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Dienstag, 24. Januar 2017

Elmar Theveßen: So war das wirklich mit Hitler und Stalin



Der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, kommentiert den Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump - und liefert dabei alternative Fakten zur Weltgeschichte.


Trump steht bei Theveßen noch einmal als Zielscheibe für ungebremste Kritiksalven. Der neue Präsident beleidige und entwürdige Menschen, rede Frauenfeindlichkeit klein, schüre "Ängste vor Zuwanderern, Muslimen, Homosexuellen", so Theveßen, der jahrelang als US-Korrespondent diente und genau weiß, dass die Präsentation alternativer Fakten mit jeder Wiederholung gewinnt. Wenn jemand keinen Respekt vor seinen Vorgängern zeigt, dann hat er kein Recht dazu. Theveßen sieht ihm die fehlende "Demut vor der Aufgabe" an und er ahnt die Gefahr, dass seine "simplen Antworten" in die Katastrophe führen könnten. 

Hitler - bei Theveßen ein "gekränkter Anführer"


Theveßen, bei der ARD inzwischen je nach Bedarf als "Experte" für Terrorismus, organisierte Kriminalität, Wirtschaftskriminalität und Geheimdienste im Einsatz, kommt von hier aus direkt zu einer neuen Deutung der Menschheitsgeschichte. "Die schlimmsten Konflikte der Geschichte", sagt er, "wurden von Anführern verursachte, die zu selbstgewiss waren, die sich zu schnell gekränkt fühlten, zu impulsiv handelten, ohne Folgen für andere und das große Ganze zu bedenken."

Ein frischer, unverbrauchter Blick auf den 1. und den 2. Weltkrieg, auf die Judenverfolgung im Dritten Reich, die Unterdrückung und Ermordung von Millionen in der Sowjetunion, aber auch auf Maos mörderische Amtszeit in China und auf Pol Pots Vernichtungsfeldzüge, die der aus Viersen stammende Autodidakt voller Selbstbewusstsein in die Kamera spricht. Bisher galten Hitlers Taten, galten Stalins Morde, galt auch Maos brutale Terrorherrschaft als zielbewusste Handlungen, ganz darauf ausgerichtet, einer politischen Vision zu folgen.

Kriege - bei Theveßen Folge  fehlender Demut


Bei Hitler war es das rassisch reine Reich, Stalin strebte wie Mao nach dem neuen Menschen, der die Vergangenheit hinter sich lässt und am Aufbau einer Utopie arbeitet. Zu töten, gehörte für diese drei "Anführer", wie sie Theveßen respektvoll nennt, zum Tagesgeschäft. Ihre Kriege brachen alle drei nach bis eben geltender Deutung nicht vom Zaun, weil sie beleidigt worden waren oder sich gekränkt gefühlt hatten. Sondern weil Kriege ihnen als notwendiges und legitimes Mittel erschienen, gesteckte Ziele zu erreichen.

Hitler ließ die Juden nicht ermorden, weil er selbstgewiss war oder impulsiv handelte. Stalin steckte nicht Millionen in Lager, weil es "die Folgen für andere und das große Ganze" nicht bedachte. Und Mao entfesselte die Kulturrevolution nicht, weil er sich zu schnell gekränkt fühlte, so glaubte die Geschichtswissenschaft bislang.

Erst Elmar Theveßen hat diesen Irrtum mit seinen alternativen Fakten zur Geschichtsdarstellung im ZDF  begradigen können: Nun waren die schlimmsten Konflikte der Geschichte, sind  millionenfache Morde, mindestens ein Weltkrieg und die kommunistische Unterdrückung der halben Welt nicht mehr politisches Programm gewesen. Sondern nur eine überaus bedauerliche Folge "fehlender Demut" (Theveßen) einiger "Anführer", die "zu selbstgewiss waren, die sich zu schnell gekränkt fühlten, zu impulsiv handelten, ohne Folgen für andere und das große Ganze zu bedenken".


Montag, 23. Januar 2017

Poet Ralf Stegner: Er ist nicht dicht, er ist Dichter

Ralf Stegner ist ein wütender weißer Mann, wütend auf einen anderen wütenden weißen Mann.

Das alles bringt dieser Trump in nur wenigen Stunden zustande. Erst den Klimawandel beendet, dann die größten Demonstrationen der Menschheitsgeschichte provoziert - mächtiger noch als die gegen Vietnamkrieg, Irak-Einmarsch und Nachrüstungsbeschluss. Und nun inspiriert der der "irre" (Rundschau) "Wahnsinnige" (Spiegel) den bislang jeder poetischen Anwandlung unverdächtigen Bad Dürkheimer SPD-Vordenker Ralf Stegner auch noch zum Dichten:


Die Rede von Trump
war hauptsächlich plump
halbstark statt groß
stellt selbst er sich bloß
Von Yes we can
zu angry white men
armes Amerika!

So reimt der Mann vom linken Flügel der deutschen Sozialdemokratie im Holpersound eines Vorschülers. Der würde bei einer Analyse von Stegners Lyrikversuch zuerst einmal über die erste Zeile stolpern. Stegners "die Rede von Trump" ist grammatikalisch richtig, stilistisch aber unteres Kellerniveau. Ein Possessiv im Gassensound, nur knapp über "Trump seine Rede" und Äonen entfernt von "Trumps Rede", der eleganten Flexion von "Trump", die Stegner nicht bemühen konnte, weil "Trump" in seinem Poem hinten stehen musste.

Denn dort wartet "plump" als Reimangebot. Doch um bis dahin zu kommen, muss der SPD-Parteivizechef inhaltlich Abstriche machen. denn er schreibt "hauptsächlich plump" und in diesem "hauptsächlich" versteckt Stegner - sicher von sich selbst völlig unbemerkt - ein Lob für die von seinem Parteichef als "hoch nationalistisch" (im Original mit Trennung) bezeichnete Rede. Wo etwas "hauptsächlich plump" ist, ist es zwingend zumindest in Teilen nicht "plump". Obwohl Stegner eigentlich auszog, Trumps Rede zu verdammen, teilt der Dichter damit offensichtlich zumindest die von ihm als nicht-plump erkannten Passagen.

Dann aber "halbstark statt groß", der Versuch einer Gegenüberstellung, hier insofern gänzlich misslungen, als "halbstark" und "groß" eben keine Antipoden wie in Goethes "Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben". Ja, sie sind nicht einmal einleuchtende Gegensätze wie "willig" und "schwach". Was werden sollte wie Rückerts "stets einen größeren Teil wirst du vom Ganzen sehn, doch alles Einzelne wird immer kleiner"platzt wie ein Polenböller in der Hand. Ein Halbstarker kann durchaus groß sein; halbstarkes Verhalten, wie es Stegner anzuprangern versucht, zeigt sich oft genau in großen Gesten und großer Lautstärke.

Was Ralf Stegner von Dichtung weiß, legt er in die nächste Zeile seines regellosen, anarchistischen Haikus. "Stellt selbst er sich bloß" folgt der Notwendigkeit, das reimbildende "groß" am Ende zu platzieren. Fällt aber aus dem Metrum, weil Stegner mit dem inhaltlich überflüssigen "selbst" eine Strecke von fünf Silben bis dahin zu gehen hat, obwohl doch die Ausgangszeile nur vier aufweist.

Doch das ist seine Handschrift, das originäre, knitterversische Poesiegefühl des 58-jährigen Twitterpöblers, wie das nächste Zeilenpaar zeigt. Im Sprung vom viersilbigen "von Yes we can" zum sechssilbigen "zu angry white men" geht dem Arbeiterdichter nun jeder Flow verloren. Der Vers fährt auf der Felge, es quietscht, kracht und wäre auch durch eine vertonung nicht mehr zu retten.

Ralf Stegner merkt das wohl auch selbst, denn sein Conclusio "armes Amerika!" bleibt - aus Ideenarmut, Lustlosigkeit, dem plötzlichen Bewusstwerden der Vergeblichkeit des Bemühens, einen US-Präsidenten wegdichten zu wollen - ganz ohne Reim im Nirgendwo hängen.

Ein Schulbeispiel vor allem, weil Ralf Stegner volle sieben Jahre nicht nur Politikwissenschaft und Geschichte, sondern auch Germanistik studiert hat.



Fake News aktuell: Die Erinnerungslüge

Wissenschaftlich unmöglich, aber für Heiko Maas ein Kinderspiel: Der Justizminister erinnert sich sogar an Dinge, die er nicht erlebt hat.

"I remember", behauptet Heiko Maas. "I remember" behaupten auch Doris Schröder-Köpf (SPD), Katja Suding (FDP) und Michael Müller (SPD) in einer großen "Bild"-Aktion mit dem World Jewish Congress, die "eine Mahnung gegen das Vergessen" des Holocaust (Bild) sein soll. Sie "erinnern" sich also. Allerdings gründet, was den Deutschen ihre andauernde Mitwirkungspflicht am Tragen der Last der Vergangenheit verdeutlichen soll, auf einer falschen Prämisse: "Erinnern" kann sich ein Mensch nur an das, was er selbst erlebt hat.


Wo war Heiko Maas 1944? Wo hielt sich Schröder-Köpf auf, wie als ist die Schauspielerin Iris Berben wirklich, wann wurde der frühere Schwimm-Weltmeister Michael Groß geboren?

Sie alle erinnern sich hier mit ihren Pappschildern an Dinge, von denen sie gelesen haben, die sie im Fernsehen oder im Kino sahen, von denen ihnen vielleicht auch Zeitzeugen erzählt haben mögen. Zwangsläufig können sie sich also erinnern, dass sie davon gelesen haben, dass sie etwas erzählt bekommen oder im im Kino gesehen haben. Diese Erinnerung aber umfasst zwangsläufig ausschließlich den Vorgang des Erzähltbekommenhabens, nicht das eigentliche Ereignis.

Die ministerielle Supererinnerung


Denn Erinnerung ist das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen - hier aber hat der Mensch Maas selbst nur das Lesen über den Holocaust erlebt, das Ansehen von "Schindlers Liste" oder Begegnungen mit Holocaust-Opfern. An den Holocaust selbst aber kann er sich nicht erinnern können, weil er ihn nicht erlebt hat. Mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches geboren, kann auch das im Vergessen geübte Ministergedächtnis nicht auf "Erinnerungen" an das Ereignis zurückgreifen.

Denn das menschliche Erinnerungsvermögen verfügt nur über die Fähigkeit, im Langzeitgedächtnis vorhandene Erinnerungen zu finden, die sich auf Erlebnisse beziehen, auf einmal gesehene Gesichter, an dazugehörige Namen oder alphanumerische oder numerische Informationen, die gespeichert worden sind. Niemand kann sich heute noch an die Kreuzgung von Jesus Christus "erinnern", niemand an den 30-jährigen Krieg, an die Amtseinführung von Bismark oder die Geburt von Martin Luther. Denn kein lebender Mensch war dabei.

Erinnern ohne Erlebnisse


Und Erinnerungen stammen aus dem autobiographischen Gedächtnis und unterscheiden sich deshalb grundlegend von reinem Wissen über Ereignisse, das sich auch auf vielen anderen Wegen erwerben lässt. "Bild", Maas, Schröder-Köpf und Berben nehmen es da mit der Wahrheit nicht so genau. Sie "erinnern" sich an Dinge, die sie nicht erlebt haben, sie lügen, wenn sie ihre Schilder hochhalten, denn sie "remembern", was sie nicht erinnern können, weil es ihnen an Primärerlebnissen und selbstgemachten Erfahrungen gebricht.

Sonntag, 22. Januar 2017

Zitate zur Zeit: Der erste postmoderne Staatschef

Wenn nicht alles täuscht, ist Donald Trump der erste wahrhaft postmoderne Staatschef. Das muss kein Nachteil sein. Denn anders als jede salbungsvolle Sonntagsrede ist seine Unkonventionalität und Undogmatik in der Lage, den Politstil alter Schule, wie wir ihn im Prinzip seit dem 19. Jahrhundert kennen, zu entlarven und aufzuzeigen, dass er den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr gewachsen ist.

Alexander Grau beschwört im Cicero den "wahren 68er" Donald Trump

Doku Deutschland: "Plunderhafte Inszenierung"

Am Ende nur Enttäuschung: Zu Obamas Amtseinführung kamen noch Millionen (Bild links), verabschieden wollten ihn dann aber nur noch sehr wenige Fans (Bild rechts).
Das Echo ist verheerend. Ehrte das begeisterte Deutschland Barack Obama seinerzeit noch mit der Umbenennung eines Dresdner Affen in "Obama", fällt das Urteil über die ersten 36 Stunden der Ära Trump ernüchternd aus: Keines seiner vollmundigen und populistischen Wahlversprechen konnte der angebliche Milliardär einlösen, Amerika ist nicht größer und schon gar nicht großartiger geworden, Guantanamo ist immer noch eine Schade, die Kriege in Afghanistan und im Irak toben weiter, der Nahe Osten steht ohne Friedenslösung da, der islamistische Terror zeigt sich unbeeindruckt von Trumps Ankündigung, ihn vom Antlitz der Erde verbannen zu wollen.

Die deutsche Presse geht denn auch hart ins Gericht mit dem neuen Mann im Weißen Haus, der nur durch eine Laune russischer Staatshacker berufen wurde, die freie Welt zu führen. Von links bis rechts, von oben bis unten ist das Urteil einhellig: Trump hat eine schlechte, eine "hoch nationalistische" (Gabriel) Rede zum Amtsantritt gehalten und auch seitdem nichts dazugelernt. Immer noch beharrt er auf seiner fragwürdigen Frisur, vertraut seinen fehlenden Erfahrungen als Politiker und steht stur gegen Moderne, Aufklärung, Freihandel und Weltfrieden.

Eine exklusive PPQ-Dokumentation der ersten Schlagzeilenwelle, die der "irre" (Frankfurter Rundschau) "Wahnsinnige" (Spiegel) vermutlich mit voller Absicht provozierte, zeigt, wie schwer es für Donald Trump werden wird, sich das Vertrauen der deutschen Journalisten zu verdienen - die sehen sich derzeit noch genötigt, die erschreckenden Aktivitäten des 70-jährigen Newcomers mit Vokabeln zu beschreiben, die nicht einmal im Duden vorkommen.



Trumps Amerika: Day One
Reaktionen auf Trumps Vereidigung: "Wir müssen uns warm anziehen"
Weltwirtschaftsforum in Davos: Alles auf Trump
Trumps Inauguration: Welch eine plunderhafte Inszenierung!
Neuer US-Präsident: Treffen mit Trump? „Lassen Sie uns das Beste hoffen“
Antrittsrede als US-Präsident: Das sagt Trump – und das sind die Fakten
Amerikas neuer Staatschef: His Way
Real Game of Thrones: Habemus Donald
Weltweiter Protest der Frauen: "Marsch der Millionen" gegen Trump startet
Trump macht keine Kompromisse: "Von heute an gilt: Amerika zuerst"
Trump: Dein Land, mein Land, kein Land

"Steinwurf bis zur Revolution"


Die zügellose Macht des Donald J. Trump
Wie Trump in seiner Rede das Volk definiert
Proteste in Washington: Ein Steinwurf von der Revolution entfernt
Große Trump-Show: War Melanias Outfit bei der Amtseinführung Kalkül
Die 10 wichtigsten Trump-Sätze und was sie bedeuten
Strategie gesucht: Der Twitter-Präsident und die Sach-Kanzlerin
Donald Trump: Jetzt wird neu gedealt
Obamacare: Trump weicht US-Gesundheitsreform auf
Amtseinführung Trump: Die Dämonen sind los
Ökonomen frustriert von Trump: Wenig Klarheit, viele Floskeln
Amtsübergabe im Netz: Twitter-Account @POTUS gehört jetzt Trump
Demonstration gegen US-Präsident Trump: Protest unter rosa Mützen
Trumps erster Tag als US-Präsident: Obamacare im Visier
US-Präsident: Weltweit demonstrieren Frauen gegen Trump

Antrittsrede als Abrechnung

Neueste Meldungen: „America first“ als Leitlinie
Reaktionen auf Trump-Rede: Gabriel: "Das waren hoch nationalistische Töne"
Ortsbesuch im Mittleren Westen der USA: Keine Angst vor Trump
Vorwurf der sexuellen Übergriffe: Die erste Frau klagt gegen Trump
Auf Knopfdruck Atomkrieg: Das darf Trump als Präsident wirklich entscheiden
Deutsche Reaktionen auf Trump: „Seine Vorstellungen sind eng bei den unseren“
Fehlerseite auf "Whitehouse.gov": Kaum ist Trump US-Präsident, ist plötzlich eine wichtige Webseite verschwunden
Präsident Donald Trump: Lesben, Schwule? Klimawandel - das gibt es auf der Webseite der US-Regierung nicht mehr
Pressestimmen zu Trump: "Die hässliche Grimasse der Demokratie"

Frech: Trump regiert schon los


Trump regiert schon los
Demonstranten gegen Trump: Das fürchten sie, das hoffen sie
Trump: Angeben, attackieren, ablenken
"Trumps Wahl war für viele junge Frauen traumatisierend"
Warum seine Antrittsrede eine Abrechnung war
Trump ist Präsident: Wider die Versöhnung
Vereidigung in Washington: Trumps großer Tag
Reaktionen auf Trump: "Wir müssen uns warm anziehen"
Trumps erste Amtshandlung: Obamacare lockern
Trumps Befugnisse und Trumps Grenzen
Der mutmaßliche Milliardär als Mann des Volkes
USA: Rabiate Streichungswelle staatlicher Förderungen

Die Anmerkung wirft einen Blick zurück auf den deutschen Medienjubel nach Obamas Inauguration

Samstag, 21. Januar 2017

"Polizei verhindert keine Straftaten"

Konnte Straftaten nicht verhindern: Volkspolizist.
Die Berliner Koalition ist in Aufruhr, nach vier Wochen schon ist der erste Staatssekretär gefeuert. Doch Rot-Rot-Grün will sich davon nicht aufhalten lassen, wie Andrea Hopp von den Grünen im Interview mit PPQ verrät. Die Vordenkerin der früheren Bürgerrechts- und Ökopartei spricht hier erstmals ganz offen über Datensicherheit für Bilder, Andrej Holms Vergangenheit und das Mandat, in der nächsten Bundesregierung mitzutun, das ihre Partei erobern will.

Frau Hopp, seit dem 8. Dezember ist Rot-Rot-Grün am Regieren, mehr als einen Monat. Bisher war aus Berlin nur über alte Stasigeschichten zu hören.


Hopp: Wir hatten einen Start, den wir so nicht erwartet hatten. Der schreckliche Terroranschlag am Breitscheidplatz kurz vor Weihnachten war ein Einstieg, den sich keine Regierung wünscht. Auch die Sache mit Andrej, von der jeder von uns dachte, sie geht so durch... Es hat sich dabei aber auch gezeigt, dass wir auch in schwierigen Zeiten gut miteinander arbeiten können. Zudem haben wir von den Medien eine 100-Tage-Schonfrist eingeräumt bekommen. Das hilft natürlich.

Acht Tage nach Regierungsantritt kam R2G zum Koalitionsausschuss zusammen. Es ging um die Personalie Andrej Holm als Staatssekretär. War es richtig, Holm zum Bau-Staatssekretär zu ernennen?


Niemand kann sagen, dass die Debatte über eine Stasi-Vergangenheit 26 Jahre nach der Wiedervereinigung kein Thema mehr ist. Aber wir haben gehofft, dass seine Notlügen nicht auffliegen. Das ist nicht eingetreten. Da in den 90er und 2000er Jahren im öffentlichen Dienst Mitarbeiter wegen einer Stasi-Vergangenheit entlassen wurden, müssten wir nun durchsetzen, dass für uns andere Regeln gelten. Darüber haben wir in der Koalition geredet, wir konnten uns aber nicht einigen. Also haben wir die Entscheidung auf die Humboldt-Universität abgeschoben und gehandelt, als klar war, wie die entscheiden wird.

Warum hat sich der Senat um eine Entscheidung gedrückt und diese der HU aufgebürdet?


Die Statik der Koalition war in Gefahr. Wir wollen hier zeigen, dass Rot-Rot-Grün eine Option für den Bund wäre. Da kann man nicht gleich in den ersten vier Wochen alle Widersprüche offen auf den Tisch legen.

Nun trifft sich der Senat zur Klausur. Es geht um ein Sicherheitspaket für Berlin und die Videoüberwachung öffentlicher Plätze.


Wir sind uns einig, dass wir alles, was sinnvoll und rechtlich möglich ist, für die Sicherheit der Stadt tun werden. Das ist auch mir zentrales Anliegen. Im Koalitionsvertrag haben wir festgelegt, dass wir die Ausrüstung der Polizei verbessern, in Polizeiwachen investieren, den Digitalfunk modernisieren wollen. Ich kann als Berlinerin jeden verstehen, der nach dem Anschlag eine größere Unsicherheit verspürt. Obwohl das nicht real ist, sondern eine von bestimmten Kreisen geschürte Angst.

Was halten Sie von mehr Polizei?

Polizei verhindert keine Straftaten. Sie kommt immer nach der Tat, sie kann zwar Ermittlungserfolge liefern, aber mehr nicht. Wir sollten im Übrigen nicht so tun, als ob es nicht schon eine sehr große Zahl von Polizisten in der Stadt gäbe.

Schließen Sie mehr Polizei aus?

Polizei ist kein Allheilmittel, und sie ist bislang nicht vorgesehen. Polizei kann Kriminalität nicht verhindern. Sie kann Präventionsarbeit nicht ersetzen. Sie kann nicht resozialisieren. Eine unideologische Debatte darüber wäre hilfreich.


Trump erster Erfolg: Klimawandel beendet

Kaum war Trump im Amt, war die Klimawandelseite des Weißen Hauses gelöscht.
Was haben sie ihm nicht alles nachgesagt. Frauenfeindlichkeit und Schulden, die Denkweise eines Zehnjährigen, Haare, falscher als bei Schröder, Hass auf Mexikaner, ein Walter-Ulbricht-Syndrom mit Mauerbaufanatesien, schließlich, als er trotzdem gewählt worden war, eine "steile Lernkurve", einen nahen Abschied von allen Wahlversprechen und die Unfähigkeit, all das zu tun, was er zu tun vorgehabt hatte.

Klimawandel einfach gelöscht


Und nun das. Donald Trump war noch nicht einmal komplett vereidigt, er hatte seine Antrittsrede auch noch nicht von Vorgänger Barack Obama mit einem gelächelten "good job" abgenommen bekommen, da konnte der älteste Amtsneuling aller Zeiten schon den ersten großen Erfolg vermelden: Der Klimawandel, unter Obama ein großes und stabil unbewältigtes Thema, wurde kurzerhand beendet. Die Internetseite www.whitehouse.gov/energy/climate-change konnte daraufhin direkt auf Trumps Amtseinführungsseite weitergeleitet werden.

Ein Zeichen, ein Signal, ein Symbol, das Bände spricht über die Hemdsärmligkeit, mit der der "Horroclown" (Bild), "Profipöbler" (Spiegel), "Hassprediger" (Steinmeier) und notorische Steuererklärungsveröfeentlichungsverweigerer (PPQ) seine antizivilisatorischen Ziele anzugehen gedenkt. Ohne auf die verletzten Gefühle der fortschrittlichen Kräfte, die auf Clickbait zielenden Spekulationen der Leitmedien oder die von Sigmar Gabriel persönlich aufgespürten "nationalistischen Töne" Rücksicht zu nehmen, arbeitet der "Immobilienmilliardär" (Deutschlandfunk) am Rückbau des transatlantischen Hauses, in dem Deutschland sich doch so gut eingerichtet hatte.

Vorbei die schöne Zeit der Besserwisserei


Dabei war es so schön! Die Amerikaner kauften unsere Waren und führten für uns Krieg, Deutschland gab gute Tipps zu ethischen Details und wusste im übrigen nichts von gar nichts. Außer, wie man es besser hätte machen können, ja, müssen. Und gerechter. Und einfacher. Hübscher. Fairer. Gemeinsamer. Mit einem Lächeln. Unbewaffnet.

Kann das, darf das schon zu Ende sein? Haben wir den II. Weltkrieg deshalb verloren, um uns nun von einem amerikanischen Hitler links liegen lassen zu müssen? "Donald Trump und seine Familie sind „Dschungelcamp“ und „Die Geissens“ in einem. Sie sind „Frauentausch“ und „Schwiegertochter gesucht“ und „Berlin Tag und Nacht“, heißt es in der Taz.

Klammheimlich die Freude darüber, zu wissen: Sie müssen sich das jetzt acht Jahre lang anschauen (Michael Auksutat).