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Mittwoch, 22. Juli 2015

Fünfzig Milliarden aus frischer Luft

In Griechenland machen die "Geldgeber" (DPA) keine Kompromisse mehr. Das wankende, schwankende Euro-Land, das das fragile innere Gleichgewicht der Eurozone seit Jahren gefährdet, muss im Zuge eines neuen "Reformpaketes" (Wolfgang Schäuble) nicht nur massiv seine Steuern erhöhen, um neue Anreize für Schwarzarbeit und Schwarzmarkt zu setzen und die Konkurrenzfähigkeit des Urlaubslandes Türkei zu verbessern. Nein, Griechenland muss auch beginnen, sein Tafelsilber zu vergolden: Staatlicher Besitz im Wert von 50 Milliarden Euro soll in den kommenden 30 Jahren an Investoren verkauft werden.

EU-Parlamentschef Martin "mehr Hilfe wird es nicht geben" Schulz verfügt bereits über detaillierte Pläne dazu, wie diese 50 Milliarden eines Tages ausgegeben werden können. Sie werden helfen, Schulden zu senken, man wird mit ihnen kräftig investieren und überhaupt viel Gutes tun.

Was aber wird verkauft werden? Der PPQ-Vorschlag, Kreta gegen einen finanziellen Ausgleich an Deutschland abzugeben, wurde in Athen abgelehnt. Auch die griechischen Goldreserven will die Regierung behalten - das Gold im Wert von 3,9 Milliarden Euro wird für schlechte Zeiten gebraucht.

Was bleibt also? Es sind vor allem drei große Unternehmen, an denen der griechische Staat Anteile hält: Der Energiekonzern Hellenic Petroleum, der Lotto- und Sportwettenanbieter Greek Organization of Football Prognostics SA (Opap) und der Versorger Public Power. Das Problem aller drei Firmen: Sie sind nach fünf Jahren Krise zwar das wertvollste, was Athen noch hat. Aber wirklich viel wert sind sie nicht.

Public Power Greece bringt es nach zehn Jahren Kursrückgang gerade mal noch auf einen Gesamtfirmenwert von 1,4 Milliarden Euro, auch Opap spielt etwa in dieser Liga. Hellenic Petroleum schafft das nicht ganz - etwas eine Milliarde ist die komplette Firma wert. Zusammen macht das etwa vier Milliarden, nicht berücksichtigt, dass der Regierung in Athen an allen drei Firmen zwar eine Mehrheit, nicht aber hundert Prozent der Anteile gehören. Beim angestrebten Verkauf an private Investoren könnte Griechenland folglich bestenfalls unter vier Milliarden Euro einnehmen - keinesfalls aber mehr. Und schon gar nicht einen bedeutenden Anteil der anvisierten und von Martin Schulz auch schon wieder ausgegebenen 50 Milliarden.

Die bestehen im Grunde genommen ausschließlich aus frischer Luft und haltlosen Behauptungen, sogar mehr noch als vor drei Jahren, als Griechenland seinen Geldgebern zum ersten Mal zusichern musste, Staatsbesitz zu privatisieren, um neue Kredite zu bekommen. Seinerzeit hatten die drei Vorzeigeunternehmen nach einem zweijährigen Kursrutsch neue Börsentiefs erreicht, ihr Wert lag unter dem Buchwert, Investoren standen dennoch nicht Schlange. Bis Mitte 2014 verdoppelte, verdreifachte und vervierfachte sich der Börsenwert aller drei Firmen, zusammen brachten sie im Sommer letzten Jahres noch eine Marktkapitalisierung von mehr als zehn Milliarden auf die Waage.

Mit der erneuten Forderung nach einem Verkauf wartete Europa dennoch bis heute, wo mögliche Erlöse allenfalls noch bei einem Bruchteil dessen liegen werden, was früher ein zuspielen gewesen wäre. Aber um Einnahmen geht es ja auch gar nicht. Sondern ausschließlich dazu, eine Berechtigung dafür zu schaffen, dass die EU-Länder dem insolventen Griechenland weitere 86 Milliarden Euro zur Erhaltung des Anscheins der Zahlungsfähigkeit zuschieben.

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