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Sonntag, 28. August 2016

Abschied von Timo Furuholm: Stürmer ohne Stromlinie

Timo Furuholm: Der ungeliebte Finne soll gehen.
Der Finne hat seine Schuldigkeit getan, der Finne kann gehen. Dreieinhalb Jahre nachdem der damals 25-jährige Timo Furuholm mit Fusselbart und dünnem Haar beim Halleschen FC seinen Einstand als Retter vor dem drohenden Abstieg gab, hat ihn Neu-Trainer Rico Schmitt aussortiert. Fünf Tage vor dem Ende der Transferphase, so dass Furuholm kaum mehr eine Chance hat, sich einen neuen Verein zu suchen. Dafür, dass der oft bärbeißig und kantig wirkende Stürmer in 107 Spielen für den HFC 39 Tore geschossen und 14 Vorlagen geliefert hat, ein Abschied, der tief blicken lässt.

Legte der Verein von der Saale, gerade noch Triumphator im Pokal gegen Kaiserslautern,  doch im Punktspiel in Großaspach einer erneute bauchlandung hin. Saftlos, kraftlos, hilflos präsentierte sich eine angelich runderneuerte Mannschaft im Stil vieler ihrer Vorgänger. Mit 0:3 ging es nach Hause, wie immer Durchhalteparolen auf den Lippen. Irgendwann wird bei Petar Sliscovic, dem neuen Mann im Sturm, der Knoten platzen. Dann wird der Mann, den Fans schon "Petar den Bewegungslosen" nennen, seine erste Ballberührung im HFC-Dress feiern.

Petar der Bewegungslose


Timo Furuhol, nach seiner Einwechslung in Großaspach, die wohl der Verkaufspräsentation dienen sollte, der einzige Rotweiße auf dem Platz, der ein wenig spielerische Klasse aufblitzen ließ, wird dann nicht mehr da sein. Furuholm soll weg, während der Straßenbahnfahrer Selim Aydemir nach seinem selbstgewählten Abschied nach der letzten Saison erneut zum HFC wechselt.

Es ist bereits das dritte Mal, dass der Gelegenheitsfußballer mangels attraktiverer Alternativen beim Club von der Saale spielen will.

Ein Götze für kleine Verhältnisse.

Ein Götze für kleine Verhältnisse, der den "neuen" HFC von Rico Schmitt und Stefan Böger als Neuauflage der Wackelmannschaften der letzten Jahre enttarnt. Erschreckend ist nicht nur die Punktbilanz mit fünf von 15 möglichen. Sondern auch die Trefferquote: Vier Tore gelangen dem ganz auf Offensive getrimmten Team in fünf Spielen - drei davon im ersten, seitdem nur noch eines. Im zweiten.

Torlos seit 270 Minuten, das riecht danach, dass Thomas Neubert zurückgeholt werden könnte, wenn Furuholm endlich von der Gehaltsliste ist. Nur Spaß.

Doch nur zwei Remis und eine noch offene Partie trennen Rico Schmitt von der desaströsen Startbilanz nach sechs Spieltagen, die den ewigen Sven Köhler im vergangenen Jahr seinen Job kostete.

Blicke in die Abgründe einer Sportart, diekeine Loyalität, keine Treue und keine Gemeinsamkeit mehr kennt außer der im gemeinsamen Erfolg. So lange es läuft, sind nicht nur in der ersten, sondern auch unten in der 3. Liga alle Freunde. Die Stimmung ist gut, man mag und schätzt sich und klopft sich auf die Schultern. Doch kein Zuschauer kommt, wenn nicht die Ansprüche steigen. Kein Sponsor zahlt, wenn nicht die Zuschauerzahlen wachsen.

Der gute alte Fußball, der nicht nur zum Gewinnen war, sondern auch Anlass bot, das Verlieren zu lernen, ist tot. Timo Furuholm steht für das Ende einer Ära beim HFC – länger als er sind nur noch der ewige Toni Lindenhahn und der kleine Florian Brügmann dabei, vielleicht zwei Streichkandidaten für die nächste Wechselrunde, wenn noch mehr Erfolgsdruck noch mehr Verdichtung auf schnell gekaufte und schnell wieder abgegebene Spieler erfordert.

Es fehlt auf der Bank an Zeit, weil es auf der Tribüne an Geduld und an der Erkenntnis fehlt, dass Erfolg eine Ware ist, die zerstört, was an Identität da ist, wenn man zu wenig Geld hat, um im Hochpreissegment einzukaufen. Geht Timo Furuholm, der zuletzt so ungeliebte Finne, der nie die Stromlinienform annehmen wollte, die der Fußball heute braucht, wird der HFC noch drei Spieler haben, die länger als drei Jahre im Verein sind, und einen, der länger als zwei Jahre da ist.

Bei RB Leipzig, dem Laden ohne Identität und Tradition, spielen vier Spieler schon länger als drei Jahre. Und acht länger als zwei.

Nachruf auf einen Helden: Darko Horvat, Torwart

Doku Deutschland: In zwei Wirklichkeiten

Petra Hinz ist spät bewusst geworden, dass die SPD kein Streichelzoo ist.
Ich lebte in zwei Wirklichkeiten, das ist mir später bewusst geworden. All die Jahre, die ich mich in den Dienst meiner Partei gestellt habe, dachte ich, ich diene uns beiden. Der Idee des Sozialdemokratismus, die für mich immer noch das beste Konzept ist, Gerechtigkeit überall auf der Welt zu schaffen, ohne den Menschen die Freiheit zu nehmen. Aber dass mich meine Partei fallen lässt, wegen einer Verfehlung, die wir gemeinsam begangen haben, das hätte ich mir nie träumen lassen.

Nach dem Umgang meiner Genossen mit meinem Kollegen Sebastian Edathy und dem gnadenlosen Abschuss von Michael Hartmann hätte ich es besser wissen müssen. Es gibt kein Verzeihen in der Politik, keine Vergebung, keinen Strafnachlass für treue Dienste. Haben sie dich am Schlafittchen, stürzen sie dich.

Dabei war Hinz über Jahre ein Name, der in der SPD mit großer Achtung ausgesprochen wurde. Ohne Ausbildung, ohne Fachkenntnisse, ohne tiefere Überzeugungen war ich in der Lage, stets den Eindruck zu vermitteln, als habe ich ein Interesse an Politik. Andere bestellten Mont-Blanc-Füller, ich rieb mich im Streit mit faulen Praktikanten auf, um den Wählern und Steuerzahlern möglichst viel Gegenwert für das an mich vergebene Mandat zurückzugeben.

Man ist nicht beliebt, wenn man so agiert. Aber wer nicht beliebt ist, muss auch keine Rücksicht nehmen. Ich wusste, dass die Partei wusste, dass ich wusste, dass ich meinen Lebenslauf vielleicht ein wenig zu sehr poliert hatte. Aber ich wusste auch, dass es der darauf nicht ankam. Hauptsache, du marschierst im Glied, dann gibt es auch keinen Ärger.

Ich bin dann schließlich verraten worden, von Neidern, die es mir gönnten, am Rad der großen Politik zu drehen. All der Hass, der sich über Jahre gegen mich gesammelt hatte, weil ich nie einen Zweifel daran gelassen habe, dass der Auftritt von Willy Brandts in der Grugahalle im Jahr 1969 mich damals, als ich sieben Jahre alt war, überzeugt hat, in die Politik zu gehen, ergoss sich wie aus Kannen über mir.

Die, die mich schon hatten erledigen wollen, als herauskam, dass ich wegen all der Arbeit im Bundestag keine Zeit gefunden hatte, Steuererklärungen abzugeben, zogen wieder los. Grausam effektiv stellten sie mich öffentlich an den Pranger, ich wurde krank, depressiv, mein Arzt warnte mich, ich könne zu Selbstmordgedanken neigen. Was aus der Partei kam, war eine ultimative Aufforderung, mein Mandate binnen 48 Stunden aufzugeben. Keine versöhnende Geste. Kein Gespräch. Alle, die meinen Lebensweg begleitet hatten und alle Einzelheiten kannten, ließen sich verleugnen.

Einen Abgeordneten zur Zurückgabe seines Mandats zu zwingen, das passt in die Auffassung von Demokratie, die ich lange mitvertreten habe. Jetzt aber halte ich es für eine Missachtung der Freiheit des Mandats. Es ist Nötigung, von mir einen letzten Liebesdienst für eine Partei, die mich angeblich großgemacht und genährt hat. Aber ich war es doch, die fast 40 Prozent geholt hat! Muss ich mich da jetzt über Wochen massive und öffentlich bedrängen lassen, dass mir mein Mandat nicht mehr zusteht?

Es ist meines, nicht das von Sigmar, von Frau Kraft, von Willy oder sonstwem. Die SPD darf das Mandat, das mir von den Wählern, nicht von der Partei verliehen wurde, nicht zurückverlangen. Sie tut es dennoch.

Das ist unsere Auffassung davon, wie die Unabhängigkeit des Mandats gewahrt bleibt. Frauenfeindlich, denn Frauen gelten hier nur etwas, wenn sie hart, mutig und autoritär auftreten. Ich sah jahrzehntelang, wie die Leute im Bundestag versuchten, diese Rollen zu spielen - sie spielten sie schlecht.

Das Hohe Haus hat eine Wirklichkeit wie Hollywood. Abends sitzen wir oft daheim in unseren kleinen Übergangswohnungen. Und weinen.

Mehr Doku Deutschland: Unerträglicher Pfaffe
Was glauben Sie denn
Ich bin das Mädchen mit der roten Jacke



Samstag, 27. August 2016

Zitate zur Zeit: Voraussetzung des Mensch-Seins

Die Durchsetzung der Redefreiheit als Grundrecht und Fundament einer demokratischen Öffentlichkeit war Ergebnis eines langwierigen sozialen Prozesses, an dessen Ende unsere heutigen Gesellschaften stehen, die das Wort eher in der Nähe des Gedankens sehen, als in der Nähe der Tat. Dieser Konsens fußt ausdrücklich nicht darauf, dass eine Rede als solche nie schädlich sein könne, sondern darauf, dass Redefreiheit Voraussetzung unseres Mensch-Seins ist. Der in der Debatte um Hassrede und Rassismus im Netz zum Ausdruck kommende Trend,Worte wieder stärker in die Nähe der Tat zu rücken, gräbt daher am Fundament der modernen Gesellschaft.

Niels-Arne Münch verteidigt die Redefreiheit

Hatespeech: Neue Meinungsautomatik soll Hetze automatisch erkennen

Verhöhnung der Kanzlerin:
Künftig erkennt ein Automatismus solchen Hass.
Ein Frau im gelben Kleid, lächelnd auf den Trümmern Europas - immer öfter werden Hetze, Hass und Zweifel an der erfolgreichen Politik der Bundesregierung hoffähig. Ob Zivilschutzkonzept für den anstehenden Waffengang gegen Russland, Verwendung der Steuerüberschüsse oder Rettung Europas, immer finden sich selbsternannte Gralswächter einer angeblich schrankenlosen Meinungsfreiheit, die darauf bestehen, ihre kenntnisfreien Ansichten zu den Entscheidungen des Kabinetts im Internet breitschmieren zu dürfen.

Das Bundesblogampelamt im mecklenburgischen Warin hat jetzt auf Anregung von Bundesjustizminister Heiko Maas einen Algorithmus entwickelt, der die bisher in mühsamer Handarbeit erfolgende Verfolgung von Hass und abweichenden Ansichten im Internet automatisieren soll. Ist der Mechanismus, der auf künstlicher Intelligenz beruht, erst richtig eingespielt, wird Hetze automatisch erkannt, gemeldet und entfernt.

Beim E-Mail-Postfach eines amerikanischen Großanbieters klappt es schon ganz gut: Eine Software analysiert unter anderem Absender und Textmuster der eingegangenen Mails und kommt zu dem Ergebnis: Spam. Oder eben kein Spam. Je nachdem, wie gut das Programm trainiert ist, ist diese Analyse recht zuverlässig.

Software merzt Hass aus

Was bei E-Mails möglich ist, wollen Entwickler des Bundesblogampelamtes (BBAA) jetzt auch für die Kommentarspalten von Onlinemedien, Portale wie Facebook oder soziale Medien zum Standard machen. Ein schlauer Algorithmus, den Experten der Antonio-Amadeu-Stiftung mit Stichworten füttern, kann harmlose Einträge von Hasskommentaren trennen – und verhindern, dass Hass überhaupt erst in Internetforen erscheint. Bundesjustizminister Heiko Maas hatte zuletzt beklagt, dass „noch immer zu wenig, zu langsam und zu oft auch das Falsche gelöscht“ werde.

Der kluge Kommentarkiller-Algorithmus wäre ein Quantensprung für den Meinungsfreiheitsschutz, gelänge es, eine Automatisierung von Ansichten über das reine Filtern nach Schimpfwörtern hinaus auf Providerebene zu implementieren. Mit Hilfe des sogenannten Natural Language Processing, einer Anwendung aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, die auch bei Übersetzungen verwendet wird, könnte dann unterbunden werden, dass bestimmte Begriffe in bestimmten Zusammenhängen überhaupt noch geuploadet werden können.

BBAA-Chef Herrfried Hegenzecht ist optimistisch, dass seinen Software-Ingeninieuren der große Durchbruch gelungen ist. "Mit detaillierten Vorgaben aus mehreren Bereichen – von der Anzahl der Wörter in Großbuchstaben über die Interpunktion bis hin zu einer Liste an Hasswörtern und einer komplexen Methode, um Bedeutungen auch in Bildern wie dem Magazin-Cover mit der Verhöhnung der Bundeskanzlerin mehrdimensional zu erfassen, erkennt unser Algorithmus etwa 90 Prozent der auch von menschlichen, geschulten Lesern als problematisch identifizierten Kommentare", versichert er. Dies geschehe in Echtzeit, dabei beachte die Automatisierung Äußerungen zumindest recht grob auch in ihrem Kontext.

Verhindert Automatismus Strafverfolgung?

Sami Rausch, Projektkoordinator des „Hate Speech Movement“, begrüßt die Entwicklung grundsätzlich, befürchtet aber, dass längst nicht alle löschenswerten Kommentare erkannt werden. Zudem mindere die Möglichkeit, Hassrede im Internet zu verbreiten, die Chance für zivilgesellschaftliche Kräfte und Strafverfolger, gegen Hassredner vorzugehen. Hatespeech sei, strafbar oder nicht, kein Kavaliersdelikt, so Rausch. "Wenn aber niemand mehr Hasskommentare hochladen kann, findet auch keine Strafverfolgung und gesellschaftliche Ächtung mehr statt." Hier müsse noch nachjustiert werden, fordert er vom BBAA. "Wichtig wäre, dass wir an die Leute herankommen, die versuchen, Hassrede, Hetze und Zweifel irgendwo einzutragen."


Freitag, 26. August 2016

In eigener Sache: PPQ vorm Weltgericht

Was das Volk nicht wissen soll: Auch Kippen und Schnaps gehören in den Hamstervorrat für den Tag danach!
Die Bundesregierung rief, alle kamen und auch PPQ brachte sich ein. Wie gewohnt mit kritischem Blick auf die Katastrophenliste der Bundesregierung, die Menschen überall im Lande zwar rät, Trinkwasser, Tütensuppen und Tofu einzulagern. Aber völlig außer Acht lässt, dass der Mensch auch nach dem völligen Zusammenbruch der Zivilisation mehr braucht als Essen und Sprudel, damit es nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Überlebenden kommt.

Trink du auch beim Hamsterkauf

Hamsterkäufe, wie sie das Innenministerium beschlossen hat, haben nur Sinn, wenn auch ein ausreichender Vorrat an Schnaps und Kippen angelegt wird, das ist alles Experten klar. Doch Aufklärungsarbeit in dieser Hinsicht, so wichtig sie wäre, darf im Pre-Katastrophendeutschland offenbar nicht mehr geleistet werden: Facebook, die am weitesten verbreitete Katastrophenwarn-App der Welt, löschte den instruktiven PPQ-Beitrag zur Vorratshaltung bei Alkoholika und Tabakwaren, kaum dass er das digitale Licht der Welt erblickt hatte.

Kommando Kahane bei der Arbeit

Kommando Kahane bei der Arbeit? Der erweiterte Meinungsfreiheitsschutz in Aktion, um vor potentiellen Preppern die Notwendigkeit zu verbergen, dass keine Krisenvorsorge vollkommen ist, wenn sie nicht auch Kognak, Kippen und Koks beinhaltet?

Facebook, der Treibriemen der neuen Maas-Regeln von der Regierungshteorie ins praktische Alltagsleben der Bürger, reagiert auf Anfragen nach dem Grund der Löschung nicht. Wie bereits vor einigen Monaten, als der soziale Moloch die PPQ-Seite komplett sperrte, bleiben die Gründe für die sicher notwendige Maßnahme damit unklar. Unmöglich ist es so allerdings für engagierte Politik-Begleitseiten wie PPQ, die Schere im Kopf derart zu schärfen, dass Wiederholungen ausgeschlossen sind.

Hier besteht - auch mit Blick auf andere Presseerzeugnisse im Netz, die hemmungslos Zweifel und Skeptizismus Raum geben - dringender Handlungsbedarf.


Lesetipp: Jennifer Nathalie Pyka über einen sehr deutschen Brand, der gelöscht wird, bis die Feuerwehr kommt

Die Presse aus Österreich über eine deutsche Krankheit: Wenn unerwunschte Meinungen einfach verschwinden



Korrekt beleidigen: Bullen oder Schweine

Schweinebulle oder Bullenschwein? Heiko Maas ist auf jeden Fall dagegen, dass seine Trollarmee dafür ist.
Als der Fußballverein Dynamo Dresden den Fußballverein RB Leipzig zum Pokalduell empfing, legte die Polizei vorher Regeln fest. Nicht erlaubt waren danach T-Shirts mit dem Aufdruck "Bullenschweine" oder Rufe mit diesem Wort. Dabei handele es sich, hatte die Exekutive in Sachsen in Abwandlung des berühmten "Soldaten sind Mörder"-Urteils festgelegt, um eine Buchstabenkombination, die den Tatbestand der Beleidigung erfülle.

Nur dass nicht richtig feststeht, wer da eigentlich beleidigt wurde: Die Leipziger, die sich selbst ja die "Bullen" nennen, als Schweine? Oder die Polizei als "Bullen"? Wobei es dann wohl Schweinebullen hätte heißen müssen, weil im Deutschen zusammengesetzte Substantive, die zur Beleidigung dienen, die Beleidigung stets vor sich hertragen, weil die vorgesetzte Silbe nach dem Muster "Drecksbulle" oder "Scheißstaat" quasi das Adjektiv ersetzt.

Bullenschweine? Oder Schweinebullen?

Die Frage blieb offen, die Verunsicherung war groß. Ist Bullenschweine verboten, während Schweinebullen erlaubt ist? Ist das "Soldaten sind Mörder"-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, dass es noch erlaubte, eine gesellschaftliche Gruppe pauschal zu beleidigen, da eine Beleidigung individuell sein muss, um Einzelpersonen zu treffen, unbemerkt aufgehoben worden?

Nein, sagt Bundesinnenminister Heiko Maas, der im Rahmen seiner Meinungsfreiheitsschutzkampagne jetzt demonstrativ für eine engagierte Rockband aus Dunkeldeutschland Partei ergriffen hat, in deren künstlerischen Konzept die Beleidigung von Polizeivollzugsbeamten konstituierendes Moment ist. "Tolles Zeichen gg Fremdenhass u Rassismus", lobte Maas die Gruppe Feine Sahne Fischfilet. Und er sagte ausdrücklich "Danke #Anklam #Campino @marteria @feinesahne!"

Schwarzer Block, Pflasterstein

„Schwarzer Block, Pflasterstein / auf die Fresse Bullenschwein / Fick die Cops – jagt sie aus der Straße raus / Fick die Cops – schlagt ihnen die Zähne aus“, singt die lustig-bunte Truppe von der Küste, weshalb die gegen Hassrede engagierte "Zeit" sich schon vor langer Zeit gefragt hat, "wieso der Verfassungsschutz die Band im Blick hat".

Versteht doch nun wirklich keiner!

Aber Maas, der bei Twitter als amtlicher Maas twittert. Er war es nämlich gar nicht. Sondern sein "Social-Media-Team", eine Art Putinscher Trollarmee offenbar, das sich im Namen und mit der Twitterunterschrift des Ministers "selbstverständlich in keiner Weise jede einzelne Textzeile aller jemals gesungenen Lieder der dort aufgetretenen Musiker zu eigen gemacht" hat, wie eine Sprecherin erklärt.

Alles gut also. Bullenschweine ist verboten. Schweinebullen bleibt verboten. Und die pauschale Hassbotschaft "Soldaten sind Mörder" kommt auch noch dran.

Bitter dabei: So wird Heiko Maas nie Pop-Beauftragter!

Nachtrag: Gegen 28 Dresdner Fans, die beim Spiel gegen RB mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Bullenschweine" erwischt wurden, laufen inzwischen Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Es ist verboten, Claudia Roth als "ekelhaft" zu bezeichnen.

Donnerstag, 25. August 2016

Steuerüberschuss: Stimmenkauf mit Wurst am Stöckchen

Wenn der Staat spart, dann erhöht er seine Einnahmen, um mehr ausgeben zu können. Zumindest kurzzeitig kommt es dabei aber immer wieder zu unschönen Momenten, in denen Finanzminister sich dafür rechtfertigen müssen, dass ihre Einnahmen beständig steigen. Während Löhne und Gehälter zunehmend zurückbleiben.

Immer gilt es dann, Gründe zu finden, warum die Steuern ausgerechnet jetzt nicht sinken können. Einmal sind die Aussichten schlecht, ein andermal muss der deutsche Staat für morgen vorsorgen. Auch nach einem Halbjahresüberschuss von 18,5 Milliarden Euro, mit denen die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen so gut dastehen wie selten zuvor, bleibt es dabei: "Grundsätzlich" gibt es schon "Spielraum für Steuererleichterungen". Aber das natürlich "frühestens in der nächsten Legislaturperiode".

Es ist Wahlkampf, da wird eine Ausschüttung des Geldes, das der Staat seinen Bürgern weggenommen hat, obwohl er es selbst gar nicht braucht, zum Gnadenakt für den Fall, dass der Geprellte bereit ist, den Prellern noch einmal seine Stimme zu geben. Allein im ersten Halbjahr 2016 hat jeder Deutsche pro Kopf um die 225 Euro mehr Steuern gezahlt als der Staat für seine Haushaltung benötigt. Nicht eingerechnet sind dabei Beträge aus dem sogenannten Solizuschlag, dessen Abschaffung des Bundesverfassungsgericht verlangt hat. Was aber natürlich frühestens geht, wenn die derzeitige Politikergeneration nicht mehr im Amt ist.

Überall sind Spielräume, immer wieder. Aber niemand will spielen, weil es viel bequemer ist, mehr Geld zu haben, um noch mehr Geld ausgeben zu können. Als es denen zurückzuerstatten, die es auch nur verprassen würden.

Der Staat kann das viel besser: Seit die Bundesregierung 2008 mit ihrer noch laufenden Sparkampagne begonnen hat, stieg das Volumen ihrer Ausgaben von 283 Milliarden auf 317 Milliarden.