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Mittwoch, 20. September 2017

Oktoberfest: Fakten über Fake News als Fake News enttarnt

Wenn Falsch urplötzlich zu Richtig wird, dann hat der "Focus" bestimmt wieder Fakten gecheckt.

Lügen haben kurze Beine und seit die großen Leitmedien entdeckt haben, dass es nicht um "Fakten, Fakten, Fakten" (Focus) geht, sondern sich auch mit sogenannten Faktenchecks noch einmal Klicks generieren lassen, wird den früher ungestört und unwidersprochen durch die Schlagzeilen wabernden Schwindelgespinsten heute schon der Garaus gemacht, wenn sie gar nicht falsch sind. Der "Focus",
nach einer auf Gutdünken beruhenden Untersuchung der Internetseite Motherboard Deutschlands führende Fake-News-Fabrik, hat jetzt deutlich gemacht, wie sich an Falschnachrichten gleich mehrfach verdienen lässt.

Ursprünglich verarbeitete die Online-Redaktion des "Focus" auf ihrer auf Clickbait spezialisierten Seite eine Wahlplakat der AfD. Die hatte kurz nach Start des Oktoberfestes in München ein Motiv veröffentlicht, das "gähnende Leere" auf Deutschlands größtem Volksfest zeigt. Die Botschaft ist klar: Dies ist kein Land mehr, in dem man gut und gerne feiert.

Das aber stimme ja gar nicht, fand der Focus sofort heraus. Tatsächlich seien am ersten Wiesn-Wochenende 2017 100.000 Besucher mehr als im vergangenen Jahr gekommen, insgesamt hätten sich 600.000 Menschen am Samstag und Sonntag auf dem Oktoberfest getummelt. Ein Fest für alle Verschwörungstheoretiker, denn wie auch das linke Rechercheportal Correctiv sofort herausfand: "Unsere Bewertung: Falsch. Das Oktoberfest ist gut besucht. Die Wiesn läuft". 

Nur eben irgendwie nicht gut. Nicht mal 24 Stunden nach der Widerlegung der AfD-Behauptung, es seien in diesem Jahr nur wenige Besucher auf dem Oktoberfest, zog der "Focus" nach. Diesmal mit der Meldung "Wiesn-Schausteller klagen über Besucher-Flaute". Nach nur einem Tag ist der Faktencheck Makulatur, die enttarnte Fake News wird zur Wahrheit und die Faktenchecker haben sich als Lügenbolde blamiert.

Denn dass 600.000 Besucher am ersten Wochenende nicht von einem Oktoberfestboom künden, sondern die zweitschlechteste Besucherzahl der letzten 16 Jahre bedeuten, das hätte, wer wollte, auch schon direkt nach der Enthüllung der vermeintlichen AfD-Lüge herausbekommen können.

 Wo allerdings journalistisches Handwerk zur Magd politischer Absichten geworden ist, landet der Faktenchecker am Ende stets dort, wo ihn sein Auftrag hinzwingt. Im seltensten Fall ist das ein Ort in der Nähe der Wahrheit.



Auch nach Rücktritt: Schulz will weitermachen

Es ist noch Suppe Wahlmaterial da!Warum also aufhören, wenn ich kommenden Sonntag als Bundeskanzlerkandidat zurückgetreten bin, sagt sich SPD-Chef Martin Schulz. Und kündigt jetzt schon an: Ja, auch nach dem Ende aller Ambitionen als künftiger Kanzler stehe ich weiter zur Verfügung, Deutschlands Geschicke zu lenken und zu leiten.

Die taktische Position des 61-Jährigen, der vor seiner Pleite mit der Kanzlerkandidatur schon beim Versuch gescheitert war, EU-Kommissionschef zu werden, ist dabei gut und schlecht zugleich. Einerseits ist Schulzens Versuch, sich von der Basis über eine Mitgliederbefragung die Genehmigung zur Fortsetzung der großen Koalition zu holen, seine einzige Chance, nach dem absehbaren Erdbeben vom 24. September überhaupt in einem Parteiamt bleiben zu können. Andererseits brächte ihn eine erneute Regierungsbeteiligung in die undankbare Position, den derzeit allmächtigen und in Ränkespielen erfahrenen Ex-Parteichef Sigmar Gabriel im Kampf um das Amt des Außenministers herausforden zu müssen.

Ein Unterfangen, das nur schiefgehen kann. Im Gegensatz zu Gabriel, der auf die getreue Garde der letzten Schrödianer und die von ihnen unter seiner Leitung nachgezogene Generation der Nahles, Schwesigs, Barleys und Co. bauen kann, verfügt Schulz über keine Hausmacht in der trudelnden Partei, wie sie Gabriel mit den Niedersachsen hinter sich vereint. Er muss Vabanque spielen: Die Basis hinter sich vereinen, von einem falsch geplanten und weltfremd durchgeführten Wahlkampf ablenken und den frustrierten Genossen eine Machtperspektive nach Merkel eröffnen: In vier Jahren wird die alternativlose Hamburgerin nicht noch einmal antreten. Einen Nachfolger hat sie nicht.

Die Gelegenheit für die SPD, endlich das Comeback zu feiern, das ihr all die S-Kandidaten von Schröder über Steinmeier bis Steinbrück und Schulz versprochen haben.

Doch niemand in der SPD weiß, ob der Weg ins Kanzleramt über die Oppositionsbänke oder über die Regierungbank kürzer ist. Schlüpft die älteste deutsche Partei noch einmal unter Merkels Fittiche, blieben ihr die vielen schönen Ministerposten und Staatssekretärsjobs, die Mitarbeiterstellen und Einflussmöglichkeiten. Doch zugleich drohte ihr am Ende ein neuer Wahlkampf Marke wir gegen uns: Wie 2021 attackieren, was man selbst mitzuverantworten hat?

Nicht besser sieht es im anderen Fall aus. Eine SPD in der Opposition stände zwischen AfD und Linker. Sie hätte originär keine Position, von der aus sie eine mögliche schwarz-gelbe Regierung angreifen könnte, weil rechter wie linker Populismus naturgemäß stets lauter ist als der laue rosa Wasserfall an geflüsterten Gerechtigkeitsforderungen aus dem Willy-Brandt-Haus.

Ein Dilemma, dem Schulz zu entkommen sucht, indem er den Schwarzen Peter der Entscheidung, auf welchen Richtblock die Genossen ihr Haupt betten wollen, der Basis zuschiebt, die schon 2013 gerufen wurde, der Großen Koalition ihr Plazet zu geben. Der damalige Parteichef Sigmar Gabriel ging seinerzeit "gestärkt" (Spiegel) aus der Mitgliederbefragung hervor.

Die Partei verließ die Koalition am Ende geschwächt wie ein Wachkomapatient.

Dienstag, 19. September 2017

Martin Schulz: Kommt alle in mein Luftschloss

In Pappe 1,80 groß, im Leben nur 1,68.
Die Wahl, auf die alle gebannt blicken, sie war schon im Januar entschieden. "Schulz hat, was Merkel fehlt", urteilte die renommierte Süddeutsche Zeitung nach einem kühlen Blick auf die beiden Anwärter auf das Amt des Regierungschefs. Was das ist? "Überschwang, Feuer, Begeisterung - das sind die Gaben des Martin Schulz", lobte das Blatt ganz unvoreingenommen, "der Kanzlerkandidat der SPD ist ein Mann mitten aus dem Leben, ein Populist im besten Sinne."

Superkraft Opportunismus


So einer wie er, ausgestattet mit der Superkraft Opportunismus, ändert sich auch im hohen Alter und nach vielen Nackenschlägen nicht mehr. Schulz verlor erst die Europa-Wahl gegen Jean-Claude Juncker, einen mit allen Wassern gewaschenen Berufseuropäer aus dem Steuerparadies Luxemburg. Dann scheiterte auch noch sein Plan, die Mitgliedsländer so gegeneinander auszuspielen, dass er entgegen einer früheren Absprache weiter im Amt des EU-Parlamentspräsidenten verbleiben darf.

In der ARD-Wahlarena, einer Sendung, die einfache Menschen aus dem ganzen Land zusammenkarrt, auf dass diese sorgfältig designte "authentische" Fragen an Kanzlerkandidaten stellen, stellte Schulz unter Beweis, dass er immer noch kämpfen kann, auch wenn es nichts mehr bringt: Über 75 Minuten ließ der 61-Jährige, jüngst erst mit Stern und Schulterband geehrt, alle Scham fallen, er wanzte sich an jeden Fragesteller heran, versprach allen alles und noch mehr, die Milliarden flogen nur so durch den Saal und zusehends setzte ein Gedrängel ein von Menschen, die auch noch eine Frage stellen wollten, damit Schulz ihnen ein Haus, ein Drittel mehr Gehalt, bessere Pflege, mehr Gesundheit, mehr Freizeit, schnellere Straßen und rasend modernes Internet zusagen konnte.

Der Weihnachtsmann hatte diesmal Anzughose an, die Lippen wie immer schmatzfeucht, der Bart schütter, die Augen groß. Martin Schulz kannte jedes Dorf und jeden Beruf, er hatte jedes Schicksal schon erlebt und wusste von jedem Fragesteller genau "wie Sie sich fühlen". Eine Ranschmeiße klebrigster Art, bei der Egoisten auf Egoisten treffen: Kein Fragesteller, der nicht in eigener Sache um Verbesserung bittet. Kein Fragesteller, der nach dem großen Ganzen fragt statt nach kleinteiliger Verbesserung für sich selbst.

Einfach allen alles versprechen


Davon aber hat Schulz zum Glück ausreichend in seinen Sack gepackt. Demnächst wird er die Mieten senken und die Preise für Wohneigentum auch, die Arbeitszeit muss runter, die Betreuungszeiten in Kindereinrichtungen dafür rauf, der öffentliche Personennahverkehrs wird endlich mal richtig verbessert, ebenso die Altersabsicherung für nicht berufstätige Mütter, die Integration von Flüchtlingen, deren Abschiebung, die Möglichkeiten, außerhalb der deutschen Rechtssystematik Sammelklagen einzureichen und die Anbindung des Landes ans Breitband mindestens wie in Mexiko.

So schnell die Billionen hier über den Tisch gehen, so schnell wird Schulz sie beim Ausgeben einsparen. Der Spezialist für Tagegelder verspricht, die Schulden zu senken und flunkert ohne konkret zu werden "der Finanzminister tut das ja schon". Er, Schulz, stehe überdies für "Verlässlichkeit", weshalb er mit Donald Trump zwar reden werde, aber nur, um dem klarzumachen, dass er sich ändern müsse. Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato bei den Militärausgaben, von der SPD stumm mitgetragen, kassiert Schulz dagegen wie nebenbei ein, ebenso das Versprechen, die Rüstungsexporte zu stoppen. Ersteres mag eine Verpflichtung Deutschlands sein, sagt er, ist aber zu teuer. Letzteres gehe denn doch nur, wenn alle Länder weltweit mitmachen.

Wahlkampf: Die Angst vor dem Hass

Der Wahlkampf scheint auf der Zielgerade immer entgrenzter, der Kontrollverlust der Bürgerinnen und Bürger über ihre Meinungsäußerungen immer größer. Geschrei und Gebrüll, wo immer politische Parteien öffentlich für sich Werbung machen. Organisiert und herangekarrt vom politischen Gegner, bleibt kaum noch eine Chance zum Disput, zur Belehrung von oben oder zur Aufklärung über eigene Absichten. Lagerwahlkampf, verroht und verblendet.

PPQ-Kolumnistin Swenja Prantl rechnet mit einem Land ab, das seine Selbstachtung verloren hat.


Vergiftete Sprüche, wer kennt sie nicht? Das sind keineswegs ehrliche oder gut gemeinte Aussagen, sondern bösartige Bemerkungen. So was wie: „Martin Schulz hat gute Aussichten, Bundeskanzler zu werden“ Oder: „Die Hamburger Polizei und Frau Merkel haben die Lage jederzeit im Griff gehabt.“

Leute, die so drauf sind, nennt man auch Giftzwerge. Sie werten andere ständig ab, sie reden hinterhältiges Zeug oder wünschen ihren Mitmenschen Dinge an den Hals, für die man schon mit einer ziemlich bösartigen Fantasie ausgestattet sein muss.

Wehrt man sich dagegen, sehen sie sich als armes Opfer, werden aggressiv und beschuldigend. Doch Giftzwergerei beschränkt sich dummerweise nicht auf das Persönliche, sie ist knapp 20 Jahre nach der Einführung des Euro Teil der politischen Kommunikation geworden. Neuerdings bedienen sich auch Regierungspolitiker ständig einer vergifteten Sprache.

Politische Gegner werden grob beschimpft


Dann wollen sie Regierungen entsorgen, oder sie fordern, Angela Merkel müsse „weg“. Sie drohen Nachbarländern mit "Konsequenze", sie vergessen die Grundregeln der Demokratie, paktieren mit Despoten und schließen Grenzen, die bekanntlich gar nicht zu schließen sind. Wir sehen es gerade jeden Tag. Im Wahlkampf, so meinen viele, kochten die Gefühle eben hoch.

Da werden politische Gegner schon mal grob beschimpft. Das müsse aushalten, wer das Land regieren wolle. Nun, es auszuhalten ist etwas anderes als es auszusitzen. Dass die Spitzenkandidaten sich gefallen lassen, von den anderen Spitzenkandidaten als unfähig, unwillig und undemokratisch bezeichnet zu werden, ist falsch. Entweder kennen sie das Terrain nicht, auf dem sie sich bewegen – was schlimm genug ist.

Oder, noch schlimmer, wissen sie nicht, was sie dagegen sagen sollen. Doch sollte es Pflicht sein für unsere Spitzenpolitiker, die zu erwartende Aggression zu kennen. Als Joschka Fischer einst einen Parlamentspräsidenten „Arschloch“ nannte, war das okay. Aber heute, in Zeiten des Internets, das unsere Gesellschaft wie von selbst mit Hass flutet, müssen wir empfindlicher werden. Staatsanwaltschaften müssen eingreifen: und wo sie es nicht tun, müssen Staatsanwälte gegen sie ermitteln.


Die Angst vor Hass besänftigt Gemüter nicht. Es ist allemal besser Haltung zu zeigen, als so zu tun, als wäre „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ (Pofalla) keine vergiftete Schmähung. Auf Gebrüll wie"Schnauze, Iwan!" (Strauß) oder rassistische Beleidigungen wie „politische Pygmäen“ (Strauß) nicht zu reagieren, lässt diejenigen im Regen stehen, die als Demokraten selbst Ziel von Hass sind. Und die es auch bleiben, wenn die Wahlkampfbusse wieder fort sind.

Abwertend, destruktiv, feindselig


Dass die Verwendung von Worten wie „Pack“ oder „Bratzen“ seit 2015 so an Lautstärke zugenommen haben, hat eine Vorgeschichte. Wichtiger als ihre Vertreter in Talkshows zu fragen, ob sie rassistisch oder rechtsradikal seien, ist es zu schauen, was genau sie da eigentlich erzählen. Wer sich über einige Zeit in den sozialen Netzwerken die Seiten beliebiger politischer Gruppen anschaut, erfährt mehr über ihre Themen. Ihre Sprache zeugt von Größenwahn und Untergangssehnsucht.


Diese Gruppen bei Facebook überbieten sich immer gleichen Erzählungen. Die Top 10 werden angeführt von „alle Politiker sind Lügner“, gefolgt von Migration als angebliches hauptproblem der Menschen, den Fremden als Barbaren, als Vergewaltigern, dem Untergang, der schon da sein soll oder doch bald kommt, wenn es so weitergeht, dem Schimpfen auf politische Gegner und  Gutmenschen, die Lügenpresse und das globale Establishment.

Die Aussagen, aus denen sich diese Narration zusammensetzt, sind abwertend, destruktiv, feindselig und voll von Vernichtungsfantasien. Niemand zeigt einen Ausweg, alle gefallen sich darin, zu mäkeln, zu zersetzen, als Kritikaster gegen alles zu wüten, was die Bundesregierung gemeinsam mit der EU-Kommission aufgebaut hat.

Toxisch eben. Dass  eine Menge Menschen in diesem Land solche Giftpilze sind, das ist beunruhigend! Ihre Mitmenschen können einem leidtun. Denn wer so über Politik redet, wie verhält er sich dann erst am Küchentisch? Isst er dort? Trinkt er Kaffee? Raucht er gar? Kommentiert er Kommentare im Morgenmagazin? Mit welchen hasserfüllten Begriffen?



Montag, 18. September 2017

Wahl-O-Rat: Die Wahlprognose aus der Cloud

Er oder sie oder beide? Der Wahl-O-Rat wird schon vor Schließung der Wahllokale Auskunft geben.
 
Die einen sagen so, die anderen sagen so. Keiner weiß es, bis es vorbei ist. Dann aber verstummt die Empörung über das neueste Versagen der Demoskopie stets sehr schnell, weil das Entsetzen über das, was vorher niemand zu sagen wagte, schwerer wiegt als der Umstand, dass ersatzhalber alle Medien emsig über die neuesten Ergebnisse der Kaffeesatzleserei der selbsternannten "Wahlforscher" berichtet haben. Als spreche deren Trackrecord nicht überlaut davon, lieber lieber Kinder bunte Balken malen zu lassen als auch nur für eine Sekunde zuzuhören, wenn ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn seine fantasiereichen Grafiken zeigt.


Der liegt vorn oder doch der, die holen auf und die auch, das alles an einem Tag in alle Richtungen. Ergibt keinen Sinn, füllt aber zuverlässig die Kanäle.

PPQ hat nun mit dem Wahl-O-Rat®© ein eigenes Prognoseinstrument implementiert, das auf die kollektive Ahnungskraft interessierter Leserinnen und Leser setzt. Rechts oben auf der Seite findet sich das Teilnahmekästchen: Zwölf Kästchen für die sechs Parteien, die mehr oder weniger gute Chancen haben, Plätze im nächsten Bundestag einnehmen zu dürfen. Der Trick: Beim Abstimmen geht es nicht darum, was der Abstimmende selbst wählt oder wen er gern gewinnen sehen würde. Sondern ausschließlich darum, möglichst exakt zu prognostizieren, ob die jeweilige Partei einen bestimmten Schwellenwert über- oder unterschreiten wird.

Die für die einzelnen Parteien angegebenen Stichwerte wurde aus den derzeit vorliegenden Umfragedaten und aktuellen Wettquoten extrahiert und mit alternierenden Prognosen wie hier bei ScienceFiles angereichert. Der Mechanismus des experimentaldemoskopischen Wahl-O-Rat®© sollte bei ausreichend häufiger Nutzung anzeigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die aufgeführten Parteien den Schwellenwert über- oder unterschreiten.

Aus den prozentualen Abweichungen lässt sich dann im Idealfall errechnen, wie weit die tatsächlichen Wahlergebnisse der aufgeführten Parteien am 24. September vom Schwellenwert entfernt liegen werden. So sollte eine Partei, bei der Stimmengleichheit darüber herrscht, ob sie den Schwellenwert unter- oder überschreitet, ein Stimmenergebnis recht nahe am genannten Wert erreichen. Eine Partei, bei der hundert Prozent der Abstimmenden glauben, dass sie den Wert unterschreitet, sollte hingegen sehr weit unter dem genannten Prozentanteil landen.

Bitte unterstützen Sie die PPQ-Redaktion im Kampf gegen Fake News und Wahlforschungsvoodoo und teilen Sie die Aufforderung zur Teilnahme am Wahl-O-Rat.

Je höher die Zahl der Teilnehmer, desto exakter wird das Endergebnis bereits am Morgen des 24. September Aufschluss über den Ausgang der Bundestagswahl geben.

Sonntag, 17. September 2017

Der um die Ohren fliegende Laden

Mehr Leerformeln gegen die Fragen der Zeit.

Sie kriegen das Toben im Freundeskreis und in der Gesellschaft mit und haben die Angst, dass uns hier der ganze Laden um die Ohren fliegt, wenn wir uns nicht mäßigen.

Sie bremsen also ihre Wut und wechseln wieder die Perspektive.

Zur eigentlichen Bedrohung werden jetzt nicht die Flüchtlinge, sondern die Wüteriche von außen erklärt: Trump, Erdoğan und Putin.

Nur Merkel trauen sie zu, sie zur Räson zu bringen.

Der Psychologe Stephan Grünewald findet die seelische Situation vieler Wähler "kippelig".

Führer-Ex: Der schwarze Humor eines Roten

Fake News, an die nur Martin Schulz selbst geglaubt hat: Er war der Führer der Meinungsumfragen.

In letzter Not hat Martin Schulz der Kanzlerin nun einen Brief geschrieben. Und mit der Post verschickt, die manchmal sogar innerhalb von wenigen Tagen zustellt. "Liebe Frau Merkel", hat Schulz in seiner Verzweiflung geschrieben, "können wir uns nicht noch mal zu einem TV-Duell treffen?" Er werde auch wieder lieb sein, keine Beleidigungen äußern, nicht auf Merkels möglichen Verfassungsbrüchen herumreiten und überhaupt alles tun, damit die Wählerinnen und Wähler draußen im Land sehen: Ja, dieser Mann wäre ein guter Vizekanzler.


Es geht ums Ganze für den Vielfunktionär, den der gewiefte damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel Anfang des Jahres auserkoren hatte, an seiner statt in die verlorene Wahlschlacht gegen Angela Merkel zu ziehen. Schulz, ein selbstverliebter, machtversessener Mann, dem in jenen Tagen bitter nachhing, dass eine Mehrheit im EU-Parlament auf der Einhaltung einer Abmachung zur Ämterrotation zwischen Sozial- und Christdemokraten zur Halbzeit der Legislatur bestanden und er deshalb seinen Posten als sogenannter "Parlamentspräsident" verloren hatte, sah eine wunderbare Anschlussverwendung für sich. Und stimme dem Himmelfahrtskommando zu.

Manischer Blick und feuchte Lippen


Schulz soll, erzählt man in SPD-Kreisen, der einzige in der Partei außerhalb der Jusos gewesen sein, der den Umfrageergebnissen glaubte, die eine Legion aus Jubelpersern kurz nach seiner Inthronisierung über dem Land abregnen ließ. Mit manischem Blick und feuchten Lippen ließ der 61-Jährige sich zum "Gottkanzler" ausrufen, er sprach in der dritten Person von sich als dem "Kanzler" und begann daheim in Würselen bereits, auf einem großen Manövertisch im Keller Veränderungen an der aktuell so prekären Weltlage vorzunehmen.

EU-Partner, die nicht spuren, würde er finanziell austrocknen, eine "Mindestdrehzahl für Investitionen",  die die Bundesworthülsenfabrik sich eigens für ihn ausgedacht hatte, würde beinahe endlos Geld in schnelle Internetverbindungen, Straßen und Schienen, den Ausbau erneuerbarer Energien, Bildung, die Rente, die Armut, die Entwicklungshilfe und in alle anderen Bereiche fließen lassen, in denen sich Wähler etwas Schönes wünschen.

Dass die Mehrheit der 82 Millionen Deutschen, die bei repräsentativen Umfragen nicht um ihre Meinung gebeten werden, sich nicht nur von ihm abgewandt, sondern sich ihm nie zugewandt hatten, konnte Martin Schulz bei all der Planerei von künftigen Regierungsprogrammen nicht merken. Der Dampfplauderer, der seine Lieblingsvokabel "ganz klar" inflationär in alle Kanäle goß, war wie verzaubert von sich selbst. Er schrieb ein Buch. Das niemand kaufte. Indem er sich aber selbst attestiert: "Martin Schulz hat frischen Wind in die deutsche Politik gebracht."

Die Kraft des Selbstbetruges


Die Kraft der Imagination, die Macht des Selbstbetruges, neben einem klugen Opportunismus Schulzens herausragende Talente,  ließ ihn von da an vor aller Augen zur Karikatur eines ernsthaften Anwärters auf den Kanzlerposten werden: "Ich werde Kanzler", lispelte er mal, dann wieder bot er Merkel an, doch als Vizekanzlerin in sein Kabinett einzutreten.

Selbstironie? Der schwarze Humor eines Roten, der begreift, dass er von seinen Genossen missbraucht wurde? Oder womöglich doch Zeichen einer geistigen Zerrüttung, die ein dramatisches, ein pathologisches Maß erreicht hat?

Es bleibt geheim. Im Unterschied zur USA, wo die Gesundheit aller Präsidentschaftskandidaten ein wichtiges Thema im Wahlkampf ist, sind der physische wie der psychische Zustand der Anwärter auf den Posten des Regierungschefs in Deutschland auch bei augenfälligen Anzeichen für ernste Probleme ein Tabu.

Martin Schulz darf froh darüber sein, denn so bleiben seine mutmaßlichen privaten Probleme seine Privatsache. Schulz muss sich zwar am Wahltag schlagen lassen und er wird danach um seine Pfründe in einer SPD kämpfen müssen, deren Bedeutungs- und Existenzkrise unübersehbar wird.

Aber immerhin hat er Geschichte geschrieben: Schulz steht für den historischen Versuch der SPD, sich mit einer Schlaftablette umzubringen.

Wer sonst kann das von sich sagen.