Google+ PPQ: 2020

Freitag, 18. September 2020

Zitate zur Zeit: Gesetze als simuliertes Handeln

Überwachung Gesetze Bundesblogampelamt
Offline erlaubt, online verboten: Das Mitbringen von "Hass".

Der Gesetzestitel wankt einmal mehr im Nebel freier Assoziation, denn "Antisemitismus" ist zwar eine idiotische Gesinnung, aber als solcher nicht strafbar, und der Begriff "Hasskriminalität" meint gar nicht definierte Kriminalität aus Hass, sondern versucht, Hass-Äußerungen - oder was man dafür hält - als Kriminalität zu definieren. Straftaten, die "aus Hass" begangen werden, sind durchweg gar nicht Gegenstand des Gesetzentwurfs.

Wer aus Hass auf Polizisten Pflastersteine auf 22-jährige Menschen in Uniform wirft, ist kein "Hasskrimineller", sondern im Zweifel ein provozierter Moralist. Wer dagegen seinem Bürgermeister schreibt, dieser sei ein Idiot, begeht ein "Hassverbrechen".

Es ist also einmal mehr irgendwie kompliziert und unklar, wo man es auch einfach und klar hätte machen können. Aber alle denken, dass sie schon irgendwie wissen, was gemeint ist; und allein darauf kommt es bei Symbolgesetzen ja an.

Der frühere Bundesrichter Thomas Fischer sinniert über die vielschichte Bedeutung von Symbolgesetzen

Nachrichtenagentur DPA: Wenig regulierter Ort für wilde Theorien

Platz für Notizen: Je nach Bedarf und geltender Tageswahrheit können hier Forderungen der Demonstranten eingetragen werden.

Halb Wahrheitsagentur, halb Nachrichtenfabrik, halb Monopolist: Die im August 1949 gegründete Nachrichtenagentur DPA versorgt Deutschland zuverlässig mit täglich Tausenden von Nachrichten, die von ebenso vielen kleinen und großen Medienhäusern ungeprüft als reine unverfälschte Wahrheit weiterverbreitet werden.

Bei etwa 80 Prozent der von der Hamburger Firma verbreiteten Meldungen fungiert DPA nur als Transmissionsriemen, über den wörtlich übernommene  und zu Werbezwecken erstellte Pressemeldungen von Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern weiterverbreitet werden. Die wiederum können aufgrund des sogenannten Agenturprivilegs, einer besonderen Nichthaftungsregel im deutschen Presserecht, die es Journalisten erlaubt, Agenturmeldungen in der Presseberichterstattung zu übernehmen, ohne dass der Inhalt auf Richtigkeit überprüft werden muss, als "Nachrichten" übernommen werden.

Der Medienforscher Hans Achtelbuscher untersucht beim An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung seit Jahren, wie sich die Vereinheitlichung von Medienmeldungen auf die allgemeine Informationslage auswirkt. Als Experte für Phänomene für das Themensterben in  deutschen Medien und strengen Sprachregelungsmechanismen auf die berichterstattete Realität hat Achtelbuscher  eine "Einheit für einheitliche Empörung" (Emp) entwickelt, mit der die Haltbarkeit von Schwerpunktthemen gemessen werden kann.

Im PPQ-Interview erklärt der Entropologe und profunde Fakenews-Spezialist, was hinter der beinahe unregulierten Plattform steckt.

PPQ: Jede Menge Verschwörungsmythen zirkulieren gerade in der Welt, fast wie ein eigenes Virus. Was eben noch heftig als Fake News bekämpft wurde, kann morgen schon als neue Tageswahrheit ausgereicht werden, so dass Zweifel daran kaum noch möglich sind. Einer der Orte, an denen viele dieser wilden Theorien entstehen, ist das sogenannte Zentralbüro der Nachrichtenagentur DPA, das, so die Eigenbeschreibung, „unparteiisch und unabhängig von Einwirkungen und Einflüssen durch Parteien, Weltanschauungsgruppen, Wirtschafts- und Finanzgruppen und Regierungen“, mitteilenswerte Neuigkeiten in alle angeschlossenen Funk- und Druckhäuser verteilt. Herr Achtelbuscher, wie schätzen Sie Rolle und Bedeutung von DPA für das Informationsgefühl der Bürger ein?

Achtelbuscher: Gefühlt handelt es sich bei DPA um den Ursprung von fast allem, was wir wissen. Hier werden Nachrichten für alle produziert, umgeschrieben oder einfach weiterverteilt,  die sich selbst eine umfassende Nachrichtenproduktion und eigene Recherchen nicht mehr leisten wollen und das Angebot anderer Agenturen, die zumeist im Ausland sitzen, nicht umfassend genug finden.  DPA ist beliebt bei öffentlich-rechtlichen Sendern, bei privaten Radios und bei Tageszeitungen, aber auch bei Newsseiten aller Art, weil der Name für Glaubwürdigkeit steht.

PPQ: Aber für diese Plattform gelten anscheinend andere Regeln als für Medienhäuser, die noch selbst Nachrichten herstellen?

Achtelbuscher: Ja, die Deutsche Presse-Agentur GmbH ist die bei weitem größte Nachrichtenagentur der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Hamburg und einer Zentralredaktion in Berlin. Sie ist in etwa 100 Ländern der Welt vertreten und unterhält in Deutschland 13 Landesdienste mit den entsprechenden Büros. DPA beschäftigt etwa 1000 Angestellte und  Beschäftigte, deren Produktion als privilegiert gilt, so dass niemand in den Ausspielstationen die gelieferten Informationen noch einmal aufwendig überprüfen und nachrecherchieren muss.

DPA-Meldungen dürfen grundsätzlich ohne weitere Nachprüfung übernommen werden. DPA beliefert nahezu alle deutschen Medien, die bei der Übernahme beliebiger Meldungen stets von der Haftung für die Verbreitung von unwahren Tatsachenbehauptungen freigestellt sind. Das spart einerseits Arbeit, andererseits Ärger, denn wenn falsche Darstellungen einer übernommenen Agenturmeldung enthalten sind, haftet nicht der Endverbreiter, sondern der Lieferant. damit gehört DPA natürlich gerade in der Corona-Krise zu den großen Gewinnern.

PPQ: Wieso denn das?

Achtelbuscher: Die notwendig Einschränkung einer Grundrechte machte es einerseits schwerer, vor Ort eigene Nachrichten zu produzieren, andererseits steigt der Informationsbedarf in der dynamischen Pandemielage beträchtlich. DPA profitierte davon, weil die Agentur für ganz viele ihrer Nutzerinnen und Nutzer eine Art Heiligenstatus hat. Obwohl ein Großteil der übermittelten Nachrichten seinerseits aus Nachrichten besteht, die von kleineren Medienhäusern, Talkshow-Redaktionen oder Unternehmen als Pressemitteilungen eingereicht und von DPA ungeprüft weiterverbreitet werden, nehmen die Redaktionen draußen im Land dem Marktführer alles voller Vertrauen ab.

Agentur heißt, es wird schon stimmen, denn eine Alternative gibt es nicht. Man kann das nicht alles selbst machen, andere Agenturen wie Reuters oder AFP liefern nicht dasselbe. Und stärker regulierte Wettbewerber, die nicht einfach eine "Spiegel"-Vorabmeldung als Eigenrecherche aussenden, gibt es nicht.

PPQ: Wer steckt hinter dieser vielen Menschen ja weitgehend unbekannten Macht?

Achtelbuscher: Das ist interessant. Die 179 Gesellschafter von DPA sind ausschließlich Medienunternehmen wie Verlage und Rundfunkanstalten, also die Häuser, die auch Kunden bei DPA sind. Anteilseigner und Kunden der Agentur sind also größtenteils identisch. Es gibt damit niemanden, der direkt hinter dem Unternehmen steckt oder besser gesagt, es sind alle. Wenn DPA also zum Beispiel ein Gerichtsverfahren in eigener Sache verliert, dann muss der "unabhängige Dienstleister für multimediale Inhalte" (DPA-Eigenwerbung) nicht fürchten, dass eine Meldung darüber überall breitgetreten wird.

PPQ: Und wer sind die Leute, die für die Plattform arbeiten und mit welcher Zielrichtung tun sie das?

Achterbuscher: Alles richtet sich nach dem sogenannten DPA-Statut, das aber selbst auf der Internetseite der Firma nur schwer oder gar nicht zu finden ist. Wer genau aus welchen Beweggründen dort was verbreitet, ist ebenso schwer nachvollziehbar. Im "DPA-ID- Partnerprogramm" können beispielsweise externe Anbieter ihre Dienste auf dem Marktplatz der DPA anbieten. Automatisiert werden diese Angebote dann weiterverbreitet, ebenso automatisiert wie seinerzeit die exklusive Nachrichte, dass wohl viele Ehec-Tote nicht mehr gesund werden.

Der Vorteil ist, dass Meldungen in der Regel in einem gleichförmigen Textdesign  durch Land ziehen, andererseits, dass eine DPA-Meldung immer den Grundton der Berichterstattung festlegt. Kritisch oder tolerant-solidarisch, hier entscheidet sich bei den meisten Themen, was gelesen und geglaubt werden wird.

PPQ: Die Plattform sage von sich selber, dass sie unabhängig von Weltanschauungen, Wirtschaftsunternehmen oder Regierungen ist und nicht das Ziel habe, Profit zu erwirtschaften. Ist das nicht ideal?

Achtelbuscher: Es ist ein Ideal. Wir haben allerdings über Jahre hinweg DPA-Medlungen analysiert und festgestellt, dass etwa bei den DPA verbreiteten Fotos viele Fragen offen bleiben. Man sieht das oft, bemerkt es aber nicht: Doch geht es nach dem, was DPA als Quelle von Fotos angibt, saß beispielsweise ein Agenturfotograf bei den Terroristen der NSU auf dem Rücksitz im Auto, ein anderer war beim Skandalauftritt der russischen "Band" Pussy Riot in der Erlöser-Kathedrale dabei und ein dritter fotografierte den damaligen Terrorfürsten Bin Laden in seiner Felshöhle im afghanischen Bergland. Muss man da nicht vermuten, dass es eine besondere Nähe gibt?


PPQ: Ein weiterer Punkt, der zuweilen diskutiert wird, ist, dass DPA zahlreiche Fake News liefert, zugleich aber ein großer Player im Faktenchecker-Business ist. Wie geht das zusammen?

Achtelbuscher: Das eine bleibt vom anderen unberührt. Dadurch kann einerseits verbreitet werden, dass das eine richtig ist, andererseits besteht die Möglichkeit, auch das Gegenteil als gecheckten Fakt zu verbreiten. Die einzige Unterschiedsquelle dazwischen ist die Zeit, man wird also kaum erleben, dass zwei widersprüchliche Wahrheiten am selben Tag ausgeliefert werden. Praktiziert man das so, und DPA macht das sehr professionell, dann lässt sich dieser Effekt ganz gezielt nutzen, ohne dass Fragen gestellt werden.

PPQ: Die Tradition der DPA bei Fake News ist aber schon eine große und reiche?

Achtelbuscher: Oh ja. Die bekanntesten Beispiele waren die Nachricht vom Tod Chruschtschows am 13. April 1964 und ein frei erfundenes Zitat Kossygins zur Wiedervereinigung Deutschlands im Dezember 1966. Schon 1969 wurde der Agentur auch große Regierungsnähe und eine entsprechende Färbung der Berichterstattung vorgeworfen.

Öffentlich entschuldigen musste sich die Agentur, die wir in der Forschung auch die "Danachrichtenagentur" nennen, weil sich alle danach richten, unter anderem für Falschmeldungen über die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm (2007)[23] und über den damaligen Wirtschaftsminister zu Guttenberg (2009).[24] Im Einzelfall führte das zu neuen Regelungen über die Quellenangaben der verbreiteten Nachrichten, man stellte sich damit dann also frei von Vorwürfen, man habe Falschnachrichten verbreitet, indem man strenger darauf verwies, dass man sich diese Fake News nicht selbst ausgedacht hatte.

PPQ: Was können Medienkonsumenten tun, um der gewaltigen Marktmacht der DPA auszuweichen?

Achtelbuscher: Das ist schwierig, wenn nicht fast unmöglich, Man könnte sagen, Vorsicht, wenn das Kürzel irgendwo auftaucht, das heißt eben nicht, dass alles stimmt, was dort steht.  Aber das Kürzel taucht nicht einmal überall dort auf, wo DPA drin steckt, denn gelegentlich fantasieren Medienhäuser auf der Basis von DPA-Meldungen auch einfach eigene Nachrichten zusammen.

Medienkonsumenten müssen sich diese Entwicklung eben stets bewusst sein und lieber einmal weniger etwas glauben. Man muss diese Plattform kennen und verstehen, aber wer diese Probleme wirklich ursächlich angehen will, der hat, fürchte ich, noch viel mehr zu tun, als sich nur mit dieser Verbreitungstechnik auseinanderzusetzen. Da geht es dann um Präventions- und Bildungsarbeit. Und gerade wenn wir über Verschwörungstheorien reden, auch ganz stark darum, dass die Gesellschaft wissen muss, dass DPA eben auch bei Facebook als Gatekeeper arbeitet, sondern die Falschmeldungen, die in dieser Funktion enttarnt werden, zuweilen aus dem eigenen Haus stammen.

Donnerstag, 17. September 2020

Weswegen warum, weshalb wieso?


Wozu diese Fragen? Weshalb eine Antwort? Warum aber keine? Weswegen sollte es wichtig sein? Wieso aber nicht? Nach Grimms Wörterbuch kommt weswegen vom inzwischen ausgestorbenen "weshalben", das sich von  "wessen halber", also von "von wessen Seite her" ableitete.

Unsinnigerweise, denn die Präposition "halber" bedeutet eigentlich auch schon "wegen" und ist mit "halb" zumindest halb verwandt. Schon das althochdeutsche "halba" bedeutete "Hälfte, Seite" und daraus machten Menschen früher das Wort meinethalben, das als "von meiner Seite her" zu verstehen war. Verwendet wird es heute nur noch von älteren weißen Männern, die zuweilen auch mit "weswegen" nach dem sichtbaren äußeren Gegenstand fragen, der etwas hervorruft, "unter dem ein Mensch leidet" (Grimm)

Gebräuchlich ist mittlerweile aber nur noch das Warum, die direkte Frage nach dem Beweggrund, der nicht sichtbar ist, der verursachenden Kraft. Weswegen warum? Und weshalb nicht wieso? Nun, die Gegenwartsgesellschaft kommt mit oft mit der einfachsten weil-Antwort aus: Der Löffel ist krumm. Warum? Darum! Wieso dagegen fragt gezielt danach, wie kommt es so kommt, wie es der Frager beobachtet hat, weshalb der Löffel Löffelform hat und weswegen nicht die einer Blumenschale.

Eine fast schon wissenschaftliche Fragestellung nach dem Erklärungsgrundsatz, dem Auslöser einer Ursache-Wirkung-Beziehung, das auf einem Naturgesetz beruhen muss, einer Regel, der die Beobachtung gehorchen muss, weil sie nichts anderes beobachten kann, als was passiert. Warum betrieb früher, im Althochdeutschen, als wār umbe und später im Mittelhochdeutschen als warumbe gleichermaßen wie das lautmalerisch ähnliuche worum Ursachenforschung:  Warum ist der populäre Bruder von weshalb.

Wozu dagegen, von Grundschülern kaum noch verwendet, ist zweckgerichtet: Das, was geschieht, hat eine Ursache, aber eben auch ein Ziel - wozu will den erfahren, nicht aber seinen Grund, während warum und weswegen genau diesen wissen wollen. Offiziell wird selbst in weiterbildenden Schulen meist jeder Unterschied zwischen den so gleichen und zugleich so unterschiedlichen Fragewörtern "wieso", "weshalb", "weswegen" und "warum" geleugnet. Die vier Kausalfrageadverbien - nicht betroffen sind wann, wo, wer, wer, wie und nur zum Teil was - gelten als Synonyme, die keinerlei semantischen Unterschiede aufweisen.

Warum als Frage nach dem Grund oder dem Motiv, wieso als Frage nach der Ursache und weshalb wie weswegen als Fragen nach dem Zweck werden als Vokabeln exakt gleicher Bedeutung anerkannt, obgleich weshalb und weswegen Dinge zu tun imstande sind, die warum und wieso nicht vollbringen können: Ein Satz wie "Wir waren dann früher fertig geworden, weshalb wir schon gegangen sind" lässt sich mit warum oder wieso einfach nicht bilden.

Bundespasswortherausgabestelle: Nie mehr neue Passworte


Die Herausgabe von sicheren Passworten an die Bevölkerung hatte die eigens dafür gegründete Bundespasswortvergabestelle (BPVS) bereits im vergangenen Jahr übernommen. Jetzt wird die Bundespasswortsicherheit weiter erhöht: Eine neue Bundespasswortherausgabestelle (BPHS) fungiert künftig als Treuhänder zwischen Klarnameninhabern und Fahndungsbehörden.

Jahrelang hatte die staatliche Passwortbehörde BSI gefordert, Internetnutzer sollten ihre Passworte „regelmäßig ändern". Das sei zwar mühsam, aber sicherer, weil es wirksam verhindere, dass Hacker und russische Trolls sich in deutsche Accounts einschleichen und Waren bestellen oder Schicksalswahlen manipulieren können. Jetzt aber steuert das Bundessicherheitsamt um: Eine regelmäßige Änderung von Passworten sei kein sinnvoller Ratschlag, sondern vielmehr gefährlich, heißt es in der 2020er-Ausgabe des BSI-Grundschutz-Kompendiums im Kapitel zur Regelung des Passwortgebrauchs (ORP.4.A8).

Neues Passwortherausgabegesetz


Hintergrund des Richtungswechsels dürfte das neue Passwortherausgabegesetz sein, das Bundesjustizministerin Christine Lambrecht plant. Das regelt künftig abschließend, welche Zu – und Durchgriffsrechte deutschen Sicherheitsbehörden vom MAD über den Verfassungsschutz bis zu den kommunalen Ordnungsämtern auf Postfächer und Netzwerkaccounts gewährt werden muss. Die Bundespasswortherausgabestelle (BPHS) wird danach als zwischengeschaltete Mittelinstanz darüber wachen, dass als sogenannte Hashs gespeicherte Passworte in den Bundespasswortdatenbanken im Klartext hinterlegt werden. Eine Empfehlung, Passworte regelmäßig zu ändern, so heißt es im politischen Berlin, mache damit keinen Sinn mehr.


Lediglich für den Fall, dass ein Passwort in fremde Hände geraten sein könnte, muss man sein Passwort gemäß BSI-Richtlinien noch ändern. Auch die dort bisher aufgeführte Verpflichtung, feste Regeln für Länge und Komplexität vorzuschreiben, ist verschwunden. Damit soll der Aufwand für die BPHS minimiert werden, die so eingelagerten und gespeicherten Passworte nicht fortlaufend aktualisieren muss, wenn Bürgerinnen und Bürger (im Gesetz "Klarnameninhaber" oder KNI) beschließen, ihre Passworte aus falschverstandenen Sicherheitserwägungen zu erneuern.

 Nur berechtigte Behörden haben Zugriff



Bereits seit Jahren kristallisiert sich in Sicherheitskreisen der Geheimdienste ein Konsens heraus, dass solche Regeln eher schaden als nützen, weil ein gutes Passwort, ist es erst einmal sicher und nur für berechtigte Behörden einsehbar bei der Bundespasswortherausgabestelle hinterlegt, bedenkenlos über Jahre und Jahrzehnte hinweg genutzt werden kann.

Das regelmäßige Ändern führt aller Erfahrung nach eher dazu, dass im Falle einer Herausgabeforderung  berechtigter Behörden falsche Passwörter geliefert und Ermittlungen behindert werden. Deshalb soll die bisher propagierte Verpflichtung zum regelmäßigen Passwortwechsel ersetzt werden durch ein Bundespasswortwechselverbot (BPWV). Auch der "Ändere dein Passwort"-Tag der Bundeszentrale für Passwortsicherheit fällt damit weg.

Die US-amerikanische Standardisierungsbehörde NIST, die das regelmäßige Passwortwechseln ursprünglich festgeschrieben hatte, nahm bereits 2017 von derartigen Regeln Abstand, das britische Pendant CESG sogar schon 2016.Deutschland zieht hier nun nach - im Dienst der Sicherheit aller.

Mittwoch, 16. September 2020

Die Hoffnung stirbt zuletzt


Quelle: Bild-Zeitung vom 23.02.2007

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wasserstoff: Der lange Traum vom Öko-Sprit


Knapp anderthalb Jahrzehnte nach dem Start der nationalen Wasserstoff-Strategie hat die Bundeskanzlerin jetzt eine nationale Wasserstoff-Strategie angekündigt.
Es war im Jahre 2006 und Angela Merkel war noch kein Jahr im Amt, als die Bundesregierung Pflöcke einschlug, dass die Erde bebte. Mit der "NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie" gründete die Bundesregierung eine bundeseigene Gesellschaft, die den erst Jahre später verkündeten Energieausstieg vorbereiten sollte. Der Bund machte darum nicht viel Tamtam, kleine Firmengründung, bisschen Stammkapital, ein Firmensitz in der feinen Berliner Fasananstraße. Fertig. Zwei Geschäftsführer wurden eingestellt, gute Leute, die gut bezahlt werden müssen. Seitdem läuft das Geschäft wie am Schnürchen.

300.000 Euro Gehalt


Jahr für Jahr kassieren  die beiden Firmenchefs zusammen um die 300.000 Euro Gehalt, aber dafür leisten sie auch einiges. Bis heute konnte die NOW GmbH Millionen und Abermillionen "echte Zuschüsse bzw. Einnahmen aus Zuwendungen sowie Mittelzuweisungen" für "Ziele im Bereich Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie"ausgeben, wie es im Bundesbeteiligungsbericht heißt.

Die Öffentlichkeit nahm davon nie Kenntnis, denn NOW arbeitete über Jahre weitgehend im Verborgenen. Gerademal als einer der beiden erfolgreichen Geschäftsführer aus seinem halben in ein volles Staatsamt aufrückte, machte das Schlagzeilen in der Fachpresse.

Fast 15 Jahre lang feilte und schliff die Nationale Wasserstoffinitiative so am Treibstoff der Zukunft. Jahre, in denen Elon Musk Tesla gründete, Jahre, in denen die deutsche Automobilindustrie ihre Rolle als Technologievorreiter verlor. Der Erfolg war so groß, dass sich NOW zuletzt fast vollständig darauf konzentrierte, statt der Wasserstofftechnologie Elektrotankstellen zu fördern und die Anschaffung von Elektroautos zu finanzieren. Wasserstoff? Die Idee von Brennstoffzellen-Hausheizungen oder einer bundesweiten Infrastruktur zum Wasserstofftanken war irgendwo unterwegs verloren gegangen. Die Schweden betrieben das. Aber wir doch nicht.Der ursprüngliche Geschäftszweck "Wirtschaftsförderung im Rahmen der Koordination und Umsetzung des „Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ der Bundesre-gierung, kurz NIP" wandelte sich auch offiziell. Zum Schwerpunkt wurde nun  "die Gestaltung, Koordination und Umsetzung nationaler Strategien und öffentlich-privater Programme im Technologiefeld nachhaltige Antriebe".

Aber Hauptsache, NOW lebt weiter, auch wenn das Jetzt eher Prozesscharakter angenommen hat. Mehr als fünf Millionen Euro hat die Bundesregierung bis heute allein an Vorstandsgehältern für die beiden Firmenchefs gezahlt, die Zahl der Mitarbeiter ist auf 30 gewachsen, die Personalkosten stiegen dadurch allein im letzten Jahr um 35 Prozent. Der gute Zweck heiligt die Mittel, wenn er auch nicht mehr der ursprünglich anvisierte ist. Alles kann und alles wird sich wieder ändern, das ist sicher.

Und wie. Mitten in Corona und EU-Energieausstieg verkündete Angela Merkel, bis zum Jahresende eine "Wasserstoff-Strategie" (Merkel) vorlegen zu wollen. Denn Wasserstoff sei, so die Kanzlerin, der "vielleicht interessanteste Energieträger". Das vor 15 Jahren geborene „Nationale Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“, kurz NIP, scheint Angela Merkel ebenso gründlich vergessen zu haben wie die Existenz der seinerzeit eigens dafür gegründeten NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Die Bundesregierung wird nun ein neues NOW gründen für eine neue NIP.

Dienstag, 15. September 2020

"Abwandlungen eines Raunens": Lustig war das Zigeunerleben

Das N-Wort signalisiert Sprachkundigen: Una negra dura el doble que una corchea.

"Lustig ist das Zigeunerleben, faria, fariaho, brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben, faria, fariaho.
Lustig ist's im grünen Wald, wo des Zigeuners Aufenthalt, faria, faria, faria, faria, Faria, fariaho", so sang Mara Kayser einst in ihrem sinti- und romafeindlichen Machwerk "Lustig ist das Zigeunerleben", einem Dauerbrenner bis heute, den sich Youtube störrisch zu löschen weigert, obwohl er Klischees aneinanderreiht wie zehn Regalmeter Knorr's Zigeunersoße.

Korrekturbedarf im Brockhaus


Ein Skandal, der bisher unaufgedeckt geblieben ist, obwohl die woke Zivilgesellschaft zumindest so lange auf die Suche nach rassistischem Verpackungsverdachtsfällen ging, wie die Kraft reichte. Die "Zigeunersauce" erwischte es. Neben Knorr kündigten auch Rewe, Kühne, Homann und Werder an, die traditionelle Bezeichnung von ihren Verpackungen zu entfernen. Künftig heiße das laut großem Brockhaus "Kochkunst" aus "Garnitur à la zingara" übersetzte Gericht "Paprikasauce Ungarische Art" also "Hungarian condimentum style paprika". Der Brockhaus muss dringend korrigiert werden.

Nur ein Anfang, wenn auch ein vielversprechender. Nick Cave etwa, der australische Dunkelmann, der eben noch störrisch jedes Ansinnen zurückgewiesen hatte, Wirklichkeit nachträglich zu begradigen, hat sich jetzt bereiterklärt, alte, heute als problematisch empfundene Liedtexte zu ändern. Die Zeile "ein Schwuler in einem Walknochenkorsett drückt seinen Schwanz in meinen Nacken", die Cave 1992 in "Papa Won’t Leave You, Henry" voll jugendlichem Leichtsinn sang, geht heute nicht mehr.

Aber "Lustig ist das Zigeunerleben"? Und "The Night They Drove Old Dixie Down"? Was ist mit "Black Boys on Mopeds"? "A Woman is the Nigger of the World"? "Brown sugar"? Oder "One in a Million"? Faria, faria, faria, faria, Faria, fariaho.

Anpassungen an der Vorgeschichte


Die Welt verlangt mehr denn je nach Anpassungen ihrer Vorgeschichte. Erst nachholend kann überhaupt noch gesagt werden, was richtig und was falsch, was zulässig und was uns unerträglich erscheinen muss. Sind es aktuell noch die Kunst- und Kulturschaffenden, die sich an der Tageswahrheit abarbeiten, denen der Furor der Besserwissenden nacheilt, um "Abwandlungen eines Raunens" zu notieren, das einen "Triumph des Mittelmäßigen" ankündigt, fordert die neue Normalität des normierten guten Geschmacks das Verantwortungsbewusstsein von morgen schon im Heute.

Wisse, was eines Tages richtig sein wird, dann nur dann vermeidest du, heute etwas Falsches zu denken, zu sagen oder gar zu schreiben.

Einfach draufloskünstlern wie früher, als alles erlaubt oder wenigstens nicht verboten war, empfiehlt sich nicht, soll nicht späte Feme den Kunstschaffenden  seinen Platz im Pantheon der Giganten kosten. Vorsicht ist die neue Mutter der Kunstaustellung, denn das Raunen, und es kann durchaus ein gefühltes, nicht hörbares sein, bestimmt über den Nachruhm.

Energieausstieg: Nullwatt für die Transformationsgesellschaft

Casus-Institut Görlitz
Weit draußen in der Wildnis der Lausitz siedelt die Bundesregierung im Kampf gegen rechts jetzt funkelnagelneue Bundesinstitute an.


Die Folgen des Klimawandels, der Aufbau des Sternensystems, der Kohleausstieg oder der Rückbau der Mobilität – diese Themen haben eines gemeinsam: Es handelt sich um komplexe Systeme aus vielen unbekannten Größen und einem undurchschaubaren Ursache-Wirkung-Geflecht. Mit Hilfe neuartiger digitaler Methoden, Riesenrechnern und einem im Zuge der Ansiedlungsinitiative der Bundesregierung in der Lausitz neugegründeten Fotschungsinstitutes für künstliche Intelligenz (KI), Grubennachnutzung und Mobilitätsumstieg wollen Wissenschaftler des neugegründeten Kohleersatz-Instituts (KEI) in Görlitz für diese Phänomene Zukunftslösungen entwickeln.

Datenintensive Systemforschung


Zur Eröffnung des KEI-Zentrums für datenintensive Systemforschung kam auch Bundesblogampelamtschef (BBAA) Herrfried Hegenzecht in die weitgehend menschenleeren Weiten der Lausitz. "KEI wird zeigen, welche Chancen im überwachten Energieausstieg für unsere Gesellschaft liegen", sagte der Experte für die Neumodellierung der Gesamtgesellschaft. "Es ist ein fach- und grenzüberschreitendes Leuchtturmprojekt, das in der deutschen Transformationslandschaft dringend gebraucht wird. Dieses Wissenschaftszentrum des 21. Jahrhunderts ist eine Chance für Görlitz, die Lausitz, Europa und die Welt."

KEI steht für Kohle-Ersatz-Institut, weil hier in den kommenden Jahren hunderte ehemaliger Bergarbeiter einen neuen Job bei der Erforschung des sogenannten Advanced Understanding of Transformation (AUoT) finden werden. Im Forschungszentrum werden zu Mathematikern, Computer- und Datenwissenschaftlern und wissenschaftlichen Grenzgängern wie Biomaten, DNA-Ingenieuren und Zeitreisenden umgeschulte frühere Förderbrückenfahrer, Kantinenfrauen und Brigadiere interdisziplinär und multilingual zusammenarbeiten.

Bereits Ende des Jahrzehnts sollen die ersten 15 Experten ihre Arbeit für das Projekt aufnehmen, für das weit draußen in einer inzwischen von Wildwuchs bevölkerten ehemaligen Braunkohlebarackensiedlung ein neues Forschungszentrum aus klimaneutralen Nullwattgebäuden hochgezogen wird.

Die Idee eines solchen Instituts an der Neiße entstand vor gut zwei Jahren in der University of California in Berkeley, die vor Ort Partner im Klimawatch-Institut im sächsischen Grimma fand. "Wir wollen, dass das heutige Spezialwissen der Bergarbeiter morgen für alle nutzbar ist, zum Beispiel durch neue Codes, die nicht nur auf Großrechnern arbeiten, und innovative Software-Methoden", sagt Forschungsleiter Herbert Haase, der auf eine ähnlich erfolgreiche Aufbauarbeit daheim in Grimma verweisen kann.

Der Aufbau des KEI-Zentrums wird mit rund elf Millionen Euro aus Bund- und Land gefördert, davon entfallen etwa 1,1 Millionen auf Kunst am Bau. Für Sachsen ist das Forschungszentrum ein konkreter Schritt für den Strukturwandel in der Lausitz, denn hier zeigt sich erstmals, welche investive Kraft sich entfaltet, wenn kluge Köpfe nicht in eine entleerte Region importiert und Chefsessel mit Auswärtigen besetzt, sondern einheimische Ressourcen genutzt werden, um bisher abgehängte Lagen als Forschungsstandort zu etablieren. Haase nennt das Forschungszentrum einen "Meilenstein für die Entwicklung von Görlitz als Stadt der Forschung und der neuen Technologien". Er strahlt dabei, denn er ahnt, dass hier ganz Großes wachsen wird.

Montag, 14. September 2020

Deutsch: Die Sprache, die sie nicht verstehen

Free Party is not a crime
Englisch ist die Sprache der globalisierten Globalisierungsgegner.

Deutsch ist immer noch die Muttersprache von mehr als 100 Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie setzt sich aus Hochdeutsch zusammen, 14 verschiedenen Dialekten und einer jugendlichen Umgangssprache, die oft kaum noch an die Ausgangsdialekte erinnert, aus denen sie einstmals hervorgegangen war. Deutsch gilt dennoch nicht als Weltsprache, hinter dem Begalischen liegt es auf Platz zehn der meistgesprochenen Sprachen.

Selbst in der EU steht es  hinter dem Englischen, dem Spanischen und dem Portugiesischen zurück. So wird die EU-Kommission zwar von einer Deutschen geführt. Deren Apparat aber  bevorzugt es in der Regel, aktuelle Nachrichten wie etwa die wegweisenden Reden der Vorsitzenden in der lingua france Englisch zu verbreiten. Nicht auf Deutsch, der Sprache, der sie geschrieben wurden.

Die Weltgeschichte zeigt hier ihren ausgeprägten Sinn für Humor, denn nicht erst seit dem Auszug der Briten aus der Union ist Deutsch die in der Gemeinschaft meistgesprochene Sprache. Deutlich mehr als ein Fünftel der EU-Bürger sprechen und verstehen Deutsch. Englisch dagegen ist nur Muttersprache von etwa fünf Millionen Iren.

Schnauze, Deutsch


Dennoch hat Deutsch keine Chance. Die Sprache der Hitlers, Goebbels und Goethes gilt als verbrannt, als schwierig und störrisch, es mangelt ihr am eleganten Global-Schick, das selbst Spanisch, Italienisch und Schwedisch für sich reklamieren. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung und dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen wird Deutsch behandelt wie ein aussterbender Dialekt. Jede Sprache ist schon immer einem natürlichen Wandel unterworfen. Diese aber wandelt sich ins Abseits, denn in den alternativen Zirkeln der Söhne und Töchter des städtischen Bionade-Adels wird sie heute schon gemieden soweit das möglich ist.

Für die jüngeren Generationen der großstädtischen Elite sind Anglizismen und Englisch mittlerweile ein Distinktionsmerkmal. Nur in der Großsprache der Globalisierung lässt sich glaubwürdig und global gegen die Globalisierung protestieren - von "Occupied Wall Street" über "Fridays for Future" bis "Extinction Rebellion" smashed sich der capitalism auf Social Media am elegantesten im  internationalen Fachjargon der iPhone- und Android-Nutzer.

Daheimgeblieben, zurückgeblieben


Die Daheimgebliebenen sind zurückgeblieben. Nach einer Umfrage im Auftrag der Theo-Münch-Stiftung gefällt 58 Prozent der deutschen Bevölkerung die deutsche Sprache immer noch sehr, 61 Prozent sind sogar der Ansicht, dass es schade sei, dass sie "zunehmend verkomme".

Als Gefahr wird eine „Amerikanisierung" oder auch "Anglisierung“ gesehen, zudem verlangen 58 Prozent der Befragten dreist, dass Deutsch mit Englisch und Französisch auf allen Ebenen der Europäischen Union "gleichberechtigte Arbeitssprache" sein solle. 68 Prozent lehnen Englisch sogar als alleinige Wissenschaftssprache an deutschen Universitäten ab, 60 Prozent - offenbar von Rechtspopulisten und Nationalisten manipuliert - sind dafür, die deutsche Sprache als Nationalsprache im Grundgesetz zu verankern.

Ein Ansinnen, das ebenso dreist wie unmöglich umzusetzen ist. Würde die in der Union ohnehin am meisten gesprochene und verstandenen Sprache auch noch gegenüber denen benutzt, die sie nicht verstehen, demonstrierte das einen deutschen Machtanspruch, der mehr schaden als nützen würde.

Deutschland, ohne eigene Schuld sowieso die stärkste Macht im Kernbereich der EU, kann auch künftig nur mitreden, wenn es das nicht in seiner eigenen Sprache tut. Dort, wo das noch nicht verstanden worden ist, ist Anglisierung eine sanfte Methode, die Menschen mitzunehmen auf einen Weg, der in eine Zukunft führt, in der eine Mehrheit über die Sprache bestimmt, die sie spricht. Und Deutsch ist das nicht.

Corona forever: Warum die Pandemie für immer bleiben wird

Die internationale Arbeitsteilung soll nun rückabgewickelt werden, es gilt das Motto Germany first.

Ein halbes Jahr Corona, ein halbes Jahr Stillstand, der zugleich die schnellsten und heftigsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen brachte, die es seit dem Ende der Zweiteilung der Welt in sozialistische und kapitalistische Staaten gegeben hat. Aber was wartet auf die Welt nach dem Ende der Coronavirus-Epidemie? Welche Veränderungen werden bleiben? Welche demokratischen Errungenschaften nie mehr zurückkehren? Was hat die Politik aus Corona gelernt? Und was bedeutet das für die Menschen?

Nichts ist unmöglich, das ist die Lehre, die Corona gebracht hat. Unter Verweis auf ein Virus, von dem wenig mehr bekannt ist, als das eine Reihe von Menschen daran sterben, während eine ganze Reihe anderer nicht einmal bemerkt, dass sie sich infiziert haben, begann die Politik nicht nur ein Deutschland ein großes Experiment: Was alles lässt sich wie schnell unter Verweis auf den Gefahrschutz gesellschaftlich neu regeln? Was kann verboten, was an Verhalten erzwungen werden, alles nur gestützt auf Verordnungen, verabschiedet von Landeskabinetten?

Es muss ein Erweckungserlebnis gewesen sein. Nichts, was nicht geht, stellten Spitzenpolitiker landauf, landab fest. Man konnte regieren wie mittelalterliche Fürsten, man konnte heute Hü und morgen Hott rufen, Kleidervorschriften erlassen und unwidersprochen mit einem Füllhorn übers Land schweben und jedem Entgegenkommenden erzählen, ja, auch er werde von der Regierung gerettet werden.

Corona liefert den Anlass


Zugleich wurden gerade noch bekämpfte Parolen hoffähig. "America first", das ewiggestrige Motto des verhassten US-Präsidenten, kehrte als "müssen Produktion nach Deutschland zurückholen" in den Bundestag zurück. Die Rückabwicklung der Globalisierung, mehr Protektionismus und Bemühungen um Autarkie - die Corona-Krise lieferte einen Anlass, es anderen Ländern mit gleicher Münze zurückzuzahlen.

Wer sich nicht auf sich selbst verlassen kann, der ist verlassen, hieß es nun, denn auf einmal schien es doch riskant, auf Medikamente oder andere lebenswichtige Produkte wie Schutzmasken vom anderen Ende der Welt angewiesen zu sein.

Ebenso riskant wie auf Europa zu vertrauen, soweit es den Teil betrifft, der als EU gemeinsam durch die Weltgeschichte wankt. Als es ernst wurde, war die Staatengemeinschaft abgetaucht, als das Schlimmste vorüber zu sein schien, forderte sie laut Grenzöffnungen und als die folgenden Urlauberströme eine zweite Welle an Infektionen auslösten, war aus Brüssel erneut gar nichts zu hören. Man stritt schon wieder um das Wie und Was. Man zählte Geld, das nicht vorhanden ist, um es mit der Gießkanne dort zu verteilen, wo die Regierungen am besten um ihren Anteil gepokert haben.


Der Staat spielt den Paten


Was bleibt also? Auch Deutschland wird renationalisieren - schon heute sind mehr Dax-Konzerne zumindest teilweise in staatlichem Eigentum als jemals zuvor seit Ende der 80er Jahre. Selbst bei der Suche nach einem Impfstoff spielt der Staat den Paten. In das Hoffnungsunternehmen Curevac steckte der Bund kurz vor dem Börsengang 300 Millionen. Inzwischen ist der Anteil mehr als eine Milliarden wert.

Das macht Mut, das zeigt, was das Primat der Politik erreichen kann. Nach der akuten Phase der Pandemie dürften die politischen Parteien deshalb nicht einfach zurückkehren zur früheren Staatsorganisation mit freier Wirtschaft und einer Politik, die Leitplanen setzt. Man wird zur Auffassung gekommen sein, dass der Staat eben doch der bessere Unternehmer ist. Hat er nicht die Lufthansa gerettet? Tui? Zahllose kleine Unternehmer, die pleite wären, hätte die Justizministerin Insolvenzen nicht einfach verboten?

Hauptsache medial gut dastehen


Eine Idee, die dauerhaft Schule machen könnte. Produktion ins eigene Land zurückzuverlagern, Innovationen fördern, indem gescheiterte Geschäftsideen verstaatlicht werden. Dort, wo es am Markt nicht reicht, mit Fördermitteln stützen. Grundrente, Grundeinkommen, Mietzuschuss, Preisbremse. Der Staat hat gut gewirtschaftet, er kann sich das alles leisten und noch viel mehr. So lange irgendwo ein anderes Land höher verschuldet ist, steht Deutschland zumindest medial gut da.

Die Frage ist, wie intensiv die neue Erkenntnis umgesetzt wird, dass die Menschen sich nach Führung, Leitung und Betreuung sehnen, so sehr, dass selbst der frühere Freigeist Neil Young "Lookin' For A Leader" singt. Für die SPD, deren Welt- und Menschenbild auf Bürgerinnen und Bürger setzt, die sich ihr Leben minutiös von einer politischen Führung vorgeben lassen wollen, sind das gute Nachrichten.

Also auch für die CDU, die sich der SPD auch in diesem Punkt zu einer verwechselbaren Ähnlichkeit angenähert hat. Grüne und Linke stehen ohnehin für mehr Gemeinsinn, Gleichheit und Konformitätsdruck - im wahrscheinlichsten Fall wird die Rückabwicklung der Globalisierung sich also nicht nur auf ausgewählte Produkte von strategischer Bedeutung beschränken, sondern zu einer weitreichenden Neuordnung der Lieferketten, zu einer generellen Importreduzierung und zu einer politischen Führung führen, die auf der Allmachtsfantasie beruht, dass der Staat eben alles könne und deshalb auch alles tun müsse.

Rückabwicklung der Globalisierung


Da eine Rückabwicklung der Globalisierung Deutschland ebenso ärmer macht wie die Rettung der umgebenden Abnehmerstaaten deutscher Produkte, braucht es eine starke Erzählung zur Erklärung des Endes des deutschen Wohlstandswunders. Waren deutsche Autos, deutsche Maschinen und deutsche Ingenieursdienstleistungen eben noch in aller Welt gefragt, kommt von dort nur noch der Ruf nach deutschem Geld. Das aber sprudelt mit Millionen Kurzarbeitern, zwei Millionen Arbeitslosen und 25 Millionen Rentnern nicht mehr aus der Steuerkasse, sondern muss jeden Tag neu geborgt werden.

Die entglobalisierte Welt wird insgesamt eine ärmere Welt sein, und sie wird ganz besonders Deutschland ärmer machen, auch, weil die ehemals so innovative Nation im größten Wachstumsmarkt der Zukunft keinerlei Rolle spielt. Das Online-Geschäft hat durch die Pandemie einen weiteren Aufwärtsimpuls erhalten, bis auf einen Schuhladen und einen Nudelbringedienst in China steht Deutschland aber immer auf der Kundenseite des virtuellen Tresens.

Weil die Verlagerung von Geschäftsprozessen in den Online-Bereich auch nach dem Ende der Pandemie weitergehen wird, ist das Aussterben der deutschen Innenstädte unaufhaltsam, das bisher dort ausgegebene Geld aber hat nicht einfach nur ein anderer, sondern jemand anderswo.

Eine langfristig kurzsichtige Politik


Proteste gegen eine langfristig kurzsichtige Politik, die die Weichen hin zu einem schleichenden Untergang gestellt hat, sind nicht zu erwarten. In der Pandemie stellte sich deutlich wie nie zuvor heraus, dass Dasselbe nicht das Gleiche ist, wenn Politik und Medien nur ent- und geschlossen genug gemeinsam Position beziehen.

Die Black Lives Matter-Demonstrationen bewiesen, das es gelingen kann, ein Thema, das die große Mehrheit der "Schonlängerhierlebenden" (Merkel) eher als im eigenen Alltag marginal einschätzen, aus dem Nichts zur Nummer 1 erklärt werden kann. Die Anti-Corona-Demos zeigten, dass Diskreditierung als Gefahr für alle ein probates Mittel gegen Proteste ist. Und das in "Belarus" umbenannte Weißrussland untermauerte Rolle und Bedeutung von Doppelstandards in der politischen Auseinandersetzung: Ohne mit der Wimper zu zucken, verwandelte sich der Verstoß gegen Abstandsregeln und Maskenpflicht vom Staatsverbrechen in eine Heldentat.

Recht ist nichts, Willkür alles. Auch mit einer Vielzahl weltfremder, bizarr erscheinender Seuchenregeln hat Corona bewiesen, dass sich mit Menschen alles machen lässt. Betritt die Gaststätte mit Maske, dann, wenn es zum Austausch von Aerosolen kommt, kannst du sie abnehmen. Schule ohne Maske, Demo mit. Keine Freiluftkonzerte, aber Mallorca-Flüge. Die Corona-Pandemie wird  die Lebensweise der Menschen nicht dauerhaft verändern, aber sie wird den Regierenden gezeigt haben, wie schnell und gründlich Anweisungen zu einer Änderung führen, die getroffen wurden, nicht, weil sie wirken, sondern weil irgendeine Anweisung gegeben werden musste, damit die Menschen sehen, dass für sie gesorgt wird.

Bundesstaat durch die Hintertür


Auch nach dem Ende der akuten Phase der Pandemie dürften diese Lehren bleiben. Niemals wäre der nächtliche Umbau der EU zu einem staatsinterventionistischen Bundesstaat ohne die Seuche so glatt und kurzfristig über die Bühne gegangen. Die umfangreichen Hilfsmaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie aber gelangen, ohne das überhaupt jemand fragte, woher das Geld kommt und wer denn die Rechnung dafür bezahlen werden.

Wie Manna vom Himmel erschienen die Billionen aus einer Zukunft, in der der freie Markt einer Staatswirtschaft gewichen sein wird, in der wirtschaftliche Entscheidungen nach politischen Erwägungen getroffen werden.

Seit Regierungen in den Staaten des Westens erkannt haben, dass sich ihre Bürgerinnen und Bürger über Niedrig- und Negativzinsen an der fortlaufenden Umschuldung der finanziellen Lasten beteiligen lassen, die Regierende in ihrem Namen eingehen, ist der Stein der Weisen gefunden. Die Monetarisierung der Staatsschulden ist alternativlos und ohne absehbares Ende, die  Geldmenge explodiert und da die Inflation nur die betrifft, die Erspartes haben, spielt sie sich nicht im Konsum- und Warenbereich, sondern im Bereich der Geldanlage ab.

Sonntag, 13. September 2020

Doku Deutschland: Der ewige Ossi

Das Elend im Osten ist andauernd, das Jammern unüberhörbar.

Wissen Sie, ich will mich bemühen, über die Ossis einmal so zu reden, wie hier im Westen eigentlich jeder von ihnen denken müsste, der nur etwas gesunden Menschenverstand und ein halbwegs intaktes moralisches Urteilsvermögen besitzt. Jeder hier merkt doch, dass das Gebrüll der Ossis Betrug gewesen war, als sie im Herbst l989 nach Demokratie und Einheit riefen.
So riefen sie nur, weil sie unseren Luxus wollten; im Ostblock die Reichsten zu sein, war ihnen nicht genug.


Das zeigt sich jetzt, wo sie die Einheit und die Demokratie besitzen, aber noch nicht unser ganzes Geld. Wenn wir es nicht hergeben, drohen sie uns mit sozialen Explosionen. Seit sie wählen dürfen, mögen sie nicht mehr, da sie unter freien Wahlen freie Auswahl im Autosalon verstanden. Seit sie die Marktwirtschaft von uns bekommen haben, sollen wir die Sozialisten sein, ihnen die Rente und Krankenkasse bezahlen und obendrein Fabriken schenken.

Dass ihr Rassismus hochkonzentrierte ordinäre Schäbigkeit ist, geben sie selber zu, andere zu verfolgen halten sie nämlich unter Verweis auf die angebliche eigene schwierige Lage für ihr Recht. Gut fühlen sie sich, wenn sie der Feigling sind, der brutal seine schwache Frau verprügelt, weil er selber vor einem Stärkeren gekrochen ist.


Auf die Idee, dass auch mal Ossi-Busse im Westen brennen könnten, solche mit Pendlern aus Rostock beispielsweise, die den Hamburgern die Arbeitsplätze nehmen, kommen diese sonderbaren Menschen mit dem abgeschalteten moralischen Empfinden nicht. Unerbittlich und erbarmungslos sind sie gegen Arme, aber von den Reicheren erwarten sie Mitleid und Mildtätigkeit. Grausamkeit und Weinerlichkeit sind jeweils separat schon ekelhaft in der ossi-typischen Mischung aber bilden sie gemeinsam ein Brechmittel von besonderer Wirkungskraft.


Selber haben die Ossis sich unter Vortäuschung ideeller Beweggründe bei uns eingeschlichen, nicht aus Not, sondern wegen des erhofften materiellen Vorteils. Treffen sie aber einen Elendsflüchtling fallen sie über den Bedürftigen her und beschimpfen ihn als Scheinasylanten, wo sie doch selber Wirtschaftsflüchtlinge im unangenehmsten Sinn des Wortes sind.

Weil wir reicher sind als sie, kommen sie uns auf die soziale Tour: Teilen ist ein Gebot unter Christenmenschen, Geben ist seliger denn Nehmen. Bittet ein Ärmerer sie ums Nötigste, darf er froh sein, wenn sie ihn nicht töten. Müssen vor ihrer Haustür Asylbewerber nachts unter freiem Himmel schlafen, fühlen die Ossis weder Mitleid noch Empörung darüber, dass den armen Menschen keiner hilft, sondern sie fühlen sich belästigt.


Nicht die Not, sondern die Notleidenden wollen sie beseitigt wissen. Unentwegt fordern sie für sich selber Solidarität, ohne sie anderen jemals zu gewähren. Als sie nach der Maueröffnung in den Westen durften, klauten sie dort wie die Raben, lauter Krimskrams, den sie gar nicht nötig hatten. Nimmt bei ihnen sich ein armer Teufel von noch weiter östlich, was er dringend braucht, aber nicht bezahlen kann, möchten sie ihn am liebsten lynchen.


Jeder weiß, dass in der Zone Zehntausende auf unsere Kosten den Staat beim Begrüßungsgeld betrogen und ihn immer noch beim Arbeitslosengeld, bei der Arbeitslosenhilfe und bei der Sozialhilfe betrügen. Kriegt aber ein armer Schlucker aus Rumänien vom Staat, den wir bezahlen,gerade so viel, dass er nicht verhungert, toben sie und beschweren sich, dass ihr gutes Geld verschleudert werde. Offensichtlich glauben sie, dass ihnen eigentlich alles gehören müsste und wir mit ihrem Geld gefälligst sparsam umzugehen hätten.

An die Ausländer, sagen sie, würden sie sich erst ganz langsam gewöhnen müssen. Dass aber wir von ihrer unerfreulichen, nimmersatten, raffgierigen Sorte gleich 17 Millionen auf einen Schlag verkraften mussten, halten sie für unsere Pflicht.

Nicht nur, dass sie stets zu feige waren, gegen das von ihnen angeblich ungeliebte Regime zu protestieren, als der Protest noch so viel Mut gekostet hätte, wie man braucht, um den Verzicht auf Beförderung und Bevorzugung zu riskieren - den Verzicht auf die Zuweisung einer der begehrten Wohnungen im Neubauviertel etwa, wo heute die widerlichsten Rassisten sippenweise nisten. Sondern in typischer Radfahrermanier treten die ewigen Mitläufer wieder nur die Schwachen.


Statt sich mit den Gleichaltrigen anderer Nationalität eine faire Prügelei zu liefern, wenn ihnen schon nach Prügeln und Nationalitätenkrieg zumute ist, überfallen Horden glatzköpfiger Klopse die Familien in Asylbewerberheimen, weder Frauen noch Kinder schonen sie dabei. Die Gesichter dieser Helden kann man, wenn man es aushält, lange betrachten, und findet doch keinen menschlichen Zug darin.


Abstoßend hässlich sind sie und in der Hässlichkeit einander zum Verwechseln ähnlich.
Dies, meine Damen und Herren, war eine kurze Liste zutreffender Beobachtungen und richtiger Überlegungen, die eigentlich keiner weiteren Kommentierung oder Zuspitzung mehr bedürften“

CO2-Remission: Klimakommode ®© gegen das Aussterben

Holzanbau Vollholzmöbel
Das historische Vorbild für die neue Generation Klimaretter: Dieses Möbelstück speichert seit 700 Jahren eine halbe Tonne CO2.


Als er zum ersten Mal vor der Lösung aller Menschheitsprobleme stand, ist  Jens Urban ganz ruhig geblieben. Er erinnere sich deutlich, dass im ersten Moment gar nichts passiert sei. "Da war keine Eingebung, kein Geistesblitz", sagt der junge Erfinder und Tüftler, der zuletzt mit dem Kassenzettelkiller "Bon Fire" auf sich aufmerksam gemacht hatte. Urban, seit Jahrzehnten erfolgreich im Metier der Innovatoren, einer Höhle der Löwen, weiß, dass erfinden und entwickeln mehr mit Schweiß und Tränen zu tun hat als mit plötzlicher Erleuchtung. "Es ist echt selten, dass einem eine Idee sofort fertig auf den Tisch fällt."

Holzkommode speichert seit Jahrhunderten


Vor dieser uralten Holzkommode in jener uralten Ritterburg aber geschah es, wenn auch mit Verspätung. "700 Jahre alt sollte das hübsche Teil sein, hatte der Fremdenführer gesagt." Jens Urban begann automatisch zu rechnen und er kam noch auf der steilen Treppe hinunter in den Burghof zu einem eindeutigen Ergebnis: "Die fein gearbeitete Truhe speichert seit sieben Jahrhunderten mehr als 500 Kilogramm CO2."

Ein Erweckungserlebnis für den gebürtigen Ostdeutschen, der als Physiker und Innovationstrainer fortwährend nach Lösungen für akute gesellschaftliche  Probleme sucht. Und welches Problem wäre heutzutage wohl größer als das des Weltklimas, der drohenden Erderhitzung und der immer häufigerer werdenden Klimasommer?

Binnen weniger Tage hatte Urban ein komplettes Konzept geschrieben, das den Klimasünderstaat Deutschland binnen eines Jahrzehnt ins ein Land zu verwandeln verspricht, das vollkommen klimaneutral wirtschaftet. Dazu müsse man sich, so der 48-Jährige, nur von der Idee verabschieden, dass es ausreiche Bäume zu pflanzen oder mit Hilfe komplizierter technischer Verfahren überflüssiges CO2 unterirdisch einzulagern oder anderweitig zu verpressen.

Eine rundum natürliche Lösung


Jens Urban setzt auf eine natürliche Lösung, die einfacher und energiesparender ist als alle bisher bekannten Methoden der CO2-Speicherung. Die sogenannte "Klimakommode"®© tritt an die Stelle aufwendiger industrieller Methoden der CO2-Einlagerung: 800 Millionen Tonnen CO2 beträgt derzeit die jährliche Klimaschuld der Deutschen. "Würde jeder Deutsche nur zwanzig Klimakommoden dauerhaft in seinem Haushalt lagern, wäre der Ausstoß rechnerisch null."

Die Betonung, das betont der Öko-Entwickler, liege dabei freilich auf dauerhaft und als ergänzende Maßnahme sei es unumgänglich, die zur Herstellung der 1,6 Milliarden Klimakommoden notwendigen Holzbestände jeweils nachzupflanzen und im Jahresrhythmus wiederum in Klimakommoden zu verwandelt. Aus Gründen der Raumökonomie sieht Urbans Konzept überdies vor, die Klimakommoden aus Massivholz herzustellen, also keine Hohlräume im Inneren vorzusehen. "Dadurch lässt sich die Zahl der im Jahr notwendigen Kommoden  auf nur noch 600 Millionen senken."

Speicherdauer ist nahezu unbegrenzt


In den Möbeln würden jeweils eine bis anderthalb Tonnen Kohlendioxid gespeichert, und das für die nächsten 700 bis 1000, eventuell, ältere Möbelfunde aus römischer Zeit machen Urban da Mut, auch für bis zu 2000 Jahren. "Bei guter Pflege, wenn sie trocken stehen und nicht an ihnen herumgeschnitzt wird, ist die Standdauer nahezu unbegrenzt."

Pro Jahr würden allein die Deutschen auf diese bequeme Weise 800 Millionen Tonnen CO2 aus der Erdatmosphäre ziehen. "Der Fehler bisher ist ja, dass man zwar versucht, aufzuforsten, um mit Hilfe von Bäumen CO2 zu speichern, aber dabei vergisst, dass alle in einem Baum gespeicherten CO2-Mengen sofort wieder in die Umwelt entweichen, wenn der Baum verbrennt oder vermodert."

Die Klimakommoden-Modell verhindert dieses bisher unausweichlich scheinende Ende alle Remissionsträume durch Aufforstung.  Da eine Herstellung der Klimarettungsmöbel in der notwendigen Stückzahl ohne staatliche Förderung kaum möglich scheint, hat Jens Urban seine inzwischen zum Patent angemeldete Idee zur Prüfung sowohl ans Kanzleramt als auch ans Wirtschaftsministerium und seinen amerikanischen Innovatorenkollegen Elon Musk weitergeleitet.

"Ich denke, man wird dort sehen, was das für ein Potential hat, auch global." Auch die Umweltbewegung Fridays for Future sei informiert, er warte aber von allen angeschriebenen Adressen noch auf Antwort. "Deutschland hätte hier die Möglichkeit, endlich ganz vorn in der Klimaschutzfront zu marschieren", sagt er hoffnungsfroh, "zudem würde ja eine ganze neue Industriebranche entstehen, die Klimakommoden herstellt, und es entstände ein unglaublich hoher Bedarf an Arbeitskräften auch aus dem Ausland."

Samstag, 12. September 2020

Zitate zur Zeit: Brutale Wahrheit


Ein Konservativer ist nur ein Liberaler, auf den einmal geschossen wurde.

Svenja Prantl, PPQ-Kolumnistin und Moralphilosophin, über häufig anzutreffende mentale Auswirkungen von Begegnungen mit der Realität

EU-rostecker: Grünes Licht für staatliche Steckerplankommission

USB USB-C Lightning Alternative
Eine einfache und überzeugende Lösung: Der neue EU-Einheitsstecker für Smartphones greift auf den erfolgreichen Euro-Stecker zurück.
Jahrzehntelang galt sie als eine der großen, ungelösten Menschheitsfragen: USB? USB-C? Lightning? Oder, wie bei vielen Elektrozahnbürsten, Bluetooth-Boxen, Kaffeemaschinen und Smartwatches immer noch anzutreffen, ganz andere, oft preproitäre Ladekabelösungen, die die Umwelt belasten, das gemeinsame Nutzen von Kabeln als Teil der share economy unmöglich machen und Ressourcen doppelt und dreifach verbrauchen, weil jeder Mensch nicht nur mit jedem gekauften Elektrogerät unweigerlich ein Ladekabel mitgeliefert bekommt. Sondern diese Ladekabel auch noch unterschiedliche Stecker besitzen, zumindest einseitig.

Das EU-Parlament, weltweit führende Institution für die Lösung der großen globalen Probleme, hat jetzt ernst gemacht. Nur wenige Tage nach dem wegweisen Beschluss zum Green Deal votierten die Parlamentarier für ein Ende des Wildwuchses bei Ladekabeln.

Nach dem Willen des nach dem deutschen Bundestag weltgrößten demokratischen Parlaments wird es künftig weltEU-weit nur noch ein einheitliches Ladekabel für Handys, Tablets & Co für alle geben. Bisher verbreitete Kabel sollen eingezogen werden, dabei soll es verbrauchernahe Lösungen für einen fairen Umtauschsatz geben. So dass bisherige Besitzer von 20, 40 oder 60 verschiedenen Ladekabeln der drei bis sieben verbreitetesten Bauarten zumindest pro Dutzend abgegebener Kabel ein EU-Einheitskabel als Ersatz bekommen.

"Das wäre eine große Erleichterung für uns alle ein Fortschritt für die Umwelt", jubelte der grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold angesichts der erstmals in dieser Deutlichkeit gefallenen Entscheidung für eine künftig einheitliche Steckerplattform für alle. Jetzt ist die EU-Kommission am Zug, die das entsprechende Gesetz liefern muss, das das genaue Vorgehen der europäischen Mitgliedsstaaten bestimmt.

In einem ersten Schritt, so heißt es in Brüssel, gelte es, eine Europäische Steckerbehörde (EuSB) zu gründen, die in Zukunft festlegen wird, welcher Standard für alle 440 Millionen Europäer und ihre 820 Millionen Smartphones der beste ist. Angeschlossen sein an diese neue Gemeinschaftsinstitution wird eine staatliche Steckerplankommission, die einmal pro Legislaturperiode darüber entscheiden wird, welche Steckerbauart in der Gemeinschaft innovativ weiterentwickelt wird.

Es gilt als sicher, dass die vom US-Konzern Apple und seinen chinesischen Konkurrenten bisher unter Verweigerung jeder ressourcenschonenden Zusammenarbeit präferierten Bauarten Lightning und USB-C keine Chance haben, vor den Augen der Experten der staatlichen Steckerplankommission zu bestehen. Für eine Übergangszeit sollen sie noch erlaubt bleiben, später aber durch eine faire und umweltfreundliche europäische Lösung abgelöst werden, die sich am bewährten Eurstecker-Standard EN 50075, bekannt auch als Steckertyp C „CEE 7/16, orientiert.

Der Clou der Überlegungen, die derzeit in der Aufbauorganisation der EuSB angestellt werden: Erstmals könnte der sogenannte Eurostecker nicht in der Bauart Buchse auf Stecker zur Anwendung kommen, sondern durch eine Konstruktion Stecker-Stecker (Abbildung oben) universalverwendbar werden.

Strom würde hier erstmals in der Geschichte der Menschheit in beide Richtung durchleitbar werden, moderne Smartphones bräuchten nur noch zwei in ausreichendem Abstand angeordnete Ladelöcher, um sich mit jedem Eurosteckerladekabel an jeder beliebigen Eurosteckersteckdose in kürzester Zeit aufladen zu lassen.

In Brüssel zweifelt derzeit niemand daran, dass die Durchsetzung dieser Steckerrevolution auf europäischer Ebene absoluten Signalcharakter weltweit haben würde. Europa wäre dann der erste Kontinent, der steckerneutral lädt, zweifellos würden jedoch bald, heißt es in der europäischen Steckerplanbehörde, weitere Länder und ganze Staaten folgen.

Freitag, 11. September 2020

Das Comeback: Al Qaida und die Goldkette


Über den Wolken, dort wo die Freiheit der Satire grenzenlos ist, hätte dergleichen nie passieren können. Unten auf der Erde aber dauerte es nur acht Jahre, und dann war ein zynischer Beitrag der Humorplattform PPQ.li aus der Öffentlichkeit verschwunden. Kaum waren die neuen Maas-Regeln zur Wahrung des Meinungsfreiheitsschutzes vor drei Jahren in Kraft getreten, handelte die amerikanische Videoplattform Youtube konsequent: Eine Dokumentation zu Verbraucherschutzfragen, die im Januar 2009 noch unter den alten Meinungsfreiheitsgesetzen veröffentlicht worden war, ging abrupt offline.

Das zweieinhalb Minuten kurze Video "Al Kaida und die Goldkette" (oben), in dem ein junger Islamist seiner Enttäuschung über einen hanebüchenen Betrugsfalls beim Kauf einer Preziose aus Gold Luft machte, die sich später als billiger Tand herausgestellt hatte, wurde von Amts wegen gelöscht. Die laute Klage des jungen Mannes, dass, der auf eine sehr menschliche Art erläuterte, wie ihn ein Juwelier beim Kauf der angeblichen Goldkette betrogen hatte, verschwand spurlos aus den digitalen Weiten.

Nun hat die Schaffung einer neuen, umfassenden und zeitgemäßen Definition des überkommenen Begriffes "Satire" gerade in Deutschland ihre Berechtigung. Lachen ist erlaubt, Lachen bleibt auch erlaubt, aber die Witze müssen selbstverständlich die richtigen sein oder zumindest von den Richtigen gerissen werden. Die staatlichen Satirerichtlinien lassen Youtube wenig Spielraum, gerade offen satirische Beiträge sind häufig genug von so fragwürdiger Natur, dass keine andere Lösung bleibt als sie radikal zu entfernen.

Gerade weil der junge Islamist trotz seiner Verschleierung recht glaubhaft in seiner Empörung wirkt, wenn er wettert, dass er 70 Euro für die Kette bezahlt habe, mithin einen ganzen Teil seiner Altersvorsorge, letztlich aber böse übervorteilt worden sei, habe sich doch herausgestellt, dass es sich keineswegs um eine hochwertige goldene Kette, sondern um billigen Modeschmuck handele, ist es für den unvoreingenommenen Zuschauer schwer, zwischen Verbraucherschutz und Meinungsfreiheitsschutz zu unterscheiden.

Bei knapp 110.000 Zuschauern, die über fast ein Jahrzehnt Zeuge des zeternden Ausbruchs wurden, blieben zudem viele Fragen offen: Wie heißt der Kabarettist? Ist es Dieter Nuhr? Jan Böhmermann? Oder Lisa Eckhart?

Die Löschung durch des satirischen Bekenntnisses verhinderte eine Beantwortung - bis jetzt ein offenkundig unter einer gewissen Sammelleidenschaft gepaart mit einen schrägen Misstrauen gegen die Zuverlässigkeit staatlicher Institutionen und weltweit agierender Konzerne leidender PPQ-Leser in seinem Archiv eine Sicherungskopie des gegen die Meinungsfreiheit verstoßenden Machwerkes stieß, das seinerzeit den gesunden Argwohn der Youtube-Partner Amadeu-Antonio-Stiftung, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia e.V. und jugendschutz.net erregt hatte.

Nun ist der "unangemessene Inhalt" (Youtube), der "vorrangig in schockierender, respektloser oder effekthascherischer Art und Weise gestaltet" ist und "Gewalt gegen Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Behinderung, Geschlecht, Alter, Nationalität, Veteranenstatus oder sexueller Orientierung / geschlechtlicher Identität fördert bzw. billigt" oder zum Ziel hat, "Hass in Zusammenhang mit diesen Eigenschaften zu animieren", wieder im Netz aufgetaucht.

Der junge Mann, inzwischen wohl gesetzteren Alters, beruft sich nun auf den grundgesetzlich garantierten Schutz nach Artikel 5, der auch ihm das Recht zugestehe, seine "Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern und verbreiten" (GG). Ob er mit dieser dreisten Auslegung der Maas-Regeln diesmal durchkommt, ist allerdings noch offen.

Fernwirkungen: Osamas später Sieg

Gedenken an die Opfer von 911 in den USA.

Zum ersten Mal sind in diesem Jahr Menschen volljährig geworden, die nie in einer Welt gelebt haben, in der es kein 911 gab, keinen Osama bin Laden, keinen islamistischen Terror und keinen Krieg der Kulturen. Doch der 11. September 2001, damals weltweit als ein Einschnitt unabsehbarer Tiefe empfunden, ist keine zwei Jahrzehnte später vermeintlich kein Thema mehr. Die Erinnerungsartikel werden schon seit Jahren immer kleiner, nur zu runden Geburtstagen des Anschlages wird noch einmal mit tiefer gesenkten Kopf gedacht.



Al Qaida ist verschwunden


Dabei hat der Anführer des mittlerweile vollkommen von der Bildfläche verschwundenen Terrorbündnisses Al Qaida aus heutiger Sicht sogar mehr erreicht, als er je zu hoffen wagen konnte: Die Welt ist zwiegespalten, der offene Terror der großen Anschläge von 2001, denen danach nie wieder ähnlich kühn entworfene Terroraktionen folgten, heruntergeköchelt zu einem Grundrauschen, an das sich die Welt gewöhnt hat.

Seit der Islamische Staat verkümmert ist zu einem weiteren gescheiterten Experiment, aus einer extremistischen Ideologie ein funktionierendes Gemeinwesen zu bauen, haben andere Themen die Agenda besetzt. Rassismus, Einwanderung, die Seuche, die Alterung des Abendlandes, das Vormachtpokern zwischen den USA und China, der Rückzug Europas aus der Relevanz der globalen Politik und die Ratlosigkeit, wie sich der immer weiter scheiternde Kontinent Afrika entwickeln lassen könnte, lassen das Problem der islamistischen Gewalt zu einer nebensächlichen Frage werden.

Die immer angegriffene Religion


Die Fernwirkung des großen Sieges von Osama bin Laden ist dennoch da, wenn auch unmerklich. Als es dem Terrorfürsten gelang, den Widerspruch zwischen abendländisch-jüdischer Kultur und dem Islam zu einem beständigen Angriff ersterer auf Letzteren zu erklären, war die meiste Arbeit schon getan. Seitdem ist der Islam in einer Verteidigerrolle, selbst wenn er angreift. Und gegen seine Angriffe kann sich niemand verteidigen, weil das bedeuten würde, Bin Laden zu bestätigen.

Die Folge  ist ein großes Schweigen angesichts einer Welt, die sich aller Voraussicht nach nicht mehr reparieren lassen wird. Überdeckt von allerlei neu hereinströmenden Problemen hat der Islamismus selbst erledigt, er ist eine allgegenwärtige Realität, gegen die sich nichts tun lässt. Dass Mallorca sich gegen die Art wehrt, wie deutsche und britische Partytouristen die Benutzeroberfläche der Insel in Besitz nehmen, gilt als nachvollziehbare Selbstverständlichkeit, wo aber der Sachse oder Schwabe unwillig reagiert, wenn er sich in seiner Lebenswirklichkeit von fremden Gebräuche belästigt fühlt, ist schon der Gedanke, das so nicht gut finden zu wollen, Gewalt.

Ein Muster aus Krankheitsbildern


Das Muster, an dem entlang der gelegentlich aufflackernde Wahnsinn des Fremdenhasses der Islamisten erklärt wird, ist eines, das Krankheitsbilder bemüht. Wie der Reichsbürger, dem es nicht mehr möglich ist, Wahnvorstellungen und Wirklichkeit zu unterscheiden, lebt auch der Islamist in einer Welt, die aus seiner eigenen Vorstellung besteht.

Doch sein Irrsinn ist zumindest in Deutschland mittlerweile eine anerkannte Diagnosenummer: "Psychische Probleme" wie sie zweifellos auch Osama bin Laden hatte, der sein Leben im Dienst seiner Sache in Selbstisolation aus Angst vor Strafverfolgung verbrachte, müssen immer öfter erklären, warum Menschen, die nach einer langen und in  den meisten Fällen beschwerlichen Flucht die Chance auf ein neues Leben in einer neuen Heimat bekommen haben,  eines Tages losziehen und möglichst viele von denen ermorden wollen, die ihnen diese Chance gegeben haben.

Die andere neue Normalität


Eine neue Normalität, die SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz nie so genannt hat, die nach knapp 20 Jahren Übung aber allgemein akzeptiert worden ist. Die Politik hat Wort gehalten, als sie 2015 versicherte, unter den nach Deutschland Flüchtenden seien keine Terroristen. Dass keine psychisch Kranken darunter waren, hat niemand versprochen.

Kein Anschlag nach dem "Vorfall" (DPA) von Berlin  hat mehr "Brennpunkte" produziert, keine Talkshow hat sich seit 2016 mehr mit dem aggressiven Islam beschäftigt. Zuletzt war das Thema allenfalls Thema, um zu erörtern, was in der Diskussion aus Sicht eines Korangläubigen falsch läuft. Dass die Generalbundesanwaltschaft beinahe täglich Haftbefehle gehen militante Islamisten vollstreckt und Anklagen gegen mutmaßliche Terroristen erhebt, spielt medial überhaupt keine Rolle.

Donnerstag, 10. September 2020

Kapitalismus: Der Feind, der glücklich macht

Grafitti Kapitalismus
Ein Feind, der alle eint: Antiglobalisten, Revolutionsromantiker und Umweltkämpfer sehen im Kapitalismus der Grund allen Übels.

Sie gehen auf die Straße, als Occupy Wall Street oder Fridays for future, sie Zetern in Parlamenten, warnen in Zeitungen und haben dank ihm  immer eine Ausrede, wenn die Planwirtschaft versagt. Der Kapitalismus ist auch knapp 300 Jahre nach seiner Erfindung durch Julius von Soden die Leinwand, auf die antikapitalistische Demonstranten in den Hauptstädten der Welt ihre Zukunftsängste projizieren.

Weil auch der Kapitalismus nicht gerecht ist, werden Ungerechtigkeitserfahrungen, mehr aber noch Ungerechtigkeitsgefühle  auf das kapitalistische Wirtschaftssystem übertragen. Ungeachtet der Tatsache, dass die vor allem Jüngeren in der Erinnerung gerecht erscheinende DDR nahezu auf den Punkt genau dieselbe Vermögensverteilung besaß wie die Bundesrepublik. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie diese besser verbarg.

Große antikapitalistische Proteste gehören zum Kapitalismus, zum Sozialismus hingegen gehörten große Manifestationen der Insassen, die sich für das System aussprachen und Stolz bekundeten, in ihm leben zu dürfen. Seit das sozialistische Weltsystem sich aufgelöst hat, unfähig, im Wettbewerb mit dem chaotischen Kapitalismus zu bestehen, wächst die Verachtung des Kapitalismus weltweit. Überall in den Zeitungen stehen Schlagzeilen wie "Der Kapitalismus steckt in der Krise", "Der Kapitalismus versagt" oder gern auch "Der Kapitalismus ist tot", wie es Marc Benioff, der Chef Salesforce gesagt hat, der sein Vermögen dank des kapitalistischen Systems anhäufen konnte.


Die konsequente Kapitalismus-Kritik in den Medien, in Fernsehrunden und auf den Straßen zeitigt Ergebnisse. Ein YouGov-Umfrage förderte jüngst zutage, dass fast die Hälfte aller jungen und jüngeren Mitbürger eine kritische Sicht auf den Kapitalismus haben. Getreu des Greta-Thunberg-Satzes, dass die Älteren die Zukunft zerstört haben, glauben sie fest daran, dass es der Kapitalismus war, der daran schuld ist. Besser doch Sozialismus, nur gut gemacht möchte er diesmal schon sein.

Aber hält diese anhaltende Verurteilung des Kapitalismus einer genauen Prüfung stand? Das Fraser-Institute, ein kanadischer Think Tank, veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über die wirtschaftliche Freiheit der Welt, der auflistet, welche Länder die freieste - im Verständnis der Kanadier also  kapitalistischste -  Wirtschaft haben. Der Wirtschaftsfreiheitsindex bewertet den Grad der Freiheit von 162 Volkswirtschaften anhand von 43 Indizes wie Größe der Regierung, Rechtssystem und Eigentumsrechte, Geld, Freiheit des internationalen Handels und Regulierung.


Die Idee dahinter ist die Vorstellung, dass sich über den Umstand, welche Länder die am meisten kapitalistischen Volkswirtschaften haben, herausfinden lässt, welchen Zusammenhang es zwischen Wirtschaftssystem und Wohlstand gibt.

Würde sich erweisen, dass Länder, die kapitalistischer sind,  ihren Bürgern mehr Wohlstand, Freiheit, Gesundheit und Entwicklungsmöglichkeiten bieten als Staaten mit sozialistischeren oder weniger kapitalistischen Systemen, so hoffen die Forscher, könnte sich herumsprechen, dass es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und menschlichem Wohlergehen gibt, das positiv rückkoppelt: Je mehr Kapitalismus desto mehr Freiheit, je mehr Freiheit, desto mehr Wohlstand.

Die Ergebnisse sprechen dafür. So ist das Durchschnittseinkommen im kapitalistischsten Viertel der untersuchten Länder sechs Mal höher als das Durchschnittseinkommen in den am wenigsten kapitalistischen Volkswirtschaften (36.770 $ bzw. 6.140 $). Ausgerechnet bei den Ärmsten der jeweiligen Gesellschaften, für die Sozialisten und Kommunisten in seit Marx in den Kampf zu ziehen vorgeben, vergrößert sich diese Kluft noch weiter: Die unteren zehn Prozent der Einkommensbezieher in den kapitalistischsten Ländern verdienen im Durchschnitt sieben Mal mehr als die ärmsten zehn Prozent in den am wenigsten freien Volkswirtschaften.

Ebenso leben mehr als 27 Prozent der Menschen in den sozialistischsten Volkswirtschaften in extremer Armut, die von der Weltbank als Einkommen von weniger als 1,90 Dollar pro Tag definiert wird. In den Hochburgen des Kapitalismus sind es nur 1,8 Prozent der Menschen, die in extremer Armut vegetieren müssen.

Eine gesellschaftliche Spreizung, die sich auch bei anderen Kennziffern zeigt. So leben leben die Menschen in den kapitalistischsten Ländern durchschnittlich 14 Jahre länger, die Gesellschaften haben eine sechsmal niedrigere Kindersterblichkeitsrate, Bürgerinnen und Bürger genießen größere politische und bürgerliche Freiheiten und die Gleichstellung der Geschlechter ist weiter fortgeschritten als  in den am wenigsten kapitalistischen Volkswirtschaften.

Und das liegt nicht an unterschiedlichen Kulturen etwa im arabischen Raum und Westeuropa oder in Südamerika und den USA. Am deutlichsten zeigt sich das im direkten Vergleich benachbarten Staaten, die demselben Kulturkreis angehören, aber unterschiedliche Wirtschaftssysteme bevorzugen. Hongkong setzt beispielsweise auf  (laut EFW-Bericht) die freieste Wirtschaft der Welt.

Das war nicht immer so: Im Jahr 1941 besuchte die Journalistin und Reiseschriftstellerin Martha Gellhorn zusammen mit ihrem Mann Ernest Hemmingway den Stadtstaat und stellte fest, "das wahre Hongkong war die grausamste Armut, schlimmer als alle, die ich zuvor gesehen hatte." Sie glaubte, "das Leben hier war schon immer so gewesen und würde immer so sein".

Doch nur wenige Jahre nach Gellhorns Besuch bedeutete die Kapitulation der Japaner 1945 die Rückkehr der britischen Herrschaft auf die Insel und damit eine weitgehend laissez-faire-Ansatz für die Wirtschaft der Stadt.

Noch 1950 verdiente der Durchschnittsbürger in Hongkong allerdings nur 36 Prozent dessen, was der Durchschnittsbürger im Vereinigten Königreich für seine Arbeit bekam. Aber das änderte sich. Seit 1970 stand Hongkong fast jedes Jahr auf Platz 1 der Liste der kapitalistischsten Ökonomien der Welt. Und seitdem wurde es langsam, aber immer deutlicher wesentlich reicher. Heute ist das Pro-Kopf-BIP Hongkongs um mehr als 68 Prozent höher als das des Vereinigten Königreichs.Armut gibt es nicht mehr in Hongkong, wie HumanProgress.org analysiert: "Die Armut, die Gellhorn beklagte, ist verschwunden - dank der wirtschaftlichen Freiheit".


Nur ein Beispiel, das sie leicht replizieren lässt. Wenn weitgehend kapitalistische Länder gegen selbstähnliche Counterparts antreten, die sozialistisch wirtschaften, gewinnt stets das kapitalistische Land: Chile gegen Venezuela, Westdeutschland gegen Ostdeutschland, Südkorea gegen Nordkorea, Taiwan gegen das maoistische China, Costa Rica gegen Kuba und so weiter. Niemals hat irgendwo irgendwann ein sozialistisch wirtschaftendes Land gezeigt, dass es seinen Bürgerinnen und Bürgern ein besseres, erfüllteres oder umweltschonenderes Leben bieten kann.

Dass sich nicht nur bei jungen Demonstranten, sondern auch bei hochbezahlten Parlamentariern, Parteiführer und Medienarbeitern der Glaube hartnäckig hält, es sei der Sozialismus, in dem das Heil der Menschheit liege, ist eines der größten Wunder der Weltgeschichte.


Im ersten Wahrheitsmuseum: Musealisierung der Wahrheitsgeschichte

 
Den einen Tag verkünden sie, es sei Montag, am nächsten dann, nun sei Dienstag. Vielleicht nicht einmal ganz 24 Stunden später wird dann behauptet, das stimme alles nicht, es sei nun Mittwoch. Was so verwirrend erscheint und im Verlauf der derzeit als "Corona-Krixse" oder auch "Corona-Zeit" bezeichneten gesellschaftlichen Entwicklungsperiode für so viel Verwirrung gesorgt hat, wird in der Wissenschaft als "Tageswahrheit" bezeichnet

Der Begriff kennzeichnet die Veränderlichkeit dessen, was gewusst werden will, aber auch das, was gesagt werden darf. Nach dem ersten Hauptsatz der Mediendynamik gilt für Wahrheiten die allgemeine Relativitätstheorie: Die Halbwertszeit der Wahrheit verringert sich danach im Laufe der Zeit immer schneller, bis zuweilen binnen weniger Sekunden ausschließlich Widersprüche aneinander montiert werden.

Was bleibt? Was muss bewahrt werden aus solchen Zeiten gesellschaftlicher Aufwallung, in der eine Tageswahrheit nur noch Stunden hält und Sinn und Unsinn wie Tischtennisbälle die in schnellem Wechsel die Seiten tauschen? Im kleinen brandenburgischen Ort Wellendorf hat Simon Seidewitz jetzt ganz privat und höchst engagiert auf diese angespannte Situation reagiert. Der ehemalige Hauptkulturleiter der Volkskunstsammlungen des Spreewald-Museums in Lübbenau, seit einigen Jahren im Ruhestand, beschloss, seine leerstehende große Scheune zum ersten deutschen  Wahrheitsmuseum umzubauen.

Großzügig gestaltet, erwartet in den hellen, weiten, weißgetünchten Räumen ein ganzer Berg an Wahrheiten aller Art auf Besucher, die am Eingang an einer Kasse des Vertrauens kontaktlos zahlen können.  Seidewitz, ein junggebliebener Mitsechziger, der über seiner Alltagsmaske aus blitzblauen Augen in die Welt schaut, verweist auf seinen Anspruch, jede Wahrheit für sich und alle Wahrheiten zusammen wahrheitsgemäß darzustellen.

Balanceakt ohne Handgriffe


"Die Musealisierung der Wahrheitsgeschichte ist ein Balanceakt entlang zumeist bereits entfernter Seile und Handgriffe", schmunzelt er unsichtbar hinter seinem Mund-Nase-Schutz, den er mit dem Aufdruck "Achtung, Ansteckungsgefahr" versehen lassen hat. Ein Spruch, der den Doppelcharakter von Wahrheit einmal mehr verdeutlicht: Galt das Verlangen nach einer Maskenpflicht zu Beginn der "Corona-Zeiten" (MDR) noch als Versuch von Verschwörungstheoretikern, die Bundesregierung vorzuführen, weil die keinerlei Vorsorge für den Fall getroffen hatte, dass im Fall einer Pandemie auch einmal Schutzausrüstung benötigt werden könnte, wandelte sich diese Wahrheit mit der Verhängung der geforderten Maskenpflicht grundsätzlich. "Nunmehr gelten alle, die behaupten, Masken nützten nichts, als Feind", sagt Museumsgründer Seidewitz.

Die nachholende Erzeugung von veritas, wie Simon Seidewitz die Verwandlung von Verschwörungstheorien und Hassbotschaften in Regierungshandeln nennt, wird in 
der Wahrheitsmusealisierung als "Post-Faktizismus" bezeichnet. Nichts hier ist ewig, keine Festlegung gilt für immer. Das widersprecht diametral der Lehre des US-Senators Simon Cameron, der 1862 bestimmt hatte, dass ein ehrlicher Politiker der sei, "der, wenn man ihn einmal gekauft hat, das auch bleibt".

Es stützt jedoch die Arbeitsthese der Wahrheitsforschung, dass durch fortgesetztes Faktenfinden eine jede Wahrheit beleg- wie auch widerlegbar wird. "Es ist eine Sache der Perspektive", beschreibt Seidewitz. So sei die leidige Maskenfrage auf zweierlei Art wahr: Hätte es eine Vorsorge und Lagerhaltung bei Masken durch die zuständigen Behörden gegeben, "wären Masken sicherlich von Anfang an als nützliches Hilfsmittel im Seuchenkampf bezeichnet worden", sagt er.

Da aber keinerlei Vorsorge getroffen worden war, riskierten Bundes- und Landesregierungen, für ihr Versäumnis  abgestraft zu werden und dadurch daran gehindert zu sein, verspätete Abhilfe zu schaffen. "Wahr ist, dass das auch niemanden besser geschützt hätte als keine Maske."

Kraft der wandelbaren Wahrheit


An den Wänden des Wahrheitsmuseums findet der Besucher zahlreiche Dokumente, die die Kraft einer wandelbaren Wahrheit zeigen. Nur sie kann gleichzeitig erklären, wie sich das nazistische Deutschland mit dem Ende des Dritten Reiches schlagartig weitgehend entnazifizierte, dabei zu einem erfolgreichen Beispiel für nachhaltige Demokratie wurde und bis heute zugleich  mit einer Gefahr von rechts konfrontiert ist, die beständig wächst.

"Wer mit der Wahrheit lügen will", beschreibt Seidewitz, "hat einige grundsätzliche Regeln zu beachten, um nicht sofort aufzufliegen." Empfohlen werde, Wahrheiten, die in sich wahr seien wie etwa die Gleichung 2+2=22 so absolut zu behaupten, dass vom ungeübten Auge keinerlei Bezug mehr zu anderen, ebenfalls und genauso wahren Wahrheiten wie etwa 2+2=4 erkannt werden könne.

Als aktuelles Beispiel nennt Seidewitz den medialen Umgang mit den Corona-Ansteckungszahlen. Hier gelte im Moment die Tageswahrheit, dass Brasilien als neuer Hot Spot der Seuche bezeichnet werden müsse. Zutreffend, aber für diese ausgewählte Wahrheit nicht hilfreich, ist zwar auch die Wahrheit, dass die Infektionsrate in Deutschland mit 0,21 Prozent der Bevölkerung zeitweise weit über der in Brasilien liegt, die nur bei 0,13 lag.

Wichtig ist die Präsentation


"Doch bei der Wahrheit kommt es auf Präsentation an, nicht auf die umfassende Information über Kontexte und die Bewertung von Wahrheiten nach ihrer Einordnung in ein größeres Bild." Einfach, klar und stets wandelbar, so müsse eine gute Wahrheit sein, um überall anerkannt zu werden. "Schauen wir in die Geschichte, sehen wird, dass es nie darauf ankommt, ob es etwas objektiv ,stimmt', wie der Laie vielleicht meinen würde."

Stattdessen zeichne sich eine ewige Wahrheit durch unsichtbare Wandelbarkeit aus: "Der tiefe und unausrottbare Glaube an die Wahrheit, dass der ,wahre Sozialismus'  erst noch errichtet werden muss und dann ganz bestimmt funktionieren wird", nennt Simon Seidewitz als Beispiel, "findet seinen Kern im Umstand, dass der wahre Sozialismus ein unbestimmter Zustand ist, den jeder Besucher etwa hier bei uns im Museum für sich selbst definiert."