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Freitag, 22. Februar 2019

Die Regeln hier, die Regeln dort


Identität kann auf jeder Ebene - der Ebene der Person, der Sippe, der Rasse, der Zivilisation - nur in bezug auf ein "Anderes", eine andere Person, Sippe, Rasse Oder Zivilisation, definiert werden.

Die Beziehungen zwischen Staaten oder anderen Gebilden ein und derselben Zivilisation haben sich in der Geschichte stets von Beziehungen zwischen Staaten oder Gebilden verschiedener Zivilisationen unterschieden. Für das Verhalten gegenüber denen, die "wie wir" sind, galt ein anderer Code als gegenüber den "Barbaren", die es nicht sind.

Die Regeln der christlichen Nationen für den Umgang miteinander waren andere als ihre Regeln fiir den Umgang mit den Türken und anderen "Heiden". Muslime agierten bei Menschen des Dar al Is-
lam anders als bei Menschen des Dar al-harb. Die Chinesen behandelten chinesische Fremde und nichtchinesische Fremde unterschiedlich.

Das zivilisationale "Wir" und das extrazivilisationale "Sie" ist in der menschlichen Geschichte eine Konstante.

Samuel Huntington beschreibt Konstanten der menschlichen Zivilisationsgeschichte





Fake News: Die Sehnsucht der ARD nach der Sprachsteuerung

Glaube ist alles, Wissenschaft ist nichts: Auch tote Pute kann vegetarisch sein, wenn Sprachwissenschaft das will.

Homöopathie ist der Glaube, dass Dinge, die nicht existieren, Einfluss auf ihre Umgebung nehmen. Linguistik hingegen ist eine Wissenschaft, die sich mit der menschlichen Sprache beschäftigt, mit ihrer Anwendung in der schriftlichen und mündlichen Kommunikation und dem rückkoppelnden Einfluss, den Gesagtes auf Gedachtes hat, selbst wenn der Sprecher sich dessen nicht bewusst ist. Menschen sagen nicht nur, was sie denken, zumindest, wenn sie meinen, es ohne Konsequenzen zu dürfen. Sondern sie denken auch, wie sie reden, wenigstens, so lange sie der Meinung sind, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Meinungsfreiheit garantiert ist.

Freiheitsfolge Fake News


Dass unter solchen Umständen verschiedene Meinungen öffentlich propagiert werden, ist eine Freiheitsfolge, die immer wieder laut beklagt wird. Von "Fake News" ist dann die Rede, die die Gesellschaft vergiften, Wahlen entscheiden und die demokratischen Institutionen unrechtmäßig unter Rechtfertigungsdruck setzen.

Die ARD, ein Acht-Miliarden-Euro-Imperium, das demokratischer Kontrolle weitgehend entzogen ist,  hat sich gegen solche Nachstellungen von Hetzern, Hassern und Zweiflern mit dem inzwischen berühmt gewordenen "Framing Manual" zur Wehr setzen wollen.

Das Papier, 89 Seiten stark und gekrönt von einer Auflistung von 51 verspäteten SED-Mai-Parolen, hat bei "Kommerzmedien" wie der "Welt" harsche Kritik geerntet, von der "medienkapitalistischen Heuschrecke" (alle Zitate Manual) SZ dagegen solidarische Grüße empfangen: Es sei nachgerade perfide, den "Gegnern von Information und Aufklärung" zu helfen, indem man die Werkzeuge der Linguistik nutze, um eine Linguistin zu diskreditieren, die doch nichts weiter getan habe, als der ARD auf 89 Seiten zu erklären, wie sie die Auseinandersetzung mit ihren Widersachern führen müsse. Möglichst unsachlich, möglichst moralisch überhöht und ohne Scheu davor, selbstausgedachte Fantasiebegriffe wie "Gemeinwohlmedien", "kontrollierte Demokratie" oder "Profitzensur" nach der Goebbelsschen Lehre der manigfachen Wiederholung immer wieder zu benutzen, bis sich im Volkskörper der Glaube manifest geworden sei, dass "die ARD der verlängerte Arm der Bürgers" (Wehling) ist.

Der Kernsatz des Papiers, das sich Deutschlands größter Medienkonzern 120.000 Euro hat kosten lassen, ist dabei eine Absage an die Wissenschaft, eine Verleugnung der Menschenrechte und eine Rückbesinnung auf ein Meschenbild, das hinter Kants Behauptung zurückfällt, der Mensch habe „das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze und Prinzipien zu handeln“.

Ein Menschenbild der Einfalt


Stattdessen propagiert die Linguistin Elisabeth Wehling ein Menschenbild, das Primaten ohne Vernunft und Einsichtsfähigkeit zeigt. "Entgegen dem gängigen Mythos entscheidet der Mensch sich nicht aufgrund objektiver Abwägung von Fakten für oder gegen Dinge", schreibt sie über ein Wesen, das seiner Entscheidungen nicht mächtig ist, weil es von Emotionen getrieben wird, die ihm über eine Art Sprachsteuerung verabreicht werden können.

Dieser von Wehling ausgedachte homo irrationalis wägt nicht Für und Wider ab, denn das kann er nicht. Er fällt auf sprachliche Signale herein, er ist ein leichtes Opfer verbaler Homöopathie, den ein Trommelfeuer aus grammatikalisch fragwürdigen und inhaltlich absurden Botschaften wie "Wir nehmen die Information Ihre Eltern ernst, egal, wo sie leben" und "Demokratie statt Profit, Demokratie statt ideologischer Monopolisierung" dazu veranlassen kann, zu tun, was er nicht wollen würde, stände er nicht unter der Fernlenkung klügerer Menschen, die es ungeachtet von Wehlings wissenschaftlichen Erkenntnissen schaffen, "aufgrund objektiver Abwägung von Fakten für oder gegen Dinge" zu entscheiden.

Es gibt kein objektives Denken


Der kategorische Imperativ dieser linguistischen Selbstüberhöhung, unwidersprochen in der SZ, gipfelt im Satz "objektives, faktenbegründetes Denken gibt es nicht" - ein Rückfall hinter 3000 Jahre Wissenschaftgeschichte, ein Echo aus dem Abgrund des "gefühlten Wissens", mit dem Populisten nach allgemeiner Einschätzung hausieren gehen. "Objektives, faktenbegründetes Denken gibt es nicht", dieser Satz, der meint, es gebe dieses Denken nicht außerhalb der Anstalt, steht ab sofort pars pro toto für die Faktenfinder bei der ARD und deren unermüdliche Versuche, die Vergangenheit aufzuräumen, sobald sie vorüber ist.

Es gibt kein faktenbegründetes Denken, keine objektive erkennbare Wirklichkeit, es gibt nur Programmierung, Sprachsteuerung, Gängelbänder aus Vokabeln und ein Publikum, das reflexhaft lebt, getrieben von Instinkten, Gefühlen, primitiven Emotionen. Zwei und zwei sind diesen Halbmenschen 22 und ein Blick auf die Seite der "Tagesschau" genügt, um zu sehen, dass die Lehre von der Unfähigkeit des Menschen,  den Ausgang aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu finden, bei der ARD schon lange das Programm macht: Der Logos muss hier stets dem Zwecke folgen, den höhere Mächte für ihn gedacht haben.



Donnerstag, 21. Februar 2019

Zitate zur Zeit: Was wir essen, wie wir leben, wie schnell wir fahren dürfen

Das alte Denken in Geschlechterstereotypen hängt selbst in fortschrittlich gestimmten Naturen wie der SPD-Justizministerin Katarina Barley hartnäckig fest: Trotzig spricht die Sozialdemokration immer noch "zwei" Geschlechtern, obwohl die Rechtslage in Deutschland eine ganz andere ist.
Das Hohelied auf die freiheitliche Ordnung des Grundgesetzes geht gegenwärtig paradoxerweise immer mehr einher mit einem zunehmenden Umsichgreifen von patrimonialen Belehrungen staatlicher und gesellschaftlicher Provenienz darüber, was wir essen, wie wir leben, wie schnell wir fahren dürfen – kurzum: wie wir unsere Freiheit „vernünftigerweise“ ausüben sollten. Sanktioniert wird die Nichtbeachtung derartige Appelle durch moralische Diskreditierung und finanzielle Sanktionierung.

Otto Depenheuer beschreibt die neue Geschlechtersegregation in der Politik als Ausfluss eines weitgehenden Bedürfnisses von Politikern und Medien, Bürgerinnen und Bürger zu entmündigen und sie sich als Objekt wohlmeinender Fürsorge zu halten

Framing Manual: Mein Staatsfunk und wie wir ihn lieben


In der DDR hieß der 1. Mai nicht „Tag der Arbeit“, sondern „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“. Die Teilnahme an den Demonstrationen mit dem Höhepunkt des Vorbeimarschs der werktätigen Massen an Tribünen, auf denen führende Parteimitglieder und Ehrengäste winkend die Paraden abnahmen, war für Arbeiter und Schüler eine Pflichtveranstaltung. Durch die Anwesenheit ließ sich die SED versichern, dass das Volk treu zum sozialistischen Vaterland stand und die Politik von Partei und Staatsführung vorbehaltlos unterstützte.

Meist Mitte März druckten die Zeitungen deshalb schon die offiziellen Losungen ab, die ja noch auf Transparente übertragen werden mussten. In diesem Jahr aber ging es noch schneller, die neuen Losungen des Zentralkomitees der SED zum 1. Mai sind bereits seit einigen Tagen im Internet verfügbar, erstellt diesmal von der externen Beraterin Elisabeth Wehling, die für die wegweisenden Parolen ein Salär von 120.000 Euro erhalten hat. Pro Beitragszahler macht das einen Betrag von einem Viertel Cent - viel weniger als eine Kugel Eis.


PPQ dokumentiert die beispielhaften linguistischen Umsetzungen moralischen Framings in 51 kurzen Sätzen und Slogans*.


  1. Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will.
  2. Das Recht auf freie Information überlebt sich nicht.
  3. Das Gute sehen.
  4. Gutes sehen statt Brot und Spiele fürs Volk.
  5. Exzellenz statt Umsatz.
  6. Exzellenz statt Profitfixierung.
  7. Demokratie statt Umsatz.
  8. Fairness statt Umsatz.
  9. Gleichheit kann man nicht kaufen.
  10. Demokratie kann man nicht kaufen.
  11. Kontrolle kann man nicht kaufen.
  12. Kein Demokratieausverkauf.
  13. Gleichheit steht in Deutschland nicht zum Verkauf.
  14. Kultur kann man nicht (einfach so) kaufen. Man muss sie erst(-mal) machen.
  15. Kultur kauft man nicht, man macht sie. Oder eben nicht.
  16. Deutsche Filme kann man nicht importieren. Man muss sie machen.
  17. Die ARD ist der verlängerte Arm der Bürgers.
  18. Fernsehen ohne Profitzensur.
  19. Klare Kante bei Gewaltfernsehen für Kinder
  20. Gemeinsamer Rundfunk statt Informationsanarchie.
  21. Gegen eine vernachlässigte Demokratie.
  22. Wir sind Ihr.
  23. Rundfunkbeteiligung ist gelebte Eigenverantwortung.
  24. Wir nehmen jeden ernst – auch Deine Oma.
  25. Wir nehmen jeden ernst – auch Deinen Stammtisch.
  26. Wir nehmen jeden ernst – auch Dein Kind.
  27. Gemeinsam. Fernsehen.
  28. Demokratie statt Profit.
  29. Demokratie statt ideologischer Monopolisierung.
  30. Demokratie statt rechenschaftsfreier Echokammern.
  31. Sicher selbstbestimmt.
  32. Lieber selbst denken (dürfen).
  33. Am liebsten selbst denken. Dank kritischen Nachfragern.
  34. Am liebsten selbst denken. Dank stabiler Informationen.
  35. Demokratieschonend – kein Husch-Husch bei Information.
  36. Menschlich. Exzellent. Deins.
  37. Wir sind Deins.
  38. Wir nehmen den Schutz Ihrer Kinder ernst. Egal, wann sie einschalten.
  39. Wir nehmen die Bildung Ihrer Mitarbeiter ernst. Egal, wo sie einschalten.
  40. Wir nehmen die Information Ihre Eltern ernst. Egal, wo sie leben.
  41. Andere wollen Geldgewinne. Wir wollen Erkenntnisgewinn.
  42. Andere wollen Geldgewinne. Wir wollen Kulturgewinn.
  43. Am freien Rundfunk zerplatzt jeden Tag um 20 Uhr die Filterbubble.
  44. Unsere Redakteure strengen sich für die Bürger an, andere für den Profit.
  45. Sind Sie Bürger oder Kunde?
  46. Für eine selbstständige Gesellschaft.
  47. Rundfunk? Besser selbst machen.
  48. Politisch nachhaken? Besser selbst.
  49. Politik und Wirtschaft im Auge behalten? Besser selbst machen.
  50. Kein entdemokratisiertes Rundfunksystem.
  51. Kein Demokratiekapitalismus. Kein Rundfunkkapitalismus. Kein Informationskapitalismus.
*Grammatik im Original

Im PPQ-Archiv: So viel Staatsfunk ist der Staatsfunk

Mittwoch, 20. Februar 2019

Berliner Blackout: Glücksfall für die grüne Physik

Über smart kombinierte und miniaturisierte Wind-Solar-Energieanlagen konnte Berlin den ausgefallenen Fossilstrom ersetzen und die Ökobilanz der Hauptstadt zu einem Signal für die ganze Welt machen.
Es war die erste wirklich große Bewährungsprobe für Deutschlands auf grün gewendete Energieversorgung, eine knifflige Situation, in der die weitreichenden Pläne von schnell hochgefahrenen Windrädern, Solarstromüberschuss und speichernden Netzen erstmals zeigen konnten, wie wirksam und umweltschonend zugleich sie wirklich sind.

Was war geschehen? Einmal mehr hatte ein Schaden an der herkömmlichen Stromversorgung in der deutschen Hauptstadt belegt, wie anfällig die traditionelle Art der Energielieferung für Haushalte und Wirtschaft ist. Wegen eines simplen Kabelschadens im Berliner Bezirk Köpenick waren mehr als 30.000 Haushalte ohne Strom. Kein elektrisches Licht, kein Kühlschrank, kein Fernsehen, keine Ampeln, nicht einmal die Notrufe funktionierten noch.

Ein Blackout, der selbst die professionellen Berliner Behörden überraschte. Der Katastrophenschutz wurde alarmiert, Einsatzkräfte der Malteser rückten aus, die Feuerwehr war ebenso im Einsatz wie das Technische Hilfswerk (THW).

Plan B greift sofort


Besonders wichtig aber war, dass die für den Fall eines Ausfalls der traditionellen Energieversorgung bereits seit Beginn des deutschen Energieausstieges auch in Berlin in der Schublade liegenden sogenannten Plan B-Maßnahmen ohne jede Verzögerung in Kraft gesetzt wurden. Die Senatsverwaltung zögerte nicht und rief schon am Dienstagnachmittag Stromvorräte ab, die in den Netzen gespeichert worden waren. Mittwochmorgen dann fuhren Netzbetreiber rund um die Hauptstadt zusätzliche Kapazitäten an Solarstrom und Windenergie hoch, die über zwei jeweils 110.000 Volt führende Großkabel in die Millionenstadt geleitet wurden, in der wichtige Bundesbehörden die Zwischenzeit mit Hilfe von Notstromaggregaten auf Basis von CO2-Handelszertifikaten überbrückt hatten.

Der Umstieg gelang nahezu problemlos. Die fossil betriebenen Blockheizkraftwerke wurden binnen weniger Minuten aus der Versorgungskette geschaltet, Windparks aus dem Brandenburgischen übernahmen die Erzeugung der Fernwärme für vorerst 30.000 Haushalte.

Ausgerechnet die als skeptisch geltenden Berliner ernteten damit die Früchte des "Neustarts bei der Energiewende", den Peter Altmaier bei seinem Amtsantritt als Umweltminister vor sieben Jahren angekündigt hatte. "Wenn man neu in ein Amt kommt, kann man auch neu ansetzen" hatte der CDU-Politiker damals versprochen und einem "Stillstand in der Umweltpolitik" eine klare und mutige Absage erteilt.

Mit Recht. Ohne die klimaschädliche Gasbefeuerung der dampfgetriebenen Turbinen erreichte Berlin bereits am frühen Abend seine Klimaziele für 2030, so dass in tausenden am Fernwärmenetz hängende Wohnungen Jubel ausbrach. Berlin habe, so hieß es am späten Abend im Roten Rathaus, den Beweis erbracht, dass klug angewendete Grüne Physik mit Hilfe molekularelektronischer Bauelemente die Funktion der ganzen bisherigen überkommenen und schwerfälligen Energieindustrie mit einem schlanken und smarten Speichernetz ersetzen könne.

Ende der fossilen Ära


Ein schwerer Schlag für den schwedischen Vattenfall-Konzern, der Berlin bisher auf herkömmliche und umweltfeindliche Weise versorgt hatte. Gas, Strom, Atom und Kohle, das waren die Energieträger der Wahl, die über Kraftwerke aus der Gründerzeit selbst Sitzungsräume heizten, in denen der Koalitionsausschuss zum Energieausstieg beriet. Der Blackout wurde aber nun zum Glücksfall: Berlin, der Trendstadt, gelang ein Umstieg vom reinen Elektrizitätsverteilungsnetz früherer Tage zum cleveren Energieversorgungsnetz der Zukunft, in dem Wärmedämmung, Elektrofahrzeuge, große Kabelspeicher und neuartige Mikromodulnetzbatterien nach Bauplänen der Grünen Physik Hand in Hand für eine unterbrechungsfreie Stromverfügbarkeit sorgen, die nicht zwingend immer und von jedem zu jeder Zeit genutzt werden muss.