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Samstag, 28. März 2015

Sozialdemokraten machen sich für Islamisten stark

Österreich macht ernst im Kampf gegen den Islamischen Staat und verbietet die Kennzeichnung von Fahrzeugen mit dem islamistischen Kürzel IS, die SPD hingegen setzt auf stärkere Identifizierungsmöglichkeiten für Islamisten: In Deutschland sollen sich Anhänger der extremistischen Auslegung der Friedensreligion künftig wieder offen zu ihrem fundamentalistischen Weltbild bekennen dürfen.

Wie die "Zeit" berichtet, sind Genossinnen und Genossen in Iserlohn dafür, das alte „IS“-Kennzeichen wiedereinzuführen. Seit 2012 haben Landkreise und kreisfreie Städten, die Rechtsnachfolger von aufgelösten Landkreisen und kreisfreien Städten sind, die Möglichkeit, Kfz-Unterscheidungszeichen zu vergeben, die eine größere regionale Identifizierung der Bürger mit Gebietskörperschaften wie dem kleinen verlassenen Städten in Mecklenburg, maroden Ruhrgebietsgemeinden oder aufstrebenden Diktaturen wie dem Islamischen Staat zulassen.

Das österreichische Innenministerium hatte dagegen erst kürzlich Kfz-Kennzeichen mit dem Kürzel "IS" untersagt. Zudem kündigte die Behörde die Veröffentlichung einer Liste mit "30 bis 40 Buchstabenkombinationen" an, die wegen ihrer umstrittenen Bedeutung bei personalisierten Autokennzeichen nicht mehr erlaubt sein sollen. Dabei orientieren sich die einstigen Alpen- und Donau-Reichsgaue am deutschen Vorbild, nach dem Buchstaben-Kombinationen, die von Neonazis verwenden werden könnten, nicht vergeben werden dürfen. Darunter fallen etwa NSDAP, AH oder SS sowie Zahlen-Synonyme wie 88 oder 18, aber auch HH, NS und NSU.

Mehr Verbote der Woche

Germanwings 4U9525: Atemgeräusche ohne Axtlärm

Vom Varoufakis-Fake zur Sonnenfinsternis und von dort aus direkt weiter Richtung Germanwings 4U9525 - wie im ersten Gesetz der Mediendynamik beschrieben, passt die Welt auch in Stunden höchster Aufregung zwar in keinen Schuhkarton, unweigerlich aber in 15 Minuten Tagesschau. Dort wie in den federführenden Schreibstuben der Leitmedien wird unweigerlich im Gleichklang musiziert, wobei naheliegende offene Fragen zugunsten abseitiger Spekulationen unbeachtet bleiben. Eifrig stürzen sich die Liveticker aller eingeschworenen Abspielstationen der staatlichen Nachrichtenagentur DPA auf die Psyche des Co-Piloten, die Mechanik der Türblockierung und die Tränen der Regierenden. Kaum Platz bleibt da für die tatsächlichen Rätsel, die Flug 4U9525 stellt.

Und davon gibt es selbst aus der Ferne betrachtet einige. So ist es durchaus beachtlich, dass die Auswertung des Flugschreiber, die im Fall der über der Ukraine abgestürzten Malaysian-Airlines-Maschine MH17 seit acht Monaten andauert, im Fall der Germanwings-Maschine bereits nach 48 Stunden mit einem amtlichen Ergebnis beendet wurde.

Was an Informationen veröffentlicht wird, mutet an wie ein Best-Of der Uneindeutigkeit. Der Pilot geht auf die Toilette, der Co-Pilot verrammelt das Cockpit und leitet den Sinkflug ein. Der stellt das Flugzeug auf einen Winkel von zehn Grad abwärts - doch während der Voicerecorder die "Atemgeräusche" (DPA) des Co-Piloten getreulich aufzeichnet, sind in den sieben Minuten vor dem Aufprall weder Rufe des zurückkehrenden Piloten, der sich ausgesperrt findet, noch dessen spätere Schläge mit der "Axt gegen die Cockpittür" (n-tv) zu hören. Dafür eindeutig belegt: Der schweigende Mann im Cockpit ist der Co-Pilot, der nicht zu hörende Mann draußen ist der Pilot.

Auch in der Kabine bleibt es erstaunlich still, keine Stewardess versucht, den Co-Piloten um Öffnung zu bitten, keiner der 144 Passagiere versucht zu Telefonieren oder eine SMS abzusetzen. Verschwunden ist aus der Berichterstattung inzwischen auch jeder Hinweis auf einen oder sogar drei Mirage-Abfangjäger, von denen es je nach Quelle anfangs hieß, sie seien wegen des schweigenden Flugzeuges aufgestiegen oder aber bereits zuvor in der Nähe in der Luft gewesen.

Statt mit wachsender Menge verfügbarer Informationen plausibler zu werden, gerät das Bild zusehends unschärfer. Was nicht zusammenpasst, wird passend geschneidert, trostspendend ist nach 72 Stunden ein Täter zur Hand, dessen irrationales Handeln darauf gerichtet war, "eiskalt seinen grausamen Plan in die Tat umzusetzen" (Bild). Dagegen, so der Tenor, gebe es nun mal "keine hundertprozentige Sicherheit". Ganz ungeachtet des Fläschchenverbots für Passagiere an Bord, der Millionen beim Sicherheitschech eingesammelten Nagelfeilen und Feuerzeuge, der geröntgten Laptops und hightechinspizierten Wanderstiefel.

Nun folgt die übliche Routine der Gesetzverschärfungen, Forderungen nach Regeländerungen für Toilettengänge und häufigere Psycho-Checks von Kabinenpersonal.

Der frühere Lufthansa-Pilot Peter Haisenko, der schon nach dem Absturz von MH17 interessante Fragen gestellt hatte, gibt im Video oben eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, wo Aufklärungsbedarf besteht.

Der nächste Liveticker aber kommt bestimmt. Und dann wird alles andere wichtiger sein.

Themensterben in der Medienlandschaft: Angewandte Entropie

Freitag, 27. März 2015

Flugzeug-Abstürze: Mit diesen Tipps erhöhen Sie Ihre Überlebenschance

Flugzeuge stürzen ab, Medien jauchzen auf, jeder Restmüll an Nicht-Information kann nun meistlesend in die Öffentlichkeit verklappt werden.
Fliegen bleibt trotz zahlreicher Abstürze eine der sichersten Transportarten, Ausnahmen bestätigen die Regel. Schaden kann es aber nach Ansicht führender Berichterstatter nicht, wichtige Verhaltensregeln für den Notfall zu kennen. Sechs besonders hilfreiche Tipps lesen Sie hier - keiner hätte in irgendeinem aktuellen Fall irgendeinem Passagier irgendetwas geholfen. Aber in Zeiten wachsender Flugangst dokumentiert PPQ den kompletten Lebensrettungsbeitrag einer renommierten Großzeitung, der in Form einer lange vorab veröffentlichten spannenden Lesestrecke alltagsnahe Folgerungen aus der akuten Krise der Luftfahrt zieht.

Etliche Flugzeugunglücke mit vielen Todesopfern erschüttern die Menschen weltweit, der Absturz von Germanwings 4U9525 durch den mutmaßlichen Selbstmordanschlag des Co-Piloten auf die mitreisenden Passagiere ist kein Einzelfall. Im letzten Jahr verschwand der Malaysia-Airlines-Flug MH370 spurlos auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking, eine Boeing des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur stürzte über der Ukraine ab, ein Air-Algérie-Flugs 5017 über Mali und Air-Asia-Flug QZ8501 auf dem Weg von Surabaya nach Singapur ins offene Meer.

Insgesamt kamen dadurch im vergangenen Jahr 970 Menschen ums Leben. Das sind etwa viermal so viele wie im Vorjahr (251).

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Außerhalb von Flugzeugen sterben sehr viel mehr Menschen. Und nicht immer sterben alle Insassen eines verunglückten Fliegers. Am 23. Juli vergangenen Jahres überlebten zum Beispiel zehn von 58 Passagieren den Absturz des Trans-Asia-Airways-Flugs GE222 über Taiwan. Grundsätzlich sind die Überlebenschancen sogar relativ hoch: Laut dem US-amerikanischen National Transportation Safety Board liegt die Rate bei rund 76 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit, in einen Flugzeugunfall verwickelt zu werden, ist extrem gering.

Die Frankfurter Rundschau zitiert den britischen „Daily Mirror“, der den Wissenschaftler Arnold Barnett vom renommierten Massachusetts Institute of Technology in den USA folgendermaßen zitiert: „Wenn Sie jeden Tag einmal fliegen, müssten Sie durchschnittlich 55.000 Jahre täglich fliegen, bevor Sie in einen Flugzeugabsturz verwickelt werden.“

Der Wahrscheinlichkleit nach wäre man dann zudem nur zu 24 Prozent tot.

Aber trotz dieser ermutigenden Zahlen, nach denen die 150 Menschen an Bord von Germanwings-Flug 4U9525 mindestens 24 Millionen Jahre täglich einmal hätten fliegen müssen, um einmal dabei umzukommen, kann es nicht schaden, zu wissen, wie man seine Überlebenschance im Fall der Fälle steigert. Die Frankfurter Rundschau hat auf dem letzten Inlandsflug die Waschzettel eines Billigfliegers abfotografiert und aus den lesbaren Resten einem Qualitätsbeitrag arrangiert, den Flugpassagiere hinten im Pass kleben haben sollten, um im Ernstfall stets nachlesen zu können.

1. Gurt

Wie im Auto sollte der Gurt im Flugzeug an der Hüfte geschlossen werden. In Notfällen handeln Menschen instinktiv und würden daher aus Gewohnheit zuerst an diese Stelle fassen. Wer sich vor dem Start mit dem Gurt vertraut macht und sich mehrmals an- und abschnallt, schult das Gedächtnis und ist damit im Vorteil.

2. Rettungsweste

Nicht jede Airline verstaut die Rettungswesten unter dem Sitz. Informieren Sie sich deshalb vor dem Abflug über den Aufbewahrungsort. Blasen Sie die Weste unbedingt erst im Freien auf. Sollte sich das Flugzeug mit Wasser füllen, würde Sie eine aufgepustete Weste an die Decke schwemmen – dann sitzen Sie in der Falle. Selbst wenn die Maschine nicht mit Wasser vollläuft, machen Sie sich mit einer aufgeblasenen Weste unbeweglich und kommen schlechter nach draußen.

3. Fensterrollos

Schieben Sie im Notfall unbedingt die Fensterrollos nach oben. Damit helfen Sie der Crew, die Gefahrenlage draußen einzuschätzen und die richtigen Maßnahmen für die Evakuierung zu treffen.

4. Sauerstoffmaske


Wenn die Sauerstoffmasken herunter fallen, haben Sie rund zwölf Sekunden Zeit zum Aufsetzen, bevor Sie ohnmächtig werden. Ziehen Sie die Sauerstoffmaske deshalb unbedingt auf, bevor Sie anderen helfen. Versorgen Sie zum Beispiel zuerst ein Kind, könnte die Zeit für Sie selbst knapp werden. Das Kind hat dann außerdem niemanden mehr, der sich um es kümmert.

5. Rauch


Befindet sich Rauch in der Kabine, fallen keine Sauerstoffmasken herunter. Die Gefahr einer Explosion wäre zu hoch, denn die Sauerstoffzufuhr könnte ein Feuer entfachen. Da die Maske nicht luftdicht ist, sondern nur Luft ausströmt, würde sie vor einer Rauchvergiftung ohnehin nicht schützen.

Bleiben Sie also so ruhig wie möglich und kontrollieren Sie Ihre Atmung. Zwei tiefe Atemzüge mit Rauch reichen, um ohnmächtig zu werden. Drei oder vier sind tödlich. Legen Sie sich auf den Boden. Da Rauch leichter ist als Luft, steigt er auf. Je näher am Boden Sie sind, desto besser können Sie atmen.

Falls vorhanden, bedecken Sie Mund und Nase mit einem feuchten Tuch, das schädliche Partikel aus der Luft filtert. Rote Lichter im Flugzeug markieren den Weg zum nächsten Ausgang. Im Vorteil sind Sie, wenn Sie sich die Lage des Notausgangs schon vor dem Abflug merken oder die Sitzreihen bis dorthin zählen. Bei besonders dichtem Rauch können Sie sich dann bis nach draußen „abzählen“.

US-Waffen in der Ukraine: "Spiegel" in der Zeitschleife

Ein amerikanischer Humvee, den Separatisten Mitte Februar von der ukrainischen Armee eroberten.
Wunder der Wissenschaft! Einen Monat nach der exklusiven PPQ-Meldung, wonach Separatisten in der Ostukraine von Truppen der Kiewer Regierung Humvee-Geländewagen aus amerikanischer Produktion erbeutet haben, hat das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" jetzt nachgezogen. Washington habe "begonnen, militärische Ausrüstung an die Ukraine zu liefern", schreibt das Blatt, Präsident Poroschenko selbst habe in Kiew "die ersten zehn Geländewagen in Empfang" genommen.

Die "ersten" Humvees aus den USA, die einen Monat später geliefert wurden.
Besonders erstaunlich an der Wiedergabe einer offiziellen Pressemitteilung der Poroschenko-Administration ist der Hinweis, dass die USA damit "zum ersten Mal Armeegeländewagen in die Ukraine geschickt" hätten - das passt zwar zu früheren Behauptungen des ukrainischen Militärs, keine US-Waffen zu besitzen. Nicht aber zur Faktenlage, nach der Humvees bereits lange vor der Lieferung der angeblich ersten Fahrzeuge in der ukrainischen Armee im Einsatz waren.

Offenbar eine  fraktale Zeitschleife. Anders ist nicht zu erklären, wie zumindest einer der jetzt gelieferten Humvees  bereits vier Wochen vor seiner Auslieferung an die ukrainische Armee in der Ostukraine in die Hände der Separatisten fallen konnte.

Der "Spiegel" hält es trotz dieses offenkundigen Widerspruchs wie alle deutschen Leitmedien: Er wird einfach ignoriert. Keine Erwähnung der bereits in der Ukraine herumfahrenden Humvees oder des Umstandes, dass die verhassten Separatisten inzwischen nachweislich zumindest eines der Fahrzeuge erobert haben. Keine Nachfrage, auf welchen Wegen Humvees, die als gepanzerte Geländewagen immerhin unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, bereits Wochen vor der angeblich ersten Lieferung in die Ukraine geraten konnten.

Donnerstag, 26. März 2015

Flugschreiber: Nur manchmal dauert es

So verschieden läuft das. Im Fall der über Frankreich abgestürzten Germanwings-Maschine 4U9525 dauerte es ganze drei Tage, bis Flugschreiber gefunden, Stimmrekorder ausgelesen und die ersten Informationen öffentlich geworden waren. Die entscheidenden sieben letzten Minuten im Cockpit sind danach überwiegend stumm verlaufen, ein Pilot nur war an seinem Platz, der andere versuchte vergebens, die blockierte Tür von außen zu öffnen. Schlechte Nachrichten ür eine Heuchler-Parade von Spitzenpolitikern, die in den letzten Stunden Krokodilstränen an der Unglücksstelle vergossen hatten, um Wahlen zu gewinnen (Hollande), Europa zu einigen (Merkel) und das eigene Land zu befrieden (Rajos). Ihre bevorzugte Unglücksursache wäre nicht der aufgrund der Tatsachen naheliegende Terroranschlag, sondern technisches Versagen gewesen.

Wenn man aber nicht bekommt, was man gern hätte, dann wird normalerweise wenigstens das vermieden, was man am wenigsten gebrauchen kann. Im Fall der Flugschreiber der vor einem Jahr über der Ostukraine abgestürzten Malaysian Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 ist das hervorragend gelungen. Auch acht Monate nach der Tragödie ist keine einzige Information aus der Auswertung der Flugschreiber an die Öffentlichkeit gedrungen. Auch Informationen aus der Aufzeichnung des Flugfunkverkehrs, die der Bundesregierung seit letztem Sommer vorliegen, blieben geheim. Angeblich verlange das die "internationale Chicagoer Konvention der International Civil Aviation Organisation“, nach der die Veröffentlichung solcher Informationen der federführenden Flugunfalluntersuchungsbehörde obliegt.

Die sitzt bei 4U9525 in Frankreich, bei MH17 hatten den Flugschreiben malayische Behörden, ehe sie britische in die Hand bekamen, während die Zuständigkeit bei der niederländischen Flugsicherheitsbehörde OVV liegt. Trotz der zahlreichen Beteiligten drang bei MH17, dem nach westlichen Willen von Separatisten abgeschossenen malaysischen Boing 777, über sieben Monate kein Ton nach außen. In Frankreich hingegen dauerte es nur 72 Stunden, bisder Kern der Information aus der Blackbox öffentlich war.

Selbst der "Spiegel", der mit den Opfern von MH17 eine heute schon legendäre Titelseite und den Begriff Kriegspropaganda damit mit völlig neuem Inhalt füllte, staunte über "Das seltsame Schweigen der Ermittler". Und verfiel gleich anschließend in dieselbe Katatonie: Seit September vergangenen Jahres keine Frage mehr nach dem Voicerecorder, keine Erwähnung der Blackbox, kein Nachhaken, kein Versuch, öffentlich Druck zu machen, um den nichtssagenden "ersten Bericht" der Ermittler, nach dem an Bord alles ganz normal gewesen sei, bis das Flugzeug plötzlich auseinanderbrach, durch Details zu ergänzen.

So viel und so schnell hier, so wenig und so langsam dort.

Boykottforderung nach Flugzeugtragödie

In Russland zeigte ein knallharter "Spiegel"-Titel nach dem Absturz des malaysischen Fluges MH17 über der Ukraine sofort Wirkung - die EU und die USA einigten sich auf scharfe Sanktionen, so dass der russische Diktator Putin schließlich für fünf Tage von der Bildfläche verschwand. Nach dem Absturz des Germanwings-Flug 4U9525 hat der CDU-Außenpolitiker Karl-Georg Wellmann nun gefordert, dieselbe kompromisslose Linie auch gegen die Verantwortlichen für die Tragödie über den französischen Alpen zu fahren: "Vor Germanwings kann man nur noch warnen. Überalterte Maschinen und miserabler Service. Mit denen werde ich nicht mehr fliegen", schrieb der Hauptberichterstatter der Unions-Fraktion für die Ukraine, Weißrussland und Russland auf seiner Facebook-Seite.

Wellmann, der als Vorsitzender der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe ein bisher unauffälliges, aber auskömmliches Dasein im Schatten diverser Kriege führte, gilt als harter Hund, dem Völkerrecht und Gesetz schonmal richtig schnurz sind, wenn er vor eine Kamera gerät. Im August 2013 forderte Wellmann im ARD-Morgenmagazin aufgrund der Giftgasangriffe von Ghuta, für die bis heute keine Verantwortlichen ermittelt werden konnten, einen Militärschlag gegen Syrien auch ohne Mandat der Vereinten Nationen. Ein Jahr später sagte der Experte den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands voraus.

Mittwoch, 25. März 2015

Verbot der Woche: Licht aus, wenn Augen zu

Wohnzimmer, Badezimmer, Küchen - ab heute gelten für Beleuchtungskörper in Europa neue Energievorgaben. Im Zuge des Energieausstieges verbannt die EU besonders energiehungrige Stromverbraucher herkömmlicher Art vom Markt.

Ab heute gelten deshalb auch neue Vorgaben für Zimmerbeleuchtung: Mit Strom betriebene Lampen müssen zwingend mit einem sogenannten Lidbewegungsmelder ausgestattet sein, der mit der Lichtquelle gekoppelt ist und die Beleuchtung abschaltet, sobald die im Raum befindliche Person die Augen schließt. Die EU-Kommission argumentiert mit dem Energiesparpotenzial dieser sogenannten Blindmannschaltung: Mit geschlossenen Augen, etwa in der Mitte einer Zwinkerbewegung, könne der Mensch ohnehin nichts sehen, daher sei es Verschwendung, die Beleuchtung für diesen Zeitraum aufrechtzuerhalten.

Pro Minute blinzelt ein Mensch etwa 10 bis 15 Mal, jeder einzelne Zwinkerer dauert bis zu 400 Millisekunden an. Nach Berechnungen der EU ergibt sich daraus ein täglicher sogenannter natürlicher Dunkelraum von etwa 1,6 Stunden für jeden Menschen - für die gesamte EU-Bevölkerung seien das, so hieß es in Brüssel, etwa 720 Millionen Stunden täglich, in denen eine Beleuchtung theoretisch wegfallen könne.

Zwar verengt sich der Bereich, den die neue Verordnung erfasst, in der Praxis letztlich auf die Stunden, in denen künstliche Beleuchtung gefragt ist. Hier aber will die EU ab heute entschieden nachregulieren und Produkte aus dem Handel nehmen lassen, die nicht über Lidbewegungsmelder verfügen.

Geräte ohne die neue Technik, die schon im Handel sind, dürfen aber noch verkauft werden. Die Leistungsfähigkeit der Geräte werde nicht leiden, betont die EU-Kommission. Verbraucher würden den Unterschied gar nicht bemerken. Allerdings könnten sie durch den geringeren Energieverbrauch aufgrund der bis zu 14000 Abschaltungen am Tag bis zu 17 Euro pro Jahr sparen, wenn sie Geräte der höchsten Effizienzklasse wählten.

Energiesparvorgaben gibt es in der Europäischen Union für eine ganze Reihe an Produkten, darunter Staubsauger, Kaffeemaschinen oder Kühlschränke.

Mordfall Khaled: Aufrüttelnde Umbenennung

Am Abend des 22. Januar fiel der eritreische Asylbewerber dem Mordanschlag eines Mitbewohners aus Dresden zum Opfer. Obwohl früh viele Hinweise darauf deuteten, dass die seinerzeit durch Dresden marschierende Pegida-Bewegung mit dem Mord zu tun haben könnte, stellte ein Notarzt offiziell fest, dass es keine Anzeichen für Fremdeinwirkung gebe. Auch die hinzugerufene Polizei vertuschte nach Kräften und ging aufgrund der Auffindesituation von einem Fenstersturz als Todesursache aus. Es handele sich wohl um einen Unfall oder Suizid, hieß es.

Erst nachdem der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck von Berlin aus zu anderen Schlüssen kam und Strafanzeige gegen den gesamten sächsischen Justizapparat stellte, dem er Kollaboration mit den rassistischen Mördern vorwarf, kam die Aufklärung in Gang. Elizabeth Chyrum, Direktorin der in Großbritannien ansässigen Menschenrechtsorganisation Human Rights Concern Eritrea, sandte einen dringenden offenen Brief an den deutschen Bundesjustizminister Heiko Maas, in dem sie schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsarbeit der deutschen Polizei äußerte. „Angesichts von Demonstrationen gegen Migranten und Muslime in Dresden“ habe sie „kaum Zweifel, dass Herr Bahray ein Opfer dieser Extremisten ist“.

Zugleich regte sich auch in Dresden Widerstand gegen die Akzeptanz von rechtspopulistischen, ausländerfeindlichen Positionen: Es gab unter dem Motto "Ich bin Khaled" und "Rache für Khaled" Kundgebungen, Mahnwachen und Proteste. Der Fall erregte national wie international Aufsehen, Dresden stand wie schon nach dem Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini, die 2009 von dem Dresdner Alexander Igorewitsch Nelsin aus islam- und ausländerfeindlichen Motiven erstochen worden war, am Pranger.

Nachdem sich der Staub gelegt hat und der Fall restlos aufgeklärt werden konnte, reagiert die Stadt jetzt, indem sie eine Straße im Stadtteil Leubnitz-Neuostra, in dem Khaled Idris Bahray ermordet worden war, zu Ehren des Opfers umbenennt. „Uns war es wichtig den Blick auf das Opfer zu lenken und die Angehörigen in ihrer Forderung nach einem würdigen Gedenken zu stärken“, kommentierte Manuel Liebrich vom Initiativenbündnis die Umbenennung der Johannes-Paul-Thilman-Straße. Zu häufig werde den Wünschen der Betroffenen nicht entsprochen, dauerhaft Öffentlichkeit für den Fall herzustellen. Bei Khaled Idris hatten sämtliche Medien weltweit die Berichterstattung mit der Ergreifung des 26-jährigen Täters eingestellt. Bis heute ist deshalb unklar, welche Verbindung der in Dresden lebende junge Mann eventuell zur Pegida-Bewegung unterhielt.

In anderen Städten hat die Initiative 22. Januarzugleich zahlreiche symbolische Straßenumbenennungen durchgeführt, um gemeinsam die Perspektive der Angehörigen der Opfer des rassistisch motivierten und gesellschaftlich und politisch gedeckten Mordes stark machen. In Köln wurde die Schanzenstraße, die in die Keupstraße mündet, umbenannt, um sich solidarisch zu zeigen mit der Forderung, eine prominente Straße in Kassel umzubenennen. Neben einem Redebeitrag der Initiative “Khaledstraße ist überall” wurde die Gedenkveranstaltung von Musikstücken mit Geige und Cello begleitet.

Die zusammenfassende Pressemitteilung der Initiative zur bundesweiten Organisation findet sich hier.

Dienstag, 24. März 2015

Provokativer Genuss: PPQ wird Fastfood-Speise

Seit sieben Jahren bietet Reinhold Herger weltweit gebratene Singvogelspezialitäten mit seiner Festaurant-Kette "Hot Bird" an, früh berichtete der Nachrichtenblog PPQ.so über die ungewöhnliche Geschäftsidee des Sohnes eines Grenztruppenoffiziers der DDR.

Nicht erst seit den vielbeachteten "Rote-Liste-Wochen", als Herger aussterbende Arten wie äthiopische Lerche, Galapagos-Fink und kolumbischen Kolibri als Hauptspeisen und Desserts anbot, hat sich ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen den Vogelköchen um Herger und der Redaktion entwickelt.

Ein Vertrauensverhältnis, das jetzt in eine Partnerschaft mündet: Vom kommenden Montag an werden alle 276 Hot-Bird-Filialen weltweit ein spezielles "PPQ-Basket" anbieten, das zum Preis von 6,95 Dollar (7,99 Euro) eine vollwertige Mahlzeit für Schülerinnen, Schüler, Studierende, Büroangestellte und Bauarbeiter enthält.

Pünktlich zur Veröffentlichung der neuen Aussterbezahlen von der Wildvogelfront werden Papagei im Federmantel und Ibis auf Salat damit erstmals Genußmainstream, Amsel, Drossel, Fink und Star kommen gebacken, gesotten, gebraten und mit exotischen Gewürzen angemacht zusammen mit einem Wahlgetränk (Wasser, Saft oder ein Energydrink) frisch aus der Küche.

Reinhold Herger ist hochzufrieden mit den Perspektiven der neuen Partnerschaft. "Wir setzen traditionell auf dieselbe Kombination von Provokation und Genuss wie PPQ", sagt er, "damit fühlen wir uns alle sehr wohl."

Kampf gegen rechts: Wohlfühlphänomen kollektiver Widerstand

Sieben Jahrzehnte Demokratieschule - und nichts gelernt. So sieht es aus in Deutschland, einer Weltgegend, die ihrem medialen Selbstbild zufolge von Nazis, Rechten, Rechtsradikalen, Rechtsextremen und Rechtsextremisten besiedelt ist. Siebzig Jahre nach Hitlers Tod vergeht kein Tag, an dem der ehemalige Führer und Reichskanzler nicht Schlagzeilen und das Fernsehprogramm macht, der Hitlergruß ist ein aktuelles Problem, rechte Musik gefährdet die Jugend.

Auch wenn oder gerade weil der organisierte rechte Rand den Schwächeanfall als Dauerzustand konserviert hat, "Rechts" ist das Feld auf der Welt, vor dem am häufigsten gewarnt wird, gegen das Politik am entschiedensten Geld ausgibt, das zu bekämpfen sich Menschen vom konservativen Ende der AfD über die Nationale Front der Mitte mit der Kanzlerin an der Spitze bis zum durchgegenderten Fortschrittsflügel der linkesten Grünen in Sekundenbruchteilen einigen können.

Ein Phänomen, dass die rechte Gefahr trotz dieses breiten Widerstandes und Millioneninvestitionen in die Aufrüstung gegen rechts seit Jahren unablässig zu wachsen scheint. Je entschiedener der Protest und je weniger wahrnehmbar die Gefahr, desto häufiger die Warnungen und desto breiter das Gefechtsfeld, auf dem Hitler und seine Erben gestellt werden. Was vor einem Vierteljahrhundert der Rechtsextremist, der in der Wehrsportgruppe Hoffmann für den Tag trainierte, an dem er die freiheitlich-demokratische Grundordnung hinwegfegen würde, sind heute die Pegida-Demonstrantin, der Genderverweigerer, der Russland-Versteher und der wütende Flüchtlingsheimnachbar.

Nichtlinks ist konservativ ist rechts ist rechtsradikal ist rechtsextrem ist rechtsextremistisch. Die FAZ ist dem Wohlfühlphänomen des kollektiven Widerstandes nachgegangen und hat "Ein Volk von Antifaschisten" gefunden, das sich einig in der Sehnsucht ist, "garantiert auf der richtigen Seite" stehen zu wollen.

Die braune Gefahr, wenigstens in der Einbildung ist sie immerdar. Und der gute Deutsche stets bereit, gratismutig Lippenbekenntnisse dagegen ablegen: Kein Ficken für Nazis, kein Bier für sie, kein Handschlag, kein Studienplatz. "Rechts heißt das Zauber-, Schmäh- und Schlusswort schlechthin. Mehr muss man gar nicht sagen und auch nicht wissen. Rechts? Alles klar. Sattelt die Pferde!", schreibt Markus Günther in der FAZ.

Nie sei Antifaschismus so billig zu haben gewesen wie wie heute, wo er kostenlos ausliegt. "Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten - und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen."

Bei der Jagd auf den rechten Popanz findet die Mitte zueinander wie sonst nur in der Ablehnung von Menschenfresserei, Kinderschädnung und Ehrenmord. Der Nazi ist nicht mehr Neonazi wie früher, sondern wieder ganz er selbst, der kleinste gemeinsame Nenner des gesellschaftlichen Konsens. "Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt", heißt es bei Markus Günther.

Der gesamte Beitrag über die Sehnsucht nach Entsühnung und den nach einem beinharten Antisemiten benannten Preis, der eine Wirteinitiatve gegen Nazis steht hier.