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Samstag, 2. Juli 2016

Brexit: Der "Seelöwe" soll es richten

Nach dem Votum für einen EU-Ausstieg der Briten hat sich die Bundesregierung offenbar sofort Unterlagen zum „Unternehmen Seelöwe“ aus dem Bundesarchiv bringen lassen, um den Schaden eines Brexit zu begrenzen. Kanzlerin Angela Merkel sei nach Bekanntwerden des so zuvor nicht abgesprochenen Abstimmungsergebnisses „stinksauer auf Cameron“ gewesen, heißt es in der CDU. Merkel habe die Entscheidung als „Einschnitt für Europa“ und als „Einschnitt für den europäischen Einigungsprozess“ bezeichnet, die sie so nicht zulassen könne.

Helfen soll hier nun erstens eine europaweite Volksabstimmung, bei der alle Nicht-Briten im frühen Herbst aufgerufen sein sollen, über einen Abschied von Großbritannien zu entscheiden. „Noch sind wir im selben Klub“, heißt es in Bundesfinanzministerium, in dem der Geheimplan für einen Remain erworfen wurde, „da kann keiner so einfach die Tür zuknallen.“ Zur Demokratie gehöre es, Mehrheiten zu akzeptieren. „Und wenn die Mehrheit der Europäer sagt, wir wollen die Briten dabeibehalten, dann ist das eine demokratische Entscheidung, an die sich auch Rechtspopulisten und EU-Hasser halten müssen.“

Klar machen soll das den Zweiflern und Hetzern die –vorerst theoretische - Reaktivierung Alternativ des „Seelöwe“-Plans. Dabei handelt es sich um geheime Dokumente der Stäbe der Wehrmacht vom Anfang August 1939, in denen sich unter anderem eine „Studie für den Luftkrieg gegen England“ findet. „Zielsetzung der Luftkriegführung gegen England in der Endlösung“ war es seinerzeit, „die letzte Widerstandskraft des Gegners durch Besetzung größerer Landesteile zu brechen“ und damit eine europäische Einigung unter deutscher Führung voranzutreiben. Schon damals weigerte sich das Inselreich, auf friedliebende Vorschläge einer gemeinsamen Strategie zur Aufteilung der Verantwortung über die Welt zuzustimmen.

Das Oberkommando der Wehrmacht war deshalb am 14. November 1939 gezwungen, „Möglichkeiten einer Invasion Englands“ zu prüfen, um das perfide Albion an seine europäische Verantwortung zu erinnern. Damals stellte sich bei der „Überprüfung“ allerdings heraus, dass eine Landungsflotte durch die Aktivitäten der Royal Navy und der Royal Air Force behindert werden würde. Die Studie kam zu dem Schluss, die Niederringung der Royal Navy und der Royal Air Force werde „höchstwahrscheinlich gleichzeitig das völlige Zusammenbrechen des Widerstandswillens dieses Landes im Gefolge haben“, warnte aber auch, dass die deutsche Kraft dazu voll angespannt werden müsse. Daraufhin wurde seinerzeit auf Landung und Besetzung verzichtet.

Diesmal könnte es anders kommen. Hinter Deutschland steht ganz Europa, zuletzt hat Wladimir Putin gezeigt, dass nationale Grenzen in höchster Not durchaus überwindbar sind. Die Perspektive, die die Papiere zum Thema Seelöwe aufzeigen, ist aber auch verlockend: „Ein Landungsunternehmen im großen Stil über die Nordsee unter den vorerwähnten Voraussetzungen ein mögliches Mittel, die Friedensbereitschaft des Feindes zu erzwingen“, heißt es da. Mit Hilfe französischer Basen und holländischer Häfen, aber auch über den Landweg von Irland aus könnte eine schnelle Besetzung des abtrünnigen Königreiches gelingen.

Dabei setzt die EU auch auf die Clans aus den schottischen Highlands, die seit David Balfour um ihre Unabhängigkeit ringen. Angela Merkel aber will offenbar keine Entscheidung übers Knie brechen. Jetzt gehe es darum, „mit Ruhe und Besonnenheit zu analysieren“, sagte sie bezogen auf die Papiere zum Fall „Seelöwe“. Zusammen mit EU-Ratspräsident Donald Tusk sowie den französischen Präsidenten Francois Hollande und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi will sie die Papiere ab Montag durchgehen. Am Dienstag werde sie im Rahmen einer Sondersitzung des Bundestags über die Haltung der Bundesregierung informieren, am Mittwoch können die übrigen EU-Staaten dann geschlossen über „Seelöwe“ abstimmen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist optimistisch für den Feldzug. Europa werde jetzt zusammenstehen, sagte er, nachdem er bereits in den frühen Morgenstunden mit seinen Experten über den Ausgang des britischen Referendums beraten hatte. Schon in den vergangenen Tagen hatte man sich im Finanzministerium für den Ernstfall gerüstet und Käse, Wurst und Schinken eingelagert. Das mögliche Vorgehen gegen die abtrünnigen Briten skizzierte eine Sonderabteilung auf acht Seiten unter dem Titel „Deutsche Strategie bezüglich Brexit“: Danach könnte Großbritannien mit einer Seeblockade am empfindlichsten getroffen werden, eine weichere Variante seien Sanktionen wie die gegen Russland verhängten.

Man werde Großbritannien in Abstimmung mit der EU zu „konstruktive Verhandlungen zwingen“, heißt es in dem Papier. Dazu sollen sich die Parteien in Minsk treffen und auch die Frage klären, ob London, das gegen den Brexit gestimmt hatte, im kommenden Jahr wie ursprünglich geplant die EU-Präsidentschaft übernehmen könne. Nach den Planungen zum Unternehmen Seelöwe wären für eine Invasion oder Blockade die Sommermonate ideal, es läuft also alles auf eine schnelle Entscheidung hinaus.




Kommentare:

fatalist hat gesagt…

Man hat doch die britischen EU-Abgeordneten um Nigel Farage bereits bei Dünkirchen entkommen lassen... Geschichte reimt sich halt manchmal...

ppq hat gesagt…

das war ein fehler. wichtig wäre, cameron nach den haag zu bringen

Volker hat gesagt…

"Dabei setzt die EU auch auf die Clans aus den schottischen Highlands, die seit David Balfour um ihre Unabhängigkeit ringen."

Die Clans waren schon geschlagen zu der Zeit, als David Balfour mit Alan Breck durch das Hochland irrte. Denen blieb nichts anderes übrig, als sich in Clunys Käfig oder sonstwo zu verstecken und auf besseres Wetter zu warten.