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Montag, 30. März 2015

Hades-Plan: Jetzt mit "Spiegel"-Siegel

Es war das erklärte Ziel jener kleinen, überaus mächtigen Kungelrunde, die damals im Bonner Kanzlerbungalow zusammenkam, eine deutsche Dominanz über Europa herzustellen. Der Hades-Plan, in dem Helmut Kohl und eine Handvoll Getreuer kurz nach dem Zusammenbruch des Ostblocks festgeschrieben hatten, wie Deutschland Europa zuerst über monetäre Sparwirtschaft erobern und später dann als Großgläubiger des Restkontinents dauerhaft dominieren würde, ist ein Vierteljahrhundert nun tatsächlich nicht nur Realität, sondern auch vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" anerkannte Wirklichkeit geworden: In einer vielbeachteten Titelgeschichte erklärt das Repetiergewehr der alternativlosen Demokratur jetzt die schwierige Rolle, die die Bundesregierung spielen muss, seit der "Hades-Plan" als Musterbeispiel für deutsche Machtpolitik durch die Hintertür bekannt wurde.

Die "German Übermacht" hat ein Team aus Dichtern und Auslandskorrespondenten entdeckt - und obwohl der "Hades-Plan" nicht einmal ausdrücklich erwähnt wird, wissen die Völker Europas nun um das geschickte deutsche Doppelspiel, das zuerst zum Vertrag von Maastricht führte, dann zur Einführung des Euro, schließlich zur großen Schuldenkrise und letztlich zum von Anfang an anvisierten Ziel: Der Eroberung Europas durch Deutschland.

Dabei stellt der "Spiegel" "Merkel in eine Reihe mit Nazis" (Süddeutsche), um zu verdeutlichen, wie es Kohl, Seiters, Bohl und ihren Kollegen gelang, die Ergebnisse zweier Weltkriege ohne einen einzigen Schuss umzudrehen. Die Vergangenheit vergehe nicht, darum sei die die Nazi-Zeit in der Euro-Debatte wieder zum Thema geworden, seit Deutschland wie geplant die unumschränkte Führungsrolle auf dem Kontinent übernommen habe. Belegt werde das durch die Vier-Augen-Gespräche, die Angela Merkel zuletzt mit dem griechischen Regierungschef Tsipras führte. Die europäischen Institutionen, in den vergangenen Jahren zumindest pro forma auf v ielen Fernsehschirmen präsent, rutschten erstmals wieder in die Kulisse zurück.

Angela Merkel, ausgeschnitten und "plump" (Spiegel) mit Klebestreifen in einen Kreis aus Nazi-Offizieren eingefügt, die Europa unterjochen, ist im zehnten Jahr ihrer Regierung erfolgreicher als alle ihre Vorgänger. Versuchte Ludwig Erhardt seinerzeit, den Russen 100 Milliarden für die DDR zu bieten, um 17 Millionen Konsumenten und Steuerzahler nebst einer Immobilie von 108.333 Quadratkilometer zu übernehmen, was erfolglos blieb, gelang es Merkel, für eine Summe, die nicht einmal dem Sechsfachen entspricht, 400 Millionen Steuerzahler und fast vier Millionen Quadratkilometer unter deutsche Herrschaft zu bringen.

Dass der "europäische Blick auf Deutschland" (Spiegel) die Kanzlerin mit Hitler-Bart zeigt, ist ein kleiner Preis für diesen gloriosen Sieg über die unselige Geschichte deutscher Versuche, sich Europa untertan zu machen. Der "Spiegel"-Titel zeigt es - und ist zugleich Beweis, dass Deutschland und die deutschen Medien die neue Rolle als Führungsmacht für den restlichen Kontinent zunehmend selbstbewusst annehmen.

Sonntag, 29. März 2015

Zitate zur Zeit: Euroland ist abgebrannt

Der Euro hat Europa augenscheinlich nicht nur nicht geeint, er hat es auch nicht, wie verkündet, zu einem mächtigen Global Player gemacht. Die Kosten dieses politischen Experiments zum Nachteil der ökonomischen Vernunft sind unüberschaubar.

Cora Stephan zur Umsetzung des Hades-Planes

Doku Deutschland: Als Zigarettenschmuggler in Griechenland

Der Dolphin vom russischen Hersteller Kometa - das schnellste Schmugglerboot im ionischen Meer.
Als ich noch gearbeitet habe, wäre ich nie auf den Gedanken gekommen. Aber dann fing das mit der Krise an, bei uns, ich war der Post, wissen Sie, wurden Stellen abgebaut, wie man das sagt. Meinen tun sie damit ja, dass Leute rausgeworfen werden. Am Anfang hatte ich noch Glück, ich bin lange dabei, seit 1978, da wird Rücksicht genommen. Aber es ging ja immer weiter, es wurde immer dünner bei uns, nicht nur vom Gehalt, das sie uns um 20 Prozent gekürzt haben. Manchmal war gar keiner mehr da, um Post zuzustellen, aber das war auch nicht mehr so wichtig, wichtiger war, dass wir diese Sparpläne erfüllen.

Ich habe meinen Brief dann letztes Jahr vor Weihnachten bekommen. Tut uns leid. Nein, das stand nicht mal drin. Zwei Gehälter haben sie mir noch mitgegeben, Abfindung haben sie das genannt. Ich bitte sie, Abfindung für 36 Jahre!

Ich bin jetzt 54 und meine Frau bringt rundgerechnet 1200 Euro im Monate nach hause. Die arbeitet im Fischladen, aber Fisch ist auch so eine Sache. Teuer, jedenfalls zu teuer, wenn es nach den Leuten geht, die nichts haben. Leute wie ich im Grunde. Ich bekomme im Moment noch Arbeitslosenhilfe, aber nun auch nur noch zehn Monate. Die Abfindung wird angerechnet, haben sie mir gesagt.

Deshalb bin ich dann Schmuggler geworden, eigentlich gleich an dem Abend, an dem ich das erste Mal diesen amerikanischen Film "Breaking Bad" gesehen habe. Wenn einen das Leben zwingt, sich zu wehren, dann darf man nicht mehr fragen, ob das erlaubt ist, so habe ich das verstanden.

Nicht, dass sie denken, dass ich Drogen herstelle oder schmuggle oder so. Das käme mir nicht in den Sinn, ich bin ein gesetzestreuer Bürger, eigentlich immer noch. Aber die hundertprozentige Gesetzestreue kann sich ein Mensch nicht mehr leisten, wenn er Rechnungen zu bezahlen und eine Familie zu ernähren hat.

Die Schengen-Außengrenze wird scharf bewacht.
Ich schmuggle also Zigaretten. Das war naheliegend. Wir leben hier in Korfu-Stadt direkt am Hafen, dort fährt um neun jeden Tag die erste Fähre rüber nach Saranda. Das ist, falls sie es nicht wussten, in Albanien. Mit dem "Flying Dolphin", einem russischen Kometa-Tragflügelboot, ist man in einer halben Stunde drüben. Ich halte mich in Saranda nicht lange auf. Ich bin nur kurz bei Gerrasim, der hat einen Kiosk gleich am Hafen. Gerassim ist der Neffe einer früheren Kollegin. Zehn Schachteln Zigaretten bekomme ich bei ihm für 10 Euro, die kosten bei uns daheim inzwischen 50. Dann stehe ich auch schon wieder unten am Pier und warte auf die Rückfahrt.

Da ist nicht illegal, ich weiß also nicht mal, ob ich wirklich ein Schmuggler bin. Die Fähre fährt dreimal am Tag, ich bin immer an Bord. Zurück in Korfu-Stadt, bringe ich meine Zigaretten zu Wassil, der einen Kiosk am Hafen hat. Er gibt mir 35 Euro für die Stange.

Sie werden jetzt sagen, wie rechnet sich das denn, wenn das Ticket für die Fähre 25 Euro kostet? Wissen Sie, wir sind hier in Griechenland. Die Mannschaft auf den Fähren, die Kapitäne, die Zöllner, die Grenzpolizei, die kennen mich alle. Das sind Söhne von Bekannten, Mitschüler meiner Söhne, Bekannte von Freunden, Freunde von Verwandten. man darf eigentlich nur eine Stange mitnehmen. Mich lassen sie drei im Beutel haben, auch vier, wenn es mal eng wird.

Sie können das selbst ausrechnen. Ich habe einen Gewinn von 25 Euro pro Stange, also ungefähr 75 Euro pro Fahrt. Das Ticket muss ich bezahlen, es gibt leider auch keine verbilligten Monatskarten oder so etwas. Nehme ich den Kometa, bin ich schneller, jede Tour kostet aber 38 Euro. Nehme ich die Fähre, dauert es länger, kostet aber nur 25. Wirtschaftlich gesehen ist es besser, die teuren Touren zu nehmen. Nach Abzug der Kosten bleiben mir da nach drei Fahrten 111 Euro am Tag, mache ich nur zwei mit dem billigen Ticket, sind es nur 100 Euro.

Sie rechnen noch mit, ja? Aber sie liegen falsch. Ich komme mit meinem bisschen Schmuggelei nicht auf fast 3500 Euro im Monat, bei weitem nicht. Am Wochenende trete ich kürzer, ich fahre höchstens einmal, manchmal gar nicht. Und auch in der Woche lasse ich manchmal eine Fahrt aus, man darf nicht überziehen, sage ich immer.

Zurück daheim, trinke ich erstmal einen Kaffee auf meine erfolgreiche Rückkehr.
Mehr Doku, mehr Deutschland in der preisgekrönten O-Ton-Reihe

Samstag, 28. März 2015

Sozialdemokraten machen sich für Islamisten stark

Österreich macht ernst im Kampf gegen den Islamischen Staat und verbietet die Kennzeichnung von Fahrzeugen mit dem islamistischen Kürzel IS, die SPD hingegen setzt auf stärkere Identifizierungsmöglichkeiten für Islamisten: In Deutschland sollen sich Anhänger der extremistischen Auslegung der Friedensreligion künftig wieder offen zu ihrem fundamentalistischen Weltbild bekennen dürfen.

Wie die "Zeit" berichtet, sind Genossinnen und Genossen in Iserlohn dafür, das alte „IS“-Kennzeichen wiedereinzuführen. Seit 2012 haben Landkreise und kreisfreie Städten, die Rechtsnachfolger von aufgelösten Landkreisen und kreisfreien Städten sind, die Möglichkeit, Kfz-Unterscheidungszeichen zu vergeben, die eine größere regionale Identifizierung der Bürger mit Gebietskörperschaften wie dem kleinen verlassenen Städten in Mecklenburg, maroden Ruhrgebietsgemeinden oder aufstrebenden Diktaturen wie dem Islamischen Staat zulassen.

Das österreichische Innenministerium hatte dagegen erst kürzlich Kfz-Kennzeichen mit dem Kürzel "IS" untersagt. Zudem kündigte die Behörde die Veröffentlichung einer Liste mit "30 bis 40 Buchstabenkombinationen" an, die wegen ihrer umstrittenen Bedeutung bei personalisierten Autokennzeichen nicht mehr erlaubt sein sollen. Dabei orientieren sich die einstigen Alpen- und Donau-Reichsgaue am deutschen Vorbild, nach dem Buchstaben-Kombinationen, die von Neonazis verwenden werden könnten, nicht vergeben werden dürfen. Darunter fallen etwa NSDAP, AH oder SS sowie Zahlen-Synonyme wie 88 oder 18, aber auch HH, NS und NSU.

Mehr Verbote der Woche

Germanwings 4U9525: Atemgeräusche ohne Axtlärm

Vom Varoufakis-Fake zur Sonnenfinsternis und von dort aus direkt weiter Richtung Germanwings 4U9525 - wie im ersten Gesetz der Mediendynamik beschrieben, passt die Welt auch in Stunden höchster Aufregung zwar in keinen Schuhkarton, unweigerlich aber in 15 Minuten Tagesschau. Dort wie in den federführenden Schreibstuben der Leitmedien wird unweigerlich im Gleichklang musiziert, wobei naheliegende offene Fragen zugunsten abseitiger Spekulationen unbeachtet bleiben. Eifrig stürzen sich die Liveticker aller eingeschworenen Abspielstationen der staatlichen Nachrichtenagentur DPA auf die Psyche des Co-Piloten, die Mechanik der Türblockierung und die Tränen der Regierenden. Kaum Platz bleibt da für die tatsächlichen Rätsel, die Flug 4U9525 stellt.

Und davon gibt es selbst aus der Ferne betrachtet einige. So ist es durchaus beachtlich, dass die Auswertung des Flugschreiber, die im Fall der über der Ukraine abgestürzten Malaysian-Airlines-Maschine MH17 seit acht Monaten andauert, im Fall der Germanwings-Maschine bereits nach 48 Stunden mit einem amtlichen Ergebnis beendet wurde.

Was an Informationen veröffentlicht wird, mutet an wie ein Best-Of der Uneindeutigkeit. Der Pilot geht auf die Toilette, der Co-Pilot verrammelt das Cockpit und leitet den Sinkflug ein. Der stellt das Flugzeug auf einen Winkel von zehn Grad abwärts - doch während der Voicerecorder die "Atemgeräusche" (DPA) des Co-Piloten getreulich aufzeichnet, sind in den sieben Minuten vor dem Aufprall weder Rufe des zurückkehrenden Piloten, der sich ausgesperrt findet, noch dessen spätere Schläge mit der "Axt gegen die Cockpittür" (n-tv) zu hören. Dafür eindeutig belegt: Der schweigende Mann im Cockpit ist der Co-Pilot, der nicht zu hörende Mann draußen ist der Pilot.

Auch in der Kabine bleibt es erstaunlich still, keine Stewardess versucht, den Co-Piloten um Öffnung zu bitten, keiner der 144 Passagiere versucht zu Telefonieren oder eine SMS abzusetzen. Verschwunden ist aus der Berichterstattung inzwischen auch jeder Hinweis auf einen oder sogar drei Mirage-Abfangjäger, von denen es je nach Quelle anfangs hieß, sie seien wegen des schweigenden Flugzeuges aufgestiegen oder aber bereits zuvor in der Nähe in der Luft gewesen.

Statt mit wachsender Menge verfügbarer Informationen plausibler zu werden, gerät das Bild zusehends unschärfer. Was nicht zusammenpasst, wird passend geschneidert, trostspendend ist nach 72 Stunden ein Täter zur Hand, dessen irrationales Handeln darauf gerichtet war, "eiskalt seinen grausamen Plan in die Tat umzusetzen" (Bild). Dagegen, so der Tenor, gebe es nun mal "keine hundertprozentige Sicherheit". Ganz ungeachtet des Fläschchenverbots für Passagiere an Bord, der Millionen beim Sicherheitschech eingesammelten Nagelfeilen und Feuerzeuge, der geröntgten Laptops und hightechinspizierten Wanderstiefel.

Nun folgt die übliche Routine der Gesetzverschärfungen, Forderungen nach Regeländerungen für Toilettengänge und häufigere Psycho-Checks von Kabinenpersonal.

Der frühere Lufthansa-Pilot Peter Haisenko, der schon nach dem Absturz von MH17 interessante Fragen gestellt hatte, gibt im Video oben eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, wo Aufklärungsbedarf besteht.

Der nächste Liveticker aber kommt bestimmt. Und dann wird alles andere wichtiger sein.

Themensterben in der Medienlandschaft: Angewandte Entropie

Freitag, 27. März 2015

Flugzeug-Abstürze: Mit diesen Tipps erhöhen Sie Ihre Überlebenschance

Flugzeuge stürzen ab, Medien jauchzen auf, jeder Restmüll an Nicht-Information kann nun meistlesend in die Öffentlichkeit verklappt werden.
Fliegen bleibt trotz zahlreicher Abstürze eine der sichersten Transportarten, Ausnahmen bestätigen die Regel. Schaden kann es aber nach Ansicht führender Berichterstatter nicht, wichtige Verhaltensregeln für den Notfall zu kennen. Sechs besonders hilfreiche Tipps lesen Sie hier - keiner hätte in irgendeinem aktuellen Fall irgendeinem Passagier irgendetwas geholfen. Aber in Zeiten wachsender Flugangst dokumentiert PPQ den kompletten Lebensrettungsbeitrag einer renommierten Großzeitung, der in Form einer lange vorab veröffentlichten spannenden Lesestrecke alltagsnahe Folgerungen aus der akuten Krise der Luftfahrt zieht.

Etliche Flugzeugunglücke mit vielen Todesopfern erschüttern die Menschen weltweit, der Absturz von Germanwings 4U9525 durch den mutmaßlichen Selbstmordanschlag des Co-Piloten auf die mitreisenden Passagiere ist kein Einzelfall. Im letzten Jahr verschwand der Malaysia-Airlines-Flug MH370 spurlos auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking, eine Boeing des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur stürzte über der Ukraine ab, ein Air-Algérie-Flugs 5017 über Mali und Air-Asia-Flug QZ8501 auf dem Weg von Surabaya nach Singapur ins offene Meer.

Insgesamt kamen dadurch im vergangenen Jahr 970 Menschen ums Leben. Das sind etwa viermal so viele wie im Vorjahr (251).

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Außerhalb von Flugzeugen sterben sehr viel mehr Menschen. Und nicht immer sterben alle Insassen eines verunglückten Fliegers. Am 23. Juli vergangenen Jahres überlebten zum Beispiel zehn von 58 Passagieren den Absturz des Trans-Asia-Airways-Flugs GE222 über Taiwan. Grundsätzlich sind die Überlebenschancen sogar relativ hoch: Laut dem US-amerikanischen National Transportation Safety Board liegt die Rate bei rund 76 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit, in einen Flugzeugunfall verwickelt zu werden, ist extrem gering.

Die Frankfurter Rundschau zitiert den britischen „Daily Mirror“, der den Wissenschaftler Arnold Barnett vom renommierten Massachusetts Institute of Technology in den USA folgendermaßen zitiert: „Wenn Sie jeden Tag einmal fliegen, müssten Sie durchschnittlich 55.000 Jahre täglich fliegen, bevor Sie in einen Flugzeugabsturz verwickelt werden.“

Der Wahrscheinlichkleit nach wäre man dann zudem nur zu 24 Prozent tot.

Aber trotz dieser ermutigenden Zahlen, nach denen die 150 Menschen an Bord von Germanwings-Flug 4U9525 mindestens 24 Millionen Jahre täglich einmal hätten fliegen müssen, um einmal dabei umzukommen, kann es nicht schaden, zu wissen, wie man seine Überlebenschance im Fall der Fälle steigert. Die Frankfurter Rundschau hat auf dem letzten Inlandsflug die Waschzettel eines Billigfliegers abfotografiert und aus den lesbaren Resten einem Qualitätsbeitrag arrangiert, den Flugpassagiere hinten im Pass kleben haben sollten, um im Ernstfall stets nachlesen zu können.

1. Gurt

Wie im Auto sollte der Gurt im Flugzeug an der Hüfte geschlossen werden. In Notfällen handeln Menschen instinktiv und würden daher aus Gewohnheit zuerst an diese Stelle fassen. Wer sich vor dem Start mit dem Gurt vertraut macht und sich mehrmals an- und abschnallt, schult das Gedächtnis und ist damit im Vorteil.

2. Rettungsweste

Nicht jede Airline verstaut die Rettungswesten unter dem Sitz. Informieren Sie sich deshalb vor dem Abflug über den Aufbewahrungsort. Blasen Sie die Weste unbedingt erst im Freien auf. Sollte sich das Flugzeug mit Wasser füllen, würde Sie eine aufgepustete Weste an die Decke schwemmen – dann sitzen Sie in der Falle. Selbst wenn die Maschine nicht mit Wasser vollläuft, machen Sie sich mit einer aufgeblasenen Weste unbeweglich und kommen schlechter nach draußen.

3. Fensterrollos

Schieben Sie im Notfall unbedingt die Fensterrollos nach oben. Damit helfen Sie der Crew, die Gefahrenlage draußen einzuschätzen und die richtigen Maßnahmen für die Evakuierung zu treffen.

4. Sauerstoffmaske


Wenn die Sauerstoffmasken herunter fallen, haben Sie rund zwölf Sekunden Zeit zum Aufsetzen, bevor Sie ohnmächtig werden. Ziehen Sie die Sauerstoffmaske deshalb unbedingt auf, bevor Sie anderen helfen. Versorgen Sie zum Beispiel zuerst ein Kind, könnte die Zeit für Sie selbst knapp werden. Das Kind hat dann außerdem niemanden mehr, der sich um es kümmert.

5. Rauch


Befindet sich Rauch in der Kabine, fallen keine Sauerstoffmasken herunter. Die Gefahr einer Explosion wäre zu hoch, denn die Sauerstoffzufuhr könnte ein Feuer entfachen. Da die Maske nicht luftdicht ist, sondern nur Luft ausströmt, würde sie vor einer Rauchvergiftung ohnehin nicht schützen.

Bleiben Sie also so ruhig wie möglich und kontrollieren Sie Ihre Atmung. Zwei tiefe Atemzüge mit Rauch reichen, um ohnmächtig zu werden. Drei oder vier sind tödlich. Legen Sie sich auf den Boden. Da Rauch leichter ist als Luft, steigt er auf. Je näher am Boden Sie sind, desto besser können Sie atmen.

Falls vorhanden, bedecken Sie Mund und Nase mit einem feuchten Tuch, das schädliche Partikel aus der Luft filtert. Rote Lichter im Flugzeug markieren den Weg zum nächsten Ausgang. Im Vorteil sind Sie, wenn Sie sich die Lage des Notausgangs schon vor dem Abflug merken oder die Sitzreihen bis dorthin zählen. Bei besonders dichtem Rauch können Sie sich dann bis nach draußen „abzählen“.

US-Waffen in der Ukraine: "Spiegel" in der Zeitschleife

Ein amerikanischer Humvee, den Separatisten Mitte Februar von der ukrainischen Armee eroberten.
Wunder der Wissenschaft! Einen Monat nach der exklusiven PPQ-Meldung, wonach Separatisten in der Ostukraine von Truppen der Kiewer Regierung Humvee-Geländewagen aus amerikanischer Produktion erbeutet haben, hat das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" jetzt nachgezogen. Washington habe "begonnen, militärische Ausrüstung an die Ukraine zu liefern", schreibt das Blatt, Präsident Poroschenko selbst habe in Kiew "die ersten zehn Geländewagen in Empfang" genommen.

Die "ersten" Humvees aus den USA, die einen Monat später geliefert wurden.
Besonders erstaunlich an der Wiedergabe einer offiziellen Pressemitteilung der Poroschenko-Administration ist der Hinweis, dass die USA damit "zum ersten Mal Armeegeländewagen in die Ukraine geschickt" hätten - das passt zwar zu früheren Behauptungen des ukrainischen Militärs, keine US-Waffen zu besitzen. Nicht aber zur Faktenlage, nach der Humvees bereits lange vor der Lieferung der angeblich ersten Fahrzeuge in der ukrainischen Armee im Einsatz waren.

Offenbar eine  fraktale Zeitschleife. Anders ist nicht zu erklären, wie zumindest einer der jetzt gelieferten Humvees  bereits vier Wochen vor seiner Auslieferung an die ukrainische Armee in der Ostukraine in die Hände der Separatisten fallen konnte.

Der "Spiegel" hält es trotz dieses offenkundigen Widerspruchs wie alle deutschen Leitmedien: Er wird einfach ignoriert. Keine Erwähnung der bereits in der Ukraine herumfahrenden Humvees oder des Umstandes, dass die verhassten Separatisten inzwischen nachweislich zumindest eines der Fahrzeuge erobert haben. Keine Nachfrage, auf welchen Wegen Humvees, die als gepanzerte Geländewagen immerhin unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, bereits Wochen vor der angeblich ersten Lieferung in die Ukraine geraten konnten.

Donnerstag, 26. März 2015

Flugschreiber: Nur manchmal dauert es

So verschieden läuft das. Im Fall der über Frankreich abgestürzten Germanwings-Maschine 4U9525 dauerte es ganze drei Tage, bis Flugschreiber gefunden, Stimmrekorder ausgelesen und die ersten Informationen öffentlich geworden waren. Die entscheidenden sieben letzten Minuten im Cockpit sind danach überwiegend stumm verlaufen, ein Pilot nur war an seinem Platz, der andere versuchte vergebens, die blockierte Tür von außen zu öffnen. Schlechte Nachrichten ür eine Heuchler-Parade von Spitzenpolitikern, die in den letzten Stunden Krokodilstränen an der Unglücksstelle vergossen hatten, um Wahlen zu gewinnen (Hollande), Europa zu einigen (Merkel) und das eigene Land zu befrieden (Rajos). Ihre bevorzugte Unglücksursache wäre nicht der aufgrund der Tatsachen naheliegende Terroranschlag, sondern technisches Versagen gewesen.

Wenn man aber nicht bekommt, was man gern hätte, dann wird normalerweise wenigstens das vermieden, was man am wenigsten gebrauchen kann. Im Fall der Flugschreiber der vor einem Jahr über der Ostukraine abgestürzten Malaysian Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 ist das hervorragend gelungen. Auch acht Monate nach der Tragödie ist keine einzige Information aus der Auswertung der Flugschreiber an die Öffentlichkeit gedrungen. Auch Informationen aus der Aufzeichnung des Flugfunkverkehrs, die der Bundesregierung seit letztem Sommer vorliegen, blieben geheim. Angeblich verlange das die "internationale Chicagoer Konvention der International Civil Aviation Organisation“, nach der die Veröffentlichung solcher Informationen der federführenden Flugunfalluntersuchungsbehörde obliegt.

Die sitzt bei 4U9525 in Frankreich, bei MH17 hatten den Flugschreiben malayische Behörden, ehe sie britische in die Hand bekamen, während die Zuständigkeit bei der niederländischen Flugsicherheitsbehörde OVV liegt. Trotz der zahlreichen Beteiligten drang bei MH17, dem nach westlichen Willen von Separatisten abgeschossenen malaysischen Boing 777, über sieben Monate kein Ton nach außen. In Frankreich hingegen dauerte es nur 72 Stunden, bisder Kern der Information aus der Blackbox öffentlich war.

Selbst der "Spiegel", der mit den Opfern von MH17 eine heute schon legendäre Titelseite und den Begriff Kriegspropaganda damit mit völlig neuem Inhalt füllte, staunte über "Das seltsame Schweigen der Ermittler". Und verfiel gleich anschließend in dieselbe Katatonie: Seit September vergangenen Jahres keine Frage mehr nach dem Voicerecorder, keine Erwähnung der Blackbox, kein Nachhaken, kein Versuch, öffentlich Druck zu machen, um den nichtssagenden "ersten Bericht" der Ermittler, nach dem an Bord alles ganz normal gewesen sei, bis das Flugzeug plötzlich auseinanderbrach, durch Details zu ergänzen.

So viel und so schnell hier, so wenig und so langsam dort.

Boykottforderung nach Flugzeugtragödie

In Russland zeigte ein knallharter "Spiegel"-Titel nach dem Absturz des malaysischen Fluges MH17 über der Ukraine sofort Wirkung - die EU und die USA einigten sich auf scharfe Sanktionen, so dass der russische Diktator Putin schließlich für fünf Tage von der Bildfläche verschwand. Nach dem Absturz des Germanwings-Flug 4U9525 hat der CDU-Außenpolitiker Karl-Georg Wellmann nun gefordert, dieselbe kompromisslose Linie auch gegen die Verantwortlichen für die Tragödie über den französischen Alpen zu fahren: "Vor Germanwings kann man nur noch warnen. Überalterte Maschinen und miserabler Service. Mit denen werde ich nicht mehr fliegen", schrieb der Hauptberichterstatter der Unions-Fraktion für die Ukraine, Weißrussland und Russland auf seiner Facebook-Seite.

Wellmann, der als Vorsitzender der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe ein bisher unauffälliges, aber auskömmliches Dasein im Schatten diverser Kriege führte, gilt als harter Hund, dem Völkerrecht und Gesetz schonmal richtig schnurz sind, wenn er vor eine Kamera gerät. Im August 2013 forderte Wellmann im ARD-Morgenmagazin aufgrund der Giftgasangriffe von Ghuta, für die bis heute keine Verantwortlichen ermittelt werden konnten, einen Militärschlag gegen Syrien auch ohne Mandat der Vereinten Nationen. Ein Jahr später sagte der Experte den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands voraus.