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Montag, 20. August 2018

Befreiungsideologie: Die Sprachreiniger

Briten feiern unbefangen, wo Deutschen sofort eiskalt wird.

Wenn wir sie nicht aufhalten, drohen uns Verlust und Untergang. Denn diese pseudoreligiösen Befreiungsideologien, wo Menschen erweckt werden, indem man sie dazu bringt, die politisch korrekten Gebete von sich zu geben, haben etwas Naives und Schreckliches zugleich: Weil meistens junge Menschen diese Art von Intoleranz im Namen der Toleranz predigen, die keinerlei Wirkung hat – außer jener, die niemand sich wünscht. Je länger dieser Zirkus andauert, desto sicherer zerstört man die größte Errungenschaft des Westens: Sagen zu dürfen, was man denkt.


Markus Somm in der Basler Zeitung zum Bedrohungspotential fortgesetzter Sprachreinigung

Allianz der Vernunft: Merkel, Putin, Erdogan

Ein wildes Rennen, das da plötzlich losrast, ohne Anlauf, ohne Startschuss. Eben noch war die Türkei Teil des Reiches des Bösen, ein Land unter der Knute eines unerbittlichen Despoten, der immer mehr Macht auf sich zieht und zielgerichtet daran arbeitet, die Demokratie abzuschaffen. 


Und auf einmal ist die Bundesregierung da, deren Mitglieder eigentlich nie müde geworden sind, die Entwicklungen in der Türkei in düstersten Farben zu malen. Und sie fordert die Deutschen auf, doch bitte gern schöne wäre es dort unten, im Land der abgeschafften Freiheit Urlaub zu machen. Andrea Nahles, Weltpolitikerin der SPD, assistiert: Kommt es zum Äußersten in Ankara, einem Zusammenbruch der Wirtschaft, Bankenkrise, Staatsbankrott, dann müsse Europa helfen. Es sei im deutschen Interesse, dass das Land stabil bleibe.

Putin züchtete die AfD


Das ist es, worauf es jetzt ankommt, auch beim Treffen der Kanzlerin mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der seit dem Ende Jahre der Entspannung in Europa als Gottseibeiuns der Feinde der westlichen Lebensart gilt. Putin war es nach Lesart abendländischer Medien, der die die Ukraine angegriffen, die US-Wahlen manipuliert, den Syrienkrieg verantwortet und die AfD herangezüchtet hat. Auf Wunsch der USA verhängte die EU Wirtschaftssanktionen gegen Russland, ohne je zu zu beschreiben, was geschehen müsste, damit sie wieder aufgehoben werden.

Russisches Gas und russisches Öl fließen weiterhin, auch die russischen Flieger, die die Bundeswehr braucht, um in ihre Einsatzräume zu gelangen, stehen weiter zur Verfügung. Es geht um den Eindruck beim Publikum, nicht um den beim Gegenspieler, der genau weiß, dass es ihm genauso geht.

Interessen, die zusammenschweißen. Weil ja nun doch, so analysiert die "Frankfurter Rundschau", nicht Erdogan und Putin die wahren Gegner eines von innerem Zerfall geplagten Europa sind, sondern der neue, viel schlimmere Demiurg: Donald Trump, Hassfigur im Weißen Haus, scheint Deutschlands Politikkaste inklusive ihrer Mediensprachrohre mittlerweile so bedrohlich, dass überall der Ruf erschallt, man möge gemeinsam mit dem von Trump mit Sanktionen überzogenen Erdogan und dem eben noch als größtem Feind der Freiheit gehandelten Kreml-Herrscher eine "Allianz gegen Trump zu knüpfen". Ein "Bündnis der Vernunft" müsse das werden, fordert ein früherer Martin-Schulz-Claquer in der "Frankfurter Rundschau". Das sei nötig, um gemeinsam gegen die Aktionen des "völlig außer Rand und Band geratenen US-Präsidenten" vorzugehen.

Schulterschluss mit dem Bösen


Phänomenal. Wenn es gegen Mann geht, den deutsche Medien in der Nachfolge Hitlers, Osama bin Ladens und Putin als Menschheitsverderber Nummer 1 ausgemacht haben, ist nun offenbar der Schulterschluss selbst mit monarchischen Machtmissbrauchern erlaubt, an deren verbrecherischen Absichten in den Großraumbüros der Meinungselite bisher kein Zweifel bestand.

Nun müssen technische Abmaß her, um rein taktische Gemeinsamkeit zu beschwören, wenn es schon keine gemeinsame Moral außer der gibt, dass der Feind meines Feindes immer mein Freund ist: Merkel und Putin seien "die am längsten amtierenden politischen Führer Europas", fabuliert die FR, "und sie sind trotz aller Irritationen, die manche außenpolitischen Schritte Putins immer wieder auslösen, so etwas wie Stabilitätsanker in einer Welt, in der so viele vertraute Strukturen nicht mehr tragen".

Warum also nicht zusammengehen gegen Amerika? Warum also nicht wenigstens für einen Moment so tun, als seien Deutschland, als sei die EU, als sei die westliche Vorstellung von Europa denkbar ohne Washington? Es braucht dazu ja nicht mehr als einmal kurz zu vergessen, was die Schlagzeilen über Russland über die vergangenen vier, fünf Jahre in einer Einfarbigkeit prägte, gegen die Überschriften der DDR-Presse über SED-Parteitage wie ein bunter Meinungswirbel gewirkt hätten.

Weil Trump Erdogan im Streit um einen Pfarrer unter Terrorverdacht anders entgegentritt als die Bundesregierung im Streit um den Medienästhetiker Deniz Yücel tat, ist Erdogan plötzlich wieder einer von uns. Und weil Trump noch immer nicht aus dem Amt geschieden ist, obwohl Spiegel, SZ, FR und Co. seit 18 Monaten nicht müde werden, den Tag der Demission zu beschwören, soll nun Putin, der "gefährliche Nachbar", "Halbstarke", "kalte Krieger" und "Brandstifter" (alle Zitate: Spiegel) helfen, das nach Überzeugung deutscher Kommentäter von ihm ins Weiße Haus lancierte Geschöpf aus dem Weg zu räumen.


Sonntag, 19. August 2018

Es war nicht alles Brecht: Die geschwungene Schrift


Armand Weiss,
Juwelier und Jude,
flieht im Frühjahr
dreiunddreissig
gerade noch rechtzeitig.

Seine Stammtischbrüder,
daheimgeblieben aus
gutem Grund,
meisseln im Herbst darauf
die geschwungene Schrift
über der Ladentür
mühevoll fort.

Mehr Gedichte, alle nicht von Brecht, hier




EU bläst zum Kampf gegen Terrorpropaganda

August Bebels Terrorpropaganda hätte heute keine Chance mehr auf Verbreitung.

Die EU-Kommission plant im Kampf gegen terroristische Propaganda im Internet eine noch härtere Gangart. Nachdem in den sozialen Netzwerken nicht mehr nur Hass, Hetze und Zweifel nahezu alle Seiten verstopfen, sondern auch direkte Terrorpropaganda immer mehr harmlose Besucher dazu veranlasst, zum Messer zu greifen, greift die Brüsseler Behörde nun durch.  Unternehmen wie Facebook oder Twitter sollen durch eine neue und umfassende Terrorlöschliste gesetzlich dazu verpflichtet werden, "terroristische Inhalte schnell zu identifizieren und zu löschen".

Dabei geht es dem öffentlich bisher kaum in Erscheinung getretenen britischen EU-Sicherheitskommissar Julian King vor  allem darum, die letzten Tage der Mitgliedschaft des Vereinigten Königreiches zu nutzen, um zu zeigen, dass die nach Länderproporz vergebenen Kommissarsposten in Brüssel keineswegs ausschließlich dem Gefühl dienen, dass jeder EU-Mitgliedsstaat seinen Vertreter in der Kommission sitzen hat. King, studierter Ökonom, Handelspolitiker und früherer Botschafter, will bis Mitte September ein Papier vorlegen, das er "Gesetzesvorschlag" nennt, obwohl weder EU-Parlament noch EU-Kommission berechtigt sind, Gesetze zu beschließen.

Grund für den verschärften Kurs sei nun, dass die freiwilligen Maßnahmen der Netzwerke "nicht genug Fortschritte" gebracht hätten, sagte King. Nutzer würden jeden Tag mit Terrorpropaganda konfrontiert, wenn sie ihre Facebook- oder Twitteraccounts öffneten. "Um unsere Bürger besser zu schützen, müssen wir jetzt härtere Maßnahmen ergreifen." Im Einklang mit den Grundrechten und der Meinungsfreiheit im Netz werde die EU Unternehmen beauflagen, Terrorpropaganda-Einträge, die auf einer in Echtzeit aktualisierten sogenannten smarten Liste eingetragen seien, binnen einer Ein-Stunden-Frist zu Löschen.

King nennt als Ziel, "einen klaren, transparenten Rahmen Internetplattformen zu schaffen, die ihre Dienste den Europäern anbieten" wolle. Anbieter, die zu wenig Ressourcen und Fähigkeiten hätten, gegen terroristische Inhalte vorzugehen, könnten perspektivisch auf die Löschfähigkeiten multinationaler Einsatztrupps etwa der Meinungsfreiheitsschutzabteilungen des Bundesblogampelamtes zurückgreifen. Automatisierte Alghorithmen, die über KI-gesteuerte Schnittstellen auf das Backend der Plattformen zugriffen, würden so dafür sorgen, dass "Terror-Inhalte nicht nur aus dem Netz verschwinden, sondern nach ihrer Löschung auch nicht wieder auftauchen und sich von Plattform zu Plattform weiter verbreiten können wie ein Virus", sagte King.

Das digitale Europa wird damit endlich zu einem sicheren Ort, an dem sich Terroristen nicht mehr ungehemmt tummeln können. In einem nächsten Schritt könnten die neuen Regelungen dann auch gegen allgemeine Hassreden angewendet werden, die derzeit noch Spannungen und Aggressionen in die Gesellschaften tragen. Über eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung würde dann in Brüssel zentral und einheitlich festgelegt werden, was Terrorinhalte sind, inwieweit sie sich von Hassreden abgrenzen lassen und wie sowohl das eine wie das andere mit selbstlernenden Netzsperren proaktiv schon vor dem Hochladen gelöscht werden kann.

Samstag, 18. August 2018

Zitate zur Zeit: Falsch verstanden

Spricht der Wirtschaftsverstand von „Marktchancen“, verstünde sie „Regulierung“, bei „Freiheit“, dächte sie an „Kontrolle“, und wenn von „Wohlstand“ die Rede ist, träumt Wagenknecht von „Umverteilung“.

Roger Letsch über Sahra Wagenknecht und ihre neue Flaschensammlungsbewegung

Batterien für Billiarden: Sonne in der Sackgasse


Peter Altmaier ist ein mutiger Mann. Wo immer ihn die Kanzlerin braucht, dorthin eilt der voluminöse Experte für alles:Altmaier war schon Kanzleramts- und Verteidigungsminister, Umweltminister, Flüchtlingskoordinator, oberster Geheimdienstaufseher und Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Bundestag. Ein Typ, der erfunden werden  müsste, gäbe es ihn noch nicht: Wie sein ebenso multitalentiertes SPD-Pendant Andrea Nahles besteht Altmaier zu hundert Prozent aus Sekundärtugenden, er ist schmerzfrei, kennt keine Scham und würde für die Frau, die an ihm festhält, so ziemlich alles tun.

Exekutierung der Energiewende


Als oberster Verantwortlicher für die Exekutierung der stockenden "Energiewende" reiste Peter Altmaier nun also an die "Orte des Widerstandes", dorthin, wo Menschen noch das Einsehen fehlt, dass ein 70 Meter hoher und 24 Stunden am Tag tieftönig brummender Stromtrassenmast in Rufweite des eigenen Gartens ein Preis ist, den jedermann gern zahlt, wenn er damit Deutschland desaströse Klimabilanz retten kann.

Das ist bitter nötig, denn dem Ziel der Energiewende, bis 2050 den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 80 Prozent zu steigern, den Primärenergieverbrauch im selben Zeitraum verglichen mit dem Jahr 2008 um 50 Prozent zu senken und den Treibhausgasausstoß  sogar um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, ist die Klimaschutznation Deutschland schon seit Jahren nicht mehr näher, weil es, so die offizielle Erklärung, an Möglichkeiten fehlt, den im Norden "erzeugten" (DPA) Strom zu den großen Verbrauchszentren im Süden zu transportieren.

150 Kilo Aktionsplan


Das 2009 verabschiedete "Energieleitungsausbaugesetz", nach dem neue "Stromtrassen" (DPA) von 1800 Kilometer Länge gebaut werden sollten, hat bis heute erst 800 neue Kilometer gebracht. Auch ein weiteres Stromtrassenbaubeschleunigungsgesetz von 2013, das 5900 Kilometer Leitungen bringen sollte, war nicht erfolgreicher, sondern eher weniger:In fünf Jahren wurden 150 Kilometer Sonnenstromautobahn gebaut. Nun kommt Altmaier, 150 Kilogramm Aktionsplan Stromnetz, auf den dicken Lippen die Drohung, jetzt sei die Stunde Wahrheit angebrochen. Und im Blick das Ziel, alles zu tun, um das Zweite Gesetz der Thermodynamik irgendwann doch zu widerlegen.

Mark Jacobson von der Standford-University hat das allerdings nicht viel Hoffnung. Aus der Sicht des Professors aus Kalifornien hängt der Erfolg des Energieausstieges letztlich nicht an den Stromnetzen, sondern an der Speichertechnik. Problem der sogenannten Erneuerbaren, so Jacobson, sei nicht nur, dass nicht dort Strom produzieren, wo er gebraucht wird.

Sondern auch, dass sie oft dann produzieren, wenn er nicht gebraucht wird. Roger Andrews von Energy Matters hat das nachgerechnet und dabei am Beispiel des US-Bundesstaates Kalifornien vorausgesetzt, dass der gesamte Strombedarf von Bevölkerung, Industrie, Beghörden und Militär über eine Periode von drei Tagen gespeichert werden muss, um Engpässe auszuschließen und die bei Erneuerbaren anfallenden Produktionsspitzen zu glätten.

Batterien für Billiarden


Nach Andrews Zahlen wäre das möglich, allerdings erforderte es die Installation von Batteriekapazitäten mit einem Volumen von 300 GWh, was etwa 100 Milliarden Dollar kosten würde. Ein Schnäppchen, denn Stromangebot und -nachfrage, so Andrews, müssten letztlich nicht nur über einzelne Tage, sondern über ein ganzes Jahr geglättet werden, um Blackouts und Phasen der Unterversorgung auszuschließen.

Dazu notwendig wären dann Speicherkapazitäten von 25 Terrawattstunden, die aufzubauen allein für Kalifornien müsste sich in einer astronomischer Größenordnung von über 8 Billionen Dollar verschulden, wozu der Bundesstaat natürlich niemals in der Lage wäre, vor allem wenn man bedenkt, dass die Batterien nach einigen Jahren immer wieder ersetzt werden müssen.

Deutschland ist fast so groß wie Kalifornien und es hat doppelt so viele Einwohner wie der US-Bundesstaat. Anzunehmen, dass die Kosten für die Sicherstellung einer stabilen Stromversorgung in einer ähnlichen Größenordnung liegen wie der zweitgrößte Stromverbraucher der USA sie aufbringen müsste.

Es bräuchte komplette 25 deutsche Staatshaushalte, um diese Investition zu finanzieren. Oder einen Peter Altmaier, der die Verschwendung von überflüssigem Strom einfach verbietet.

Freitag, 17. August 2018

Trotz Maas-Regeln: Was man alles aushalten muss

Die mögliche Konfrontation mit beunruhigenden Meinungen, auch wenn sie in ihrer gedanklichen Konsequenz gefährlich und selbst wenn sie auf eine prinzipielle Umwälzung der geltenden Ordnung gerichtet sind, gehört zum freiheitlichen Staat. Der Schutz vor einer "Vergiftung des geistigen Klimas" ist ebenso wenig ein Eingriffsgrund wie der Schutz der Bevölkerung vor einer Kränkung ihres Rechtsbewusstseins durch totalitäre Ideologien oder eine offenkundig falsche Interpretation der Geschichte. Eine Verharmlosung des Nationalsozialismus als Ideologie oder eine anstößige Geschichtsinterpretation dieser Zeit allein begründen eine Strafbarkeit nicht.

Bundesverfassungsgericht


Tuvalu: Ein Weltuntergangsklassiker taucht wieder auf

Für 450 Euro die Woche könnte Ricarda Lang auf Tuvalu Strandurlaub machen, Frühstück ist inklusive.
Für die Grüne-Jugend-Sprecherin Ricarda Lang ist das alles schon Fakt. Die EU müsse „Menschen von pazifischen Inselstaaten, die akut vom Verschwinden bedroht sind oder in absehbarer Zeit unbewohnbar werden, die Staatsbürgerschaft“ anbieten, meint die 24-Jährige, die fünf Jahre alt war, als die Legende von der untergehenden Insel Tuvalu in die Welt kam und von Medien aufgesaugt wurde wie Kokainbrösel auf einem Silbertablett.

Seitdem kommt sie alle Weile wieder hoch, die tragische Geschichte von der kleinen Insel im Süden, die die Rechnung für die großen Sünden der Menschen im Norden bezahlen müssen. Sie verlieren ihre Heimat. Die versinkt einfach in den steigenden Fluten, die ein zorniger Klimagott geschickt hat, die Industriestaaten zu strafen. Indem er, ein Gott mit Humor, nicht diese züchtigt. Sondern jene, die einfach leben, ohne Ansprüche, SUV, zwölf Flachbildschirme pro Kopf und zweimal Überseeurlaub im Jahr, wie es im Umweltbundesamt heißt, dessen Mitarbeiter gutteils täglich klimapositiv aus Berlin ins dunkeldeutsche Dessau einpendeln.

Ein Untergangsklassiker


Tuvalu jedenfalls ist ein Weltuntergangsklassiker, über den sich Spezialisten wie Ricarda Lang mit gleichgesinnten Redakteuren vom SZ-Jugendmagazin Elf99 "jetzt" stundenlang austauschen können. Geht unter! Versinkt! Nicht zu retten! Opfer unserer Lebensart! Schlimmstens! Dass die arme Insel, die nach den ursprünglichen Berechnungen vom Oktober 2001 mittlerweile unbewohnbar sein müsste, immer noch zum unbeschwerten Badeurlaub mit Wassersport und Haialarm einlädt, mag weniger Überzeugte verstören.Wer aber wahrhaft glaubt, den irritiert kein Fakt.

Denn wer die Welt wirklich retten will, darf sich von solchen irritierenden Einzelheiten aus der wirklichen Welt nicht beirren lassen. Und wer über „Fluchtursachen wie den Klimawandel“ (Lang) reden möchte, braucht dazu erst einmal handfeste Folgen, die „für viele Menschen heute schon knallharte Realität“ (Lang) sind, zumindest mal theoretisch gedacht. Fehlen die, ist das allerdings nicht weiter tragisch, weil man dann ersatzweise – Not kennt kein Gebot - seine Fantasie bemühen und einfach so tun kann, als gäbe es sie doch.

Neokolonialismus 2.0


Ricarda Lang heißt da nicht Schreck. Was nicht untergeht, das könnte doch zumindest untergehen. Sie wolle ja auch, sagt sie „kein vollkommen fertiges Konzept vorstellen, sondern vor allem eine Diskussion über den Zusammenhang von Klimawandel und Flucht und die Situation der Inselstaaten anstoßen und einen Vorschlag machen, wie wir die Menschen dort schützen können.“ Wir. Schützen. Die Menschen. Dort. Das erfolgt ganz unabhängig davon, ob die Hilfe brauchen oder Hilfe wollen, denn „gerade die EU-Staaten als Mitverantwortliche für den Klimawandel müssen dauerhafte Perspektiven bieten“, sagt Lang, die den Neokolonialismus und das Gefühl abendländischer Überlegenheit tief in den Knochen stecken hat.

Donnerstag, 16. August 2018

Beliebtheit steigt: Erste Umfrage sieht Parteien bei 101 Prozent

Im Wochenrhythmus rüttelt die Sonntagsfrage die Republik durch: Mal ein Prozent hoch, mal ein runter, die grünen im Höhenflug, die AfD muss zum Glücj abgeben, die CDU hält sich dank Merkel und die CSU verliert wegen Seehofer, so dass nur die Sozialdemokraten noch schlechter dastehen, abgesehen von der FDP, die Jamaika nie hätte platzen lassen dürfen, wohingegen Sahra Wagenknecht mit ihrer neuen Bewegung noch enttäuscht. Reicht erstmal noch nur für Sonstige. Isso.

Wenigstens sind sich alle einig. Stimmt zwar nie, was bei Meinungsumfragen herauskommt. Aber seit Martin Schulz schon fast Kanzler war und Donald Trump niemals Präsident werden würde, ist klar, welche Macht Demoskopen  in Deutschland haben: Sie können Herrscher machen und von Herrschern überrascht werden, mit denen sie nie gerechnet hätten, sie können Parteien hochschreiben und von Wahlen in Minutenschnelle auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Das ändert sich nie, die Sonntagsfrage  ist ein konstituierendes Element einer Demokratie, die sich selbst schon lange nicht mehr über den Weg traut. Die Zahlen mögen ja falsch sein, wie die Rockband The Cure einst klagte. Aber es ist wie bei der Steuerschätzung: Es sind die einzigen Zahlen, die man hat.

Forsa, einem Umfrageinstitut, dessen Expertise zum Beeindruckendsten zählt, was Kabala-Numerologie je hervorgebracht hat, ist es jetzt sogar gelungen, aus den normalerweise im Kleingedruckten versteckten Fehlertoleranzen so in ein mutmaßliches Wahlergebnis einzurechnen, dass eine DDR-typische Planübererfüllung erreicht werden konnte. Zusammengerechnet ergeben die Zustimmungswerte für die sechs abgefragten Parteien und die für die unter "Sonstige" subsummierten Wahlvereine nicht mehr nur 100, sondern 101 Prozent ergeben.

Ein schöner Erfolg, der zeigt, dass ein Eingehen auf das, was die Bevölkerung wirklich wünscht, sich umgehend in höheren Stimmanteilen für alle Beteiligten niederschlägt. Nach oben ist der Himmel jetzt offen, denn wo 101 Prozent möglich sind, sind auch 110, 120 oder 212 denkbar. Auf, auf, ihr Meinungswissenschaftler, auf, auf und frisch ans Werk!

Extremsommer: Hetze gegen die Hitze

Wenn es heiß ist, fällt Menschen in Afrika oft keine Möglichkeit zur Bändigung des Weierstraßschen Monsters ein, sondern allenfalls die Möglichkeit, mit einem alten Reifen durch die Hitze zu rennen.

Steigt das Thermometer, sinkt die Hemmschwelle: An heißen Tagen nehmen Aggressionen und Gewalttaten deutlich zu, haben Wissenschaftler ermittelt. Erklärt sich so der Zustand der arabischen Welt? Finden wir hier die Ursache für das seit hunderten von Jahren anhaltende afrikanische Debakel? Forschungsberichterstatter von Spiegel, Welt, PPQ und anderen Fachmagazinen im Disput.


Dass Hitze den menschlichen Fortschritt bremst, ist für das frühere Nachrichtenmagazin keine Frage, sondern nur noch, wie sie das tut. Chinesische Forscher hätten herausgefunden, wie start Menschen leiden, die bei großer Hitze sehr stark nachdenken müssen. Wenn das Thermometer über 35 Grad klettert, herrsche in der menschlichen Psyche Ausnahmezustand: Es denkt langsamer im Oberstübchen, es geschehen mehr Fehler, die Konzentration sinke, der Mensch wird quasi zum Hitzewrack, das nurmehr vegetiert.

Hitzige Gemüter begünstigt


"Dass hitziges Wetter auch hitzige Gemüter begünstigt, war schon im 16. Jahrhundert bekannt", zitiert das Magazin William Shakespeares "Romeo und Julia", in dem heißt, "in diesen heißen Tagen ist das tolle Blut aufrührerisch". Ein Schlüssel zum Verständnis des Lebens in Afrika und in der arabischen Welt womöglich, wie den Wortarbeitern in den heruntergekühlten Großraumbüros nach nur vier Wochen Hitzewelle in Mitteleuropa dringend schwant.

Wo es heiß ist, lebt der Mensch am Rande seines Wohlfühlhabitats. Im Westen, im Allgemeinen von einem fleißfördernden kühlen Arbeitsklima verwöhnt, hupen Autofahrer öfter und länger, der Zusammenhang zwischen Hitze und aggressivem Verhalten zeigt in empirischen Studien als dünnere zivilisatorische Haut über dem alten Raubtier Mensch: Danach verhauen an besonders warmen Tagen deutlich mehr Schüler ihre Prüfungen des Landes, Väter verhauen häufiger Frau und Kinder und Jugendliche öfter andere Jugendliche.

Schuld ist die Natur


Schuld ist die Natur, die, die draußen Hitze macht, und die, die im menschlichen Körper versucht, auf Kosten hochentwickelter Luxusfunktionen dafür zu sorgen, dass der Mensch der Thermometerterror überlebt. "Die Durchblutung läuft auf Hochtouren, der Schweiß perlt ganz ohne Sport, den ganzen Aufwand betreibt unser Körper zur Kühlung, denn auch bei 40 Grad im Schatten muss die Körperkerntemperatur um die 37 Grad gehalten werden", führt der "Spiegel" aus und er rührt damit wohl am Kern der Probleme, die Afrika und der Nahe Osten seit Jahrzehnten plagen: Wo es heiß ist, hat der Mensch ersten zu nichts Lust. Und zweitens ist er bei dem, was er notgedrungen doch irgendwie tun muss, stets auf Krawall gebürstet.

"An einem heißen Tag können Menschen unter vorübergehendem Intelligenzverlust leiden", heißt es beim "Focus", der etwas verdruckst fortsetzt: "Bestimmte Tätigkeiten und ein bestimmter Kleidungsstil drosseln die Gehirnleistung zusätzlich". Erklärt das, das den Umstand, dass sich von 17 derzeit stattfindenen Kriegen weltweit sieben im arabischen Raum und fünf in Afrika abspielen?

Beim "Spiegel" glauben sie daran. "In Albert Camus' Erzählung »Der Fremde« begeht der Protagonist unter der gleißenden Nachmittagssonne Algeriens sogar einen Mord", führt der Beitrag aus, wie ein Schuss auf einen Menschen auf den Schützen wirkt "als würde ihn das für einen Augenschlag von der unerträglichen Hitze erlösen: »Ich schüttelte Schweiß und Sonne ab.«"

 Der Süden ist ohne Hoffnung auf Abkühlung


Wenn bei uns Sahara ist, dann für ein paar Stunden, Tage, Wochen. Der Mensch leidet, er flieht die Hitze, die Sonne, den hellen Tag. Aber er hat Aussicht auf Besserung. Morgen Regen, nächste Woche nur noch 22 Grad. Der Herbst, der Winter. Dort aber, wo immer so viel Sonne ist, fehlt selbst der Trost, dass es eine Zukunft ohne 35, 38 oder 42 Grad auf dem Thermometer gibt, dass der brennende Staub in der Luft sich niederlegt und aus dem Wasserhahn nicht mehr laue Brühe in Körpertemperatur tröpfelt.

Im Vertrauen auf die Klugheit der Leser verzichten sowohl "Spiegel" als auch "Focus" darauf, das diagnostizierte "Matsch-im-Kopf"-Syndrom selbst verantwortlich zu machen für die Zustände in den beiden zentralen Problemregionen der Welt. Stattdessen müssen die Özil-Diskussion und die Debatte um Horst Seehofer als Beispiel dafür herhalten, dass saharische Bedingungen aus einem normalbegabten Menschen einen aggressiven Trottel machen, dessen kognitive Leistung auf Werte abfällt, die fürchten lassen, dass "der künftige Klimawandel sich auf unseren wirtschaftlichen Wohlstand auswirken könnte."

Die Welt wird zu Afrika, die Klimakatastrophe verwandelt die nicht ohne Grund bisher als gemäßigt bezeichneten Zonen nördlich von Mittelmeer und Rio Grande in südsudanesische Glutnester, in kahlgebrannte jemenitische Berge und schwülheiße kongolesische Dschungel.