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Freitag, 28. Januar 2011

Komasaufen in der Krise

Etappensieg für die weitsichtige Drogenpolitik der Berliner Rettungskoalition. Nach einer neuen Zählung des Statistischen Bundesamts sank der Bierabsatz der in der Bundesrepublik ansässigen Brauereien und Bierlager im vergangenen Jahr trotz Komasaufen und Fußball-WM erneut um 1,7 Prozent. Insgesamt hätten sich die deutschen nur noch 98,3 Millionen Hektoliter Gerstensaft schmecken lassen, das sind zehn Prozent weniger als noch Anfang des Jahrtausends. Auch der Versuch, die nachlassende Sauflust mit Hilfe bunter und kräftig gesüßter Mischgetränke zu beleben, ging schief. Auch hier schrumpfte der Absatz um 2,7 Prozent. Insgesamt schaffen die Deutschen pro Kopf und Jahr nur noch knapp 102 Liter - nicht ganz ein kleines Pilsken am Tag.

Der Saufstandort Deutschland schafft sich ab, ungeachtet aller Bemühungen in Flotte und Heer. Bei den deutschen Brauereien herrsche "seit Jahren Katerstimmung", hat die staatliche Nachrichtenagentur dpa herausgefunden. Besserung sei auch "nicht in Sicht". Ohne den Rückenwind der Fußball-WM könne der Konsumrückgang in diesem Jahr sogar noch stärker ausfallen als im vergangenen, in dem es Gesundheitspolitikern, Krankenkassen und Medien erst im Dezember gelungen war, mit Zahlen über einen "besonders hohen Anstieg beim sogenannten Komasaufen" bundesweit Schlagzeilen zu machen.

Ursache sei vermutlich die Alterung der Gesellschaft, die das Konsumverhalten nachhaltig ändere. Obwohl Gesundheitspolitiker seit Jahren warnen, dass vor allem ältere Menschen viel trinken sollten, zeige der Trend in die andere Richtung. Ältere tränken weniger und gingen auch nicht mehr so oft in die Kneipe, weil jede durchzechte Nacht Tage der Rekonvaleszenz zufolge habe.

Die junge Generation aber trinke aus Sicht des Deutschen Brauerbundes leider "mehr alkoholfreie oder Mischgetränke", so sie nicht in die Komatrinkaktivitäten eines beständig wachsenden Teil der deutschen Jugend involviert sei, der sich noch verantwortlich fühlt für Wohl und Wehe von Hopfen und Malz. Außerdem habe sich der Umgang mit Bier verändert, schreibt dpa: "Gehörte früher auf dem Bau die Flasche Bier zum guten Ton, so ist heute im Büro die Tasse Kaffee obligatorisch."

Zwei Jahrzehnte nach dem letzten "Tatort", in dem ein Kommissar noch betrunken durch eine Eckkneipe tanzen durfte, und eins nach der ersten DAK-Studie zum wachsenden Alkoholgebrauch der Deutschen greift der Deutsche denn auch am liebsten zum leckeren Fläschchen Oettinger, zum Bitburger Bierersatz oder einer Krombacher Regenwald-Rettungspulle, wenn schon ein Hefegetränk sein muss.


Ein Besuch bei den Freitrinkern an der Straße der Gewalt und in Bayern, wo Alkohol verboten ist.

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