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Samstag, 5. Juli 2014

Ai Weiwei: Im toten Herzen der leeren Städte


Er ist einer der größten Künstler der Gegenwart, ein Magier aller Materialien, ein Medienkünstler, den die großen Feuilletons lieben wie sich selbst. Der Chinese Ai Weiwei beschränkt sich nicht nicht nur auf die Widerspiegelung der Gegenwart in Bildern, Installationen und zusammengeknöpften Regenmänteln, sondern er verändert Wirklichkeit auch durch Beobachtung wie ein Quantenphysiker, der in Schrödingers Katzenkiste schaut und die possierliche Tier damit tötet oder aber zum Leben erweckt.

Tot ist auch der Osten Deutschlands, eine Region, die sich gemächlich entlang der "Straße der Gewalt" zieht. Hier wächst seit Jahren eine Kunst der besonderen Art, klein, billig und definitiv unverkäuflich. Naheliegend, dass Ai Weiwei, der aus den großen Städten des reiches der Mitte kommt, hier in der Randlage der früheren deutschen Mitte den Ort fand, eines seiner ehrgeizigsten Projekte bislang umzusetzen. Inspiriert von einem Start Up aus der Saalestadt Halle, das sich zum Ziel gesetzt hatte, sämtliche Straßen und Wege der früheren Metropole als hochauflösende Videofilme zu erfassen und ins Internet zu stellen, ehe das Google tut, schuf Ai zwischen 2011 und 2012 mehrere Langfilme über die fast völlig vom Verkehr entleerten Straßen Ostdeutschlands.

In den Filmen "Far East: The Empty Hearts of Cities" und "Newtown: Eternity Ring" fährt die Kamera die Straßen der Stadt Halle in Sachsen-Anhalt ab, ewig gleichförmig zeigen sich die menschenleeren Trottoirs, ewig leer sind die breiten Verkehrsschneisen, durch die nach den Plänen der sozialistischen Erbauer einst der neue Mensch hatte fahren sollen.

Geblieben davon sind unsichtbare Trümmer, Ideenmüllhalden, die in die Tiefe ragen, eben bis an jenes Herz der Stadt, das heute besiedelt wird von den finanziell kaum Begüterten, den Nicht-Wählern und Sympathisanten der Ränder. Ai klagt nicht an, der eifert nicht und enthält sich jeder Bewertung des fragwürdigen Sozialverhaltens der Bewohner der einstigen Neubauten, die heute weitaus älter sind als es die Neue Reichskanzlei in Berlin am Tag von Hitlers Tod gewesen ist. Ai Weiwei es erläuterte seine Filme als einen „fast mathematischen, un-emotionalen Weg, um die Ohnmacht der Menschen und die blinde Natur städtebaulicher Sanierung zu zeigen".

Unterlegt ist das epochale, immer wieder sich selbst rekapitulierende Filmwerk mit Musik der aus dem früheren Saalkreis stammenden Ego-Pop-Formation Eisenstuck, deren kontemplative Acoustic-Core-Komposition „Schweigen für den Augenblick / Schweigen für den Tag“ dieselben sechseinhalb Noten immer wieder Revue passieren lässt.

Kommentare:

Orwell hat gesagt…

Ahhhh, Dash-Cams halten hier auch schon Einzug. Bravissimo! :D

Welches Modell isses denn? - Es gibt soviel Chinaschrott aufm Markt...Eijjjj wej weiiij...

Orwell hat gesagt…

Und alles Seitenverkehrt :D - Und viel zu schnell unerwegs! Wenn das die liebe Politesse aus der Nachbarschaft sieht :D

Die Anmerkung hat gesagt…

Auwei.

Teja hat gesagt…

Das wenigste ist seitenverkehrt. Macht Spass, den Ort zu bestimmen, wo sich der Chinese gerade in der Stadt befindet.

Und alle unter sich, kein einziges Kennzeichen ausser HAL und SK zu sehen. Aber Grüne Welle bei den Ampeln, die ist gut umgesetzt.

Florida Ralf hat gesagt…

> er aus dem früheren Saalkreis stammenden Ego-Pop-Formation Eisenstuck

whoa! WHOAAAAR!

derherold hat gesagt…

Laaaangweilig. Ich hätte lieber Bilder gesehen vom 2. und 3. Bauabschnitt in Großkugel.

Gibt es eigentlich noch Heide-Nord oder ist das flächendeckend abgerissen worden ?



Anonym hat gesagt…

Das Wu-Wei = das weise Nicht-Tun, würde dem dicken Mops besser anstehen.
Böse Zungen behaupten ja, daß ein gewisses Völkchen seit Jahren am Wirtswechsel von der Heimat der Freien und Tapferen zum Reich der Mitte wirkt, und dabei schon recht ordentlich vorangekommen ist.
(Noch Bösere meinen, daß wir von ~ 1871 - 1916 einmal Zwischenwirt waren...)

ppq. so hat gesagt…

eisenstuck. genau