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Sonntag, 19. November 2017

Leute wie ich hassen keineswegs Eliten


Wenn Ihr meint, ihr habt es uns einfach nicht gut genug erklärt und dass ihr noch eine Schippe drauflegen müsst, bitteschön, dann glaubt das.

Ich möchte dazu nur kurz anmerken, dass Leute wie ich keineswegs Eliten hassen. Wir verstehen darunter nur etwas anderes als das momentane Spitzenpersonal in Medien, Kultur und Politik. Deren Mitglieder sollten vielleicht schon im Eigeninteresse erkennen, dass die Gelder, welche sie verteilen möchten, immer noch mit unseren rauchenden Industrie-Schloten verdient werden.

Und nicht, indem wir uns gegenseitig bezahlte Vorträge über Antifaschismus, Critical Whiteness und Gender Studies halten.

Wolfram Ackner erläutert das größte Missverständnis in der politischen Debatte

Hirnhornhaut und Ermüdung: AfD taumelt in die Bedeutungslosigkeit

Wie mit dem Messer abgeschnitten: Seit die AfD Bundestagsrealität ist,wird über die "Nazis im Parlament" (Gabriel) nicht mehr berichtet.
Vier Jahre Witz ohne Lachen. Bedauerndes Abwinken. Zwölf Monate Schreckgespenst, über das aber am besten nicht geredet werden sollte. Dann das drohende Desaster und schließlich dessen Ankunft am Abend der Bundestagswahl. Guten Abend Alptraum. Es folgte eine Nachbereitung, die eigene Gesetze gegen die AfD brachte, eigene Fernsehdiskussionsrunden über die AfD und lange Zeitungsartikel, ob man die Neuen im Parlament nun Nazis nennen dürfe und ob man trotzdem oder gerade deshalb mit ihnen reden können müsse.

Der Name ein Affront


Die Alternative für Deutschland, schon im Namen im Grunde ein unzulässiger Affront gegen die Kanzlerin, die den alternativlosen Charakter ihrer Politik stets betont hatte, schaffte binnen vierer Jahre, wozu die Grünen ein Jahrzehnt brauchten: Von einem Teil der Bevölkerung als Drohkeule und Hebel erkannt, mit dem sich erstmals nach Jahrzehnten wieder direkt auf die Ausrichtung der Politik im Lande Einfluss nehmen lässt, avancierte die blutjunge Kleinpartei zum mächtigsten Mittel, die etablierten Parteien zu erziehen.

Wie Rehe im Scheinwerferlicht standen sie am Wahlabend da, nicht so sehr erschrocken darüber, dass ihnen so viele Wähler von der Fahne gegangen waren. Sondern empört, weil die meisten davon genau die gewählt hatten, vor denen sie doch ausdrücklich und mit der ganzen Kraft ihrer schwindenden Autorität gewarnt hatten. Ursache und Folge, bekannt seit Adam und Eva im Paradies. Der Satz "Iss den Apfel nicht" macht ihn nur umso schmackhafter.

Der Kater danach ist allerdings gewichen. Das Abendland, das früheren Vorhersagen zufolge seit Trumps Inthronisation ohnehin hätte drei- oder viermal untergehen müssen, ist trotz AfD noch da. Nur die Partei ist es nicht. Die AfD verschwand aus den Schlagzeilen ebenso schnell wie sie vor der Wahl hineingestürmt war. War eben noch jeder Husten Gaulands, jede missverständlich zusammenkürzbare Weidel-Aussage, jeder Parteiaustritt und jeder Facebook-Chat einer Kleingruppe aus der Provinz ein guter Anlass, Masken vom Gesicht zu reißen, zu warnen und klarzumachen, welch böses Ende es nehmen wird, wenn "echte Nazis" (Sigmar Gabriel) erst wieder im Reichstag sitzen, ist jetzt nichts mehr von der Machtergreifung der braunen Horden zu hören.

Wo sind all die Nazis hin


Existiert die AfD überhaupt noch? Was macht Höcke? Wo rechnet Petry heute ab? Gehört Meuthen so den Reformern oder den Hardlinern? Und wo sind all die Gegendemonstranten hin, die Wirte, die keine AFDler bedienen, die Hoteliers, die sie nicht einlassen, die anständigen Parteien, die nicht neben ihnen sitzen wollen?

Wie mit der Schere abgeschnitten endet die Ära der Abwehrkämpfe gegen die im Sptember noch als Gottseibeiuns gepredigte Kleinpartei in Hirnhornhaut und Ermüdung. Nach der Überdosis der kalte Entzug. Schlechtes Omen für die Partei: Die AfD, die ihre Kraft nie aus hochfliegenden Plänen oder politischen Strategien bezog, sondern allein daraus, dass sie keine der anderen Parteien war, steht vor einem schweren Bedeutungsverlust.

Samstag, 18. November 2017

Doku Deutschland: Sexismus in der Diskothek?

Jessica Meier aus Greifswald deckt auf: Sexuelle Anmache gibt es auch in deutschen Diskotheken.

Bisher galten die deutsche Spitzenpolitik und die Nachtszene der Diskotheken und Bars als einzige saubere Bereiche in einer Gesellschaft, die mehr und mehr durchdrungen wird vom Verdacht, Missbrauch und sexuelle Nötigung, Übergriffe und Sex zwischen Erwachsenen könnten hinter den schönen Fassaden von Unternehmen, Fernsehanstalten und in der Unterhaltungsindustrie zum Alltag gehören.Seit #metoo geht nun aber auch im Bundestag, in Diskos und bei den großen Fernsehsendern die Angst um, wer der nächste sein könnte. Der Skandal breitet sich auf andere Branchen aus. So kursiert bereits eine Täter-Liste „Beschissener Medien-Männer“, eine mit "Anbagger-Typen" für Berliner Nachtschuppen und eine Bekleidungsvorschrift für verunsicherte Frauen. Das aber ist nur der Anfang, denn der Skandal geht viel weiter.

Reihenweise haben sich Diskotänzerinnen und Besucherinnen von Nachtklubs seit Beginn des bislang größten Sexskandals der Welt bei PPQ gemeldet und Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung nach einem Diskobesuch gemeldet. Fälle nicht aus dem fernen Hollywood, sondern auch Flensburg, Offenbach, Waren an der Müritz und Bautzen, die zeigen, dass es das Problem nicht nur in den USA gibt. Jetzt reden Mädchen und junge Frauen aus der Nachbarschaft, die der Sex-Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein hoffen lässt, vielleicht auch gehört zu werden. Damit kommen immer mehr fragwürdige Vorfälle ans Licht: Versuche, sich unsittlich zu nähern, Anmachstrategien mit Gratisgetränken, plötzlicher Engtanz, Hände auf Hintern, ohne zu fragen, Küsse und angeblich harmlose Fragen wie "Darf ich noch auf einen Kaffee mit hochkommen". In der ganzen deutschen Nachtszene ist es allem Anschein nach Gang und Gäbe, dass Frauen auf ihren Körper reduziert und unwürdig behandelt werden.


Auch Jessica Meier blieb davon nicht verschont. Die Dauer-Diskogängerin aus Schwerin spricht inzwischen offen über ihre schockierenden Erfahrungen in Tanzschuppen, Cafés, Kneipen und Diskotheken. Nicht nur, dass Meier immer wieder von Männern angequatscht wird, teilweise solle sie dann mit ihnen tanzen, teilweise werde sie aufgefordert, etwas zu trinken. Manchmal habe sie sich, so die 23-Jährige, auch anhören müssen, sie sei zu dick: „Als ich noch viel jünger war und gerade anfing, auszugehen, sagten mir Kerle, dass ich rund sieben Kilo abnehmen sollte – in zwei Wochen“, erzählte Jessica Meier, die damals alles andere als übergewichtig war.


Mit 18 fühlte sie sich unter Druck gesetzt, zumal viele ihrer Freundinnen ebenso belästigt worden seien. "Wir glaubten, wenn wir nachgeben, lassen sie uns in Ruhe." Also habe sie oft mitgetanzt, Drinks entgegengenommen und Diät gehalten. Erst der Sexskandal um Hollywoodproduzent Harvey Weinstein habe ihr Mut gemacht, über ihre Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und Übergriffen gemacht haben.  "Ja, ich wurde angefasst", gesteht Meier, "und ja, ich dachte lange, das ist normal, dass man einen Typen nach der Disko mit nach Hause nimmt."

Erst jetzt merke sie, wie groß das Ausmaß an Missbrauch wirklich sei, das sie erlebt habe. "Oft glaubt man nach einigen Tänzen, ein paar Longdrinks und ein paar Muntermachern, dass man es dem Jungen schuldig sei, ihn mitzunehmen." Dass viele Männer sich in Diskotheken so benähmen, als sähen sie gut aus, seien beruflich erfolgreich, gut situiert und hätten einen Anspruch auf weibliche Aufmerksamkeit, habe sie immer wieder verwirrt. "Manchmal haben sie mich auf der Tanzfläche angefasst und einer hat mich vor dem Klo geküsst."

Was im Moment erträglich erschien, weil Jessica Meier glaubte, dieses Verhalten gehöre zur Normalität einer Disko. Heute erst begreift sie, welch schwerste Belästigungen und Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung sie den Männern vorzuwerfen hat, was er bestreitet. Der Fall wirft Fragen auf. Etwa Fragen dazu, wie es in der deutschen Filmbranche deren Namen sie meinst gar nicht mehr erinnert. "Als Partygirl bist du angesagt, wenn du mitmachst", sagt sie. Seit sie öffentlich abrechne, machten junge Männer jedoch einen Bogen um sie.

Hört man sich in der deutschen Diskoszene um, stößt man vielleicht deshalb vor allem auf Zurückhaltung. Die besonders einflussreichen und bekannten Frauen sagen auf Anfrage nichts. Ein Thema ist Weinstein aber auf jeden Fall. Eine Tänzerin im Szeneschuppen "Lulu" in Greifswald erzählt, dass sie sich schon mit einer Bekannten ausgetauscht hat: "Wir haben festgestellt, dass wir niemanden kennen, dem an der Bar oder auf der Tanzfläche noch nicht mindestens Anzüglichkeiten, Busen- oder Hinterngegrabsche passiert sind - inklusive mir."

Jessica Meier nennt die #metoo-Aktion "großartig" und lobt den Mut der Frauen, das anzügliche Verhalten von Männern öffentlich gemacht haben. Sie habe lange überlegt, ob sie sich äußern wolle, denn das Thema sei heikel. Aber Meier will anderen Mut machen. In ihrer Zeit als Diskobesucherin habe sie aber so viel Chauvinismus und Sexismus erlebt, dass sie nicht länger ruhig bleiben könne."Es herrscht in Diskos ein völlig falsches Frauenbild", sagt sie.

Meiers Rat an die Frauen: "Habt den Mut zu sagen, ich lasse es mir nicht gefallen." Besonders wichtig findet sie, dass sich auch Männer von sexistischen Übergriffen distanzieren. "Man muss als Mann nicht eine Tochter haben, um das zu verurteilen." Das Problem liegt demnach in der Struktur. Wo Männer im Halbdunkel, bei lauter Musik und oft flackerndem Scheinwerferlicht und zügellos genossenen alkoholischen Getränken auf Frauen träfen, entäußerten sich tierische Urinstinkte.  "Es ist ein System, in dem Männer vorwiegend allein entscheiden, ob sie auf eine Frau zugehen und wie sie das tun."

Es hapere demnach schon beim Bild, wie Frauen zu sein haben: "Die Medien fördern immer wieder das Bild der Frau, wie Männer es gern hätten: die 'Sexy Maus', die aufgedonnert tanzen geht und nicht Nein sagt." Dem müsse ein Ende gesetzt werden, glaubt sie, "sei es durch bessere Beleuchtung oder durch weniger Alkohol". Dann könne man auch wieder beruhigt tanzen gehen.

Freitag, 17. November 2017

HFC: Schüchtern geht der Blick nach oben

Klaus Gjasula ist wieder da - und der HFC gewinnt.

Glaube, Liebe und Hoffnung, und am Ende doch immer wieder das Gefühl, als nütze das alles nichts mehr. Seit der Hallesche FC seinen Anhängern vor ziemlich genau einem Jahr, die Aufstiegsränge im Blick, klargemacht hat, dass es einen HFC in der 2. Liga in diesem und vielleicht auch im nächsten Jahrzehnt nicht geben wird, die die Stimmung ungeschlagen in halle. Aus fehlender Euphorie wurde Missmut, aus dem Blick nach oben der nach unten, wo das Tabellenende auch nach einer leichten Ergebnisverbesserung in den letzten Wochen immer noch näher ist als der ersehnte Platz vor oder doch wenigstens kurz hinter dem ewigen Rivalen aus Magdeburg.

Wenn dann Preußen Münster kommt, in der Vergangenheit mal Aufbaugegner, mal Schreckgespenst, steht einmal mehr alles auf dem Prüfstand. Dritter Heimsieg in Folge oder eine schöne, aber kurze Serie mehr in der Saisonbilanz?

Immerhin arbeitet die Elf von Trainer Rico Schmitt, der die Partie als einziger Zuschauer mit hochgeschobenen Ärmeln verfolgt, von der ersten Minute an engagiert nach vorn. Münster, auswärts Fallobst, hält zwar dagegen so gut es geht. Aber bis auf einen Abschlussversuch nach acht Minuten gelingt den Gästen nichts, was das Tor des neuen HFC-Stammtorwartes Tom Müller ernsthaft in Gefahr bringt. Der HFC, vor dem Tor von Münster-Keeper Körber bis dahin auch nur mit einem der patentiert harmlosen Baumgärtel-Freistöße auffällig, macht es in der 10. Minute besser: Klaus Gjasula bedient eben jenen Baumgärtel auf Linksaußen. Der nimmt mit der Brust an, vernascht seinen Gegenspieler und zieht unhaltbar ins lange Eck ab.

Wieder ein frühes Tor und wieder die alte Angst auf den mit 6000 Fans besetzten Tribünen, dass nun alles kippen könnte. Auch 2015 hatte Halle gegen die Preußen geführt, war dann aber mit 1:3 abgefertigt worden.

Damals war strahlender Sonnenschein, heute sind bitterkalte sechs Grad. Damals waren Furuholm, Osawe und Bertram noch da, heute spielen dort El Helwe, Ajani und Röser. Und sie spielen gut. Obwohl Münster, angefeuert von rund hundert schmerzfreien Fans, sich nun mehr um die Offensive bemüht, verbringt Müller im HFC-Kasten einen ruhigen Abend. Namensvetter Tobias Müller versucht es mal wieder mit einem zu kurzen Rückpass. Aber er ist weniger kurz als zuletzt in Würzburg, so dass es beim knappen Vorsprung der Rot-Weißen bleibt - auch weil Müller einen eigentlich unhaltbaren Schuss von Rizzi in der Manier eines Manuel Neuer pariert.

Es ist dann Abwehrmann Stefan Kleineheismann, der nach dem nächsten auf der Tribüne eigentlich bereits abhakten Baumgärtel-Freistoß hoch steigt und per Kopfball zum 2:0 trifft. Das wenigstens gefühlt erste Tor nach einem Standard seit der Ära Gogia, zumindest ohne dass tom Müller den Vollstrecker mimt. Der HFC ist damit - über die letzten fünf Spieltage gesehen - die Mannschaft der Stunde in der 3. Liga. Wären da nicht die sieglosen Spieltage 1 bis 6 gewesen, fast glömme wieder ein Fünkchen Hoffnung auf bessere Zeiten.

Und vielleicht gibt es ja Grund dazu. Seit der Heimniederlage gegen Chemnitz Ende September hat der HFC zu Hause kein Gegentor mehr kassiert und abgesehen vom Würzburg-Spiel immer mindestens ein Tor geschossen.

Heute legen sie dann sogar noch eins nach. Sparsame zweimal schießt Münster nach Wiederanpfiff auf hallesche Tor, dann schnappt sich Eric Zenga den Ball, geht im Mittelfeld ein paar Meter wie einst Kleineheismann im Spiel gegen Fortuna Köln. Sein genau getimter Pass findet Martin Röser, der den Ball elegant über den herausgeeilten Körber ins Tor hebt.

3:0, gegessen. Die Münster-Fans singen unverdrossen weiter, die HFC-Kurve liegt sich glücklich in den Armen. Abpfiff und ein bisschen sogar Vorfreude auf den Klassiker nächste Woche gegen die "Besten der Welt" aus der Landeshauptstadt. Die haben seit drei Spielen nicht mehr gewonnen und in den letzten vier Partien bei vier Gegentreffern nur zwei Tore geschossen. Der HFC kommt auf neun eigene Tore und nur zwei Gegentreffer.


Deutschland: Im Schulterschluss mit Antisemiten

Man muss das praktisch sehen. Man sieht es praktisch. Wenn Kuwait ein Gesetz erlässt, das es verbietet, mit Israelis Geschäfte zu machen, dann ist das auch für Firmen bindend, die diese Geschäfte in Deutschland machen würden, täten sie es. Sie müssen aber nicht.

Wie auch Deutschland nicht die Konsequenz ziehen muss, und der Firma deshalb die Geschäfte in Deutschland zu untersagen. Wir sind das moralische System. Aber auch unsere Moral hat Grenzen, wo der Eigennutz mehr wiegt als der Moment, in dem sich die Kanzelreden vom Kampf gegen den Antisemitismus als leeres Gewäsch herausstellen.

Es ist ein Schwebezustand, den alle akzeptieren. Wenn Israel sich für eine Fußballweltmeisterschaft qualifizieren will, dann muss es gegen europäische Wettbewerber antreten, nicht gegen seine arabischen Nachbarn. Die würden, wäre die Fifa der Ansicht, dass wie sonst überall auch hier das Regionalprinzip gilt, nicht mitspielen: Der im Nahen Osten grassierende Judenhass, zwischen Saudi-Arabien und dem Iran in Gesetze gegossen, würde sie eher aus dem Weltfußball aussteigen lassen als sie gegen die verabscheuten Juden anzutreten.

Der Westen in seiner unendlichen Toleranz zumindest für die Intoleranten, wenn sie einen Staat ihr eigen nennen, akzeptiert das. Man findet eine Möglichkeit, die Araber von den Juden zu separieren, indem man die Juden selbst übernimmt. Die Alternative, auf dem Grundsatz zu bestehen, dass, wer Sport auf der Weltbühne treiben will, den Gegner akzeptieren muss, den ihm der welthistorische Zufall vor die Füße gelegt hat, scheint zu bedrohlich: Der Westen braucht das Öl der Araber, der Westen braucht den guten Willen der Araber im Kampf gegen noch islamistischere Extremisten und der Westen braucht die Ölmilliarden aus Oman, Kuwait, Saudi-Arabien und den VAE, um seine Waffenindustrie am Laufen zu halten.

Als Angela Merkel 2008 vor der Knesset betonte, dass Israels Sicherheit Teil deutscher Staatsräson sei, war das eine symbolische Geste, deren Enrsthaftigkeit mit ein paar U-Boot-Lieferungen beschworen wurde. Dazu baut man ein schönes Denkmal für die toten Juden, beklagt den Rassismus der Antisemiten, beschwört alljährlich im November den "Kampf gegen Antisemitismus als Teil zu unserer Staatsräson" und kanzelt die ab, der greise Modeschöpfer Karl Lagerfeld ein Eckchen von der Decke des verschwiegenen Teils des Problems zupfen.

Hinter dieser Deckung kann der Judenhass dann vortrefflich gedeihen: Abgewiesen hat das deutsche Gericht, das darüber befinden musste, ob eine in Deutschland startende kuwaitische Fluglinie einen Israeli transportieren muss, auch den Antrag, den trotz Tickets nicht beförderten Fluggast aus Israel  zu entschädigen. Das Antidiskriminierungsgesetz gelte schließlich nur bei einer Benachteiligung aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft oder der Religion, nicht aber wegen einer bestimmten Staatsangehörigkeit.

Wortwolke: Jamaika muss wollen verbessern Ausbau Umwelt Bildung

Verhandlungen Themen Berlin meistgebrauchte Worte
Die Prioritäten von Jamaika in einer Grafik:Wollen, stärken, fördern und schaffen.
Sie "wollen" 175 mal, "setzen" 19 mal, haben 18 "Ziele" und sind 14 mal "dafür". Nachdem die Initiative Demokratie lebt gemeinsam mit dem Internet-Portal achgut.com Protokolle, Gesprächsunterlagen und Mitschriften aus den Berliner Verhandlungen zur Jamaika-Koalition öffentlich gemacht hat, lässt sich absehen, wo dieses Jamaika liegen wird: Eine von PPQ erstellte grafische Auswertung als Wortwolke (oben) zeigt die Prioritäten. Ganz groß, weil besonders häufig im Gespräch, findet sich das Wort "Grüne" (44 Erwähnungen), knapp dahinter die FDP (33), während die Union, deren Stimmenanteil den von Grünen und FDP um mehr als ein Drittel übertrifft, in allen Kombinationen nur auf 46 Verwendungen kommt.

Die kleinste Partei am künftigen Kabinettstisch  macht, angetrieben von ihren Fans in den Redaktionsstuben, den größten Lärm. "Klima"(27) und "Umwelt" (18) sind denn auch Begriffe, über die rund zehnmal so häufig gesprochen wird wie über "Steuern" und "entlasten". Gar nicht zu reden vom Thema, das Deutschland in den letzten beiden Jahren geprägt hat wie kein anderes: "Asyl" kommt überhaupt nicht vor, der Begriff "Flüchtlinge" ein einziges Mal. "Wir verfolgen vom Beginn der Legislaturperiode an das Ziel, die ODA-Quote bis 2020 bei 0.7% dauerhaft ohne Einrechnung der inländischen Ausgaben für Flüchtlinge zu erreichen", heißt es da. Die "Oda-Quote" ist der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit am Bruttonationaleinkommen.

"Muss", "erreichen", "einsetzen" und "gestalten" und "unterstützen", "dazu "besseren", "mehr" und "ausbauen" - Jamaika verspricht zu werden, was die DDR in ihren letzten Jahren war. Alles wurde dort immer "noch besser". Aber nichts wurde gut.

PPQ publiziert diese Papiere, weil Wähler und Bürger wissen sollen, welche Prioritäten gesetzt werden, wenn sich die Balkontür hinter den Verhandlungspartnern schließt und das Pokern darum beginnt, wie "alles weitergehen wie bisher" (achgut) kann. Sich die "größte Ansammlung von Formelkompromissen seit Gründung der Bundesrepublik" (achgut) aber gleichzeitig so als historischer Neuanfang verkaufen lassen kann, dass es die Rechtspopulisten aus dem Sattel hebt.

Die Hitparade der liebsten Jamaika-Begriffe, die sich in der aufgeführten Reihung leicht auch als Poem lesen lassen:

175 wollen
44 Grüne
33 FDP
30 stärken
25 insbesondere
21 schaffen
19 Digitalisierung
19 setzen
18 Ziel
17 CSU
16 Deutschland
16 dabei
16 CDU
15 fördern
14 dafür
13 Union
13 Bund
13 Euro
12 erhalten
12 Ausbau

Donnerstag, 16. November 2017

Doku Deutschland: Weihnachten mit Wassercontainer

Pfiffige Idee: In Hamm werden Wassertanks gegen den IS eingesetzt.
ISIS ist geschlagen und die Terrormilizionäre scheinen für den Moment geschwächt. Schon seit mehr als einem Monat ist es den Terroristen nicht mehr gelungen, ihren Terror nach Europa zu tragen. Damit das auch in der stillen Jahreszeit so bleibt, rüsten deutsche Städte auf: Betonbarrieren sichern die beliebten Weihnachtsmärkte, bewaffnete Polizei sorgt für mehr Sicherheit und Spezialkräfte nehmen Gefährder schon fest, wenn die gerade erst begonnen haben, wenn die gerade erst begonnen haben, nach Amazon-Empfehlungen Material zum Bombenbau einzukaufen. Auch die Stadt Hamm in Westfalen zeigt dem internationalen Terror jetzt, dass er im Ruhrgebiet keine Chance hat: Hamm sichert seinen traditionellen Weihnachtsmarkt allerdings nicht mit hässlichen Betonklötzen. Sondern einfallsreich und pfiffig mit preisgünstigen Wassercontainern.

Die nach Füllung "tonnenschweren" (WDR) Behälter werden zusammengebunden und zur Freude der Weihnachtsmarkt-Besucher als Block auf allen Wege zum Weihnachtsmarkt so aufgestellt, dass für Fahrzeuge kein Durchkommen mehr ist. Im Gegensatz zu Betonabsperrungen, wie sie deutschlandweit eingesetzt werden, sind die Tanks leicht zu tranportieren, dazu aber trotzdem frostsicher und stichfest. Deutsche Ingenieurkunst schafft so eine kostengünstige Lösung für ein Problem, das seit dem von Anis Amri verübten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin virulent ist.

Typisch deutsch auch: Die Container sind wiederverwendbar, so dass die Investitionskosten von 180 Euro pro Tank nach nur zehn Jahren auf eine zweistellige Summe zusammenschrumpeln. Das ist nach Überzeugung der Stadtväter von Hamm sogar noch günstiger als eine Variante, bei der Lastwagen als Sperren eingesetzt werden. Noch ist nicht klar, wie viele der hochmodernen Container-Sperren aufgestellt werden, um den IS und andere Radikalinskis draußen zu halten. Damit die Weihnachtsstimmung der Besucherinnen und Besucher nicht gestört wird, erhalten die Sperren aber auf jeden Fall festliche Dekorationen. So wird etwa ein fröhliches Santa-Claus-Gesicht auf die Wassersperren gemalt, andere erhalten einen winterlichen Anstrich oder werden mit Tanne geschmückt.