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Mittwoch, 16. August 2017

Die Todesstrafe vermisste er

Er verlor den Geschmack an der Menschheit. Was war denn schon liebenswert an ihr? Ihm gefiel kaum noch was. Gut, Geld und Ruhm, nun ja. Die Todesstrafe vermisste er, doch durfte er das nicht zugeben. Es gab eine ganze Liste von Grundstücken, Anliegen, Methoden und Idealen, an die er nicht mehr glaubte; und obenan rangierte eine ständig wachsende Rubrik von Freiheiten, darunter so unantastbare wie die Freiheit von Lehre und Forschung, von sexueller und politischer Betätigung.

Alternativen boten sich keine. Selbst wenn er seine Phantasie aufs Äußerste bemühte, wollte ihm nicht einleuchten, dass die Gründerväter dieses gewollt hatten. Entweder war Gold rückschrittlich, oder die Zivilisation machte Fortschritte zum Schlimmeren.

Oder beides.

Nichts jedenfalls ging voran wie gewünscht. Auf die Länge gesehen, war einzig der Misserfolg mit Gewissheit vorherzusagen. Alles andere war Zufall.

Gute Absichten wurden zuschanden, böse Absichten wurden nicht besser. Das amerikanische Wirtschaftssystem war barbarisch und brachte folgerichtig in allen Bereichen der Kultur eine Barbarisierung und die Zementierung des Schwachsinns mit sich. Technologie und Hochfinanz waren auf Massenproduktion von Armut eingestellt und erzeugten diese mit zunehmender Schnelligkeit. Es war dies das einzige Produkt, dessen Wachstumsrate in den letzten fünfundfünfzig Jahren niemals zurückgegangen war.


Joseph Heller, Gut wie Gold, 1976


Fußballterror: Staatsfreie Zone


Es sind dieselben Bilder, seit Jahren. Brennende Tribünen, gestürmte Ränge, vermummte junge Männer, die sich einen Spaß daraus machen, den Staat vorzuführen. Hinetr dem Mikrophon der Sender, die die Ausschreitungen live übertragen, überforderte Kommentatoren, die klingen wie Martin Schulz. Draufhauen, wegsperren, sich das nicht mehr bieten lassen.

So geht der Sermon seit Jahren, Jahren und Jahren. Ohne dass sich je etwas ändert. Die selbsternannten Ultra-Gruppen - junge Männer mit einem aus Langeweile geborenen Hang zur Selbstdarstellung - halten den Fußball in Geiselhaft. Der Staat, der seine Grenzen nicht schützen, seine Bürger nicht selbst auswählen und seine Firmen nicht zur Einhaltung geltender Gesetze zwingen kann, steht ratlos daneben und bestaunt die Anarchie, die die sich beim Pokalspiel des FC Hansa Rostock gegen Hertha BSC nicht sehr unterscheidet von den Ausschreitungen beim G-20-Gipfel in Hamburg.

Hände hoch!


Hände hoch! Ich ergebe mich. Das ist die Botschaft, die aus dem Ostseestadion in die Wohnzimmer flimmerte. Während ein paar Vermummte Fahnen, Schals und Sitzschalen in Brand setzen, steht die Staatsmacht fünf Meter entfernt und schaut zu, schwer gepanzert, bewaffnet und einsatzbereit. Die Ausschreitungen waren angekündigt, die Einsatzleitung der Polizei, die Vereinsführungen, der DFB, die Innenministerin wussten, was passieren wird.

Aber irgendetwas hindert sie seit Jahren, gegen die kriminelle Szene der selbsternannten Fußball-Taliban vorzugehen. Die fühlt sich ermutigt von der fehlenden Gegenwehr eines Staatswesens, das wie paralysiert wirkt. Der Fußball, das Milliardengeschäft, liegt in den Händen einer Kamarilla aus egomanischen Kriminellen, die Spiele durchführen lassen, oder auch Abbrüche provozieren können, wie sie wollen. Grüppchen von krankhaft um Aufmerksamkeit buhlenden Möchtegern-Fans protestieren gegen "Kommerzialisierung", gegen "Retortenvereine" und die "Fußballmafia DFB" - und sie agieren dabei selbst wie eine mafiaähnliche Organisation: Clandestin, bewaffnet und aufgrund der Angst des Staates vor einer Auseinandersetzung weitgehend vor Strafverfolgung geschützt.

Dresche für die Säcke


Danach kommt immer der Katzenjammer. Die Vereine, die nicht wissen, was sie gegen den gewalttätigen eigenen Anhang mit zu viel Tagesfreizeit machen sollen, heben die Hände. Jahrelang schon ließen Staat und mächtiger Fußballverband kleine Klubs wie den Halleschen FC allein mit der Aufgabe, eine Bande von Durchgedrehten einzufangen, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten hatte lernen dürfen, dass es keinen Grund mehr gibt,Respekt vor staatlichen Institutionen zu haben.

Das erinnert an die Situation in den Wendejahren der DDR, als jeder sich die Straße und die Kurve nehmen konnte, der nur bereit war, die Faust aus der Tasche zu ziehen und notfalls auch einem Uniformierten auf die Nase zu schlagen. Ratlos standen damals die grünuniformierten Volkspolizisten vor den außer Rand und Band geratenen Fußball-Fans, ebenso ratlos stehen heute die gepanzerten Einsatzkommandos der BFE in ihren schwarzen Kostümen vor den entfesselten Jungmännern mit ihren Balaklavas in Vereinsfarben.

Der DFB, größter Sportverband der Welt, demokratisch wie Nordkorea und politisch bis ins Kanzleramt vernetzt, ist stets bemüht, Schuldige außerhalb seiner Bürofluchten zu finden. Sportgerichte treten zusammen und dreschen konzentriert auf Säcke ein, aus denen die Täter längst entwichen sind.

Der Staat aber, an dem es wäre, dem kriminellen Treiben auf den Rängen Einhalt zu gebieten, duldet die rechtsfreien Zonen in den Kurven. Der Innenminister schweigt. Medien gehen auf die Suche nach denen, die vorher etwas wussten. Und szenekundige Berichterstatter, die normalerweise hinter jedem hirntoten Aufmarsch von zwölf Jack-Wolfskin-Nazis die Wiedergeburt Hitlers wittern, loben den Terror als "feuriges Spiel" (Sören Kohlhuber).

Fans, die Pyro zünden, sind nämlich "mehr Fans, als die Hoschis, die bei einer anbahnenden Niederlage vor dem Ende das Stadion verlassen".

Dienstag, 15. August 2017

Trump: Menschenmüll als Beitrag zur Debatte

Nicht mal distanziert hat er sich, der Donald Trump, nachdem ein verwirrter Einzeltäter in Charlottesville mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren ist. Glücklicherweise war der Dieselskandal schon abgeflaut und die Affäre um die Fipronil-Eier auserzählt, so dass genug Platz war, nach Wochen zunehmender Trump-Ermattung endlich mal wieder draufzuhauen auf den entgegen früherer Voraussagen hartnäckig weiter im Amt befindlichen US-Präsidenten.

Immer vorn dabei ist die von der FAZ als linkes Wutblatt neu etablierte Frankfurter Rundschau, deren Bemühungen im Kampf gegen Trump nur noch vom Hamburger "Spiegel" übertroffen werden. In immer neuen Holzschnitten sind immer neue Autoren bemüht, das Nischenblatt, das zuletzt vor vier Jahren eine offizielle Auflagenzahl meldete (damals noch 87.000), als Sturmgeschütz gegen den "irren" (FR) Amtsinhaber zu etablieren. Wüste Beschimpfungen beim kleinsten Anlass, absichtliche Übersetzungsfehler Falschübersetzungen, klinische Ferndiagnosen von Hobbypsychologen und offene Hetze - jedes Mittel ist recht, dem Weltverderber die miese Maske vom Gesicht zu reißen.

Nach Charlottesville macht sich ein Sebastian Moll daran, mitten im wild tobenden deutschen Wahlkampf die wichtigste Frage zu beantworten: "Wann ist Amerika verrückt geworden?" Dazu führt der ehemalige Sportreporter die Kategorie des "denkenden Amerikaners" ein, dem "nach Trumps Nordkorea-Äußerungen und der Relativierung rechtsradikaler Gewalt" die Sinne schwinden. Eine "neue Stufe" ist erreicht, im denkenden Amerika "herrscht Alarmstufe Rot" und der frühere Musikkritiker Tom Piazza twittert: „Die Leben von Millionen von unschuldigen Menschen sind wegen dieses Stück menschlichen Mülls im Weißen Haus in Gefahr. Er muss sofort aus dem Amt entfernt werden, bevor er uns noch weiter in diesen Abgrund führt.“

Auf Piazza, der seit seinem Wechsel in die Schriftstellerei Bücher über die Opfer von Hurrikan Katrina schreibt, die ihn für Moll in der Vergangenheit zu einem Kronzeugen für die Unmenschlichkeit des Wiederaufbaus der flutzerstörten Stadt machten, hört natürlich niemand. Beträfe sie nicht Trump, würde die menschenverachtende Menschenmüll-Formulierung dem Buchpreisträger vermutlich sogar um die Ohren fliegen. So wird sie von US-Medien einfach nicht zur Kenntnis genommen - was die FR nicht hindert, sie zu zitieren wie einen ernsthaften Beitrag zur Debatte.

Die Trump dann auch noch zerstört, als habe er nur darauf gewartet, dass sich alle seine Kritiker aus den Büschen begeben und wie die Rohrspatzen schimpfen. Neun Stunden nach Molls Versuch, die Reaktion des Präsidenten zu pathologisieren, beliebt es Donald Trump, "die „rassistische Gewalt“ vom Samstag in Charlottesville doch noch deutlich zu verurteilen" , wie das FR-Mutterblatt FAZ formuliert.

Die FR ätzt danach, Trump habe die Verurteilung vom Teleprompter abgelesen.

Ein Gerät, von dem Vorgänger Barack Obama selbst das "Guten Abend" buchstabierte.

Schmalbart: Ganz schmale Kost

Das deutsche Breitbart von links heißt Schmalbart und liegt im Koma.

Ein "Netzwerk von Menschen"  wollte der Internet-Unternehmer Christoph Kappes gründen, die alle zusammen Front machen gegen die verhängnisvolle Propaganda des rechten US-Medienunternehmens Breitbart. Das hatte nach deutschen Medienberichten gerade dafür gesorgt, dass Donald Trump trotz anderslautender Beschlüsse in Hamburg, Berlin und München US-Präsident geworden war.

In Deutschland sollte das nicht passieren - und sicherstellen sollte das schmalbart.de, eine Mitmach-Seite für Gegenpropagandisten, "offen für andere, die mitmachen wollen", aber einig darin, "Grenzen zu ziehen, wenn Unwahrheiten und Verdrehungen oder gar Fälschungen verbreitet werden".

Schmalbart richtete sich gegen "Volksverhetzung, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenfeindlichkeit" und sammelte erstmal Geld für diesen wichtigen Kampf. "Wir sind dort, wo die Menschen sind, und wir wollen ihre Sprache sprechen", kündigte Christoph Kappes an, "wir sind also zum Beispiel auf Facebook, auf Youtube und auf Twitter und wir werden an den Stellen im Netz sein, wo die Diskussionen sind."

Große Pläne, aus denen acht Monate später alle Luft gewichen ist. Auf Facebook ist Schmalbart eine Leiche, auf der von Freiwilligen finanzierten Internetseite sind zwei Artikel aus Mai und Juni, die sich auftragsgemäß mit "Hetze, Hatespeech oder Hass" und "Nationalromantik" befassen, die letzten Lebenszeichen einer augenscheinlich jung verstorbenen Idee.

Dabei war die Anfang des Jahres geradezu
euphorisch von den Leitmedien gefeiert worden. "Transparenz statt Pöbelei", "Mit Fakten gegen Hetze" und "Schweigende Mehrheit muss sich wehren" jubelte es da. Der staatliche Radiosender Deutsche Welle wagte einen "Besuch bei den Anti-Populisten", die "Tagesschau" gab der "Gründung eines Onlinenetzwerks gegen rechte Hetze" den höchsten Segen durch liebevolles Lob im "Hauptstadtblog".

Danach kam dann nichts mehr. Ungestört von entschiedenen Enthüllungen der Schmalbart-Macher konnte "die agitatorische Subkultur der rechtsradikalen Facebook-Gruppen rund um die AfD in ihrer a) Trivialität, b) Aggressivität, c) Borniertheit und d) Tretmühlenhaftigkeit" (Schmalbart) ihre menschenfeindliche Agenda weiterverfolgen.

Die "knapp 200 Personen" (Schmalbart), die "ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bekundet" hatten - davon gut 100 professionelle Videoproduzenten, Programmierer, PR-Berater und Suchmaschinenoptimierer (Christoph Kappes) - scheinen mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Selbst Vox Populisti, ein Schmalbart-Projekt, das sich "mit Beiträgen und Beitragenden von publizistischen Produkten beschäftigt, die immer wieder in Populismus-Verdacht geraten", ist nach einem letzten Beitrag über Emmanuelle Macron Mitte Mai sanft entschlafen.

Gibt es keine Populisten mehr, gegen die sich zu kämpfen lohnt? Oder ist der Kampf dann doch mühsamer als die Ankündigung? "Wann kommt die Erschöpfung?", hatte Vox Populisti im April bereits gefragt, als ein "D. Grimmbold" dem Katzenkrimi-Schreiber Akif Pirincci die Maske des türkischstämmigen Wutbürgers vom Gesicht riss. "Wie lange kann man Tag für Tag, Woche für Woche Polemik, Wut, Beleidigungen und Hass ausgießen?", hieß es da fast schon prophetisch.

Länger offenbar, als man "ein Aufklärungsportal" (Schmalbart) betreiben kann, das sich "unter anderem mit Veröffentlichungen des Kopp Verlags und des Online-Blogs Politically Incorrect auseinandersetzt" (Kappes).

Montag, 14. August 2017

Abenteuer Mittelstand: Braten bis zum Broiler

Wissen Sie, eigentlich bin ja Chemiker. Aber wenn Sie so wollen, arbeite ich als Sonnenstudiobesitzer. Nach der Wende war hier nämlich Schluss mit der Großchemie, da musste man sehen, wie es weitergeht. Ich bin über einen Kumpel auf die Sonnenbanksache gekommen, der hat da die Regionsvertretung gemacht und mich irgendwie reinrutschen lassen. Ich sage immer, das ist mein Traumberuf. Denn wenn so ein Laden erstmal läuft, dann läuft er. Ich bin drei, viermal am Tag kurz hier, nach dem Rechten gucken, das jetzt aber bitte nicht politisch verstehen. Den Rest machen meine Mädchen.

Hühnchen & Broiler


Ich sage immer, ich habe zwei Sorten Mädchen: Die Hühnchen und die Broiler. Die Hühnchen sind die, die ich bezahle, die Broiler die, die sich auf unsere Bänke legen und uns bezahlen. Klar, natürlich, alle Hühnchen sind auch Broiler, Ehrensache, das gehört zum Job. Sie können da keine bleiche Leiche hinsetzen, schließlich. Wie sähe das denn aus? Aber die Broiler sind deswegen nicht alle Hühnchen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Das sind Kunden, wir sind Dienstleister für die, sage ich immer. Meine Hühnchen habe einen Traumjob, das können Sie mir glauben. Was machen die denn? Bisschen die Bank abwischen, bisschen Kaffee kochen, bisschen Rumschwatzen. Kommt gleich nach Spielerfrau, sage ich immer, nur dass die die Kinder nicht mit ins Studio bringen können.

Klar, schießen sie immer mal gegen unsere Branche. Gesundheitsgefährdend und krebserregend. Alles Unsinn. Bei mir hat noch keiner Krebs bekommen, in 24 Jahren nicht! Unsere Liegen, da ist alles neuester Stand, sage ich immer. Nicht wie bei den billigen Heim-Solarien, wo Sie aufwachen und gleich einen blubbernden Leberfleck auf der Stirn haben. Wenn einer hier kommt, und die Zehnerkarte in einer Woche verbrät, dass es nur so qualmt, da können Sie wetten, dass meine Mädchen den anschließend ein paar Tage zum Abkühlen schicken.

Aber das Makroökonomische und das Mikroökonomische, sage ich immer, also diese beiden spielen gegen uns, gegen die ganze Branche, die ganze Idee. Wissen Sie, das mit dem Klimawandel, dass es immer heißer wird und so, also das steckt ein gut geführtes Studio weg. Ich sage immer: Einer von tausend tut es, und der ist meistens eine Frau. Eine Frau aber geht ins Sonnenstudio, weil es da zu Schwatzen gibt und Kaffee und eine Zigarette dazu, Sonnenbank auch, natürlich, klar, sage ich immer. Aber die Sonnenbank ist nicht der Grund, sondern der Anlass, verstehen Sie?

Nach dem Freibad ins Sonnenstudio


Wenn es wärmer wird, kommen natürlich weniger. Oder kennen Sie jemanden, der nach acht Stunden im Freibad ins Sonnenstudio geht? Die paar, die das machen, müssten auf der Bank übernachten, und als Besitzer könnten Sie davon immer noch nicht leben.

Aber, sage ich immer, es gibt eben gute Monate und bessere. Allerdings bin ich ausgerastet, als sie an die Parkplätze vor der Studiotür ein „Parken verboten“-Schild gestellt haben. Stellen Sie sich das mal vor, Sie kommen da Montagmorgen an, pfeifen ein Liedchen und die Welt ist schön, und auf einmal Ihre Parkplätze sind weg. Ich habe angerufen, ich gebettelt, gebrüllt und gefleht. Aber denken Sie, das interessiert jemanden? Klar, sage ich immer, die Steuern von uns, die nehmen sie gern. Aber einem helfen, damit man sie zahlen kann? Da haben die Herren aber Besseres zu tun.

Ich bin auf dieses Amt, bringt aber nichts. Können Sie vergessen. Sie reden da mit Leuten, die haben von Wirtschaft so viel Ahnung wie von komplexen Katalysatorsystemen in der Großchemie. Das ist ja nun mein Fach, verstehen Sie? Dass so ein Parkplatz der Katalysator dafür ist, dass auch jemand auf der Sonnenbank liegt, das geht in die Köpfe nicht rein.

Wissen Sie, man kann das verkraften. Wenn ein Studio gut geführt ist, steckt es solche externen Schocks weg. Ich sage immer, „Sonne muss sein, wenns regnet komm rein“ und das glaube ich auch. Wer sich´s schön denkt, der kriegst auch schön. Es sind ja Parkplätze in der Nähe, da müssen die Broiler zwar zahlen, aber wir erstatten das dann. Treibt die Kosten, klar, sage ich immer, aber für meine Kunden ist mir nichts zu teuer.

Dann haben sie aber natürlich auch noch verboten, dass sich Jugendliche sonnen. Als kämen die bei der ganzen Computerspielerei überhaupt noch in die Sonne. Dazu müssen Sie wissen – Jugendliche kommen nicht so viele, die können sich das ja gar nicht leisten. Sechs Euro für elf Minuten 10.500 Watt? Da fragen Sie mal so eine Friseusen-Azubine, die zeigt Ihnen den Piep. Die muss erstmal ihre Handyrechnung bezahlen und dann noch das Nagelstudio. Das fällt also nicht so sehr ins Gewicht, sind nur ein paar Sportler, Fußballer, Tänzerinnen, so diese Klientel, die dadurch rausfällt. Und was sollen wir da machen? Nach dem Ausweis fragen? Bin ich die Polizei oder was?

Die Broiler rauchen alle


Das nächste ist aber schon Arbeit, ich hab das im Urin. Wissen Sie, die Broiler rauchen ja alle. Oder andersherum: Weil Sie rauchen, sind ja überhaupt erst Broiler. Die Qualmerei macht die Haut grau, wir brutzeln Sie dann wieder ein bisschen auf. Knackbraun, sage ich immer, aber jetzt bitte nicht politisch verstehen. Danach Käffchen, Schwätzchen und eine rauchen im Eckchen. Aber nun passen Sie auf: Als nächstes, das ist mir, ich muss das mal so sagen, sonnenklar, kommt die Gesundheitswarnpflicht für Sonnenstudios! Jede Wette! Und ein Kaffeeausschankverbot für Studios ohne separate Damen- und Herrentoilette. Und eine Pflicht zur Gesundheitsberatung nach Hauttyp.


Gut, werden Sie sagen, ein gut geführtes Studie steckt so was bestimmt weg. Klar doch, sage ich immer, das Geheimnis ist das Management. Finger auf jeden Posten, wie Lenin gesagt hat. Was machst Du aber, wenn Du Dein Management gar nicht mehr selber machen kannst? Wenn das alles in Berlin gemacht wird? Was denn dann? Ich kann nicht zurück in die Chemie, das ist klar, oder. Die Hühnchen, die kümmert das nicht. Die bekommen für das bisschen Rumgackern, Bankabwischen, Käffchenkochen und Rauchen vierfünfzig die Stunde und staunen Deinem Saab-Cabrio hinterher.

Ja, Hühnchens, sage ich immer, vierfuffzich ist nicht die Welt, aber woanders müsstet ihr dafür arbeiten! Wissen Sie, die haben mit Schichten tausendnochwas im Monat und für Steuern geht da kaum was ab. Da müssten Sie bei mir mal gucken! Ins Knie beißen würden Sie sich. Und beschwert hat sich in 17 Jahren keine, nicht ein Wort, wirklich. Trotzdem soll das jetzt zu wenig sein. 7,50 Mindestlohn müssen es sein. 7,50! Für Sonnenbankservicefachangestellte. Wissen Sie, das können Sie gar nicht bezahlen. Wovon denn?

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Martin Schulz: Auf seinem eigenen Planeten

In seiner eigenen Welt wird Martin Schulz Bundeskanzler.

Es steht schlimm um die SPD, schlimm um "Steuermann" (SPD) Martin Schulz und seine Chance auf den Platz im Bundeskanzleramt. Zwar kann seine SPD in einer jüngsten Hokus-Pokus-Umfrage des Institutes Forsa innerhalb der Fehlertoleranz um einen Zähler auf 24 Prozent zulegen und den Rückstand auf die Union damit auf 14 Punkte verkürzen. Doch anders gesagt fehlen Martin Schulz rund ein Drittel Stimmen, um Angela Merkel den Kanzlersessel doch noch abzujagen.


Den imaginären Punkt, den die SPD holt, verlieren die Grünen. Rotgrün käme damit derzeit nur auf 31 Prozent – selbst zusammen mit der Linken (unverändert zehn Prozent) würde das nicht für einen Bundeskanzler Schulz reichen.

Der Kandidat aber lebt inzwischen ganz und gar auf seinem eigenen Planeten. "Ich rechne damit, dass ich gute Chancen habe, der nächste Bundeskanzler zu werden", hat der moribunde SPD-Vorsitzende das staatliche ZDF jetzt "trotz alledem und alledem" (Ferdinand Freiligrath) wissen lassen. Selbst der vom  ZDF gestellte Moderator Thomas Walde, dem kleinen Männlein, das neben ihm die Berliner Mauer abschreitet, sichtlich gewogen, muss sich da das Lachen verbeißen.

Schulz, in seinen Jahrzehnten in der zweiten und dritten Reihe der Politik darin geübt, erwartungslos auf die Zukunft zu schauen, lebt sechs Monate nach seiner Ernennung zum Kanzlerkandidaten durch Sigmar Gabriel in einer eigenen schrägen Welt mit einer eigenen absurden Logik. Er hat keine Chance, aber "sechs Wochen Zeit". Teicht, sagt Schulz, der seiner Konkurrentin in sechs Monaten keinen Zentimeter nähergekommen ist.

Beim Aufsagen seiner Sprechblasen ins ZDF-Mikrophon lässt der Merkel mit Bart keinen Zweifel daran, dass es ihm mittlerweile völlig egal ist, ob die Leute ihn für größenwahnsinnig, schwer krank oder bedauernswert unterinformiert halten. Er salbadert vor sich hin, lobt die SPD, lobt Willy Brandt (zweimal) und rechnet alles, was jemand gut finden könnte, Sozialdemokraten zu, auch wenn er dazu Arbeitsminister wie Müntefering und Nahles zu Begründern des deutschen Wohlstandswunders erklären muss, das allenfalls die für die Wirtschaft zuständigen Wirtschaftsminister für sich reklamieren könnten.

Es ist Selbstverleugnung bis zur Schamlosigkeit, mit der Schulz dem CSU-Verkehrsminister Dobrindt den "gescheiterten" (Schulz) Autogipfel zuschiebt, die miteinladende SPD-Umweltministerin Hendricks dagegen als "sie ist da hingegangen" aus der Verantwortung nimmt. Unter dem Tisch wippen und wackeln Schulzens Beine hektisch. Der künftige Kanzler ist nervös, die Bäckchen strahlen rot, er glaubt sich selbst nicht mher und muss doch weiter das Lied vom nahen Sieg singen, immer lauter, immer misstönender.

Den roten Sheriff gibt es dann auch noch, später, im Nachtprogramm, wo ihm RTL einen zweiten Sendeplatz zur Verfügung stellt. Nun schon jenseits jeden Kontaktes zu irgendeiner Realität, selbst der eigenen, dampft der "Schulz-Zug" (SPD) Nebelwolken aus. „No-go-Areas darf es in Deutschland nicht geben. Da muss der Staat sich durchsetzen“, sagt Schulz und fordert umstandslos zu direkter Gewalt gegen „Typen“ (Schulz), wie er Kriminelle nennt. Die „müssen mal richtig einen auf die Mappe kriegen, damit sie spüren, wer im Land das Sagen hat“.

Er, der Martin, nämlich. Bald. Wenn er erst Kanzler ist, gnade Euch Typen Gott!


Sonntag, 13. August 2017

Gleichstellung: Frauenquote für das Fahrerhaus

Sindy Ehmke ist eine von nur 27 deutschen Truckerinnen.
Sie gelten als "Ritter der Landstraße", breite, knorrige Gestalten, die auf ihren großen Böcken sitzen und dafür sorgen, dass selbst nach Sachsen und Thüringen begehrte waren aus dem Westen gelangen. Mehr als 40.000 Deutsche arbeiten als Lkw-Fahrer auf der Fernstrecke, dazu kommen rund 120.000 osteuropäische Kollegen. Sie alle sind jetzt ins Visier des Familienministeriums geraten, nachdem dem unerhörte Zahlen aus der Branche gemeldet worden sind.

Es ist ein Fiasko, ein Debakel, ein Offenbarungseid für 53 Jahre Gleichstellungspolitik, was die bisher noch geheimgehaltene Studie von Familienministerin Katharina Barley offenbart. Danach sind mehr als 98 Prozent aller sogenannten Trucker mit deutscher Staatsangehörigkeit männlichen Geschlechtes. Bei den in Deutschland arbeitenden Kollegen aus dem nahen EU-Ausland in die Quote sogar bei über 99 Prozent. Weit weg von der zuletzt angestrebten Ein-Drittel-Quote für Frauen, die wenigstens die Gemüter hatte beruhigen sollen.

Eine Zahl, die das Ministerium zum Handeln zwingt. Bislang gilt die deutsche Frauenquote zwar nur für die Aufsichtsräte von 108 großen Firmen, nicht für Fabriken, Ministerien oder Behörden. Doch ein Bündnis von Frauenrechtsverbänden fordert nun, sie auf alle Unternehmen auszuweiten - auch auf die Speditionen, deren Chefetagen der Frauenfrage in der Vergangenheit überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. "Ja, wir müssen den Druck auf Vorstände erhöhen, mehr Truckerinnen einzustellen", heißt es im politischen Berlin. Tue man das nicht, könnte gerade vor der Bundestagswahl die Glaubwürdigkeit der Gender-Politik leiden.

16 Frauenverbände, die insgesamt mehr als 12,5 Millionen Frauen vertreten, haben sich in einem gemeinsamen Appell zur Bundestagswahl an die Parteien gewandt. Hinter dem Dokument steht die Berliner Erklärung, ein überparteiliches Bündnis aus Abgeordneten und Verbänden, das sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft einsetzt und das die sogenannte Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten von 108 börsennotierten Unternehmen in Deutschland in Gang gesetzt hat. Jetzt geht es den Aktivisten um den Kampf um die Lkw-Kabine: Die Frauenquote solle vom 1. September an auch dort gelten, lautet die Hauptforderung. Zudem müsse perspektivisch auf eine volle Gleichberechtigung von 50:50 hingearbeitet werden.

Für Speditionsunternehmen, die die Quote nicht einhalten, müsse es, so die Aktivisten, künftig wirksame Sanktionen geben, unter anderem Geldbußen. Die künftige Regierung solle einen nationalen Aktionsplan entwickeln, damit diese und weitere Maßnahmen möglichst bald umgesetzt werden. Unterzeichner des Forderungskatalogs sind unter anderem der Deutsche Frauenrat, der Verband deutscher Unternehmerinnen und der Deutsche Ärztinnenbund. Das Dokument soll bis Donnerstag führenden Politikern von SPD, CSU, Grünen, Linker und FDP übergeben werden.