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Samstag, 20. April 2013

Kein Sieg ohne Siebert


Leer, leer, leer. Leer ist am Ende alles, leer ist die Fankurve, leer sehen die Gesichter der Spieler aus. Leer sind die Bierbecher, die vor Wut geworfen wurden. Und leer ist das Punktekonto des Tages beim Halleschen FC. Glücklich feiern die milkakuhfarbenen Spieler des VfL Osnabrück einen mehr als glücklichen Auswärtssieg. Fröhlich klatscht Schiedsrichter Daniel Siebert mit einem Osnabrücker Kicker ab. Mission Accomplished für den Berliner, der in Halle von Anfang an angetreten war, den Gastgebern den angestrebten ersten Heimsieg seit dem 3:1 gegen Hansa Rostock Mitte März zu verweigern.

Siebert nimmt die Aufgabe von Anfang an ernst. In Minute drei schießt Daniel Ziebig von Rechtsaußen einen Freistoß direkt ins Tor. Siebert winkt ab - er will eine Abseitsstellung des aktiv gar nicht eingreifenden Timo Furuholm gesehen haben. Zehn Minuten später, der HFC hat den Favoriten inzwischen fest im Griff, trifft der Bannstrahl des Referees Dennis Mast. der ist auf links außen in den Strafraum gelaufen und wird dort mit einem Tritt gegen das Schienbein umgelegt. Weiterspielen, bedeutet Siebert.

So dauert es bis zur 43. Minute, bis die läuferische, kämpferische und spielerische Überlegenheit der wieder von einem Nico Kanitz in Galaform angeführten Rot-Weißen sich auf der Anzeigetafel bemerkbar macht. Ausgerechnet Björn Ziegenbein, zuletzt aus der Stammelf rotiert und nur durch die Verletzung seines Vertreters Anton Müller wieder zurück in die Anfangsformation gerutscht, hat in der Nähe der Position, aus der Ziebig das aberkannte 1:0 geschossen hat, ein, zwei Sekunden Zeit zum Zielen. Er tut es. Und schießt den Ball punktgenau ins linke obere Eck des Tores von Osnabrück-Keeper Riemann.

1:0 gegen zwölf Mann, das ehemalige Wabbel-Stadion feiert. Feiert die Wiedergeburt des Björn Ziegenbein. Die Auferstehung des Nico Kanitz. Die Rückkehr von Jan Benes, der den gelbgesperrten Sören Eismann auf der rechten Abwehrseite ersetzt und sich zu einer fantastischen Leistung aufschwingt. Feiert Marco Hartmann, der seine Zweikämpfe in der Regel gewinnt. Feiert die neuformierte Innenverteidigung, in der Toni Leistner riskant, aber meist sehr sicher spielt.

Das Stadion feiert immer noch, als eben dieser Leistner seinen Gegenspieler wieder wegblockt, um den Ball über die Torauslinie gehen zu lassen. Fünf- oder sechsmal hat das bis dahin geklappt. Diesmal geht es schief. Durch Leistners Beine spitzelt der Osnabrücker den Ball nach innen, Leistner läuft nach, erreicht den aufs Tor zulaufenden Osnabrücker Zoller. Und der lässt sich im selben Moment fallen.

Daniel Siebert zögert keine Sekunde. Er gibt Elfmeter, Staffelt verwandelt. 1:1. Halbzeit.

Nach der Pause geht es so weiter. Szenenapplaus für die Hallenser von den Rängen. Zauberkunst am Ball von Kanitz. Mast, Ziegenbein und Furuholm kommen immer wieder gefährlich in die Osnabrücker Hälfte, VfL-Trainer Pele Wollitz tobt vor seiner Bank wie ein Rumpelstilzchen, weil er die Chancen auf den nötigen Sieg schwinden sieht: In der 60. Minute wird Ziegenbein im VfL-Strafraum gelegt. Selbst Daniel Siebert muss da pfeifen.

Maik Wagefeld müsste nun nur noch treffen und Osnabrück wäre erledigt. Der HFC-Kapitän zielt in dieselbe Ecke, in die Staffeldt vorhin für den VfL getroffen hat. Torwart Riemann aber springt nicht dorthin, wo Horvat vorhin hingesprungen ist. Sondern dahin, wo Wagefeld den Ball hinhaut. Auch den Nachschuss von Furuholm hält er. Wagefeld schlägt die Hände vors Gesicht.

Der alte Fuchs, immer noch meilenweit von den Leistungen des letzten Sommers entfernt, ahnt wohl, was jetzt kommt. Eigentlich holt der HFC zu Hause mindestens einen Punkt, wenn er erst einmal geführt hat. Aber andererseits verliert er meistens auch, wenn er erstmal zurückliegt.

Für heute kommt es so. Beinahe im Gegenzug ist die HFC-Abwehr plötzlich entblößt. Horvat steht weit vor seinem Kasten, Leistner ist einen halben Schritt hinter dem Elfmeterschinder Zoller. Der fällt diesmal nicht, sondern schießt mit dem Außenrist an Horvat vorbei zum 2:1 für Osnabrück ein.

So sehr die Hallenser kämpfen, kratzen und beißen, was nun passiert, ist altbekannt. Furuholm köpft Riemann an. Furuholm köpft vorbei. Mast schießt vorbei. Wagefeld schießt drüber. Die Ecken sind zu flach oder zu weit. Ist ein Zweikampf erst gewonnen, bläst Daniel Siebert garantiert gleich seine Pfeife. Jetzt hat der HFC auch glückliche Momente - etwa als ein allein durchgelaufener Osnabrücker einen Heber nicht über Horvat bekommt, sondern dessen Gesicht trifft. Oder als ein anderer nicht ins Tor, sondern daneben schießt.

Sven Köhler wechselt den Sieg auch nicht ein. Für Ziegenbein bringt er Michael Preuß, für den kopfballstarken Kristian Kojola den konterstarken Angelo Hauk. Die letzten Minuten sind ein Anrennen, ein Aufbäumen gegen das Unvermeintliche. Sie werden belohnt: In der zweiten Minute der Nachspielzeit ist der Ball endlich im Osnabrücker Tor, aus Nahdistanz über die Linie gedrückt und - im MDR deutlich sichtbar - erst hinter der Linie von Riemann herausgefischt.

Daniel Siebert hat es anders gesehen. Kein Tor, entscheidet er, heute schon zum zweiten Mal. Maik Wagefeld, Nico Kanitz und Dennis Mast sind außer sich. Die Tribünen buhen. Wollitz macht die Siegerfaust. Abpfiff. Niederlage für die bessere Mannschaft.  Sieg für Siebert.

Beim Hinausgehen klatscht der Schiedsrichter vor aller Augen fröhlich mit einem Osnabrücker Spieler ab.

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