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Freitag, 4. November 2016

Doku Deutschland: Hypermoralismus als Herrschaftstechnik

Ralf Stegner bekämpft den Klassenfeind eher direkt: Ein wenig Hass hat noch niemandem geschadet.
Michael Seemann wurde von der Sektenpostille "Jungle World" gebeten, einen Text zu darüber zu schreiben, warum der Abgrund, der sich zwischen besorgten Bürgern und der Restgesellschaft auftut, mehr von kulturellen, denn von sozioökomischen Faktoren getrieben ist.

Er schrieb also, doch die "Jungle World" lehnte den Abdruck ab. Seemann veröffentlichte den Text daraufhin auf seiner eigenen Seite.

PPQ dokumentiert allerdings nicht den lesenswerten Text von Michael Seemann. Sondern den noch viel lesenswerteren Kommentar von Rechtspopulist darauf:

Ihr Text ist unerwartet lesenswert und schafft es, auch einen von Ihnen gewiss als „rechts“ bezeichneten Kritiker zum Weiterlesen zu bewegen. Das ist heute angesichts der eklatanten Einseitigkeit der medialen Darstellung ja nicht selbstverständlich.

Obwohl Sie selbst eine klare Parteinahme vornehmen, bemüht sich Ihr Text mehr als es sonst vorzufinden ist, um eine etwas umfassendere Sicht. Man könnte auch sagen, dass Sie sich um Empathie bemühen. Das ist anerkennenswert.

Der Grundaussage Ihrer Darstellung – nämlich die Spaltung zwischen „globaler Klasse“ einerseits und Arbeitern, kleinen Angestellten und traditionellem Bürgertum andererseits – möchte ich zustimmen. Schon etwas weniger stark möchte ich allerdings Ihrer Erklärung für diese Spaltung beipflichten.

Sie berücksichtigen die sozioökonomische Situation zu sehr.

Bei den sog. „kleinen Leuten“ mag dieses beliebte Erklärungsschema ja noch teilweise funktionieren, schließlich fordert die Globalisierung insbesondere hier ihre Opfer. Im Konkurrenzkampf mit Niedriglöhnern in Osteuropa/Fernost oder mit großzügig allimentierten Eingewanderten auf dem heimischen Wohnungsmarkt sind sie die von den neoliberalen Linken des Spiegels oder der Zeit nie beweinten Opfer.

Doch im Bürgertum ist es anders. Sie übersehen, dass ein Großteil des AfD-affinen Bürgertums ja gar keine gravierenden finanziellen Nachteile hat. Gewiss, die Steuerbelastung ist gerade im mittleren Einkommensbereich unangemessen hoch und auch der Fortfall von Zinsgewinnen verärgert, aber das ist – glauben Sie mir – nicht der eigentliche Beweggrund!

Der eigentliche Beweggrund ist für Sie – als einen mental der globalistischen Szene Zugehörigen – vermutlich gar nicht nachzuempfinden: es ist der Verlust, ja die Zerstörung von Heimat und vertrauter Identität.

Das Leid, das Sie empfinden würden, müssten Sie beispielsweise in einem katholischen süddeutschen Dorf in den 1960er Jahren leben, das erleiden auf andere Art nun andere, … weil die Welt hereinbricht ins Eigene.

Die eigene gewohnte Lebenswelt – in der Nachbarschaft, im Erleben von Sprache im Umfeld und in den Medien, das Lebensgefühl und Sicherheitsempfinden in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Schwimmbädern und auf der Straße – ist einer massiven, immer schnelleren und stets von außen übergestülpten, fremd gesteuerten, nie selbst gewollten Veränderung unterzogen. Diese Veränderungen werden nicht nur abgelehnt, sondern subjektiv als Leid empfunden. DAS ist der Punkt! Es ist das Leiden und die Hilflosigkeit, mit der dieses Leiden hingenommen werden muss.

Veränderungen, die Sie und Ihresgleichen für normal, für entweder unvermeidlich oder gar als positiv wahrnehmen, werden von den vielen anderen wirklich nicht nur erduldet, sondern erlitten. Ich wiederhole mich, weil es wirklich der springende Punkt ist.

Das Leiden ist weniger materiell-finanziell als vielmehr mental. Nun gut, die deutschstämmige Unterschicht leidet sowohl physisch-materiell als auch mental.

Da das linke bzw. marxistisch geprägte Denken gewöhnlich nur um das Materielle kreist, kann es dieses immaterielle Leiden nicht erfassen. Daher die nach wie vor fehlerhafte Erklärung jenes Phänomens, das die Herrschenden als „Rechtspopulismus“ bezeichnen und zu diffamieren suchen.

Dass diese erlittenen Belastungen, diese Zerstörung von Heimat und Identität, nun gleichzeitig von den globalistischen Eliten und ihrem Fußvolk (z.B. in den Medien) so gebetsmühlenartig für gut und wünschenswert erklärt oder verklärt werden, reißt einen Graben auf, der inzwischen kaum noch überwindlich scheint.

Dass die globalistische Propaganda aus Sicht der „Rechtspopulisten“ überdies so plump, so nahezu argumentfrei daherkommt und sich unübersehbar vor allem auf die physische, politische und wirtschaftliche Macht der „globalen Klasse“ stützt, steigert die Verbitterung noch.

So entsteht der Eindruck, dass die globalistische Klasse es nicht mehr nötig zu haben glaubt, überhaupt noch zu argumentieren, sondern sich mit einer Arroganz und Überheblichkeit zum Herrschen und Verändern berufen wähnt, die an den Adel des ancien regime (d.h. den Adel vor der französischen Revolution) erinnert.

Man denke nur an Merkels Selbstermächtigung gegen geltendes Recht.

Und so wird auch das Zusammengehen von Arbeitern und Bürgertum verständlich – es hat seine Parallele im gemeinsamen Aufstand des Bürgertums und der Arbeiter in der Revolution von 1848 gegen den Adel.

An 1789 möchte ich nicht gern erinnern, da die Wut der Deklassierten gegen den Adel damals jedes Maß sprengte und eine Wiederholung dieser Exzesse nun gewiss nicht wünschenswert ist.
Dennoch sei wiederholt: die Konfliktlinie verläuft zwischen einem global fühlenden neuen Adel (sowie seinen Sympathisanten) und dem Volk.

Und genauso, wie auch der Adel den Begriff „Volk“ nicht liebte, so wird er auch heute zu dekonstruieren versucht.

Die Linken sind dabei lediglich der vom Adel benutzte Pudel. Ein naiver Pudel, denn er glaubt, er könnte mit dem Herrchen an der Leine machen was er will. Welch ein Irrtum!

Die Verweigerung des Diskurses – etwa im Falle von Sarrazin oder angesichts der heutigen Masseneinanderung – schließlich ist es, was auch zunehmend bisher noch mitspielende Anhänger des Establishments und Gebildete verstimmt, verärgert, in die innere Emigration treibt – und schließlich die Seiten wechseln lässt. Denn dass das globalistische Konzept massiven gedanklichen Täuschungen unterliegt, dass hier logische Fehler gemacht werden, dass die Natur des Menschen ignoriert wird und schwer wiegende Risiken verharmlost werden, das ist mittlerweile immer mehr Menschen bewusst.

Denken Sie nur an so unverfängliche Persönlichkeiten wie etwa den Bundeswehr-Professor Michael Wolffsohn, den Bevölkerungswissenschaftler Gunnar Heinsohn oder den Philosophen Peter Sloterdijk !

Noch mehr aufgerissen werden die ohnehin schon tiefen Gräben, die längst nicht nur unser Land, sondern ganz Europa durchziehen, aber durch die unsägliche Selbstgefälligkeit, mit der die globale Klasse überdies auch noch behauptet, selber zu den moralisch Guten zu gehören und moralisch höherwertige Ziele zu verfolgen, während alle Kritiker moralisch minderwertig seien. Dass der Hypermoralismus gleichzeitig Herrschaftstechnik ist, haben wir längst begriffen.

Die Ausgrenzung, die die globale Klasse den Traditionalisten vorwirft, wird von ihr selbst ja auf die Spitze getrieben!


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

>Man denke nur an Merkels Selbstermächtigung gegen geltendes Recht...

...und die Duldung dieses kalten Putsches durch alle (alle!) Gewalten der Republik. Die Gewaltenteilung existiert nicht mehr. Sie wurde durch fortwährende Verfilzung von Personal und Interessen zerstört.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltenteilung
Gewaltenteilung (in der Schweiz und in Österreich Gewaltentrennung) ist die Verteilung der Staatsgewalt auf mehrere Staatsorgane zum Zweck der Macht­begrenzung

Ich glaube aber nicht an eine globale Klasse. Jeder, der z.B. ein in China hergestelltes Produkt erwirbt, ist Teilnehmer und direkter Nutznießer der Globalisierung und sollte die Schnauze halten. Also jeder.

Der Fehler liegt in der Verwechslung der ökonomischen mit einer kulturellen Globalisierung. Letzteres ist die Quelle der Probleme.

Gerry hat gesagt…

Schöne Geraderückung vom Rechtspopulisten der schiefen Wahrnehmung vom Seemann. Ein gewisser RA versucht dem Rechtspopulisten später noch in die Suppe zu spucken (von wegen die Linken sind keine Vorkämpfer und Verbündete der Globalisten), aber RP kann den RA gut kontern.

Gernot hat gesagt…

Die offenbarte Hybris der Macht birgt die vielleicht einzige Hoffnung auf ihren Zerfall und die Rettung einer vielfältigen Welt der Völker.

Anonym hat gesagt…

krautchan.net und dicke Knüppel . Kant und Hegel haben nicht funktioniert ; Leo II wird es richten

Anonym hat gesagt…

Das Grundmotiv des Textes ist doch nun schon älter - und in einem anderen Zusammenhang gebracht worden.

Dass es Verlierer der Globalisierung gibt, denen die Linke genauso die kalte Schulter zeigt wie die bösen Neoliberalen und die NeoCons, das ist absolut richtig!
Es gab mal einen sehr rührigen Text eines armen Jungen, der darüber schreibt, dass er sich als weißer hetrosexueller Mann überhaupt nicht privilegiert fühlt. Ohne einen neidischen Seitenblick oder Ärger schreibt er, wie hart es für ihn ist sein Studium zu finanzieren und wie er sich ein Leben erkämpfen muss und darüber, dass viele Leute in seiner Situation kaum die Miete zahlen können.
Ich habe emotional absolutes Verständnis dafür, dass sich ein Mensch verarscht vorkommt, wenn die Linken ihn als Mitglied einer privilegierten Gruppe darstellen, obwohl er mit Armut und Existenzangst zu kämpfen hat.

Was mir allerdings auffällt: Die Diskussion ist witzlos, wenn man darüber schreibt was "die Rechtspositivisten" antreibt oder "die Linken". Wichtiger ist doch, seine Haltung selbst zu begründen.
Warum nennt sich z. B. jemand Rechtspopulist?

Sorry, aber aus meiner Sicht kann ich nur folgendes sagen: Wenn man für ein humitäres Ziel seine Heimat verliert, dann darf man Tränchen vergießen und trauern. Aber man hat kein Recht sie wiederzufordern. Die 70er sind jetzt endgültig vorbei, in diese Welt gibt es keinen geheimen Tunnel zurück! Und ich unterstelle vielen dieser "Bürgerlichen", dass sie ihren Besitzstand wahren wollen. Für mich alles keine edlen Motive!

Gerry hat gesagt…

Abgesehen von der Frage, was am Besitzstand wahren wollen verwerflich sein soll - wird doch gerade vom RP begründet, wieso es den "Verlierern" weniger um den persönlichen Besitz geht, sondern vielmehr um den Verrat von oben, der Erosion und Schieflage des Rechtsstaates sowie der stark abnehmenden Lebensqualität im öffentlichen Bereich.

Anonym hat gesagt…

wird illner demnächst von Frau Däbora aus neu york abgelöst ?

http://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/maybrit-illner-sex-luegen-e-mails/

schon komisch - normalerweise gibt sich die illner so extrems weltmännisch und durchblickend - taucht aber eine debora auf wird sie feucht und unruhig .

müssen die Wexeljaare sei

Rübezahl hat gesagt…

Ich erlaube mir hier den Text zu posten, den der linksliberale Seemann nicht durchgelassen hat:

@RA

Wie erklären Sie denn dann, dass die Ablehnung von aus dem arabischen Raum Zuwandernden gerade in den Regionen besonders hoch ist, in denen vergleichsweise geringe Erfahrungswerte im Zusammenleben bestehen.

Meine persönliche Erklärung:

Das ist für die Ossis ein neues Erlebnis, aus der eigenen Heimat vertrieben zu werden.
Deshalb leisten einige dagegen Widerstand. So wie neulich in Bautzen, wo die „Schutzsuchenden“ gleich nach der Ankunft angefangen haben, die Stadt in eine No-Go-Area für deutsche umzumodeln.

Die Wessis leben schon lange damit. Die haben sich schon vor Jahre aufgegeben. Wenn die Muslime diesen Stadtteil für sich beanspruchen, OK, dann ziehen wir eben woanders hin.

Ich verstehe auch nicht, wie man den Standpunkt vertreten kann, es habe um die Bücher von Sarrazin keine Debatte gegeben.

Wenn Sie die unendliche Medienhetze, wenn Sie die Verhinderung seiner geplanten Vorträge als Debatte bezeichnen, ist das Ihre Sache. Andere sehen das anders.

Wo genau findet sich das Sicherheitsempfinden, bzw. Lebensgefühl in offiziellen Statistiken wieder? Und steht das nicht im Widerspruch zu den zahlenmäßig sehr viel bedenkenswerteren Anstiegen bei fremdenfeindlichen Straftaten?

Ja, in welcher Statistik findet man das wieder?
Und vor allem, wer ist verantwortlich dafür, dass die Daten zur Ausländerkriminalität allgemein und zur Kriminalität der Asylbewerber speziell der Geheimhaltung unterliegen?

Falls sie meinen, das läge in der Verantwortung der „Rechtspopulisten“, muss ich Sie enttäuschen. Verantwortlich ist unsere neokommunistische Nomenklatura.

Im Übrigen würde einen interessieren, was Sie konkret mit „zahlenmäßig sehr viel bedenkenswerteren Anstiegen bei fremdenfeindlichen Straftaten?“ meinen.

Die Zahl der tatsächlichen Ausländerfeindlichen Straftaten ist so gering, dass es jeden halbwegs gesunden gruseln müsste, dieses de facto Nichts auch nur eines Blickes, nicht zu reden von Kommentaren und Konferenzen, zu würdigen.

Doch vielleicht verzetteln wir uns hier im Ungefähren.
Wenn sie so offensiv auftreten, gehe ich davon aus, dass Sie Datenmaterial haben. Könnten Sie so nett sein und uns (wenn möglich mit Link zur Quelle) mitteilen
a) Wie viele Deutsche wurden im Jahr 2015 von Asylbewerbern durch Körperverletzungsdelikte geschädigt?
b) Wie viele Asylbewerber wurden im Jahr 2015 von Deutsche durch Körperverletzungsdelikte geschädigt?

Ich danke im Voraus für Ihre Antwort.