Google+ PPQ: Wirtschaftspolitik 6.0

Sonntag, 23. Juli 2017

Wirtschaftspolitik 6.0

Die Regierung hat beschlossen, die Inflation durch Preiserhöhungen zu bekämpfen, damit die Nachfrage sinkt, und zugleich auch die Preise zu senken, um die Nachfrage zu steigern und die inflationäre Preisentwicklung zu fördern, die wir bekämpfen wollen, indem wir die Nachfrage dämpfen, um die Nachfrage zu erhöhen, wodurch die Preise wieder steigen. Darin besteht doch wohl bei Licht besehen die derzeitige Wirtschaftspolitik?

Ich weiß nicht.

Wissen Sie es wirklich nicht, oder vermuten Sie nur etwas?

Ich weiß ganz genau, dass ich es nicht weiß.

Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die Arbeitslosigkeit und der Markt in nächster Zeit entwickeln?

Ich weiß es nicht.

Sie haben da keine Ansicht?

Das stimmt.

Gibt es jemand in der Regierung, der darüber was weiß?

Über meine Ansicht?

Ich ziehe die Frage zurück.

Wie steht es um unsere Bündnisse? Falls sie wirklich alle durch Bestechung, Zwang, Aufwiegelung und Korruption jeder Art zustande gebracht wurden, werden sie dann in einer Krise oder bei einem Wechsel der beteiligten Regierungen bestehen?

Lieber Himmel, das weiß ich doch nicht.

Weiß es vielleicht sonst jemand in der Regierung?

Was?

Irgendwas.

Wiederholen Sie Ihre Frage bitte.

Irgendwas?

Soll das die Frage sein?

Ist das die Antwort?

Ich weiß nicht.

Meine Frage habe ich vergessen.

Dann ziehe ich meine Antwort zurück.

Vielleicht hat der Präsident begründete Ansichten über das, was hierzulande und in der übrigen Welt vorgeht?

Ich weiß nicht.




Joseph Heller, Gut wie Gold, 1976




Kommentare:

Volker hat gesagt…

Gehört zwar nicht her, aber das ist so geil, es muss sein.
Die Amis hatten den Snowden und den Manning. Die Schweden brauchen keine Verräter, die haben eine Regierung

https://www.privateinternetaccess.com/blog/2017/07/swedish-transport-agency-worst-known-governmental-leak-ever-is-slowly-coming-to-light/

(via Danisch)

SF-Leser hat gesagt…

Werter Volker,

na ja, ob das nun so sehr abwegig ist?? Ich kann da Herrn Dansichs Aufregung nicht nachvollziehen.

Immerhin mieten sich auch viele Leute Schließfächer bei Banken. Auch auf diese hat die Bank ja ständig körperlich Zugriff.
Wenn also die Daten von der Regierung ausreichend verschlüsselt worden sind, dann ist das doch akzeptabel.

Grüße

Volker hat gesagt…

Vielleicht habe ich was übersehen. Aber so wie ich das sehe, haben die hochsensible Daten in die Wolke verfrachtet.

Ich weiß schon, dass die Cloud-Betreiber sich zu allem möglichen verpflichten und alles mögliche versprechen.
Aber diese top secret daten auf anderer Leute Datenspeichern abzulegen, scheint mir zumindest extrem leichtsinnig. Und widerspricht auch den Dienstvorschriften.

SF-Leser hat gesagt…

Das Problem ist ganz einfach, daß die Beamten dort landesweit Zugriff auf die Daten haben sollen. Um dies zu gewährleisten, läßt man einen Zugriff über das Internet zu. Und so kann die Datenbank, in der diese Daten gespeichert sind einfach irgendwo stehen. In Schweden oder über das Wölkchen irgendwo! Und solange irgend jemand über das Internet Zugriff diese Datenbank hat, dann kann er versuchen die Daten zu entschlüsseln.
Ok, man kann und sollte dafür Zugriffsrechte einführen und alles ganz fürchterlich verschlüsseln, aber...

Will man also auf der ganz sicheren Seite sein, dann muß die Datenbank physikalisch vom Internet getrennt sein. Auskunft also nur noch per postalischer und telefonischer Anfrage usw.
Aber auch da wird es Probleme geben. Man erinnere sich nur an die Überweisung einer Buchhalterin nach Hong Kong aufgrund von Emails, die sie, angeblich ganz geheim von der Geschäftsführung, erhalten hatte.

Grüße

Volker hat gesagt…

Die Sache ist ja, dass dort Daten enthalten sind, die existenziell für Einzelpersonen (Zeugenschutz) und für das Land sind (mal abgesehen davon, dass der Suizidalstaat Schweden sich gerade selbst zerlegt).
Das ist die Eigenart des Umgangs mit solchen Daten, dass das eben nicht mehr so easy geht wie man das normalerweise gewohnt ist. Das Internet ist ein ganz schlechter Platz als Datenablage für solche Sachen.

Bei Manipulation in der Bank kann man das am Ende alles wieder rückabwickeln. Ist umständlich und kostet, aber man kann den Zustand von vor dem Betrug wiederherstellen.
Wenn erst mal die Privatadressen von geschützten Zeugen oder Entscheidern geleakt sind, dann gibt es kein zurück mehr.

Deshalb muss die Datenbank physikalisch vom Netz getrennt sein. Das zieht Umständlichkeiten ohne Ende nach sich, geht aber nicht anders. Bei einigen unserer Kunden ist das so üblich, und die sind geheimhaltungstechnisch einige Stufen darunter angesiedelt.

Schönen Abend noch