchungen ein "nahezu gleichzeitigen Versagens jeder Säule des Gebäudes" als Einsturzursache ausgemacht haben. Sieben Worte, wo man es auch kürzer hätte sagen können: Eine Sprengung.

Das ist sensationell, aber nun wieder auch zu harter Stoff, um das Kistchen mit den Terrortheorien wieder zu öffnen. Außer bei Telepolis und einem Blog, das sich mit "Grenzwissenschaften" beschäftigt, gibt es keinerlei Berichterstattung über die Ergebnisse des 126-seitigen Berichte, die  deutlich im Widerspruch zur offiziellen Untersuchung der Regierungsbehörde NIST (National Institute of Standards and Technology) aus dem Jahr 2008 steht.

Damals war erklärt worden, dass der 186 Meter hohe Wolkenkratzer durch Bürobrände in sich zusammengefallen sei, weil Stahlträger durch Feuer geschwächt wurden, so dass sie das auf ihnen lastende Gewicht nicht mehr hätten tragen können. Die neue Studie nun zeige aber, dass die NIST-Untersuchung gravierende methodische Mängel aufweise. Um zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen, hatten die Untersuchenden damals real existierende Bolzen und Verstärkungen der Stahlkonstruktion in WTC7 bei ihren Berechnungen weggelassen. Telepolis erinnert giftig daran, dass auch das seinerzeit mit Bezugnahme auf die NIST-Ergebnisse behauptet hatte: "Jedes Detail, buchstäblich jede Schraube des Gebäudes wurde erfasst" und nun sei "das letzte Rätsel um 9/11 gelöst".

Jetzt berichtet das ZDF lieber gar nicht, auch der "Spiegel" setzt zum Geburtstag lieber dem Massenmörder Mohammed Atta ein Denkmal, als komme es darauf an, wann der Anführer der Attentäter genau mit wem wohin gefahren und ab wann er richtiges Al-Kaida-Mitglied gewesen sei.

Dass das östliche Penthouse auf dem Dach von WTC7 fünf Sekunden früher einstürzte als das Haus unter ihm, wie auf Videos sichtbar ist, deutet darauf hin, dass auch dort oben etwas passiert sein muss. Denn die Studie aus Alaska verdeutlicht, dass der Zusammenbruch der 13. Etage logischerweise nicht Auswirkungen im 48. Stock haben kann, ehe er geschieht.Möglich sei das nur bei einem "gleichzeitigen Versagen aller Säulen im Inneren des Gebäudes über einen Bereich von 8 Etagen, gefolgt von einem 1,3 Sekunden späteren gleichzeitigen Versagen aller Außensäulen im gleichen Bereich". So, sagen die Wissenschaftler, lasse sich ein Ereignisbild nachstellen, dass dem gleiche, das die Videos des Zusammenbruchs zeigen.

Da wird es dann aber zu kompliziert. 

Umweltpleite: Deutschlands Scheitern neu verpackt

30 Jahre nichts passiert - nun aber geht los: Binnen von nur 15 Jahren zielt die Bundesregierung auf ein klimaneutrales Deutschland.
Gefühlt Weltmeister, gefühlt berufen, dem Rest der menschlichen Gesellschaft den Weg in eine klimaneutrale Zukunft zu weisen, in der Pullover statt Heizungen, Jutebeutel statt Plastiktüten und Klimaversprechen statt CO2-Reduzierungen den Sieg des Menschen über eine menschengemacht immer heißer werdende Atmosphäre markieren.

Obwohl aktuellen Umfragen zufolge eine Mehrheit der Deutschen nicht daran interessiert ist, beim der Endzeithysterie mitzumachen, die spätestens mit den ersten Demonstrationen einiger weniger tausend Schüler unter dem Motto "fridays for future" in den Elfenbeintürmen der Parteistrategen ausbrach, es ist der deutschen Politik doch zumindest gelungen, die Leitmedien kollektiv für eine Agenda zu begeistern, die zumindest eines jetzt schon geschafft hat: Das leidige Flüchtlingsthema, bei dem die Parteien des demokratischen Blocks auch nach fast fünf Jahren noch nach einer halbwegs stringenten Antwort suchen, aus den Schlagzeilen zu verdrängen.

Dauerton von der Klimasirene


Die Nebenwirkungen aber sind immens. Die Klimaalarmsirene schrillt als Dauerton durch Fernsehen, Radio, Internet und die gedruckten Zeitungen, die allein ihre eigene schreckliche Klimabilanz beim Warnen und Mahnen außen vor lassen. Die politischen Parteien liefern Aufregungsmaterial in einem Tempo, als schlüge das letzte Stündlein des Planeten, wenn nicht sofort, jetzt und unverzüglich Deutschland einen nur hierzulande erreichbaren Knopf drückte, der das Schicksal der Völker zum Guten wendet.

Plastiktüten und SUVs, Autos überhaupt, Ölheizungen, Trinkhalme, Fleisch, Soja, Fliegen - kaum ein Lebensbereich, der zuletzt nicht ins allzeit scharfe Visier von Verbotsideologen rückte, deren feuchter Traum es ist, eine Art Ökodiktatur zu errichten, in der sie im Namen künftiger Generationen durchregieren können, ohne dass Fehlgeleitete und Quertreiber bei Wahlen noch Widerspruch anmelden dürften. 


Als Annegret Kramp-Karrenbauer nun angekündigte, "den Turbo einlegen" zu wollen, um "Deutschland Klimaziele" (ARD), die seit 1990 einerseits ständig erhöht, andererseits immer verfehlt wurden, doch noch zu erreichen, erschallte einhellige Zustimmung aus den Schreibstuben der Klimapresse, die sich in den vergangenen Monaten wie von Zauberhand zu einer Art Vorfeldorganisation der "fridays-for-future"-Bewegung verwandelt hat. Das müsse jetzt, das wollten alle, so heißt es, ein Klimaruck solle druchs Land gehen und man werde "sich innerhalb der Regierung auf Maßnahmen einigen, die auch wirken", so Kramp-Karrenbauer unter lautem Beifall.

"Nationale Kraftanstrengung"


Wer die Rechnung übernehmen soll, ist auch schon klar, denn "es gibt Vorschläge, wie wir die Situation, dass wir zurzeit viel privates Vermögen haben, nutzen", betont Kramp-Karrenbauer. Nur zeigt ein Blick auf 30 Jahre vergeblicher Bemühungen, Deutschlands CO2-Ausstoß zu vermindern, wie wahrscheinlich ein Erfolg der aktuellen Klimapläne des "Klimakabinetts" (Groko) ist, künftige "Klimasommer" (Annalena Baerbock) durch eine nationale Kraftanstrengung zu verhindern.

Zahlen sind unbestechlich: Zwischen 1990 und 2018 gelang es der Bundesrepublik, ihren CO2-Ausstoß um rund ein Drittel zu senken. Etwa 75 Prozent dieser Minderung entsprangen allerdings nicht gezielten Maßnahmen der Regierung, obwohl es die immer wieder gab. Vielmehr war es die nahezu komplette Abschaltung der Großindustrie in Ostdeutschland, die in der ersten Hälfte der 90er Jahre dafür sorgte, dass die deutschen "Treibhausgas-Emissionen" (Umweltbundesamt) von 1,25 Milliarden Tonnen auf nur noch knapp über eine Milliarde Tonnen sanken.

Danach passierte ein Vierteljahrhundert fast nichts mehr. Die Reduktionsrate pendelte sich unter Schwankungen bei 0,5 Prozent pro Jahr ein. Aus einer Milliarde Tonnen CO2 im Jahr 2000 waren 18 Jahre später 905 Millionen Tonnen geworden. Eine Verminderung um zehn Prozent, die nicht annähernd ausreichte, die eingegangenen "Klimaverpflichtungen" (Merkel) einzuhalten.

All in im Klimakampf


Es funktioniert einfach nicht, auch wenn zur Ablenkung alle Ziele stets erhöht und weiter in die Zukunft verschoben wurden, sobald absehbar war, dass sie nicht mehr zu erreichen sind. Mit den neuen Ankündigungen, nun aber echt ernst zu machen, mit Turbo und Schmerzen und einem Umbau der gesamten Gesellschaft, der Wirtschaft und Auflagen für individuelle Lebensgewohnheiten, geht die Bundesregierung unterstützt von Grünen und Linken nun jedoch all in: Was in 30 Jahren nicht einmal annähernd gelang, soll nun in 15 Jahren weit übertroffen werden. Aus 30 Prozent CO2-Minderung in drei Jahrzehnten sollen hundert Prozent Minderung bis 2035 werden - das Tempo, dass dazu anzuschlagen wäre, ist so illusorisch, dass normalerweise jeder Berichterstatter in Lachen ausbrechen müsste.

Um rund 350 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent hat Deutschland seinen Ausstoß seit 1990 reduziert. Bis 2035 sollen nun noch 900 Millionen Tonnen folgen - die dreifache Menge in der Hälfte der Zeit. Während gleichzeitig durch einen Komplettumbau von Energieerzeugung, Verkehr und privaten Lebensverhältnissen in einem Land, dass über anderthalb Jahrzehnte nicht in der Lage ist, einen simplen Flughafen zu bauen, eine massive Erhöhung CO2-ausstoßintensiver Produktionsprozesse stattfinden muss. Jedes Windrad benötigt tausende Tonnen Zement und Stahl, der Bau von Millionen neuer Heizungen löst Milliarden Fahrzeugbewegungen aus, der Umstieg auf öffentlichen Nahverkehr erfordert dessen Ausbau und der Ersatz von 42 Millionen Benzinfahrzeugen setzt die Herstellung von 120 Millionen Tonnen Stahl, 40 Millionen Tonnen Aluminium und 2,1 Millionen Tonnen Lithium voraus. 

Erstaunlich ist angesichts dieser Zahlen nicht nur, dass sich irgendein seriöser Politiker wagt, öffentlich in Aussicht zu stellen, dass es sich bei alldem um ernsthafte Pläne mit - eine kollektive Kraftanstrengung vorausgesetzt - realistischen Erfolgsaussichten handelt. Sondern vor allem, dass eine ganze Medienbranche sich weigert, auch nur einmal auf Daten, Fakten und Zeitverläufe zu schauen und das Klimapferd, auf dem die Politik zu reiten meint, als das benennt, was es ist: Eine Schimäre, deren Hufe den Boden nicht berühren.

Dienstag, 10. September 2019

Ein bisschen Spaß muss sein: Napalm für Sachsen



Blutjung, derb und trocken*, das ist Maria Clara Groppler. Mit ihren knackigen 20 Jahren, dünnes Hemdchen, Schulter frei, wirkt sie auf den ersten Blick gar nicht wie ein entmenschter Menschenfeind, der anderen unbekannterweise Tod und Verderben wünscht. Doch als jüngstes Talent im Zirkus der faschistischen Menschenverachtung muss die süße Spät-Teenagerin, bis heute noch unter dem Schutz des Jugendstrafrechtes stehend, natürlich härter sein, drastischer und tabuloser als die Altvorderen, die mit stumpfen Weiberwitzen, Gebeten für ein demokratieförderndes Bündnis von RAF(GB) und RAF (D) oder Schmähscherzen gegen Klima-Greta Quote zu machen versuchen.

Maria Clara Groppler, die sich auf ihrer Homepage kampflustig mit gezückter Fingerpistole präsentiert, hat es nun geschafft. Die Abiturientin hat selbst den seit Walter Ulbricht auf Sachsenhass spezialisierten "Spiegel" mit einer Mordfantasie übertrumpft, die nur öffentlich machen kann, wer nicht nur in Geschichte nicht aufgepasst hat, sondern auch kein Herz besitzt.

Und wie leicht das war! Groppler hat die - nach der geltenden Satire-Richtlinie ausschließlich für Witze auf Nazikosten geltende - EU-Grundregel, dass Satire alles dürfen können muss, dazu genutzt, zur Bestrafung von AfD-Wählern in Sachsen eine Auslöschung der betreffenden Gebiete ("Chemnitz", sagt sie) durch ein Flächenbombardement mit Napalm anzuregen. Comedy, die "ehrlich und direkt" (Groppler) ist, manchmal aber eben auch "etwas derb", ja, etwas. Aber soooo lustig! Genau das liebt die Berlinerin, die es mit dem Hamburger Sturmgeschütz der Dumdum-Demokratie hält: "Reden bringt da nichts". Also lieber gleich schießen. Oder noch besser: Brandbombe drauf.

Hätte sie Dresden gesagt, kämen bei Älteren Erinnerungen hoch. Doch die Berlinerin ist eben "blutjung", sie weiß nichts, steht schon zwei Jahre auf der Bühne und sieht sie auf den ersten Blick immer noch "süß und unschuldig aus", wie sie selbst schreibt. Aber "der Schein trügt" (Groppler), das nette Mädchen wünscht anderen den Tod, ohne auch nur mit den Augenbrauen zu zucken. Das ist witzig, das knallt, da bleibt kein Auge trocken und kein Unschuldiger am Leben.

Und die Rechtspopulisten lachen natürlich am lautesten: Jeder Aufruf des hasserfüllten Anderthalb-Minuten-Videos aus der Fernsehsendung "Nightwash" bringt den Rechtsnazis und Neohitlers im Gauland-Kostüm in Sachsen Minimum eine Stimme mehr. Ziemlich genau sogar: Bei der Landtagswahl vor Gropplers lutsigem Auftritt hatte die AfD in Sachsen etwas mehr als 200.000 Wähler. Bei der danach waren es exakt die 400.000 mehr, die den aufrüttelnden Bomben-Clip der Komödiantin gesehen haben.

*Selbstbeschreibung

Bundestagswahl: Warum Kramp-Karrenbauer schon Kanzlerin ist


Sie sah ernst aus und sie guckte nicht so besonders fröhlich, denn das wäre fürwahr nicht angemessen gewesen angesichts eines Wahlergebnisses, das die CDU in einem Bundesland ein Drittel ihrer Wähler kostete und sie in einem anderen zu einer Partei machte, die in etwa Wähler in einer Größenordnung zieht wie die SPD es bundesweit vermag.

Doch tief im Inneren, das ist klar, jubilierte Annegret Kramp-Karrenbauer wie zuletzt, als Kanzlerin Angela Merkel sie auf dem Weg der vorhezogenen Erbfolge zur CDU-Parteichefin ernannte. Denn das Wahlergebnis in Sachsen und Brandenburg beendete nicht nur alle Spekulationen um die Eignung der "AKK" genannten Frau als nächste Bundeskanzlerin. Sondern endgültig auch die Zweifel daran, dass es der spröden Saarländerin mit dem Talent für Kopfsprünge in Fettnäpfchen gelingen kann, eine Mehrheit für die eigene Wahl zur Bundeskanzlerin zu mobilisieren.

Kramp-Karrenbauer ist nicht zu stoppen



Die Bürger in Brandenburg und Sachsen aber machten nun klar: Sie kann nicht nur, sie wird. Nicht, weil der Wähler bei der Bundestagswahl in zwei Jahren meinen wird, Kramp-Karrenbauer sei eine ganz besonders gute Wahl. Nicht einmal, weil die CDU ihre programmatische Ausrichtung bis dahin soweit korrigiert haben wird, dass der ganz normale Dieselfahrer mit zwei Kindern, Jahresurlaub auf Gran Canaria und facharbeiterangemessenem Spitzensteuersatz sie wieder bedenkenlos und ohne Angst vor weiterer Melkung wählen kann. Nein, ganz einfach deshalb, weil sonst niemand da sein wird.

AKK startet ihre bundespolitische Karriere in Zeiten, die für eher führungsschwache und wenig charismatische Politiker ideal sind. Durch das Erstarken der AfD fällt die Schwäche der CDU nicht mehr ins Gewicht: Eine lavede Linke und eine pubertär selbstbewusste Rechte bilden die Leitplanken, zwischen denen AKK 2021 ganz automatisch ins Kanzleramt fahren wird. Einzige Voraussetzung ist, dass die CDU noch einmal stärkste Partei wird – aber da die Grünen allem medialen Jubel zum Trotz im Osten kein Bein auf den Boden bekommen, wird es für sie auch bundesweit nicht reichen.

Afghanistan für überall


Um an die begehrten Ministerposten zu kommen und einmal mehr die viebeschworene "Zukunft" zu „gestalten“ (Baerbock), bleibt der Ökopartei nur der Joschka-Fischer-Weg, als Juniorpartner in eine Koalition einzusteigen. Ob das dann ein Afghanistan-Dreier-Notbündnis mit CDU und SPD sein wird oder ein Duett von Schwarz und Grün, ist nicht weiter von Belang. Kanzlerin wird in beiden Konstellationen nur der jeweilige CDU-Chef werden können, denn weder die Grünen noch die SPD  noch die langsam sterbenden Linke oder FDP sind auf absehbare Zeit in der Lage, Ambitionen zu heben, als stärkste Partei aus einer bundesweiten Wahl hervorzugehen.

Ausgerechnet die AfD hilft der in der Ära Merkel auf 33 Prozent der Wählerstimmen geschrumpften Union, trotz des niedrigsten Stimmenanteils seit 1949, auf eine Art zu wirtschaften, die die nächste Kanzlerschaft heute schon zu hundert Prozent sicherstellt. Phantomdiskussionen um Koalitionen mit dem besten Wahlhelfer, den die CDU sich nur wünschen kann, dienen der Beschäftigung einer auf einfache Reize trainierten Medienbranche und der Unterhaltung eines Publikums, das sich angesichts einer Bundespolitik der ritualisierten Bewegungslosigkeit nach Thrill und Drama sehnt.

Brandmauer nach rechts


Die CDU aber hat ein solches Bündnis weder nötig noch könnte ihr die Erweiterung der Koalitionsoptionen um die Variante Schwarz-Blau irgendeinen Vorteil verschaffen. Ganz im Gegenteil: Kramp-Karrenbauer wird umso sicherer Kanzlerin, umso höher die Brandmauer nach rechts aufragt. Siehe Sachsen-Anhalt, siehe Sachsen und Brandenburg: Wenn rund 40 Prozent  der Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei AfD und der Linken machen, wird das "Magdeburger Modell" einer Notregierung aus Christdemokraten, Grünen und den Resten der Sozialdemokratie zur alternativlosen Koalitionsvariante, weil jenseits davon nirgendwo mehr eine regierungsfähige Mehrheiten zu mobilisieren sein wird.

Montag, 9. September 2019

Ende einer Fantasie: Von der Elektromobilität zur Elektromorgana

Bei der Durchsetzung der Elektromobilität in Deutschland bleibt noch viel zu tun - und nicht mehr viel Zeit.
Die Klimakrise wird schon bald Kriege befördern - um Wasser, Ackerland und Orte, an denen Menschen ohne Angst vor Naturkatastrophen leben können. Dennoch weigern sich offenbar noch immer zwei Drittel der Deutschen störrisch, umgehend oder wenigstens mittelfristig auf umweltverträgliche Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Einer aktuellen Umfrage zufolge, bei der 2.500 Erwachsene befragt wurden, betrachten 64 Prozent der Teilnehmer umweltfreundliche E-Autos als unpraktisch und teuer. Deshalb gaben sie an, dass ein strombetriebenes Fahrzeug für sie keine Alternative zu einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor ist. Als Ausrede dafür, auch beim nächsten Autokauf ein klimazerstörendes Modell zu wählen, nannten 28 Prozent eine zu geringe Reichweite von Elektromobilen, 27 Prozent den hohen Kaufpreis, 13 Prozent das dünne Ladenetz und elf Prozent die langen Ladezeiten.

Dass hochmodernste High-Tech-Neuentwicklungen wie der erst vor zwei Jahren vorgestellte Smart fortwo electric drive schon für knapp über 21.000 Euro ein Reisen wie zu Zeiten der Postkutsche versprechen, weil der verbaute Drehstrom-Synchronmotor den Wagen auf eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 130 Kilometern in der Stunde treibt, zumindest, bis ihm nach einer Stunde der Saft ausgeht, kritisieren die potenziellen Käufer auch aufgrund der danach fälligen ladezeit von jeweils mindestens 45 Minuten als zu zeitraubend. Der Smart fortwo electric drive kommt damit rein rechnerisch auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 57 Kilometer pro Stunde, zumidest bei einer Fahrt mit Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn.

Dass eine Reise von München an die Ostsee dank eingebauter elektrischer Entschleunigung zur entspannten Weltreise auf den Spuren mittelalterlicher Ochsenkarren-Karawanen wird und dank notwendiger sechs Tankstopps bis zu 36 Stunden dauern kann, überzeugt die Käufer derzeit noch nicht. Der vor elf Jahren von Angela Merkel und dem damaligen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) angekündigte große Plan, bis 2020 eine Million Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen zu bringen, krankt denn auch noch an der Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger, die sich bisher erst magere 83.000 E-Autos zugelegt haben.

Um das Ziel noch zu erreichen, müssen die noch offenen 91,7 Prozent bis zur angestrebten Million in den kommenden vier Monaten verkauft werden - also pro Monat nicht weniger als 229250 Fahrzeuge, etwa das Elffache dessen, was seit 2008 insgesamt an elektrisch betriebenen Fahrzeugen abgesetzt werden konnte. Angesichts einer störrischen Aussage von mehr als die Hälfte der jetzt Befragten, sich als nächstes Auto wieder einen Benziner oder Diesel zuzulegen, ein nicht leicht erreichbares Ziel.

Aber immerhin reagiert der Bund jetzt auf die Herausforderung: Weil es it der einen Millione Elektroautos nicht klappt, sollen jetzt erstmal eine Million Ladesäulen gebaut werden.

Das sind zwölf Tankstellen für jedes real existierende Elektroauto. Kostenpunkt: Rund eine Milliarde Euro. Oder anders gesagt: Etwa 12.000 Euro pro E-Mobil.

Schutzschirm gegen rechts: Arbeitslosigkeit soll deutlich steigen


Es waren Zahlen, mit denen in dieser Deutlichkeit kaum jemand gerechnet hatte. Selbst Thomas Krüger, bekanntgeworden durch seinen Versuch, nackt ins Bundesparlament einzuziehen, zeigte sich überrascht. Der SPD-Politiker, nach seinem Scheitern bei der Bundestagswahl 1998 mit dem Posten des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) abgefunden, musste einräumen, dass Berufstätige am anfälligsten für rechtsextremistische Ansichten sind: Nicht abgehängte Sachsen, arbeitslose Brandenburger oder Mecklenburger ohne Perspektive gehen danach am ehesten hinterlisten Bauernfängermethoden der Rechtsfaschisten auf den Leim. Sondern nicht mehr ganz junge und noch nicht ganz alte Bürger aus der Arbeiterklasse und dem Kleinbürgertum.

Trotzige Erwerbstätige


Es sind diese Menschen, die die Umsetzung der Klimapläne der Bundesregierung gefährden und bei Wahlen trotzig zum eigenen Schaden abstimmen. Auffallend dabei ist, dass Bürgerinnen und Bürger je mehr betroffen sind, je weniger Zeit ihnen aufgrund beruflicher Belastungen bleibt, ordentlich Pflichtstunden in den Konsum von Medien wie ARD, ZDF oder Frankfurter Rundschau zu investieren. Thomas Krüger will nun gegensteuern. Da eine weitere Erhöhung der Bemühungen um mehr politische Bildung bei Berufstätigen offenbar verpufft - in den vergangenen fünf Jahren die Bundeszentrale ihren Etat von 37 Millionen Euro auf mehr als 54 Millionen Euro hochgefahren und mit dem Fachbereich Politikferne Zielgruppen (FBPZ) eine eigene Special Unit zur Rettung verlorener Demokratenseelen gegründet -, will Krüger die Aufgabe der Bundeszentrale, "durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern" über einen Umweg erfüllen.

Blind für Reißzähne


Die aktuelle Umfrage zeige eine Unwucht zwischen jüngeren und älteren Nicht-Berufstätigen und Menschen im mittleren Alter, denen es offenbar aufgrund von Belastungen im Job nicht möglich sei, die Reißzähne von bereits mehrfach überführten Rechtspopulisten wie Alexander Gauland, Björn Höcke und Andreas Kalbitz zu sehen. „Die Problemgruppe Nummer eins sind die berufsaktiven Menschen“, sagt Thomas Krüger. Diese Menschen seien bislang nicht in formale Infrastrukturen politischer Bildung eingebunden und sie hätten neben Job und Familie ein relativ geringes Zeitbudget zur Verfügung. Hier wolle man ansetzen.

Krüger sieht dabei vor allem eine Stellschraube: Erhöhe sich die Zahl der Arbeitslosen, verbliebe den Betroffenen mehr Zeit, BPB-Angebote in den klassischen und den sozialen Medien anzunehmen und die eigene politische Bildung zu verstärken. Es reiche jedoch nicht, auf eine in Kürze einsetzende Wirtschaftskrise zu hoffen, das hätten die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg gezeigt, bei denen rund ein Viertel der Anderwahlteilnehmenden sich entschieden hätten, verfassungsfeindlich zu wählen. Die Ursache ist kaum zu übersehen: In Sachsen verursachte die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von nur 5,4 Prozent einen Stimmemanteil der AfD von 27,5 Prozent. Während es in Brandenburg gelang, die AfD mit einer nur leicht höheren Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent bei 23,5 Prozent zu deckeln.

Mehr Arbeitlose, weniger AfD


Rein rechnerisch, haben die Wissenschaftler der zum Bundesinnenministerium gehörenden Bundeszentrale errechnet, entspricht damit eine Erhöhung der Arbeitslosenquote um 0,2 Prozent einem Stimmenverlust der AfD von ganzen vier Prozent. "Das heißt, mit einer nur um 1,2 Prozent insgesamt höheren Erwerbslosenzahl ließe sich das AfD-Ergebnis auf Null drücken", erklärt eine Mitarbeiter des Fachbereichs Politikferne Zielgruppen (FBPZ).

Zuletzt seien erste Erfolge erzielt worden, es gelang der Bundesregierung, die Zahl der Arbeitslosen durch eine kluge Politik der Steuererhöhungen, verschobenen Reformen und des konzentrierten Stillhaltens erstmals seit April wieder nennenswert zu erhöhen. Damit habe sich die Zielgruppe der staatstragenden Botschaften der Bundeszentrale bedeutend erhöht, beschreibt Thomas Krüger. Allerdings setze im Augenblick noch "die verfassungsmäßig vorgesehene Staatsferne des Rundfunks bei stärkeren Angeboten in den klassischen Medien" gewisse Grenzen, so dass es kaum möglich sei, Erwerbslosen eine Zuschaupflicht aufzuerleben, wenn bei "Tagesthemen", "Tagesschau" oder "Monitor" mitgeteilt werde, wie richtig zu denken und zu sprechen sei. Thomas Krüger sieht hier Nachholbedarf. „Einige rechtskonforme kreative Modelle hat es gegeben. Wir brauchen aber mehr professionelle Partnerschaften und auch die nötigen Ressourcen dazu.“

Sonntag, 8. September 2019

Zitate zur Zeit: Nächstenliebe eines Sozialdemokraten


"Das einzige, was dieses Bundesland noch retten kann, ist eine Koalition aus RAF und Royal Air Force".

Der SPD-Komiker Jan Böhmermann fordert eine Zusammenarbeit von Boris Johnsons Brexit-Luftwaffe und linkem Terrorismus zur Korrektur falscher Wahlentscheidungen in Sachsen.

Ölheizungsverbot: 100 Milliarden für die Rettung der Welt

Wenn Heizen mittels umweltfreundlicher Solarpanele aus Ethylenvinylacetat, Polyvinylfluorid, Glas, Konzentratorzellen und Lötbändern Pflicht wird,darf sich das deutsche Handwerk auf Aufträge im wert von 150 Milliarden Euro freuen.
Dass es Verbote von Luftballonstäbchen, Papp-Kaffeebecher, Plastikstrohhalm und wiederverwendbare Einkaufstüte nicht reißen werden, ahnten selbst die größten Umweltoptimisten in der Bundesregierung. Zu selten werden die symbolischen Umweltkiller benutzt, zu unbequem sind  den urbanen Eliten die möglichen Alternativen. Es braucht härtere Maßnahmen, Veränderungen, die Schmerzen bereiten und Umweltfrevlern, die unsere Zukunft klauen, empfindlich an den Geldbeutel gehen. Darüber herrscht Einigkeit bei der SPD, die in neuen Steuern und Abgaben, einer strengeren Verbotspolitik und einem Ausbau staatlicher Überwachung und behördlicher Lenkung den Königsweg aus dem Jammertal der desaströsen Wahlergebnisse sieht.

Nur wenige Stunden, nachdem der kommende SPD-Notvorsitzende Olaf Scholz öffentlich seine Genehmigung zur Entwicklung neuer Ideen für neue Steuern gegeben hatte, preschte Umweltministerin Svenja Schulze vor: Integraler und zentraler Bestandteil des geplanten Klimapakets der Bundesregierung soll das Verbot von Millionen Ölheizungen in Deutschland sein, mit denen gewissen- und bedenkenlose Klimaleugner derzeit noch das globale Klima aufheizen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Etwa fünf bis sechs Millionen solcher Weltklimaheizungen auf Ölbasis werden im Moment noch in Deutschland betrieben, neben der Wärme für rund 20 Millionen Menschen liefern sie alljährlich auch etwa 18 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht einem Anteil an der deutschen Gesamtkohlendioxidherstellung von etwa zwei Prozent.

Zwei Prozent zuviel, ist Svenja Schulze überzeugt, denn die da mit Öl heizen, sind vor allem gutsituierte Einfamilienhausbesitzer im ländlichen Raum - eine gesellschaftliche Gruppe, die überdies als übermotorisiert, flächenversiegelnd und pendelfreudig gilt. Bei diesem Menschenschlag, sagt Schulze, „genügen die Appelle an die Vernunft nicht.“ Deutschland brauche einen "Mix aus Verboten und Anreizen", offenbarte sie ihre Umbaupläne für die deutsche Heizlandschaft. Für die nächsten zehn Jahre, umriss sie den Zeitplan, den das Klimakabinett Ende des Monats beschließen wird, könne der Staat beim Umrüsten alter Ölheizungen etwa auf den Betrieb mit Wind, Sonne oder Bioenergie helfen. "Danach sind sie komplett verboten".

Ein Segen nicht nur für die Umwelt und die deutsche Klimabilanz, deren"CO2-Verbrauch" (Malu Dreyer) trotz allerbester fester Vorsätze in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr gesunken ist. Je nach Wahl der künftigen Heizungsart darf das deutsche Handwerk sich auf Aufträge im Bereich zwischen 50 und 100 Milliarden Euro freuen, sobald die große Koalition im Rahmen ihres umfassenden Klimaschutzprogrammes eine Liste der künftig noch zulässigen Heizungsarten verabschiedet hat.

Als klimafreundliche Alternative neben Solarheizungen und Windkraftöfen gelten insbesondere Wärmepumpen und Pellet- sowie Hackschitzelheizungen, sofern sie nicht mit Tropenholz befeuert werden. Entscheidet sich die Bundesregierung für einen generellen Umbauzwang, der nur noch diese Alternativen zulässt, hätten Eigenheimbesitzer und Kleinvermieter sogar die Chance, bis zu 150 Milliarden Euro zu investieren, von denen der Bund über komplizierte Förderprogramme bis zu 15 Prozent übernehmen würde. Kein Problem, denn allein durch die Umsatzsteuer auf die neueinzubauenden Ersatzheizungen darf der Staat mit rund 30 Milliarden Euro Mehreinnahmen rechnen.

Wie der Verkehrssektor, die Industrie und alle anderen gesellschaftlichen Sektoren hatte auch der  Gebäudebereich in den vergangenen 25 Jahren nur sehr geringe Fortschritte bei der CO2-Einsparung gemacht. Der "Gesamtverbrauch an CO2" (ZDF) sank den Daten des Umweltbundesamtes zufolge in den vergangenen zehn Jahren überhaupt nicht mehr. Deshalb hatte die derzeit noch amtierende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer in der Vergangenheit bereits eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen vorgeschlagen. Ein komplettes Verbot verlangten bislang nur die Grünen.

Samstag, 7. September 2019

Zitate zur Zeit: Humor schafft Distanz

Inszeniert wie die Queen: Greta I. auf dem Cover von "Time".

Dass unverwüstliche Oberkitschproduzenten wie Konstantin Wecker („weiterhin verwundbar sein“) einem heute wieder von Plakaten entgegenlächeln, so als seien die siebziger Jahre nie zu Ende gegangen, ist ein Signum unserer Zeit.

Humor schafft Distanz und hilft damit bei der Erkenntnisgewinnung. Umgekehrt vernebelt der Sentimentalismus nicht nur die ästhetische Vernunft.

Auch wenn von Konstantin Wecker die Empfehlung stammt, man solle mit dem Kopf fühlen und dem Herzen denken, so eignet sich das Herz leider nur bedingt zu Verstandeszwecken, wie sich schnell zeigen lässt.

Aus der Tatsache, dass uns etwas besonders nahegeht, folgt noch nicht, dass es auch in der Realität besonders bedeutsam wäre.

Jan Fleischhauer erlaubt Witze gegen Greta


Great Greta: Eine Klimapuppe für die Welt

Täuschend echt: Die erste Greta-Puppe für Klimaaktivisten.

Ein halbes Jahr nach dem großen Durchbruch der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg ist der Hauptfeind der Bewegung ausgemacht und die Idee vom "Schulstreik" auch in den USA angekommen. Pünktlich zu dieser european invasion widmet nun ein kleines, aber hochinnovatives deutsches Start-up der Weltikone des Überlebenskampfes des Planeten eine eigene Puppe. Mit süßem Kinderspielzeug hat diese aber wenig zu tun.

„Masterpuppets“ heißt das junge Unternehmen aus dem Kreis Quedlinburg im abgehängten Sachsen-Anhalt, das maßstabsgetreue Miniatur-Dolls von Stars aller Art fertigt. Ein Geschäft, das mit 3D-Scannern aus der Weltraumfahrt und Druckern aus China arbeitet, die eine Art besonderes Granulat verwerten, um täuschend echte Kleinausgaben von Elvis Presley, Klaus Jürgen Wussow oder Angela Merkel herzustellen. Ein Riesengeschäft, weil immer mehr Menschen das Bedürfnis haben, in einer Welt, die sich unentwegt zu verändern scheint und alle familiären Bindungen in einer neoliberalen Säure auflöst, bekannte Gesichter und Formen um sich zu haben.

Die geniale Idee hatte der frühere Ostdeutsche Heiko Weidenbart im Juni vergangenen Jahres bei einem Rundgang auf einem sogenannten Polenmarkt, auf dem Miniaturfiguren von Promis verkauft wurden, die, so sagt er, „kaum zu erkennen waren“. Das geht besser, dachte er sich und gründete Masterpuppets - die Firma hat nichts Geringeres vor, als den Merchandising-Markt zu revolutionieren.

Doch das ist nicht alles, wie die aktuelle Initiative der inzwischen 45 Mitarbeiter zeigt. Statt immer nur DSDS-Stars, Schlagersänger und beliebte Politiker als Puppen herauszubringen, die Fans sich in die Schrankwand stellen können, soll die neue 3-D-Druckertechnologie von Masterpuppets, die sonst vor allem im Maschinenbau und in der Medizintechnik verwendet wird, jetzt für einen guten Zweck eingesetzt werden. Firmenchef Weidenbart nämlich hat sich entschlossen, eine Greta-Thunberg-Puppe herauszubringen, die für das Klimaschutzanliegen der bekannten Schwedin werben soll.

Thunberg, die erst Ende Juli ihre erste CD veröffentlicht hatte, wäre die erste Künstlerin, die ihr Merch nicht mit T-Shirts, Postern und Basecaps startet, sondern mit einer 3D-Puppe, dem Premiumsegment des Andenkenhandels. Geht es nach Weidenbart, sollen Fans der kleinen Schwedin bereits während ihrer gerade begonnenen Amerika-Tour Miniaturfiguren der 16-Jährigen kaufen können, die ein 3-D-Scanner, der mit 140 Kameras gleichzeitig aus allen denkbaren Winkeln Fotos von Thunberg gemacht hat, mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz zu einem dreidimensionalen Modell zusammengeführt hat.

Ein 3-D-Drucker erstellt schließlich das fertige Bioton-Figur-Persönchen im Maßstab eins zu 20. Der Detailgrad der kleinen Action-Figur ist enorm. Sie gleicht ihrem Alter-Ego bis aufs Haar, selbst der Gesichtsausdruck, Wimpern, Falten in der Kleidung oder Schnürsenkel lassen sich darstellen. Das Ergebnis ist detailgetreu bis in die Haarspitzen der langen Zöpfe, die der Amerikaner „Pigtails“ nennt.

Die Greta-Puppe, die Heiko Weidenbart aus Markenrechtsgründen nur „Gerta“ nennt, weil der Originalklimaschutzname schon seit Jahren  als Marke eingetragen ist, trägt ein typisches Schulmädchen-Outfit, sachlich-züchtig, aber auch ein wenig alarmierend, das dem von Thunberg in den frühen Tages des Klimakampfes benutzten Dresscodes ähnlich ist - stilecht mit Gummischuhen und roten Applikationen. Ganze sechs Wochen braucht Masterpuppets für eine Puppe, doch die Arbeit lohnt sich, denn die Puppen, die die Puppenkünstler aus dem Vorharz erschaffen, sind einfach genial.

Die "Great Greta", wie Heiko Weidenbart schmunzelnd sein "Meisterstück" nennt, geht für 29,90 Euro über den Ladentisch, ein Euro ist dabei für Klimaschutz- und Brandbekämpfungsprojekte im Amazonas vorgesehen. Bestellungen sind hier möglich.


Freitag, 6. September 2019

Haribo: Hass in Tüten

Die Guten ins Töpfchen, alle Andersfarbigen in eine andere Tüte: Mit einer süßen Portion Rassismus beendet Haribo die Ära der bunten Bären aus Knochenleim.
Segregation im Namen einer rechtspopulistischen Identitätspolitik: Was mehr und mehr viele Länder Europas und in Deutschland vor allem die abgehängten und ohnehin weitgehend menschenleeren Gebiete im Osten prägt, findet nun auch seine Entsprechung im Süßwarenregal. Der rheinländische Konzern Haribo hat auf die Nachfrage nach sortenreiner Sortierung reagiert und bietet jetzt Gummibärchen an, die streng nach Farben geordnet sind.

Die angeblich die Geschmacksrichtungen Erdbeere, Himbeere, Apfel, Orange, Zitrone und Ananas verkörpernden Fruchtgummis aus Zucker, Glukosesirup, Wasser und gelierter geschmacksneutralen tierischen Proteinen aus denaturiertem und hydrolysiertem Bindegewebe toter Schweine und Rinder waren bisher stets bunt und farbübergreifend gemischt ausgeliefert worden. Damit ist bald Schluss – zumindest für einen gewissen Aktionszeitraum, in dem die einst von Firmengründer Hans Rieger als „Tanzbären“ erfundenen Leckereien aus Glutinleim testhalber segregiert und nach Hautfarben getrennt verpackt und ausgeliefert werden.

Haribo, das seit dem großen Expansionsjahr, als man in Kopenhagen die Haribo Lakrids A/S gründete, mit dem Satz "Haribo macht Kinder froh" wirbt, reagiert mit dem einfarbigen Angebot, die jeweils eine der angeblich seit jeher hergestellten sechs Geschmacksrichtungen pro Packung enthält, auf einen bereits seit längerer Zeit spürbaren Trend zur Rückbesinnung auf vermeintliche Identitäten, aufgrund derer sich gesellschaftliche Gruppen immer öfter und immer kleinteiliger selbst von anderen abgrenzen.

Ostdeutsche, Sachsen, Westdeutsche, AfD-Wähler, Rechte, Linke, Rechtsextreme, Rechtsextremisten, Demokraten, Mitttelschichter, Anständige, Muslime (früher: "Moslems"), Wutbürger, Migranten, ARD-Mitareiter, Abgehängte, Rechtspopulisten und "Spiegel"-Reporter - obwohl jeder menschliche Organismus in sich von Natur aus eine reine Vielheit verkörpert, tritt vermehrt das Bedürfnis auf, sich gruppenspezifisch von anderen abzugrenzen, um sein Dasein als einzigartige Individualität durch ein vermeintliches genetisches und geistiges Band durch eine Einordnung in Ähnlichkeitsklassen zu betonen.

Der Preis, den die Gesamtgesellschaft für diese freiwillige Apartheid zahlt, ist hoch, der Preis, den Haribo für die Spiegelung des Trends in seinen sortenreinen Tüten verlangt, kommt vergleichsweise günstig: Im Online-Shop des Herstellers, hat das Qualitätsmagazin "Stern" recherchiert, sind die Tüten mit nur einer Geschmackssorte 17 Cent teurer als die fröhliche, bunte und weltoffene Variante mit sechs unbefangen nebeneinander liegenden verschiedenfarbigen Knochenleimleckereien.