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Freitag, 24. Oktober 2014

Vom Meinungstenor zum Meinungsterror

Ein Ritual, das fünfmal täglich absolviert werden muss, von hunderten von Zeitungen, Fernsehsendern und Radiostationen: Schreibst Du was, schreibe ich es ab, am besten mit denselben Worten. Zuletzt führte der frühere polnische Außenminister Sikorski vor, wie der Mechanismus funktioniert: Er behauptete, Russlands neuer Zar Putin habe ihm vorgeschlagen, die Ukraine zwischen Polen und Russland aufzuteilen. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, zwei Tage längst ernährte sie Rudel von Berufsempörern und Kommentatoren. Dann ruderte Sikorski kleinlaut zurück, er habe gescherzt oder sich nicht gut erinnern können, sorry. Putin jedenfalls habe das nie gesagt.

Das Medienecho blieb verhalten, denn diese Botschaft passte nun weit weniger in die Agenda der Leitmedien und ihrer angeschlossenen Zitiertstationen als die ursprüngliche.Ein Phänomen, das seit den wegweisenden Forschungen des Medienwissenschaftlers Hans Achtelbuscher vom An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale bekannt ist. Themen entwickeln sich aus Nachrichtenüberlagerung und Nachrichtenverdünnung, vor allem aber aus redundanter Verstärkung hat der Medien-Entroposoph bereits vor Jahren herausgefunden. Dabei gehe es nie um die Relevanz eines Themas, sondern immer nur um dessen
möglichst einheitliche Abhandlung. Achtelbuscher: "Kein Medium will sein Publikum damit irritieren, abweichende Standpunkte zu vertreten."

Von Eva Herman über Thilo Sarrazin führt eine gerade Linie zu Xavier Naidoo, denn in "Medien dominiert zunehmend ein missionarisches Berufsverständnis", wie Detlef Kleinert in einer hellsichtigen Analyse in der österreichischen "Presse" schreibt.. Medienschaffenden sähen "ihr Glaubensgebäude als das allein selig machende an und wollen all jene ruinieren, die nicht ihrem Glauben folgen", heißt es weiter. Und: "Nahezu täglich kann der aufmerksame Beobachter feststellen, wie da manipuliert wird, wie Fakten zurechtgebogen und Tatsachen ideologisch aufbereitet werden – nach dem Motto: Wenn die Wirklichkeit nicht meiner Einstellung entspricht, umso schlimmer für die Wirklichkeit."

Ob Ukraine oder Ebola, naher Osten oder rot-rot-grünes Thüringen - ist der Takt erst angeschlagen, marschiert die ganze Meute mit. Der "Nachrichten-Mainstream“ (ARD) erzeugt sich selbst, aus "Meinungstenor" (Noelle-Neumann) wird Meinungsterror, ein "missionarisches Berufsverständnis zu tun, das geprägt ist von einer volkspädagogischen Haltung, die ihr Glaubensgebäude als allein selig machend ansieht und all jene ruinieren will, die nicht ihrem Glauben folgen" (Die Presse) dominiert die öffentliche Meinung in einem Maße, das jede abweichende Darstellung wie ein Gedankenverbrechen aussehen lässt.

"Gleichschaltung" hat das Günter Grass genannt und sich damit außerhalb des Konsens derer gestellt, die unter "Verzicht auf eigene Gedanken" repetieren, was die „Generation G“ der von „Greenpeace, Gender und Gerechtigkeit“ beseelten Berichterstatter voneinander abschreibt, bis es zur einzigen möglichen Wahrheit geworden ist.

Detlef Kleinert: "Die „politische Korrektheit“ hat dazu geführt, dass viele Journalisten sich an die Sprachregelung der Alpha-Kollegen anlehnen und auf eigene Gedanken verzichten." Immer mehr vom Gleichen, auf immer mehr Kanälen, Einfalt, die sich als Vielfalt ausgibt.

Das Ergebnis ist an Auflagenzahlen ablesbar: Die vierte Gewalt wird zur Handpuppe von Interessengruppen, Spindoktoren und Public-Relations-Agenturen, das Publikum aber geht von der Fahne.

Die ganze Wahrheit über die Inflation

Journalisten sind kompliziert. Vor allem Preisveränderungen bei Lebensmitteln nehmen sie überhaupt nicht wahr. Das führt zu Zeitungsbeiträgen wie in der aktuellen "Welt", die mit großem Aufwand versuchen, die Existenz von Preiserhöhungen zu bestrieten, dabei jedoch an der Realität vorbeigehen.

"Keine Frage, alles wird immer teurer, vor allem Lebensmittel", heißt es eingangs im Text des Billigpredigers Michael Gassmann. Am Beispiel von Schnittkäse, Kopfsalat und Tomaten belegt der Autor dann, dass es wirklich zu Preissteigerungen kommt: Fakt, es gibt sie!

Hier jedoch nur als Folie zur Beschreibung, warum sie eigentlich dann doch nicht existieren. Nicht teurere Waren, sondern eine verquere Wahrnehmung des Verbrauchers ist schuld am Eindruck, alles werde immer teurer, so argumentiert die "Welt", die 1991 zum Preis von 1,50 Mark zu haben war, heute aber rund 4,40 kostet.

Eine Preissteigerung um knapp das Dreifache, der ebenso wie der Eindruck, Bier, Zigaretten, Brot und Kohlrabi seien schon mal billiger gewesen, ausschließlich einem von Wirtschaftspsychologen längst entdeckten Phänomen zuzuschreiben ist. Preissteigerungen werden intensiver wahrgenommen und bleiben länger im Gedächtnis haften als Preissenkungen.

Der Mensch aber irre, wenn er glaube, damit richtig zu liegen, argumentiert Gassmann, der der "Welt" als "Korrespondent Handel und Konsumgüter" dient. Falsch, alles falsch! Mag sein, dass Brot 1991 3,19 Mark kostete und die Preishalbierung durch die Euro-Umstellung schon 2011 aufgeholt hatte, als es 3,20 Euro kostete. Kann sein, dass Benzin 2001 mit 1,42 Mark zu Buche schlug und nocht mal 25 Jahre später an guten Tagen dieselben Zahlen an der Preistafel stehen - nur in einer doppelt so teuren Währung. Letztlich aber ist das alles nur Psychologie, Aberglaube, ein Festhängen an falschen Eindrücken. "An ihrem persönlichen Referenzpunkt messen die Kunden, was sie für normal, für billig oder teuer halten", heißt es im Beitrag "Die ganze Wahrheit über die Lebensmittelpreise".

Dabei bedarf es im Hintergrund rein rechnerisch schon länger einiger Kreativität, um die tatsächliche Inflation auf das Maß herunterzustutzen, das es der EZB erlaubt, Geld ohne Grenzen zu drucken. Statistisch gesehen entfallen nämlich ausgerechnet auf die Wohnkosten mit 32,6 Prozent, die Heizkosten mit 15 Prozent, die Mobilität mit 14,6 Prozent und auf Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren (14,3 Prozent) rund 76 Prozent aller Ausgaben deutscher Haushalte.

Da zuletzt sowohl die Mietkosten als auch Heiz- und Energiekosten, Fahr- und Lebensmittelpreise stiegen und Benzinpreise zumindest nicht rasant fielen, bleiben zum rechnerischen Ausgleich dieser inflationären Einflüsse eigentlich nur magere 24 Prozent Warenkorbinhalt übrig: Elektrogeräte, Pauschalreisen, Gesundheitspflege und Kommunikation. Mit deren Hilfe gelingt es den Statistikern bisher aber zuverlässig, nahezu alle Inflation wegzuzaubern: Gerade erst war die Inflationsrate auf den niedrigsten Stand der letzten fünf Jahre gesunken.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Russenterror aus der Luft

Je unsichtbarer der Ukraine-Krieg wird, desto mühsamer scheint es zu werden, aktuelle Nachrichten heranzuschaffen, die den Russenhass am Leben halten. Nach dem Angriff kremltreuer Unterwasser-Motorräder auf Schweden ist nun wieder der Russenterror aus der Luft Thema: Wie im April, aus perfide Feindflieger aus dem Osten es gewagt hatten, die Niederlande über der Nordsee anzugreifen, ohne auch nur in die Nähe der Zwölf-Meilen-Zone Hollands zu kommen, hat der entmenschte neue Zar auch diesmal wieder seine Luftwaffe in Marsch gesetzt, um den Westen doch noch in einen Endkampf um das gemeinsame europäische Haus zu treiben.

Diesmal war es ein russisches Aufklärungsflugzeug, das für "etwa eine Minute in den Luftraum Estlands" (tagesschau) eindrang, der sich direkt neben dem russischen Luftraum gefindet. Da keine Erlaubnis vorlag, stiegen portugiesische Kampfjets auf, um das Flugzeug abzufangen. Sie wurden unterstützt von belgischen und schwedischen F-16-Flugzeugen, wie ein Nato-Sprecher im belgischen Mons mitteilte.

Trotz des kurzen Aufenthaltes der Russen im Nato-Luftraum gelang es den flugs aus Portugal herbeigeeilten Piloten, den Feindflieger vom Typ Iljuschin Il-20 zu finden, zu stellen, Sichtkontakt mit der Besatzung der Maschine aufzunehmen und sie - offenbar immer noch innerhalb der Minute, in der sie sich im estnischen Luftraum befand - aus dem Nato-Luftraum hinauszugeleiten.

Springers irre Ebola-Theorien

Für die Ebola-Epidemie in Westafrika gab es nach Überzeugung von Wissenschaftlern nur einen einzigen Ursprungsort: Im Dschungeldorf Meliandou in Guinea sei das Virus von Flughunden auf ein Kind übertragen worden. Die grassierenden Verschwörungstheorien um den bislang schlimmsten Ebola-Ausbruch der Geschichte kommen allerdings zu einem anderen Schluss als die Forscher. Für sie kommt der Virus aus vielen Orten der Welt.

In Tweets, Onlineforen und ominösen Zeitungsartikeln verbreiten sich die Theorien über das Internet noch viel schneller als das Virus unter den Menschen in Westafrika.

"Ich weiß nicht … Aber ich denke, diese Ebola-Epidemie ist eine Form der Bevölkerungskontrolle", twitterte der amerikanische Hip-Hop-Star Chris Brown an seine weltweite Gefolgschaft.

Das war Wasser auf die Mühlen jener, die – ähnlich wie schon beim Aidserreger HIV – nicht an eine natürliche Entstehung des Virus glauben wollen, sondern finstere Mächte am Wirken sehen. Eine der abenteuerlichsten Spekulationen wurde bereits im August von der Premium-Zeitung "Die Welt" verbreitet – in jenem Land, dessen Talkshows inzwischen am schlimmsten von der Epidemie betroffen sind. Ebola sei eine Art Biowaffe, erklärte das Blatt, entwickelt zu Sowjetzeiten von russischen Wissenschaftlern im Zuge des Programms "Biopreparat", bei dem 60.000 Mitarbeiter streng geheim an "potenziell weltverändernden Biowaffen geforscht" hätten.

Entwickelt im Auftrag des Sowjet-Militärs, sei das Virus ab Mitte der 80er-Jahre waffenfähig gemacht worden. "Das bedeutete, das Virus stabil, transportfähig, unempfindlich gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen zu machen und nach Freisetzung möglichst lange im Zielraum wirksam zu halten", schreibt das Springer-Blatt inspiriert vom Ebola-Doku-Thriller "Hot Zone", von Richard Preston sowie Horrorautor Stephen King.

"Dies ist genau die Art von Veröffentlichung, die unserem Kampf gegen Ebola mehr schadet als nützt", erbost sich Lamii Kpargoi vom Liberia Media Center, das sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt - im Gegensatz zu vielen anderen, die das Netz mit düsteren Geschichten füttern. Pharmakonzerne hätten Ebola verbreitet, um kräftig an Gegenmitteln verdienen zu können, ist eines der am häufigsten zu lesenden Gerüchte.

Bis vor kurzem waberten Ebola-Verschwörungstheorien im Internet eher durch dessen Randbereiche. Doch beflügelt durch die Furcht nach den Ebola-Ansteckungsfällen in Texas, dringen hanebüchene Gerüchte auch in den Mainstream vor: Laut dem Springer-Blatt "Bild" hilft so zum Beispiel kräftiges Kiffen gegen Ebola.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Erste deutsche Waffenlieferung bei IS eingetroffen

Großer Erfolg für die deutschen Hilfslieferungen an den Islamischen Staat (IS): Ein Hands-on-Video der Propagandabteilung der irren Islamisten zeigt, wie Kämpfer einer Mordbande die ersten deutschen Handgranaten aus einer Transportverpackung schält. Die bei der Bundeswehr aussortierten Handgranaten des Typs DM41 können damit vermutlich bereits im Endkampf um Kobane eingesetzt werden.

Das sorgt für große Freude bei den IS-Aktivisten, die nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten der deutschen Troßtruppen bereits daran gezweifelt hatten, ob die von der Bundesregierung versprochenen Waffen für den Kampf um die Erweiterung des Kalifats wirklich eintreffen.

Mit den nun sorgfältig in Kisten verpackten Splitterhandgranaten - einem Nachbau der US-amerikanischen M26A2, die sich im Kampf gegen die "Vietcong-Terroristen" (Der Spiegel) im Vietnamkrieg bewährt hatte - liefert die Nürnberger Firma Diehl in europäischer Gemeinschaftsarbeit mit der Fábrica Militar de Braço de Prata aus Portugal nun aber tatsächlich 10.000 Stück in den Nahen Osten.

Möbel und Socken: EZB startet Privatbesitzankauf

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt Insidern zufolge im Kampf gegen die Konjunkturflaute eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, bereiten die Notenbanker hinter den Kulissen den Aufkauf von privaten Vermögensbestandteilen, Haushaltswaren, gebrauchten Kleidungsstücken und Kosmetikverpackungen vor.

"Der Druck in diese Richtung ist hoch", sagte ein mit den Debatten in der EZB-Spitze vertrauter Insider der Nachrichtenagentur. Möglicherweise werde sich der EZB-Rat in seiner Sitzung Anfang Dezember offiziell damit beschäftigen. Eine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt sei denkbar, aber nicht sicher, hieß es. In der Bevölkerung kamen die Überlegungen zu sogenannten "Privatbesitztagen" gut an. es sei höchste Zeit, dass die Zentralbank nicht nur Schrottpapiere von Staaten und Unternehmen aufkaufe, sondern ihre lockerer Geldpolitik konsequent auch Privatbürgern zugutekommen lasse. Der Aktienindex Dax gewann kräftig, ebenso der EuroStoxx 50.

Mit dem Kauf von nicht mehr benötigten Möbeln, gebrauchten Spielzeug, alten Socken, nicht mehr fahrbereiten Pkw und leeren Lebensmittelverpackungen könnte allerdings frühestens im ersten Quartal kommenden Jahres begonnen werden. Unklar ist, ob die Bank die im EZB-Sprech "private equity" genannten Vermögensbestandteile direkt von den Bürgern, Bürgerinnen, Kindern und Familien kaufen würde - oder ob sie Zwischenhändler etwa aus der Pfandleih-Branche zwischenschaltet. Letzteres gilt als die wahrscheinlichere Variante.

Das Tempo der Notenbanker ist überraschend hoch. Sie haben zur Ankurbelung der Konjunktur in der seit Jahren auch wirtschaftlich äußert erfolgreichen Euro-Zone in den vergangenen Monaten ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu zählen unter anderem kostenlose Geldabgaben an Banken und der massenhafte Aufkauf von notleidenden Kreditverbriefungen und Pfandbriefen. So will die EZB auch die Inflationsrate wieder nach oben drücken, die zuletzt auf ein besorgniserregend niedriges Niveau gefallen war.

"Nach Ansicht vieler im EZB-Rat hat sich das Konjunkturbild zuletzt ins Negative verschoben", sagte einer der Insider zu Reuters. Es wachse bei der Notenbank die Befürchtung, dass die bislang beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen könnten. Der Aufkauf von Haushaltswaren, kaputten Fahrrädern und ausgetretenen Schuhen aus privaten Haushalten wäre ein nächster wichtiger Schritt, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Die Bürger hätten dann endlich mehr Geld, um mehr neue Waren zu kaufen, begrüßte ein SPD-Sprecher in Berlin die Initiative.

Ein EZB-Sprecher sagte, der EZB-Rat habe noch keine Entscheidung getroffen, man warte derzeit noch ab, was die bloße Ankündigung der Maßnahme bringe.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Streubomben für den Propagandakrieg

Warum eigentlich korrekt zitieren, wenn man sich auch etwas ausdenken kann? Nicht nur das Informationsportal PPQ findet häufig tiefere Wahrheiten im höheren Blödsinn, auch der halbstaatliche Danachrichtensender n-tv hat es sich zum Schaffensprinzip gemacht, aus Halbverstandenem, Falschübersetztem und Freierfundenem eine Art Informationssurrogat zu destillieren, das mehr über den Zustand der Medienwelt erzählt als über die Welt selbst.

Geradezu grandios, wie die finanziell schwindsüchtige Abspielstation von Hitlerfilmen ihrem Publikum eine Studie nahebringt, in der die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch den Einsatz von Streumunition im ukrainischen Bürgerkrieg anprangert. Laut n-tv kritisiere Human Right Watch, dass "Armee und prorussische Separatisten international geächtete Streubomben abgefeuert haben" - eine Behauptung, von der sich im Original-Pressetext bei Human Right Watch allerdings keine Spur findet.

Dort heißt es vielmehr eineindeutig, "Ukrainian government forces used cluster munitions in populated areas in Donetsk city in early October 2014". Auch ein Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes sei durch diese weltweit weitgehend geächtete Munitionsart getötet worden, mit hoher Wahrscheinlichkeit durch ukrainische Regierungstruppen. Dass auch die Separatisten Streumunitiun benutzt haben könnten, stellt Human Right Watch lediglich in den Raum,  im Bericht der "Welt" etwa wird dieser Vorwurf so auch nur mit einem Satz abgehandelt. n-tv, im Propagandakrieg um die Deutungshoheit über die Stellvertreterschlacht um die Ukraine bisher stets eine der verlässlichsten Quellen von Scharfmacherei und Russenhass, bleibt seiner Linie treu: Zuspitzung statt Information, Scharfmacherei statt Nachrichten, Ausgedachtes statt Fakten.

Im Archiv: n-tv veröffentlicht erstes Foto vom genetischen Fingerabdruck

Ukraine-Krieg: Jetzt greift der Aggressor nach Schweden

Erst die Ukraine, jetzt Schweden: Nur zwei Monate nach der legendären Panzerschlacht von Lugansk, bei der erstmals unsichtbare Panzer eingesetzt worden waren, hat Russlands Diktator Wladimir Putin mindestens ein Tarnkappen-U-Boot (Foto oben) vor die schwedische Küste geschickt, um die "interessante Gegend" (Spiegel) auszuspionieren.

Die Vorbereitungsmaßnahme wurde nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" von "Tauchern, die ein motorradähnliches Unterwasserfahrzeug" benutzten, durchgeführt. Offenkundig diente das bisher nicht identifizierte Fahrzeug den Kreml-Truppen dazu, vom Ankerplatz des U-Bootes zum zentralen „Hötorget“ zu fahren. Auf diesem Platz befinden sich viele wichtige Gebäude und Geschäfte, die für die Eroberer von Interesse sind. Neben dem bekannten PUB-Kaufhaus, einem Multiplex-Kino und einem Warenhaus gibt es unter anderem auch eine Konzerthalle, häufig finden zudem Obst- und Gemüsemärkte statt, auf denen frische Lebensmittel gekauft werden können.

Beobachter sehen im neuerlichen unsichtbaren Übergriff des Kreml auf ein Nicht-Nato-Land eine Fortsetzung der von Russland schon länger verfolgten Taktik des Reenactments von Höhepunkten des Kalten Krieges. Im Zusammenspiel mit westlichen Politikern, Militärs, Nachrichtenagenturen und Medienhäusern wird dabei versucht, die gesamte Bevölkerung verteidigungsbereit zu stimmen, auf dass sie in der Stunde der größten Not willig zu ihren Makarow-Gewehren greife.

Montag, 20. Oktober 2014

Gesänge fremder Völkerschaften: Knochensound für Könige

Was für eine Stimme, was für ein knochiger Sound. Die Band Mescalina tourt derzeit über die Marktplätze Mitteleuropas, ein Quartett aus Bass, Schlaghocker, Gitarre und Sängerin, bei dem der gelegentlich singende Gitarrist die großen Momente für sich hat. Dann spielt seine Frontfrau-Kollegin den lebenden Mikroständer und er hebt mit einer Stimme, die nicht von dieser Welt zu sein scheint, an, den Goldlack vom "Use Somebody" der Kings of Leon zu blasen.

Keine Politik, nur Beziehungskram, der Poet aber ist sich mittendrin, als die Stimme ins Zähneknirschende zu kippen scheint, sicher, wozu diese ganze Welt eigentlich dauernd Kriege führt: Um Dichter zu ärgern und Gedichten einen Rhythmus zu geben. Das Ende ist offen, denn was der Sänger sieht, am Ende, wenn das grammyveredelte Drama mit einem F verklingt, ist seit 2008 unbekannt geblieben.

I've been roaming around,
always looking down and all I see
Painted faces fill the places I can't reach
You know that I could use somebody
You know that I could use somebody

Someone like you
and all you know and how you speak
Countless lovers
undercover of the street

You know that I could use somebody
You know that I could use somebody
Someone like you

Off in the night while you live it up,
I'm off to sleep
Waging wars to shake the poet and the beat

I hope it's gonna make you notice
I hope it's gonna make you notice

Someone like me
Someone like me
Someone like me, somebody

Go and let it out

Someone like you, somebody
Someone like you, somebody
Someone like you, somebody

I've been roaming around,
always looking down and all I see

Extremismus-Experte: Hitler als Grundbaustein

Die Gefahr ist immerdar, sie wird stets unterschätzt und greift doch unablässig nach der Mitte der Gesellschaft. Mehr als 80 Jahre nach Hitlers Machtergreifung spricht der Rechtsextremismusexperte Martin Hörig über Konzertumsätze, klassische Bückware und den hohen szenestabilisierenden Effekt, den eine regelrechte Kultur rechts-extremistischer Kulturleistungen auf eine Gesellschaft haben, der Hitler wie Göring, Goebbels und von Schirach als Unterhaltungsangebote gelten.

Hörig studierte als junger Mann in Wien Entwicklung praxisorientierter Handlungsstrategien und zivilgesellschaftliches Netzwerken, der 50-Jährige arbeitet heute als Referent für die Geschäftsstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) in Berlin und berät das Fachgebiet Extremismus und Demokratie beim Bundesblogampelamt im mecklenburgischen Warin.

PPQ: Herr Hörig, wie behauptet sich rechtsradikales Gedankengut heute in der Kulturszene?

Hörig: Man kann sagen ausgezeichnet. Das Angebot ist breit, da ist fast jeder Stil dabei. Und das Publikum kommt nicht mehr nur aus Kreisen harter Rechter, sondern es reicht bis in die Mitte der Gesellschaft. Das braune Weltbild wird sowohl in Form von Volksmusikliedern als auch in HipHop-Songs und Black-Metal-Stücken transportiert, auch ARD, ZDF und n-tv beteiligen sich willig. Hitler ist ein Grundbaustein der Fernsehunterhaltung. Bei Konzerten dominiert aber eindeutig lauter Rechtsrock, der aggressive Töne mit rassistischen Texten verbindet.

PPQ: Mit Hass lässt sich offenkundig Geld machen. Wie viel verdienen die Beteiligten mit Musik?

Hörig: Das lässt sich nicht auf Heller und Cent beziffern, aber seit den 90er Jahren hat sich in Deutschland eine Musik- und Vertriebsstruktur etabliert, die nicht nur das Ziel verfolgt, braune Meinungen unters Volk zu bringen, sondern auch Geschäfte zu machen. Nehmen Sie den Historiker Guido Kopp, der hat sein ganzes Leben der Sache gewidmet - und sicher nicht schlecht dabei gelebt. Hier in Sachsen gibt es eine starke Ausprägung dieser Vertriebsszene – und auch eine starke Nachfrage nach ihren Produkten, die überregional und sogar europaweit Kunden finden. Darunter sind Firmen die mehrere hunderttausend Euro pro Jahr mit Volksmusik, Heavy Metal und Beat machen. Und das sind nur die kleinen Fische.

PPQ: In der Mainstream-Musikszene wird immer weniger Geld mit CDs eingenommen, stattdessen steigen die Umsätze mit Merchandising-Artikeln und die Einnahmen durch Konzerte: Ist das bei rechtsextremer Musik auch so?

Hörig: Mit der Durchführung von rechtsextremen Konzerten werden nur überschaubare Gewinne erzielt, weil viele Konzerte durch die Behörden aufgelöst werden. Aber schauen Sie sich die Literaturszene an, wo mit Erinnerungen von SS-Leuten große Umsätze erzielt werden. Hier springt das Feuilleton sofort auf den Zug, wenn jemand wie Grass ein neues Werk ankündigt. Das ist kein Nullsummenspiel. Die Herstellung von Tonträgern dagegen dürfte nicht das ganz große Geld abwerfen. Aber in den rechtsextremen Geschäften und Vertrieben werden neben CDs ja auch eine ganze Menge andere Produkte angeboten. Ourdoorjacken, Wanderstöcke, Schuhe. Hier hat sich in den letzten fünfzehn Jahren eine regelrechte Kultur herausgebildet. Die versprechen den Vertreibern ordentliche Gewinne.

PPQ: Womit lässt sich vor allem Geld machen?

Hörig: Vor allem mit Kleidung, etwa T-Shirts mit rechten Slogans, mit denen man seine Zugehörigkeit zur Szene zum Ausdruck bringt. Gefragt sind vor allem Produkte, die für Unbedarfte zunächst nicht als rechts zu erkennen sind.

PPQ: Wohin fließt das Geld, das rechtsextreme Vertriebe erwirtschaften?

Hörig: Einerseits in die Taschen der Betreiber, die sich davon Essen kaufen, Getränke, Kleidung. Leute wie Guide Kopp tragen keine Ware von der Stange, auch Bruno Ganz, vielleicht der bekannteste Hitler der Neuzeit, isst nicht bei McDonalds. Andererseits müssen diese einen Teil ihrer Gewinne auch in die Szene reinvestieren, weil sie nur dann die notwendige politisch-ideologische Akzeptanz erfahren, um ihre Kunden zu halten. Wer zu sehr im Interesse der Gewinnmaximierung handelt, wird vom Publikum abgestraft, die dann im Internet schon mal zum Boykott aufrufen.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Femitheismus: Frauen, Frauen über alles


Sie nennt sich "Femitheistin, ist eine 22-jährige Kriminalwissenschafts-Studentin und Mutter eines 3-jährigen Kindes. 2012 stellte sie das revolutionäre Konzept eines Internationalen Kastrationstag vor. Ziel soll eine Verringerung der männlichen Bevölkerung auf zehn Prozent des derzeitigen Bestandes sein.



VICE: Ich nehme an, „The Ratio“ ist eine Anspielung auf deine Überzeugung, dass die männliche Bevölkerung um 90 Prozent reduziert werden soll.
Die Femitheistin: Ich glaube, dass konventionelle Gleichheit—also ein Frauen-zu-Männern-Verhältnis von 50/50—ein schlechteres System darstellt. Im Grunde werden Männer in meinen Vorstellungen zu einer speziellen Klasse gemacht, die viel mehr wertgeschätzt wird. Da es viel weniger Männer gibt, können sie ihre Partnerinnen auch aus einer Vielzahl von Frauen auswählen. Das ist meine Intention. Männer wären viel mehr wert und ihre Lebensqualität würde sich extrem verbessern. Wenn man so will, dann wäre ihr Leben subventioniert und würde einem All-Inclusive-Urlaub ähneln, der von der Geburt bis zum Tod andauert.

Wenn man mal annimmt, dass die Leute damit einverstanden wären, wie könnte man die männliche Bevölkerung so weit reduzieren? Redest du hier von einer Aussortierung oder einer jahrelangen selektiven Züchtung?
Natürlich machen Männer einen beträchtlichen Teil der Opfer von Gewaltverbrechen aus und hauptsächlich sie nehmen an Kriegen teil, also wird es hier immer Sterbefälle geben—ganz sicher aber keine Aussortierung. Gezieltes Abschlachten oder gewalttätige Maßnahmen befürworte ich nicht.

Wie willst du dein Ziel dann erreichen?
Die Forschung im Bereich Designer-Babys muss fortgeführt werden: Geschlechtsmanipulation, pränatale Geschlechtserkennung, Abtreibungen, Nachkommen von zwei Frauen (Babys mit zwei Müttern) und viele weitere Mechanismen—all das wird eingesetzt, um diese Ambitionen zu erreichen. Die Maßnahmen werden zur kurzfristigen Verwirklichung der Ziele noch nicht verpflichtend eingeführt, in den Anfangsphasen werden sie nur stark gefördert. Wenn man Abtreibung nicht gerade ablehnt, dann gibt es nur wenige ethische Gründe, diese Vorschläge als ungeheuerlich anzusehen. Die ganzen Probleme bezüglich der Genetik und Bevölkerungserhaltung wurden schon durchgerechnet: genetische Flaschenhälse, Inzucht, Mutationen und so weiter. Alles wird sich zum Vorteil für meine Ideen entwickeln. Ich war sehr sorgfältig und vorsichtig. Ich habe meine Arbeit von Biologie- und Genetik-Experten—oder zumindest auf diesen Gebieten sehr bewanderten Leuten—überprüfen lassen. Sie bestätigten mir, dass alles so klappen wird.

Wir reden hier von der Theorie. Was ist mit der Praxis?
Es wird von Nöten sein, jeden Menschen—egal ob weiblich oder männlich—in den Schulen, zu Hause, durch Literatur und Kunst und durch die Medien eine neue Denkweise zu geben. Dieser Prozess wird Jahrzehnte, Generationen oder vielleicht sogar ein paar Jahrhunderte brauchen. Trotzdem sollte man diese Dinge durchziehen, um eine neue und weitaus überlegenere Welt zu schaffen. Meine Aufgabe ist es, ein Grundgerüst zu entwickeln, mit dem solche Ziele erfolgreich erreicht werden können.

Welche Männer werden dann zur Fortpflanzung ausgewählt? Basiert die Auswahl auf körperlichen oder auf mentalen Fähigkeiten?
Die passendsten Männer wären ganz einfach die, die sowohl körperlich als auch geistig fit sind. Genetische Modifizierung spielt hier auch eine Rolle.

Genmanipulation findet bereits statt, wenn Paare bei der Hochzeit getestet werden, um die Weitergabe von gefährlichem genetischen Material zu verhindern. Es gibt keine Zweifel daran, dass solche Konzepte weiter entwickelt werden, wenn wir die genauen Funktionen von Erbmaterial besser verstehen. Gesunde und fitte Männer werden immer ideal sein, aber keine „Brutalos“, was mehr mit den geistigen als mit den körperlichen Eigenschaften zu tun hat. Jeder kann Gewichte heben. Jedes Kriterium, das als wesentlicher Maßstab festgelegt wird, müsste genauestens definiert und im Laufe der Zeit oder mit dem Fortschritt der Wissenschaft überarbeitet werden, wenn sich die menschliche Spezies und ihre Bedürfnisse weiterentwickeln.

Würden Männer dann wie Zuchtpferde vom Rest isoliert werden?
Ich glaube, dass wir Männer aus der Gemeinschaft entfernen und ihnen ihre eigenen Bereiche in der Gesellschaft zuweisen müssen. Man kann es sich vorstellen wie vom Staat bezahlte Reservate, wo sie neu definiert werden können. So schaffen wir nicht nur für die Männer eine sicherere Umgebung, sondern auch für die Frauen. Da die besagten Reservate vom Staat subventioniert werden, können wir die Männer beschäftigen und ihnen Gesundheitspflege, Unterhaltung, eine Unterkunft, Schutz und alles andere bieten, was man sonst noch so im Leben braucht. So verschwindet auch die konventionelle Ungleichheit aus der Gesellschaft. Wenn die Zahl der Männer nur noch 10 Prozent der gesamten Bevölkerung ausmacht, dann steigt ihr soziologischer und biologischer Wert. Sie können ein glückliches und sicheres Leben führen und männlicher Überschuss wird der Vergangenheit angehören.

Aber haben Männer neben der Fortpflanzung nicht auch noch andere Qualitäten?
Wenn die Technologie bis dahin noch nicht an einem Punkt angekommen ist, an dem die Arbeit ohne Männer verrichtet werden kann, dann bekommen die wenigen Männer, die für die Erledigung besagter Arbeit von Nöten sind, eine Erlaubnis, außerhalb der Reservate zu arbeiten und die jeweilige Aufgabe zu erfüllen—sofern sie das wollen.

Wie Sklaven?
Nicht wie Sklaven, sondern einfach als Arbeiter, die eine Pflicht verrichten, so wie es die Arbeiter heutzutage auch machen—nur ohne finanzielle Vergütung, denn so etwas brauchen sie ja nicht. Das Ganze würde auch strengstens überwacht und reguliert werden.

Wie steht es um die Ziele des Einzelnen? Manche Männer wollen vielleicht mehr erreichen, als in einem luxuriösen Fortpflanzungsstall zu landen.
Einige sagen vielleicht, dass dies eine dystopische Welt wäre, weil es keine Freiheit im jetzigen, konventionellen Sinn gäbe. Das ist jedoch Unsinn. Es wäre eine utopische Welt, denn es gäbe fast keine Konflikte und die Leute würden zusammenarbeiten und gerecht behandelt werden, weil das System gut ausgearbeitet und lange aufgebaut ist. Wenn für fast jeden alles toll ist, dann wird das Argument nichtig. Überleben und soziologisch-biologisches Wohlbefinden sind die wichtigsten Elemente des Lebens. Unterschiedliche Prinzipien und Standards sind nur in einer Welt mit mehreren Nationen, Kulturen, Gesellschaften und Religionen aus Angst vor Unterdrückung nötig.

Wieso soll die jetzige Welt also besser sein? Nur weil einige Leute vielleicht die Möglichkeit haben, bestimmte Dinge zu tun?

Das ist irgendwie traurig.
Der Sinn des Lebens besteht einfach nur darin, unsere Spezies fortbestehen zu lassen. Wenn jemand dazu bereit ist, dir alles Nötige zum komfortablen Überleben zu geben—nur weil du existierst—, dann hast du bereits alles erreicht, was wirklich zählt.

Schließt das Ganze nicht das Konzept von Gemeinschaft und Familie aus?
Ja, heterosexuelle Gemeinschaften und das Modell der Kernfamilie schon.

Was schlägst du als Alternativen vor?
Kinder sollten von der Allgemeinheit und vom Staat aufgezogen werden. Das Modell der Kernfamilie ist ein Nährboden für Täuschungen, Unbedeutsamkeiten, Verrat, Heuchelei und Gewalt. Es muss abgeschafft werden. Fanatismus, Vorurteile und veraltete Überzeugungen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die konventionelle Familieneinheit beeinflusst unsere Jugend und beraubt sie ihres Potenzials. Meine Lösung dafür wäre die Einführung von Kinderbetreuerinnen, die jedem Kind einfach nur eine Unterkunft, Essen, Kleidung und Schutz geben—alles vom Staat zur Verfügung gestellt. In staatlichen Zuchtzentren werden perfekte Mädchen erschaffen und entwickelt. Sie werden in einer kommunalen Einrichtung unter der Aufsicht und der Kontrolle von weiblichen Gelehrten zusammen erzogen.

Aber das ist realistisch gesehen nicht das Beste für die Kinder.
Kinder müssen eine ordentliche Bildung erhalten—eine geschlechtsgetrennte Bildung, die sich auf die Entwicklung von wirklich wichtigen Fähigkeiten und Kapazitäten zur Konzepterarbeitung konzentriert. Ihnen wird die Realität von echter Gleichwertigkeit, Fertigung und Arbeit beigebracht und ein besseres Verständnis von Sexualität, Wissenschaft, Kultur und Volkszugehörigkeit vermittelt. Wenn Kinder zu Mündeln des Staates mit zugewiesenen Betreuerinnen werden, dann wird es nicht nur einfacher, die Fesseln des Fanatismus und anderen von den Eltern an die Kinder weitergegebenen, altertümlichen Vorstellungen zu lösen, die Kinder können auch dazu hergenommen werden, die älteren Generationen im Bezug auf die Verbreitung von voreingenommen und altmodischen Werten zu überwachen. Es geht darum, eine einheitliche Sichtweise zu schaffen.

Heißt das auch, dass alle Frauen automatisch eine lesbische Beziehung eingehen?
Beziehungen zwischen Frauen und Männern waren im Laufe der Geschichte immer unterschiedlich. Verbindungen zwischen Frauen und Männern weichen mit der Zeit und Volkspopulation voneinander ab. Heutzutage ist es noch nicht verbreitet oder normal, aber in der Zukunft werden immer mehr Frauen an anderen Frauen interessiert sein oder Interesse an Hingabe und neuen Erfahrungen zeigen.

Dann glaubst du also, dass die sexuelle Orientierung bestimmt werden kann?
Absolut. Ich glaube, dass die sexuelle Orientierung (wie fast alle Dinge) durch die Sozialisierung und die Genetik festgelegt wird—Genetik hat dabei einen größeren Einfluss. Jeder, der behauptet, dass die sexuelle Orientierung rein genetisch bedingt ist, ist entweder hinterlistig oder dumm. Irgendwann wird es uns möglich sein, Menschen zu entwickeln, die ihr eigenes Geschlecht bevorzugen. Ich habe den Eindruck, dass viel mehr Frauen als Männer offen für Homosexualität sind oder sich zumindest experimentierfreudiger zeigen—und woran liegt das?

Ich bin mir nicht sicher. Glaubst du, das ist genetisch bedingt?
Das ist es vielleicht zum Teil. Ein anderer Grund ist aber die tiefsitzende Angst von Männern, als homosexuell zu gelten, denn das ist nicht „männlich“. Mit der gemeinsamen Kraft von sozialer und genetischer Manipulation ist es für uns ganz einfach, die menschliche Sexualität nach unseren Wünschen neu zu gestalten und neu zu formen.

Weltpremiere: Blog testet Newszustellung per Drohne

Was Amazon und die Deutsche Post können, kann ein kleines, privates Blog für Auslandsdeutsche schon lange: Der Internetanbieter PPQ startet nach einem ausgedehnten fünftägigen Versuch in Kürze regulär mit dem "Newskopter" - man will den beiden Netzriesen Amazon und DHL den städtischen Luftraum nicht kampflos überlassen.

Erstmals hat PPQ den Einsatz einer Kleindrohne für die Newszustellung während der außergewöhnlich kühlen Augusttage getestet. Bei dem erfolgreichen Probeflug brachte der "Newskopter" eine SD-Karte mit 15 nagelneuen Blogeinträgen, elf Fotos und zwei Video von der Blogtestredaktion in Poley bei Köthen ins benachbarte Baalberge (bei Köthen). Die Region war als Testgebiet ausgewählt worden, weil sie als vergleichsweise dünn besiedelt gilt.

"Wir stehen erst ganz am Anfang des Forschungsprojekts", sagte PPQ-Manager Ole Kordhoff, der die News in Empfang nahm. "Grundsätzlich ist das eine spannende Technologie." Sie müsse nun für "konkrete Anwendungsfälle" weiterentwickelt werden. Die Drohne - ein sogenannter Quadrokopter - war bei dem Jungfernflug von etwa zweihundert Metern über unbewohntes Gebiet rund zwei Minuten in einer Höhe von etwa 50 Metern unterwegs. Aus Sicherheitsgründen wurde sie von zwei Steuermännern mit Funksignalen ins Ziel gebracht. Technisch wäre auch bereits eine GPS-Steuerung möglich gewesen. Für den Flug gab es eine behördliche Genehmigung, ausgestellt von der Gemeinde Poley.

Erst vor kurzem hatten der weltgrößte Online-Händler Amazon und der Suchmaschinenanbieter Google mit seiner Ankündigung, in der Zukunft Päckchen und Internet-Fundstellen auch mit Mini-Drohnen zustellen zu wollen, für viel Wirbel gesorgt. Die Idee ist nach Angaben der Unternehmen, per "Octocopter" bestellte Ware und Internet-Treffer binnen zwei bis 30 Minuten zum Käufer beziehungsweise Fragesteller zu bringen. Konkrete Pläne, das unbemannte Kleinfluggerät im regulären Zustellbetrieb einzusetzen, hat PPQ noch nicht, es sei aber geplant, die unbemannten Fluggeräte trotz der heftigen Diskussionen vor allem in den Medien künftig zu einem regulären Zustellweg zu entwickeln.

Perspektivisch könne die Newszustellung durch die Luft das umständliche Beliefern mit gedruckten Nachrichten in Zeitungsform ablösen, glaubt Kordhoff, der PPQ beim anvisierten Mediensprung in einer neue Zeit berät. Das könne kostensparend sein, auch für die Leser, glaubt er. „Alles, was sie uns geben müssen, ist ein sicherer Landeplatz.“ Technisch unaufwendig sei der Austausch der Mini-SD-Karte mit den neuen News gegen die Karte vom Vortag. „Ein leichter Druck mit dem Finger“, sagt Nordhoff. Er könne sich durchaus auch vorstellen, den einmal etablierten Drohnenzustelldienst später anderen Firmen anzubieten. „Wir denken ernsthaft darüber nach, dann auch etablierte Zeitungshäuser huckepack zu nehmen.“

Samstag, 18. Oktober 2014

Gesänge fremder Völkerschaften: Musik gegen Mordor

Im idyllischen Auenland, das von possierlichen Zwergmenschen bewohnt wird, beginnt die Geschichte, die J. R. R. Tolkien zwischen I. und II. Weltkrieg ausdachte und aufschrieb. Ein Monsterwerk, das den kampf Gut gegen Böse schildert wie die "Tagesschau" die Schlachten um die Ostukraine: Entmenschte Tiergestalten da, hübsche demokraten mit nicht-tötlichen Waffen dort, angetreten, das Böse aus der Welt zu treiben.

In "Der Hobbit" ist es der Drache Smaug, der wie Putin heute auf einem Berg aus Macht sitzt und die guten Menschen darben lässt. Er weiß es nicht besser, denn er ist eben so: Ein gräuliches Ungetier, entmenscht und barbarisch. Ed Sheeran, ein nicht eben subtiler Songwriter, hat mit "I See Fire" ein Lied über den Drachen geschrieben, das wie ein trauriger Kommentar zum Jahr klingt. "If this is to end in fire then we should all burn together / watch the flames climb high into the night", singt er da, "calling out father oh stand by and we will watch the flames burn auburn on the mountain side high".

The Trip Band, ein Duo aus zwei jungen Polen, die direkt unter der Bedrohung aus Mordor leben müssen, spielt Sheerans anämischem Schmerzensgesang zackiger, drängender. Sänger Michał Czarnecki trägt das Holzfällerhemd der Außenbezirke von Auenland, Gitarrist Hubert Radoszko gibt mit wackelnden Knien den David Steele (Fine Young Cannibals).

Es ist so traurig, so erschütternd, diesem Klagegesang zu lauschen. Gibt es eine Zukunft? Wird die Trip Band weiterreisen können, noch einmal 7000 Kilometer durch zehn Länder und 24 Hauptstädte. oder kommt der Russe, der Vernichter, der Demiurg, der das Lied heraufbeschwört: "Desolation comes upon the sky / Now I see fire / Inside the mountain / I see fire / Burning the trees / And I see fire / Hollowing souls / I see fire / Blood in the breeze"?

Mehr Gesänge fremder Völkerschaften in der völkerkundlichen PPQ-Reihe

Unter Feuer: Kinderradio Knirpsenstadt

Seit vergangener Woche liegt eine schriftliche Begründung des BGH-Urteils in Sachen Radio Fönwelle („Morgenshow-Urteil“) vor. Auch wenn die rechtliche Tragweite dieser Entscheidung nicht überschätzt werden sollte, bietet sie aus Sicht des Bundesverbands der Privatradiowirtschaft doch genügend Anlass für einige kritische Anmerkungen.

Die Entscheidung erging als Versäumnisurteil und ist noch nicht rechtskräftig. Gegenstand des Unterlassungstenors ist die folgende Aussage, die im Rahmen des Morgenshowspiels „Greif die Hits“ verwendet wurde: "Schnapp dir die günstige Gelegenheit und verpasse deinem Frühstück das gewisse Etwas!"

Der BGH sieht hierin eine unmittelbar an Kinder gerichtete werbende Aufforderung und damit einen Verstoß gegen Nr. 28 des Anhangs zu § Abs. 3 UWG.

Zur Begründung dieses Ergebnisses erklärt der BGH, dass durch das Spiel und die besagte Aussage gerade Minderjährige, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben (Kinder im rechtlichen Sinn), gezielt angesprochen würden. Hierfür verweist er auf eine angeblich kindertypische Sprache, die er maßgeblich darin erkennen will, dass die zweite Person Singular („Dir“) verwendet wird und sich im Umfeld der Aussage vereinzelte Anglizismen (gemeint sind wohl die Wörter „pimpen“ und „Erdnuckel“) finden. Welche Merkmale darüber hinaus auch das Spiel als solches kindertypisch erscheinen lassen sollen, wird in den Urteilsgründen nicht weiter erläutert.

Diese Argumentation des BGH ist nicht allein wegen ihrer konkreten rechtlichen Folgen bemerkenswert, sondern vor allem auch deshalb, weil sie deutlich macht, wie wenig Bezug Richter, die über diese Materie in letzter Instanz zu entscheiden haben, mitunter zu Sendungen von Radiosendernn haben. Jedem, der Radiosendungen nicht nur vom Hörensagen kennt, ist klar, dass der beschriebene Sprachstil für dieses Medium generell kennzeichnend ist. Man muss schon recht unbedarft an das Thema herangehen, um anzunehmen, dass Radiosender privater oder öffentlich-rechtlicher Natur ihre Kernzielgruppe deshalb allgemein bei Kindern unter 14 Jahren fänden. Studien belegen nämlich etwas vollkommen anderes: Rund 85 Prozent aller Spieler von Radiohörern sind keine Kinder, und das Durchschnittsalter liegt bei circa 32 Jahren. Dennoch sprechen Moderatoren ihr Publikum seit Jahren an, als handele es sich durchweg um geistig minderbemittelte Minderjährige.

Das ist rechtlich deshalb von besonderer Bedeutung, weil das Gesetz gerade nicht die „an jedermann“ gerichtete werbende Ansprache verbietet, von der sich Kinder lediglich auch angesprochen fühlen könnten. Untersagt ist nur die gezielte Ansprache von Kindern. Die Ansprache einer Zielgruppe, die zu 85 Prozent nicht aus Kindern besteht, ist aber geradezu der Lehrbuchfall einer an jedermann gerichteten Ansprache. Nur wer spricht zu Kindern, meine doch nicht immer Kinder, argumentiert der Radioverband.

Zweifel wirft die Urteilsbegründung auch unter einem anderen Aspekt auf: Das Gesetz nennt mit der „beworbenen Ware" einen klaren Bezugspunkt, der für eine verbotene Ansprache kennzeichnend sein muss. Mit anderen Worten: Das beworbene Produkt muss in der Werbung konkret benannt sein. Es genügt gerade nicht, wenn nur ein allgemeiner Kaufappell ausgesprochen wird.

Die vorliegend verbotene Aussage lud den Zuhörer nur dazu ein, sich "das gewisse Etwas" für sein Frühstück zu "schnappen". Worin dieses "Etwas" besteht, geht aus der Aussage nicht hervor. Ein konkretes Produkt wird also gerade nicht beworben. Vielmehr handelt es sich um eine allgemeine Einladung, ein „virtuelles Ladenlokal“ – aufzusuchen und dort erst nach dem passenden "Etwas" zu stöbern. Auch in der realen Welt sind solche allgemeinen Einladungen zum Besuch eines Geschäftes nicht vom Verbot der hier bemühten Vorschrift umfasst und daher dann auch nicht wettbewerbswidrig. Warum im Radiobereich etwas anderes gelten soll, ist der Urteilsbegründung nicht zu entnehmen, heißt es in der Stellungnahme.

Fazit: Die Entscheidung des BGH ist aus mehreren Gründen kritikwürdig. Da gegen das Versäumnisurteil Einspruch eingelegt wurde und somit eine endgültige Entscheidung noch aussteht, bleibt aber noch die Hoffnung, dass der Richterspruch nicht in dieser Form Bestand haben wird.

Freitag, 17. Oktober 2014

Zitate zur Zeit: Nach all den ganzen Jahren

Ich bin überrascht, dass große Apparate genauso dumm sind wie ich.

Elmar Brok,
Bericht aus Brüssel, 31.8.2014

Literatur in Wald und Flur

Rockerbandenkriege, Literaturmessen, Urheberrechtsstreit, da geht die Kunst auf die Straße, um im Gossenschmutz literarisch saubere Kommentare abzuliefern. Angesichts der hohen Kosten, die Books-On-Demand-Anbieter noch immer verlangen, gehen junge Kulturschaffende mehr und mehr dazu über, den öffentlichen Raum mit nicht Selbstgeschriebenem zu plakatieren.

Inspiriert vom einzigartigen Kachelmann bekleben kleine Genies Verteilerkästen, Fahrplantafeln und Laternenmaste mit preisverdächtigen Kurzkrimis im knurrigen Raymond-Chandler-Stil: "Und meine Unterwäsche kann sich sehen lassen. Jason bandagiert eine Hand mit meinem Haar. Er ist in bestürzender Eile", heißt es etwa in einem unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit mitten in der halleschen Innenstadt veröffentlichten Werk. Darüber ein bierbäuchiger Prachtprimat mit Munitionsgepäck und Flinte. Jason? Wessen Haar? Was trägt er drunter?

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Sternstunden des Spontanrock

Er gibt eines dieser akustischen Pflichtkonzerte, macht sich aber den Spaß, ein 25 Jahre altes Album komplett und in der richtigen Reihenfolge zu spielen. Damals hatten die Manic Street Preachers noch verkündet, sich nach ihrem Debütalbum auflösen zu wollen. Heute sind sie immer noch da, zum Trio geschrumpft und aller Illusionen beraubt. Manchmal aber kommen auch noch welche hinzu, wie bei diesem Akustik-Auftritt mit den Songs von "Generation Terrorists": Bevor Bradfield beginnt, den finalen Stampfer "Condemmed to Rock'n'Roll" zu spielen, fragt er höflich, ob das anwesende Publikum vielleicht in der Lage sei, ein wenig mitzusingen.

Eigentlich ein Unding, denn das Stück ist für gewöhnliche Kehlen kaum singbar. Die Stimme geht hoch, sie geht runter, die Gitarre schrammelt hin und her und eine Springflut an Text ergießt sich über den Zuhörer, der sich über die ersten paar Versuche meist gar nicht darüber klar wird, was das hier ist: Heavy Metal? Hairmetal? Punk? Jazz?

Hier aber eine Sternstunde, unangekündigt. Eine junge Frau aus dem Publikum singt erst noch recht zurückhaltend mit, übernimmt aber schließlich so das Kommando, dass Bradfield nur noch leise mitspricht, um an der Gitarre im Rhythmus zu bleiben. Dann singen beide zusammen, ungeprobt, nicht perfekt, aber so ergreifend spontan, wie Musik nur in seltenen Momenten ist. Das Video des Aufeinandertreffens des Manics-Sängers und der jungen Frau mit der Schweißerbrille ist dunkel und unscharf, aber die unbekannte Sängerin wird es freuen.

EU sorgt für sauberes Netz

In Deutschland zugelassene Online-Medien sollen Kommentare unter Artikeln wie diesem hier künftig so behandeln wie Leserbriefe. Entsprechende Regeln plant das Bundesblogampelamt (BBAA): Die Behörde mit Sitz im mecklenburgischen Warin will Regeln für Leserbeiträge in Internet-Foren von Medien einführen. Behördenchef Herrnfried Hegenzecht fordert, dass Kommentare im Netz grundsätzlich wie Leserbriefe behandelt werden müssen. "Beleidigungen und Schmähungen sollten entweder vorab oder zumindest zeitnah nachträglich gelöscht werden." Eine Arbeitsgruppe des BBAA entwickelt derzeit entsprechende Änderungen des Regelwerks.

Viele Onlinemedien, darunter auch PPQ, moderieren ihre Foren ohnehin bereits streng. Beiträge, die bestimmten Kriterien widersprechen, etwa weil sie Beleidigungen von Gruppen, Teilgruppen oder privaten Trägern öffentlicher Belange enthalten oder nicht den gängigen Vorstellungen von einheitlichen, sauberen Ansichten entsprechen, werden gelöscht. Zeitungen und Zeitschriften hingegen arbeiten bisher mit einer Selbstkontrolle. Das EU-finanzierte Clean IT-Projekt gibt Behörden und privatwirtschaftlichen Unternehmen eine Richtschnur, wie zur »Bekämpfung illegaler Inhalte im Netz« vorgegangen erden sollte. Clean IT hat jetzt auch intern einen Katalog mit »freiwilligen« Verhaltensregeln für Internet-Provider vorgelegt, nach denen sich Kommentatoren im Internet richten müssen.

Das Problem ist akut. Mittlerweile beziehen sich Ernst zufolge 60 Prozent der Eingaben auf online erschienene Texte, die erfreulicherweise immer öfter identisch sind. Dadurch lässt sich der Zensuraufwand minimieren. Im vergangenen Jahr habe es vor allem Beanstandungen wegen der journalistischen Sorgfaltspflicht gegeben, häufig seien Sprachregelungen, die von der Regierung erlassen worden waren, missachtet worden. Auch der Schutz der Ehre und religiöse Gefühle standen im Mittelpunkt der Kritik. Leser können sich beim Blogampelamt per Post oder Mail über einzelne Artikel oder Kommentareinträge beschweren. Auf Grundlage des Pressekodex entscheidet das Gremium dann, welche Strafen zu verhängen sind. Treffen die Vorwürfe zu, kann der Rat Rügen und Missbilligungen gegen einzelne Medien aussprechen oder bestimmte Seiten völlig sperren.

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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Schwarze Sterne

Afrika ist anders als Bob Geldof sich das vorstellt. Afrika ist auch anders, als es in europäischen Medien vorkommt. Europa weiß auch deshalb wenig vom ewig "schwarzen" Kontinent, der den Makel mit sich trägt, rote Zahlen zu produzieren und ständig hungers zu leiden.

Dass Afrika boomende Volkswirtschaften wie Südafrika und Botswana hat, ist weniger bekannt als die Dauerkrisengebiete wie den Sudan, Somalia oder Simbabwe. Das Afrika-Tetris wird daran nicht viel ändern, hilft aber bei der nächsten Urlaubsplanung.

Krude Gen-Thesen: Indianerhass wird hoffähig

Einfach unverbesserlich, dieser „Spiegel“. Drei Jahre nach den Sarrazin-Kriegen, die das Hamburger Magazin mit der leichtfertigen Veröffentlichung der kruden Thesen des früheren Berliner Finanzsenators losgetreten hatte, legt das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie noch einmal nach. Statt um angebliche Judengene, mit denen das Magazin sonst viel Geld verdient, geht es diesmal um das vermeintliche Erbgut von Amerikas indigenen Völkern. Unter Berufung auf ein internationales Forscherteam, das das Genom eines Menschen der eiszeitlichen Clovis-Kultur analysiert habe, behauptet der „Spiegel“, es gebe „im Genom von Vertretern indigener Amerikaner, von Europäern und Asiaten bestimmte Marker, die spezifisch für Amerikas indigene Völker sind“.

Biologismus also aus der untersten Schublade, wie ihn der "Spiegel" seinerzeit selbst so lange widerlegte, bis endlich „42 Prozent der Deutschen Sarrazins Thesen ablehnten“.

Seitdem gibt es keine volkskörpergebundenen Gene mehr, der Isländer ist aus demselben Stoff gemacht wie der Marokkaner, der Sachse hat dieselbe verwandtschaftliche Nähe zum Griechen wie zum Japaner oder zum Nigerianer, das war ein für alle mal klar.

Nun aber, aus purer Lust an der Provokation, sind die kruden Thesen zurück: „Alle indigenen Amerikaner sind verwandter miteinander als mit jeder anderen untersuchten Population außerhalb Amerikas“, behauptet der „Spiegel“ dreist. Zudem sei das „Clovis-Genom mit allen indigenen Amerikanern verwandter als mit den Vergleichspopulationen außerhalb Amerikas“ und mit „Populationen aus dem sibirischen Raum deutlich verwandter als aus dem westlichen Europa“.

Ein plumper Versuch, die Völker voneinander zu entfremden und bestimmte Populationen zurückzusetzen. Alle indigenen Völker Amerikas gehen nach "Spiegel"-Angaben auf eine Einwanderungswelle zurück. Die Einwanderer hätten Amerika von Sibirien aus erreicht, "also wohl über die zugefrorene Beringstraße", mutmaßt das Magazin. Danach sei es zu einer "Diversifikation der NA- und SA-Linien" gekommen - die Erstbesiedler-Population aus autochthonen Russen spaltete sich auf und wurde zu Indianern, was die Redaktion in Hamburg mit Hilfe ihrer kruden, rückwärtsgewandten Genthesen heute noch nachweisen zu können glaubt.

"Spiegel": Werbung für das Judengen