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Dienstag, 26. März 2019

Erschütternd: Das braune Erbe der Bundesworthülsenfabrik (BWHF)

Kriegernachwuchs für das Dritte Reich: Diese Kinder profitierten bereits in den 20er Jahren von einer Mietpreisbremse.
Das "Gute-Kita"-Gesetz, das "Starke-Familien"-Gesetz und das "Geiler-Mindestlohn"-Gesetz haben zuletzt gezeigt, was eine deutsche Sozialdemokratie vermag, wenn sie in Zusammenarbeit mit den Begriffsprofis der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) herausragend griffige Namen für neue rechtliche Regelungen finden, nach denen sich die Bürgerinnen und Bürger schon seit Jahren sehnen, weil ihnen so vieles so viel wichtiger ist als das ewige Lamentieren über die Migration. Doch neue Dokumente, die PPQ®© zugespielt wurden, zeigen jetzt eine dunkle, ja, eine dunkelbraune Seite der öffentlich immer noch kaum bekannten Parolenschmiede, die auf Beschluss der weitsichtigen Regierung Kohl seinerzeit direkt im Berliner Regierungsviertel unterhalb der Kanzlerwaschmaschine in den märkischen Restsand gegossen worden war. 

Diener vieler Herren


Ausgerechnet die "Mietpreisbremse", nach "Rettungsschirm" und "Energiewende", "Schuldenbremse" und "Wachstumspakt", "Stromautobahn" oder "Obergrenze mit atmendem Deckel" der jüngste Geniestreich des Verbalstrategenkollektivs um BWHF-Chef Rainald Schawidow, wirft Fragen nach der ideologischen Zuverlässigkeit der früher als "VEB Geschwätz" bekannten Bundesbehörde. Zu DDR-Zeiten hatten deren Mitarbeiter für Erich Honecker und Kurt Hager Begriffe wie den "Sozialismus in den Farben der DDR" und das "gemeinsame europäische Haus" erdacht. Später, nach der Übernahme durch den Bund, lieferten sie mit "Benzinpreisbremse", "Wachstums"- oder "Digitalpakt" und, "Finanzmarktbesteuerung" ähnlich sinnfreie, aber zeitgemäß kürzere politische Kampfbegriffe.

Die SPD griff bei den Angeboten der BWHF ebenso gern zu wie die CDU - allerdings deutet die vermeintlich neue "Mietpreisbremse" jetzt darauf hin, dass sich beide führenden demokratischen Parteien hier gemein gemacht haben könnten mit Elementen, die kaum noch oder gar nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Für die "Mietpreisbremse" haben sich Schawidow und Co. nämlich offenbar tief im Keller der Geschichte bedient, dort, wo Nazi-Politiker einst auf populistischste Weise versucht hatten, Mieter durch staatliches Eingreifen vor Hausbesitzern zu schützen und sie damit zu veranlassen, Hitler zu wählen.

Braune Horden beim "Benzingipfel"


Dessen braune Horden waren es, die zum ersten "Benzingipfel" baten - ein Begriff, den die Bundesregierung 75 Jahre später auf Veranlassung der BHWF als selbsterfunden ausgab. Und die auch als die ersten Mietpreisbremser der Geschichte auftraten: Zum Führergeburtstag am 20. April 1936 verfügte die Reichsregierung mit einer Ausführungsverordnung zum Reichsmietengesetz" einen vollständigen Mietpreisstopp, der das Verfügungsrecht des Hausbesitzers über seine vermieteten Wohnungen aufhob.

Eine Maßnahme, die so gut ankam, dass sie in der DDR bis 1990 und in der Bundesrepublik bis 1960 weitergalt. Danach gewann in den alten Bundesländern die Vermieterlobby an Einfluss, rechtskonservative und wenig am Gemeinwohl interessierte Regierungen hoben die Mietpreisbildung weitgehend auf und propagierten einen sogenannten freien Wohnungsmarkt.

Wie die SPD Naziklischees nutzt


Ein Irrtum, den erst die Schulz- und später die erneuerte Nahles-SPD öffentlich eingestand. In seiner Zeit als Justizminister war es der heutige Außenamtschef Heiko Maas, der eine Rückkehr zur nationalsozialistischen und kommunistischen Wohnungspolitik einleitete, weil er klar erkannt hatte, dass damit zwar nicht mehr Wohnraum zur Verfügung steht, die Volksstimmung sich auf diese Weise aber kostengünstig und fast anstrengungslos positiv beeinflussen lässt.

Die irritierenden Nachrichten über diese Umstände der historisch braunen Wurzeln des nationalsozialistischen Kampfes für eine soziale und gerechte Wohnungszwangswirtschaft, werfen nun aber nicht nur die Frage auf, inwieweit der wegen Ausstattungsgewohnheiten bei seiner eigenen Wohnung bereits vor Jahren in die Kritik geratene Minister in der Lage ist, sich glaubwürdig vom Nazi-Erbe der Zwangswirtschaft loszusagen. Sondern auch, wie die Bundesworthülsenfabrik (BWHF) mit ihrem eigenen braunen Erbe umgeht. Schließlich war es Joseph Goebbels, der nach der Machtergreifung 1933 den Grundstein für das Reichsamt für Sprachpflege (RfS) als eigenständige Reichsbehörde legte, die propagandistisch die machtpolitischen Ziele der NSDAP betreiben und verbale Munition für den Gesinnungskampf der Weltanschauungen und Konfessionen liefern sollte, in dem der geifernde Vordenker der rechten Ideologie seine Partei sah.

Trumps Mauer, Erdogans Mauer: Warum in deutschen Medien nur eine von beiden existiertstiert

Das ist nicht Trumps Mauer, sondern die von Angela Merkel.
Im Fall von Donald Trumps Mauer ist auch nach dem "Freispruch zweiter Klasse" (Spiegel) ohne vorherige Anklage alles ganz einfach. Seit der US-Präsident im Wahlkampf ankündigte, die Grenze der USA zu Mexiko mit einer Mauer zu sichern, sind sich deutsche Journalisten einig. Blödsinn! Quatsch! Teuer! Menschenrechtswidrig! Wird nie kommen! Und darf auch nicht, weil, das hat Angela Merkel schließlich lange vor Trump schon festgelegt, "Mauern lösen keine Probleme".


Wo Mauern doch Probleme lösen


Dass eine Mauer, die die ukrainische Regierung vor Jahren zu bauen angekündigt hatte, um die westliche Vorfeldbastion vor russischen Angriffen zu schützen, durchaus als noch mit freundlichem Applaus aus den Redaktionstuben begrüsst worden war, steht auf einem anderen Blatt. Im Falle Trump jedenfalls steht die Mauer für das "zentrale Symbol einer verkorksten Präsidentschaft, für seine skrupellose, für eine demagogische Politik", so der "Relotiusbote" in einer aktuellen Analyse. Es ist laut "Spiegel"-Archiv der 788. Beitrag, den das Magazin dem Thema Trump-Mauer widmet, die für deutsche Berichterstatter längst Fetisch-Charakter angenommen hat..

Eine andere Mauer dagegen, obwohl viel näher gelegen und im Untershcied zu Trumps Projekt längst existent, kommt sehr viel schlechter weg. Der türkische Staatschef Recep Erdogan hat sie in den vergangenen drei Jahren an der türkischen Grenze zu Syrien bauen lassen, obwohl Mauern keine Probleme lösen. Und der "Spiegel" hat sie ein einziges Mal erwähnt, wie mit zusammengebissenen Zähnen, in einem blind übernommenen Text der amtlichen deutschen Danachrichtenagentur DPA. Musste sein. Ging nicht anders. Wäre sonst wirklich aufgefallen.

Das dröhnende Schweigen über die EU-Mauer


Vielleicht wegen der Größenverhältnisse? Trumps Mauer soll 1600 Kilometer lang werden, die von Erdogan misst nur 764 Kilometer. Allerdings ist sie fertig - und bezahlt hat sie weder Syrien noch die Türkei, sondern die Steuerzahler der EU-Staaten, die ohne großes Aufsehen mindestens 80 Millionen Euro zur Unterstützung der türkischen Grenzsicherung nach Ankara überwiesen hat.

Für ihr Geld bekommen die Europäer aber auch einiges geboten. Der "Turkey Wall" durch die Provinzen Gaziantep, Kilis, Mardin, Sanliurfa und Hatay, von Erdogan als „drittlängste Mauer der Welt“ gelobt und von der staatlichen Wohnungsbaubehörde der Türkei errichtet, ist der feuchte Traum jedes Grenzoffiziers: Das Sicherungssystem besteht aus zwei Meter breiten und drei Meter hohen modularen Betonblöcken mit einem Gewicht von jeweils sieben Tonnen, davor wurden Stacheldrahtverhaue aufgebaut, zusätzlich hierzu gibt es Wachtürme, Gräben, mit Scheinwerfern gekoppelte Bewegungsmelder und Wärmebildkameras.

Auf Satellitenaufnahmen ist Erdogans Mauer deutlich zu sehen, dennoch ist in deutschen Medien flächendeckend seit fast zwei Jahren nirgendwo eine einzige Zeile darüber zu lesen gewesen. Ein wahres Wunder der Berichterstattung, das jeden Lügen straft, der behauptet, deutsche Journalisten würden lügen, die Wirklichkeit nach ihren Wünschen umformen und im Auftrag der Regierung deren Ansichten verbreiten.

Nein, manchmal schreiben sie auch einfach gar nichts.



Montag, 25. März 2019

Zitate zur Zeit: Verruchte politische Tat



Die Entkernung, die Aushöhlung von Öffentlichkeit, da denkt man manchmal, da ist doch ein Plan dahinter. Genauso wie hinter der Verblödung unserer Kinder in der Schule, die nicht mehr Schreiben lernen dürfen und kein Glück mehr empfinden dürfen, wenn sie was zustandebringen.

Leistung wird mies gemacht und das Glück, etwas zu können, wird ihnen vorenthalten, das ist auch eine verruchte politische Tat.

Der Sänger Heinz Rudolf Kunze sieht einen Plan dahinter


Max-Zimmering-Preis für Alltagsmut: Privatschule für Kampf gegen Rechts geehrt

Der frühere SPD-Chef Martin Schulz engagiert sich auch für die neue Initiative.
Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir ging ebenso leer aus wie der ehemalige SPD-Retter Martin Schulz, die Berliner Antonio-Amadeu-Stiftung wurde auch knapp ausgebremst und schließlich entschied sich die Jury des erstmals vergebenen Max-Zimmerring-Preises für Alltagsmut auch gegen den als favorisiert geltenden Jan Böhmermann. Stattdessen geht der neue Zivilcourage-Preis „Die mutige Tat“ an eine Berliner Waldorf-Schule, die entschlossen gegen gegen den Versuch der völkisch-populistischen AfD Front gemacht hatte, die selbst von völkisch-nationalistischen Vordenkern begründete Esoterik-Einrichtung zu unterwandern.

Gerade weil Gründer Rudolf Steiner („Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.“) kein Hehl aus seiner Einstellung gemacht hatte, schätzte die Zimmerring-Jury die Initiative der Berliner Waldörfer umso höher ein. Wer selbst im Glashaus sitze, so heißt es in der Laudatio, die der dänische Liedermacher Carl Ladeplads ("Belief") hielt, habe es besonders schwer, zum Stein zu greifen. Umso höher sei es einzuschätzen, dass die Berliner Waldorf-Schule Sippenhaft verhängt habe, die sie doch selbst zur gleichen Sippe gehöre.

Einer der Inspiratoren der Initiative, Hagen Meier, nahm die Ernennungsurkunde bei einer feierlichen Verleihungszeremonie im brandenburgischen Lehnin entgegen. Dabei kündigte er an, aus dem Einzelengagement von Schülern, Lehrern und Eltern seiner Schule eine bundesweite Bewegung machen zu wollen. "Keine Bildung für Rassisten" solle Schulen, Kitas und andere Bildungseinrichtungen vereinen, die ihre Türen konsequent für alle geschlossen hielten, die für Werte wie Toleranz, Zivilgesellschaftlichesengagement und Meinungsfreiheitsschutz nur Verachtung übrig hätten.

Ein Aufkleber an den Eingangstüren der Bildungseinrichtungen wird Neonazis, Rassisten, Rechte und Rechtspopulisten künftig ebenso aussperren wie Rechtsradiakle, Rechtsextreme und Rechtsextremisten. "Rassisten werden hier nicht ausgebildet!", steht auf den signalgelb leuchtenden Schildern, direkt über dem bekannten Logo der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die die Idee mit einer Anschubfdinanzierung von 3,8 Millionen Euro unterstützt.

Daraus soll im ersten Angriff, wie meier es nennt, ein Ratgeber für Direktorinnen, Klassenleiter und Mitschülereltern finanziert werden. Darin sind rechtsextreme Symbole, Kleidung und für Neonazis wie Rechtspopulisten wichtige Daten wie Alexander Gaulkands Geburtstag, das Datum des England-Fluges des Hitler Stellvertreters Rudolf Hess und das grundlegende Zahlenschema der Blutgruppentätowierung der SS angegeben. "So können Betroffene schon bei einer Anmeldung von Schülerinnen und Schülern Verdacht schöpfen", erläutert Meier, der hauptberuflich als Meinungsfreiheitsschützer im Bundesblogampelamt (BBAA) im mecklenburgischen Warin tätig ist.

Hagen Meier weiß aus seiner beruflichen Tätigkeit, das Neonazis und Rechtspopulisten heute längst nicht mehr immer mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln daherkommen. "Deshalb geben wir in der Broschüre auch Tipps, wie Lehrerinnen und Eltern auf spontanen Besuch von rechtsextremen Kindern etwa in einer öffentlichen Sandkiste reagieren sollten", sagt er. Dann heiße es Ruhe bewahren, sich nicht anstecken lassen, die eigenen Kinder schützen und die - vielleicht irrtümlich, vielleicht gezielt auf die eigenen Kindern angesetzten - Zöpfmädchen und körperlich gestählten Blondhaarjungen umgehend des Platzes zu verweisen. "Siezen Sie ihre unerbetenen Gäste und bitten Sie diese ruhig und höflich, die Sandkiste zu verlassen." Sollte dies nicht gelingen, habe jeder das Recht, sofort die Polizei zu rufen. "Niemand muss es sich gefallen lassen, dass rechtsextreme und fremdenfeindliche Einflüsse in Kinderköpfe eindringen können." .

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung "Max-Zimmerring-Preis für Alltagsmut" ist ein Geschwister des Max-Zimmerring-Ordens für politische Dichtung, der aller zwei Jahre im Rahmen einer festlichen Preisverleihung mit Gala-Abend im Haus der Inklusion in Mülheim an der Ruhr vergeben wird. Für Aufsehen und viel Kritik sorgte vor Jahren die Nominierung der russischen Punkband Pussy Riot. Vor allem die evangelische Kirche übte harsche Kritik.

Sonntag, 24. März 2019

Zitate zur Zeit: „Luftgewehr der Fantasie“


Haltung ist oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung. In einem solchen Klima gedeiht Erfindung.

Mathias Döpfner analysiert die Relotiusierung der deutschen Medienlandschaft beim „Luftgewehr der Fantasie“


Die Zeitreisende: Wer ist Greta Thunberg?

Greta Thunberg auf einem Werbefoto der DDR-Firma AKA Elektrik - das Bild stammt von Mitte der 70er Jahre und beweist nach Ansicht von Experten, dass die Führerin der weltweiten Klimaaufstände eine Zeitreisende ist.

Sie ist gerade 16 Jahre alt, sie begeistert Millionen und ist auf dem besten Wege, das Schicksal der Menschehit vielleicht doch noch zum Guten zu wenden. Wer aber ist diese Greta Thunberg, der hunderttausende jugendliche Gefolgsleute, Politiker und erwachsene Medienarbeiter sowieso zu Füßen liegen? ist sie wirklich das Mädchen, das mit acht Jahren vom Klima erfuhr, daraufhin hartnäckig die Beleuchtung im Haus ihrer Eltern ausschaltete, dann beschloss, nicht mehr zu fliegen und sich vegan zu ernähren und auch ihre Familie zwang, ihr auf diesem Weg zu folgen?

Zeitreisende am Zitronenkuchen


Greta heute, der Blick ist unverwechselbar.
Ein jetzt aufgetauchtes Foto (oben) lässt Zweifel daran aufkommen. Das Bild, aufgenommen Mitte der 70er Jahre in einer Küche im ostdeutsche Eisenhüttenstadt, zeigt Greta Thunberg mit ihrer Mutter beim Backen eines Zitronenkuchens: Lausbubenhaft leckt Greta einen Löffel ab, ihre Mutter gestattet es augenzwinkernd, obwohl der Teig wohl noch gar nicht fertig ist. Größere Ausschnitte desselben Bildes gestatteten es von PPQ beauftragten Forensikern, ein Handrührgerät RG-25 der Marke "Komet" zu identifizieren. Das Erschreckende: Hergestellt wurde der kluge Küchenhelfer in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im VEB Elektrogerätewerke Suhl. Damals entstand auch das Foto mit Greta Thunberg und ihrer - vermeintlichen - Mutter.

Mehr als vier Jahrzehnte später ist das Mädchen höchstens ein paar Monate älter. Wie viele Haushaltselektrogeräte made in GDR scheint die heute als Weltklimaführerin auftretende Schwedin unverwüstlich - und unfähig, zu altern. 40 Jahre sind an dem Mädchen, das Mitte der 70er Jahre in der DDR für Rührstabreklame posierte, vorübergegangen, als handele es sich um wenige Wochen: Thunberg hat etwas zugelegt, ihre Zöpfe wirken dicker und ihre Augenbrauen wachsen nicht mehr kindlich wild vor sich hin, sondern sie sind durch Zupfen gebändigt, wie es Teenagerinnen lieben.
Aber davon abgesehen sieht der Betrachter dieselbe Person im nahzezu gleichen Alter.


Zerstörte Zukunft


Ein unmöglich scheinendes Phänomen, das der  Physiker und Innovationstrainer Jan Urban für PPQ im Labor untersucht hat. Mit erstaunlichen Ertgebnissen: Nach Urbans Messergebnissen handelt es sich bei Greta Thunberg um eine aus der Zukunft in unsere Gegenwart geschickte Botschafterin, die
beauftragt wurde,  die Menschheit auf ihrem verhängnisvollen Weg in eine zerstörte Zukunft zur Umkehr zu bewegen. Durch einen  Steuerfehler oder aber eine noch nicht völlig ausgereifte Zeitreisetechnologie sei die Time-Travellerin nicht im Schweden der Nuller-Jahre, sondern offenbar - darauf deuten die frühesten Spuren - im Ostdeutschland der frühen Honecker-Zeit gelandet.

Urban, der sei seit Jahren mit der 'N-Jump Theory' seines US-Kollegen Mark Joseph Young beschäftigt, ist überzeugt davon, dass einem Zeitreisenden in einem solchen Fall kein weg zurück offensteht. "Bei einem N-Sprung erstreckt sich die Zeit nur bis zu dem Punkt A, an dem der Zeitreisende etwas ändern möchte", erklärt er. Von dort aus verläuft die Zeitlinie weiter bis an Punkt B, den Ort und die Zeit, an der der Ereignisveränderer zu seiner Reise aufgebrochen ist. Die Reise selbst aber verändere die  originäre Zeitlinie, so dass ein Zeitsprung zurück zu Punkt B nicht mehr möglich sei, weil der Reisende die Geschehnisse in der Vergangenheit durch seinen ersten Zeitsprung schon so geändert haben könnte, dass ein zweiter nicht möglich ist.

Die Replacement Theory


Greta Thunberg habe sich sich deshalb wohl entschieden, ihre Mission fortzusetzen, indem sie ein ganz normales Leben in der  DDR führte - gemäß der von Young formulierten "Replacement Theory" nennt (Replacement, im Sinne von Austausch oder Verdrängung). Erst als die Mauer fiel, ging sie dann daran, sich die biografischen Voraussetzungen zu verschaffen, um die weltweiten Klimastreiks anzuschieben.

Ob das einen sofortigen Wechsel nach Schweden beinhaltete, wo die heute auftretende Greta Thunberg nach offiziellen Angaben am 3. Januar 2003 geboren wurde, konnte der Quantenphysiker Jens Urban nicht ermitteln. "Doch der forensische Bildvergleich unter dem Elektronenrastermikrophon sagt uns, dass  es hier eine Vorgeschichte gibt, die vorerst noch im Dunkeln liegt." Greta Thunberg ist nach seinen Unterlagen mindestens 52 Jahre alt, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber wohl noch älter.  "Sie kam aus der Dämmerung der Zeit und wandert unerkannt durch die Jahrhunderte", glaubt der Experte. Verborgen vor den Augen der Welt trachte Thunberg danach, der Menschheit mehr Zeit zu verschaffen. "Wir wussten bisher nicht, dass sie wirklich unter uns weilen", sagt er, "bis heute.“

Punkt C löscht ganze Welten aus


Das Bild aber verrate dem aufmerksamen Betrachter im Labor unzählige Details. Unbestreitbarer Fakt sei nun, dass Zeitreisende durch die von ihnen bewirkten Veränderungen  neue, alternative Zeitlinien begründeten, die zuvor vorhandene verdrängten. Urban: "Von Punkt C verläuft die neue Zeitlinie nun zu Punkt D, der in diesem Fall Punkt B ersetzt, da Punkt B ja eine Folge von Punkt A war."  Dies ermögliche der Geschichte, sich über Punkt D hinaus in die Zukunft fortzusetzen. "Führt der Reisende jedoch wie Greta Thunberg Änderungen aus, die nicht Punkt C bedingen, sondern eine alternativlose Zeitlinie fortführen sollen, kommt es zu einer sogenannten Sägezahnschleife mit Unendlichkeitscharakter."

Statt die Welt zu retten, schafft sich die Zeitschleife eine Zweit- oder sogar Drittwelt, die anstatt der in der originalen Zeitlinie vorhandenen Erde samt deren Bevölkerung untergehen. "Für diese Welten gibt es keine Zukunft nach dem Punkt B oder D", fasst Urban zusammen. Das werfe die moralische Frage auf, ob die in unserer Zeitlinie lebenden Menschenüberhaupt berechtigt seien, ihre Welt und damit sich selbst zu retten, wenn der Preis dafür der Untergang alternativer Realitäten in anderen Dimensionen sei, die Greta Thunberg nicht erreicht habe, so dass es dort bei einem deutschen Braunkohleausstieg erst im Jahre 2038 bleiben müsse. "Wir müssen uns darüber klar sein, dass unsere Rettung Milliarden und Abermilliarden andere Menschen das Leben kosten wird."

Samstag, 23. März 2019

HFC: Gewogen und für zu leicht befunden

Ratlos: Lindenhahn un Sohm.

Es ist von der ersten Minute an nicht das Spiel der Männer von Torsten Ziegner. Im Aufstiegsduell gegen den Tabellendritten aus Wiesbaden wirken die wie immer in Weiß aufgelaufenen Spieler des Halleschen FC zu Beginn, als hätte ihnen jemand eine falsche Anstoßzeit genannt. Während die Gäste aus Hessen vom Anstoß an im Spiel sind, schauen Washausen, Fetsch und Co. konsterniert zu, wie eine Angriffswelle nach de anderen auf das Tor von Kai Eisele zurollt. Nach fünf Minuten steht Wiesbaden bei vier Ecken, in der siebten Minute tritt Moritz Kuhn den ersten Freistoß auf das Hallesche Tor. Die Mauer, so will es Schiedsrichter Florian Heft, muss noch ein Stück zurück. Und noch eins. Kuhn schießt. An Eisele vorbei ins Tor.

So sollte dieses Duell um den dritten Aspiranten auf einen Aufstiegsplatz in der dritten Liga aus Sicht der 8000 Zuschauer nun gar nicht laufen. Aber was folgt, ist der Beleg dafür, wer hier gerade einen Lauf hat: Nicht der HFC.

Die Weißen finden nach vorn gar nicht statt, sie wirken gehemmt, ja, gelähmt. Fetsch schießt in der 17. Minute dennoch den Ausgleich, quasi mit der ersten Offensivaktion der Gastgeber. Aber passend zum Verlauf bis dahin winkt Schiedsrichter Heft abseits. Und fünf Minuten später, die immer noch nicht der HFC auf dem Platz ist, der seinen Fans in dieser Saison schon so viel Freude gemacht hat, kommt Wiesbaden über die rechte Seite, Flanke, Abschluss, Tor, 0:2. So einfach ist das.

Der HFC wehrt sich kaum. Baxter Bahn und Lindenhahn, Jopek und Landgraf wirken überrascht und überfordert, Sebastian Mai ist in der ersten 30 Minuten der einzige Hallenser, der überhaupt einmal auf das Tor von Kolke im Wiesbadener Kasten schießt.

Es war, das ist nun manchem auf den Tribünen klar, kein Zufall, dass es beim HFC zuletzt nicht lief. Der Kantersieg gegen Uerdingen hatte Ziegners Männer um einiges besser aussehen lassen als sie sind - und die Wasserfiltertruppe aus Wehen zeigt das nun deutlich auf. Sechs Ecken liegen sie nach 30 Minuten vorn, neun nach 36. Wenn es eine Szenerie bräuchte, um „sieht keinen Stich“ zu illustrieren, dann wäre es diese.

Ein traurig verendender Kopfball von Marvin Ajani und ein Jopek-Schuss ist alles, was noch folgt. Dann ist Halbzeit und der HFC mit 0 zu 2 gut bedient.

Es liegt nicht am Schiedsrichter, dass auch mit Braydon Manu für Jopek erstmal nicht viel besser wird. Zwar müht sich Heft nicht eben um eine unparteiische Spieleitung, aber darauf können die HFC-Spieler es letztlich nicht schieben, dass in de 55. trotz nun ausgeglichenem Spiel wieder Kai Eisele hinter sich greifen muss. Nach einer Flanke ist keiner bei einem Wiesbadener, der den Ball nur noch über die Linie drücken muss.

Komischerweise findet der HFC nun, wo alle Messen gesungen sind, zu seinem Spiel. Die Weißen drängen die Hessen zurück, nur eine Minute nach den knochenbrechenden 0:3 steht Moritz Heyer im dritten Spiel hintereinander nach einer Ecke richtig und trifft zum 1:3.

Jetzt läuft es bei Halle, jetzt sucht Wiesbaden sein Heil in Zeitspiel, Spielverzögern, Jammern und Reklamieren. Mit Erfolg. Obwohl der HFC jetzt überlegen ist, reicht es nicht zum Anschlusstreffer. Stattdessen laufen Fetsch und Sohm immer wieder ins Abseits, Manu verdribbelt sich und Ajani vergibt aus bester Position.Ein Kopfball von Mai markiert das Ende der offensiven Herrlichkeit, die die Begegnung kurzzeitig wirken lässt, als seit das 4:3-Wunder aus dem legendären Rostock-Spiel wiederholbar.

Ist es nicht. Was Wiesbaden zeigt, ist letztlich eine Machtdemonstration. Routiniert spielen die Hessen die Zeit herunter, auch der für Bahn eingewechselte Tiffert und Tuma, den Ziegner dann ach noch bringt, ändern nichts daran, dass hier zwei Mannschaften aufeinandergetroffen sind, die unterschiedliche Ansprüche und Möglichkeiten haben. 11 zu fünf Ecken, 15 zu null Abseitsstellungen und - der letzte Treffer fällt n der Nachspielzeit - 1:4 Tore lassen kaum Zweifel daran, dass das Aufstiegsrennen, in das der HFC unvermutet zu geraten schien, für diesmal schon wieder abgesagt ist.

Vielleicht auch besser so.

Zitate zur Zeit: Der Leser ist schuld

Es sind die Endabnehmer, vulgo Leser, die Leute wie Relotius erst möglich machen. Sie lechzen nach jener politischen Kolportage, mit der sie der Spiegel zuverlässig versorgt. Und zwar schon seit vielen Jahren.

Stücke über die ewig finsteren Machenschaften des Kapitals, über die Schweinereien der Konzerne, das furchtbare Waldsterben, die dräuende Klimakatastrophe (unvergessen: der Spiegel-Titel, auf welchem der Kölner Dom halb unter Wasser steht), die prügelnden Nazi-Sachsen, die sich sperrangelweit öffnende Schere zwischen Arm und Reich – all diese oft halbgaren, immer auf Tendenz gebürsteten Storys, die das Weltbild des Juste Milieu unterfüttern helfen.

Für seine Kernklientel ist der Spiegel Teil ihrer Identität. Eines guten, gerechten Lebens zwischen gepflegten Altbauwohnungen, höheren Beamtenbezügen und Regietheaterbesuchen. Sie wird nicht auf ein Organ verzichten, das ihr jede Woche liebgewonnene Vorurteile und Klischees bestätigt.

Wolfgang Röhl analysiert die Ursachen der Medienkrise

Terrorkampf: EU will alles wissen

Das Volk will es doch auch! Privatsphäre ist vielen einfach zu gefährlich.
Rechter Terror, russische Trolle, AfD-Bots, die gegen völkerrechtlich nicht bindende Abkommen kämpfen, die rechtlich gesehen keine sind - die Eu steht fünf Monate vor der großen Wahlschlacht um die Zukunft des Kontinents unter Druck, härter gegen Fake News, Wahlbeeinflussung und kryptografische Verschlüsselungsverfahren bei der Nachrichtenübermittlung vorzugehen. Zudem müssen Kryptowährungen besser überwacht werden, weil sie tagtäglich zur Finanzierung von Anschlägen dienen. Und die Mitgliedsstaaten müssen schnell eine Lösung finden, wie sie übergreifend auch dort auf Kommunikationsinhalte zugreifen können, wo noch keine Hintertüren für Fahnder eingebaut wurden.

Es war nicht der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg, der dem EU-Parlament Beine machte. Aber er lieferte im Nachhinein ein gutes Argument dafür, warum sich ein Parlament, in dem 751 Abgeordnete sitzen, die jeden Tagungstag im Parlament mit 313 Euro zusätzlich zu ihren Diäten von rund 8.000 Euro monatlich vergütet bekommen, sich in einer Plenarsitzung mit einem Thema beschäftigen, das sie nichts angeht. Sicherheit ist Sache der Mitgliedstaaten, ebenso der Kampf gegen den Terrorismus und Sicherheit der Datennetze und Dienste der Kommunikationsanbieter oder das Erheben von Steuern. Dennoch zogen sich die Europa-Abgeordneten das Thema auf den Tisch und sie beauftragten die EU-Kommission, ein Gesetz zu "erwägen", dass in der EU tätige Kommunikationsplattformen verpflichten soll, Behörden Einblick in verschlüsselte Nachrichten zu geben, die ihre Kunden unter dem Deckmantel von in der Verfassung verbrieften Grundrechten miteinander austauschen.

Eine Forderung, mit der die meistenteils vor der Abwahl stehenden Volksvertreter auf Forderungen von Sicherheitsbehörden reagieren, die Inhalte von Mails oder Messenger-Nachrichten nicht mehr einfach mitlesen können, seit immer mehr Anbieter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten. Geheimdienste fordern daher schon lange neue gesetzliche Möglichkeiten, um ihre illegale Praxis der Missachtung des Postgeheimnisses wie bisher fortsetzen zu können. Die Bundesregierung hatte mit der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) im vergangenen Jahr eigens eine Behörde gegründet, die mit einem Supercomputer zur Datenentschlüsselung das Kommunikationsgeheimnis aushebeln kann.

Datenverschlüsselung gilt in Kreisen des EU-Parlaments als Hilfsdienst für Terroristen und andere Feinde unserer Ordnung. Oft seien die Diensteanbieter "nicht gewillt" oder sogar nicht in der Lage, die verdächtige Kommunikation zu entschlüsseln. Daher solle Europol, so das stets auf eine Ausweitung der Macht der europäischen Institutionen zielende Kalkül der EU-Abgeordneten, sich auf Entschlüsselungsleistungen für alle Mitgliedsstaaten spezialisieren dürfen. Mit seiner Hilfe und ungebremst von - zum Beispiel - deutschen verfassungsrichtern könnten dann Staatsanwälte und Polizei überall in der EU auf Nachrichten auf WhatsApp und bei anderen Krypto-Messengern zugreifen.

Der Traum eines jeden Autoren von dystopischen Romanen. Auch die "Anonymität bestimmter Kryptowährungen" führt laut EU-Parlament nur dazu, dass diese "zunehmend für illegale Aktivitäten genutzt werden". Bitcoin & Co. würden verwendet, um Straftaten, Terrorismus und Geldwäsche durchzuführen, weshalb Europa in Gestalt der EU-Kommission künftig Möglichkeiten haben müsse, um Nutzer von elektronischen Geldbörsen, virtuellen Währungen und Prepaid-Karten, von Crowdfunding-Plattformen und von Online- und mobilen Zahlungssystemen überwachen zu können. Zu groß, so die Parlamentarier, sei die Gefahr des "Missbrauch von Crowdfunding in sozialen Medien für terroristische Zwecke".

Grundrechte, das war gestern, morgen wird schon ein Europa sein, das von Anti-Terror-Richtlinien, einem europaweiten Register für anerkannte „Hassprediger“ und Verordnungen geprägt wird, die die Ausbreitung von „terroristischen Inhalten“ im Internet verhindern, indem sie einen Generalverdacht postulieren, der die Meinungsfreiheit vorbeugend einschränkt. Wer meint, er sei zu Unrecht betroffen, kann sich ja beschweren.

Freitag, 22. März 2019

Es gibt kein Zurück

Diejenigen allerdings, die Fundamentalkritik am europäischen Integrationsprozess üben, weil sie ihn ablehnen, weil sie all die nicht mögen, die von außen kommen, die ihre Nachbarn nicht mögen, die eine exklusive Selbstverliebtheit haben, die muss man bekämpfen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht Fundamentalkritiker der europäischen Integration außerhalb der Gemeinde der zivilisierten Menschen

Klimastreiks: Die Kinder des Zorns


Sie streiken für ein "sicheres Klima", gegen Veränderungen, Erschütterungen, CO2 und tatenlose Politiker. Stolz verweisen die Organisatoren der großen Klima-Show auf ihre Erfolge: 1,4 Millionen Kinder machten beim ersten weltweiten #SchoolStrike4Climate mit, in 2083 Städten in 125 Ländern gingen Schüler und Studenten auf die Straße, allein in Deutschland waren es nach Angaben von Initiatorin Greta Thunberg rund 300.000.

Deutschland ist damit Vorbild, hier ist die Beteiligung an den Aktionen weltweit am größten. Nur: Groß ist sie nicht. Derzeit lernen an deutschen Schulen etwa 8,35 Millionen Schülerinnen und Schüler, nicht mitgezählt sind dabei Studentinnen wie Luisa Neubauer, die hierzulande als Gesicht der Schülerdemos berühmt wurde, obwohl sie schon lange keine Schülerin mehr ist. 300.000 von acht Millionen sind gerademal 3,6 Prozent. Und die 2083 Orte, in denen gestreikt wurde, wären imposant, beträfen sie Deutschland allein, das derzeit 2056 Städte zählt. Weltweit aber entsprechen die 2083 Städte einem Anteil von nur etwa 0,13 Prozent der rund 1,5 Millionen insgesamt existierenden Städten.

In 99.87 Prozent aller menschlichen Großsiedlungen findet #fridays4future nicht statt, selbst im am eifrigsten schulstreikenden Deutschland verzichten 96,4 Prozent der potentiellen Streikenden auf eine Teilnahme. Die 180 deutschen Städte, in denen gestreikt wurde, entsprechen knappen neun Prozent der möglichen Streikstädte.

"Wer nicht hüpft, der ist für Kohle", rufen die Kinder des Klima-Zorn unter dem begeisterten Applaus ehemals ernsthafter Magazine. wenn das stimmen sollte, dann hat die Kohle ihre größte Fankurve in den Schulen des Landes, wo entgegen dem medial verbreiteten Eindruck Behäbigkeit, Desinteresse oder Einsicht in die Notwendigkeit, für die nächste Mathearbeit zu lernen, 96 von 100 Schülerinnen und Schülern veranlassen, freitags im Klassenraum zu sitzen statt draußen vor der Tür mal eben kurz die Welt zu retten.

Zahlen, die gegen die These vom Aufstand einer ganzen Generation sprechen, weil sie das freitägliche Geschehen auf ein paar wenigen Straßen und Plätzen, in den Livetickern der "privatkapitalistischen Heuschrecken" (Elisabeth Wehling) und in der "Tagesschau" eher in die Kategorie der Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss Anfang der 80er Jahre sortiert als in die Tradition des studentischen Daueraufruhrs Ende der 60er Jahre.

Donnerstag, 21. März 2019

EU: Wer solche Freunde hat


Lebensfremd, abgehoben, bürgerfeindlich und eigentlich nur aller paar Jahre einmal daran interessiert, etwas von der eigenen Basis zu hören - das ist das Image der EU, die traditionell auch nie viel Wert darauf gelegt hat, nach außen hin als gefallsüchtig zu gelten. Hier und da mal ein Nobelpreis, gern auch ein wenig Flunkerei, um sich selbst noch bedeutender zu machen als man sich selbst ohnehin schon hält. Das reichte über Jahrzehnte, denn schräge Figuren wie Martin Schulz und Elmar Brok wussten tief in ihrem Inneren, dass es ihnen an der Fähigkeit gebrach, Menschen tatsächlich von sich zu begeistern.

Doch die Welt dreht sich weiter und auch die EU kann nicht mehr sein, wie sie immer war, ein kaltes Elitenprojekt, das seine Führungsfunktionen mit guten Freunden besetzt und dabei bereit ist, demokratische Regeln außer Kraft zu setzen. Und so fragt die EU nun über eine ihrer Vorfeldorganisationen kumpelig: "Was kann die EU tun, damit dein Vertrauen in sie steigt?" Die Union im Privatradiomodus, von Du zu Du, gerade noch rechtzeitig vor der EU-Wahl im Mai umgeschaltet auf Bürgernähe und Dialog. Steht es wirklich schon so schlimm um die Stimmung im Herzen der 24-sprachigen Verwaltung?

Doch nein, es ist nicht die EU selbst, die da auf die Bürgerinnen und Bürger zugeht. Sondern "Friends of Europe", eine Truppe engagierter Europafreunde, die aus tiefster innerer Überzeugung  Imagewerbung für die Brüsseler Großbehörde betreiben. Ein Liebesdienst, den die Truppe ehemaliger hochrangiger EU-Bediensteter sich vom europäischen Steuerzahler bezahlen lässt: Laut Transparenzregister der EU beträgt das Gesamtbudget der Lobbygruppe um ihren Gründer und heutigen "Generalsekretär" Giles Merritt rund 2,8 Millionen Euro, etwa eine Million davon spendiert die öffentliche Hand.

Dafür gibt es gut zurück: "Europäer vertrauen der EU mehr als ihren eigenen Regierungen", zitieren die Freunde Europas die Ergebnisse der sogenannten "Eurobarometer-Umfragen", die jeweils auf Wunsch und Rechnung der EU angefertigt werden. Dass das Vertrauen der Bürger in die EU höher ist als in ihre nationalen Regierungen und Parlamente, steht damit fest. So hätten, heißt es weiter, in der letzten Umfrage 42 Prozent der befragten Bürger angegeben, der EU „eher zu vertrauen“ als den in ihrem Heimatland Regierenden. "Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung, gar nicht mal schlecht, oder?", freuen sich die "Freunde".

Doch zufrieden sind sie nicht. Im Grunde bedeute das ja nur, dass die EU im Vergleich zu den nationalen Regierungen, "die sich momentan auf dem Tiefpunkt befinden" (FoE), besser abschneide. Und außerdem ist da immer noch die andere Hälfte der Bevölkerung, die angibt, der EU „eher nicht zu trauen“.

Also nun mal Butter bei die Fische: "Was kann die EU tun, damit das Vertrauen der Bürger in sie wieder steigt? Derzeit, so die offizielle Lesart, ist die "Zustimmung für die EU auf Rekordniveau" (EU), aber da geht doch noch was! Muss! Die "Friends of Europe" haben "Europaabgeordneten des gesamten politischen Spektrums diese Frage gestellt. Schau dir hier die Antworten der sieben verschiedenen Parteien zu dieser Frage an und stimme weiter unten ab, wem du bei dieser Frage deine Stimme geben würdest", heißt es da.

Allerdings ist Europa eben ein Kontinent ohne gemeinsame Öffentlichkeit. Deshalb sind die angeblichen sieben Abgeordneten hier eigentlich 14. Deutschland bekommt nämlich sieben Deutsche präsentiert.

Der Rest Europas sieben Nicht-Deutsche.

Neues von Trump: Der Miesling und die Meinungsfreiheit


Es war zuletzt ganz still geworden um den amerikanischen Präsidenten, stiller denn je seit der Wahl Donald Trumps ins Weiße Haus. Kaum noch ein deutsches Leitmedien pflegte die zwei Jahre mühsam und manchmal auch schon verzweifelt am Leben gehaltenen Träume von einer baldigen Amtsenthebung. Selbst die Russland-Ermittlungen, auf der so viele Hoffnungen geruht hatten, konnte nur noch ganz leise beigesetzt werden, ehe man Trumps demokratische Gegenspielerin Nancy Pelosi zitierte, deren Kapitulationserklärung als großmütiger Verzicht verkauft wurde. Trump sei es nicht wert, für ihn ein Amtsenthebungsverfahren anzustrengen, sagt die 78-Jährige, als sei die Einleitung eines solches Verfahren ihre leichteste Übung, auf die sie nur verzichte, weil ihr die Einheit des Landes wichtiger sei.

Natürlich hat Pelosi überhaupt keine Möglichkeit, diesen "Pfad", wie sie es nennt, zu beschreiten. Und natürlich wissen das am Grunde genommen auch all die eingeschworenen Feinde des Präsidenten, die seit zwei Jahren Hass gegen ihn schüren, wo immer sie können. Und selbst dort nicht davon ablassen, wo es sie Glaubwürdigkeit, Leser und schlussendlich die eigenen lukrativen Posten kostet.

Trumphass ist wie Waschzwang, er juckt und die Brinkbäumers, Doemens, Maas und Merkel müssen kratzen bis aufs Blut. Was immer Trump tut, es ist nicht gut. Und was immer er lässt, ist auch nicht besser. Man versucht das, was man für das Erfolgsrezept des Präsidenten hält, selbst nachzubauen: Gegner sollen durch "Lügen und die endlose Wiederholung falscher Behauptungen" (SZ) zermürbt werden.

Die FAZ liefert ein schönes Beispiel dafür, klein, aber fein, versteckt im Appendix einer Meldungsspalte in dem Teil ganz hinten, den noch nie ein Leser aufgeschlagen hat. "Trump will keine Redeverbote" sind die acht Zeilen aus der staatlichen Danachrichtenwerkstatt DPA überschrieben, die dann im als Nachricht verpackt eine neue Granatensauerei des "Hasspredigers" (Steinmeier) schildern. "Präsident Trump will die Universitäten in den Vereinigten Staaten mit einem Erlass dazu zwingen, Redefreiheit auf dem Campus zu gewährleisten", heißt es da, "Bundesförderung sollen nach einer Rede vom Samstag nur Universitäten bekommen, die das Recht auf freie Meinungsäußerung auf ihrem Campus garantieren."

Das wars, mehr kommt nicht, ein ganzes Jahr, nachdem Thomas Thiel in der FAZ beschrieben hat, wie der Drang nach Vielfalt und als gerecht begriffener Inklusion an vielen US-Unis dazu führt, dass freedom of speech "nicht mehr das höchste Gut" ist, wie die SZ schon vor zwei Jahren diagnostizierte. Wer ungenehme Ansichten äußert, wird von tobenden Mobs zum Schweigen gebracht: Wer Bücher schreibt, die einer gefühlten Mehrheit politisch engagierter Studenten Studierend*innen nicht passt, wird mit nahezu allen Mitteln daran gehindert, an Hochschulen aufzutreten. Im Land der Freien braucht es Mut, anders zu denken als andere. Fast wie in Deutschland, das keine Außengrenzen haben will, aber durchaus stolz ist auf seine "Grenzen des Sagbaren" (Deutschlandfunk).

Wenn Trump hier nun nachregelt, wäre das dann doch aber eine gute Sache, sollte man meinen? Selbstverständlich nicht. Wo dieser Präsident sich für ein Grundrecht stark macht, steckt immer ein perfider Plan dahinter. Das war bei seinem versuchten Friedensschluss mit Mordkorea so, bei seiner Mahnung an die Nato-Partner, die müssten ihre Rüstungsanstrengungen erhöhen, und bei seiner Anerkennung Jerusalems als israelischer Hauptstadt, die nach Auffassung der europäischen Spitzenpolitik den ganzen Nahen Osten explodieren lassen sollte.

Es kommt dann immer anders, aber dann redet man eben nicht darüber. Der Zeitungsleser hat kein Archiv, er vergisst zum Glück so schnell, dass ihm der permanente Themenschwund in deutsche Leitmedien kaum auffällt.  Nun, wo Trumps miese Manöver mit der Meinungsfreiheit im Kleingedruckten abgehandelt sind, kann die Karawane weiterziehen. Hat Trump nicht "jetzt auch noch ein Boeing-Problem?" Während Maschinen vom Typ 737 Max 8 weltweit am Boden bleiben müssen, dürfen sie in den USA weiter fliegen, bastel das frühere Nachrichtenmagazin "Spiegel" an einer Verschwörungstheorie, nac hd er der gewissenlose Präsident lieber hunderte und tausende Menschenleben gefährdet, als einem amerikanischen Vorzeigekonzern an die Profite zu gehen. Als die Ente platzt, ist das im "Spiegel" keine Meldung wert.

Aber über Trumps Erlass zur Sicherung der Redefreiheit hat das Hamburger Blatt ja schließlich auch nicht berichtet, nicht mal mit acht rätselhaften Agenturzeilen wie die FAZ.

Mittwoch, 20. März 2019

Rauchpflicht soll den Feinstaubtod stoppen


Dass Rauchen viel gesünder ist als bisher gedacht, war erst vor kurzem durch neue Experimente und vergleichende Studien bekannt geworden. Doch nun der neue Wissenschaftshammer: Luftverschmutzung in Städten, Dörfern und Gemeinden führt laut einer neuen Studie sogar zu mehr Todesopfern als das Rauchen – das damit, soweit legen sich die Forscher bereits fest, Menschen in am schwersten betroffenen Gegenden sogar helfen kann, länger gesund zu bleiben.

Die neuen Erkenntnisse kommen von einem Team um zwei Mainzer Wissenschaftler, denen erstmals exakte Berechnungen dazu gelungen sind, um wie viel Grade Luftverschmutzung durch Verkehrsabgase tatsächlich deutlich schädlicher als bisher angenommen ist. Unter Zuhilfenahme von UN-Studien, Broschüren der Bundeszentrale für politische Bildungen und Statistiken von Lungenärzten sterben demnach weltweit 8,8 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen von schmutziger Luft - vor allem durch Feinstaub. Die Zahl der Todesfälle durchs Rauchen - inklusive Passivrauchen durch laxe Nichtrauchergesetze in mehreren deutschen Bundesländern- schätzt die Weltgesundheitsorganisation hingegen auf nur ganze 7,2 Millionen.

Rauchen ist damit gesünder als nicht zu rauchen, denn nach der Modellrechnung aus Mainz verlieren Menschen in Europa im Durchschnitt zwei Jahre Lebenszeit durch Feinstaub - wobei Deutschland natürlich weitaus stärker belastet ist als etwa Frankreich oder Italien, weil Deutsche stets überdurchschnittlich häufig und im Durchschnitt weitaus stärker von Naturkatastrophen wie der in Fukushima getroffen werden. Wichtige Quellen für die feinen Partikel in der Außenluft sind neben Industrie und Verkehr auch Landwirtschaft und private Holzöfen. Feinstaub führt durchs Einatmen auf Dauer zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn nicht - wie beim Rauchen üblich - gezielt durch einen Filter eingeatmet wird.

Die Forscher fordern deshalb nicht nur, dass die Grenzwerte für Feinstaub verschärft werden, weil sie in der EU laxer sind als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Sondern auch, dass eine EU-weite Rauchpflicht für Menschen erlassen wird, die durch ein Leben an vielbefahrenen Großstadtstraßen besonders exponiert für die Gefahren durch Feinstaub, Stickoxide und Dieselabgase sind.


Gendergerecht: Warum die Menschin nicht existieren darf


Der Widerstand gegen die gendersensible Sprache ist ermüdend und falsch. Sie ist eine Bereicherung für die deutsche Sprache und wirkt gerechtigkeitsschaffend in alle Richtungen. Es ist die Leichte Sprache, von der jeder träumt, eine Möglichkeit, Ungleiches gleichzumachen.


Doch keine öffentliche Diskussion außer dieser, der um das Weltklima, um Völkerrecht und Digitalisierung scheint mit so wenig wissenschaftlichen Argumenten auszukommen wie die über unsere Sprache. Nur weil jeder spricht, will jeder mitreden. Dadurch tummeln sich hier Hunderttausende selbsternannter Fachleute, sogenannte Sprachexperten, ja sogar hauptberufliche Sprachpäpste, die ihre Befindlichkeiten und Laienansichten zu linguistischen Tatsachen erheben. So auch der aktuelle „Aufruf zum Widerstand“ gegen eine gendersensible Sprache, der nur Behauptungen aufstellt, die sich seit Jahrzehnten widerholen.

Obwohl die die feministische Linguistik sich vor allem  auf das Deutsche konzentrieren muss, weil Chinesisch, Persisch, Türkisch, Japanisch und selbst das Englische keine oder nur eingeschränkte Möglichkieten kennen, aus den normalen Sprachformen zu gendergerechten grammatischen Geschlechtern zu finden, gibt es kaum Fortschritte.

Von wegen "Generalirrtum"


Zu groß ist der Widerstand der Ewiggestrigen, zu stoisch ihr Beharren auf vermeintlich sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen. Die absurdeste aller ihrer Behauptungen nennt sich „Generalirrtum“: Hier wird der enge, jahrhundertealte Bezug zwischen grammatischem (Genus) und sogenanntem natürlichen Geschlecht weggezaubert. „Das Pferd“ bezeichne folglich ebensogut eine Stute, „die Person“ auch einen Mann, „das Kind“ könne Junge oder Mädchen sein.

Dabei besteht beim Genus von Personenbezeichnungen keine größere Regularität als der Verweis auf das Geschlecht, dies gilt für fast 100 Prozent dieser Wörter. Das Mädchen zeigt zum Beispiel, dass es weiblich ist, denn später wird es die Verkäuferin, die Sekretärin oder die Bundeskanzlerin. Der Tisch hingegen bleibt männlich, er ist allerdings aus das Holz gemacht, das der Baum gespendet hat, so dass die Leiste an die Tischplatte genagelt werden kann.

Prinzip Cola


Das Prinzip ist klar und überall werden diesem Prinzip so selbstverständlich alle Dinge untergeordnet, dass es nicht einmal auffällt, dass die Flasche in dem (der) Kasten steckt, aber die Cola herausfließt, egal, ob die Frau oder der Mann trinkt. Niemand in der Linguistik hat jemals behauptet, dass der Frosch ein Männchen sein müsse und die Schnake ein Weibchen, aber es wäre natürlich sicherer, würde man von Frösch*innen und Schnak*innen sprechen.



Das aber negiert der fragwürdige „Aufruf“, der von Löwen, Pferden und Giraffen schwadroniert, um den so zuverlässigen Verweis von Genus auf Geschlecht wegzuwischen und mit abartigen Argumenten zu widerlegen. Wieso es das Weib heißt? Oder der Schüler zu die Schüler wird, wenn er mit anderen zusammenkommt? Wieso die Tunte weiblich ist, der Lustknabe aber männlich? Die Scheiße, aber der Harn? Aber der kleine Scheißer? Und das Scheißhaus?

Neuordnung ist nötig


Bei genauerem Hinsehen bestätigt jedes einzelne Beispiel besonders drastisch, wie notwendig eine Neuordnung der deutschen Sprache nach gendergerechten Vorgaben ist. Denn mit der grammatischen „Fehleinordnung“ wird gesellschaftliches „Fehlverhalten“ sanktioniert: die Memme stellt Männer aus, die ihrer Geschlechtsrolle nicht nachkommen, die Tunte solche, die nach überkommener Meinung das „falsche Geschlecht“ begehren, der Hügel hat es nicht zu das Gebirge geschafft, das Rinnsal ist nicht der Strom und die Pfütze kein der See.

Worte, die sich nach derzeitigen Vorschriften wie Frauen verhalten und deshalb – wie zum Beispiel im Fußball „die Sturmspitze“ - ins Femininum verbannt wird.



Diese Tatsache berichtet uns viel darüber, was Geschlecht eigentlich ausmacht beziehungsweise ausgemacht hat, und genau hier wird es eigentlich interessant: Ge-Schlecht heißt es, weil die zwar aus Tarnungsgründen weiblich angesprochene, aber männlich dominierte Sprache versucht, Frauen allenfalls - wie bei das Mannweib oder das Skiass – ein Neutrum zuzugestehen. Ihnen aber nie das längst verdiente Maskulinum gönnt, da es das Genus für die hierarchisch höherstehende männliche Geschlechtsklasse ist.


Die Menschin existiert nicht


Nur das das, eine Art Ausverkaufspreisschild, klebt an Geschöpfe, ohne die menschliches Leben nicht einmal denkbar wäre. Wie Babys, Tiere und Objekte sind Frauen „das“ oder „die“, niemals aber der Mensch. Für sie gibt es, was das betrifft, nicht einmal eine menschliche Endung: Menschin existiert nicht. Ganz im Gegensatz zu Versagerin.

So nimmt es nicht wunder, dass maskuline Berufs- und Rollenbezeichnungen mehrheitlich männlich verstanden werden, während feminine für weibliche Betätigungen stehen. Über ein Dutzend wissenschaftlicher Experimente wurde nachgewiesen, dass allein aus der häufigeren Verwendung von Worten wie Ingenieurin, Forscherin und Schlosserin ein größeres Bedürfnis von Frauen entsteht, eben dieses zu werden. Sprache schafft Wirklichkeit.

Für das Sprechen und Schreiben folgt daraus, dass das sogenannte generische Maskulinum vor allem im Singular zu vermeiden ist, wenn man beide Geschlechter bezeichnen muss, weil eines Tages durch den veränderten Sprachgebrauch beide Geschlechter gleichermaßen als Klempner, Straßenbauarbeiter, Herrenhandballer und Glasermeister*innen werden arbeiten können. feministisch neubegründet, wird die deutsche Sprache signalhaft für alle Welt zeigen, dass wir den engen, jahrhundertealten Bezug zwischen grammatischem und natürlichen Geschlecht mutig hinter uns gelassen haben.




Dienstag, 19. März 2019

Faktencheck: Der Bock im Facebook-Garten

Es ist die Nachrichtenfabrik, die alle deutschen Zeitungen, Magazine, Webseiten und Fernsehsender beliefert. Im Gemeinschaftseigentum der deutschen Verlage befindlich, ist die Deutsche Presse-Agentur (Eigenschreibweise, abgekürzt DPA) nicht nur Quelle von mehr als der Hälfte aller Inhalte, die deutsche Mediennutzer in ihren Zeitungen, im Radio, auf Onlineportalen oder im Fernsehen finden, sondern auch Quelle der meisten Falschmeldungen.

Ein unvergessener Klassiker ist die Meldung, dass die meisten EHEC-Toten "nicht mehr gesund" würden, bei anderer Gelegenheit behauptete DPA, Bin Laden in seinem Versteck und Beate Zschäpe im Untergrund besucht zu haben, auch beim Auftritt von Pussy Riot in einer Moskauer Kirche war angeblich ein DPA-Fotograf dabei, ebenso fotografierte einer den Freund der später mit Kanuverbot belegten Olympionikin Drygalla nach London, noch ehe bekannt war, dass die Rostockerin mit einem Nazi befreundet war.

Zeit, Welt, Spiegel und SZ, aber auch alle Provinzblätter, Nachmittagsprogramme und Nachrichtenmagazine übernehmen die Verlautbarungen der quasi regierungsamtlichen Bingoschule, die alles weiß, alles erklären kann und jeden Wochenanfang vorgibt, worüber Talkshow-Deutschland reden muss. Medieninsider wissen: Was von der Nachrichtenfabrik nicht getickert (alte Sprechweise) wird, existiert nicht.

Wie DPA Chruschtschow tötete


Was sie aber meldet, das wird von 457 Provinzblättern, 172 Magazinen, 48 TV-Stationen und xzig Nachrichtenportalen mit genau dem Spin und in der verquasten Wortwahl verbreitet, mit dem es die Schreibmaschinengewehre der 677 Redakteure verlässt: Am 13. April 1964 war der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow deshalb kurzzeitig tot, 2008 beim G8-Gipfel rief den Bürgerkrieg aus und 2012 führte die Berichterstattung über ein Ökonomengutachten zur Frage, ob DPA die Realität eigentlich nur ablehe, oder hält sie nur für nicht notwendig halte.

Nun tendiert die Welt seit einige Zeit straks dahin, Satire unmöglich zu machen, indem sie die Realität wie Satire erscheinen lässt. Und Tessa Lyons-Laing, die bei Facebook den Faktenkampf führt, war in den großen Tagen der Ehec-News, von G8 und dem heroischen Kampf der Nachrichtenfabrik gegen die Wirklichkeit noch bei McKinsey und LeanIn.Org, einem Netzwerk zum "Empowerment" von Frauen. Und konnte sich so nicht recht um Fakenews in Deutschland kümmern, die es damals offiziell auch noch gar nicht gab, auch wenn die DPA tat, was sie konnte.

Beides kommt nun wie füreinander gemacht zusammen, denn im Kampf gegen Fake News wird die Deutsche Presse Agentur zweiter deutscher Partner im Faktenprüferprogramm von Facebook.

Partnerschaft mit  Hurenenthüllern


Nun ist der erste "Faktenprüfer" das "Recherchenetzwerk" "Correktiv", dessen größter Rechercheerfolg es bisher war, einer AfD-Kandidatin für den nordrhein-westfälischen Landtag Hurerei und Sex gegen Geld nachgewiesen zu haben. „Spitzenfrau der Rechtspopulisten vermietete ihren Körper übers Internet“ hieß es da, faktenmäßig und moralisch so korrekt, dass dort heute keine Zeile mehr zu finden ist. Die Deutsche Presse-Agentur, im heißen Flüchtlingsseptember 2015 Lieferant der Meldung, dass die Fluggesellschaft Ryaniar künftig Flüchtlinge ohne Visum aus Griechenland in andere EU-Länder bringen werde, ist also in bester Gesellschaft: Beide Partner werden nun "ausgewählte Beiträge bei Facebook" mit dem Ziel prüfen, "die Verbreitung von Fake News einzudämmen und vor gefälschten Informationen zu warnen".



Correctiv arbeitet bereits seit 2017, dem Jahr der Bundestagswahl, weitgehend folgenlos und ohne jeden öffentlich wahrnehmbaren Erfolg für Facebook und wird inzwischen mit Beträgen in unbekannter Höhe dafür entlohnt. Nun stößt DPA dazu, mitten in der Medienkrise auf der Suche nach Nachrichtenabnehmern, die auch dann noch zahlen werden, wenn der letzte Baum gerodet, zu Papier verarbeitet, gedruckt und die fertigen Zeitungen von niemandem mehr gelesen worden sind.

Als "Partner des Prüferprogramms" steigt die Agentur, die gerade den neuen superduper-unabhängigen neuen "Medien-Service" "EUreWahl" mit "Informationspaketen zur Europawahl"  gestartet hat, kurz vor den Europawahlen ein, um, so heißt es offiziell, " die Verbreitung von Fake News im deutschsprachigen Raum zu reduzieren". Von Faktenprüfern angezweifelte Beiträge werden mit entsprechenden Hinweisen versehen und gelöscht an ihrer Stelle platziert DPA dann hilfreiche Mitteilungen wie "Wozu ist die EU nütze? Fünf Beispiele, die jeden etwas angehen" oder "Pulse of Europe" nimmt Spannungsbogen zur Europawahl auf".

Verification Officer im Scoopcamp


Dadurch die Anzahl der Aufrufe falscher oder gefährlicher Inhalte im Durchschnitt um mehr als 80 Prozent verringert werden, heißt es bei Facebook. Tessa Lyons, spätgeborener “Head of News Feed Integrity” bei Facebook, lobt schon vorab: "Gerade im Kontext von Wahlen ist die Integrität von Informationen von größter Bedeutung. Deshalb freuen wir uns sehr, dass die dpa unserem Programm vor der anstehenden Wahl zum Europäischen Parlament im Mai als zweiter unabhängiger Faktenprüfer für den deutschsprachigen Raum beitritt."

DPA-Chef Peter Kropsch, der als Werbetexter, Pressesprecher und Public-Relationsmann arbeitet, ehe er für vier schmale Jahre als Redakteur bei einem Wirtschaftsinformationsdienst anheuerte, hat das dankeschön prompt erwidert. Er hält die DPA für einen geeigneten Partner für Facebook, vond er Politik stets als größte Fakeschleuder kritisiert. Sein Haus habe in den letzten Jahren "viel in den Bereich Fact Checking investiert", man besitze jetzt einen "Verification Officer" samt Team, um den herum sogar "neue Berufsbilder im dpa-Newsroom" entstanden seien.
War Journalismus früher Recherche und Schreiben, ist er jetzt "Fact Checking" und "Verification" mit "Innovation" und "Scoopcamp". 

Bankenfusion: Ein trauriges Ende als "nationaler Champion"

Eine deutsche Bank.
Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass jeder Deutsche beschloss, an der Börse zu spekulieren. Das Volk der Aktienverweigerer, traumatisiert immer noch Jahrhundertbetrug der Bundesregierung, als die Deutsche Telekom, die den Steuerzahlern gehörte, zu überhöhten Preisen noch einmal an die Steuerzahler verkauft hatte, machte Geld locker.

Mit 550 Euro pro Person stiegen die deutschen Steuerzahler bei der Commerzbank ein: Für 18 Milliarden Euro gab es 300 Millionen neue Aktien des neuen Instituts, das zu jener Zeit an der Börse nicht ganz eine Milliarde Euro wert wert war. Pro Kopf des Steuerbürgers waren das 33 Euro in bar, die restlichen 517 Euro bekam die VEB Bundescommerzbank als Bürgschaften überreicht. Dafür gehörte sie nun - vorübergehend, hieß es - zu einem Viertel den Steuerzahlern zu, denen die Bundesregierung versprach, sie würden ihr Geld zurückbekommen, sobald die Bank wieder Gewinne machte. 1,7 Milliarden hatte sie nicht zulange zuvor geschafft. Gelänge das wieder und dauerhaft, würde es tatsächlich nur 42 Jahre dauern, bis die dann noch lebenden Jüngeren unter den neuen Commerzbank-Investoren ihren Einsatz zurückerhalten hätten.

Ein Supergeschäft


Ein Supergeschäft, aber notwendig. Kurz zuvor erst hatte die Bundesregierung die Commerzbank veranlasst, die noch schwerer angeschlagene Dresdner Bank von der Allianz-Versicherung zu kaufen, die sie sich erst kurze Zeit davor zugelegt hatte. Dann kam die Finanzkrise, eine ausschließlich "amerikanische Krise" , wie der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) kundig feststellte. Und weil nun alle Landesbanken wackelten, mit denen der Staat als größter Spieler auf US-Schrottkredite gesetzt hatte, mussten auf einemal die vermögensbildenden Lebensversicherungen von 40 Millionen Deutschen gerettet werden, die mit der Allianz untergegangen wären, wäre die Hypo Real Estate untergegangen, was den Untergang der Dresdner Bank zur Folge gehabt hätte, wodurch die Allianz am Ende gewesen wäre.

Doch kippt der Versicherungskonzern, kippt die Stimmung, kippt die Regierung, kippt die Partei, kippt die EU. Europa in Gefahr! Der Steuerzahler spendierte also 50 Milliarden Euro in bar und 480 Milliarden Euro Bürgschaften, pro Kopf alles in allem rund 6500 Euro, um alles zu retten, was systemrelevant war, vor allem die staatlichen Banken, die unter unmittelbarer Aufsicht der großen Politik für sogenannte Kreditersatzgeschäften in verbriefte amerikanische Häuserschulden, in Anleihen auf die isländische Krone, in rätselhafte irische Steuerspar-Zweckgesellschaften und atemberaubend strukturierte Wertpapieren verpfändet hatten.

Zehn Jahre danach ist das Beben immer noch im Boden, es grummelt und grollt in den tiefen Tonlagen. Die Dresdner Bank ist verschwunden, die Commerzbank, die sie 2009 schlucken musste, ist heute weniger wert als die Dresdner Bank einst allein.

Ende der Herrlichkeit



Auch von Macht und Größe der Deutschen Bank ist nichts übriggeblieben: Als die Deutsche mal die Dresdner hatte übernehmen wollen, sollte am Ende der größte und mit 150 Milliarden Euro Marktkapitalisierung wertvollste Bankenkonzern der Welt entstehen. Inzwischen ist die Deutsche Bank ein Zwerg, der mit Ach und Krach noch ein Zehntel des Wertes der HSBC auf die Waage bringt. Das reicht in Europa zu Platz 19 auf der Rangliste der Größten. Im Weltmaßstab gesehen ist für die Deutsche, aber auch für deutsche Banken insgesamt kein Platz unter den Top 50.

Der neue Rettungsplan entstand im Kanzleramt, wo seit geraumer Zeit der nationalistische Traum von "nationalen Champions" (Peter Altmaier) geträumt wird. Große, zur Not auch volkseigene Konzerne sollen Stärke im Wettbewerb mit Asien und Amerika bringen und die deutsche Industrie vor feindlichen Übernahmen schützen, hat das Kabinett beschlossen. Die Fusion der letzten beiden halbwegs großen deutschen Privatbanken ist Teil dieses Planes.

Nationalismus mit "Champions"


SPD-Finanzminister Olaf Scholz treibt ihn voran, ohne je öffentlich erklärt zu haben, welchen Sinn außer dem der Herstellung vermeintlicher Größe eine Hochzeit der beiden schwer angeschlagenen Ex-Riesen haben könnte - abgesehen von der Aussicht auf ein paar tausend Arbeitsplätze, die wegfallen werden, hunderter Filialen, die zu schließen sind und die Leere in deutschen Innenstädten zu vergrößern versprechen, und einem Wettbewerb, der noch deutlicher zugunsten staatlicher Geldinstitute und Sparkassen verzerrt wird.

Allerdings: Gerade den Sparkassen ist Vater Staat aktuell etwas schuldig, müssen sie doch stolze 1,2 Milliarden Euro zur Rettung der der überwiegend staatlichen Nord LB beisteuern. Das sind zwar nur 25 Euro pro Sparkassenkunden, verglichen mit den großen Rettungsaktionen der Vergangenheit als "Peanuts" (Ackermann). Aber auch wenn sich alle Beteiligten mühen, zu erklären, dass das Geld irgendwo vom Himmel regnen werde und die Nord LB am Ende ganz allein bezahlen müsse, wird es doch am Ende anders kommen: Die Commerzbank hatte ihre erhaltenen Rettungsgelder auch in Form von Dividenden über den Finanzminister an die Steuerzahler zurückgeben sollen.

Von 33 Euro, die in die Bank flossen, wurden auf diese Weise in den zehn Jahren seitdem genau 20 Cent zurückgezahlt.

Montag, 18. März 2019

EU: Herzzerreißender Brexit-Brief einer Sechsjährigen


Sie ist erst sechs Jahre alt, folgt aber schon den Spuren der im Moment noch ungleich berühmteren Greta Thunberg aus Schweden: Die Vorschülerin Sophie aus Großbritannien hat mit einem herzzerreißenden Brief an den polnischen EU-Ratschef Donald Tusk ein neues Kapitel im Brexit-Poker eröffnet. "Ich weiß, wir Briten verlassen die EU. Aber ich denke, wir sollten Freunde bleiben", schreibt die Kleine in ihrem Brief mit krakeliger Schrift, die viel über das angekratzte Selbstbewusstsein der Briten aussagt.

Verunsichert sind sie, vor allem die Jungen. Verängstigt und in großer Furcht, dass es jenseits der Gemeinschaft der europäischen Völker, zu der derzeit immer hin 27 von insgesamt 51 Staaten gehören, keine Zukunft gibt. Nicht einmal die aufs allerschlimmste bedrohte in einer völlig zerstörten Umwelt.


Die kleine Sophie stammt aus London und sie ist eine glühende Anhängerin der Wertegemeinschaft EU, die Frieden schafft, freien Handel gewährleistet und ihre Außengrenzen gemeinsam schützt. Dass andere Briten das nicht mehr wollen, versteht sie nicht. Sophie bat Tusk deshalb um ein signiertes Foto für ihr "Europa-Buch", eine kleine Kladde, in der das Mädchen für seine Nachkommen Erinnerungen an die Zeit festhält, als Briten noch nicht daran gehindert waren, ihre Insel zu verlassen, als sie noch zu Essen hatten und alle möglichen Waren aus dem Ausland importieren durften.

Eine Ära, die nun untergeht – wenn Sophies Brief, der mit drei roten Aufklebern und einer Zeichnung von einem Einhorn endet, nicht noch für ein Umdenken bei den Austrittsfaschisten in der Tory-Partei sorgt. Donald Tusks jedenfalls hat die Hand ausgestreckt: "Wir werden immer Freunde bleiben, Sophie", versprach der Pole der kleinen Engländerin in einem Schreiben, das als eine der letzten Postsendungen vor dem sogenannten Lock Down der EU noch bis in die britische Hauptstadt transportiert werden soll.

Parité bei Patenten: Erfinderquote ins Grundgesetz

Hafsa Humaira aus Bretzenheim bei Mainz trägt einen Bikini-Badeanzug, den allerdings auch ein Mann erfunden hat.

Im August 1910 initiierte die Sozialistin Clara Zetkin den Internationalen Frauentag als Initiative für Gleichberechtigung, das Frauenwahlrecht sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Seitdem ist viel geschehen. Erst kam es neun Jahre später – am 19. Januar 1919 – zur ersten reichsweiten Wahl, bei der Frauen das aktive und passive Wahlrecht besaßen. Es war ein Kampf gegen alle Widerstände, der gewonnen worden war. Nur etwas mehr als 14 Jahre später kam Adolf Hitler an die Macht, gewählt auch durch Frauen, die fasziniert und begeistert waren von der Vorstellung einer „Volksgemeinschaft“ des „nationalen Sozialismus“, die „gerechte neue Gesellschaftsordnung" aufbaut.

Um Gerechtigkeit geht es auch  100 Jahre später wieder, denn der Traum der Frauen von gleicher Teilhabe ist noch lange nicht ausgeträumt. Zum heutigen "Equal Pay Day" wird denn auch die Forderung laut, aus der unvergessenen Geschichte des Kampfes um gleiche Rechte Lehren zu ziehen und den Frauen der Gegenwart die Chance zu geben, tradierte Rollenmuster aufzubrechen.

Denn nicht nur Entgeltgleichheit gegenüber ihren männlichen Kollegen und gleichberechtigter Zugriff auf Führungspositionen in der Arbeitswelt bleiben für viele Frauen bis heute unerreicht. Sondern auch andere Bereiche der Gesellschaft leiden immer noch unter der Dominanz tradierter weiblicher Rollenmuster in Familie, Gesellschaft und Wirtschaft. Frauen sind ungleich mehr von Gewalt und sexuellen Übergriffen betroffen. Frauen sind in Parlamenten, Freiwilligen Feuerwehren, im katholischen und muslimischen Priesteramt, bei Bundesliga-Schiedsrichtern und Dönerverkäufern.

Zudem, so prangert die Initiative Equal Pay Day (EPD) an, liegt die Quote weiblicher Patentanmelder in Deutschland bei nur knapp über sieben Prozent. Werden werden damit im Bereich des Erfinderwesens noch weitaus umfassender von geschlechtergerechter Behandlung ausgeschlossen als in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Fair ist, wenn Gleiches gleich bewertet wird – das gilt auch und vor allem für die Entwicklung neuer Patente, für durchschlagende Neuentwicklungen und kreativer Innovation. Unter dem Motto "Wertsache Weib" fordert EPD deshalb zum diesjährigen Equal Pay Day, dass die große Koalition eine Quote für weibliche Erfinder ins Grundgesetz schreibt: Wert und  Bewertung von männlicher und weiblicher Erfinderarbeit müssten endlich gleich sein, Gerechtigkeit ist nicht nur im Parlament, sondern auch beim Patent möglich, "wenn wir bei der Anmeldung von Geschmacksmustern und Patenten die jeweils an Mann und Frau angepasste Maßstäbe setzen", so die Initiatoren.

Einen entscheidenden Schlüssel auf dem Weg zu tatsächlicher Gleichberechtigung sehen die Verfechter einer Erfinderquote in der "Parité" genannten Vorschrift, dass Patentanmeldungen von Männern etwa durch Unternehmen oder Forschungseinrichtungen künftig nur noch erfolgen können, wenn eine gleiche Anzahl von Patentanmeldungen von Frauen vorgelegt wird. Dieses sogenannte Reißverschlussprinzip soll dazu führen, dass eine paritätische Anzahl an Patenten von Frauen angemeldet wird. Dadurch, davon sind auch SPD, Linke und Grüne bis hin zu Teilen der CDU überzeugt,  würden endlich Lebenswelt, Interessen, Erfahrungen, Sicht- und Denkweisen von Frauen gleichberechtigt dort einfließen, wo über Forschung und Markenschutz die Weichen für die technische und damit auch die gesellschaftliche Entwicklung gestellt werden.

Nach einer Grundgesetzänderung, für die eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundesparlament notwendig wäre, soll sich die Gesellschaft dann auch tatsächlich gleichberechtigt in der Geschlechterfrage entwickeln können. Das Land Brandenburg hatte mit dem Beschluss eines Parité-Gesetzes zuletzt vorgemacht, wohin die Reise in Fragen der Gleichberechtigung gehen muss: Nur Druck erzeugt Veränderung, nur Veränderung führt zu umfassender Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, die gerade erst um offiziell um ein drittes erweitert wurden.