Freitag, 23. Juli 2021

Postkarten aus dem Paradies: Leicht bekleidet im Wüstensand

Wir leben hier im Paradies“, ist Jana Schulze sicher. 322 Tage im Jahr Sonnenschein über glasklarem Meer. Die Ski-Halle zehn Minuten vom kilometerlangen Sandstrand. Das Hauspersonal aus Schweden, das Lieblingsauto aus Deutschland. Schulze sieht optimistisch in die Zukunft: „Heute stehen wir doch erst am Anfang“, sagt sie. Hätte die 23-Jährige vorher gewusst, wie schwer es ist, in leichter Bekleidung durch den Wüstensand zu stapfen, hätte sie hier niemals den Traum gehegt, hier, am Ende der Welt, ein McDonalds-Restaurant gegründet. So aber ahnte sie nichts von der Unmöglichkeit, dort von seiner Hände Arbeit zu leben, wo andere Urlaub machen, wenn diese keinen Urlaub mehr machen dürfen. oder doch jedenfalls nicht außerhalb Europas.  

Ungeplante Auswanderung

So war das nicht geplant gewesen, als Jana Schulze, Ilika Hauptmann und Leia Lehmann vor etwas mehr als einem Jahr beschlossen, den Krisenkontinent Europa hinter sich zu lassen und dorthin zu flüchten, wo das Leben noch lebenswert schien. Schulze, eine hübsche Brünette, deren Vater einst einen Kaufmannsladen in Seifhennersdorf betrieb, kannte sich aus mit Gastronomie und Handel. Ilika Hauptmann, schwarzhaarig und von ihrer beiden Freundinnen als "echte Wuchtbrumme" beschrieben, kocht routiniert, aber schmackhaft. Und Leia Lehmann hat eine Ausbildung zur Buchhalterin hinter sich, zwar im väterlichen Installationsgeschäft, aber "Zahlen sind doch Zahlen" sagt sie selbstbewusst.

Während Europa also in den ersten von vielen, vielen lockdowns mit noch mehr unterschiedlichen Vornamen schlitterte, saßen die drei jungen Frauen tatendurstig auf dem Flughafen in Frankfurt. Der war damals überhaupt noch nicht geschlossen, nicht mal Einreisende seien kontrolliert worden, erinnern die drei sich kichernd. Sie nahmen die andere Richtung, weg aus dem alten Europa, dem schon anzusehen war, dass eine Pandemie vielleiht doch zu viel für einen so ausgepowerten, überdehnten und dennoch von sich selbst überzeugten Kontinent ist. Wo genau es hingehen sollte, hatte das Trio gar nicht final beschlossen. "Der Plan war, nach Dubai zu fliegen und dort die nächstbeste Maschine in eine Ecke der Welt zu nehmen, die Strände hat, blaues Meer und nette Leute."

Im Paradies gelandet

Sie sind schließlich hier gelandet, im Paradies, das in diesem Text keinen Namen haben darf, weil die drei Auswandererinnen fürchten, es könnten sonst bald, sobald das wieder möglich ist, andere kommen, viele, Kerle darunter vielleicht sogar, aber jedenfalls Menschen, die die Idylle überrennen, die Jana, Ilika und Leia hier für sich gefunden haben. Eine Hütte am Strand, nicht zu nahe, so dass die Wellen allenfalls die Füße kitzeln. Drei Zimmer, Küche, Bad unter Palmen und das eigene Restaurant in Aussicht, gebremst nur durch die Umstände, die Menschen aus fremden Ländern momentan hindern, hier Essen zu gehen. 

Jana Schulze führt stolz durch das schon blitzblank gewienerte Schnellrestaurant, das vor allem frische Schweinelende anbieten soll. "Das kennen sie hier nicht so", sagt sie. Sie wird als Mädchen für alles ihren Mann stehen, wenn es soweit ist, wird Kellnern, auch mal Putzen helfen oder in der Küche aus, wenn richtig viel los ist. Das junge Team, das sich hier zusammengefunden hat, um die Seuche zu überwintern, ist fest entschlossen, gekommen zu sein, um zu bleiben. Längst hat ihnen die Landesregierung daheim eine Heimkehrprämie in Aussicht gestellt, längst ist das Ersparte knapp, das sie bis heute über Wasser gehalten hat. "Aber wir halten durch", sagt Leia, blond und schlank und sportlich, "denn zu dritt können wir alles schaffen."

Amazon auf der Insel

Natürlich sind sie zu Hause in Sorge gewesen. "Aber nur, bis sie neidisch wurden", wie Leia schnippisch anmerkt. Nach einem feuchtfröhlichen Abend im Dorfkrug, der hier "Zur Palme am kleinen Berg" heißt, sei Jana schwach geworden und habe alten Freunden ein paar Postkarten aus dem Paradies geschickt. "Wir haben ihr da aber den Kopf gewaschen, sowas von", grollt es aus Ilika immer noch nach. Es war aber zu spät, etwas zu ändern. "Die Post ist hier sehr verlässlich", bestätigt Jana Schulze, wohl auch, um ein wenig abzulenken. Gerade bei Amazon-Bestellungen, die mit dem Boot gebracht werden, merke man kaum eine Verzögerung verglichen mit daheim. "Wir lesen echt viel", sagt Leia.

Es wird erst weniger werden, wenn die Existenzgründung richtig losgeht und das neue Lokal brummt. Angst haben die drei nicht vor diesem Tag, eher ist es gespannte Erwartung darauf, dass sich die eigenen Erwartungen erfüllen werden. Und wenn nicht? Wie ein Mann schütteln die drei den Kopf, also die Köpfe. Zurück würden sie nie wollen, schon wegen des Wetters, des Strandes, der See, der Nachbarn und der günstigen Preise im kleinen Lebensmittellädchen im Dorf. Eine Mänenrstimme ruft Unverständliches in der Landessprache. "Das ist nur Haluwei, den wir nur Karl nennen, weil er bald Geburtstag hat", winkt Jana Schulze ab. Was er gesagt hat, will sie nicht verraten. Es sei nicht wichtig gewesen. "Was Männer sagen, ist doch nie wichtig", nickt Leia Lehmann gewichtig.

Die Landwirtschaftslüge: Der domestizierte Mensch


Bis in die Moderne hinein hält sich das alte Märchen davon, wie die Menschheit zum Fortschritt fand, als es ihr gelang, vom Jagen und Sammeln zum planmäßigen Anbau von landwirtschaftlichen Produkten überzugehen. Dieser Übergang zur Landwirtschaft gilt als der große Sprung in der Menschheitsgeschichte, der am Anfang von Bevölkerungsvermehrung und Wirtschaftsgeschichte steht. Mit dem Bauern erst beginn die Historie von Fortschritt und Intelligenz, durch das Anbauen von Weizen, Hirse und Hopfen seien die Menschen dann immer intelligenter geworden, bis sie zu dem wurden, was sie heute sind: Die Krone der Schöpfung, die die Geheimnisse der Natur entschlüsselt hat und heute Schafe zu halten und künstliche Steaks zu züchten weiß.  
 

Das spannende Leben der Sammler

 
Eine Erzählung, nach der der Mensch einst begeistert das entbehrungsreiche und spannende Leben der Jäger und Sammler aufgab und sich glücklich niederließ, um als Bauer ein angenehmes Dasein im Wohlstand zu genießen, viele Kinder zu haben und langfristig am Aufbau der modernen Gesellschaft mitzuwirken. Doch so groß der Konsens, der rund um diese Geschichte herrscht, so klein ist ihr Wahrheitsgehalt: Weder ist jemals bewiesen worden, dass die Menschen im Laufe ihrer Evolution immer intelligenter wurden, noch stand die landwirtschaftliche Revolution am Anfang einer Ära des angenehmen Lebens für alle.
 
Genaugenommen ist sogar das Gegenteil wahr. Der Alltag der Bauern war weitaus härter als der ihrer Vorfahren. Während die ernteten, ohne jemals zu säen, zu bewässern, zu züchten, zu füttern und ihre Ressourcen zu planen, um ihr unmittelbares Umfeld nicht auszubeuten, mussten die Bauern all das tun, um zu überleben. Waren sie gut, gelang es ihnen, die  Gesamtmenge der verfügbaren Nahrung zu erhöhen, gelang ihnen das dauerhaft, war aber wieder zu wenig Nahrung da, weil die Zahl der zu ernährenden Menschen stieg. Die größere Menge an Nahrungsmitteln bedeutete also keineswegs eine bessere Ernährung für alle oder mehr Freizeit für die Gemeinschaft. Ein Fluch. Je weniger Menschen unter Hunger litten, desto mehr konnten auf den Felder arbeiten, je mehr Nahrung sie erzeugten, desto größer war die folgende Bevölkerungsexplosion, je mehr Untertanen es gab, desto schneller entstand eine herrschende Elite. 
 

Die Erfindung des Bauern

 
Die Erfindung des Bauern war für die Bauern selbst schrecklich. Aus freien Männern und Frauen, die herumstreifen konnten, wohin und wann sie wollten, wurden doppelt Abhängige, die auf ihr Feld aufpassen, ihr Dorf verteidigen und ihrem Herren Abgaben leisten mussten. Im Durchschnitt arbeiteten die Bauern mehr als die Jäger und Sammler und bekamen zum Dank eine ärmere Kost. Ein Betrug, der auch einer ist, obwohl ihn die Betroffenen nicht als solchen empfunden haben dürften.

Aber wer hat diesen Betrug zu verantworten? Wer ist schuld daran, dass der Mensch sich einer Lebensweise unterwarf, die zwar für seine Art zur Voraussetzungen einer unglaublichen Ausbreitung, für den Einzelnen aber zu einem bedrückenden Joch wurde? Böse Könige, fiese Priester oder Händler, die ersten Kapitalisten? Keineswegs: Schuld daran waren Pflanzen wie der Weizen, der Reis und die Kartoffel. Denn nicht der Mensch domestizierte diese Pflanzen, wie er bis heute glaubt. Sondern die Pflanzen unterwarfen sich den Homo sapiens, der ihnen als Helfer diente, ihre DNA in noch unglaublich vol größerem Maßstab über den Globus zu verteilen als es ihm selbst gelang.

Der domestizierte Mensch


Aus der Sicht des Weizens beispielsweise ist die Weltgeschichte die eines genialen Konzeptes zur Eroberung aller Kontinente. Noch vor zehntausend Jahren war der Weizen eines von vielen Wildgräsern, das nur im Nahen Osten vorkam. Dann überzeugte der Weizen den Menschen, sich um ihn zu kümmern. Und innerhalb weniger Jahrtausende breitete er sich über die gesamte Welt aus. Nach den Überlebens- und Fortpflanzungs gesetzen der Evolution ist der Weizen damit eines der erfolgreichsten Lebewesen aller Zeiten. In Regionen wie dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, wo vor zehntausend Jahren noch nicht ein einziger Weizenhalm wuchs, stehen heute ganze Landstriche voll damit. Weltweit sind 2,25 Millionen Quadratkilometer mit Weizen bedeckt.
 
Gelungen ist das dem Weizen nur, weil er sich den Menschen gefügig gemacht hat, ohne dass der es überhaupt begriff.  Die Jäger und Sammler, die das Leben von Gelegenheitsgammlern führten, aber eine Unzahl von Entwicklungsmöglichkeiten hatten, verwandelten sich angesichts der Verlockung durch den Weizen in dessen Sklaven. Sie investierten Zeit, Energie und Einfallsreichtum in seine Vermehrung, sie optimierten und verbreiteten ihn und die anderen Kulturpflanzen, bis sich schließlich mehr als die Hälfte der Menschen auf der Welt von früh bis spät um diese Pflanzen kümmerten.

Ein genialer Trick

Ein genialer Trick, denn vor der Erfindung der Landwirtschaft aßen Menschen eigentlich nur sehr selten irgendwelche Körner. Dennoch brachte der Weizen den Homo sapiens dazu, sein relativ angenehmes Leben in Freiheit gegen die armselige Existenz eines Pflanzenbetreuers einzutauschen. Im Gegenzug lockte er mit dem Versprechen einer besseren Ernährung, obwohl eine auf Getreide basierende Kost arm an Mineralien und Vitaminen, schwer verdaulich und ganz schlecht für Zähne und Zahnfleisch ist. Reingefallen! Denn trotzdem unterwarf sich der Mensch. Und er lebt seitdem in der Illusion, alles richtig gemacht zu haben, obwolh er deutlich weniger von der sogenannten landwirtschaftlichen Revolution profitiert hat als Weizen, Reis und Mais.

Das war harte Arbeit, denn der Weizen ist eine äußerst anspruchsvolle Pflanze. Er mag keine Steine, weshalb sich die Sapiens krumm buckelten, um sie von den Feldern zu sammeln. Er teilt seinen Lebensraum, sein Wasser und andere Nährstoffe nicht gern mit anderen Pflanzen, also jäteten die Sapiens tagein, tagaus unter der glühenden Sonne Unkraut. Der Weizen wird leicht krank, also mussten die Sapiens nach Würmern und anderen Schädlingen Ausschau halten. Weizen kann sich nicht vor anderen Organismen wie Kaninchen und Heuschrecken schützen, die ihn gern fressen, weshalb er seinen Züchtern klarmachen mussten, dass auch das zu ihren Aufgaben gehört. Weizen ist durstig, also schleppten die armen Sapiens Wasser aus Quellen und Flüssen herbei, um ihn zu bewässern. Und der Weizen ist hungrig, weshalb die Menschen Tierkot sammelten, um den Boden zu düngen, auf dem er wuchs.
 

Der Sklave des Weizens


Für derlei Arbeiten ist der Körper des Menschen eigentlich vollkommen ungeeignet. Er ist dazu geschaffen, auf Bäume zu klettern und Gazellen zu jagen, auszuruhen, wenn ihm danach ist, und eigentlich reichte es ihm lange Zeit auch, zu essen, wenn etwas da ist. Erst die unheilvolle Allianz, die der Mensch mit dem Weizen schloss, verwandelte ihn in den übergewichtigen, überarbeiteten und übermüdeten modernen Menschen, der mit seiner Gesundheit den Preis für den angeblichen Erfolg der landwirtschaftlichen Revolution zahlt. Rücken- und Gelenkschmerzen, Zivilisationskrankheiten, Diabetes, Leistenbrüche und Herzkrankheiten nahmen zu.

Zum Glück zwang der Weizen die Menschen aber, sich zu seiner Betreuung dauerhaft an bestimmten Orten niederzulassen, so dass es im Zuge des Fortschrittes nicht nur möglich wurde, aus den Überschüssen der Weizenproduktion Ärzte auszubilden, sondern auch, Fitness-Studios einzurichten. Dort bekämpft der vom Weizen domestizierte Mensch heute die Folgen seiner Unterwerfung unter die Bedürfnisse des Weizen, ohne um seine Rolle in diesem Spiel zu wissen. Dabei verrät das Wort domestizieren alles: Es kommt vom lateinischen Wort domus für Haus. Dort lebt der Mensch, nicht der Weizen.

Donnerstag, 22. Juli 2021

Hitler-Peak: Der lange Abschied vom Überführer

Moderne Charttechnik könnte errechnen, wann der Name Hitler zum letzten Mal gesagt werden wird.
Er ist einer der stabilsten Star der Gegenwart, seit mehr als 100 Jahren auf der Bühne, aber immer noch kein wenig ausgespielt. Adolf Hitler gilt als Marke, mit der sich alles verkaufen lässt, und sei es als Gegenteil davon. Der "Führer" füllt keine Fernsehsendungen, sondern Fernsehprogramme und Kinosäle, keine Bücher, sondern Bücherregale, er inspiriert Rocksänger und Poeten, Politiker rufen ihn im Streit zu Hilfe und selbst seine größten Gegner definieren sich meist zuallererst über ihre Ablehnung ihm gegenüber.

Hitler ist mehr als 90 Jahre nach seinem Amtsantritt eine Art Überführer des deutschen Schicksals. Ohne ihn geht gar nichts, denn seine Menschheitsverbrechen sind der Maßstab, an dem sich Massenmörder stets messen lassen müssen, auch wenn das Ergebnis vorher feststeht: Niemand kommt ihm gleich, ja, niemand kommt ihm auch nur nahe. Gäbe es Hitler nicht, so müsste er erfunden werden.

Allerdings bröckelt offenbar inzwischen auch das nachhaltige Modell des ewig Untoten als oberster Unterhaltungskünstler und Erziehungsberechtigtem der Republik zuletzt sichtbar. Nicht nur fehlen seit Monaten die Themenabende im Gemeinsinnfunk, die "Hitlers Hunde", "Hitlers Frauen", "Hitlers Veganismus" und "Hitlers Panzer" jeweils konzentriert beleuchteten.

Nein, auch aktuelle Zahlen aus Googles Ngram-Analysetool lassen für die Führerindustrie schlechte Zeiten ahnen. Bereits heute liegt der Hitlerpeak ganz offensichtlich hinter den modernen Gesellschaften weltweit, der Trend ist nicht mehr Hitlers friend. Mit den Mitteln der modernen Charttechnik könnten Experten heute schon vorhersagen, wann der Name des Teufels zum letzten Mal ausgesprochen werden wird.

Gelegentliche Aufwallungen wie um des Führers Geburtstag im Jahre 2007 sind historischen Zufälligkeiten geschuldet, momentanen Empörungswellen oder sorgfältig inszenierten Jubiläen. Der technische Analyst aber sehen im Langfristchart der Aktie Hitler denselben hoffnungslosen Verlauf wie im Chart der Deutschen Telekom-Aktie: Nach einem historisch kurzen Höhenflug beginnt das endlose traurige Versinken in der Bedeutungslosigkeit.

Bei Hitler begann der Abwärtstrend erstaunlicherweise bereits Ende 1942. In diesem Jahr weit vor unserer Zeit herrschte eigentlich Hitler-Hochkonjunktur. Der Führer kannte nur eine Richtung, der Chart ging von einer steilen in eine nahezu senkrechte Aufwärtsbewegung über, wie später auch der Bitcoin, Wirecard und die Beliebtheitskurve der Grünen.

 
Doch mit Rommels Rückzug in Afrika und der Niederlage von Stalingrad wandten sich die Bewunderer ab und auch die Feinde schrieben nun weniger Bücher. Die stete Präsenz des toten Hitler, die nahezu jeden heute Lebenden befähigt, eine halbwegs erkennbare Führerpersiflage vorzuführen, begann danach, aber als reine Scheingröße. Hitler ist zwar noch da, mehr als je zuvor sogar. Aber eigentlich ist er auch medial längst gestorben.

EU: Grenzen auf für grenzenlosen Strom

Geht es nach der EU-Kommission, wird der europäische Markt in Bälde Wirklichkeit und deutsche Privatabnehmer können Stromverträge auch günstig in Rumänien abschließen.

In Deutschland ist sie so teuer wie sonst nirgendwo auf der Welt, in Griechenland oder Kroatien dagegen unglaublich günstig. Aber obwohl Elektroenergie als zentraler Baustein der europäischen Bemühungen zum Umbau der gesamten Wertegemeinschaft in eine Zero-CO2-Wirtschaft gilt, ist der gesamteuropäische Strommarkt bisher inexistent. An jeder Landesgrenze stehen Stoppschilder, deutsche Verbraucher können keinen französischen Stromvertrag abschließen, Polen dürfen nicht aus dem heimischen kohlegetriebenen System aussteigen und ins deutsche Öko-Strom-System wechseln.  

Ein Hohn auf den "gemeinsamen Markt"

In der EU wird nicht gern und deshalb konsequent niemals  darüber gesprochen, denn die Situation ist verfahren, ein Hohn auf alle Beschwörungen eines "gemeinsamen Marktes" geradezu. Kein Österreicher hat einen ungarischen Elektroenergieversorgungsvertrag, kein Belgier einen rumänischen, obwohl der um bis zu 90 Prozent günstiger wäre. So offen die Grenzen der Wertegemeinschaft für den freien Warenverkehr sein sollen, so hermetisch sind sie abgeriegelt, sobald es immaterielle Waren wie Elekroenergie oder aber auch Filme, E-Books oder Musik betrifft.

Was ist da los in der EU, die sich stets als einheitlicher Wirtschafts- und Warenraum bezeichnet und es nach zwei Jahrzehnten harter Verhandlungen zuletzt sogar geschafft hatte, Handytarife grenzübergreifend gelten zu lassen, wenn auch mit der Einschränkung, dass Deutsche immer noch keinen günstigeren estländischen Tarif abschließen und Italiener auf leistungsstärkere schwedische Verträge verzichten müssen. 

Die ganze EU ein Energiemarkt

Beim Strom will es die EU-Kommission nun aber besser machen. Mit einer allumfassenden Strategie für den EU-Energieverkehr, die die EU-Kommission im September vorstellen wird, sollen Hürden zwischen den energienationalistischen Märkten der einzelnen Mitgliedsstaaten abgebaut und der einfache Wechsel zum günstigsten Anbieter im gemeinsamen Markt möglich werden. Damit würde die gesamte EU zu einem Energiemarkt, in dem die bereits heute üblichen EU-weiten Stromlieferungen nicht nur von Großabnehmern genutzt werden, sondern auch von Endverbrauchern. 

Das war einst das große Versprechen der Gemeinschaft: Weg von der Nation als Markt und Wirtschaftsraum, hin zu einem multinationalen Gebilde, das Impfstoff gemeinsam bestellt, Richtlinien in 27 Sprachen übersetzt und gemeinsame Abgaswerte nicht einhält. Mit der Energieoffensive 2025, wie die EU-Kommission ihre Offensive gegen den Stromnationalismus dem Vernehmen nach nennen wird, soll nun ein Instrument geschaffen werden, dass die Abhängigkeit der Bürgerinnen und Bürger von den Monopolisten in ihrem jeweiligen nationalen Markt verringert. Dies geht aus den Schlussfolgerungen zum Plan der Kommission für einen "vollständig integrierte Energiemarkt" hervor, der PPQ.li als Ausdruck vorliegt. 

Einschneidende Maßnahme

Der EU-Ministerrat soll bereits sein Einverständnis zu der einschneidenden Maßnahme signalisiert haben, die als Teil des Vorhabens "Next Generation EU" gilt. Der entsprechende Markt müsse "wettbewerbsfähig, innovativ und inklusiv sein", heißt es in Brüssel. Eine erste durchgreifende Initiativen zur leichteren Verknüpfung der Stromnetze für private Endverbraucher auf europäischer Ebene sei deshalb unabdingbar. Der 1991 eingeführte gemeinsame Markt lasse sich nicht mehr länger behaupten, ohne dass die Mitgliedsstaaten ihre nationalen Energiemärkte öffnen. 

Eine späte Konsequenz, die die von-der-Leyen-Kommission da zieht, denn dass es kaum grenzüberschreitende Dienste im gemeinsamen Markt gibt, ist seit Jahrzehnten bekannt. Auf EU-Ebene waren die Hürden, die ein grenzüberschreitendes Vermarkten nationaler Angebote verhindern, aber dank umfangreicher Lobbyarbeit erst in den letzten Wochen aufgefallen. Danach gebe es bisher kein gemeinsames europäisches Ökosystem für gegenseitige Stromlieferungen an Endabnehmer, es sei sogar vollkommen unmöglich, im gemeinsamen Markt grenzüberschreitend den billigsten oder aber auch ökologischsten Anbieter zu wählen, empörten sich gleich mehrere Kommissare, darunter der für offene Märkte, die Vertreterin für fairen Handel, ihre Kollegin, die für Verbraucherrechte zuständig ist, und der Kollege, der gegen monopolistische Strukturen ankämpft.

Zementierung nationalistischer Monopole

Die aktuelle Rechtslage zementiere auf dem Strommarkt nationalistische Monopole, damit würden bestimmte Gruppen von Stromkunden generell aus dem gemeinsamen Markt ausgeschlossen - nämlich immer die, deren Wunschanbieter im falschen Land beheimatet sei. Das sei nicht weiter hinnehmbar, folgert die EU. Durchweg alle Anbieter funktionierten nicht grenzüberschreitend, moniert das Gremium. Das trage zur Fragmentierung des EU-Strommarkts bei. Ins Spiel bringt die EU-Strommarktrevolution auch legislative Maßnahmen, um ein Recht auf Zugang zu technischen Infrastrukturen.

Mittwoch, 21. Juli 2021

Zitate zur Zeit: Allein und voller Angst

Ich bin allein, nackt und voller Angst.

Björn Ironside, Vikings

Klimasozialismus: Alles allen bis alles nichts

Der Traum vom Sozialismus lebt weiter.

Er kommt immer wieder, er ist nach jeder Pleite noch da. Der Kommunismus, seit seiner Entrückung in eine ferne Zukunft noch durch Lenin, einen der Vordenker der Ersatzreligion, zum "Sozialismus" gewandelt, ist nie da, aber immer dort. Je weniger er real ist, desto größer ist die Sehnsucht nach ihm, diesmal aber richtig. 

Der Sozialismus, eigentlich ein totes Pferd von Geburt an, versteht es dabei, immer wieder irgendwo anzudocken. Nach dem Zusammenbruch des real existierenden sozialistischen Weltsystems wurde als einziger Ausweg aus einer Welt gehandelt, in der der Kapitalismus mangels Systemalternative nun durchregieren könne, inklusive der kompletten Verarmung aller Arbeiter und kleinen Angestellten.  

Sozialismus durch die Klimatür

Nach der großen Finanzkrise der 2000er erlebte er eine Renaissance durch die Hintertür, als die Staaten so lange Wirtschaftsunternehmen retteten, bis sie ihnen zu einem Gutteil gehörten. Und in der großen Klimakrise erschien der Sozialismus, der natürlich ein "demokratischer" sein würde, den Jüngeren von Fridays im Clownskostüm des Robin Hood. Es ist genug da. Es muss nur verteilt werden.

Alles allen bis alles Alles allen ist", forderten die Jünger von Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Annalena Baerbock mit einer Logik, die darauf vertraut, dass  kluges Teilen dafür sorgen kann, dass alles für alle reicht. Jesus, ein früher Kommunist, gilt hier als leuchtendes Vorbild: Der Gründer des anderen großen  Volksglaubens der Neuzeit, fütterte mit einem Brot ganze Heerscharen. Warum also soll im kommenden Klimasozialismus nicht ein Brötchen für alle reichen?

Eigentum als Diebstahl

Eigentum ist Diebstahl, Besitz immer Betrug und Arbeit Unsinn überhaupt. Von dieser festen Überzeugung getrieben, wächst eine junge Generation heran, festentschlossen, aus dem "Wachstumswahnsinn" auszusteigen. Der Bäcker, der das Brötchen herstellt, das sie zu verteilen planen, wird natürlich weiterackern dürfen, jeden Morgen ab halb vier. Aber sein Backofen, sein Mehl, sein Ladentheke und seine Gewinne werden nicht ihm gehören, sondern allen: Den Brötchenessern, den Passanten, den Langschläfern und sogar den Leuten in der Nachbarstadt. Alles allen, bis jeder hat, so geht gerecht.

Die Jugendlichen, die fest daran glauben, dass der Bäcker weiterhin pünktlich in seiner Backstube stehen wird, damit sie anschließend etwas zu verteilen haben, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Schule gegangen, mit einer nur wenig geringeren sogar in eine weiterbildende Schule. Dort lehrte man sie offenbar nicht nur, "Alles" immer groß zu schreiben, sondern auch, nicht an die ökonomische Logik zu glauben, die fast jedem menschlichen Verhalten zugrundeliegt. 

Klimaprediger auf dem Rücken des Bäckers

So wenig Greta Thunberg oder Luisa Neubauer das Klima predigen könnten, gelänge es ihnen nicht, mit dieser Tätigkeit auch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten oder von anderen bestreiten zu lassen, so wenig ist der Bäcker in der Lage - oder gar willig - seine Arbeit zu tun, ohne einen Vorteil daraus zu erlangen. Die Geschichte der DDR, eines Staates, der diesen, aus eigener Leistung entspringenden individuellen Vorteil zwar nicht abschaffte, aber zu minimieren suchte, steht beispielhaft für das Versagen aller Systeme, die vorgeben, auf Solidarität, gerechtes Teilen und die Unterbindung von Vorteilsstreben zu setzen. Es dauert vielleicht einige Zeit, vielleicht sogar einige Jahre. Dann aber funktioniert nichts mehr.

Häuser verfallen, die Läden sind leer und damit die Gesellschaft überhaupt noch funktioniert, muss Druck an die Stelle der für lockende Vorteile eben noch freiwillig erbrachten Leistung treten. Was in ganz kleinen Gruppen gelingen kann, in denen jeder jeden kennt, stößt nach wissenschaftlichen schon bei 150 Personen an seine Grenze. Ein Verband dieser Größenordnung hat keinen inneren Zusammenhalt mehr, der solidarisches Teilen ohne den Hintergedanken zulässt, dem Gebenden werden ja auch wieder gegeben. Geteilt wird hier nur noch auf Anweisung, wer aber das, was er sich eben selbst erarbeitet hat, an den weitergeben muss, der währenddessen nichts tat, überlegt sich beim nächsten Mal einfach, ob es für ihn selbst nicht auch die bessere Variante ist, gleichfalls nichts zu tun.

Wer dann noch teilen will, was nicht mehr da ist, weil niemand sich mehr dafür krumm machen will, müsste selbst in die Backstube, in die Klärgrube, an den Müllofen oder ins Pflegeheim. Spätestens hier endet der Sozialismus dann.

Dienstag, 20. Juli 2021

Proteste gegen Mohren: Bürokratie verhindert Umbenennung

Heidelinde Mohr möchte ihren Namen in "Heidelinde Mwort" ändern, doch die Behörden stellen sich quer.

Rassistisch, abwertend, schrecklich. Seit fast zwei Jahren kämpft Heidelinde M. gemeinsam mit Aktivisti und solidarischen Menschen aus allen Klassen, Schichten und Colors einen Titanenkampf gegen eine außer Rand und Band geratene gegeratene Bürokratie, deren Vorgaben sie zwingen, mit einem von der Öffentlichkeit als fremdenfeindlich, ewiggestrig und rechtsradikal aufgefassten Namen zu leben. M., eigentlich eine hübsche junge Frau, traut sich mittlerweile nicht mehr vor die Tür, sie leidet unter Depressionen und muss sich wegen ihrer Schmerzen immer wieder in Behandlung begeben. Inzwischen hat sie nahezu kapituliert, ein Anwalt hat den Fall übernommen, "aber bis zu einer Klärung", sagt der, "kann es Jahre dauern".

Ein unerträglicher Behördenmarathon

Was ist passiert? Nun, Heidelinde M. wurde als Tochter einer Familie geboren, die im hessischen Heidewald  über mehrere Jahrhunderte eine Apotheke führte. Getreu den mittelalterlichen Vorschriften für Außenwerbung nannte Firmengründer Friedewald M. sein Geschäft im Jahr 1412 nach einem guten Freund, dem aus Mauretanien stammenden Alhadi Rustala, einem reisenden Mohren, wie man damals sagte. Als "Mohren-Apotheke" wurde der damals noch kaum behördlich beaufsichtige Tränkerührer Friedewald weit in der Region bekannt. Seiner Medizin wurde große Heilwirkung zugeschrieben - und bald begannen Kunden, aber auch Nicht-Kunden ihn den "Mohren-Friedewald" zu nennen. "Meine Mandantin lebt nun mit dem Schicksal, dass diese Fremdbenennung als ,Mohr' später als Familienname der gesamten Verwandtschaft genutzt wurde", sagt ihr Anwalt.

Über Jahrzehnte hinweg erregte das keinen Anstoß. Die Familie Mohr fühlte sich nicht anders als die benachbarte Familie Müller oder die Schneiders von gegenüber. Erst in den letzten Jahren verstärkte sich "vor allem bei meiner Mandantin, die in einem politisch sehr wachen und sensiblen Milieu lebt", so Heidelinde Mohrs Rechtsanwalt, "das Gefühl, so könne es nicht weitergehen." Zwar sei Heidelinde Mohr nie offen gemobbt oder mit verbaler Gewalt angegriffen worden. "Doch sie fühlt, dass man sie aufgrund ihres als beleidigend und abwertend aufgefassten Familiennamens skeptisch beurteilt." Heideline Mohr sei sicher, dass hinter ihrem Rücken getuschelt werde und selbst gute Freunde sie für eine Anhängerin von Nazi-Ideen hielten.

Mwort statt Mohr

Vor zwei Jahren schließlich entschloss sich die junge Frau, die in einem Supermarkt arbeitet, zu einen drastischen Schritt. "Sie hat damals beim hiesigen Standesamt beantragt, ihren Nachnamen ändern zu dürfen." Das längst unerträgliche gewordene Wort "Mohr" wollte Heidelinde Mohr durch "Mwort" ersetzen lassen - dabei handelt es sich um den derzeit zulässigen Code, mit dem ihr langjähriger Familiennname umschrieben wird.

Doch was einfach klingt, stellte sich als komplizierte Prozedur heraus. Zur Umschreibung benötigt Heidelinde Mohr ein Gutachten, dass ihr bescheinigt, dass es sich bei ihrem neuen Nachnamen "Mwort" um einen bereits verwendeten Namen handelt. "das ist aber ja nicht der Fall, weil meine Mandantin die erste der rund 28.000 Mohren in Deutschland ist, die diesen antirassistischen Weg konsequent gehen will."  Doch die Bürokratie macht keine Ausnahme - "so lange "Mwort" nicht als Familienname zugelassen ist, kann sich Heidelinde Mohr nicht auf den Grundsatz der Namenskontinuität berufen, auf dem das deutsche Namensrecht gründet, seit es unter Adolf Hitler im Jahre 1938 neu geschrieben wurde. Seitdem sind Namensänderungen nur noch aus „wichtigem Grund“ möglich.

Namensrecht aus der Hitlerzeit

Dabei handelt es sich zwar um einen unbestimmten, rechtlich uneingeschränkt überprüfbaren Rechtsbegriff. "Es kommt insoweit darauf an, ob das Interesse des Antragstellers an der Namensänderung so wesentlich ist, dass schutzwürdige Interessen Dritter und die in der sozialen Ordnungsfunktion des Namens zusammengefassten Interessen der Allgemeinheit zurücktreten müssen", erläutert Mohrs Anwalt. Im Fall seiner Mandantin, die unter dem öffentlichen Image ihres Nachnamen leidet, zeige das Hitlersche "Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen" jedoch seien allein dem staatlichen Ordnungsinteresse untergeordnete Willkür. "Meine Mandantin soll eine Mohr belieben, um als Mohr autoritären Regelungsbedürfnissen zu unterliegen", moniert Mohrs Anwalt. 

Angeboten worden sei von Behördenseite zwar eine Umbenennungsmöglichkeit, jedoch seien die gemachten Vorschläge wie "Muhr", "Mahr" und "Möhr" für seine Mandantin nicht akzeptabel. "Sie möchte nach so vielen Jahren an der Familientradition festhalten dürfen, zumal die Apotheke schon von ihrem Vater hat geschlossen werden müssen." Für den Advokaten ein berechtigter Wunsch, für die Namensänderungsstelle jedoch kein Ansinnen, das in den Vorschriften vorgesehen ist. In solchen Krisen zeige sich, dass die Verwaltung eklatante Schwachstellen aufweise, schimpft der auf Namens- und Markenrecht spezialisierte Rechtsexperte. "Für mich sieht es so aus, dass Hitler selbst meine Mandantin zwingt, Reklame für ein rassistisches Wort zu laufen, das sie selbst ebenso ablehnt wie die Öffentlichkeit."

Heidelinde Mohr, die so gern Heidelinde Mwort heißen würde, will weiterkämpfen.  "Wir sind entschlossen, im Notfall bis vor den berühmten europäischen Menschengerichtshof zu ziehen",kündigt ihr Anwalt jetzt schon an. Dort spätestens, ist er sicher, "wird meine Mandantin Gerechtigkeit zuteil werden - sie wird sich nach einem Urteil dort bestimmt Heidelinde Mwort nennen dürfen."

Straße des Fortschritts: Freiheit in der Flüsterkneipe

Die Straße des Fortschritts führt in die Hölle der einheitlichen Meinungen.

Ältere sagen, es hat damals mit Eva Herman angefangen, die ohne Blinken auf die Autobahn abbog und deshalb von einem mutigen Moderator des Fernsehstudios verwiesen werden musste. Oder war es bei Thilo Sarrazin, dem hugenottischen Hetzer, der Deutschland in den Untergang bestsellerte? Oder begann es doch erst mit den ersten besorgten nichtamtlichen Attesten? Dass die Abenddämmerung über der freiheitlichen Gesellschaft begonnen habe? Der Sonnenuntergang bei Meinungsfreiheit und dem Recht eines jeden, zu sagen, was immer er denkt, lange Schatten werfe?
 
In jenem Sommer 2016, erst lau, dann heiß, erreichte ein über Monate sorgfältig herbeiorchestiertes Sehnen nach der Abschaffung eines konstitutiven Grundrechtes einen Höhepunkt. Die Gesellschaft ließ sich widerstandslos gefangennehmen von Zahlen, die eigentlich nicht einmal den Einsatz einer Polizeirevierstelle gerechtfertigt hätten, von einer interessierten Koalition aus SPD-, CDU- und Grünen-Politikern aber genutzt wurde, den "Kampf gegen rechts" zu einer staatspolitischen Aufgabe ersten Ranges zu machen.
 

Höchstmögliche Übertreibung

 
Mit weitgehenden Folgen: Weil die gerademal 20.000 von Verfassungsschützern registrierten Rechtsextremen selbst bei höchstmöglicher Übertreibung des von ihnen ausgehenden Gefahrenpotentials nicht ausreichten, Ausgaben von hunderten Millionen Euro zu rechtfertigen, verwandelte sich der Kampf gegen rechts in einen Kampf gegen alles, was nicht streng links ist.

Ein Wunder der Aufwallung, das "Hetze, Hass und Zweifel" (Claus Kleber) mit einem geschickten Kunstgriff unterhalb der Strafbarkeitsschwelle etablierte. Es ging nun  nicht mehr nur gegen alles, was strafbar ist. Sondern ins Visiier rückte neben dem Verbotenen erstmals das Nicht-Erlaubte: Dinge konnten nun legal sein, aber umstritten und deshalb untersagt. Es wurde der "hate speech" erfunden, eine Innovation von so durchgreifender Überzeugungskraft, dass selbst die Erfinder wohl nicht einmal ahnten, wie schnell sich die Gesellschaft verändern wird, sobald der toxische Begriff einen ebenso ungreifbaren wie allgegenwärtigen Inhalt angenommen hat.
 

Unscharfe Begriffe


Mit Bedacht wurde damals ein englischsprachiger Begriff aus den USA übernommen, der so unscharf und unklar ist wie das Ziel des Kampfes selbst. Wird als eigentliches Ziel postuliert, "sich offensiv gegen Hetze zu positionieren, Gegenstrategien zu entwickeln und Betroffene zu unterstützen", gilt als uneigentliches Bestreben das der Gegnermarkierung, um Feinde der offenen Gesellschaft wirksam aus jedweder Debatte ausschließen zu können. Dazu ist es wichtig, dass der zu bekämpfende "Hass" und die "Diskriminierung im Internet" nirgendwo definiert wird - auch Stalin hat die Parteilinie nie berufungsfest niederschreiben lassen, um sich die Beinfreiheit zu sichern, je nach Bedarf strafen zu können.

Alles, was für einen Angestellten der letztlich vom Hass lebenden Hilfspolizeieinheiten nach Hass, Hetze und Zweifel riecht, kann damit umstandslos zu Hass, Hetze und Zweifel erklärt werden. Hassrede ist ein Ding, das unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit lebt und seit der Abschaffung des Paragrafen der Majestätsbeleidigung gutes Recht jedes anständigen BürgerIn war: "Ich hasse Dich" zu sagen war gestattet wie das Gegenteil des "Ich liebe Dich". Heute ist es das nur im Grunde genommen immer noch: Trotzdem aber kann jeder Zeit der Staatsanwalt übernehmen. 
 

Erzieherische Ungewissheit

 
Eine neue, von großer und damit erzieherischer Ungewissheit umwehte Schwelle des "Wollen wir nicht" bestimmt, wo der Äußerer einer nicht-strafbaren Ansicht sich schuldig macht. Fällt dieses Vorurteil, gibt es kein rechtliches Gehör, kein Einspruchsverfahren, keine zweite Instanz. Der Rechtsstaat arbeitet mit Hilfe freigiebig finanzierter Vorfeldorganisationen, die die ihm selbst verbotene Zensur auf privater Basis mit Hilfe des Hausrechts der digitalen Monopole durchsetzen.
 
Wo diese offene Drohung nicht verfängt, hilft die Exekutive, die demonstrativ die Unverletzlichkeit von Wohnungen missachtet, um vermeintliche oder mutmaßliche Urheber von "Hass und Hetze im Netz" (Ruhrnachrichten) vor aller Augen gleich mit den Mitteln des Ermittlungsverfahrens abzustrafen. Während von den billigen Plätzen im Politzirkus ein noch härteres Vorgehen gefordert wird.

Der Bürger, in seiner neuen Gestalt eine "Bürger*In", von der die Gemeinsinnanstalten hoffen, dass auch er auf Gewöhnung treffen wird, ist nun nicht mehr frei in seinen Äußerungen, aber frei in der Entscheidung, ob er die Nachwirkungen, die auf sie folgen könnten, hinzunehmen bereit ist. Schon dieses Nachdenken vor jedem "Like"-Klick, dieses Bedenken, was geschehen könnte, ist Teil einer neuen Freiheit, die sich binnen von nur fünf Jahren vollendet hat. Im Zögern, ob die Äußerung einer bestimmter Ansicht nicht vielleicht der Karriere schadet, zeigt sich der neue Untertan.
 

Angst und Bereitschaft

 
Die Angst ist da und die Bereitschaft, sich an einer offenen Diskussion zu beteiligen, die doch einst die Basis sein sollte für Entscheidungen, die die Gesellschaft an ihrem Ende mehrheitlich trifft, schwindet. Die Nische ist die neue, alte agora, wie damals in der DDR, in der sich die wirklichen Debatten ins Private und in die abgesicherten Räume Gleichgesinnter zurückzogen, während im öffentlichen Raum Diskussionssimulationen stattfanden, die heute bei "Anne Will", "Maischberger" und in Wahlkämpfen nachgestellt werden.
 
Auch die sozialen Netzwerke, vor ein paar Jahren noch die Flüsterkneipen der Moderne, haben diese Funktion mittlerweile verloren: Als Facebook und Twitter begannen, unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit zu löschen und dem Druck der Politik nachzugeben, dort einzugreifen, wo die Gefühlsgerichte der Meinungsfreiheitsschützer eine "Schädlichkeit" von Äußerungen auszumachen meinten, verwandelte sich der Kampf gegen den "Hass" in einen Kampf gegen den Meinungspluralismus, der inzwischen auf verlorenem Posten steht.

Montag, 19. Juli 2021

Mississippi burning: Ende einer Weltmacht

 
Irgendwann sprachen die Indianer Englisch, weil Frankreich nach Hause gegangen war.

Es ist immer ein Gerangel gewesen, auffällig aber sind die Zeitverläufe, die den Kampf um den Posten als Weltmacht prägten. Immer nur einer war ganz oben, zuweilen dicht gefolgt von einem einzigen Konkurrenten wie Spanien, das Portugal im Nacken hatte. Ehe die Niederlande kamen, sich von der spanischen Herrschaft befreiten und selbst Chef auf dem Globus wurden.
 
Keine Dauerstellung für das kleine Volk mit den sprichwörtlichen Holzschuhen. Schon Ende des 17. Jahrhunderts verloren die Niederländer ihre amerikanische Gründung Nieuw Amsterdam und damit  auch ihre Vormachtstellung als Finanz- und Expansionsmotor in Europa. Zwei bis dahin kaum als außenpolitisch erfolgreich aufgefallene Staaten waren plötzlich auf Augenhöhe: Frankreich und Großbritannien. Zunächst sah es auch ganz so aus, als würden die Franzosen das Rennen machen. Der französische König hatte mehr Untertanen als der englische, er hatte eine größere und erfahrenere Armee und viel mehr Steuereinnahmen. Warum also waren es nicht die Franzosen, die Indien, Australien, Neuseeland, Kanada und - zeitweise - die USA eroberten?

Lektion in Weltpolitik

 
Die Geschichte ist eine Lektion in Weltpolitik und darin,welche Bedeutung die Finanzmärkte haben. Die nämlich vertrauten damals den Briten, nicht den Franzosen. Und schuld daran war eigentlich eine einige Aktie, die zum Wirecard-Skandal der damaligen Zeit wurde. Und letztenendes dafür sorgte, dass Frankreich sich heute für groß hält, in Wirklichkeit aber nur eine Regionalmacht ist, deren Sprache nahezu niemand spricht und deren Geld nur etwas wert ist, weil Nachbarländer dafür bürgen.
 

Dabei fing alles als Traum von märchenhaftem Reichtum an. Im  Jahr 1717 machte sich die französische Mississippi-Kompanie an die Besiedlung des Mississippi-Deltas in den heutigen USA. Man gründete die Stadt New Orleans, ein Versprechen auf ewigen Aufschwung und Prosperität. Um die Unternehmung zu finanzieren, verkaufte die Gesellschaft, die über beste Beziehungen zum Hof Ludwigs XV. verfügte, Aktien an der Börse von Paris. John Law, der Direktor der Gesellschaft, war nebenbei Direktor der Französischen Zentralbank und Finanzminister, das war sehr günstig, denn so saß die Regierung immer mit am Tisch wie Peter Altmaier und Heiko Scholz bei den großen deutschen Investmentabenteuern.
 

Die Alligatoren-Aktie


Gut, im Jahr 1717 hatte der Mississippi wenig mehr zu bieten als Sümpfe und Alligatoren. Aber wie Wirecard verstand es auch die Mississippi-Kompanie, mit schöner Propaganda über unbegrenzte Möglichkeiten, fließende Honigströme und explosives Wachstum die Verlockung in viele Köpfe zu pflanzen. Französische Adelige, Unternehmer und Bürger gingen dem Märchen auf den Leim, man kaufte Aktien, die Kurse der Mississippi-Kompanie schossen in die Höhe. 
 
Die Aktien waren zu einem Stückpreis von 500 Livres ausgegeben worden. Am 1. August 1719 wurde sie bereits zum Preis von 2.750 Livres gehandelt. Am 30. August stand der Kurs bei 4.100 Livres und am 4. September bei 5.000 Livres. Am 2. Dezember 1719 knackte die Aktie die 10.000er-Marke. "Dausend" würde später mal ein Börsenjournalist rufen, das hier aber war mehr. Die Franzosen waren euphorisch. Mancher verkaufte, was er hatte, und nahm Kredite auf, um Mississippi-Aktien zu erwerben. Wie heute beim Bitcoin träumten alle davon, über Nacht reich zu werden.

Doch schon wenige Tage nach dem Höchststand kam Panik auf. Einige Spekulanten wollten ihre Gewinne mitnehmen und sie verkauften. Keine schlechte Idee, glaubten andere, und folgten. Als immer mehr Mississippi-Aktien angeboten wurden, sank der Kurs. Und nun wurden noch mehr Aktien angeboten. Und als andere Anleger das sahen, wollten sie ihre Aktien ebenfalls loswerden. Und so weiter.

Ein Crash wie Wirecard

 
Ein Crash, der für sich genommen nur individuellen Schaden angerichtet hätte. Wäre nicht der französische Staat angetreten, genau das zu verhindern. Um die Preise zu stabilisieren, ließ der Chef der französischen Zentralbank Mississippi-Aktien kaufen, immer mehr. Bis seiner EZB das Geld ausging. Doch warum ist man Staat? Weil man sich Geld drucken kann, wenn es fehlt. Also gab der Finanzminister Anweisung, genau das zu tun, denn als Direktor der Zentralbank konnte er das. Und als Direktor der Mississippi-Kompanie schien ihm das notwendig. 
 
Nun endlich ergriff der Schlamassel das gesamte staatliche Finanzsystem Frankreichs. Denn so viele Aktien auch gekauft wurden, immer noch mehr wurden angeboten.  Die Blase platzte, der Aktienkurs stürzte von 10.000 zunächst auf 1.000 Livres, um dann vollends einzubrechen und das gesamte französische Finanzsystem mit sich in die Tiefe zu reißen. Die großen Spekulanten waren noch gut rausgekommen. Viele kleinere Anleger verloren dagegen alles, manche begingen deshalb sogar Selbstmord.
 

Ende einer Weltmacht


Die Mississippi-Blase war der Wirecard-Skandal ihrer Zeit, nur viel spektakulärer und größer. Denn das königliche Finanzsystem Frankreichs erholte sich nie mehr von diesem Schlag. Angesichts der Schamlosigkeit, mit der die Mississippi-Kompanie ihren politischen Einfluss genutzt hatte, um die Aktienkurse zu manipulieren und die Spekulation noch weiter anzuheizen, verlor die Öffentlichkeit jedes Vertrauen in die grande nation. Großbritannien wurde in den darauffolgenden Jahren eine Weltmacht, denn den verlässlichen Briten, die immer pünktlich zurückzahlten und Gerichte hatten, an die man sich wenden konnte, wenn das nicht der Fall war, boten die Banken gern günstige Kredite. Von Frankreich aber hielt sich jeder fern, der sein Geld wiedersehen wollte. Bis heute zahlt das Land im Grunde genommen die Zinsen für die damaligen Fehlentscheidungen

 

Elektrische Gerechtigkeit: Zuschuss-Pipeline aus dem Steuerfässchen

Die Forderung nach einem Ende für klimafeindliche Verbrenner gab es schon lange. Jetzt setzt der Staat Milliarden ein, um denen, die es sich leisten können, zu einem Tesla zu verhelfen.

Viele würden schon wollen, wenn die entsprechenden Fahrzeuge könnten, was ihre Vorgänger konnten. 600 Kilometer am Stück fahren, in fünf Minuten vollgetankt bereit zur Weiterfahrt. Einmal Tankstelle 80 Euro und wenn mal nichts mehr fährt, kommt der ADAC, nicht die Feuerwehr mit Spezialanzügen. Aber das Klima. Aber die Umwelt. Aber die fürchterliche Fossilenergie. Nein, die Zukunft muss elektrisch sein, auch wenn das, was schon elektrisch fährt, mit dem, was bisher gefahren ist, nicht konkurrenzfähig scheint. Aber ein Anfang muss her, denn ohne Elektroautos lässt sich keine Ladeinfrastruktur mit Millionen Ladepunkten aufbauen. Und ohne Ladeinfrastruktur kauft kein Mensch ein Elektroauto, selbst wenn eine Modell eines Tages wirklich marktreif sein sollte.

Die Frage nach Henne und Ei

Was lange wie die Frage nach Henne und Ei klang, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr mit einem entschlossenen Sowohl-als-auch beantwortet. Wenn schon der höchste Strompreis der welt selbst die vom Kauf eines VW ID abschreckt, die Internetseite www.nationale-plattform-elektromobilitaet.de stillgelegt wurde und  Greta Thunberg bei der Verleihung von Umweltpreisen flankiert von ps-starken Benzin-Dinosaurieren gegen die fossile Mobilität wettern muss, sollte wenigstens eine Kaufprämie verhindern, dass das 2008 ausgerufene und von 2020 auf 2022 verschobene Ziel von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen wieder nicht erreicht wird.

Mit Speck fängt man Mäuse, mit Mäusen Elektromobile. Kaum war der Elektroauto-Zuschuss aus dem Steuerzahlersack verdoppelt, schossen die Verkaufszahlen nach oben. Im Laufe von zwölf Monaten wurden über eine halbe Million Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb verkauft, zu denen der besseren Bilanz wegen auch Fakefahrzeuge mit Hybridmotoren gezählt werden, die benzinfrei oft nur bis zur nächsten Straßenecke kommen. Den statistischen Boom - genaugenommen beträgt der Anteil der Stromer an den Neuzulassungen immer noch kaum mehr als zwölf Prozent - lässt sich die Bundesregierung aber auch etwas kosten: Von Juni 2020 bis Juni 2021 bezuschusste die öffentliche Hand den privaten Kauf von Elektrofahrzeugen mit knapp zwei Milliarden Euro. 

Spritfrei in den Mai

4.000 Euro im Durchschnitt, die die Anschaffung eines Elektroautos mit einem Durchschnittspreis von zwischen 30.000 und 40.000 Euro, das nur halb so weit fährt wie ein Beziner, stundenlange Ladezeiten braucht und im Havariefall zuweilen ein flammendes Inferno verursache, gleich ein weniger weniger irrational erscheinen lässt. Die Zuschuss-Pipeline aus dem Steuerfässchen erfreut auch die Hersteller: Tesla etwa dürfte in den vergangenen zwölf Monaten rund 150 Millionen aus der Leitung gezapft haben. Nach Wolfsburg zu VW gingen etwa 300 Millionen.

Ein großer Akt der Solidarität, denn hier spenden die, die sich kein Auto für 40.000 Euro leisten können, selbst wenn es nur 35.000 Euro kostet, an die, die das Geld haben, die - auf Vorschlag der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) "Innovationsprämie" getaufte - staatliche Kaufprämie einzustreichen. Alle sind zufrieden, so zufrieden sogar, dass der Zuschuss der Armen zum Autokauf der Reicheren jetzt bis Ende 2025 verlängert wurde. Läuft alles weiter wie bisher, stehen am Ende der Förderperiode fünf bis sieben Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen, von Benzin-, Diesel- und Radfahrern, aber auch von Fußgängern mit 30 Milliarden Euro Spendengeld finanziert.

Sonntag, 18. Juli 2021

Zitate zur Zeit: Untergehende Völker haben die schönsten Melodien


Wie es mit dem Aufwärtssteigen des menschlichen Geschlechtes ist, so ist es auch mit seinem Abwärtssteigen. Untergehenden Völkern verschwindet zuerst das Maß. 

Sie gehen nach Einzelnem aus, sie werfen sich mit kurzem Blicke auf das Beschränkte und Unbedeutende, sie setzen das Bedingte über das Allgemeine; dann suchen sie den Genuss und das Sinnliche, sie suchen Befriedigung ihres Hasses und Neides gegen den Nachbarn, in ihrer Kunst wird das Einseitige geschildert, das nur von einem Standpunkte Gültige, dann das Zerfahrene, Unstimmende, Abenteuerliche, endlich das Sinnenreizende, Aufregende und zuletzt die Unsitte und das Laster. 

Der Unterschied zwischen Gut und Böse verliert sich, der Einzelne verachtet das Ganze, und geht seiner Lust und seinem Verderben nach.

Adalbert Stifter, "Bunte Steine" (1853)

Die Flut: Tore zur Hölle

Wandel, nicht nur beim Klima: In deutschsprachigen Büchern strebt "Flut" zum Alltime-High.

Einmal mehr öffnen sich die Pforten der Hölle, Wassermassen brausen durch menschliche Siedlungen, sie reißen weg, was im Weg steht, die vergelten, was der Natur angetan worden ist. Stauend stehen die Kommentatoren vor den Früchten ihrer jahrelangen Verweigerung, das Klima als zentrales Problem unserer Zeit in die Hirne zu hämmern. Politiker in Gummistiefeln wirken ratlos. Die Bundeswehr ist unterwegs. Bald werden die ersten Rettungspakete geschnürt werden und sobald die EU Kenntnis von den Ereignissen erhalten hat, wird sich auch Brüssel äußern. Vermutlich spricht dann auch die Kanzlerin, derzeit noch gehindert durch einen Auslandsaufenthalt, der es ihr verbietet, sich umgehend ins Krisengebiet zu begeben.

PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl gewichtet den Wahlkampf neu: War es das schon? Oder kommt da noch was?

Nordrhein-Westfalen kommt allein klar. Armin Laschet, der bald ganz Deutschland leiten und damit auch Europa führen muss, bekommt pünktlich zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause, die einmal mehr mit dem Start der heißen Phase des Wahlkampfes zusammenfällt, ein Thema vor die Füße gelegt, dass Bewährungschance und Durchmarschangebot zugleich ist. Die Stunde der Not ist immer die Stunde der Exekutive - Olaf Scholz, der Vizekanzler, wird zwar bald die Gelschleusen öffnen. Doch Annalena Baerbock, die ohnehin unter Druck geratene grüne Kanzlerinnenkandidatin, steht im Starkregen auf verlorenem Posten. Brandenburg ist weit weg. Die Klimaziele noch weiter. 

Nah wie die nasse Wand

Nah ist die nasse Wand, wenn sie überhaupt noch steht. Nah ist der Nachbar, der vermisst wird. Und naheliegend die Erklärung, das müsse ja nun wirklich alles mit diese Klimakatastrophe zu tun haben. Wie die Spitzenpolitiker, die die Gleichung Dürre + Hitze + Regen umstandslos mit Hochwasser lösten, waren auch die Die Kinder von Fridays for Future sofort zur Stelle. Zufällig war Freitag, früher ohnehin der Tag des Klimastreiks. Zufällig liegt nichts anderes an, denn in den Hochwassergebieten räumen Bundeswehr, THW und Feuerwehren den Dreck weg.

Es ist der ganz normale Wahnsinn in einer Welt, in der die kapitalistische Produktionsweise vorherrschend ist", hat das Berliner Blatt "Freitag" schon Tage vor dem großen Regen aufgedeckt, wie imperialistisches Wassermanagement, vorhergesagte Dauerdürrre und die Bausünden der Vorväter ein toxisches Gemisch bilden. Es ist der irrationale Teil eines ansonsten rational funktionierenden Systems, das allein auf sein Kurzzeitgedächtnis vertrauen muss. Immer ist, was gerade ist. Alles andere, von von Inzienz bis Impfrekord, von Bjelorussland bis Regenbogen, von Orban-Ungarn bis Green Deal, muss aussetzen, so lange die Aufmerksamkeit von etwas Neuem, außerordentlich Ungewöhnlichen aufgesaugt wird.

Bilder gewinnen die Schlacht

Und Bilder! Gibt es Bilder, ist die Schlacht geschlagen. Zeigte eben noch "die Blockade des Suezkanals durch einen quer liegenden Tanker die Verwundbarkeit dieses globalen Liefersystems auf wunderbare Weise" (Freitag), beweisen nun die braunen Fluten aus Ahrweiler, dass es so nicht weitergehen kann. Einfacher Wiederaufbau ist keine Option, die Brückentechnologie Gas zeigt deutlich, dass ihr nicht zu trauen ist.  Noch ist "nicht klar, wie viele Menschen in den Fluten im Westen Deutschlands ihr Leben lassen", analysiert n-tv messerscharf. Aber die Auswirkungen seien schon zu spüren: "Der Kampf ums Kanzleramt bekommt eine neue Dynamik."

Man muss Menschen offenbar nicht einem kennen, um sie so abgrundtief zu verachten. Der Zweck heiligt die Heuchelei, das Ziel ist der Weg. Im Ahrtal, einem Kernland der alten Bundesrepublik, das das nun wirklich nicht verdient hat, erntet der Exportweltmeister, was seit den Wirtschaftswunderjahren so fleißig gesät wurde. Mehr als doppelt so viel CO2 wie der durchschnittliche Thüringer emittiert der Nordrhein-Westfale, dreimal so viel wie ein Mexikaner und sechsmal so viel wie ein Inder. Das hat Konsequenzen.

Im Klimawahlkampf

Ein Klimawahlkampf droht nun, mehr noch als zuvor. Der Gürtel enger, die Maßnahmen schärfer. Es naht die Stunde der Alarmisten, die hoffen dürfen, Gehör zu finden, zumindest so lange die Wunden frisch sind. Auch im Kampf gegen die "Abnehmer für Erdöl oder Schweineschnitzel" (Paris Peckham) sortieren sich die Truppen nach Angebot und Nachfrage: So lange es eine Nachfrage nach Schuld, Sühne und Erlösung gibt, finden sich Anbieter, so lange sich Anbieter und Abnehmer suchen, gibt es einen Markt und so lange die Welt noch nicht "auf kollektiven und rationalen Entscheidungen fußt" Peckham), muss das "heilige Land des grünen Kapitalismus" ein immerwährendes Versprechen bleiben, eine Verpflichtung, ein Auftrag und eine Mission.

Samstag, 17. Juli 2021

Faktencheck: Die dreist verschwiegene Fabrik

Hass-Sticker wie dieser lügen.

Sie gilt als seriös, mittlerweile, nach Jahren im Krawallmodus der angedeuteten Systemfeindschaft angekommen in einem gesellschaftlichen System, das ihre Gründermütter und -väter noch hatten hinwegfegen wollen. Knapp 53 Jahre nach ihrer Gründung aber ist die Berliner Tagesszeitung "Tageszeitung" aufgerückt in die Riege der journalistischen Primärquellen: Die "Taz", wie sie häufig fast schon liebevoll genannt wird, versorgt die Republik mit Wahrheit und auch mal mit Empörungsstöffchen, mit Nachwuchskadern und einem immer noch leicht linken Blick auf aktuell-politische Ereignisse. Wenn die Taz kommentiert, dann richtig, wenn die Taz reportiert, dann nicht wie andere recht schnell und falsch, sondern von einer fundierten Position aus.

Ein "grandioser Slogan"

Wenn also die Taz sich der Frage zuwendet, wer den CDU-Kanzler*Innenkandidaten Armin Laschet bei der Verfertigung seines "grandiosen Slogans" (Taz) vom "Modernisierungsjahrzehnt" beraten habe, dann ist das ernstzunehmen. Doch die Entstehungssituation, die das Blatt dann beschreibt, offenbart sich nach einem kurzen Faktencheck als frei erfunden: „Dieses Jahrzehnt“, habe Laschet in der Entstehungsberatung gesagt, selbst berauscht von der Kühnheit seines Gedankens, „dieses Jahrzehnt wird entscheidend“. Anschließend sei der Satz "seltsam orientierungslos im Raum" herumgependet. Obwohl alle im Raum gewusst hätten, dass dieses Jahrzehnt wirklich "entscheidend für die Zukunft dieses Planeten, unserer Kinder und all derer, die noch kommen werden" sein wird, habe niemand  sagen wollen, was für ein Jahrzehnt ausgerufen werden soll.

Es hätte etwas sein sollen mit "Dynamik, Richtung, die Kommandobrücke", aber "ohne Veränderung" (Zitate Taz). Neidisch habe die Runde auf die Linken in den USA und deren Green New Deal geschaut, einen "umfassenden Plan, das Verhältnis von Staat, Arbeit und Umwelt neu und nachhaltig zu organisieren".So etwas habe Laschet sich auch gewünscht, nur eben "keine Veränderung". Den Ausweg habe die "ideale Verbindung von 50er-Jahre-Kühlschrankversprechen und 70er-Jahre-Ferienanspruchsdenken" geboten, "kombiniert mit einem Gefühl von „Tempo ist die letzte Freiheit“", in einem Wort zusammengefasst eben jenes "Modernisierungsjahrzehnt".

Eine abwegige These

Eine These, die Rainald Schawidow kopfschüttelnd "abwegig" nennt. Die von der Taz imaginierte Runde habe "natürlich nie gegeben", betont der Chef der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin, der die Entstehungsgeschichte des Begriffes ganz genau kennt. "Schließlich sind wir es gewesen, die das Wort aus mehreren Rohteilen gedreht haben", sagt der Chef der Bundesbehörde, der seit vielen vielhundertköpfiges Kollektiv aus Worthülsendrehern, Propaganda-Poeten und Schlagwortdichtern führt, das die Bundespolitik regelmäßig mit . wie "Rettungspaket", "Rettungsschirm", "Konjunkturspritze", "Abwrackprämie", "Schuldenbremse" oder auch "europäische Kreditsubsudulenz"versorgt.

Im Fall des umstrittenen "Modernisierungsjahrzehnts" datiert der Wortfachwirt, der sein Gewerbe noch beim Vorgängerbetrieb VEB Geschwätz erlernte, die erste beurkundete Erwähnung auf den März dieses Jahres. Kurz zuvor hätten Mitarbeitende der BWHF das zusammengesetzte Substantiv auf Bitten der Christdemokraten in NRW erschaffen - "die Anforderung war, dass es zupackend und vielversprechend klingen sollte, ohne Ängste auszulösen". Dass der Begriff "eine etwas bedenkliche Begriffsgeschichte" habe, wie die Taz behauptet, könne er nicht sehen. "Vor dem ersten regionalen Test mit dem Slogan "Aufbruch in die 20er Jahre - Modernisierungsjahrzehnt für Deutschland" habe es das Wort schleißlich "überhaupt nicht gegeben".

Testlauf im Heimatland

Der regionale Probelauf aber, zielgenau in Laschets Heimatland NRW durchgeführt, habe ermutigende Ergebnisse gezeigt. "Wir wir erwartet hatten, regt die Formulierung die Fabtasie an, ohne dass sich irgendjemand etwas darunter vorstellen kann." Das "nicht klar" sei, "was damit gemeint ist", wie die Taz behauptet, sei kein Produktmangel, sondern eine eingebaute Produkteigenschaft, "die der Auftraggeber genau so gewünscht hat".

Es ist das Ende einer frei erfundenen Legende, die im Internet kursiert und behauptet, "Modernisierungsjahrzehnt" sei ein Begriff für einen Wahlkampf, "der in fast allem von der Vorstellung des Alten geprägt ist, ganz sicher in dem Verständnis davon, dass Politik vor allem das ist, was Politiker tun und sagen". Er könne sich gar nicht vorstellen, wo jemand die vergangenen Jahrzehnte verbracht habe, der allen Ernstes einen solchen Vorwurf aufmache. Nicht zum ersten Mal würden doch deutlich absehbare Konsequenzen von Politik "hinter Worten von einschläfernder und gefährlicher Normalität" versteckt, sagt Schawidow. 

Keine "strategische Ahnungslosigkeit"

Die "strategische Ahnungslosigkeit", die die Zeitung aus Berlin Armin Laschet in einem hauptstadttypischen Reflex gegenüber dem Provinzpolitiker vorwirft, sei keineswegs ein "Zeichen für ein sich anbahnendes Systemversagen", sondern eine Wahlkampftaktik, "die seit Jahrzehnten zuverlässig funktioniert". Von "Sicher ist die Zukunft" (CDU) über "Die Zukunft unseres Landes beginnt jeden Morgen um acht" über (SPD) zu "Deutsche können stolz sein auf unser Land" (SPD) und "Dicke gehen baden" (Grüne) oder "Es ist Ihr Land" (FDP) führte eine gerade Linie ins "Modernisierungsjahrzehnt". Dass sich eine angesehen Zeitung nicht zu schade sei, fake news wie die von der Laschetschen Beraterrunde und der schweren Geburt des "Modernisierungsjahrzehnts" zu verbreiten, bedauere er. "Ein Anruf bei uns hätte doch gereicht, die Entstehungsgeschichte seriös zu schildern."

Letzter Geburtstag im Amt: Mit fliegenden Fahnen

16 Jahre wie ein Tag: Zehntklässler in Deutschland hatten nie eine andere Regierungschefin als sie.

Es schmeckt nach Abschied, nach letztem Aufruf und Nimmerwiedersehen. Angela Merkel in Amerika, unbeeindruckt von der Flutkatastrophe, die daheim ganze Dörfer wegspült, spult die scheidende Kanzlerin in Übersee ihr Abschiedsprogramm ab. US-Präsident Joe Biden treffen, den großen Unbekannten, der ins Amt kam und sofort nahezu vollkommen aus den deutschen Medien verschwand. Nord Stream 2 retten. Die Klimakuh vom Eis holen. Weichen stellen für die Nato, bis weit in die Zukunft hinein.  

Geburtstag in der letzten Kurve

So viel ist zu tun, Angela Merkel hat auch in der finalen Kurve ihrer Karriere keine Zeit, ihren Geburtstag zu feiern. Die "Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen", in dieser "ganz entscheidenden Zeit" voller "immer wieder ganz neuer Herausforderungen" (Merkel), alle Hände sind voll zu tun, denn es gehe, hat sie in Washington gesagt, neben ihrem "Freund Joe" (Merkel) stehend, nicht nur darum, dass "unsere Länder geimpft sind". Sondern um die ganze Welt.

Für die Geburtstagsfeier zum Eintritt ins kommende gesetzliche Rentenalter bleibt da keine Zeit, obwohl das Zusammenfallen von Renteneintritt und Amtsaufgabe alle Stimmen Lügen straft, die behaupten, dass Angela Merkel so tragisch zu spät aus dem Amt scheitert wie viele ihrer Vorgänger. Nein, die Kanzlerin, die erste Deutschlands und nach den jüngeren Entwicklungen mit hoher Wahrscheinlichkeit erst mal auch die letzte, hat ihren Abschied im Griff wie sie noch stets alles im Griff hatte. Mochte es auch manchmal Mühe bereiten, den Ruf als beliebtester deutscher Politbetreibender zu behaupten - wichtig war, dass es am Ende immer gelungen ist, wenigstens den Anschein zu wahren.

Niemand singt mehr für Frau Merkel

In der Krise, die zum zweiten Vornamen dieser 16 Jahre währenden Kanzlerschaft geworden ist, kann es sowieso keinen Kuchen geben, keine Torte, keine Kerzen und nicht die fröhlichen Lieder einer schon auch ein bisschen in die Kanzlerin verliebten Geburtstagsrunde. Trübe Sommertage in Berlin, in denen die bröckelnde Loyalität selbst der eingeschworenen Anhänger nicht mehr zu übersehen ist. Wo vor sieben Jahren noch gemeinsam gesungen wurde, ist Stille eingekehrt. Wo vor fünf Jahren noch Kulturschaffende wie  Volker Schlöndorff, Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Michel Friedman und Nico Hofmannin die Hauptstadt eilten, um beim Pförter des Kanzleramtes ihre Honneurs zu machen, liegen die Straßen und Plätze nun leer. Kein junger Künstler malt ein neues Porträt, kein fresher Rapper hat ein paar nice tunes gerührt.

Vier Jahre nach dem ungeheuerlichen Versuch des Magazins "Spiegel", Angela Merkel mit einem hanebüchenen Hitlervergleich in eine Reihe zu rücken mit früheren Verderbern des Vaterlandes, muss Angela Merkel ihren 67. ganz allein feiern, im engen Kreise ihrer Vertrauten. Deutschlands Medien ignorieren das Wiegenfest der immer noch mächtigsten Frau der Welt nicht nur konsequent, sie versuchen auch, die gerade erst heilende Freundschaft zwischen den neu demokratisierten USA und der europäischen Führungsmacht, die vier Jahre lang die Barrikaden gegen den Ansturm der Populisten hielt, zu torpedieren. 

Die Erben gehen auf Abstand

Als bräuchte sie das, jetzt noch, wo sich ihre Erben gar nicht schnell genug vom großen Werk der "Pionierin, pragmatisch, kompetent und kompromissfähig" (Focus) absetzen können. Endlich Reformen müsse es geben, eine "Entfesselung" der Schaffenskraft eines seit Jahren von Vorschriften, Gesetzen und EU-Richtlinien gelähmten Landes, das nicht einmal mehr in der Lage ist, klimarettende Windräder und flächendeckend umweltfreundliche Solaranlagen zu errichten. Und dann die Schulden. Und die himmelhohe Steuerbelastung. Der Kalte Krieg mit Russland. Die schwerer denn je zerstrittene, bei nahezu keiner einzigen Frage mehr einige EU. Mit einer Kommissionspräsidentin, die ihr Heimatland vor dem EuGH verklagt, weil sich die Bundesregierung strikt weigert, dem unabhängigen deutschen Verfassungsgericht Weisung zu geben, wie es seine Urteil zu fällen hat.

Niemand spricht es aus, doch alle sind der Ansicht, dass es das heutige Geburtstagskind gewesen ist, dem die Angelegenheiten mehr und mehr aus der Hand geglitten sind. Je länger Angela Merkel im Amt war, desto deutlich sichtbarer erlag sie dem Glauben, es richten zu können, egal, was es ist. Respektvoll "Mutti" (SZ) genannt, wo einer der Vorgänger als "Birne" beschimpft wurde, reihte Angela Merkel Sieg an Sieg über Wirklichkeit, der kleine Kreis ihrer Vertrauten schrumpfte und ihr Selbstbewusstsein wuchs. 

Das eigene Denkmal: Eine Jacke

Verschwand sie auch mit dem Beginn der Pandemie vollends aus der Öffentlichkeit, keine Vor-Ort-Termine mehr, keine Begegnungen mit einfachen Leute, so stand doch ihr Fernsehbild im bunten Blazer als ihr eigenes Denkmal jedermann immer vor Augen. Wie sie die Euro- und die Schulden-, die Flüchtlings- und die CSU-Krise überlebte, so überstand sie auch Corona, das europäische Impfstoffbeschaffungsversagen, die Suspendierung von Freiheitsrechten auf dem Verordnungsweg, den Rückfall Europas in den Pandemiebekämpfungsnationalismus und das erneut frühe Ausscheiden der deutschen "Mannschaft" (DFB) bei der Europa-Meisterschaft. Es sah immer so aus, als würde ihr das alles verziehen. Sie war immer beliebt, nicht trotzdem, sondern bei vielen deshalb.

Ausgerechnet zum 67. aber, in einem Land, in dem ein solcher Anlass oft ein "besonders begangener Tag" gewesen ist, ruft die allgemeine Stille, rufen die fehlenden Blumen, die schweigenden Kolumnisten, die Kinderchöre, die kein Lied anstimmen, und die Parteifreunde und politischen Konkurrenten, die nicht mit Glückwunschtelegrammen hineinfeiern helfen wollen, unüberhörbar das Ende einer Amtszeit aus, die heute seit 5.716 Tagen andauert. Konrad Adenauer hat Angela merkel damit schon deutlich übertroffen, der erste Kanzler kam nur auf 5.140 Tage im Amt. Von Helmut Kohl, der Deutschland 5.869 Tage regierte, trennen sie noch ganze 153 Tage.

Am 17. Dezember wäre es soweit, 82 Tage nach der Bundestagswahl. Früher werden die Koalitionsverhandlungen nicht abgeschlossen können.