Dienstag, 20. April 2021

HFC: Ein viel zu kurzer Glücksmoment

Manu machts, aber es reicht nicht.

Erlösung so nah, und dann doch nicht. Nach 15 Minuten im Spiel gegen den Favoriten aus dem kleinen nordwestdeutschen Dorf Verl glückt dem Halleschen FC ein richtiger Spielzug: Terrence Boyd auf Braydon Manu. Manu fast zentral vorm Tor. Die Winterleihgabe aus Darmstadt, bis dahin schon einer der Auffälligen im rot-weißen Dress, zieht aus knapp 20 Metern ab. Und trifft ins lange Eck.

So viel Jubel, so kurz.
Erlösung so greifbar. Erleichterung, Glücksmomente, frühe Führung, Klassenerhalt! Wer HFC-Fan ist, kennt das alles gar nicht mehr, jedenfalls nicht in einer 15. Minute. Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Uerdingen im letztes Heimspiel und den danach gegen Viktoria Köln beinahe ohne Gegenwehr weggeschenkten Punkten im Auswärtsspiel am Rhein präsentiert Trainer Florian Schnorrenberg seine Mannschaft wiedereinmal weitgehend umgebaut. Vier Neue in der Startelf, Dauerbrenner Sören Reddemann aus der Innenverteidigung raus, dafür Jannes Vollert rein, auch links und rechts in der schlechtesten Abwehr der Liga mit Lukas Boeder und Niclas Landgraf zwei neue Leute.  

Anfangs sieht das aus wie ein Erfolgsrezept. Verl, die torgefährlichste Elf der Liga, kommt in den ersten 20 Minuten kaum zum Zuge. Der HFC dominiert, zumindest zart. Die Abwehr soll erstmal stehen, bloß nicht wieder ein frühes Gegentor fangen und damit auf die steile Schräge zur nächsten Niederlage rutschen. Der Plan geht auf, denn gegen Ende der ersten Halbzeit wird Verl zwar stärker, doch zwingender ist es nicht, was die Gäste bieten. Der HFC kämpft, er verteidigt, er wirft rein, was er hat.

Zur Halbzeit riecht alles nach Happy End. Die drei Punkte heute würden das rettende Ufer bis auf drei Punkte näherrücken lassen. Die dann gegen Mannheim, Türkgücü oder - letzter Ausweg - Ende Mai im Auswärtsspiel bei Bayern München II geholt werden könnten. Und müssten.

Aber. Es kommt dann doch wieder anders. So aufopferungsvoll sich Antonius Papadopulous, Landgraf und sogar Torschütze Manu in die immer drängenderen Angriffe der schwarzgekleideten Gäste werfen, so verzweifelter wirkt die Hoffnung darauf, diesmal ohne die üblichen Gegentreffer davonzukommen. Alles schmeckt, alles riecht, alles ruft nach einem Torerfolg des SVV. Bis zur 72. Minute hält das Bollwerk, das die Hallenser errichtet haben, ein mit viel Laufaufwand betriebenes Gebilde, das selbst die beiden vordersten Spieler Terrence Boyd und Michael Eberwein nicht vor Abwehraufgaben verschont.

Doch dann passiert es eben doch, und ärgerlicherweise nach einem ruhenden Ball. Einmal hat Schiedsrichter Lukas Benen seine lockere Linie verlassen, unter der bis dahin vor allem Braydon Manun mehrfach zu leiden hatte. Es ist eine Situation, aus der in neun von zehn >Fällen gar nicht passiert, im Falle des HFC als freistoßausführender Mannschaft sogar in zehn von zehn. Aber jetzt zirkelt Rabihic den Ball quer in den Strafraum, drei Verler laufen ein, irgendwo hinter ihnen betrachten die HFC-Verteidiger die Hinterköpfe der Anstürmenden. Und Verteidiger Stöckner, der in der Mitte läuft, stößt den Ball per Kopf über die Linie.

Wie gewonnen, so zerronnen. Das Nervenkostüm der Gastgeber hält diesmal immerhin insofern, dass nicht wieder alles sofort komplett zusammenbricht. Dass es dazu aber nicht kommt, liegt vor allem an den Gästen, die zwar wollen würden, aber in der Endkonsequenz immer wieder an einem Bein (Vucur), einem Stück glitschigem Rasen oder Sven Müller im HFC-Tor scheitern.

Richtung Verler Tor passiert aber so gut wie gar nichts mehr, abgesehen von einem verblüffenden Flankenlauf von Terrence Boyd, der präzise vors Tor flankt, den dort in Mittelstürmerposition gelaufenen Braydon Manu aber nicht findet, weil nun ein Verler Bein dazwischengräscht. Irgendwann um die 85. Minute einigen sich beide Mannschaften, dass der Spatz in der Hand allemal besser ist als die Taube auf dem Dach. Jetzt müssten schon ein Wunder auf der einen und ein unentschuldbarer Klops auf der anderen Seite zusammentreffen, das Ergebnis zu verändern.

Passiert aber nicht. Mit dem Abpfiff sind es dann noch fünf offene Begegnungen, aus denen sechs Punkte her müssen. Nach dem Verlauf der Rückrunde ist der HFC ein Absteiger. Das war er aber in der vergangenen Saison zum selben Zeitpunkt noch viel mehr. Von den letzten fünf Spielen wurde damals nur eins verloren. Viel mehr als die Hoffnung auf eine Wiederholung dieses Wunders bleibt nicht.

Laschets Welle des Wohlgefühls: Der Reserveheld

Autocorso, Hupkonzerte, spontane Bäder in öffentlichen Brunnen, Küsse für Wildfremde vor lauter Glück, obwohl die aktuellen Distanzregeln es eigentlich verbieten. Doch als tief in dieser Berliner Nacht, am dunklen Morgen eines historisch bedeutsamen Datums,  die ersten Nachrichten aus dem Konrad-Adenauer-Haus dringen, in dem der allmächtige CDU-Vorstand als Katastrophenstab in Permanenz tagt, machen sich Erleichterung und Freude großer Teile der Bevölkerung auf nicht ganz legale Weise Luft.

Jetzt, wo sich zu verdichten schien, dass es der kleine Armin Laschet aus dem Rheinland, der ewig unterschätzte Notnagel mit dem Charisma eines Hausschuhs und der Redeweise eines Roboters, gegen alle Unkenrufe seiner zahlreichen Feinde geschafft hat, seinen fränkischen Widersacher Markus Söder aus dem Feld schlagen zu lassen, dämmert ein neuer Tag für Deutschland, ein neuer Tag für EUropa, ja, für die Welt herauf.  

Es ist nur Platz 1 der CDU-Liste zur Bundestagswahl, aber er bedeutet so viel. Obwohl der Status des "Kanzlerkandidaten" ein bloß virtueller ist, ebenso fest rechtlich bindend wie der des sogenannten EU-Spitzenkandidaten bei der regelmäßigen EU-Abstimmung, gilt Laschets Sieg im einzigen CDU-Gremium, in dem er gewisse Chancen hatte, eine Mehrheit zu bekommen, als wegweisend. Mit der Zustimmung von 31 der 40 Vorstandsmitglieder im Rücken kann der Taktiker aus Aachen, einst selbst erster Integrationsminister der Welt, nun seine wahre Stärke ausspielen: Warten, Geduldigsein, den rechten Moment abpassen, um von der Schwäche seiner Kontrahenten zu profitieren.

Die Geduld eines Treibjägers

Es ist dies, was Armin Laschet schon immer am besten konnte: Warten, bis die Konkurrenz vor Schwäche das Spielfeld verlässt. Unterschätzt und übersehen, scheiterte er einst bereits im ersten Anlauf beim Versuch, Chef der CDU in seinem Heimatland Nordrhein-Westfalen zu werden. Es siegte damals Norbert Röttgen, ein quicker wirkender, egozentrischer, lauter und einige Jahre jüngerer Günstling der Kanzlerin. Laschet, der in einem Politthriller allenfalls aus treuer Sekretär des Präsidenten besetzt werden würde, war Ende 40 und scheinbar schon am Ende seines Lateins. Doch ausgerechnet seine Rolle als Reserveheld verhalf ihm verspätet doch noch in den Sattel: Röttgen verlor erst die Landtagswahl 2012. Dann die Gunst der Kanzlerin. Und schließlich seinen Posten als Landesvorsitzender.

Wie Kai aus der Kiste erschien der geschlagene, gedemütigte und schon fest vergessene Armin Laschet wieder auf der Bühne: Als Teil einer „Doppelspitze“ mit CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann scheute er nicht davor zurück, für die ersehnte Aussicht auf die ganze Macht erstmal im Knien zu regieren. Schließlich erlöste ihn seine Schutzpatronin Angela Merkel und holte Laumann als „Patientenbeauftragte“ der Bundesregierung nach Berlin. 

Er kann im Knien regieren

Laschet, vom Typus her ein stets lauwarm und betrübt wirkender Charakter wie der frühere SPD-Gottkanzler Martin Schulz, war angelangt, wo er immer hingewollt hatte: Im Wartezimmer zur großen Macht, wo Gelegenheit Ministerpräsidenten macht. 2017 hatte die sozialdemokratische Regierung von Ministerpräsidenten Hannelore Kraft abgewirtschaftet. Nicht einmal mehr der Erfolgsslogan "SPD ist Currywurst" half. Laschet führte seine CDU zum zweitschlechtesten Ergebnis aller Zeiten. Doch die malade deutsche Sozialdemokratie war noch schlechter, denn sie holte weniger Stimmen als bei allen anderen Landtagswahlen zuvor.

Ein Triumph Marke Laschet. Fast Schlechtester sein, Beliebtheitswerte wie Strandurlaub in Wanne-Eickel und am Ende doch der Platz in der Staatskanzlei. So ist der Plan auch für die Bundestagswahl. Mögen doch den Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Annalena Baerbock die Herzen aller Medienarbeiter zufliegen. Mögen doch die Umfragen den bayrischen Konkurrenten weit vorn sehen in der Beliebtheit bei der Parteibasis und den Wählern. Und mögen auch besorgte Stimmen warnen, dass ein Kandidat Laschet als Alternative zu einer Kandidatin Baerbock im ganzen Osten wirken wird wie das Angebot, sich für Pest oder Cholera zu entscheiden.

Die Lage ist besser als die Zahlen

Armin Laschet weiß es besser. Ohne Spitzenkandidaten, mit dem Desaster der Impfkampagne, der Belastung durch die Korruptionsaffären und der selbst von den Bundesfördermedien kaum noch geleugnenden chaotischen Pandemiepolitik der Großen Koalition im Rücken sind immer noch um die 28 Prozent der Deutschen überzeugt, dass die Union das Land am besten zu führen weiß. Selbst mit ihm als Spitzenkandidaten wären es wohl nur zwei, drei Prozent weniger - und immer noch knapp mehr als die Grünen derzeit abbekommen würden. 

Es wird aber nicht jetzt gewählt, sondern am Ende eines langen Impfsommers, wenn selbst Deutschland den größten Teil aller Menschen immunisiert haben wird, die den Bundespiks gern haben würden. Die dritte Welle, im Moment schon kaum mächtig genug, noch einmal ein neues Infektionsschutzgesetz gegen die Grundrechte in Stellung zu bringen, wird dann eine langsam verblassende Erinnerung sein, überstrahlt von ersten, ungeheuer erleichternden Urlaubserinnerungen, Begegnungen im Biergarten und dem freudigen Gefühl, das ganz normale Leben kehre langsam zurück.

Geheimwaffe Wohlgefühl

Laschet wird sich von dieser Welle des Wohlgefühls ins Ziel tragen lassen. Holt er vom Minuswert aller Umfragen mit Hilfe des neuen Bundeserleichterungsgefühls im Spätsommer zwei, drei oder gar fünf Prozent auf, landet die Union im September bei knapp über 30 Prozent der Stimmen. Die Grünen mögen dann 22 holen oder 24 oder 27 oder selbst 29 - es ist egal. Den Kanzler stellt die stärkste Partei und das wird Laschets Plänen zufolge eben doch wieder die Union sein. Schwarz-Grün, das erste Mal, und selbst Annalena Baerbock wird froh sein, nicht die Regierungschefin werden zu müssen, die als "grüne Zauberin" (FAZ) wirklich einen Neuanfang samt Neuaufbau und Neustart in einem Land realisieren muss, das nach anderthalb Jahrzehnten Angela Merkel nur noch von der Ilussion lebt, wichtig, bedeutsam und erfolgreich zu sein.

Nun, Armin Laschet wird das auch nicht vollbringen. Doch von ihm erwartet es auch niemand.

Schwarze Schatten: So geht es weiter im Königsdrama

In der Impro-Show "Schwarze Schatten" steht das Finale kurz zuvor.

Die Impro-Show „Schwarze Schatten“ gehört zu den meistgeschauten Telenovelas im deutschen Fernsehen. Regulär strahlt das Erste von Montag bis Sonntag mindestens eine neue Folge aus. Wie es in den nächsten Tagen weitergeht, lesen Sie hier. 

Seit mehr als zwölf Monaten läuft „Pandemie" als Kassenknüller und Bewegungstherapie für das politische Berlin, zuletzt sogar so erfolgreich, das die klassischen Dramen in der Union fast vollkommen aus dem Blick gerieten. Ganz kurzfristig aber rückte das Großdrama "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" dann aber doch wieder in den Blickpunkt: "Schwarze Schlachten" begleitet Markus Söder und Armin Laschet in der Rolle von CSU- und CDU-Vorsitzendem auf der Jagd nach dem Erbe der großen Angela Merkel, nun oft sogar schon im Nachmittagsprogramm des Ersten, aber parallel auch im Ereignisfernsehen und bei "Tagesschau24".

Mit konstanten Zuschauerzahlen , kantigen Kerlen und großen Gefühlen gehört die Serie zu den erfolgreichsten deutschen Telenovelas. Wie es typisch für schnell und oft ohne fertiges Drehbuch verfertigte Serien diesen Formats sind auch bei „Schwarze Schlachten” Beziehungsgeschichten der Protagonisten Hauptbestandteil der Handlung. Wer wen, wer mit wem gegen wen, welche schmutzigen Tricks benutzt der eine, wie kann der andere kontern oder gar gegen jede Wahrscheinlichkeit gewinnen?

Wie geht es in den nächsten Folgen von „Schwarze Schlachten” weiter ist deshalb eine Frage, um deren Beantwortung eine ganze Branche kümmert. PPQ.li liefert die tagesaktuelle Vorschau für alle Ränke, Rankünen und Racheintrigien - damit bleiben Sie immer im Bilde. 

Showdown in der CDU-Zentrale, wiedermal. Armin Laschet hatte gestern noch einma zum letzten Gefecht gerufen, die Reihen sollten geschlossen, der Feind entmutigt werden. Heile Welt in Berlin, das war der Plan, dann aber geriet alles außer Kontrolle. Stimmen gegen den Prätententen, Putschgerüchte, der Abfall der Jungen Union.

Ein Neustart, wie ihn die Grünen gerade so begeisternd hingelegt haben, ist auch in Folge 318 nicht zu erwarten. Bei Laschets daheim hat die Ehefrau das Bangen übernommen, der Gatte in der Hauptstadt fightet noch verzweifelt um das Familienglück. Wenigstens sind die Kinder schon aus dem Haus, das wiederum ist abbezahlt. Wer regiert eigentlich NRW, fragt ein Hinterbänkler provokant. Der Schaden ist groß. Fernmündlich kommt es darüber zum offenen Streit zwischen Laschet und Söder, Letzterer will nicht nachgeben. Der Osten rufe ihn, behauptet er.

Armin Laschet ist schockiert. So war das nicht vereinbart zwischen den Partnern. Söder aber freut sich sogar darüber, er spielt hier den Buffo, der die Regeln bricht. Frau Laschet beschließt, die Situation offensiv anzunehmen. Frau Söder ärgert sich zwar, dass die Gegnerin schneller war, erwägt aber nun auch eine eigene Kandidatur. Was Frau Schröder kann, vertraut sie einer Nachbarin an, kann Frau Söder schon lange. Die blonde Unternehmerin glaubt, den künftigen Bundeskanzler im Griff zu haben, würde aber im Notfall auch mit nach Berlin ziehen.

Bei Laschets dagegen hängt der Haussegen schief. Du machst dich kaputt, warnt Susanne Laschet ihren Liebsten. Sie ist erstaunt, dass sie nicht früher eingegriffen hat. Schon die Idee mit dem Parteivorsitz sei blöd gewesen, sagt sie am Telefon. Ausgerechnet dieses arrogante Verhalten trifft den unerschütterlichen Armin tief, hilft ihm aber auch. Er redet sich ein, dass Söder ihm nicht mehr gefährlich werden kann, wenn er diese Standpauke unbeschadet übersteht. Auf dem Flur kommen die beiden sich bei einem eher unverfänglichen Gespräch über die Schönheit der kanadischen Wildnis plötzlich unerwartet nah.

Später kommt es zum Bruch: Ich ziehe jedenfalls nicht zurück, sagen sich die beiden Platzhirsche ins Gesicht, erstmals seit Folge 1. Man hat sich auf die Toilette zurückgezogen, die nun von Berichterstattern aller Art belagert wird. Die Journalisten können der gegenseitigen Anziehung nicht mehr widerstehen, Abstandsregeln bröckeln, Masken fallen im Gedränge. Es ist wie beim CDU-Parteitag. Söder, der das WC als Erster verlässt, fasst es nicht. Laschet weigert sich, out of the closet zu kommen, wie es in Übersee heißt. 

Jetzt geht es um Abstandszahlungen, um Schadensausgleich und Entschädigung. Angela Merkel (als Gast) will vermitteln, aber die beiden Streithähne bleiben trotzig. Söder begreift, dass Laschet es nicht böse meint. Laschet erkennt, dass Merkel ihn mit dem Parteichef-Posten geködert hat und nun weitere Unterstützung verweigert. Er merkt, wie sehr Susanne unter seinem Zwist mit der Partei leidet. Er gibt sich einen Ruck und bittet Reiner Haseloff, einen der Abtrünnigen, den Rosenkrieg zu beenden. 

Zu seiner Überraschung lehnt Söder ab, ihm den Vortritt zu überlassen - unter einer Bedingung: Er soll zusagen, ihm den Posten des Kandidaten öffentlich anzutragen. Im Flur kommen sich Heute-Show und Tagesthemen bei einem eher unverfänglichen Gespräch plötzlich unerwartet nah. Es geht um  Emotionen, um Sendezeiten und technische Details der Lichtgestaltung. Während Armin Laschet sich am Telefon rührend um die ungeduldige Susanne daheim in Düsseldorf kümmert, fällt es der immer schwerer, ihre durcheinander gewirbelten Gefühle zu verbergen. Sie zweifelt an ihrem Mann, sie fühlt sich zu Markus Söder hingezogen.Verzweifelt gesteht sie Mona, einer Nachbarin, die sich in der SPD engagiert, das sie nicht mehr weiter weiß, denn sie mag doch beide, den Rheinländer und den Franken.

Was ist mit Russland, was ist mit der Ukraine, was mit der Pandemie? Osterruhe auf allen Feldern, so lange ersehnt und nun viel zu spät. Peter Altmeier, der Berg genannt, wartet auf Vorschläge der Wissenschaft. Annegret Kramp-Karrenbauer fürchtet, dass Annalena Baerbock ihr im Amt nachfolgen könnte und sie dann auch nach Brüssel muss. Aber Laschet kämpft, er knickt nicht ein, sondern bietet Markus Söder das Bundesverdienstkreuz an. Der bekommt die großzügige Geste allerdings in den falschen Hals.

Nun braucht Armin Laschet neue, starke Verbündete. Könnte Joe Biden den Weißen Ritter geben? Wäre der Amerikaner dazu bereit? Heiko Maas von der SPD soll seine Fühler ausstrecken. Ist das der Bündnisfall? Doch Maas ist misstrauisch. Susanne Laschet lädt zum Kaffee ein und  macht ihm klar, dass es um Deutschland, Europa und die Welt geht und Widerstand ihn den Job kosten könnte, würde Söder gewinnen oder auch ihr Mann. Als Gerüchte über das geheime Treffen geleakt werden, weckt das in der CSU erneut den Kampfgeist der Partei. Söder zeigt gekonnt Verständnis für die Zerrissenheit der CDU. Dennoch führt er seinen Kampf um die Kanzlerkandidatur weiter. In der CDU tobt ein Loyalitätskonflikt, der prompt publik wird: Verunsichert über neue Wahlumfragen, stellen 34 Abgeordnete im ARD-Morgenmagazin den gesamten Entscheidungsprozess infrage.

Nun kann nur noch Ursula von der Leyen helfen, die große alte Dame der CDU, die von Brüssel aus beunruhigt verfolgt hat, wie nach der Impfkampagne auch noch die Wahlkampagne in die Hosen zu gehen droht. Von der Leyen beschließt, eine Intrige zu starten und Söder wegen seiner Russland-Verbindungen als schlechten EUropäer zu brandmarken, um ihn aus dem Rennen zu vergraulen. Eine Umfrage im Auftrag von RTL zeigt, dass das dazu führt, dass Söder auch die restlichen Herzen zufliegen, zumindest in Brandenburg. 

Laschet steht jetzt unter Versöhnungsdruck, doch der vom Balkon des Konrad-Adenauer-Hauses ausgerufene Burgfrieden wirkt verkrampft. Söder triumphiert heimlich, die ARD bereitet einen Brennpunkt mit dem Titel "Die Krönung" vor. Auf Nachfrage aus der Unionsfraktion stellt sich jedoch heraus, dass es um eine Baerbock-Porträt gehen soll. Laschets Strategie, Söder auszubooten, ist gescheitert. Söders Vorhaben, Laschet zu vergraulen, funktioniert nicht. 

Die einzige Verbündete beider Männer ist nun Wolfgang Schäuble, der Letzte aus der großen Zeit der Union als Volkspartei, dessen Vision von der eigenen Kanzlerschaft durch Unwägbarkeiten der Geschichte zerstört wurde. Der große alte Mann der Konservativen lehnt zuerst ab, als die beiden mit den Geweihen unlösbar verhakten jungen Wilden der Union zu ihm kommen. Dann aber stimmt er doch zu: Als Kompromisskandidat werde er für die beiden Schwesterparteien in die Bütt gehen. Schließlich sei Joe Biden nur knappe zwei Monate jünger.

Montag, 19. April 2021

Es wird: Eine Indianerhäuptlingin

Segnungstanz der Chihuahua zur Feier der Kandidatinnenentscheidung.

Hurra, es ist eine Indianerhäuptlingin! Während die Kesselflicker in der Union noch streiten, wer nicht Kanzler werden soll, haben die Grünen bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Im püblichen basisdemokratischen Wahlverfahren einigten sich Annalena Habock und Robert Baerbeck auf eine hadrianische Teilung. Dieses vom römischen Kaiser Hadrian (67–138) entwickelte Verfahren wird angewendet, wenn eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen wird. Niemand aber bekommt es dann ganz: Zur Hälfte steht der Preis dem Entdecker zu, die andere Hälfte aber bekommt, wer die Entdeckung ermöglicht hat, indem er selbst nicht zugriff. 

Von der Bewegungspartei ins Bundeskanzleramt

Habock wird also nun Außenminister, Baerbeck hingegen als erste Grüne "überhaupt" (DPA) Kanzlerinnenkandidatin und später, nach der Bundestagswahl, je nach ihren eigenen Wünschen Umwelt-, Innen- oder aber Justizministerin. Denn formell Indianerhäuptlingin darf sie nach den erst kürzlich festgeschriebenen Sprachvorschriften der früheren "Bewegungspartei" (Alexander Gauland) nicht werden.

Wenn es rechts schon hakt, wo die Mitte ist, geht wenigstens links der rechten Mitte alles seinen sozialistischen Gang. Kleiner Kaderparteitag, coronakonform, zwei Mann, einer davon eine Frau. Quote stimmt. Kaffee oder Tee, Brust oder Keule, vegan auf Wunsch. Weißer Rauch. Wir sind Kandidat! In der Republik der Quereinsteiger aus dem Parteiapparat hat das Stühlerücken schon begonnen, das noch jeder Abenddämmerung einer Koalition den goldenen Schein eines verdienten Ruhestandes verlieh. 

Im Namen der Altforderen

Wer kennt heute noch die Namen der Altvorderen, der Ditfurth, Trampert, Fischer, Trittin und Özdemir, der Roth und Künast, Vollmer und Kelly. Letzterer sei in einem Film mal von Mick Jagger gespielt worden, raunt der Funktionärsnachwuchs sich auf den Fluren des Heinrich-Böll-Hauses zu. Distinktion, im Bionadeadel das Blut, das in allen Familienmitgliedern fließt. Annalena Baerbock verkörpert das Wissen und das Nicht-Wissen dieses Milieus zugleich: Die Frau, die es nun macht, ist niemals einer Erwerbstätigkeit im Wortsinne nachgegangen, sie kommt aus dem Off der Realität, in der die meisten Teile der Bevölkerung leben müssen. 

Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sie heute schon im Gespräch mit den Putins, Erdogans, den Bidens und Macrons vor sich zu sehen. Annalena Baerbock wird die Spielregeln auswendig gelernt haben, um nur ja keinen Fehler zu machen. Ihre Gegenüber hingegen werden wissen, wo die Lücken sind, wo die Regeln deutbar werden und die wichtigen Punkte zu machen sind. Es wird unnötig sein, Karten aus zuteilen, weil wie bei der Impfstoffbestellung der EU schon vorher klar ist, wer gewinnt.  

In eine gute Zukunft

Das "Land in eine gute Zukunft führen" will Baerbock, sie will investieren in "sozialen Zusammenhalt, in digitale Verwaltung und ein schnelles Internet", ein neues Modell politischer Führung, ein Platzpatronenfeuer aus edelsten Worthülsen: Zuhören und Zutrauen, Neuanfang und Neugründung, Klimaschutz und Gerechtigkeit, Gestalten, Umbauen, Zusammen und Gemeinsam, "nicht nur Robert Habeck und ich und nicht nur wir als eine Gesellschaft, die so viel weiter ist als die Politik" (Baerbock). Gemeinsam habe man "in kürzester Zeit einen Impfstoff entwickelt", sagt Baerbock, die nach diesem Vorbild der Zusammenarbeit zwischen grünem Vorstand und Biontech in der Laborarbeit die gesamte "Zukunft gestalten" will.

Es folgen elegische Bilder von Eisbären und Windrädern. Robert Habeck, der sagt, er werde sich "nun noch mehr einbringen", nickt bedeutsam. Eine Sonnenblume wird eingeblendet. Die Welt, sie hat nicht vergebens gewartet. Mit diesen Bildern zieht die neue Zeit.

Im Bundeshausarrest: Angriff auf die Freizeit


 
Mit einem Maximum an Einmischung und einem Minimum an Sachkenntnis zu einem Minimum an Sicherheit - seit einem Jahr verfolgt die Politik im Lande eine klare Strategie, wenn auch zumeist, ohne es selbst zu wissen. War nicht gerade noch vor allem die Frage zu lösen, ob der Sozialismus im nächsten Anlauf endlich richtig funktionieren würde? Ob Friedrich Laschet, Jens Merz oder Armin Spahn Deutschland in die nächste Ära goldenen Lichts führen würde? Und ob der Abstand zwischen neuen Windkraftanlagen künftig bundesweit 1000 Meter betragen oder besser jedes einzelne Bundesland besser in tausend Metern Abstand vom nächsten liegen sollte?
 

Zehn Millionen jede Woche

Ein Jahr, nachdem das Virus aus dem Osten wie einst die Finanzkrise aus dem Westen kam, sind nur zwei Fragen offen: Baerbeck oder Habock? Söder oder Laschet? Ausgangssperren oder Hausarrest bis zur Durchimpfung? Im Sommer schon könnte es soweit sein, das hat der bereits feststehende Spitzenkandidat der deutschen Sozialdemokratie gerade für "denkbar" erklärt. Und wer sollte es besser wissen als er, der schließlich schon vor Wochen dafür gesorgt hat, dass Deutschland immer fixer spritzt: Zehn Millionen Impfungen pro Woche, dafür hat Olaf Scholz selbst gesorgt. Nur etwas mehr als sechs Millionen pro Woche fehlen noch zum Ziel, drei Wochen nach dem Stichtag.

Jetzt muss die Unionsfraktion handeln. Wenn die Grünen heute Annalena Baerbock auf den Schild heben und die Grüne Physik aus Gebeten und Gottvertrauen zur Staatsdoktrin machen, können CDU und CSU nicht länger zuwarten. Eine Entscheidung über die Kanzlerschaft tut dringend not, denn die Zeit ist stehengeblieben, seit dem Virus die Brutzeit gewährt wurde, die es brauchte, um vom punktuellen Ereignis zur Gesamtschadenkatastrophe aufrücken zu können. Lieber zu spät als gleich, dann aber so heftig wie möglich, statt mit kühler Vernunft. 

Bundesvirusbremse und Bundeshausarrest

Durchgreifen, nachschärfen, bedrohliche Freiheitsrechte einschränken. Aus Bundesvirusbremse und  Bundeshausarrest entsteht die Brücke in Olaf Scholzens Biergartensommer. Wer jetzt keinen Hund hat, darf nicht mehr aus dem Haus, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird den Alleen hinterhertrauern und unruhig wandern in den eigenen vier Wänden, bis die Blätter treiben. 

Monate schon hat die Kanzlerin keine Fernsehansprache mehr gehalten, Wochen schon war sie nicht mehr bei Anne Will. Zeitenwende in der CDU und wenn die Abstimmung in der Fraktion nicht klappt, muss sie rückgängig gemacht werden. Eine Chefetage auf Urlaub von der Wirklichkeit, dem alles gelingt, was schiefgehen kann. Zehnmal so hoch wie impfnationalistischen Großbritannien sind die Infektionszahlen derzeit, doppelt so hoch wie in Spanien und ein Viertel höher als in Italien. Es wird eng, aber bis zum Biergartensommer könnte Deutschland Spanien, vielleicht sogar auch Italien überholt haben, ohne das ein einziger Cent des epochalen Rettungspaketes der EU geflossen ist.

Warten auf die nächste Generation

Geld, das Europa klug investieren wolle, wie es anfangs hieß: in Digitalisierung, Klimaschutz, den Ausbau der Gesundheitssysteme, Forschung und Entwicklung, Straßen, Brücken, neue Forschungsinstitute. Ein Aufbauplan namens „NextGenerationEU“, offiziell das "Größte Konjunkturpaket aller Zeiten".  Der "letzte Schritt" (EU)  zur Umsetzung ist seit vier Monaten getan. Nun muss nur noch diese "nächste Generation" geboren werden, um mit der Umsetzung zu beginnen und ein "grüneres, stärker digital ausgerichtetes und krisenfesteres Europa" auf den Trümmern der pandemieverheerten Gemeinschaft zu errichten.

Die Weltkatastrophe entpuppt sich als Glücksfall. Weniger Tote als im schlimmsten Fall erwartet, mehr Impfstoffe in kürzerer Zeit als erhofft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, einer der Glücklichen, an denen die Infektion "mehr oder weniger vorbei" (Spahn) ging wie an einem ganz normalen Fußball- oder Fernsehprofi, hat sich zuletzt aus dem Streit um die richtige Richtung der Pandemiepolitik zurückgezogen. Sowohlalsauch als stabile Linie zwischen dem Zick und dem Zack von Öffnung und Verschärfung, rein und raus und auf und nieder.

Ein warmes Gefühl der Sehnsucht

Wer erinnert sich da nicht mit einem warmen Gefühl der Sehnsucht nach den guten alten Zeiten der Pandemie an die großen "Spiegel"-Reportagen der Frühzeit der Krise? An den unsterblichen Satz "Wir haben viel mehr Angst vor der AfD als vor dem Virus" und den titanischen Kampf gegen Toilettenpapierhamsterer, die der Regierung nicht zutrauten, die Novemberhilfen pünktlich auszuzahlen? Zwölf Monate später kann der Blick nur nach vorn gehen, wenn ein Lichtlein am Horizont ausgemacht werden soll, bei dem es sich nicht um die klimaschädliche Wachskerze des Bundespräsidenten handelt.. Man muss die Menschen mitnehmen, ihnen einfach mal erklären, was sie zu denken und zu tun haben. Für den anstehenden Kampf gegen den Klimawandel sei aus Corona zu lernen: "Leute müssen verstehen, warum sie sich in bestimmten Bereichen einschränken sollen, aber auch verstehen, dass es irgendwo hinführt und tatsächlich zur Lösung des Problems beiträgt."

 

Falls Sie eigene Beobachtungen oder Informationen zu Vorgängen im Zusammenhang mit der Corona-Krise, der Lage in Krankenhäusern, bei Behörden, in Firmen, Ämtern oder irgendwo sonst haben, von denen die Welt wissen sollte, schreiben Sie uns: Mail an PPQ

Sonntag, 18. April 2021

Zitate zur Zeit: Wahrheit oder Ziel

Er beneidete Menschen, die ohne Hintergedanken offen und ehrlich sein konnten. 

Er war Politiker, ja, und jeder in seinem Beruf handelte nach der unausgesprochenen Regel: Die Wahrheit mochte vorzuziehen sein, stand aber bedeutungslos hinter dem Ziel, das man verfolgte. 

G. Michael Hopf, Der lange Weg

KO in der Gruppenphase: Notbremse gegen Zusammenrottungen

Menschen in Gruppen, nie waren sie so gefährlich wie heute.

Du darfst ihnen nicht trauen, niemals, keinen Meter weit und schon gar nicht, wenn du sie nicht sehen kannst. Sie machen, was sie wollen, sie tun im Grunde genommen sogar am liebsten, was sie nicht sollen. Als Lenin vor vielen, vielen Jahren sagte, Vertrauen sei gut, Kontrolle aber besser, beschrieb er eine Grundlehre, die jeder lernen muss, der es "mit einem größeren Haufen Volks" zu tun hat, wie es  Friedrich der Große formuliert hat. Hier hilft nur bedingungsloses Durchgreifen, immer wieder Nachsetzen, keine Luft lassen, die Kandare eng ziehen und die Peitsche schwingen, wie es das „Vierte Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ nun vorsieht.

Der Staat als Schäfer und Hütehund

Wie kein Schäfer und kein Hütehund sich auf die Vernunft der Schafe verlassen kann, so kann auch kein Regierender es ins Ermessen seiner Schutzbefohlenen geben, wie sie ihr Leben leben wollen. "Es ist nicht unser Ziel, in private Wohnungen zu gucken, aber auf dem Weg dahin kann ich Menschen erwischen", hat  Thomas Kutschaty, der SPD-Landeschef von NRW, gerade begründet, warum eine nächtliche Ausgangssperre von Weitem und für das in Regierungsgeschäfte uneingeweihte Augevielleicht grundgesetzwidrig und sinnlos zudem aussieht. Von der Brücke des Regierungsschiffes aus aber doch sehr hilfreich wirkt: Kein runter, nur noch fern. 

Eine klare Ansage, auf Politisch "klare Kante" (Gerhard Schröder), klärt die Lage auf den Straßen ohne überbordenden Patrouillenbedarf. Wer noch draußen ist, darf das nicht. Wer doch, wird bestraft. Und wo kein Licht mehr brennt vor Beginn der "Tagesschau" ist es vielleicht Zeit, zu klingeln und zu schauen, ob die Leute nur pandemiemüde im Bett liegen, das wäre erlaubt. Oder doch mit den Nachbarn über Konterbande spielen. 

Ausgangssperrenleugner erwischen

Ausgangssperren sind nicht schön, aber sinnvoll, denn "Bußgelder könnten viele Menschen abschrecken, nachts unterwegs zu sein", sagt Thomas Kutschaty. Gelte ein generelles Verbot, Straßen, Plätze und Fußwege zu betreten, könne man die leicht erwischen, die es dennoch tun. Mögen auch die Zahlen der Bundesländer, die schon lange auf rigorose Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und nächtlichen Hausarrest für alle setzen, nicht unbedingt dafür sprechen. Wäre es anders, wäre es zweifellos alles noch schlimmer. Nicht nur die Hundehalter, die immer noch rausdürfen, obwohl ihre Mitverantwortung für die Klimakatastrophe gegen leichthin gewährte "Sonderprivilegien" (Mindener Tageblatt) spricht, wären dann draußen und einem kaum abschätzbaren Infektionsrisiko ausgesetzt. Sondern auch alle anderen.

Allein es fehlt an Einsicht. Auch am 19 Tag nach der Ankündigung der Kanzlerin, nicht noch einmal 14 Tage zuschauen zu wollen, melden sich  Skeptiker, Ausgangssperrenleugner und Leute zu Wort, für die im Angesicht der Seuche nur die eigene kleine Sehnsucht zählt, nach Einbruch der Dunkelheit durch die Straßen stromern zu dürfen wie früher. Der Fernseh-Komödiant Georg Restle, eben  noch ein bekennender Pionier der NoCovid-Strategie, hält etwa nichts von diesem neuartigen und notwendigen Mittel, Menschen an illegalen Gruppenbildungen zu hindern. "Weil die Daten das nicht hergeben", argumentiert er, und "weil sie Freiheitsräume unverhältnismäßig einschränken". Zudem würden "falsche Signale" gesetzt und der "Eindruck verstärkt, Politik demonstriere vor allem da Stärke, wo es wenig kostet und die Lobby schwach ist."

Notbremse als notwendige Waffe

Statt diese neue Ehrlichkeit der Politik zu begrüßen und die #Bundesnotbremse als notwendige Waffe gegen Zusammenrottungen zu akzeptieren, wird genörgelt, gejammert und gestritten, als komme es im Land der großen Vereinsamung weiter Teile der Bevölkerung ausgerechnet jetzt auf „private Zusammenkünfte im öffentlichen oder privaten Raum" (Gesetzestext) an, bei denen sich nicht nur "höchstens die Angehörigen eines Haushalts und eine weitere Person einschließlich dazugehöriger Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres" zusammenfinden, um coronakonform ihre private Version von Anne Will, Maischberger, Markus Lanz oder Hart aber herzlich zu feiern.

Das muss doch jetzt nicht sein. Zu gut sind im politischen Berlin noch die Ansteckungscluster in Erinnerung, mit denen sächsische und mecklenburgische Großhochzeiten im Herbst die zweite Welle auslösten. Leichtfertig fanden sich damals Familienverbände mit 200, 300 oder 500 Mitgliedern zusammen, bis in die Nacht wurde geklönt, getanzt und hemmungslos aerosolt. 

Illegale Zusammenrottungen

Der Kampf gegen Corona wird so zwangsläufig zu einem Kampf gegen illegale Zusammenrottungen Uneinsichtiger, die unter fadenscheinigen Vorwänden wie "der Junge muss an die frische Luft" meinen, sich am nationalen Corona-Kampf  nicht mehr beteiligen zu müssen. Gern würde der Staat bis in die Wohnzimmer nach diesen Rechten sehen, doch weiterhin bestehende verfassungsrechtliche Hürden hindern ihn trotz der anstehenden großen Aufgaben daran. Bleibt nur der Weg der scharfen Kontrolle des öffentlichen Raumes jenseits der Wohnungstüren auch mit Hilfe von Luftüberwachung, Wärmebildkameras und Rasterfahndung als "Zeichen gegen Gruppentreffen in der Öffentlichkeit" (DPA).

Dass es sich dabei durchweg um rein symbolische Maßnahmen handelt, weil das Ansteckungsrisiko im Freien unter dem liegt, das Experten für CDU-Parteitage, Talkshows und Bundestagssitzungen errechnet haben, ändert nichts an der Notwendigkeit der Durchsetzung durch eine  strenge rechtliche Eingrenzung: Das Virus macht nicht vor der Wohnungstür halt. Und so darf der Staat auch nicht Halt machen davor, nachzusehen, wer sich wo wann in welcher Wohnung mit wem zur Clusterbildung trifft.

Samstag, 17. April 2021

Spitze an der Spritze: Die Kanzlerin als Königin

Geschafft. Nur knapp vier Monate nach Beginn der größten Impfkampagne aller Zeiten ist Deutschland "Spitze an der Spritze" (Süddeutsche Zeitung). 15 Millionen sind wenigstens einmal geimpft. Sechs Millionen sogar zweimal. Und dabei ist die Kanzlerin selbst noch nicht einmal mitgezählt! Fix und fixer geht die Aufholjagd vonstatten, den Unkenrufen der Legionen von Quertreibern und Schlechtredern zum Trotz. Aus einem Monat Zulassungsrückstand gegenüber Großbritannien sind dreieinhalb geworden, in denen 20.000 Menschen starben. Zuletzt stand der body count im perfiden Albion bei 31 am Tag. In Deutschland liegt er bei 245.

Der Stolz ist ungebrochen

Doch die Hände sind sauber und der Stolz auf das Erreichte ist ungebrochen. "Klar, es gibt Fehler bei der Bestellung und zu viel Bürokratie", schreibt die "Süddeutsche". Aber "Israel, die USA oder Großbritannien können kein Vorbild sein! Der deutsche Weg aus der Pandemie führt durch ein Tal des Todes, der Selbstbeschränkung und der Einsicht in die Notwendigkeit vorübergehender "Ausgangsbeschränkungen" (Angela Merkel). Danach aber wird sich der derzeit kranke Mann Europas erheben wie der chinesische Drache: Armin Laschet, der Basett unter den politischen Schoßhunden, beseitigt die Bürokratie. Ralph Brinkhaus bläst den Staub von 200 Jahren weg. Halleluja!

Da mag es sogar sein, dass "London feiert und trinkt", aber das ist natürlich nur "dank Impfstoffen aus der EU" (Tagesspiegel) möglich wie überhaupt vieles alles auf der Welt nur wegen der EU ist. Sauberes Wasser, der Handel zwischen verschiedenen Staaten, gemeinsame Normen, eine gemeinsame Oberkommissarin, die ebenso selbstverständlich wie souverän am Katzentisch des Despoten von Ankara Platz nimmt. Und nun kommen auch noch "80 Prozent der Vakzine" (Tagesspiegel), die die Briten vor Corona gerettet haben, aus der Friedensnobelpreisgemeinschaft, die für diese große Geste gern auf ein paar eigene Impfungen verzichtet.

Die EU, der Schaum der Welt

Die creme de la creme, der Schaum der Welt, ein EU-Gebräu aus Hypermoral, Selbstgerechtigkeit und der Opferbereitschaft, die Generalstäbe ihren Soldaten schon immer abverlangen mussten. In der verschworenen Gemeinschaft, in der hundert Prozent aller iPhones und Samsung-Handys aus dem fernen Osten kommen und 85 Prozent aller Internetdienstleistungen aus dem verbündeten Westen in Übersee, ist jede Leistung Spitze, Hauptsache, sie ist die eigene. Es ist auch dieser Waldorf-Gedanke, der der die Medien treu bei der Stange hält: Wie damals im zur "Kita" umbenannten Kindergarten mag der Turm nicht hoch sein, den Aaron, Olcay und Clara aus zwei aufeinandergelegten Bausteinen errichtet haben. Aber er ist ihr Werk allein, ein  Zeichen, das zum Himmel ragt und noch viel Größeres für die Zukunft verspricht.

Bis dahin gilt es, Neid zu schüren, die Nachbarn für das eigene Versagen verantwortlich zu machen und bei all den verwirrenden Signalen aus der Führungsetage treu zur Stange zu halten. Man muss nicht alles verstehen, vielleicht nicht mal im Ansatz. Aber die Genoss*_:Innen in Berlin werden sich etwas dabei gedacht haben, mitten in einen lockdown, der seit mittlerweile 166 Tagen andauert, breitangelegte Diskussionen über einen dringend notwendigen lockdown zu führen. Während das Politikgeschäft gleichzeitig ebenso unbeeindruckt von den eigenen Forderungen nach Abstand und Maske weitergeht wie die Vorstellungen in der Brot-und-Spiele-Abteilung mit ihren Talkshows, Fußballmeisterschaften und TV-Singspielen.

Zweifel im Spiegel

Selbst im "Spiegel", einem Magazin, dem mit dem Scheitern von Donald Trumps Wiederwahlbemühungen das Hauptthema abhanden gekommen ist, argwöhnen Verschwörungstheoretiker eiunen Missbrauch der Pandemie zugunsten eines schnellen Staatsumbaus. "Während die Zuschauerinnen und Zuschauer gebannt der politischen Show zuschauen, werden Änderungen des Infektionsschutzgesetzes vorangetrieben, die dem Bund größere Eingriffsrechte bei der Pandemiebekämpfung zubilligen, die Länderchefinnen und -chefs in Teilen entmachten und es den Bürgerinnen und Bürgern erschweren, sich gerichtlich gegen die Beschränkungen zu wehren", wiegelt das Blatt die Bürgerinnen und Bürger ohne viel Furcht vor Konsequenzen gegen die Einsicht in die Notwendigkeit auf, einfach mal mitzumachen, statt dauernd querzuschießen und nachzufragen.

Was eben noch eine "Verschwörungserzählung" (Anetta Kahane) war, in der unterstellt wurde, die Regieren*_Innen nutzten jede Gelegenheit, im Schatten äußerer Ereignisse einen erschreckenden Staatsumbau voranzutreiben, ist nun offizielles Denken der linken Mitte. Die verlangt mit einem Mal nach genau der "heftigen Rede und Gegenrede", die sie über Jahre als schädlich und schändlich gebrandmarkt hatte. Die will auf einmal festhalten daran, "Macht zu verteilen, Macht zu kontrollieren, zu verhindern, dass sich in der Zentrale zu viel Macht ansammelt" (Spiegel).

Die Kanzlerin als Königin

Doch "zu spät" (Die Ärzte). Mit der "Bundesnotbremse", einer von der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin eigentlich schon als untauglich verworfenen Corona-Worthülse, lösen sich die letzten Reste des für die Bundesrepublik konstituierenden Föderalismus vor aller Augen auf. Es sind nun nicht mehr die Bundesländer, die sich einen Bund halten, der Ausgaben zu erledigen hat, die ihnen selbst zu viel sind. Sondern ein Bund, der die Länder anleitet, sie führt und ihnen sagt, was wann und wie zu tun ist. Die Kanzlerin regiert als Königin mit beinahe absoluter Macht. Ihr Wort wird Gesetz. Ihr Wille geschehe, so in Berlin, so auch in Düsseldorf, Regensburg und Bautzen.

Hauptsache, wir sprechen nicht mehr vom Impfdesaster. Hauptsache, niemand fragt mehr, wer sich das so ausgedacht hat. Auf den verschiedenen Ebenen ist das Versagen inzwischen gut verteilt, alle waren etwas, niemand war alles. Für den Rest bedankt euch bei den Briten, den gierigen Amerikanern, den Israelis, denen der Datenschutz weniger wert war als das Überleben. 

"Hökschte" Eile ist nun geboten

Das Virus verzeiht kein Zögern", hat die Bundeskanzlerin zuletzt im Bundestag gesagt, der in Seuchenbesetzung zusammengetreten war. Von ganz vorn geleitet durch Wolfgang Schäuble, einem Risikopatient ohne Maske, hauteng und ohne Abstand flankiert von zwei Protokollantinnen. Im Saal verteilt vor ihm die schütteren Reste des größten demokratischen Parlaments von hier bis Alpha Centauri, nach Jahren der Diskussion um einen Reduzierung der Zahl der Abgeordnetseienden binnen Wochen von der Furcht vor dem Virus zusammengeschrumpelt auf Rumpfparlament, das Formsachen durchwinkt. Formsachen wie die Ausgangssperren, die Angela Merkel konsequent "Ausgangsbeschränkungen" nennt.Ist ja nicht so, dass man nicht rausgehen sollen darf. Nur immer muss das eben nicht sein.

Nach mehr als einem Jahr Pandemie muss es jetzt schnell gehen. 

Jeder weiß, wenn die Infektionszahlen erst sinken, ist die große Chance vertan.

Totenkammer EU: Wir Weltrekordler

Schade, schade, schade. Jetzt, wo es endlich mal passen würde, fehlt die Infrastruktur, die aufzubauen so lange und so erfolgreich vermieden worden war. Dass EU-Europa, eine Weltmacht nicht nur im moralischen Sinne sondern auch im bürokratischen, es über mehr als ein Jahr tunlichst vermied, sich sein eigenes Corona-Schicksal mit statistischen Zahlen vor Augen zu führen, hatte lange große Vorteile. 440 Millionen EU-Bürger lebten statistisch gesehen auch in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg in der besten aller denkbaren Welten.

Klage über die Toten der anderen

Mediale Trauer kam auf, als in den USA der 500.000 Corona-Tote beklagt werden musste. Das eigene Jubiläum zur halben Million aber konnte die EU aufrecht und ungebeugt verpassen, denn zwar zählt und überwacht Brüssel den Bleistiftverbrauch in europäischen Behörden, um das Graphitproblem zu monitoren. Nicht aber die Zahl der EU-Bürgerinnen und Bürger, die in der besten aller Staatengemeinschaften an der Seuche sterben.

Der Vorteil der Strategie: Man muss nicht schwindeln, um gut dazustehen, auf dass die Menschen gute Laune haben. Der Nachteil: Wird die Laune zu früh zu gut, fehlt ein Zahlensalat als Beilage für den Angstgulasch. Und nie war der so wertvoll wie heute, in Tagen, in denen die Mutanten umgehen, die Coronakarten immer röter werden und den Bundländerkanzlerinnenrunden seit der legendären Osterruhe keine Eindämmungsmaßnahme mehr kam, die es anschließend über die Talkshow-Mühle hinaus schaffte.

Eine europäische Seuche

Wie hilfreich wäre es doch nun, wo das RKI schon sinkende Infektionszahlen schon in der zweiten Woche mit "Meldungsverzögerungen wegen Ostern" (Tagesschau) begründen muss,  das wahre Ausmaß einer Katastrophe anhand von Zahlen zeigen zu können, die belegen, dass Corona zuallererst eine europäische Seuche ist? Mehr als eine Million Menschen starben hier seit Beginn der Pandemie, hat die französische Nachrichtenagentur jetzt eigenständig anhand der Angaben von europäischen Behördenangaben. Europa ist damit die Region mit der höchsten Opferzahl, erst danach folgen Lateinamerika mit derzeit 832.577 Todesopfern und Nordamerika mit 585.428.

Zwar umfasst die Zählung der Nachrichtenagentur alle 52 europäischen Staaten, darunter auch Russland und das aus der EU ausgetretene Großbritannien. Doch 650.000 Corona-Tote hatten einen EU-Pass, sie waren Bürgerinnen oder Bürger der Wertegemeinschaft, die damit den unangefochtenen Weltrekord hält: Nirgendwo sonst auf der Welt hat das Covid-Virus so reiche Ernte gehalten wie dort, wo die Vorbereitung nahezu perfekt war, die gemeinsame Strategie eine feste Burg, das damals noch größte Rettungspaket am schnellsten verabschiedet und die Zahl der koordinierenden Corona-Versammlungen höchster Verantwortungsträger am höchsten. 

Katastrophenlage in der Totenkammer

Lange war es wichtig und deshalb richtig, diese Daten nicht zu erheben, so dass niemand sie verbreiten musste. Nun aber, wo die Fernsehsender schon damit aufgehört haben, die täglichen Todeszahlen zu melden, weil die irritierenderweise nicht mehr im Gleichschritt mit den Infektionszahlen marschieren, wären Schreckenszahlen über die Katastrophenlage in der globalen Totenkammer EU hilfreich, um noch eine letzte oder gar allerletzte Brücke in eine bessere #NoCovid-Welt zu bauen. Doch die Zahlen fehlen, die Statistik ist nicht da und vielleicht auch das Vertrauen in die Bürgerinnen und Bürger nicht, sich aus der Illusion eines Lebens in der besten aller Betreuungswelten wecken zu lassen und sich wiederzufinden im ersten und letzten Frontgebiet des Pandemiekampfes.

Freitag, 16. April 2021

Zweitwohnungsdeckel: Gerechtigkeitsbremse vom Verfassungsgericht

Die SPD-Politikerin Anne Bressem wird jetzt in Berlin eine Wohnung freimachen.
 
Reine Formsache, aber trotzdem traurig. Kaum hatte der Berliner Mietpreisdeckel beginnen können, die zuvor schon implementierte Bundesmietpreisbremse ergänzend auszubremsen und ihre segensreiche Wirkung für Millionen Mieter zu entwickeln, setzte das Bundesverfassunsgericht ein Stoppzeichen. Das übliche rechtliche Gerangel um föderale und Bundesangelegenheiten: Weil der Bund das mit der Miete mit seiner Mietpreisbremse schon geregelt hatte, hätte das Land es nicht noch einmal mit einem Mietendeckel regeln dürfen.
 

Teilenteignung als Neubauturbo

 
Dabei war es doch nur gut gemeint. Aufbauend aus Erfahrungen aus DDR-Zeiten hatte die rot-rot-grüne Landesregierung darauf gesetzt, dass eine Teilenteignung - hier die der Vermieter, den Preis für die Überlassung ihrer Wohnung an andere selbst festzulegen - umgehend dazu führen werde, dass Vermieter mehr und immer mehr der dringend benötigten Wohnungen in Berlin errichten. In der linden Hoffnung, wenigstens bei den Neubauten könnten ihnen SPD, Linke und Grüne für eine gewisse Dauer Mieten lassen, mit denen sich sogar die Baukosten abstottern lassen.

Hartherzig wie sie sind haben die Bauherren das allerdings nicht getan. Und Berliner Mieter nutzten die Situation auf ihre Weise: Wie die SPD-Politikerin Anna Bressem, die nach einer Laufbahn als schlecht bezahlte Oberstleutnantin bei der Bundeswehr in den Thüringer Staatsdienst schlüpfte, behielten sie vielfach die Mietverträge ihrer nun spottbillig gemieteten Berliner Buden, auch wenn sie selbst nicht mehr in Berlin leben. 
 
Bressem etwa dient. Deutschland. im ostdeutschen Erfurt, der beschaulichen Landeshauptstadt des linksregierten Corona-Katastrophengebietes Thüringen, die zu dem Teil des Landes gehört, von der führende Berliner "Zeit"-Journalisten sagen, er sei "einsam, rassistisch, sexistisch und ohne Jobs, so dass dort kein Mensch leben könne. Bressem tut es, aber sie leidet. "Von meiner zauberhaften kleinen Wohnung in Berlin konnte ich mich nicht trennen", gestand sie bei Twitter. Der Mietendeckel war so gesehen ein Segen, denn anders als mit regulatorischer Hilfe der Regierung ist eine schicke Zweitwohnung in der Hauptstadt selbst für eine gut bezahlte Bundeswehroffizierin im höheren Dienst kaum noch zu bezahlen.
 

Zerstörte Träume von der Zweitwohnung

Für einen Redakteur der "Zeit" erhöht sich die Miete.
D
as Bundesverfassungsgericht hat mit seinem Spruch nun nicht nur viele Träume zerstört und und alle in tiefes Elend gestürzt, die das seit Inkrafttreten des Mietendeckels gesparte Geld komplett ausgegeben haben und nun nachzahlen müssen. Sondern auch den Traum der Sprecherin des Thüringer Landesministeriums für Inneres und Kommunales vom Koffer in Berlin. Und das gerade jetzt, wo Anne Bressem auf dem üblichen Weg aus dem Parteiapparat in den Parteistaat für den Bundestag kandidiert.
 
Für das ewige Aufstiegsversprechen, das die junge Bundesrepublik allen ihren Bürgerinnen und Bürgern stets machte, zuletzt sogar denen, die im Zuge der Wiedervereinigung aus dem Osten kamen,, ist das ein Drama. Was soll das denn noch für ein Land sein, in dem sich eine hart arbeitender Verwaltungsfunktionärin, Wahlkämpferin und Frau nicht einmal mehr eine günstige Zweitwohnung halten kann? Nur weil kategorische Gegner sozialer Gerechtigkeit meinen, sich gegen eine vom Staat gesteuerte Preisgestaltung wenden zu müssen? 
 

Gegen das Grundgesetz

 
Nein, das darf nicht sein. Schon in den ersten Stunden formierten sich die Freunde von Deckel, Bremse und Regulierung, um Wut und Enttäuschung als blutigen Aufschrei mit viel Gewalt auf die Straße zu bringen. Ohne Abstand und oft sogar ohne Anmeldung zeigen sie ihre Enttäuschung über den Rechtsstaat, den Förderalismus und das Grundgesetz. Doch auch kämpferische Stimmen sind schon zu hören. Wenn ein Land die Höhe der von Preisen nicht wie in der DDR so erfolgreich praktiziert vorschreiben dürfe, dann müsse nun eben alle Kraft darauf gerichtet werden, die Macht im Bund zu übernehmen. 
 
Vom Kanzleramt aus könne dann gleich ein Mietendeckel für alle Bundesländer verhängt werden, um bundesweit eine einheitliche Miethöhe herzustellen. Und gelinge das nicht, gelte es wenigstens in der deutschen Hauptstadt Verhältnisse wiederherzustellen, die die Wohnungsfrage als politisches Problem einer endgültigen Lösung zuführen.
 

Vergesellschaftung als nächstes Ziel

 
Eine "sozialistische Stadt", wie es Berlin kommunistische Bausenatorin Kathrin Lompscher, brächte die Auferstehung der Ruinen als gesellschaftliche Gesamtaufgabe. Konnten sich Menschen mit niedrigen Gehältern das Wohnen in Berlin kaum noch leisten, weil der Zustrom groß und das Tempo, mit dem der Senat verfügbare Freiflächen bebaut, auch wegen des Widerstandes der Bevölkerung niedrig ist, würde Berlin diesen Sonderstatus nach der Gesamtenteignung aller privaten Immobilien bald verlieren. 
 
Die 2.000 Hektar Baureserveland mitten in der Stadt zu nutzen, über die Berlin verfügt, wäre zu kompliziert. Vergesellschaftete Häuser im Besitz ihrer Bewohner, des Staates oder übergangsweise auch in gemeinnützigen Konzernen, deren Geschäftsinteresse nicht der Gewinnmaximierung gilt, weisen dagegen den Weg in eine Zukunft, in der jeder wieder wohnen kann, wo und wie oft er will. Und sei es in Erfurt und Berlin zugleich.

Stark wie zwei im Kanzleramt: Die siamesische Lösung

Wenn beide es machen wollen, braucht es ein operatives Eingreifen der Medizin.

Es waren die Experten des juristischen Dienstes des Bundestages, von denen ein entschiedenes Stopp kam. Gerade hatten Unionsfraktion, Bundeskanzleramt und die mächtigen Landesverbände eine für alle tragbare Lösung für die Kandidatenkandidatenfrage zwischen CDU und CSU gefunden geglaubt - Job.-Sharing zwischen Armin Laschet und Markus Söder. Und nun die rechtlichen Bedenken an der geplanten Notbremse für den Bruderstreit in der letzten Volkspartei: Zwar sei im Grundgesetz nicht ausdrücklich erwähnt, dass es nicht mehrere Bundeskanzler geben dürfe. Doch die in Art 63 gewählte Formulierung "der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestage ohne Aussprache gewählt" deute auf den dringenden Wunsch der Väter und Mütter des Grundgesetzes hin, zu jeder bestimmten Zeit jeweils nur einen Bundeskanzler zu haben.

Mächtigster deutscher Amtsträger

Eine Expertise, die sich auch in Pandemiezeiten nicht so einfach vom Tisch wischen lässt. Der Bundeskanzler steht zwar in Deutschland in der protokollarischen Rangfolge erst nach dem Bundespräsidenten als Staatsoberhaupt und dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble als letzten Weggefährten des Vereinigungskanzlers Helmut Kohl erst an dritter Stelle, gilt aber zugleich als der politisch mächtigste deutsche Amtsträger

Eine Kanzlerdemokratie könnte theoretisch von mehreren Kanzlern geführt werden, so das Gutachten aus der Rechtsgelehrten, weil der Begriff Plural und Singular nicht unterscheide - ein Kanzler ist semantisch dasselbe wie zwei oder drei Kanzler. Doch mehrere hochkarätige Referate des Kanzleramts stellten die Doppelbesetzung selbst bei halben Bezügen dennoch infrage. 

In einem Vermerk von Anfang März erklärte demnach eine Rechtsexpertin des EU-Kontaktreferats, die "grundsätzliche Besetzung der Stelle des Bundeskanzlers mit mehreren Personen gleich welchen Geschlechts zu gleichen Zeit" sei mit Blick auf die "grundgesetzlich gebotene Verhältnismäßigkeit" und die "derzeit nicht belegte Wirksamkeit" einer Doppelbesetzung für die europäischen Partner irritierend, für die Bevölkerung verwirrend und in Fragen der Amtshaftung unübersehbar.

Es hakt am Personenstand

Es hakt am Personenstand, doch weil der Wunsch, Kanzler zu werden, sowohl bei Armin Laschet als auch bei Markus Söder unbändig und unstillbar ist, haben die Fraktionsexperten der Union nun offenbar einen Weg gefunden, das unmöglich scheinende dennoch möglich zu machen. Im politischen Berlin kursiert derzeit die Parole von der "siamesischen Lösung" als radikalem und zugleich revolutionären Schritt: Dabei würden Armin Laschet und Markus Söder in einer komplizierten und mehrere Stunden dauernden Vereinigungsoperation in der hervorragend beleumundeten Charité zusammengenäht, so dass sie die ersehnte Kanzlerkandidatur anschließend gemeinsam anstreben könnten.

Es wäre eine Weltsensation, denn in der medizinischen Fachliteratur sind bislang nur Operationen zur Trennung von siamesischen Zwillingen gelistet, keine einzige zur Zusammenführung zweier bis dato - abgesehen von gemeinsamen Gremiensitzungen und Zusammenkünften des Corona-Kabinettes  - getrennt lebenden Menschen. Juristisch aber würde das kluge medizinische Manöver den Weg für eine Doppelkanzlerschaft öffnen, wobei die Rechtsexperten des Bundeskanzleramtes vorab schon darauf hingewiesen haben, dass bei den anstehenden OP die Eindämmungsverordnungen zur Corona-Pandemie beachtet werden müssten. 

Beide sind dann auch ein Hausstand

Da Söder und Laschet nicht als ein Hausstand gelten, müssten sie mit entsprechendem Abstand zusammengenäht werden - wenigstens ein Moma Abstand sei unerlässlich,etwa durch eine sogenannte "abwandte Vereinigung", bei der ein Gesicht nach vor und das andere nach hinten weise, wobei "vorn" ebenso wie "hinten" nicht abschließend definiert seien.

Angesichts der verlockenden Aussicht, die größte Krise der Union seit den Seehofer-Kriegen vergleichsweise günstig und nachhaltig beilegen zu können, dürfte eine Entscheidung über den Operationstermin allerdings dennoch schon in Kürze fallen. Nach einer Phase der Genesung, Erholung und des Einlebens in den neuen gemeinsamen Kanzlerkörper würden Armin Laschet und Markus Söder dann gerade noch rechtzeitig zum immer schneller anwachsenden Erfolg der deutschen Impfkampagne mit doppelter Energie in den Wahlkampf starten und - so der Plan - schließlich im September gemeinsam ein Ergebnis holen, dass um drei, vier oder gar fünf Prozent über dem der konkurrierenden Grünen liegt.

Donnerstag, 15. April 2021

Zitate zur Zeit: Triumph des scheinbar Schwachen

Im Spiel der Macht gewinnt der scheinbar Schwache. Je stärker du wirst, desto mehr Mitspieler verbünden sich gegen dich. Sichtbare Macht muss sich behaupten, verzehrt sich in diesem Kampf, bis sie stürzt oder erlahmt. Wahre Macht bleibt im Verborgenen, gibt sich unscheinbar, schwach. So bleibt sie vor allen Angriffen gefeit, während sie unaufhaltsam wächst. 

Lucas Fassnacht, Die Mächtigen

Job-Sharing im Kanzleramt: Ein Tandem für die K-Frage

Zwei Mann in einem Boot, einer besser als der andere und selbst die eigenen Parteien können sich kaum einig werden, hinter welchem von beiden sie in die entscheidende Schlacht ziehen wollen. Wochen und Monate konnten sich auch die beiden Hauptprotagonisten der Kandidatenkür in der Union nicht darauf einigen, wer es denn nun machen soll bis zum Herbst: Armin Laschet? Oder Markus Söder? Soll die Wahl gewonnen und die CDU zerstört werden? Oder kommt erst die Partei, dann aber womöglich gar nicht Schwarz-Grün?

Ein gordischer Knoten, der immer enger wurde, je härter an seiner Lösung gearbeitet wurde. Die CDU drohte zu zerbrechen, die Union schien entlang des Weißwurstäquators zerrissen. Bis die beiden Männer, auf die allein es bei der demokratischen Entscheidung der beiden Unionsparteien ankommt, im Zwiegespräch einen überraschenden Ausweg fanden: Plötzlich war die K-Frage entschieden, das Land gerettet und der Beweis erbracht, dass die beiden Parteiführer zusammen noch weit mehr erreichen können als allein.

Denn Söder und Laschet präsentierten in Berlin eine Idee, die so ungewöhnlich ist wie vor Jahrzehnten die der Grünen, keinen Parteivorsitzenden mehr zu haben und nicht einmal eine Parteivorsitzende. Sondern zwei. Ein Modell, das Laschet und Söder nun auch für die Übernahme des Kanzleramtes nach dem Ende der Ära Merkel anstreben. Er macht den Kanzler, er aber auch, beide sind zusammen Regierungschef. Laschet sagte nach Angaben von Teilnehmern, die Union brauche keine "One-Man-Show"- ein Satz, der den Gang der Dinge von diesem Moment an prägte.

Inspiriert wurde die Idee ausgerechnet von der scheidenden Kanzlerin, die 2002 im Wahlkampf mit dem damals zum Kanzlerkandidaten gekürten Edmund Stoiber unter der Überschrift "Gemeinsam für Deutschland" posiert hatte. Gemeinsam für Deutschland  wollen nun auch der Rheinländer und der Franke ins Feld ziehen, gegen Corona, Bürokratie, für das Klima und den Weltfrieden, gegen Krieg und Armut, Ungerechtigkeit, Niedriglöhne, Leiharbeit, Öffnungsdiskussionsorgien und schleppendes Impftempo. Ein Befreiungsschlag für Deutschland, aber auch für die EU, denn die beiden künftigen Kanzler gelten als überzeugte Europäer.

Mehrere Stunden hatte die Bundestagsfraktion der Union zuvor über die K-Frage diskutiert, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Ostverbände schlugen sich auf die Seite des Bayern, Teile der Nord-CDU ebenso, andere hingegen führten Laschets Fähigkeit zum Versöhnen gegen Söders schon häufig kritisierte Charakterlosigkeit ins Gefecht. Angela Merkel, als deren Favorit Armit Schröder gilt, seit Ursula von der Leyen nach Brüssel wechseln musste und Annegret Kramp-Karrenbauer zur Rettung der Bundeswehr abgestellt wurde, wollte keine Entscheidung treffen. Zu groß war die Angst der Kanzlerin, dass sich dann beide Schwesterparteien gegen ihren Rat für den Kandidatenkandidaten entscheiden werden, den sie nicht empfohlen hat.

Schließlich blieb nur das ernste Zwiegespräch: Söder und Laschet stellten den Kleinkrieg um die Krone ein und beschlossen, gemeinsam eine Lösung finden. Das gelang überraschend schnell und ohne dass einer der beiden Parteienfavoriten Abstriche machen musste. Wie sich inzwischen in fast allen Parteien zwei Verantwortungsträger die Talkshow-Auftritte teilen, werden Armin Laschet und Markus Söder künftig gemeinsam kanzlern. Die Zeiten, in denen Männer wie Helmut Kohl eine Partei und im Nebenberuf ein Land geleitet hätten, seien vorbei, hieß es im politischen Berlin. Schon die erfolgreiche Zusammenarbeit von Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin habe gezeigt, dass sich politische und gesellschaftliche Großformationen zu mehrt besser führen ließen.

Geklärt werden müsse nun nur noch, ob das geplante Job-Sharing stundenweise, verteilt auf Monate oder nach bestimmten Unteraufgaben organisiert werde, heißt es im politischen Berlin. Die Wahl des ersten Tandems für das Kanzleramt durch die bei der Union traditionelle  demokratische Akklamation gilt als Formsache, das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet bereits, dass die Kuh noch in dieser Woche vom Eis geholt und der jubelnden Menge vor dem Konrad-Adenauer-Haus präsentiert werden soll.

Mittwoch, 14. April 2021

Tagesschau-Faktenerfinder: Drama in Dunkelrot

Die Farben blieben "stets gleich", nur die Darstellung und Zuordnung ändert sich je nach Berichterstattungszweck.

Er ist der Schrecken aller Fälscher, Verleumder des Gemeinsinnsendens, Kritikaster und Regierunsgegener. Patrick Gensing hat das Faktenfinden in Deutschland zum Beruf gemacht, er war der erste, der den Feinden der Gemeinsamkeit bei der Sicht auf die Wirklichkeit mit scharfen Widerlegungen in die Parade fuhr und Desinformation als Goldgrube ausbeutete. Mittlerweile erschafft Patrick Gensing Fakten für die "Tagesschau", den allabendlichen Gottesdienst der Tageswahrheit, in dem verkündigt wird, ob Masken gerade nützen oder nicht, AstraZeneca gerade schadet oder nicht und der R-Wert gerade wieder wichtiger ist als die Inzidenz, die rechte Gefahr oder der unaufhörliche Klimawandel.  

Vermeintliche Manipulationen

Natürlich muss Gensing aber auch eingreifen, wenn es gilt, ganz objektiv klarzustellen, dass vermeintliche Manipulationen seines renommierten Arbeitgebers in Wirklichkeit schäbige Versuche von Gegnern des Gemeinsinnfunks sind, die bloße Verwendung von "unterschiedlichen Farbskalen bei Corona-Karten" (Gensing) als Manipulation anzuprangern, "um die Infektionslage dramatischer darzustellen". 

Im Februar war "bis 35" noch gelb.
Ein geradezu bösartiger Vorwurf, der sich nichtsdestotrotz in sozialen Medien verbreitete und auch hier bei PPQ.li aufgegriffen wurde. Deutlich zu sehen: Am 17. März markierte die "Tagesschau" einen Inzidenzwert von 100 noch in einem optimistischen Orangerot, am 9. April hingegen war selbst der Wert von 50 schon mit einem sehr viel dunkleren, bedrohlicheren Farbton markiert, die 100 tendierte ins ganz schwere Dunkelrot und der Wertebereich "über 200" war schwärzer als drei Wochen zuvor der Bereich "bis 500". 

Der Zweck der Übung ist deutlich, er heiligt die aus der Wetterberichterstattung der Tagesschau bekannten Mittel. Ging es im März noch darum, mit Hilfe der Berichterstattung ein Hoffnungsfünkchen der Öffnungsmöglichkeit in den Haushalten der Republik anzuzünden, zielen die Darstellungen von ARD-aktuell derzeit darauf, ein Bedrohungsgefühl zu nähren, um das Mitmachen der Bevölkerung beim Joggen mit Maske, nächtlichen Hausarresten und Geduld beim Warten auf das eigene Impfangebot zu befördern. 

Dass kein mazedonischer Cyberkrieger die beiden Karten manipuliert hat und diesmal auch nicht die AfD dahintersteckt, gesteht Patrick Gensing zu. Die beiden Grafiken seien "auf dem Instagram-Kanal der tagesschau veröffentlicht" worden, allerdings keineswegs miteinander vergleichbar. "Die Karte mit der helleren Skala basiert auf Fernsehbeiträgen der tagesschau", schreibt er, diese Vorlage werde "allerdings selten genutzt, da die kleinteilige Darstellung von Landkreisen im Fernsehen schwerer zu erkennen ist". Die Karte mit der dunkleren Farbskala basiere hingegen "auf der Darstellung der Inzidenz-Karten auf tagesschau.de", sie ermögliche es Nutzerinnen und Nutzern, "sich die Werte für die jeweiligen Städte oder Landkreise anzeigen zu lassen". 

Nur die Farbskala wurde nicht geändert

Selbstverständlich muss die Farbskala dazu eine andere sein. Wem würde das nicht augenblicklich einleuchten. Aber wurden die Farbtöne wirklich verändert? Nein, sagt Patrick Gensing, die Farbskala der Corona-Karte, die angeblich manipuliert wurde, sei nie verändert worden. Rot blieb Rot, ein bisschen Dunkelrot und Schwarz kamen dazu und verändert wurde auch die Zuordnung der unterschiedlichen Farben zu den unterschiedlichen Inzidenzwerten. Eindeutig: Die "Tagesschau" hat die Farbskala ihrer Corona-Karten nicht geändert - nur erweitert und die Zahlenwerte, die den Farben zugeordnet sind, zum Zwecke eines höheren Aufrüttelfaktors neu dramatisiert.

Es seien im Laufe der Pandemie neue Klassen ergänzt worden, da die Inzidenz stark zugenommen habe, erklärt Gesing, warum Mitte März noch ein Wert "bis 500" den damals dunkelsten Farbton belegte, während heute bereits ein Wert von "über 200" in einem nicht mehr nachdunkelbaren Schwarz erscheint. "Die unveränderten Klassen behielten ihre Farbwerte", erklärt der oberste Faktenerfinder der Republik mit der Souveränität eines Festangestellten, dem völlig egal sein kann, ob das, was er schreibt, auch nur den Hauch einer Chance hat, wenigstens von simplen Gemütern geglaubt zu werden.