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Freitag, 20. April 2018

Besuchstermin: Hitler in der Hölle

Je oller, je doller: Das Verbot hat dem Gruß bei Medienschaffenden zu neuer Popularität verholfen.
"Siehst Du, Adolf, so wird das gemacht." Albert Speer nahm sich einen Kaffee vom Büfett und lächelte. Hitler, der an einem kleinen Tisch am Fenster Platz genommen hatte, um sein übliches Morgenmüsli in den Mund zu schaufeln, schüttelte unmerklich den Kopf. Seine Backenzähne schmerzten wieder, obwohl Dr. Morell ihm versprochen hatte, dass jetzt alles in Ordnung sei. Angeblich könne der Zahn eines Verstorbenen, der im Zwischenreich zwischen Himmel und Hölle auf seinen Prozess warte, überhaupt nicht weh tun.

Hitler zog die Luft scharf durch die Nase ein. Könne. Nicht. Wehtun. Er spürte, was er spürte, und das seit 73 Jahren. Die Hölle, dachte er manchmal bei sich, wenn die anderen Karten spielten oder über falsche Weichenstellungen damals unten auf der Erde philosophierten, die Hölle, dachte er dann, kann gar nicht schlimmer sein.

Zumindest aber wäre dann vielleicht dieser Speer weg. Albert Speer, sein Ziehsohn, sein Werkzeug in guten Tagen. "Hast Du das mitbekommen", rief er jetzt vom Marmeladentischchen, "die Merkel kriegt hin, was Du nicht geschafft hast!" Adolf Hitler schniefte wieder scharf. Merkel. Eine ehemalige Kommunistin. Hatte ihre Lektion marxistische Ökonomie aber offenkundig wirklich gelernt. Hielt es wie die Sowjetunion mit ihren Vasallen. Oder wie China. Lass sie sich bei Dir verschulden, dann müssen sie tun, was Du willst.

"Speer, die Zeiten waren damals andere", brummte er mit einem Ton gewisser Schärfe zu seinem früheren Industrieminister und Lieblingsarchitekt. Hitler war bereit, Nachsicht zu zeigen, auch wenn Speer, Goebbels, Göring und sogar Himmler es schon seit Jahren an Respekt ihm gegenüber fehlen ließen. Kein Mensch sprach ihn mehr mit Führer an, wie es Vorschrift war. Goebbels, dieser hinkende Unsympath, hatte vor Jahren sogar versucht, eine Rebellion gegen ihn anzuführen. Angeblich sei seine schlechte militärische Führung schuld daran gewesen, dass der Krieg verloren ging. "Ich habe sechs Kinder und meine Frau verloren", hatte das Hinkenbein gejammert. Allerdings war der treue Hess ihm sofort in die Parade gefahren. "Schnauze, Goebbels", hatte er gesagt.

Beim empfindlichen Gemüt des früheren Propagandaministers reichte das schon. Zumal Himmler keine Anstalten gemacht hatte, den ehemals ungeliebten Konkurrenten um die Gunst des ehemaligen Führers zu unterstützen. Ein Sturm im Wasserglas, der vergangen war, ehe Hitler seinen Tee ausgetrunken hatte.

Die Diskussion, die der schlaue Speer jetzt losbrechen wollte, war schon gefährlicher. Hitler staunte ja selbst, wie einfach es zu sein schien, ganz Europa unter deutsche Herrschaft zu zwingen. Und das, ohne einen einzigen Panzer, einen einzigen Soldaten zu verlieren. "Geld, Geld, Geld", knurrte er mit seiner Reichsparteitagsstimme. Er hatte sich nie für einen glänzenden Finanzpolitiker gehalten, aber die Grundzusammenhänge, die verstand er natürlich. Die Politik dieser Angela Merkel lag denn auch wie ein offenes Buch vor ihm: "Einiges Europa", was für eine Parole! Hitler schmunzelte und für einen Moment hörte sogar der Backenzahn auf zu puckern. Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt, so hatte er es damals gewollt. Ein Traum.

Und jetzt kam dieses Mädchen, diese dickliche, uncharismatische Ostdeutsche und schaffte, was er mit all seinen Soldaten nicht fertiggebracht hatte. "Ich habe es Dir immer gesagt", blökte der lästige Speer jetzt von seinem Tisch gegenüber, "Geld schießt keine Tore, aber erobern kann es besser als deine ganze Wehrmacht."

Hitler schaute aus dem Fenster, vor dem wie immer ein undurchsichtiger Nebel wallte. Seit fast 80 Jahren wussten sie nicht genau, wo sie hier eigentlich waren und niemand hatte ihnen gesagt, wie es weitergehen würde. Inzwischen war es ihm auch egal, denn die Langeweile, die er fühlte, war ihm die schlimmste Strafe. Abgesehen davon natürlich, zusehen zu müssen, wie seine Nachfolger in dieser "Bundesregierung" sich mit viel Stillhalten, Herumjammern und gelegentlicher hektischer Krisendiplomatie das ganze Europa untertan machten.

Mittlerweile hatten sie die Chefetage der SPD, die er einst verboten hatte, wie er sich zufrieden erinnerte, soweit, dass sie freiwillig mitmachte bei der großen Eroberung. Sogar der Franzose, den er seit Verdun und der Geschicht mit seinen Augen nicht leiden konnte, stimmte nicht nur begeistert zu. Nein,  Hitler schneuzte sich unwillig, der Franzmann setzte sich auch noch an die Spitze, als sei er hier der Chef.

Gemeinsame Minister, ein gemeinsamer Etat, gemeinsame Standards. EU. Und ausgerechnet die Ostmark schoß quer, begriff nichts. Typisch. Hitler sah Speer mit einer Mappe voller Zeichnungen auf sich zukommen. Der Mann glaubte nicht mehr an ihn, aber an seine Architektur schien er weiter zu glauben. Unwillkürlich entfuhr dem Führer ein flatternder Verachtungslaut. Sozialdemokraten. Immer noch war er es doch, den der "Spiegel" zuverlässig wie kein anderes Magazin immer wieder Bilder auf seine Titelseite hob. Gemeinsame Haushaltskasse, womöglich noch so, dass der Franzose das Geld ausgab. Gemeinsame Schulden, so viel hatte Hitler von der Sache verstanden, sind immer der erste Schritt zu gemeinsamer Verantwortung. Und, er musste schmunzeln, damit natürlich zum Verlust der eigenen Souveränität.

"Speer, wenn ich damals gefordert hätte, die Polen, die Norweger, die Dänen und die Franzosen könnten bleiben, was sie sind, sie müssten nur im Zuge einer weitgehenden politischen Union auf Souveränität in ihrer Budgetplanung verzichten, da hätten die ihre Panzer losgeschickt." Hitler wusste, dass Speer das wusste. Und ihm war klar, dass er damals einfach der falsche Mann am falschen Platz gewesen war. Zu selbstbewusst. Zu sehr mit dem Kopf durch die Wand. Wie machte denn diese Merkel das? Steht für ein Deutschland, dass nicht nur unbewaffnet ist, sondern hilflos wirkt. Erregt Mitleid. Beruhigt durch Unbeholfenheit. Und schafft so innerhalb von wenigen Jahren die komplette Übernahme von Frankreich, Polen, Griechenland, Italien und sogar Spanien und Portugal, wo er nie richtig ein Bein auf den Boden bekommen hatte. Nur der Russe, der spielte wieder nicht mit. 

Aber als gewiefter Taktiker bewunderte Adolf Hitler den Stil der Aktion. Sie wirkte unglaublich teuer und gleichzeitg vollkommen blöd. Doch verglichen mit den Kosten, die ihm zwischen 1933 und 1945 entstanden waren, handelte es sich bei allen Aufwendungen für Rettungspakete, Rettungsfonds und gemeinsame Bonds um die berühmten Peanuts. "Günstiger ist seit vielen Jahren niemand mehr an einen ganzen Kontinent herangekommen", hatte auch sein alter Finanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk gesagt, mit dem er neulich beim abendlichen Tee über die Sache gesprochen hatte.

"Rechnet man die Gesamtkosten hoch, kommt man auf eine Summe von nicht mehr als einem Drittel der Kosten, die wir aufgewendet haben", hatte Krosigk vorgerechnet. Hitler hatte die Zähne zusammengebissen. Nicht, weil ein deutsches Europa offensichtlich so billig zu bekommen war. Sondern weil es dieser Merkel auch noch gelang, im triumphalsten Moment der jüngeren deutschen Geschichte so mitleiderregend zu wirken wie ein hoffnungslos geschlagener Boxer."Jder glaubt, sie verliert", hatte Krosgk gesagt, "aber was sie bekommt, ist auf Dauer mehr wert."

Der ehemalige Führer war sich sicher, das er das nie gekonnt hätte. Der Hai weiß, dass er zubeißen muss. Tut er es nicht, wird ihm das Essen heute hinterhergetragen. Aber ist er dann noch ein Hai? Oder ein Goldfisch? Adolf Hitler blies die 129 Kerzen auf der Torte aus, die ihm die Frau vom Goebbels gebacken hatte. Dass sich mit Frieden mehr erobern lässt als mit Krieg? Dass Geld doch Tore schießt? "Speer", rief er, "hätten Sie mir das doch früher gesagt."

PPQ-Archiv: Nicht ohne meine Hitlerbilder


Israel: Gürtelprügel aus dem Großraumbüro

Er müsste vor Scham im Boden versinken, hat er doch gerade erst wieder einige junge Männer ermordet, die nichts weiter getan hatten, als in der Erde herumzubuddeln, wo sie hofften, auf eine Wasserader zu stoßen. Denn eines muss man wissen: Israel, sprich: die Juden, das schwor einst sogar der später als Kanzlerkandidat gescheiterte SPD- und Europachef Martin Schulz, vergiftet den Palästinensern die Brunnen, so dass sie ihre Grünanlagen kaum wässern können. Da muss einfach jeder nach Wasser bohren, auch wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Statt aber nun endlich reuig eine Zwei-Staaten-Lösung anzubieten, bei der man sich das Wasser brüderlich teilt, bis der letzte Jude den Nahen Osten verlassen hat, beharren die Zionisten auf ihrem Recht, ihren Staat allein zu bewohnen, oder doch fast allein, denn eigentlich leben in Israel ja mit 1,2 Millionen mehr Araber als nach Jahrzehnten der Verfolgung, der Drangsal und der Bedrohung in arabischen Ländern noch Juden (4.500) verblieben sind.

Zum Glück ist das kein deutsches Problem, jedenfalls keines der Süddeutschen Zeitung. Die gratuliert Israel auf ihre Weise zum 70.: „Ein Staat Israel um jeden Preis“, klagt sie an.Und die "Zeit" assistiert: "Anlass zum Feiern gibt es wenig". In Hamburg, wo sie die ganze Ecke da unten als "arabisches Land" betrachten. Und immer wissen, wer der Böse ist.

Israel. Dass der Judenstaat bereit sei, um seine Existenz zu kämpfen, ärgert sie, es fuchst sie, es geht ihnen gegen den Strich. Wenn wir unseer Grenzen nicht sichern wollen, weshalb können die das können? Das "gefährdet die Demokratie" (SZ).

Natürlich nicht die nicht existente in den Palästinensergebieten, die seit einem Jahrzehnt von einem nicht-gewählten Potentaten regiert werden. Und nicht die in Saudi-Arabien, Ägypten oder dem Irak, wo Männer am Ruder stehen, die, wären sie Chef im Kreml und nicht Geschöpfe mit einem Hang zur machterhaltenden Kungelei mit dem Westen, keinen Tag ohne die deutsche Anklage verleben können, sie seien menschenverachtende Diktatoren mit blutigen Händen.

Nein, Israel bekommt die Gürtelprügel aus dem Münchner Großraumbüro. Die einzige Demokratie im Nahen Osten, gegen die die Uno seit 1948 mehr Resolutionen erlassen hat als gegen Nordkorea, Syrien, Südafrika, Kambodscha und sämtliche anderen Kriegstreiber und Völkermörder zusammen, dient pünktlich zum Geburstag wieder als Punchingball: Voll toll "zerstritten, gespalten, zerissen" (Originalschreibweise) sei das Land, attestiert die Zeit. Das macht es nicht lange. Das haben sie nun  davon, erklärt die SZ: 700 000 Palästinenser seien vertrieben worden, der ganze Staat existiere ja nur "auf Kosten der Palästinenser" (SZ).

Ein Hundsfott ohne Gewissen, wem da nicht eine Träne kommt. Dass die "Palästinenser" eigentlich keine waren, als sie damals vertrieben wurden, oder doch nicht mehr Palästinenser als die Juden, die im britischen Mandatsgebiet Palästina lebten und sie vertrieben, spielt nicht die große Rolle. Lange her. Von damals lebt ja niemand  mehr.

Was die "SZ" meint, sind trotzdem natürlich arabische Palästinenser mit Betonung auf arabisch. Würde das erwähnt, ergäbe sich im Verständnis aber gleich ein gemeiner Zusammenhang: Zufällig waren es mit Ägypten, Syrien, Irak, Libanon, Jordanien und Saudi Arabiens fünf arabische Länder, die Israel in der Gründungsnacht nach der Unabhängigkeitserklärung angriffen.

Die Juden hatten danach nur noch die Wahl: Wieder sterben. Oder kämpfen.

Dass sie sich für Letzteres entschieden haben, können ihnen die Leitblätter des deutschen Salonantisemitismus offenbar auch 70 Jahre später nicht verzeihen.

Wachgerüttelt: "Rechtes Gedankengut ist in Deutschland wieder mitten im öffentlichen Diskurs angekommen und wird immer populärer!" 
Danisch zum Thema


Donnerstag, 19. April 2018

Pluralitätspflicht: Gegengift für den Volkskörper

Andere EU-Partner sperren feindliche Interneteinträge brutalstmöglich. Die Bundesregierung aber plant jetzt eine smarte  Gegenstrategie: Für jeden merkelkritischen Eintrag bekommen Nutzer künftig einen merkelfreundlichen zu sehen.
Es geht nicht mehr nur um Hass. Im Kampf gegen digitale Hetze setzt Bundesjustizministerin Katarina Barley nicht mehr nur auf enges Coaching durch erfahrene Meinungsfreiheitsschützer und striktes Löschen mit Hilfe traditionsreicher Firmen der inneren Aufrüstung, sondern nun auch auf positives Beeinflussen fragwürdiger Diskussionen durch strenge gesetzliche Auflagen: Eine Pluralitätspflicht soll Hetzer, Hasser und Zweifler gezielt zurück auf die zivilisierte Seite der Meinungsfreiheit locken.

Barley, einst als SPD-Generalsekretärin tragisch gescheitert, durch die dünne Personaldecke der Partei aber später doch wieder auf die Besetzungscouch gerutscht, will großen sozialen Netzwerken dazu gesetzliche Vorgaben machen, nach denen Nutzern nicht mehr nur Themen und Meinungen angeboten werden müssen, für die sich die Betreffenden interessieren. Stattdessen plädiert die Gefolgsfrau der neuen Parteichefin Andrea Nahles für eine Pluralismus-Pflicht in sozialen Netzwerken: Für jeden genderfeindlichen, islamanprangernden, fußballschiedsrichterkritischen oder Angela Merkel beschimpfenden Eintrag, den Facebook oder Twitter Nutzern zeigen, müsste die US-Firma ihren Mitgliedern zugleich einen durchgegenderten, den Schiedsrichter lobenden, mohammedbejubelnden und Angela Merkel rühmenden Text zeigen.

Barley sieht vor allem bei Themen wie Flüchtlinge und die Geschlechterdiskussion eine dringende Notwendigkeit, auch die Sicht der Bundesregierung weiter und vor allem wirksamer unter den Menschen zu verbreiten. Die automatischen Programme, mit denen Facebook Nutzer bestimmte Einträge zeigt, andere aber ausblendet, müssen nach den neuen Barley-Gesetzen unabhängig von den durch das Nutzerverhalten ermittelten Interessen darauf abzielen, Sichtweisen zu transportieren, die „einer kompletten Blasenbildung entgegenwirken“, sagte die Ministerin bei einer Diskussionsveranstaltung, die die Deutsche Public Relations Gesellschaft und der ursprünglich aus dem Journalismus kommende Berliner "Tagesspiegel" gemeinsam veranstaltet hatten.

Mit Hilfe neuer hochintelligenter KI-Steuerungen, die sich etwa an der Fähigkeit russischer Trolle orientierten, mit wenigen tausend sogenannten Bots selbst amerikanische Präsidentenwahlen zu entscheiden, lasse sich die, glaubt der Anklamer Sprechtechnologe Marvin Müller von der Forschergruppe Computerlinguistik der Uni Greifswald, eine Meinungsbildung schaffen, die Hetze, Hate Speech und Zweifel an notwendigen Maßnahmen der Bundesregierung und der EU-Kommission automatisiert an der Verbreitung hindert, so dass Rechte, Rechtspopulisten, Rechtsradikale, Rechtsextreme und Rechtsextremisten wirksam daran gehindert werden, ihr schleichendes Gift in den Volkskörper zu verspritzen.

Statt nur defensiv gegen Hassreden im Internet zu kämpfen und mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz unliebsame Meinungen wegzufiltern, könne so ein staatliche reguliertes Nachrichtenangebot verfügbar gemacht werden, das Aufwiegler im Netz auf lange Sicht wieder zu guten und treuen Staatsbürgern machen könne. "Entscheidend ist unser Wertekanon, und der ist ganz klar das Grundgesetz", sagte Barley.

 Das sehe bereits in Artikel eins eine Verpflichtung des Staates vor, soziale Netzwerke zu verpflichten, ihre Algorithmen pluralistisch auszugestalten. "Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt", heiße es da. Daraus ergebe sich die geplante neue Pluralitätspflicht, die technisch zu implementieren kein Problem sei, so Barley, die in Marburg und Paris Rechtswissenschaften studiert hat. "Das halte ich für machbar und nicht schwierig“, ist sie sicher.

Ohrfeige für Assad: Paris fährt schwere Geschütze auf

Gaddafis Zelt in Paris: Der grausame Diktator war ein gern gesehener Verbündeter am Hof der französischen Präsidenten.
Dass Muammar Gaddafi damals mitten in Paris zelten durfte, lässt sich nun leider nicht mehr rückabwickeln. Auch die Wahlkampfspenden, mit denen der blutige Diktator Einfluss auf die französische Innenpolitik nahm und den großen Europäer Nicolas Sarkozy als libyschen Interessenvertreter einkaufte, können kaum noch zurückgezahlt werden. Frankreich, Zeit seiner Existenz eine Nation, die für sich eine eigene Moral in Anspruch nahm, betrieb stets Machtpolitik ohne Scheuklappen, wie sie den ostwärts gelegenen Nachbarn plagen.

Während die ihre Verbrechen ununterbrochen bereuen, steht der aktuelle Franzose immer über den Dingen, die Opa angerichtet hat und von denen die selbsternannte "große Nation" bis heute profitiert. Frankreichs Algerienkrieg wurde jahrzehntelang als „die Ereignisse“ umschrieben. Es dauerte ein halbes Jahrhundert, bis ein französischer Präsident einräumte, dass Paris seine algerischen Hilfstruppen schoflich behandelt und dem brutalen Kriegsgegner überlassen hatte. Offiziell gedenken will Frankreich den eigenen Verbrechen nicht, auch die von den Algeriern verlangte Entschuldigung für tausendfachen Mord, Folter und Massaker kam bisher keinem Präsidenten über die Lippen.

Dafür aber räumt Emmanuel Macron jetzt auf. Der Mann, der sich vorgenommen hat, das wirtschaftlich bedeutungslose, politisch von Berlin und Brüssel abhängige und militärisch selbst mit der überschaubaren Mali-Mission überforderte Land zurück an den Tisch der Weltmächte zu befördern, hat nach Frankreich symbolischer Teilnahme an den "Luftschlägen" (Der Spiegel) gegen Syrien jetzt ein Disziplinarverfahren gegen Baschar al-Assad eingeleitet, um dem syrischen "Machthaber" (Süddeutsche Zeitung) das Großkreuz der Ehrenlegion wegnehmen zu können, das Macrons Vorgänger Jacques Chirac al-Assad dem studierten Augenarzt kurz nach dessen Amtsantritt verliehen hatte, um ihn Frankreich gewogen zu stimmen.

Bekannte Träger der Auszeichnung sind Napoleon Bonaparte, der Europa mehrfach mit Krieg überzog, der jugoslawische Alleinherrscher Josip Broz Tito, Kreml-Potentat Wladimir Putin, der kriegerische äthiopische "König der Könige" Haile Selassie, die Grünen-Mitgründerin Claudia Roth, der desillusionierte Nahost-Kenner Peter Scholl-Latour und der junge französische Präsident Emmanuel Macron, der sich den Titel eines "Grand Maître de la Légion d’Honneur" unmittelbar nach seinem Amtsantritt verleihen ließ, um seine weltpolitische Bedeutung zu unterstreichen.

Frankreich fährt damit schwerste Geschütze gegen den Syrer auf, der schon vor sechs Jahren einen harten Schlag hatte einstecken müssen, als ihm Italien die Ehre des Ritters des Großen Kreuzes Grand Cordone "Zum Verdienst der Italienischen Republik" ohne Begründung entzogen hatte. Für Assad wird es nun richtig eng. Als eines von bislang 93.000 Ehrenmitgliedern der Ehrenlegion, eine symbolische Auszeichnung, denn nach den 1802 von Napoleon geschaffenen erznationalistischen Regeln können nur echte Franzosen Vollmitglied werden, genoss Assad bislang höchstes Ansehen in der Welt.

Sollte ihm der Titel nun aberkannt werden, dürfte der Potentat schäumen, denn er besäße dann nur noch den ukrainischen Orden des Fürsten Jaroslaw des Weisen I. Klasse, das finnische Großkreuz des Ordens der Weißen Rose, den libanesischen Zedern-Orden, das brasilianische Großkreuz des Ordens vom Kreuz des Südens, Venezuelas Orden des Befreiers und ein halbes Dutzend weiterer Meriten.




Mittwoch, 18. April 2018

Kanonenfutter: Schnellkurs zum Bundes-Blitzkrieger

Es geht der Bundeswehr nicht gut, ihre Gewehre schießen nicht, ihre Hubschrauber sind permanent zur Rweparatur, die U-Boote liegen in der Werft, die Panzer hat Holland und wenn es out of area geht, müssen Flugzeuge vom Klassenfeind geliehen werden, weil die europäische Hightech-Luftfahrtindustrie seit Jahrzehnten nicht in der Lage ist, einen bestellten fliegenden Kleintransporter auszuliefern. 

Schlechte Zeiten für Vorneverteidigung und friedenssichernde Missionen an der russischen Grenze, findet auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die zwar die Traditionskabinette der Truppe besenrein bekommen hat, nicht aber die Kampfkraft ihrer bunten Famnilienarmee auf russisches Niveau. Deutsche Truppen stehen als Geiselverband im Baltikum, eine stete Drohung an den Kreml: Wenn du diese Einheit überrennst, sei es in zwei Stunden oder sei es in vier, dann ereilt dich ein Gegenschlag. Den dann natürlich die Amerikaner werden ausführen müssen.

Es fehlt an Kanonenfutter


Denn seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 bis zur nächsten Generalmobilmachung fehlen Heer, Marine und Luftwaffe Soldaten. Und bei der nächsten Generalmobilmachung, soviel ist den Planern auf der Hardthöhe jetzt aufgefallen, werden auch die Reservisten fehlen, die die noch vorhandenen Skelette der Bundeswehrbände mit Kanonenfutter aufpolstern könnten, um die heranrollende Lawine von vermutlich unsichtbaren Russentanks aufzuhalten, bis der große Bruder in Übersee beschlossen hat, mit ein paar chirurgischen Luftschlägen für Frieden und Sicherheit auf dem alten Kontinent zu sorgen.

Nur woher Nachwuchs nehmen, wenn die junge Generation aus friedensbewegten Partylöwen besteht, die selbst im alltäglichen Straßenkampf in deutschen Großstädten nicht in der Lage sind, simplen Messerangriffen wirksam zu begegnen? Allein neue Traditionserlasse und die Nachkommen der in Dunkeldeutschland lebenden Nazi-Stämme werden nicht reichen, die neuerdings regierungsamtlich wieder "Heimat" genannte Region zu verteidigen, zumal gerade diese gewaltgeneigten Jungmänner noch mit der neuen Bundeswehrtradion der Umstandskleider und Mutterschaftskommandos fremdeln.

Waffengang nicht über eine Woche


Mit 43 Milliarden Dollar gibt Deutschland zwar immerhin halb so viel Geld für seine Armee aus wie Russland, obwohl die deutschen Streitkräfte nicht einmal ein Fünftel der Stärke der russischen aufweisen. Doch die Zahl der Reservisten erlaubt Deutschland keinen Waffengang, der länger als eine Woche dauert: Kann der Kreml auf 2,5 Millionen Reservisten zurückgreifen, verfügt die Bundeswehr nur über 30.000 Männer und Frauen, mit denen Verluste ausgeglichen oder Kräfte an der Front massiertw erden könnten.

Um dem Mangel abzuhelfen, der Deutschlands Verteidigungs- und Angriffsfähigkeit selbst bei einem Kräftemessen mit Indonesien überdehnen würde, werden nun auch Zivilisten zu Reservisten schnellbesohlt. In der vergangenen Woche hat dazu in Berlin ein Pilotprojekt begonnen: 178 Stunden Ausbildung am Friedensgewehr machen aus freiwilligen Familienvätern, FrührentnerInnen und Studentinnen im Wartesemester Bundes-Blitzkrieger, vor deren Stiefeltritt im Gleichschritt demnächst schon wieder die ganze Welt erzittern dürfte.

Nein, darf man nicht: Das N-Wort in M-Deutschland

"Darf man heute noch "Neger" sagen? Warum ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?" - so kündigte der MDR eine Radiosendung an, die im Eklat endete, ohne zuvor überhaupt begonnen zu haben. Kaum war das Thema der Sendung über die sozialen Netzwerke verbreitet worden, fand sich ein wütender Mob aus tobender Empörung zusammen: Der MDR sei rassistisch, das "N-Wort", wie es von den entsetzen Wutbürgern bei Twitter zart umschrieben wurde, gehe gar nicht!

Ebensowenig natürlich das Sendungsmotto "Politisch korrekt? Das wird man wohl noch sagen dürfen!" und die Gästeliste mit der früheren AfD-Chefin Frauke Petry, dem Moderator Peter Hahne, der sächsischen Linke-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz und dem Leipziger Politikwissenschaftler Robert Feustel. Der Sender, als zentrale Ostalgie-Abspielanstalt aus Dunkeldeutschland ohnehin beständig unter Nazi-Verdacht, reagierte umgehend. Wenige Stunden vor Beginn strich der MDR die Sendung aus dem Programm.

Die Frage, was man in Deutschland sagen dürfe, war da durch die engagierte Diskussion ohnehin bereits beantwortet. Das "N-Wort", nach dem tief im Westen der Republik Orte und Ortsteile benannt sind, gehört zweifelsfrei nicht dazu.

Empört zeigte sich die Linken-Abgeordnete Köditz, früher, als man noch Neger statt N-Wort sagte, hauptamtlich in der FDJ-Kreisleitung Leipzig-West tätig und heute Sprecherin ihrer Fraktion für antifaschistische Politik. "Weiße unterhalten sich, wie man schwarze Menschen betiteln darf", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel" mit einem klaren Fokus aus die Einteilung von Menschen nach äußerlichen Merkmalen, "das ist für mich Kolonialismus."

Dieser Begriff steht eigentlich für Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialmacht, trifft also den Sachverhalt wie ein in China geschwungener Hammer einen Nagel in Brasilien.Doch im Dienst der guten Sache darf in der Aufregung schon mal auch ein bisschen was durcheinandergehen, wenn der linke Kolonialismusbeauftragte die Menschen in schwarz und weiß einteilt und festlegt, wer dabei mitzurden hat, was man zu wem sagen darf.

Köditz, die nach eigenem Bekunden eigentlich vorgehabt hatte, den "rechten Kampfbegriff" (Köditz) politische Korrektheit "nicht unwidersprochen zu lassen", hat als Kind die "Negerin Angela Davis"  (Luise Rinser, 1984 grüne-Bundestagspräsidentinnekandidatin) mit Postkarten aus der rassistischen US-Haft freigekämpft.  Nach der "kurzfristigen Sendungsankündigung" mit der Frage nach dem "N-Wort" sah sie nun aber "keine Basis mehr für ein Gespräch". Jeder, der den Diskussionstand in der Linken kenne, wisse, dass es um critical whiteness, nachholende Weißheitsforschung und um nicht-identitäre Identitäten gehe, nicht um notwendige Sprachregelungen.

Leider habe der MDR sich geweigert, sie und Feustel, der über eine "Kulturgeschichte des Rauschs" promoviert wurde und damit vom Fach ist, auf das Konzept der Sendung, den Tenor der Ankündigung und die eingeladenen anderen Gäste Einfluss zu nehmen. Daher seien zwar die frühere AfD-Politikerin Frauke Petry und der Moderator und Freizeit-Evangelist Peter Hahne eingeladen worden. Aber "keine Menschen, die selbst von Rassismus betroffen sind", so Köditz. Ohne die aber könne über politische Korrektheit eben nicht politisch korrekt diskutiert werden.

Der MDR bereitet jetzt eine neue Sendung mit neuem Konzept und anderen Gästen vor: "Darf man heute noch "Du bist aber braun geworden" sagen? Warum ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?", heißt es in der nächsten Woche. Gäste dann: 

Im Archiv: Deniz Yücel mal versuchte,  das N-Wort vorzulesen.
Aktuell: Sciencefiles über Neger, N-Wort und I-Wort

Dienstag, 17. April 2018

Kriegsberichterstattung: Als sich Bombenangriffe in "Luftschläge" verwandelten

Deutsche Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg waren nie "Luftschläge", auch die Angriffe der Alliierten auf deutsche Städte mussten noch ohne den hübschen Kosenamen auskommen.
Hagelt es Bomben und Raketen vom Himmel, dann weiß die deutsche Berichterstattung das sehr genau einzuordnen. "Bombardements" heißt es dann, "Bombenangriffe", vielleicht noch "Raketenangriffe" oder "Luftangriffe". Kommt der "Tod aus der Luft", etwa in Dresden oder in Vietnam, dann gibt es schon bei der Wortwahl keinen Zweifel: Es handelt sich um Luftangriffe, Bombenangriffe oder, zusammengefasst, einen "Luftkrieg".

Aus der Entfernung geführt, gilt der normalerweise als besonders schwerer Fall von moralisch verwerflichem Handeln im Krieg. Niemand, der mit Bomben und Raketen angreift, kann genau wissen, wo und wen er trifft. Wladimir Putin hat Aleppo so schon "zum zweiten Grosny" gebombt. Auch Krankenhäuser haben die menschenverachtenden Russen-Bomber bereits getroffen.  Und wahrscheinlich war das sogar "Teil von Putins Strategie" (Spiegel). Der Kreml will alles zerstören, was dem Rest der Welt heilig ist. Er bombt, um zu bomben, um wieder Weltmacht zu werden oder die Illusion zu behaupten, eine zu sein.

Ganz anders sieht es aus, wenn Nato-Luftstreitkräfte sich aufmachen, irgendwo auf der Welt eine Strafaktion zu fliegen, einen Diktator zu erziehen oder Bomben und Raketen auf Lagerstätten von kreuzgefährlichen chemischen Waffen abregnen zu lassen. Ganz automatisch verwandelt sich das, was der Duden "Luftangriff nennt, in einen "Luftschlag". Der Begriff klingt viel sympathischer, er ist keimfrei und opferlos, eine Ohrfeige ohne Ohr, ein Schlag ins Wasser fast, trocknet wieder, weiter geht es. Kein Blut, nirgends.

Luftschläge sind ein relativ neues Phänomen in der Kriegsberichterstattung. Während Bombardements, Luftangriffe, Bombenangriffe und Raketenangriffe auf eine Geschichte zurückblicken können, die mit dem italienisch-türkischen Krieg im Jahr 1911 beginnt, sind "Luftschläge" erst nachweisbar mit dem Beschluss der Nato, auf den von Joschka Fischer und Rudolf Scharping vorgelegten "Hufeisenplan" mit Bombardements auf dem Balkan zu reagieren.

Nur Bombardements waren das eben nicht, sondern chirurgische "Luftschläge", das militärische Äquivalent zu sanften Streicheleinheiten aus Phantom-, Tornado-, F15- und Mirage-Bombenklappen, nicht böse gemeint, weder in Afghanistan noch in Syrien.  Eine Google-Trends-Grafik (unten) zeigt, das "Luftschläge" (blaue Spitzen) ausschließlich vorkommen, wenn die Nato Lufteinsätze fliegt. Sind Nicht-Nato-Bomber unterwegs, dominieren "Luftangriffe" (rot).

Denn andere Mächte, verharrend in einer dunklen Zeit, arbeiten noch mit "Luft-" und "Bombenangriffen". Die Deutschen dagegen sind mittlerweile mehrheitlich gegen "Luftschläge". Und selbst Wladimir Putin befleißigt sich der schmuck gekämmten, gefönten und geschminkten Nato-Sprache: Er sagt "Aвиаударыwas" auf Russisch "Luftangriff" heißt. Und wird vom "Spiegel" mit einer Warnung vor weiteren "Luftschlägen" übersetzt.

"Luftschlag" ist ein Wort, das es im Russischen gar nicht gibt.

Emmanuel Macron: Der Kriegstreiber

Eigentlich sollte er Frankreich reformieren, wirtschaftlich auf Deutschlands Augenhöhe heben und damit Europa retten. Als Emmanuel Macron vor knapp einem Jahr gewählt wurde, galt der linksliberale Newcomer als Rettung des größten und wichtigsten deutschen EU-Partners vor den antieuropäischen Umtrieben der Marie Le Pen. 

Macron war nicht nur jung, strahlend und gutaussehend, er hatte auch Erfahrung im Umgang mit älteren Frauen und erklärtermaßen den festen Willen, Deutschland in dessen beharrlichen Kampf um wirtschaftliches und soziales Wohlergehen für alle acht Milliarden Erdenbürger, um eine vorausschauende Klimapolitik, einen entschlossenen verbalen Kampf gegen den Terrorismus und beim waffenlosen Einsatz für Frieden und Freiheit zu unterstützen. Europas eiserner Kern, die Achse Berlin-Paris, sie würde, so viel war schon nach wenigen Minuten klar, die Völker vorm Zugriff der Rechtspopulisten und Europafeinde retten. 

Den Versager zieht es an die Front


Macron startete denn auch wie ein chinesisches Neujahrsfeuerwerk. Der stets sehenswerte Politiker neuen Typs, ideologisch nicht festgelegt und moralisch kaum zu verorten, nutzte die "Macromanie",  um den Reichen Geschenke zu machen, die Axt an den französischen Ständestaat zu leben und die Gewerkschaften zu entmachten. Ein Büttel der Globalisten, so schimpfte die Herzenslinke. Doch immer noch besser als ein Rechter, übten sich die deutsche Talkrunden in demonstrativer Bescheidenheit.

Deutschland muss mit Frankreich, weil nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der Weltfriedensgemeinschaft EU nur noch ein großer und wichtiger Partner bleibt. Und wer mit Frankreich muss, der muss eben auch mit Macron. Pflichtschuldigst bejubelte das politische Berlin dessen völlig illusorische Europa-Pläne, fast schon liebevoll sahen die im transnationalen Hinterzimmergeklüngel erfahrenen deutschen Politprofis darüber hinweg, dass die von dem Franzosen geforderte "Neugründung der EU" angesichts von 27 zerstrittenen Verhandlungspartner  mit allergrößter Sicherheit im Desaster eines Auseinanderbrechens enden würde - ein Risiko, das kein deutscher Kanzler eingehen würde.

Europa will nicht hören


Die Bemühungen Macrons um eine EU, die nicht mehr so "langsam, schwach, ineffizient" (Macron) ist, wurden dann einfach durch die übliche Inaktivität ausgebremst. In Berlin weiß jeder, dass in den nächsten Monaten hauptsächlich darum gerangelt werden wird, wer den Posten des EU-Frühstücksdirektors nach der als "Wahl" angekündigten nächsten EU-Abstimmung  wird übernehmen dürfen. Maccon möchte selbst jemanden aussuchen, die Deutschen möchten lieber wieder so tun, als handele es sich um eine Personenwahl, bei der Wähler entscheiden, wer gewinnt.

Es könnte sein, dass der hinhaltende Widerstand Berlins den 40-jährigen Franzosen, dessen politische Biografie vor seiner Wahl zum Präsidenten gerademal vier Jahre dauerte, dazu treibt, dort aktiv zu werden, wo er selbst Zugriff auf Gaspedal und Lenkrad hat.

Im Bemühen, Frankreichs vermeintliche einstige Größe wiederherzustellen, ist Emmanuel Macron bereit, Außenpolitik als Mittel der Innenpolitik zu nutzen: Um davon abzulenken, dass er mit seiner EU-Initiative bisher ebensowenig Fortschritte gemacht hat wie beim den angestrebten Reformen und der anvisierten Aufholjagd zu Deutschland, bläst der Mann im Elysee-Palast die Kriegstrompete. Syrien dient ihm zur Ablenkung davon, dass Frankreichs Arbeitslosigkeit noch immer desaströs hoch ist, die Treibhausgasemissionen die Deutschlands weit übertreffen, die Arbeitskosten pro Stunde nicht konkurrenzfähig sind und die Zahl der Privathaushalte mit schnellem Zugang zum Internet noch niedriger ist als in Deutschland, obwohl das im Weltmaßstab schon so eine Art Besenwagen der Breitbandzukunft darstellt.

Macron will wieder Weltmacht werden


Macron spielt die Weltmachtkarte. Wie stets im Maßanzug, gibt er den Weltpolizisten, stachelt den US-Präsidenten zu völkerrechtswidrigen Angriffen an und möchte Frankreich damit wieder als Größe aus der politischen Weltkarte etablieren. Frankreich gebietet immer noch über ein globales Reich aus Kolonien, die es züchtig "Überseegebiete" nennt. Frankreich ist die Atommacht in der EU und bis heute - im Unterschied zur Türkei - kein Nato-Mitglied. Daraus und aus der Notwendigkeit, die anhaltende wirtschaftliche Schwäche seines Staates zu maskieren und dessen innere Zerissenheit zu übertünchen, leitet Emmanuel Macron den Anspruch ab, in der obersten Liga mitzuspielen. Und sei es um den Preis eines Weltkrieges.

Es ist wie eine Rückkehr in nostalgisch verklärte Zeiten, als Paris noch eine der Siegermächte repräsentierte, eine einzigartige Welthauptstadt, in der General de Gaulle und seine Nachfolger bei jeder Entscheidung das nationale Interesse im Blick hatten. Deutschland hat Macron vor dem Einsatz seiner Bomber weder gefragt noch informiert, er kann bomben und er tut es, in der sicheren Gewissheit, dass Merkel im Namen der europäischen Einheit im Nachhinein zustimmen wird. Mit einem kleinen Kniff verkehrt der Franzose die Machtverhältnisse in der EU damit ins ihr Gegenteil. Frankriech marschiert, der Rest gratuliert.


Auf Augenhöhe  mit Washington


Paris wieder ganz groß, auf Augenhöhe mit Washington, London und Moskau. Von hier oben lässt sich auf Berlin hinunterschauen. Diese Gefühlslage muss man berücksichtigen, wenn man die bellezistische französische Außenpolitik dieser Tage verstehen will. 28 Jahre nach der zähneknirschenden Zustimmung Mitterands zur deutschen Wiedervereinigung ist Frankreichs Fixierung auf den nachbarns Deutschland als den imaginierten oder tatsächlichen Konkurrenten so ungebrochen, dass Emmanuel Macron im großen Spiel um Bedeutung, Herrschaft und Weichenstellung aggressiv und ohne Skrupel auf das verminte Schlachtfeld des Nahen Ostens auszuweichen bereits ist, nur um der französischen Öffentlichekit klarzumachen, dass Frankreich im Unterschied zum bedauernswerten Deutschland noch immer eine Grande Nation ist.


Montag, 16. April 2018

Zeichen der "Zeit": Die Arabisierung des heiligen Landes

Es braucht immer einen, der so mutig ist, die richtigen Fragen zu stellen. Mit "70 Jahre Israel - warum kommt das Land nie zur Ruhe?" wagt es die Hamburger "Zeit". Und sie gibt schon im Anreißer die Antwort: "Einst besiedelten Juden aus aller Welt arabisches Land: Sie schufen einfach Fakten, aus denen der Staat Israel wuchs."

Gerade für eine deutsche Zeitung eine tapfere These: Immerhin lebten Juden schon dort, wo heute Israel liegt, als König David regierte und es ein "arabisches" Volk noch gar nicht gab. Zu Beginn der Bronzezeit zwischen 1900 und 1500 v. Chr. besiedelten die Söhne und Enkel von Abraham, Isaak und Jakob den Landstrich zwischen Mittelmeer und Mesopotamien. Das, was heute als "arabisch" verstanden wird, begann 2500 Jahre später, als Mohammed den bis dahin desperaten Stämmen von Nomaden und Nicht-Nomaden eine gemeinsame Religion gab, über die sich das Arabischsein im Zusammenwirken mit einer gemeisnamen arabischen Sprache so gründlich definieren konnte, dass selbst die Ägypter mit ihrer bis ins Dunkel der Geschichte reichenden vieltausendjährigen Geschichte zur Überzeugung kamen, sie seien nun Araber, weil sie schließlich Arabisch statt ihres eigenen Alt-Ägyptisch zu sprechen gelernt hatten und an Allah glaubten statt an ihre eigenen, früher verehrten Gottheiten.

Niemand käme deswegen auf die Idee, zu behaupten, Araber hätten früher ägyptisches Land besiedelt. Doch wenn es um Israel geht, sind fortschrittliche, weltoffene deutsche Medienhäuser traditionell reflexhaft auf der Seite der vermeintlich Unterdrückten. Die "Zeit" hat hier jahrzehntelange Expertise: Greifen arabische Jugendliche Israelis an, verzeiht das Hamburger Blatt es den Angegriffenen nicht, dass sie sich - im Unterschied zu den Juden, die der Opa des Zeit-Redakteur ermordet hat - whren. Die Schlagzeile lautet automatisch: "Soldaten erschießen Palästinenser nach Steinwurf".
Überlebt Israel also in einer Umgebung aus lauter Nachbarländern, die mindestens viermal versucht haben, den Judenstaat von der Landkarte zu fegen. Prompt geht die Fachredaktion in Hamburg zuallererst der Frage nach, welche Verantwortung dem Überfallenen dafür zukommt, dass seine Feinde so ein unstillbares Bedürfnis plagt, ihn auszuradieren.

Wer war zuerst da? Der Jude, der Araber oder gar der "Zeit"-Journalist? Beim Tempelberg ist es klar: Die Moschee steht obendrauf, der Tempel ist drunter. Naheliegend, dass das eine vor dem anderen existiert haben muss. Doch in einem Land, das eine Debatte um eine Preisverleihung antisemitische Islam-Rapper "fair" (Die Welt) führen will, statt sich zu fragen, wie es passieren konnte, dass die antisemitischen Holperreime zweier Mode-Moslems von hunderttausenden Deutschen gekauft und gehört werden, ist es noch naheliegender, dass niemand mehr da ist, der diese Frage stellen kann: Die Nazi-Musik aus dem Islamisten-Ghetto gilt der "Zeit" schließlich als "dissidenter"  Ausdruck des legitimen "Kampfes gegen die Yogamatten-Gesellschaft" (Zeit).
Nicht Judenfeindlichkeit und Hass auf die liberale Gesellschaft der einzigen Demokratie im Nahen Osten stecken nach einem "Zeit"-Gutachten im Ansingen gegen Israel, sondern allein die "Lust am Krass-Sein". Und die teilt "Die Zeit" nun mal entschieden. In der Logik der Redaktion gibt es zum 70. Jahrestag der Staatswerdung Israels deshalb vor allem dessen Landraub bei denen zu beklagen, die mit Waffengewalt immer wieder verhindern wollen, dass der Staat Israel in Frieden existieren kann. Anti-Semitismus ist in der Mitte des Mainstream angekommen. "Zwei Rapper sind für den Musikpreis Echo nominiert. Nun wird ihnen Judenfeindlichkeit vorgeworfen", staunt das Blatt über die "Unruhestifter" (Die Zeit), deren ausgestellte Judenfeindlichkeit kein importiertes Problem sei, sondern ein deutsches.

Auch wieder wahr.

"Spiegel": Angstbürger unter der Hasskappe

Mission accomplished: Elf Jahre nach dem "Spiegel"-Titel zur "stillen Islamisierung" veröffentlicht das Magazin die Gegendarstellung.
Im März 2007 ritt die Spiegel-Redaktion der Teufel. Ungeachtet aller Fakten griff das frühere Nachrichtenmagazin zur Angstmache: Eine "stille Islamisierung" finde in Deutschland statt, beklagten mehrere Autoren, das Land in der Mitte Europas werde zum "Mekka", in dem eine überforderte und viel zu weiche Justiz jungen Muslimen den Weg in eine Parallelgesellschaft ebne. 

Der inzwischen frühere Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio, für die Unterzeichner der umstrittenen "Erklärung 2018" heute einer der Wunschkandidaten für eine Kommission zur Beaufsichtigung der regierungsamtlichen Einwanderungspolitik, durfte im „Pulverdampf des Kulturkampfs“ über "fehlende Sensibilität" und "rechtsirrige Ansichten" sprechen, die geprägt seien von der multikulturelle Fehlvorstellung, "dass unser Land umso schöner wird, je mehr nicht zueinander passende Kulturen nebeneinander stehen".

"Spiegel" im Kulturkampf


Der "Spiegel" war mitten in diesem Kulturkampf. Noch lag die große Einwanderungswelle von 2015 und 2016 fast ein Jahrzehnt in der Zukunft und die Zahl der erst kurz zuvor von "Moslems" in das weltläufige "Muslime" umgetauften Korangläubigen noch unter vier Millionen. Aber in Hamburg hörten sie das grüne Gras der Islamisierung leise wachsen. Hendryk M. Broder schrieb über das bis heute weiter aufgeführte Stück "Die beleidigten Moslems und wir". Die Titelgeschichte fragte "Haben wir schon die Scharia?" und enthüllte eine vermeintliche Strategie "islamischer Verbände, vor Gericht vermeintlich religiöse Freiräume zu erstreiten", durch die "wir schleichend unsere eigenen Rechts- und Wertvorstellungen zur Disposition stellen", wie Wolfgang Bosbach, damals noch stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, öffentlich und unwidersprochen fürchten durfte.

Seitdem sind mehr als eine Million Muslime nach Deutschland eingereist, oder waren es mehr als zwei? Wie viele genau, weiß niemand. Seitdem sind all die Phänomene, die der "Spiegel" 2007 mit einem beunruhigten Grummeln notierte, nicht verschwunden, sondern Alltag geworden. Natürlich, es gibt nicht mehr Messerangriffe, sondern allenfalls "uneindeutige Daten" (Die Zeit) und skrupellos geschürte Ängste, die von Scharfmachern für ihre populistischen Forderungen genutzt werden. Aber in der Melancholie eines unaufhaltsamen Auflagen- und Bedeutungsschwundes kehrt der "Spiegel" nun doch noch einmal - quasi anlasslos - zu seinem Thema vom März 2007 zurück.

Nur ganz anders. Nicht die vom "Spiegel" selbst publizistisch begründete unbegründete Furcht vor der "Islamisierung" steht im Mittelpunkt, sondern das Fremdeln "vieler" (Spiegel) Deutscher mit den Veränderungen, die das mit sich bringt, das die Titelgeschichte nun einfach "Zuwanderung" nennt. Die "Islamisierung", beklagt und angeprangert, als es sie noch nicht gab, findet sich in dem Moment medial beerdigt, in dem sie unübersehbar wird. Vielehe und Gangprügeleien, aus allen Nähten platzende Moscheen, der Streit ums Kopftuch und der Versuch, nach Religionsvorschriften Recht zu sprechen - kein Grund zur Aufregung.

Wer es tut, ist ein Wutbürger, Hassbürger, Angstbürger. "Jeder Fünfte, der hier lebt, hat einen Migrationshintergrund, und die Zahl wird weiter steigen", heißt es da. Und die restlichen vier haben Angst davor: Alterweißermann-Gartenzwerge mit steil nach unten fallenden Mundwinkeln, die sich eine Zipfelmütze über die Augen ziehen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass „unser Land sich ändern wird, und zwar drastisch.“

Permanente Party mit Katrin Göring-Eckhardt


Ein Grund, sich mit Katrin Göring-Eckardt zu freuen. Denn wo gab es das früher schon? Ein Frühling im Park, grillende Familien, Wortfetzen fliegen durch die Luft, die niemand versteht, der schon länger hier lebt. Dicke Rauchschwaden hängen über Szenerie, der Sound Arabiens scheppert exotisch aus Dutzenden Handylautsprechern, deren Besitzer sich nicht auf ein Lied einigen können. Vielfalt, die nach gesellschaftlichem Fortschritt riecht, wenn man aus dem Hochhaus an der Alster hinaus auf das Land schaut, in dem es denen, denen es gut geht, so gut geht wie nie.

Um "Islamisierung" geht es nicht mehr, denn diesen Begriff haben mittlerweile die Falschen gekapert. Erklärt werden muss nun, so kompliziert und unübersichtlich ist die Gefechtslage an der Propagandafront, wieso die Befürchtungen von vor elf Jahren heute gegenstandslos sind, weshalb es total viel voll schönen Grund zu guter Laune gibt und warum das, was noch ein Jahrzehnt zuvor  Premiumjournalismus war, inzwischen als nationalistische und fremdenfeindliche Parole gebrandmarkt werden muss.

Niemand hat die Absicht, Ängste zu schüren, für die es gar keinen Anlass mehr gibt. Zwar ist die Integration auch hier im "Spiegel" nur eine Woche zuvor noch gescheitert, zwar ist die einst als "Volk ohne Angst" gerühmte ehemalige Bevölkerung der DDR abgerutscht ins tiefe Loch gewalttätiger Ausländerfeindlichkeit. Doch wenn die Kanzlerin sagt, wir schaffen das, dann schaffen wir das auch, wenn alle mithelfen und Hetzern, Hassern und Zweiflern keine Chance geben.

Der "Spiegel" geht voran. Wer jetzt noch Zipfelmütze trägt, weiß, dass es eine Hasskappe ist. Wer jetzt noch ein "Gefühl von Heimatlosigkeit" verspürt, der steht auf der Seite der Vergangenheit, gegen eine Zukunft, die mitzugestalten alle eingeladen sind. Also Mundwinkel hoch. "Spiegel" abonnieren. Und dem lichten Morgen entschlossen entgegenlächeln.