Google+ PPQ: Friedensfreunde im Oberlicht

Freitag, 16. März 2007

Friedensfreunde im Oberlicht

Ich fand heute zufällig einen Packen Fotos aus meiner Zeit als berüchtigter Konzertfotograf. Darunter war auch ein kleiner Packen besonders liebvoll im Dunkeln aufgenommener Bilder, die verzweifelte DDR-Jugendliche zeigen, die in der Nacht zum 18. September 1987 versuchen, vom Bahnhof Berlin-Schönefeld in den Süden der DDR zu fahren. Am Abend vorher hatte Bob Dylan im Treptower Park gespielt, aber leider hatte das Politikerbüro vergessen, dass die Friedensfreunde auch wieder nach Hause wollen werden.

Auf dem Bahnhof spielten sich also Szenen ab wie später bei Mauerfall. Eine sehr schöne Nacht war das, denn wir fotografierten ja im Dunkeln und sind deshalb nicht mit in den Zug gekommen. Es ging dann mit der S-Bahn nach Potsdam, dort saßen wir bis gegen sechs Uhr morgens bei zwei kleinen Bier, dann ging es mit dem Bummelzug nach Wittenberg, von dort mit dem Schichterzug nach Bitterfeld und von da, nach noch mal umsteigen, nach Halle.


Mein Verhältnis zu Bob Dylan, der für diese Odyssee nichts konnte, ist seitdem, nunja, irgendwie getrübt. The Times They Are A-changing? Jaja. Er is´n Großer.

Kommentare:

gero hat gesagt…

die bilder sehen aus wie von der stasi gemacht. wahrscheinlich stand der IM auch nur wenige meter von dir entfernt und machte fotos von dir, wie du gerade fotos machst.

gero hat gesagt…

mich erinnert das sehr stark an mitternächtliche grilletten in berlin-ostkreuz (oder war es schönefeld?), an kati witt im vorprogramm von springsteen, an fehlende müdigkeit und zu wenig bier, um die gruppe bots zu ertragen. der mangel an rock'n'roll machte ihn so wertvoll, welche erkenntnis sicher nicht neu ist, mich aber doch nostalgisch schwelgen lässt.

politplatschquatsch hat gesagt…

es war ja nacht, halb zwei morgens oder so. und auf den 27er negativen war überhaupt nur was drauf, weil wir die filme ca. zwei stunden in der entwicklerdose gelassen haben. aber die stasi-assoziation ist richtig, genau so sahen deren überwachungsfotos auch aus. die hatten ja auch nur die 27er orwo-filme, die zudem noch völlig rotblind waren

gero hat gesagt…

das ihr nicht verhaftet worden seid ... wobei: 1989, im mai, kurz vor der kommunalwahl, habe ich halle-fotos gemacht. abriss-häuser, lethargie, schwindsucht und illegale transparente an einer saale-brücke. im sommer verschickte ich die 9x13-abzüge als postkarten quer durch die ddr - und keinen hat es gestört.

panzerbummi hat gesagt…

so, der name ist zu gut, um ihn ungenutzt im dachstübchen von nicht ausgelasteten kultur-journalisten verdämmern zu lassen.

Gundermann hat gesagt…

erstaunlich diese fotos. hatte immer so eine erinnerng an die allpräsente trapo im hinterkopf. die schritt doch immer sofort ein, wenn ein ddr-bürger seine schuhe nicht zugebunden hatte. und das hier sieht doch sehr noch zweckentfremdung sozialistischer wagonfenster zum zwecke des einstiegs aus. haben die genossen geschlafen??? ;-)

binladenhüter hat gesagt…

ja, haben sie. da war weit und breit nur chaos und koma, in dieser nacht. ich habe sowas nie wieder erlebt, zum glück. kam damals mit dieter p. morgens um halb sieben in halle an. ich ging nach hause, dieter musste sofort zur schicht. was habe ich ihn bedauert