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Donnerstag, 2. Oktober 2014

Traumland für Kameljäger

Sie gehören zu den größten Klimafeinden überhaupt, übertroffen nur noch von Menschen, Rindern und Büffeln. Und doch wurden sie von den Müttern und Vätern des Kyoto-Protokolls das Kamel über Jahrzehnte hinweg verschont: Jahr für Jahr durften 28 Millionen Kamele weltweit ungestraft bis zu einer Tonne CO2 pro Kopf ausstoßen, obwohl das Töten nur einer Million Tiere genausoviel Kohlendioxidausstoß sparen würde wie die Neuzulassung von 300000 Autos.

Erst in den letzten Jahren machten sich engagierte Umweltschützer für den Kampf gegen das Kamel stark. Die australische Regierung, so ein kühner Mordplan, könne das Kamele-Töten soll in den Zertifikate-Handel einbeziehen, indem Klimazertifikate für abgeschossene Tiere ausgegeben werden – 55 Euro pro totes Tier könnte so verdienen, wer ein Kamel tötet.

Denkbar seien Camel-Kill-Safaris ins Outback, bei denen Toruisten aus Europa im Dienst des Klimas Flinte zeigen und gegen ein geringes Entgelt nach Herzenslust Kamele schießen dürfen.

Australien galt als künftiges Traumland für Kameljäger. Hier hatten die europäischen Eroberer die Höckertiere im 19. Jahrhundert eingeführt. Später kamen einige Tiere in Freiheit, seitdem vermehren sie sich unkontrolliert - dank der guten Bedingungen verdoppelt sich alle zehn Jahre die Population. Bereits heute leben mit 1,5 Millionen Tieren mehr Kamele in Australien als in den klassischen arabischen Kamelgebieten. Nur australische Umweltschützer rechnen ihnen allerdings vor, dass sie im Jahr rund 45 Kilogramm Methan ausstoßen, das 21-mal so klimaschädigend wie Kohlendioxid ist, statt sie als Migranten willkommen zu heißen.

Die australische Regierung hat ihre Antwort auf das kamelverachtende Treiben allerdings inzwischen gegeben: Sie ist aus dem Kyoto-Prozess ausgestiegen und hat den Abschuss-Plan damit beerdigt. In Deutschland ist die Entscheidung auf Unverständnis getroffen. Australien, so hieß es, stelle sich damit gegen den Willen der Welt und ignoriere das deutsche Vorbild der Kamelwende, die dafür gesorgt hat, dass Deutschland bis heute als eines der Länder mit dem geringsten Kamelbestand glänzt.








Vom Papst zum Populisten

Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit, Himmel, Hölle, Leben im Jenseits: Papst Franziskus glaubt, die Welt müsse vom Bösen erlöst werden und in der Kirche gäbe es keine Pädophilen - jetzt hat der Chef der tritt der selbsternannten "Katholischen Kirche" die Eltern des ermordeten US-Reporters James Foley angerufen, und sie hämisch für ihren "starken Glauben" gelobt. Grund für den "Spiegel", mit Franziskus abzurechnen. PPQ dokumentiert den Text von Georg Diez, mit dem der Mann im Vatikan aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossen wird.

Papst Franziskus ist ein Erweckungs-Säusler mit einem gläubig-treuen Millionenpublikum; er ist auch, wie sich jetzt herausgestellt hat, ein politischer Irrläufer, der für neue rechte Überzeugungen steht.

Hinter all dem Schmuse-Schmarrn, der seine Predigten und Traktate schon immer schwer erträglich gemacht hat, hinter all dem Gottes-Gewimmer, das in atheistischen Zeiten schon als Glauben durchgeht, hinter all dem Ich-spreche-wie-Deutsche-sich-einen Papst-vorstellen-Klimbim steckt ein Mensch, der sich aus seinen Ressentiments eine Weltanschauung gezimmert hat. Bei dieser werden Verschwörungstheorien, Demokratiefeindlichkeit, Nationalismus, angebliche Höllen und Vorhöllen für ungeborene Kinder, Antimodernismus, Antikapitalismus und Friedensgeraune zu einer dunklen Suppe verrührt, wie sie auf den neurechts-gekaperten Montagsdemonstrationen seit Monaten serviert wird.

Da steht er bei einer dieser Demonstrationen auf dem Petersplatz inmitten einer Menge, die seinen seit 2000 Jahren mit keinem Beleg unterfütterten Glauben kritiklos teilt, und philosophiert so vor sich hin: "Gott will nicht ein vom Menschen gebautes Haus, sondern er wünscht sich die Treue zu seinem Wort, zu seinem Plan", sagt er, und "Christus! Hüten wir Christus in unserem Leben, um die anderen zu behüten, um die Schöpfung zu bewahren!", sagt er auch.

Das sind die Gedanken und Codes, die in der alten Bundesrepublik in rechten Kreisen herumgereicht wurden, das ist der Lackmus-Test für politische Dummheit, der heute noch gilt: Ist der Mensch selbstbestimmt und frei? Oder ist er Diener eines Götzen und "verfügbar für dessen Plan, dem er den eigenen unterordnet", wie Franziskus empfiehlt?

Es ist das Denken, das die sogenannten "Reichsbürger" seit einiger Zeit verbreiten, es ist etwas, das sich Papst Franziskus nicht gerade erst ausgedacht hat. Schon vor seinem Amtsantritt platzte es aus ihm heraus, immer wieder, in Predigten und Interviews: Er propagierte Armut, Enthaltsamkeit und das Ideal bedingungsloser Gleichheit und lenkte den Blick immer wieder kritisch auf Konsum, Kapitalismus und das Geld. "Es tut mir weh, wenn ich einen Priester oder eine Nonne in einem nagelneuen Auto sehe. So etwas geht nicht", glaubt er. Die Weigerung der Kirche, Neuwagen zu kaufen, helfe auch den Mitarbeitern der Autofabriken, in gottgewollter Armut zu verharren.

Kritik regt sich nicht an den antikapitalistischen Positionen des Stellvertreters eines Gottes auf Erden, dessen Existenz bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Selbst als Franziskus in einer Art Brandrede, in der er das Wirtschafts- und Finanzsystem grundlegend infrage stellte, zur Verstaatlichung und zur Abschaffung der "Autonomie der Märkte" aufrief, waren die Angestellten des konfliktfreien öffentlich-rechtlichen Rundfunks nur erschrocken. Widerworte aber blieben aus - vermutlich aus Angst vor den Fernsehräten, die zu großen Teilen mit Gefolgsleuten des Propagandisten einer Abschaffung von Markt, Wettbewerb und Leistungsprinzip besetzt sind.

Stattdessen machten die Anstalten weiter mit ihrem gedankenbefreiten Dauergeplauder - aber um solche Finessen geht es jemandem wie Papst Franziskus eh nicht: Er ist unterwegs mit seiner Mission, und die richtet sich, im Gleichklang mit den "Reichsbürgern", gegen Deutschland in seiner gegenwärtigen Form und Gestalt.
„Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen“, heißt es schon 2013 in der "Regierungserklärung" von Franziskus, der zudem seiner Überzeugung Ausdruck verleiht: "Diese Wirtschaft tötet".

Kein Wunder, dass zum Beispiel ein Video des Linken Oscar Lafontaine ebenso wie zahlreiche andere der Wohlstandskritiker von Attac die antimodernistischen, antizivilisatorischen und antisemitischen Klischees aufgreifen, die Franziskus immer wieder durchbuchstabiert - die Message ist angekommen.

Und so ist Papst Franziskus eben auch ein Beispiel dafür, wie sich Gedanken des christlichen und sonstigen Fundamentalismus in den Mainstream schleichen und wie sie sich dort verbreiten: "Damit das System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben", formulierte er im Gleichklang mit den obskuren "Montagsdemonstranten", die die führenden Volkswirtschaften der Welt genau wie verdächtigen, "ihre Bilanzen mit der Produktion und dem Verkauf von Waffen" (Franziskus) zu sanieren.

"Sie opferten den Menschen dem Idol des Geldes", so geht es weiter in einer Mischung aus Homophobie und Heilsfantasien, aus Erlösungssehnsucht und dem Furor des Kleinbürgers. "Wir alle sind gerufen, arm zu sein, uns von uns selbst zu entäußern", fordert er. Und niemand widerspricht.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Zitate zur Zeit: Das ist eine Invasion

Panzer haben unter Beschuss die ukrainische Grenze überrollt und sind nun in der Ukraine drin. Das ist die Wirklichkeit, das ist eine Invasion.

Norbert Röttgen erklärt Ende August 2014, wie die Lage wirklich ist

Verbot der Woche: Nun trifft es Ebola

Hart, aber entschieden – und nach dem Verbot von Rockergruppen, Rockerkutten, der islamischen Gruppe Isis, einer Nazivereinigung aus dem Erzgebirge und des Fotografierens von Kindern der nächste Schlag ins Gesicht von Ewiggestrigen, Putinverstehern und unbelehrbaren Islamismus-Rückkehrern. Die Bundesregierung verbietet jegliche Aktivitäten von Ebola in Deutschland! Innenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte bei einer Pressekonferenz ein Betätigungsverbot für Ebola-Viren in der Bundesrepublik „mit sofortiger Wirkung“. Schlüsselsatz seiner Begründung: „Wir müssen verhindern, dass die Krankheit in unsere Städte vordringt“. Ebola-Träger missbrauchten die Krankheit für Gräueltaten. Der Gesetzgeber könne hier nicht tatenlos zuschauen.

Demnach soll – wie vielfach gefordert – auch das Verbreiten von Ebola-Viren, das Agitieren im Sinne von Ebola oder das Posten von Ebola-Propaganda in sozialen Netzwerken strafbar werden. Jegliche Form von Ebola-Unterstützung – speziell das Anstecken anderer – ist ab sofort „eine Straftat“, sagte de Maizière. Durch das Verbot ist Ebola in Deutschland aber noch nicht als völlig verhindert – dazu ist ein Gerichtsurteil erforderlich.

De Maizière ließ aber keine Zweifel an der Entschlossenheit der Bundesregierung. Begründung: „Ebola ist eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit in Deutschland“.

Auf eine Journalistenfrage, ob mit Inkrafttreten des Gesetzes durch Veröffentlichung im Bundesanzeiger auch Razzien oder andere Polizeimaßnahmen geplant sind, antwortete der Innenminister ausweichend. Ein Militäreinsatz gegen die Seuche, wie ihn die USA planen, sei nicht vorgesehen, hieß es in Berlin.

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, der immer gern genommen wird, sagte im ARD-„Morgenmagazin”, das Innenministerium prüfe seit einiger Zeit, ein Ebola-Verbot verhängen. Ein Verbot, das „krankenhausfest” sein müsse, sei aber rechtlich kompliziert. „Zumal es allein möglicherweise nicht die gewünschte Wirkung hinterlassen kann. Es geht ja dann darum, eine Organisationsstruktur zu zerschlagen, die den Viren die Basis für ihre Aktivitäten zu nehmen.”

Dienstag, 30. September 2014

Natural Born Füller

Lange ging nichts unter der einst als leserfreundliche Kurzdomain eingeführten Adresse ppq.so. Nach einem technischen Ausfall beim Registrar streikte die somalische Adresse, als sie ihren Widerstand aufgab, tat sie das anfangs ausschließlich im Format http://ppq.so, während sie sich weiter weigerte, sich unter www.ppq.so aufzulösen.

Das ist immer noch so, obwohl sich Miriaden von Experten über Monate den Kopf über Gründe der Krankheit und Heilungsmöglichkeiten zerbrochen haben. Dafür aber funktioniert nun immerhin eine Anwahl über das - noch simplere - Adressformat ppq.so - pur in die Adresszeile des Browsers eingegeben, ganz ohne http:// oder www.

Falls jemand eine Idee hat, warum das so ist: Wir haben keine.

Nackte Busen für die Front

Als die Ukraine noch ein friedliches Land war, standen sie ganz vorn an der Front und protestierten. Gegen Fußball und Fifa, gegen Prostitution und Regierung: Die Frauen der feministischen Kampftruppe Femen waren für die Medien im freien Europa monatelang ein ganz heißes Thema - schließlich zogen sie sich bei jeder ihrer Aktionen halbnackt aus, was immer tolle Bilder versprach.

Tolle Bilder lieferten auch die Mitglieder der Rockgruppe Pussy Riot. Mal ließen sie sich halbnackt zu Protestzwecken gangbangen, mal schrillten sie ihr mißtönend` Lied vom Altar einer orthodoxen Kirche. Immer aber waren Nadezhda Tolokonnikova und Maria Alyokhina für ihre Fans bei den deutschen Zeitungen und Fernsehanstalten Heldinnen, etwa in der Nachfolge von Alexander Solshenizin und Andrej Sacharow. Schließlich waren die schrill kostümierten Dissidentendarstellerinnen auch das einzige bisschen Protest gegen Putin, das sich zwischen Brest und Wladiwostok zeigen ließ.

Femen und Pussy Riot teilten einen Aufstieg in den guten Zeiten, als Protest noch Spiel und Spaß war und ein nackter Busen als Unterhaltungsangebot in der "Tagesschau" gut zwischen anderen Nichtigkeiten versendet werden konnte. Die beiden "Protestbewegungen" teilen aber nun, wo sich aus gutem Grund heftig gegen Krieg und Mord, gegen Weltmachtpolitik und Globalschach auf dem Rücken von Zivilisten protestieren ließe, auch dasselbe Schweigen. "Updates will be coming soon", verspricht die Femen-Webseite seit August 2013. Von Pussy Riot war die letzte Neuigkeit, dass die tapferen "Künstlerinnen" den "Hannah-Arendt-Preis" entgegennehmen durften.

Proteste aber? Nackte Brüste gegen den Krieg? Gegen die Bombardierung von Donezk? Gegen den Völkermord im Nordirak? Gegen Putin? Brok? Obama? Gegen Sex und Dollerei, Korruption und Weltmeisterschaft? Nichts. Als habe es die "Bewegung" Femen so wenig gegeben wie die "Punkgruppe" Pussy Riot, sind die Schönwetter-Protestler ebenso schnell aus den Schlagzeilen verschwunden wie sie damals aufgetaucht waren, als die freie Welt nach Bildern suchte, um eine Regimewechselkampagne gegen die Ukraine einleiten zu können.

Es ist vorbei. Jetzt, wo in Kiew Nazis aus Regierungstruppen marschieren, verbietet es sich, aus Protest ein Hitlerbärtchen zu tragen. Jetzt, wo der Diktator Janukowitsch durch demokratische gewählte Eurokraten ersetzt wurde, verbietet es sich selbst für die sehenswerten Damen, die allein bei Femen mitmachen durften, das Oberteil auszuziehen.

Was bleibt, sind noch ein paar Aufräumarbeiten und Gespräche mit der Illustrierten "Stern". "Femen ist keine Spaßaktion!", versichert die "Aktivistin" Zana Ramadani da im offenen Widerspruch zu den Realitäten. Pussy Riot dagegen machen jetzt was, um "weiblichen Gefangenen zu helfen".

Montag, 29. September 2014

Wer hat es gesagt?


"Der stets informierte, immer rationale und selbstbestimmt handelnde Verbraucher existiert im Alltag nicht."

Ukraine: Nichts ändert sich wirklich

Im Jahr 1821 war Texas ein Teil des von Spanien unabhängig gewordenen Mexiko. Schon während des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges sammelten sich hier viele Abenteurer aus den Vereinigten Staaten an. Nachdem der nordamerikanische Oberst Stephen F. Austin 1823 die Genehmigung der Zentralregierung Mexikos erhalten hatte, mit 300 Familien im Staatsgebiet von Texas zu siedeln, gründete er die Stadt San Felipe de Austín. Die Vereinbarung mit Austin war sehr einfach. Er musste seine US-amerikanische Staatsbürgerschaft gegen eine mexikanische eintauschen und unterstand somit der mexikanischen Gerichtsbarkeit. Immer mehr Siedler aus dem Norden erreichten danach den Golf von Mexiko. Es war der Beginn der angloamerikanischen Kolonisation, bis 1835 siedelten bereits rund 45.000 Menschen aus dem Norden in Texas.

Die Spannungen zwischen amerikanischen Siedlern auf der einen und den Mexikanern und der mexikanischen Regierung unter Präsident General Santa Anna auf der anderen Seite wurden immer heftiger, als Mexiko die Sklaverei verbot. Besonders religiöse, kulturelle und politische Probleme schienen unüberbrückbar.

Landspekulanten aus den USA schürten jedoch das Misstrauen gegen Mexiko. Als Stephen F. Austin bei einem Besuch in Mexiko-Stadt inhaftiert wurde und sich auf Grund persönlicher Enttäuschung gegen einen Verbleib in Mexiko aussprach, sahen Separatisten ihre Chance. Nach Austins Rückkehr erklärten sie in einer eilig einberufenen Versammlung die Loslösung Texas' von Mexiko. Santa Anna entsandte deswegen kurz darauf Truppen nach Texas. Am 2. Oktober 1835 begann mit dem Gefecht von Gonzales der Texanische Unabhängigkeitskrieg.

Am 2. März 1836 riefen die Texaner, im Vertrauen auf den Beistand der herrschenden Partei in den Vereinigten Staaten, die unabhängige Republik Texas aus und ernannten den General Sam Houston zum militärischen Oberbefehlshaber. Das mexikanische Heer unter Santa Anna besetzte im Zuge der Feindseligkeiten San Felipe de Austín, die Hauptstadt von Texas.

Am 6. März 1836 wurde die Missionsstadt Alamo von den Mexikanern nach dreizehntägiger Belagerung eingenommen. Dabei kamen alle Verteidiger (weniger als 190) ums Leben. Unter den Gefallenen waren auch Davy Crockett, James Bowie und William Travis.

Die mexikanischen Truppen wurden am 21. April 1836 in der Schlacht von San Jacinto von den Texanern unter Sam Houston überraschend geschlagen. In den folgenden Jahren versuchte die mexikanische Regierung die Unabhängigkeit der Texaner durch weitere militärische Expeditionen rückgängig zu machen; scheiterte aber.

Als unabhängige Republik wurde Texas von Frankreich und dem Vereinigten Königreich am 23. November 1839 beziehungsweise am 14. November 1841 anerkannt. Erster Präsident der unabhängigen Nation und Republik Texas wurde der General Sam Houston. Mit Unterbrechung war er es bis kurz vor dem Zusammenschluss mit den USA. Von 1856 bis 1861 war Sam Houston Gouverneur des US-Bundesstaates. Stephen F. Austin wurde Außenminister seines Staates, starb aber bereits zwei Monate nach Amtsantritt an einem Lungenleiden.

In Texas selbst aber verlangte die Mehrheit den Anschluss an die Vereinigten Staaten. Das Land wurde darauf am 19. Februar 1845 von den USA annektiert, der US-Kongress billigte dies nachträglich am 1. März 1845. Die förmliche Aufnahme in den Staatenbund erfolgte am 29. Dezember 1845. Hierüber entbrannte 1846 der Mexikanisch-Amerikanische Krieg, der am 2. Februar 1848 mit dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo endete.

Doku Deutschland: Wie ich mal Islamist wurde

Ich tanze sehr gerne. Mein Mann hasst es, zu tanzen. Dies war der Grund, dass ich mich vor einigen Jahren eines Tages überwand und mich in einen Kurs für orientalischen Tanz – im Volksmund Bauchtanz genannt - einschrieb. Eigentlich fand ich diese z.T. alten Männer und Frauen, die mit ihren Hintern wackelten, eher albern und hätte viel lieber mit einem schicken jungen Girl einen Salsa- oder Tango-Kurs belegt. Aber ich kannte keine junge Schönheit und mit anderen Männern wollte ich auch nicht tanzen, obwohl ich nicht homophob war. Am Bauchtanz war ideal, dass man keinen Partner braucht und dass er, wie es hieß, gut für meinen zuvor bei jenem Unfall etwas aus den Fugen geratenen Rücken sein sollte. Und entgegen meiner Vorurteile erwies sich das Ganze als weder anstößig noch peinlich. Wir waren einfach ein paar Typen zwischen 15 und 75 Jahren, die durch das Tanzen eine etwas entkrampftere Einstellung zu ihren nicht perfekten Körpern und ihre verkorksten Leben kriegten, und viel Spaß hatten.

Die wunderbar exotische arabische Musik faszinierte mich von Anfang an. Mein iPod war bald voll davon. Ich begann, mich für orientalisches Kunsthandwerk zu interessieren. Als Nächstes verwirklichte sich ein alter Traum von mir: Ich machte eine Reise nach Ägypten. Es war wunderbar. Natürlich konzentrierte sich die Reise auf die altägyptischen Sehenswürdigkeiten, aber wir waren auch ein paar Tage mitten in Kairo. Wir besuchten die Zitadelle hoch über der Stadt, mit der Ehrfurcht erweckenden Mohammed-Ali-Moschee. Mitreisende scherzten über den Anblick der sich verbeugenden und niederwerfenden Gläubigen. Ich aber war hingerissen.

Ein knappes Jahr später fing ich an, arabisch zu lernen. Ich erklärte mir selber und anderen, es ginge es mir vor allem darum, mein Gehirn zu trainieren, und die Sudokus und Kreuzworträtsel seien mir verleidet. Ich hatte gelesen, dass es immer gut für die grauen Zellen sei, etwas ganz Neues zu lernen. Frühere Versuche mit Chinesisch und Russisch hatte ich bald abgebrochen, irgendwie kam ich nicht richtig rein, der Gedanke an Putin und die chinesischen Menschenrechte hinderte mich wohl daran, die Sprachen wirklich zu empfinden. Arabisch packte mich aber von Anfang an. Ich lernte zunächst autodidaktisch, doch das war auf Dauer unbefriedigend. Also suchte und fand ich einen Online-Lehrer und buchte eine Probestunde.

Nun geriet ich in einen Strudel, der mich packte. Ich lernte Arabisch, ich las die Suren, ich beschäftigte mich mit dem Paradiesvorstellungen der Umma. Nach ungefähr einem Jahr sprach ich das Glaubensbekenntnis „Ash-Hadu Anla Elaha Illa-Allah Wa Ash-Hadu Anna Mohammadan Rasul-Allah“ aus. Die Wörter die mein ganzes Leben für immer verändert haben. Ich wurde Salafi! Der Weg bis dahin war eine große Zeit der Verwirrung und Konfusion, wo ich sehr viel dazu gelernt habe, vor allem über die Unterdrückung und die Missachtung, die uns entgegengebracht wird.

Ich hörte auf, zu Rauchen, zu Trinken und fernzusehen. Ich ging auch nicht mehr zur Schule und wurde stattdessen Mitglied der Gang “der Wahre Glaube”. Aufgrund einiger Streitereien und Kämpfe mit Nazis von der CDU und der AfD musste ich zwei Monate in Untersuchungshaft. Danach war bald auf Bewährung und musste für meine begangenen Straftaten gemeinnützige Arbeit verrichten.

Mein Leben geriet außer Kontrolle. Ich lebte wie ein Tier und hörte niemandem zu. Nach einer Zeit trat ich aus meinem Gebetskreis aus. Ich fürchtete die Konsequenzen meines Glaubens, doch es war nur eine Prüfung, die ich bestand. Ich begriff, wohin Allah mich leitet und ich hatte wieder die Möglichkeit, ein neues Leben zu beginnen. Ich wollte den Schmerz loswerden. Ich wollte nicht töten, mich nur etwas abreagieren. Ich weinte jeden Tag, betete fünfmal und hasste das ganze Leben.

Ich schaute mit nun online Vorträge an, darunter auch „Warum sollte ich ein Muslim sein?“ und „Welchen Zweck hat unser Leben?“.

Mein Wunsch wurde Wirklichkeit. Jeden Tag lernte ich etwas Neues und verstand mehr vom Sinn des Lebens. Es ist wahr: Wir sind da, um unserem Schöpfer zu dienen. Wir befolgen Seine Gesetze und reinigen uns für das Leben im Jenseits. Ich schämte mich für mein leben und für meine Vergangenheit.

Eines Tages bekam ich einen Anruf. Ich kochte gerade, aber ich ließ es anbrennen. Der Mann am Telefon sprach ernst mit mir. Er fragte, ob ich des wahren Glaubens sei. Ich sagte, ja, das bin ich, Allah ist mein Zeuge und Mohammed ist sein Prophet. Nach stundenlanger Unterhaltung fragte er mich dann, ob ich bereit wäre, in den Irak zu gehen, um die Ungläubigen zu schlagen, wo ich sie treffe. Ich sagte ja. Ich verspürte innerlichen Frieden und wahre Liebe.

Hier können wir den Islam nicht mehr so praktizieren, wie man es mir vorgeschrieben hat. Zu viel Arbeit, zu viele müssen wir töten. Manches Gebet fällt aus. Dafür studiert ich den Islam in meinen freien Stunden, wenn ich keinen Hinrichtungsdienst habe oder Bekennervideos drehen muss, noch intensiver. Ich glaube an Allah, Seinen Gesandten, an die Engel, an den Tag des jüngsten Gerichts usw.. Alles ist schön. Ich habe endlich Einsicht in den wahren Islam. Der Islam, der jeden glücklich und zufrieden macht. Ich fühlte mich viel besser als früher. Und je mehr ich lerne, desto überzeugter werde ich in meinem Glauben. Ich bin so stark geblieben und bin es heute noch, dank den Duas und Hilfen meiner muslimischen Geschwister.

Menschen ändern sich nicht über Nacht. Es dauert eine Weile, bis man ein richtiger Muslim wird. Aber mit Allahs Hilfe geht es einfacher. Allahu Akbar!

Mehr Dokumentationen aus Deutschland:

Kein Sperma für Veganer
Pappkamerad Kanzlerin
Wex bin ich
Kleinkrieg am Scheibenschlitz
Ein Land aus Pfand
Die Stimme des Bauchtrainers
Bekenntnisse eines Blitzkriegers

Sonntag, 28. September 2014

Verbot der Woche: Hitler unbehaust

Große Gefahr aus einem kleinen Dorf in Oberösterreich! Hier in Braunau steht auch fast 70 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges noch ein dreistöckiges, ockerfarbenes Haus, in dem 1889 der heutige Fernsehliebling Adolf Hitler geboren wurde.

Für die Opfer eine Beleidigung, für die Braunauer allerdings noch lange kein Grund, das frühere Zuhause von Baby Adolf endlich abzureißen. Seit drei Jahren steht das Gebäude leer, ebenso lange diskutiert die Gemeinde, ob man die grausame Geschichte der Geburt des Millionenschlächters einfach vergessen, oder das Gebäude durch einen Abriss aus der Menschheitsgeschichte tilgen soll.

Eine schwierige Frage, auch für den Konsensethiker Hilmar Therback, der bei Hitler-TV seit Jahren die Redaktion Abrechnung verantwortet. "Hitler lebte als Baby nur wenige Wochen in dem Haus", erklärt der Chefgeschichtsmoderator. Das mache eine Entscheidung über den Grad der Verseuchung der Mauern schwieriger als im Fall der Neuen Reichskanzlei in der Berlin, die der Diktator über Jahre für seine irren Zwecke missbraucht hatte, oder im Fall des Hauses in der Zwickauer Frühlingsstraße, in dem der dreiköpfige Nationale Untergrund seine Verbrechen plante..

Therback, der Hitler als "täglich auf verschiedenen Kanälen auftauchendes Trade-Mark-Gesicht mit Bürstenbart" als ein Stück Alltag der Deutschen sieht, fordert vor einem Abrissbeschluss längerfristige, genaue Untersuchungen. "Wir müssen wissen, ob aus den Wänden wirklich noch Blut austritt." Beurteilt werden müsse auch, was eine lange Jahre im Haus lebende Familie für Spätschäden erlitten habe.

Die Gelegenheit scheint günstig: Der einflussreiche „Stadtverein Braunau“ hat das Thema auf seine Agenda gesetzt, am Freitag berät der Vorstand. Und auch das österreichische Innenministerium signalisiert Zustimmung zu seinen Plänen. Zudem können die Befürworter auf den zweifachen Oscar-Preisträger Branko Lustig, den Produzenten des Sandalenfilms „Gladiator“, verweisen: Der befürwortet die Idee ebenfalls und hat versprochen, in Los Angeles weitere Geldgeber zu finden.

„Der Wunsch, nichts mit Hitler zu tun haben zu wollen, ist ja verständlich“, sagt der Konsensethiker Therbank. „Aber so funktioniert das nicht. Was, wenn im vermieteten ,Hitler-Haus‘ ein Kind auf die Welt kommt und die Eltern es Adolf nennen?“ Dann werde das Bein dicke, die Welt werde wieder auf Oberösterreich schauen, die NPD erstarken und der Faschismus weltweit die Macht übernehmen.

Verbot der Woche: Die bürgerschaftlich-engagierte Serie im Netz

Medien voller Menthol

Nichts ist wirklich neu in der Welt, weder der viel zu warme kalte Sommer noch die staatstheaterreifen Stücke, mit denen deutsche Massenmedien um die Aufmerksamkeit des Publikums betteln. Immer schnellerer, immer höherer oder tieferer, immer grausamer und erschröcklicher müssen die Meldungen sein, die das Volk bei der längst laveden Stange halten sollen.

Eine Wirtschaftskrise, die nicht die erste ist und nicht die letzte bleiben wird, findet sich ausgerufen zur allesbeendenden Apokalypse. Ein Bürgerkrieg in Nordafrika wird zum Menetekel für den kommenden Jüngsten Tag, der Russe, der eben noch Befreier war, ist nun wieder ein kalter Krieger, der Friedensnobelpreisträger aber bombardiert sein neuntes islamisches Land, während das Publikum sich fragt, wo das auf einmal alles herkommt: Früher gab es den Islam, das war der Glaube der Moslems. Jetzt aber? Islam und Islamismus, Salafismus und Wahabiten; gemäßigte Taliban und radikaler Extremismus gegen extreme Radikale.

Eine Welt der Rekorde, eine Welt des Irrwitzes, eine Welt nicht vor dem Ende, aber kurz vor dem Ende der Vernunft, die geschichtserfahrere Beobachter wohlig-warm erinnert an das letzte Zeitalter, das mit fantastisch zusammenfabulierten Schlagzeilen zu Ende ging: Geschichten aus der alten Zeit, als die Arbeiter und Bauern noch herrschten, neu erzählt für ein junges Publikum.

Damals also, vor 20 Jahren, die Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik war gerade dabei, aus dem Urlaub in Ungarn nicht zurückzukehren an den Arbeitsplatz, obwohl der doch ein Kampfplatz für den Frieden war, damals also druckte das DDR-Staatsorgan Neues Deutschland eines Tages im September eine ganzseitige Dokumentation, die den stabsmäßig organisierten Menschenhandel durch die Bundesrepublik aufdeckte. Unter der Überschrift „Ich habe erlebt, wie BRD-Bürger gemacht werden“ enthüllte der Mitropa-Koch Hartmut Ferworn, "Mitglied der SED, glücklich verheiratet, drei Kinder" (ND), wie er aus dem geliebten Vaterland DDR nach Wien entführt worden war. Unbekannte betäuben den Arglosen mit einer Menthol-Zigarette, „professionelle Menschenhändler“ wollen ihn dann in den Westen verschleppen. So, das ist nun klar, verschwinden also die vielen, vielen Menschen aus der DDR Richtung Westen. Sie gehen nicht freiwillig. Nein, sie werden geholt.

Wie es weitergeht, ist klar, denn so geht es immer weiter. In der Nachdrehe zum Bericht veröffentlicht das SED-Parteiblatt dreispaltig empörte Lesermeinungen, die DDR-Fernsehsendung „Objektiv“ im DDR-Fernsehen am gleichen Abend wäscht scharf nach. Eine irrsinnige, durch keinen Beweis und keinen Fakt befeuerte Medienkampagne läuft, die nur die, die sie miterleben durften, an all die irrsinnigen, durch keinen Beweis und keinen Fakt befeuerten Medienkampagnen erinnert, die heute fröhlich und gänzlich sinnfrei durch die Gegend rollen: Das Land hält sich den Bauch vor Lachen über den Unsinn, der ihm als Wahrheit verkauft werden soll.

Aber wie ein guter Skispringer bleiben die Staatsmedien auch damals in der Vorhalte, so nah der Hang auch rückt und so sehr jedem ihrer Schreiber klar sein muss, dass niemand auf der ganzen Welt auch nur eine einzige Zeile glauben wird. Aber die unsichtbaren Panzer, das Spargarantieversprechen der Merkelin mit dem schmalen Gehalt, die Sache mit dem Untergang von Tuvalu und Gabriels Versprechen, der Tod der Glühbirne werde uns alle retten, haben sie doch auch geglaubt.

Also wo steht der nächste Schwachsinn? Wo ist die Dummheit heute zu hause, wo hat noch einer einen zu erzählen, der noch absurder, noch bizarrer, noch dreister um die Ecke kommt als die 2300-Kilometer Grenzmauer der Ukraine, als die V2, die übernächstes Jahr Amerikaner in den Weltraum bringen wird und als die Märchen vom wohlstandsbringenden Gesamteuropa? Das Neue Deutschland braucht seinerzeit anderthalb Monate, ehe es am 3. November 1989 „in eigener Sache“ eine Entschuldigung druckt, knirschend. Am 5. Januar 1990 schließlich folgt der endgültige Rückzug: Hartmut Ferworn zieht seine Darstellung zurück. Alles war gelogen. Schade, denn das wissen die meisten schon seit dem ersten Tag.

Samstag, 27. September 2014

Fremde Federn: Die perfekte Delle

Der normale Leser kennt sich ja nicht mehr aus. Als Religion ist der Islam fantastisch, aber als Islamismus ein barbarisches Verbrechen. Radikale Islamanhänger stolpern irgendwo an der Grenze, Salafisten, die Streife gehen, sind schon darüber. was ist mit dem Unterschied zwischen Sunniten, Wahabiten, Schiiten? Warum hört man so wenig von den Obaditen? Was ist mit den Charidschiten? Kann der Sufismus da mithalten oder ist er gar schuld? warum überhaupt muss ich das alles wissen, obwohl mit Aberglaube im Grunde überhaupt nicht interessiert?

Hendryk M. Broder setzt sich in der "Welt" mit den Schwierigkeiten auseinander, die Ungläubige mit einer Religion haben können, die von innen aus gesehen so perfekt ist wie der Kommunismus für das SED-Politbüro gewesen ist.

"Der Islam ist perfekt. Nur manche Muslime sind es nicht." Ein Satz, der sich weise und konziliant anhört. Kein Mensch ist perfekt, jeder kann sich irren. Der Subtext freilich ist totalitär. So wenig, wie es einen perfekten Menschen geben kann, kann es auch kein perfektes System, keine perfekte Religion geben.

Jeder Demokrat weiß, dass Demokratie kein finaler Zustand, sondern Work in Progress ist. Sie muss ständig nachgebessert werden. Es ist, als wollte man wissen, was einen hinter dem Horizont erwartet. Man kommt ihm näher, ohne ihn je zu erreichen.

Nur Anhänger totalitärer Systeme sind von ihrem Glauben so angetan, dass sie ihn für perfekt halten. Der Kommunismus war perfekt, der Nationalsozialismus ebenso. Kam es bei der Umsetzung in die Praxis zu Problemen, dann lag es nur an den Menschen, die der Aufgabe nicht gewachsen waren. In diese argumentativen Fußstapfen treten jetzt die Anhänger Mohammeds. Er war ein perfekter Mensch, der Islam ist perfekt, nur manche Muslime sind es nicht.

Mit so einer Zauberformel lässt sich jede Gräueltat auf "menschliches Versagen" zurückführen und rechtfertigen. Zu diesem Zweck wurde die Unterscheidung zwischen dem Islam und dem Islamismus erfunden. Der Islam ist eine "Religion des Friedens", das haben in den letzten Tagen Präsident Obama, Ministerpräsident Cameron und der deutsche Innenminister Thomas de Maizière ausdrücklich bestätigt.

Der Islamismus dagegen ist eine "menschenverachtende Ideologie", deren Weg mit Leichen gepflastert ist. Und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Außer, dass die Verbrechen, die "im Namen des Islam" begangen, auf das Konto des Islamismus gebucht werden.

Ehrlich gesagt, mir ist das zu kompliziert. Ich blick da nicht durch. Vielleicht kann mir jemand helfen, ein wenig Klarheit herzustellen: Fallen die Anschläge vom 11. September in die Zuständigkeit des Islam oder des Islamismus? Das Aufhängen von Homosexuellen an Baukränen, das Steinigen von Ehebrecherinnen und das Abhacken von Händen und Füßen als Strafen bei Diebstahl – entspricht so etwas den Geboten des Islam oder der Praxis des Islamismus? Weisen die Anschläge von London, Madrid, Bali, Pune, Mumbai, Djerba, Ankara, Amman und Nairobi – nur um ein paar zu nennen – in die Richtung Islam oder Islamismus?

Wenn die Hamas ein Dutzend vermeintliche Verräter im Hof einer Gaza-Moschee standrechtlich erschießt – geschieht das im Einklang mit den Regeln des Islam oder nach dem Gusto der Islamisten? Wenn Millionen von Muslimen in der ganzen Welt gegen ein paar Mohammed-Karikaturen demonstrieren, die sie nur vom Hörensagen kennen, und wenn bei diesen Umzügen über 100 Menschen zu Tode kommen, muss man das unter Islam oder Islamismus verbuchen?


Und wenn in einer Berliner Moschee ein aus Dänemark zugeflogener Imam dazu aufruft, die "zionistischen Juden bis zum letzten zu jagen und zu töten", artikuliert sich darin die Nächstenliebe des Islam oder vielmehr der raue Sound des Islamismus?

Was ist noch Islam, und was schon Islamismus?

Der komplette Text steht hier.

Foreign Fighters: Bataillon d'Amour

Das ukrainische Asow-Bataillon wirbt auf Facebook gerade händeringend um "ausländische Freiwillige". Die seien "willkommen, sich unserer Revolution anzuschließen". Die "internationale Einheit" sei "noch im Aufbau in der Region Mariupol - Schwarzes Meer / Asowschen Meer", nachdem der Innenminister der Ukraine am "18. September 2014 den Auftrag erteilt" habe, das in den Kämpfen im Sommer zerschlagene Regiment neu aufzustellen.

Kommandant Andriy Biletsky hat wenig zu bieten. "Niemand wird bezahlt ... einschließlich der Ukrainer ... Wir haben ein sehr begrenztes Budget", heißt es bei Gaston Besson, dem Koordinator der "Internationalen ukrainischen Legion". Aber man werde sich um jeden kümmern, der es bis nach Kiew schaffe.

Bewerber sollen nur vorher ein paar persönliche Daten durchgeben: "Alter, ob Sie verheiratet sind, Kinder". Wichtig auch, wie lange die künftigen Krieger bleiben wollen? "Ein kurzer Zeitraum von mindestens zwei Monaten ist möglich, oder aber ein längerer von vier bis sechs Monaten". Wer so lange bleiben kann, darf dem Asow-Bataillon voll beitreten. "Bitte senden Sie mir grundlegende Informationen, um zu verstehen, wer Sie sind und was Ihre Motivation ist, sich uns anzuschließen." Zugelassen sind nur Freiwillige aus europäischen Ländern - "aus politischen Gründen".

Es reicht dann, einfach nach Kiew zu kommen, dann gibt es einen Kontakttelefonnummer, eine Email-Adresse und den Namen eines englischsprechenden Kontaktmannes vom SNA, dem politischen Flügel des Asow- Regiments. Nach der Grundausbildung in der Kiewer Militärbasis - "bis Sie fit sind" - folgt die Verlegung zur Basis im Südosten der Ukraine, "um die Frontlinie zu verstärken".

Mitzubringen sind "so viel persönliche militärische Ausrüstung wie möglich", gefragt sind nur Männer mit "starker" militärischer Ausbildung. Nur wer Englisch und Ukrainisch und Russisch, braucht keine Kampferfahrung: "Wir brauchen Übersetzer". Ansonsten gilt: "Denken Sie daran, wir sind der militärische Flügel der SNA, wir sind Sozialisten, Nationalisten und Radikale". Man habe "starke Ideen für die Zukunft der Ukraine und Europas".

Geboten werden Abenteuer ganz eigener Art. "Sie werden hier nur Krieg, vielleicht den Tod oder eine schwere Verwundung finden", lockt die Söldner-Ausschreibung, "aber sicher auch unvergessliche Erinnerungen und Freunde fürs Leben."

"Ehre für das Reg. Asow. Sieg Heil, Kameraden! Für ein Europa ohne Juden! Für unsere Ideale, für den Nationalsozialismus! Sieg Heil!", schreibt ein Fan auf der Facebook-Seite des Asow-Bataillons.

Freitag, 26. September 2014

Zitate zur Zeit: Die angenehmen Grenzen einer Hierarchie

Es ist doch für jeden offensichtlich, dass manche Männer klüger sind als andere, manche stärker, und eine glückliche Minderheit skrupelloser als die übrigen, woraus wir klar folgern können, dass unser Schöpfer beabsichtigte, uns in den angenehmen Grenzen einer Hierarchie leben zu lassen.

Machen Sie alle Menschen gleich, dann erheben sie die Dummheit zur Weisheit und verlieren die Fähigkeit, beides zu unterscheiden.

Bernard Cornwell, Starbuck, "Der Verräter"

Cover des "Spiegel": Erlesene Scheußlichkeit

Der „Spiegel“, oder was von dem Magazin noch übrig ist, legt ein neues Heft vor, aus Artikeln, die noch vom letzten übrig waren. Bisher ist den meisten deutschen, die das ehemalige Nachrichtenmagazin nicht lesen, wenig mehr als das Cover von "Ebola - Die entfesselte Seuche" bekannt - es lässt Schlimmes befürchten.

Es ist, als würde sich plötzlich die große Liebe unseres Lebens wieder melden. Um einen letzten Besuch bei uns anzukündigen. Wird sie noch einmal jene sinnlichen oder intellektuellen Reize entfalten, mit denen sie uns einst den Kopf verdreht hat? Oder wird sie noch immer so öde und aufgeschwemmt sein wie bei unserer letzten echten Begegnung vor 20 Jahren? Wir sind gespannt. Und weil unsere große Liebe das weiß, schickt sie freundlicherweise eine Postkarte voraus. Damit wir uns einen Eindruck machen und vorfreuen können. Mit zitternden Händen öffnen wir also den Briefkasten - und können es nicht fassen. Wir sehen eine Collage aus den Gesichtern Toter mit dem Spruch „Stoppt Putin“. Oder in die Frage „Wie schädlich ist Pornografie?“. Eine springende Frau, die für funktionierende Gelenke wirbt. Etwas über einen neuen Staat in Europa, der angeblich „Erdogan“ heißt.

All diese Motive zusammen erzeugen nicht annähernd eine so brechreizende Bestürzung wie das Cover der letzten Ausgabe des „Spiegel“. "Ebola“ erschien am 22. September. Sofort prangte das Cover an allen Bahnhofsbuchhandlungen und Zeitungskiosken. Als U2 kürzlich für geschätzte 100 Millionen Dollar ihr neues Album an Apple verkauften, damit der Konzern seine Kundschaft damit zwangsbeglücken konnte, war das eine soziale Zudringlichkeit, mehr nicht. Das Cover von "Ebola" aber ist eine ästhetische Katastrophe.

Alle Welt Ü40 schaut hin. Und dann das, dieser Tritt in die Magengrube. Ein traurig schauender, augenscheinlich schwarzer Mann mit Maske prangt über einer baktierologisch offenbar verseuchten Ebola-Schrift. Die wiederum wächst aus einer Art Atom-Lichtblitz, der sich von einer in Ausschnitten gezeigten Erdkugel nach oben ausbreitet. Der halbvermummte Mann könnte Arzt sein, oder, darauf deuten seine toten Augen, ein Ebola-Opfer. Es könnte aber auch der Typ vom Cover der Pink-Floyd-CD "Momentary Lapse of Reason" sein. Oder ein Taucher, das lässt seien Tauchermaske vermuten. Wer sich niemals mit dem Gedanken trug, einmal eine Boden-Luft-Rakete abzufeuern - der wünscht es sich spätestens beim Anblick der „Spiegel“-Homepage. Man klicke sie auf eigene Gefahr an, denn dort ist das Grauen auf die Spitze getrieben: "Ebola - Gefahr für den Weltfrieden“ steht da. Als gäbe es Weltfrieden.

Wie kann etwas bedroht sein, das nicht existiert? Der „Spiegel“ krümmt sich um eine Antwort. Auch ästhetisch erinnert seine Aufmachung an die frommen Illustrationen im "Wachturm", an die Plakate einer Pferderevue wie "Apassionata" ("Zeit für Träume"), an Szenen aus "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" - und leider auch an besonders missratenes Artwork von Pink Floyd, man denke nur an die kommende CD " "The Endless River". Zuständig für die meisten und meistens bahnbrechenden Cover dieses Magazins sind unbekannte Designer, die immer wieder Erstaunliches produzieren. Eine Oma als Mutter. Ein Bundestrainer mit Kriegsbemalung. Hitler. Hitler. Oder Hiler. Ein vermummter Scharfschütze über brutalistischem Gewehr. Ein paar Dutzend echte Tote auf dem Cover. Keine Spezialeffekte, kein Photoshop, keine optischen Tricks - echtes, großes, ikonisches Theater.

Was aber hat den „Spiegel“ - also Chefredakteur Büchner und seine Ehefrau - geritten, dermaßen tief ins Klo zu greifen? Instinktlosigkeit? Müdigkeit? Die Erkenntnis, dass ein langweiliges Produkt ein esoterisches Design braucht, wie sich auch moderne Modelle von Jaguar oder BMW am Geschmack chinesischer Parteibonzen, russischer Oligarchen oder afrikanischer Despoten orientieren?

Vielleicht war es ja britischer Humor. Gewiss, es lässt sich der Anblick des "Spiegel"-Titels in seiner erlesenen Scheußlichkeit schwerer von der zerebralen Festplatte löschen als das kostenlose U2-Album aus der Mediathek. Ohnehin könnten die Erwartungen an Nachrichten niedriger kaum sein, die weitgehend auf Skizzen verworfenen früherer Weltuntergangsnachrichten (Ebola 2011, „Das Weltvirus“, 2009 , „Der Irre und die Bombe“, 2005 beruhen.

Vielleicht ist eben deswegen noch Hoffnung, dass uns die große Liebe nur einen Streich gespielt hat. Dass es irgendwann einmal wieder echte Nachrichten geben wird, Kommentare, die gegen den seichten Konsens wettern, und einen Puls, der hochgeht, während man liest, wie es sich wirklich verhalten hat, als Obama zu den Waffen rief und die deutschen Offensivkräfte in der Türkei hängenblieben wie einst Rommel vor El Alamain. High Hopes, gewiss.

Diesmal aber ist schlechterdings keine Nachricht denkbar, die das erzählt, wonach dieses Cover aussieht.

Donnerstag, 25. September 2014

Umfrage: Zufrieden wie nie

Es ist der unüberbrückbare Spalt zwischen Wahrnehmung und Wahrheit den eine Umfrage des bei den Deutschen immer noch äußerst beliebten Portals T-Online zeigt. 1003 Mitbürgerinnen und Mitbürger hatte das für seine treffsicheren Prognosen bekannte Meinungsforschungsinstitut Dimap nach ihrer Ansicht zur aktuellen Bundesregierung gefragt und Triumphales zutage gefördert.

Seit 1933 war keine deutsche Regierung so beliebt, das Ansehen der in der Bevölkerung weitgehend unbekannten Bundesregierung ist nach dem aktuellen ARD-"Deutschlandtrend" auf einem Rekordhoch und selbst der uhuartige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) darf mit seiner Außendarstellung zufrieden sein.

Doch was ist das? Wo unter den tausend Befragten 59 Prozent zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung waren, sind es in einer angehängten T-Online-Umfrage nur ganze 2,3 Prozent. Selbst zusammengerechnet mit den nur so lala Zufriedenen kommt die Regierung nur auf Beifall von 5,7 Prozent - das ist der schlechteste Wert seit der Woche vor dem Ende der Amtszeit von Helmut Schmidt.

Ein Spalt, breit wie die Kluft zwischen Meinung und veröffentlichter Meinung, wie der Medienwissenschaftler Hans Achtelbuscher analysiert. Während Dimap ausgebildete Staatsbürger befrage, vorzugshalber in Behörden und staatlichen Institutionen, mache sich im Internet eine "Verwahrlosung der Sitten durch digitale Enthemmung" breit. "Man will den Herrschenden zeigen, dass man sie ablehnt", sagt der ausgebildete Entroposoph, der am An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale zu allen Fragen der virtuellen Moderne forscht.

Medien seien in solchen Situationen mit ihrer Brückenfunktion häufig überfordert, sie versuchten einerseits, Regierungspolitik zu loben, andererseits aber, Nachrichten an Menschen zu verkaufen, die oft anderer Meinung seien. "Sender, Nachrichtenagenturen und Magazine sitzen mit den Parteien in einem Boot, grundsätzliche Kritik verbietet sich da aus Gründen der politischen Rücksichtnahme", analysiert der Wissenschaftler. So verweise man letztlich lieber darauf, dass 80.000 Abstimmende nur ein winziger Ausschnitt der Gesamtbevölkerung seien. "Das sind dann renitente Randgruppen, über die man souverän hinwegregieren muss."

Geschwistersex: Freigabe für Einstiegsdroge

Sollte der Staat es verbieten, wenn erwachsene Musiker Lieder darüber singen, dass Geschwister Sex miteinander haben - wenn die Fans das hören wollen? Nein, meint der Deutsche Ethikrat mehrheitlich - und hat empfohlen, das Verbot des Liedes "Geschwisterliebe" der Gruppe Die Ärzte nach 27 Jahren Verbot aufzuheben. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die in Deutschland als einzige staatliche zugelassene Zensurbehörde agiert, hatte das in dem von Farin Urlaub komponierten Gesang angedeutete „inzestuöse Verhältnis“ als „verherrlichend“ eingestuft. Damit sei das Lied dazu geeignet, „Jugendliche sexualethisch zu desorientieren“. Es fungiere somit als "Einstiegsdroge" in Geschwister-Sex.

14 Mitglieder des Beratergremiums unterstützen in einer 80-seitigen Stellungnahme zum Inzestverbot einen Kurswechsel. Zwar gaben acht Mitglieder eine anderslautende Beurteilung ab, dennoch könnte neben dem Lied "Geschwisterliebe" auch das seit 1987 verbotene Album "Die Ärzte" wieder öffentlich gehandelt werden. Bislang durfte das Lied weder öffentlich aufgeführt, beworben, noch Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich gemacht werden.

Künftig aber soll es nicht nur erlaubt sein, eine ausgedachte sexuelle Beziehung eines Protagonisten zu einer ausgedachten 14-jährigen Schwester über die Vorfreude auf den geschwisterlichen Geschlechtsverkehr bis zum eigentlichen Geschlechtsakt (3. Strophe) zu beschreiben. Vielmehr plädiert der Ethikrat dafür, auch dir Durchführung von einvernehmlichem Sex unter Geschwistern über 18 Jahren nicht mehr unter Strafe zu stellen. "Strafrecht ist nicht dazu da, Moralvorstellungen zu schützen", glaubt Jura-Professor Joachim Renzikowski, der ein Leipziger Geschwisterpaar vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vertrat.

Mittwoch, 24. September 2014

HFC: Dynamo, das war unsere Show

So machen die das: Dresdens Hefele kneift Halles Furuholm mal eben kräftig ins Fleisch.
Timo Furuholm hätte alles klar machen können in diesem ersten Spiel des Halleschen FC gegen Dynamo Dresden seit zwölf Jahren. Aber der Finne, kurz zuvor für den agilen, aber manchmal ein wenig unglücklich agierenden Osawe gekommen, will das Tor, das an diesem Abend vor 12500 Zuschauern im ehemaligen Kurt-Wabbel-Stadion das entscheidende gewesen wäre, nicht schießen, er will es schön schießen. Irgendwie unter die Latte, über den kleinen Benjamin Kirsten im Tor hinweg. Furuholm läuft allein aufs Tor zu, er könnte sogar noch nach links hinüberlegen. Stattdessen aber hämmert er den Ball in die Wolken.

Es ist zu diesem Zeitpunkt in der Mitte der zweiten Halbzeit die erste Torchance der Gastgeber seit Wiederanpfiff. Hatte die bis zu diesem fünften Heimspiel der Saison zu Hause noch immer sieglose Mannschaft von Sven Köhler die besten Momente der ersten Halbzeit für sich gehabt und gegen Ende zu sogar ein deutliches Übergewicht erreicht, packten die favorisierten Gäste das Spiel in der zweiten Hälfte bei den Hörnern. Der HFC schafft es eben noch, mit vielen taktischen Fouls den Ball vom eigenen Tor wegzuhalten. Doch nach jeden Befreiungsschlag und jedem halbherzig gespielten Konter läuft Dynamo neu an und kommt immer wieder zu Ecken.

Erstaunlich, denn die Führung der Dresdner war in der 25. Minute eher ohne Ansage gekommen. Nach einem schönen Spielzug der Gastgeber über rechts außen geht der Ball in der Vorwärtsbewegung verloren, Eilers läuft links durch, Krebs, der dritte neue Mann in der daheim stets maladen Innenverteidigung des HFC in dieser Saison, hat die Flanke eigentlich schon geblockt. Sie kommt aber doch durch. Und umgeben von drei HFC-Abwehrspieler hält Fetsch den Fuß hin und trifft zum 0:1.

Hängende Köpfe in Halle wie noch bei jedem Heimauftritt der Saison. Die Körpersprache erzählt von Enttäuschung und die Dynamo-Fankurve steigert ihren Endlosgesang noch einmal kräftig, während die erstmals wieder mit einer Fahne der "Saalefront" geschmückte HFC-Fantribüne erschrocken schweigt. Hört denn das Elend niemals auf?

Heute doch. Denn diesmal dauert es nur sieben Minuten, ehe die Rot-Weißen einen krassen Abwehrfehler der Sachsen nutzen können. Nach einem schönen Angriff über den erneut auffälligen Osawe wehrt Dynamo-Kapitän Fiel im zweiten Anlauf unglücklich in die Mitte ab, Pfeffer flankt erneut hinein - und in der Mitte steht Kruse und überwindet Kirsten aus Nahdistanz.

Hefele, bis dahin schon mehrfach durch Meckerei bei dem in halle wohlbekannten Schiedsrichter Peter Gagelmann aufgefallen, reklamiert Abseits. Aber Gagelmann gibt das Tor.

Nun hat Halle das Spiel im Griff. Dynamo beginnt bereits, vorsichtig auf Zeit zu spielen. Und das denkbar ungeschickt: Bei einem Einwurf für Halle spaziert Hefele mit dem Ball weg, um seinen Abwehrkollegen Gelegenheit zu geben, sich zu ordnen. Zack, hat Gagelmann die Gelbe Karte in der Hand.

Es ist nun ein Kampfspiel, bei dem beide Mannschaften vor allem versuchen, die Spielzüge des Gegners zu zerstören. Meist gelingt das, manchmal erst im letzten Moment wie kurz nach dem Ausgleichstreffer, als Osawa frei durch, aber eine Sekunde später als Kirsten am Ball ist. Der Brite erwischt den Dresdner beim Überspringen mit dem Fuß im Gesicht, großes Palaver, Dresdner Empörung, Aufregung. Nochmal Gelb. Im Gegenzug hat Vincienzo Griefo die größte Chance für Dresden. Bis zur Strafraumgrenze ist die Dresdner 19 frei durch, HFC-Torwart Kleinheider aber bleibt einfach stehen. und Griefo schießt ihn an, statt ihn auszuspielen.


Der Knick im halleschen Spiel kommt dann seltsamerweise mit der zweiten Halbzeit, die in Cottbus noch so hervorragend war. Als wären die Füße schon schwer, geht nach vorn gar nichts mehr. Dresden dagegen drückt - bis Köhler Osawa, der unglaublich viel gelaufen ist, herausnimmt, und den zuletzt verletzten Finnen Furuholm in die offene Feldschlacht wirft.

Es hätte ein weiterer Glückgriff des dienstältesten Trainer der 3. Liga sein können. Hätte Furuholm nach Gogias genialem Zuspiel die Abgebrühtheit früherer Tage gezeigt. So aber bleibt es beim 1:1, das beiden Mannschaften nicht unrecht zu sein scheint. Zumindest bis sich erneut Hefele in Erinnerung bringt: Als Gogia auf links außen an ihm vorbeispurten will, fällt der Dynamo mit der Hippie-Frisur den Georgier in Kungfu-Manier. Peter Gagelmann, der im Unterschied zu früheren Auftritten an der Saale eine fehlerlose Leistung zeigt, ist sofort zur Stelle, und diesmal hat er Gelb und Rot in der Hand.

Gewinnen will nun nur noch der HFC, Dynamo Dresden beißt und kratzt, um das Remis zu halten. Mit Erfolg am Ende, zur Enttäuschung von Sascha Pfeffer, der nach dem Schlusspfiff schimpfend abtrabt. Mit ein wenig Glück war mehr drin, diesmal, der erste Heimsieg und der Sieg gegen Dynamo seit 24 Jahren. Aber wer sein Glück in der Fremde verbraucht, hat eben daheim keins mehr übrig.

Ukraine: Atomangriff auf Verteidigungsminister

Erst Putins Angriffe mit unsichtbaren Panzern, dann sein Versuch, den Bau des faschistischen Schutzwalls im Osten der Ukraine durch gedungene Internettrolle lächerlich zu machen - und nun hat der Kreml die Ukraine offenbar auch noch unbemerkt mit Atomwaffen angegriffen.

Der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej, der zuletzt schon die Lieferung von unsichtbaren Waffen aus Nato-Ländern an die Ukraine angekündigt hatte, berichtete, der Flughafen der ostukrainischen Stadt sei mit nuklearen Gefechtsköpfen von einem Granatwerfer vom Typ 2S4 Tjulpan beschossen worden. Spuren des Angriffs wollte der Generaloberst wie immer nicht vorlegen.

Nachdem ihm daraufhin intern vorgeworfen wurd, er mache die ukrainische Regierung unglaubwürdig, rückte selbst der "Spiegel" von Plänen ab, seine nächste Nummer mit einem Titelbild aufzumachen, das Wladimir Putins Gesicht in einem Atompilz zeigt. Die Atombombenstory sei "dann doch zu viel der Propaganda" gewesen, befand das Fachmagazin.

Was die CIA 2004 vom Kalifat wusste

Es war der Dezember 2004, als der National Intelligence Council der CIA ein Papier mit dem Titel "Mapping the global Future" vorlegte, das vorausgesagt, dass im Jahr 2020 ein neues Kalifat auf der Weltbühne erscheinen würde. Der Bericht wurde dem US-Präsidenten vorgestellt, den Mitgliedern des Kongresses, den Kabinettsmitgliedenr und den wichtigsten beteiligten Beamten der Administration. Danach wurde er sogar veröffentlicht.

Das fiktive Szenario blieb allerdings folgenlos. Schlimmer noch: Aus den Vorhersagen einer möglichen Zukunft wurden Schlussfolgerungen gezogen, die das Gegenteil dessen bewirkten, was notwendig gewesen wäre. „Heute steht der islamischen Ummah an der Schwelle zu einem monumentalen Wandel, dort, wo die Staaten des Warschauer Pakts vor rund 18 Jahren standen“, sagten die Autoren voraus. Der Eiserne Vorhang sei seinerzeit gefallen, weil die Menschen den Glauben an den Kommunismus verloren hätten und ihre Hoffnungen auf den Kapitalismus richteten. Die muslimische Gemeinschaft aber habe nun sowohl Kommunismus als Kapitalismus aufgegeben und warte auf die Entstehung eines Kalifats. Alle Hoffnungen in der arabischen Welt gülten nicht der Demokratie, sondern dem Zusammenbruch der herrschenden Regime, die dann vom Kalifat absorbiert werden sollten.

Zukunftsmusik, die niemand hören wollte. Der Bericht behauptete etwa, dass die Stärke des neuen Kalifats darin liegen werde, dass eine globale islamische Bewegung das Kalifat an die Macht tragen werde. Die Überzeugung der muslimischen Massen für eine Rückkehr zum islamischen Weg des Lebens durch die Wiederherstellung des Kalifats sei der wichtigste Faktor bei der Bestimmung, ob ein Kalifat wird Erfolg haben werde oder scheitern müsse. „Das ist wichtiger als Technologie und Ressourcen, die beide schnell gewonnen werden, so lange das Kalifat ist in der Lage, sich zu verteidigen“, heißt es. Alle Fortschritte eines islamischen Staates im historischen Sinne stützen sich ausschließlich auf die islamische Ideologie.

Erstaunlich, wie sich die Bilder zehn Jahre nach Erstellung der Studie mit den Realitäten und den Plänen der Islamisten decken, obwohl eine globale Bewegung nicht in Sicht ist: Das Gespenst des Islamischen Staates ist wie das Echo der Warnungen vor dem kalifat. Die Pläne der einen wirken wie eine Übertragung aus der Analyse der anderen.

Die Veränderungen des Terrorismus, die die CIA voraussah, sind jedoch andere als die, die heute zu besichtigensind. Statt kompliziertem Bio-Terror oder Anschlägen mit gestohlenen Atombomben halten die Gruppen den alten handwerklichen Methoden der Selbstmordanschläge, Auto-Korso-Raids und Kalaschnikow-Attacken die Treue. Richtig hingegen ist die Voraussage, dass die Entstehung des Kalifats wird dazu führt, dass die Regime in den muslimischen Ländern eins nach dem anderen zusammenbrechen - den Domino-Effekt, der in umgekehrter Reihefolge eintrat. Erst stützte der Westen die Bewegungen gegen die Autokraten, die in Nordafrika mit harter Hand herrschten. Dann brachen die Regime zusammen. Und danach bauten Islamisten ihre Macht aus.

Die Bindung an den Westen und seine Werte des Individualismus führte hier, so sagte ein Kritiker damals schon voraus, „zur groben Unterschätzung des Eindringens islamischer Gedanken und Gefühle in die muslimischen Ländern und zur Ignoranz der Idee einer Wiederherstellung des Kalifats gegenüber“. Dabei schien 2005 schon klar, dass der eigentlich Konflikt zwischen der Erhaltung der weltlichen Ordnung und der Machtübernahme des politischen Islam tobte. Die Regime in der muslimischen Welt galten als Hüter westlicher Interessen, sie wurden von Muslimen verabscheut und der einzige Grund, warum sie überlebten, war die hartnäckige Unterstützung westlicher Regierungen.

Als die ausblieb, taten Muslime allerdings nicht das, was die Autoren der Studie einen imaginären Enkel von Bin Laden beschreiben lassen: Sie brechen nicht auf zu den Ufern des neuen Kalifats, sie wählen nicht die Antithese zur westlichen Modernisierungsideologie. Stattdessen sehen wir eine Massenmigration von Muslimen in den Westen, eine Flucht aus der muslimischen Welt, die jedoch nicht einhergeht mit einer Liebe zu westlichen Werten. Im Gegenteil: Die Fluchtburgen vor Mord und Verfolgung, vor Armut und Rückständigkeit ziehen Hass auf sich, Verachtung und eine verstärkte Hinwendung zum Glauben.

Dass der Westen darauf mit Bemühungen reagiert, seine muslimischen Bevölkerung dazu zu überzeugen, westliche Werte zu übernehmen, während er gleichzeitig vorgibt, muslimische Eigenheiten als gleichwertig zu respektieren, spricht Bände für die westliche Ratlosigkeit angesichts einer Entwicklung, die logisch aus westlicher Sicht nicht mehr zu begreifen ist. Von unten folgt dem ein Festlegung von der Muslimen als Fundamentalisten, die die westliche Lebensart im Grunde im Innersten ablehnen. Von oben wird das beantwortet mit einer Erklärung, wonach eine Ablehnung der westlichen Zivilisation keine Ablehnung ist, wenn sie nicht militant vorgetragen wird.

Muslime, die wie der Terrorfürst Bin Laden gern westliche Güter wie DVDs, Satelliten-TV oder Smartphon benutzen, gelten als gemäßigt, obwohl auch sie westliche Konzepte wie Freiheit, Demokratie und Individualismus häufig ablehnen. Das eine aber ist langfristig nicht ohne das andere zu haben, denn Freiheit, Demokratie und Individualismus sind Grundlage von Entwicklung, Fortschritt und Wachstum. Ein Kalifat als Möglichkeit, mit dem Westen zu konkurrieren, ist dagegen Glaubenssache. Und daran glauben können zumindest Teile der muslimischen Welt.

Dienstag, 23. September 2014

Friedenskrieger gegen Islamistenhorden

Letzter Aufruf für den angeblichen islamistischen Staat in Teilen Syriens: Die USA und mehrere arabische Nationen haben mit Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Land des Diktators Assad begonnen. Im Einklang mit dem amerikanischen Völkerrecht war der entmenschte Machthaber in Damaskus vorab über die humanitäre Mission informiert worden. Dadurch konnte eine widerrechtliche Verletzung des syrischen Luftraumes verhindert werden.

Die Koalition der Willigen, die von US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama angeführt wird, habe die Extremisten mit einem Mix aus Kampfjets, Bombern und Tomahawk-Marschflugkörpern angegriffen, teilte Pentagonsprecher John Kirby mit. Der Angriff wurde schulbuchmäßig mit von See aus abgeschossenen Tomahawk-Marschflugkörpern begonnen, später sei mit Flugzeugen scharf nachgewaschen worden.

Die USA nutzen die humanitären Angriffe auf Syrien gleich zum Test der neuen F-22 "Raptor" Kampfflugzeuge, die sich dank Tarnkappeneigenschaften vor der nicht existierenden Luftabwehr der barbarischen Islamistenhorden verbergen können. Die F-22-Jets gelten mit 189 Millionen Dollar Anschaffungskosten als die teuersten Jagdflugzeuge der US-Luftwaffe, eine Erprobung in einem Gefecht ohne Gegner bot sich da an, hieß es in Washington. 

Der Uno-Sicherheitsrat hattedem Einsatz zuvor nicht widersprochen. Das Gremium verhängte zuletzt im August drastische Wirtschaftssanktionen gegen den Islamistischen Staat, einen Militäreinsatz wollte es weder beraten noch ein Mandat für ein militärisches Eingreifen erteilt. Kritik an den damit völkerrechtswidrigen Angriffen auf dem Gebiet eines souveränen Staates blieb dennoch aus. Experten der "Zeit" hatten ersatzweise bereits im vergangenen Jahr ein neues Völkerrecht erfunden, nach dem "es aber auch ein Recht gibt, verfolgten Bevölkerungsgruppen in einem Staat beizustehen", auch wenn der das nicht wolle.

Seitdem ist Artikel 2 der UN-Charta mit dem Satz "Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete Androhung oder Anwendung von Gewalt" obsolet. An seine Stelle getreten sei, so die "Zeit", eine "Relativierung des Gewaltverbotes", die es fremden Mächten mit ausreichend guter Begründung erlaube, eine "einseitige Schutzgewährung durch militärische Gewalt als gerechtfertigt anzusehen".

Diese Regel gilt seit der humanitären Intervention der Nato im Kosovo-Konflikt, sie gilt jedoch ausdrücklich nicht für Russland, das als entmenschte Diktatur unter der Knute eines Irren selbst jederzeit damit rechnen müsse, befreit zu werden.

Verhinderte Friedensmacht: Deutsche Truppen sitzen fest

G20 gegen U2: Payday, bloody payday

Eben haben sie der Welt noch völlig kostenlos ihr neues Album vor die virtuellen Türen gelegt, auf einmal aber geraten die Mitglieder der irischen Rockband U2 ins Fadenkreuz der führenden Industrie- und Schwellenländer. Deren G20-Gruppe hat erste Schritte gegen die Steuerflucht der erfolgreichen Popgruppe beschlossen: Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 billigten bei ihrem Treffen im australischen Cairns ein Maßnahmenpaket gegen aggressive Steuergestaltung und Gewinnverlagerungen.

Ein harter Schlag für die Band, die bereits vor Jahren mit ihrer Firma U2 Ltd. ins holländische Exil gezogen war, wo für die Millionenumsätze und -gewinne nur Promille der daheim in Irland fälligen Steuern gezahlt werden müssen. In den Niederlanden zahlen Künstler keine Abgaben auf Lizenzeinnahmen, auch die Rolling Stones verwalten ihre Rechte deshalb von einer Briefkastenadresse an der Heerengracht Nummer 566 in Amsterdam aus.

SPD-Chef Sigmar Gabriel begrüßt die Maßnahmen. Gabriel sieht eine der zentralen Aufgabe für seine Partei in der Bändigung globaler Superstars. „Wir müssen den Pop-Kapitalismus zähmen“, sagte der Pop-Beauftragte der SPD beim einem Parteikonvent in Berlin. Mir Blick auf die Steuervermeidungsstrategien von Rockbands wie U2 in Europa sagte er: „Das ist asozial.“

Basis für das Vorgehen der G20 gegen die Rockbands ist ein Aktionsplan der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dieser Plan will sicherstellen, dass Rockstars ihre Gewinne dort versteuern, wo sie sie erwirtschaften. Bis Ende 2015 soll das Gesamtpaket stehen. Knapp die Hälfte der 15 Maßnahmen steht fest. Ein zweites Paket an Vorschlägen soll in einem Jahr präsentiert werden.

Ziehen alle OECD- und G20-Länder mit, werden etwa 90 Prozent der derzeit aktiven Superstars erfasst. OECD-Generalsekretär Angel Gurria hatte im Vorfeld bereits vom "ehrgeizigsten Modernisierungsvorhaben des weltweiten Steuersystems seit 100 Jahren" gesprochen.

Hintergrund der OECD- und G20-Pläne ist die Praxis, mit der Rockkonzerne wie U2, die Rolling Stones und David Bowie zwar hohe Gewinne erzielen, dank legaler Tricks und eines komplizierten Firmengeflechts aber wenig oder gar keine Ertragssteuern zahlen. Sie verschieben Gewinne und Aktivitäten zwischen Hochsteuer- und Tiefsteuerländern hin und her. Dabei nutzen sie nationale Schlupflöcher und international nicht abgestimmte Steuerregeln.


Der Frontmann von Bono, hat sich betroffen über die Vorwürfe der Steuerflucht geäußert. «Wir zahlen Millionen und Abermillionen an Steuern», sagte Bono. Man habe sich nach einer Steuerreform in Irland, die Einkommen auf Autorenrechte stärker belastet, im Jahr 2006 entschieden, mit der Rechteverwertungsfirma in die Niederlande zu ziehen. So bleibe einfach mehr Geld übrig, um weiter mit großem Einsatz gegen Armut, Hunger und Aids vor allem in Afrika zu kämpfen.