Schon morgens um acht ist es zwölf Grad heiß. Mittags brennt die Sonne, dass das Thermometer bis auf knapp unter 30 Grad steigt und im Fernsehen wird schon die nächste Hitzewelle angekündigt. All die letzten Sommer waren viel zu warm, der eine mehr, der andere noch mehr. Aber diesmal schlägt der Klimawandel alles: Auf ein langes, lange vergessenes kaltes Frühjahr, das die Gasspeicher leerte, folgte eine erste Temperaturexplosion, von der sich die Wetterberichterstattung bisher nicht mehr erholt hat.
Hitzewelle überall
Hitzewelle hier, Hitzewelle da, Hitzewelle jetzt und Hitzewelle morgen. Es ist das Wort der Stunde, ja, der Woche, der letzten Monate. Klimawandel war gestern, die Dürre drohte im vergangenen Jahr, alles menschliche Leben im Land auszulöschen. Diesmal ist "Hitzewelle" die Alarmvokabel, die alles mit gleißendem Brennen überstrahlt. Um 500 Prozent ist die Verwendungshäufigkeit des Begriffes im Vergleich zu früheren Jahren gestiegen. Die waren heiß, rekordheiß sogar. Doch erst im Sommer 2026 machte der Begriff Karriere, der seine erste Erwähnung im "Spiegel" noch einem gleichnamigen US-Spielfilm verdankte.
Damals, im August 1959, war Deutschland ein Kühlschrank. Nie stieg die Thermometersäule über 30 Grad, schon gar nicht auf über 35 wie es seit 1983 zunehmend häufiger geschieht. Die Hitze ist ein Allgemeinzustand, die regierungsamtlich noch vom früheren Gesundheitsminister Karl Lauterbach empfohlenen Schutzmaßnahmen helfen kaum. Bäume pflanzen, Dächer begrünen und klimagerecht bauen - im bekannten Deutschlandtempo umgesetzt, sind das Wege zur Rettung, die um das Jahr 2050 zum Ziel der Klimaanpassung führen werden.
Mehr als in 40 Jahren
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| Das Erwähnungsgap zwischen Hitzewelle und Rekordhitze. |
Vor 1990 nutze "Der Spiegel" den Begriff 65 Mal in 40 Jahren. Bis zum Jahr 2000 weitere 20 Mal. Seit 2005 dann aber beinahe 1.600 Mal. Auf das vergangene Jahr entfielen 208 Anwendungsfälle, etwa das Zweieinhalbfache der Durchschnittsnutzung der vergangenen 20 Jahre. Auf den letzten Monat dann aber sagenhafte 99, 19 mehr als bisher im Schnitt für ein ganzes Jahr gebraucht wurden.
Spiel mit Erwartungshaltungen
"Hitzewelle" ist nach einer Analyse des Ereignissenders Phoenix eine kunstvolle Wortbildung, die geschickt mit Erwartungshaltungen spielt. Das Wort "Welle" in Verbindung mit Hitze schaffe einen "negativen Rahmen" und funktioniere damit als "gut verpacktes Framing", das aus Sommerwetter jeder Art und Ausprägung im Handumdrehen eine Naturkatastrophe mache. Mit der Verwendung von "Welle" spielt die BWHF geschickt auch auf das eng verwandte "Wallung" an. Das damit oft beschriebene spontan empfundene starke körperliche Hitze, verursacht durch eine irritierte Körperchemie oder einen großen Gefühlsaufruhr, entspricht dem Sprudeln und plötzlichen Aufbrausen, als die die Vielzahl der Hitzewellen wahrgenommen wird.
Genauso hatte das die Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin aber auch beabsichtigt. Seit sich die Anführer des Klimaaufstandes der verrückten frühen 20er Jahre des Jahrhunderts in die Unsichtbarkeit ihrer eigenen Echokammern zurückgezogen haben, ist die Hitzewelle das letzte sichtbare Zeichen einer ausweglosen Situation. Habeck im Exil, Baerbock bei UNO, die Ersatzgrünen bei Bluesky. Wer, wenn nicht der Sommer könnte die wie gebannt auf Wirtschaftsmisere, Autoanschläge und weltweites Kriegsgeschehen starrende Bevölkerung noch einmal dafür begeistern, für das Klima zu verzichten?
Keine kurzfristige Hilfe in Sicht
Faktisch kann in nächster Zeit kann nichts getan werden. Klimaanlagen heizen nur auf, Bäume und Begrünung bräuchten zu lange, um schützenden Schatten über ganz Deutschland zu verbreiten. Kühlende Sprühnebelanlagen, wie sie eine Zeit lang gefordert wurden, verbieten sich wegen des grassierenden Wassermangels von selbst. Das Verbrennerverbot und das Tempolimit aber, selbst wenn sie morgen kämen, würden kurzfristig so wenig bewirken wie ein heute angeschobenes AfD-Verbot den Ausgang den nahenden Landtagswahlen beeinflussen könnte.
Mit der "Hitzewelle" als Kampfbegriff, der unabhängig von der gerade herrschenden Temperatur angewendet wird, gelingt es seit Wochen, die fatale Klimalage zu verdeutlichen. Außergewöhnliche Hitzewellen gab es in Deutschland in diesem Jahr eine. Zwischen dem 18. und dem 28. Juni wurde die 40-Grad-Marke in vielen Regionen mehrfach überschritten. Die mediale Verarbeitung aber ist Zulieferungen aus der Wirklichkeit kaum mehr angewiesen: Seit der Erkenntnis, wie dankbar Menschen für Hinweise darauf sind, dass es heiß wird, auch wenn es nur warm zu werden droht, wurden bereits weitere fünf Hitzewellen ausgerufen.
Die Diskrepanz der Darstellung
Die Diskrepanz zwischen Darstellung und Tatsachen wird bei einem Blick auf die Statistik deutlich. Normalerweise müsste die Verwendungshäufigkeit des Wortes "Hitzewelle" direkt korrespondieren mit dem von "Rekordtemperaturen". Letztere sind Urheber ersterer, im aktuellen Bild aber fehlen sie vollkommen. Die Vielzahl der Hitzewellen kommt offenbar und erstaunlicherweise ohne auslösende Rekordtemperaturen aus.
Ein bemerkenswertes, aber nicht ungewöhnliches Phänomen. Beobachter des Krieges in der Ukraine etwa wissen, dass deutsche Medien an der Front traditionell nur tote Russen und kaputte Kremlpanzer zählen. Aus der Israelberichterstattung ist zudem bekannt, dass ein einziges Land im Nahen Osten immer alles falsch macht, weil es jeden der vielen Versuche seiner friedliebenden Nachbarstaaten obstruieren will, Israel zu pazifizieren und zu demokratisieren.
Höhepunkt der Hysterie
Der Judenstaat greift grundsätzlich ebenso grundlos an wie die Hitzewellen in Deutschland ausbrechen, ohne dass es besonders warm ist. Der Höhepunkt der Hitzewellenhysterie war bezeichnenderweise am 3.Juli erreicht worden. Erstmalig erreichte der apokalyptische Aufmerksamkeitsausschlag die vollen 100 Prozent. Der 3. Juli selbst war ein unspektakulärer Sommertag, wie ihn Urlauber in den 80er und 90er Tagen verflucht hätten. Die Höchsttemperaturen in Deutschland lagen nach dem Durchzug einer Kaltfront bei 18 bis 23 Grad in der Nordhälfte und auch nur bei 28 Grad im Südwesten.
Damit lässt sich kein Klimakämpfer mobilisieren, der bereit ist, das globale Klima zu retten. Auch im Wahlkampf hilft kein Durchschnittssommer von früher, die Menschen davon zu überzeugen, dass "Klima Thema bleibt", wie es auf den Plakaten der Grünen heißt, ohne dass weitere Einzelheiten über wo und für wen genannt werden.
Mediale Hitzewellen
Mediale Hitzewellen sind seit kurzem Teil der kritischen Klimainfrastruktur. Ihr aufheizender Effekt an ganz gewöhnlichen Sommertagen erreicht Fernseh- und Magazinpublikum, aber sogar Parks, Friedhöfe, Wälder und Kleingärten: Die böten "messbaren Schutz gegen urbane Hitzeinseln" zitiert der MDR den Klima-Think-Tank "Centre for Econics and Ecosystem Management" aus Eberswalde, der seit dem vergangenen Jahr den "Green-Moist-Cool Index" erstellt. Die Forscherinnen und Forscher vermessen dazu "die Existenz breiterer Wärmelandschaften", sie ermitteln so die Land Surface Temperature und identifizieren so die "grün-feuchten Kühlgebieten der Ökologische Kernheit".
Es geht um Stadtgrün, um die Absorbierung "großer Mengen Kohlenstoff" und die Verringerung "städtischer CO₂-Emissionen" bis zum nächsten Winter, aber insgesamt vor allem um "sozialökologische Systeme, die ein "ökosystembasiertes Wirtschaften menschenzentriert" möglich machen. Die Hitze, sie kommt und geht, im Gegensatz zu den verpönten Klimaanlagen aber bleiben Mulchen, Sonnenschirm und Blumenwiese in jedem Sonnensturm erhalten.
Ablösung für die Tropennächte
Was früher die Tropennächte waren, die immer häufiger wurden, bis nicht mehr genügend neue nachgeliefert wurden, weil sich die Zahl im Vergleich zu 2018 halbierte, sind heute die Hitzewellen. Als nachrichtgewordene Klimamahnung haben sie die "besondere Form der Sommerhitze" (DPA) abgelöst. Unentwegt werden "Rekorde geknackt" und Hitzetote gezählt, die "Temperaturen werden extrem" (Tagesschau) und der nächste "Hitzepeak" (MDR) ist immer der höchste.
Kombiniert mit Waldbränden, Wassermangel und der Angst vieler Älterer davor, bei schlechter Führung in eins der aus Klimaschutzgründen nicht klimatisierten deutschen Krankenhäuser eingeliefert zu werden, ergibt das eine Atmosphäre, in der kein Schweißtropfen sicher ist. "Die Zeit" aus Hamburg fragt verzagt "Bricht in Europa ein Feuerzeitalter an?", das Redaktionsnetzwerk Deutschland sieht hinter den Feuerwolken schon die nächste Bedrohung heranziehen: "Gewitter", wie einst Schwerewaffen nur als zusammengesetztes Substantiv "Schweregewitter" zur Nutzung freigegeben, ziehen auf, samt Donner, Sturm und, Klassiker, "Starkregen". Der inzwischen auch als "extremer Starkregen" angeboten wird.
Die Hitzewellen sind momentan noch selten extrem, diese letzte Patrone bleibt noch im Lauf. Die Klimainzidenz aber steigt, die Erhitzungsketten haben schon vor geraumer Zeit das Ende der im RGB-Farbraum darstellbaren Schrecken erreicht. "Was erwartet uns heute", fragt die "Tagesschau"-Sprecherin einen Vertreter des Robert-Koch-Institutes, als könne er gleich ihr Todesurteil verkünden. Tim Staeger aber hat noch schlimmere Nachrichten dabei: Die Temperatur steige wohl auf 40 Grad am Oberrhein, anderswo im Norden auch 35, also "sehr heiß". Und als wäre das nicht schlimm genug, folgen danach eine Kaltfront und ein Sturmfeld. Schweregewitter, Sturmböen, Orkanböen, "hängt alles ein bisschen mit dem Klimawandel zusammen".
Nee, nun, naja, klar. Und wie viele sterben da nun? Wegen der Hitzewellen, nach der Zählung des Robert-Koch-Institutes vielleicht zwei, vielleicht drei, früher als früher auch heißer, aber mehr eigentlich nicht. Dass "durch Hitzewelle und Wind" Brände ausbrechen, war damals unüblich. Dass Hitzetote gezählt wurden, obwohl "Hitze" selten als direkte Todesursache auf dem Totenschein eingetragen wird, war vor 30 Jahren auch noch keine gewohnte Übung. Der anschließend für Jahrzehnte unübertroffene Hitzerekord von 40,2 °C im Juli 1983 ging ebenso ohne Hitzewellen-Schlagzeilenwelle vorüber wie die heißen Sommer von 1992 und 1994.

