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Mittwoch, 19. Dezember 2018

Umweltverein verklagt Umwelthilfe: Kommt jetzt Tempo 50 überall?


Eben noch wirkte Jürgen Resch wie der große Triumphator. Kurz vor Weihnachten hatte der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) angekündigt, die Bundesregierung verklagen zu wollen, um ein durchgehendes Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf allen deutschen Autobahnen durchzusetzen. Das diene dem Klimaschutz, begründete der DUH-Geschäftsführer den Vorstoß, der den deutschen CO2-Ausstoß noch vor der von der EU gesetzten Frist im Jahr 2030 von derzeit rund 750 Millionen Tonnen im Jahr auf nur noch wenig mehr als 745 Millionen Tonnen senken könnte, weil langsamer fahrende Autos weniger Kraftstoff verbrauchen.

Allerdings stoßen die Klimapläne des berufslosen Mitglieds des Kuratoriums der Stiftung „Initiative Mehrweg“ nun auf Widerstand. Ausgerechnet in Brandenburg, das nicht einmal 796 Autobahnkilometer besitzt, macht der kleine und bundesweit bisher kaum in Erscheinung getretene Verein Umweltretter e.V. jetzt mobil gegen die Pläne des großen DUH.

"Es ist richtig, dass langsame Fahrzeuge weniger klimaschädliches CO2 ausstoßen", sagt Reinhold Herger, der den Verein Umweltretter 2012 als ökologischen Arm seiner Feinschmeckerkette Hot Bird gegründet hatte. Seine Organisation wolle den Klageweg zu bestreiten, sofern das Erfolg verspreche, sagte Resch. Korrekt sei aber auch, dass morderne Autos bei 50 Kilometern pro Stunde am effizientesten führen. "Vernünftig wäre deshalb nur ein generelles Tempolimit auf deutschen Straßen, das durchweg bei 50 km/h liegen sollte."

Die von Reschs Umwelthilfe geplanten Ausnahmen für Autobahnen lehnen Herger und seine Mitstreiter ab. Für Bundesstraßen strebten die Umweltretter ebenso Tempo 50 als allgemeine Obergrenze an wie für Autobahnen, sagte Herger dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Derartige Begrenzungen seien auch erforderlich, damit Autos kleiner, leichter und weniger sicher gebaut werden können. Das reduziere den Materialbedarf und den Ausstoß von Kohlendioxid, weil Insassen nicht mehr im Gefühl herumführen, dass ihnen bei einem Unfall nichts passieren könne, sondern sich gewahr sein müssten, "dass es jeden Moment krachen kann und das wars".

Dass die DUH jetzt vorgeprescht ist und mit einem Vorschlag, den Herger "kompromisslerisch" nennt, Punkte sammeln will, ist für die Brandenburger ein "Verrat an der Umwelt, ein Verrat an der Zukunft". Teile der Union und die Autoindustrie störten sich seit Längerem an der aktiven Rolle des Vereins, der in vielen Städten vor Gericht Fahrverbote für Dieselautos erstritten hat. Deshalb knicke die Umwelthilfe nun wohl ein. "Wir aber werden da bestimmt nicht mitmachen", kündigt Reinhold Herger an.

Die Umweltretter wollen klagen - und zwar gegen die Umwelthilfe. Man wolle juristisch durchsetzen, dass die DUH nicht mehr einen angeblichen "Klimaschutz" als fadenscheinige und fragwürdige Begründung für ihre Symbolmaßnahmen im Dienst der Autolobby vorbringen dürfe.

Zudem solle DUH-Chef Resch gezwungen werden, eine eventuelle Klage auf Einführung eines bundesweiten Tempolimits nach den naturwissenschaftlich gegebenen Fakten einzureichen, "die nun mal sagen, ökologisch fährt ein benzingetriebenes Fahrzeug mit etwa 50 km/h, nicht mit 120". Die Umweltretter berufen sich hier auf Berechnungen, nach denen die äquivalente potentielle (h) und kinetische (v) Energie bei 50 km/h bei 9,8 liegt, während für die doppelte Geschwindigkeit von 100 km/h schon fast die vierfache Menge h benötigt wird, die für eine Geschwindigkeit v von 150 km/h weiter auf 88,5 h springt und bei 200 km/h schon 157,3 h beträgt.

"Die Erde, die wir nur von unseren Kindern geborgt haben, die sie auch nur von ihren Enkeln geborgt haben werden", so Reinhold Herger, "wird bei Tempo 120, das der Kollege Resch fordert, mehr als viermal so schnell verbrannt wie bei Tempo 50." Dem werde man nicht tatenlos zuschauen.

Kommentare:

vOid hat gesagt…

Ich denke das mal gerne weiter, evtl. beschreite (befahre?) ich auch den Ver-Fahrensweg vor einem deutschen Gericht, oder besser vor der EU:
Tempolimit 0km/h ist eigentlich am saubersten, jedes Mikrogramm Feinstaub tötet, und wer wären wir, wenn nicht Deutschland...? Gut, Autos aus / im schönsten Deutschland, das wir je hatten, gibt es dann sowieso nicht mehr.

Oder wir fahren alle rückwärts, das erzeugt bestimmt negative Emissionen, also Imissionen - passt auch besser zur Immigration - wir reinigen die Welt, die vor allem in einem Meer aus deutschen Plastikstrohhalmen ertrinkt.

Anonym hat gesagt…

Denkt einmal an die Forderungen/Bedingungen der Römer - ja, auch Arier können Drecksäue sein - an die Karthager kurz vor dem Dritten Punischen Krieg.

Claas Retolius hat gesagt…

Starker Artikel, hätten Sie etwas dagegen, wenn ich diesen Text in meine Berichterstattung über die Leitzinserhöhung der FED einfließen lasse?