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Sonntag, 18. August 2019

Zeit für ein modernes Glücksspielrecht in Deutschland

Bald feiert Deutschland ein großes Jubiläum;: Seit fast zehn Jahren hat die Bundesrepublik keine gültigen Gesetze zur Glücksspielregulierung.
Jetzt ist es so weit. Die Minister aller 16 Bundesländer haben einen dritten Glücksspielstaatsvertrag ratifiziert und Anbieter von Online Sportwetten können ab dem 1. Januar 2020 eine offizielle, landesweit geltende Glücksspiellizenz erwerben. Es wäre jedoch nicht Deutschland, wenn die Lizenz nicht mit zahlreichen Einschränkungen kommen würde, wodurch das Grundproblem, unlizenzierte Anbieter im deutschen Markt, nicht gelöst wird.

Während das Online Glücksspiel in anderen europäischen Ländern, namentlich Großbritannien, Italien, Spanien oder auch Schweden, erfolgreich reguliert ist, hat sich Deutschland bisher nicht zu einer vollständigen Regulierung durchringen können. Das staatliche Glücksspielmonopol aufzugeben und private Anbieter in den Markt zu lassen ist den deutschen Politikern nicht geheuer und so verwundert es nicht, dass die neuen Lizenzen für Online Sportwetten dem Jahr 2020 nicht gerecht werden.

Laut dem neuen Vertrag dürfen private Unternehmen zwar bald Wetten auf Sportereignisse online akzeptieren und abwickeln, aber auch nur dann, wenn es sich nicht um Live-Wetten handelt. Live-Wetten sind solche, wo Glücksspieler während eines Spiels Geld auf den Eintritt eines bestimmten Ereignisses setzen, wie zum Beispiel das nächste Tor beim Fußball. Schaut man sich jedoch die Plattformen im In- und Ausland an, so wird schnell klar, dass Live-Wetten enorm beliebt unter Zockern sind. Wenn der deutsche Staat diese unter der neuen Lizenz verbietet, dann schafft er gleichzeitig Raum für einen unregulierten Markt, denn Spieler werden sich unweigerlich bei Webseiten anmelden, wo Live-Wetten möglich sind.

Eine weitere Einschränkung ist ein maximaler Betrag, den ein Spieler pro Monat verspielen kann. Demnach soll ein Kunde nicht mehr als 1000 Euro monatlich setzen dürfen, um unter anderem potenzieller Spielsucht und finanziellem Ruin entgegenzuwirken. Auf dem Papier hört sich das vernünftig an, aber blickt man in die Geschichte zurück, wird schnell klar, dass Verbote selten zum Erfolg geführt haben. Die Prohibition in Amerika ist ein klassisches Beispiel. Will ein wohlhabender Spieler mehr pro Monat setzen, dann sucht und findet er einen Anbieter der ihm das ermöglicht, in diesem Fall sehr wahrscheinlich einen ohne offizielle Lizenz aus Deutschland.

Deutschland muss sich von dem Gedanken lösen, Online Glücksspiel durch Einschränkungen und Verbote sicherer machen zu können und stattdessen Maßnahmen ergreifen, um gefährdete Spieler gezielt zu schützen.

Es verwundert deshalb auch nicht, dass die neuen Sportwetten-Lizenzen Anbieter ausdrücklich anweisen, keine Casino Spiele anzubieten. Lediglich in Schleswig-Holstein ist das möglich, denn dort hat das Ministerium auf Grundlage des Glücksspielstaatsvertrags die dortigen Casino-Lizenzen erneuert. Wer glaubt, dass nun keine niemand mehr im Online Casino spielen wird, der irrt gewaltig. Seit 3000 v. Chr. spielen Menschen mit dem Glück – aus dieser Zeit stammen die bisher ältesten gefundenen Würfel – und auch in Zukunft werden wir versuchen wollen, mit einem glücklichen Händchen vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen.

Es bleibt zu hoffen, dass die deutsche Politik die Zeichen der Zeit erkennt und das Online Glücksspiel in Deutschland, samt Online Casinos, reguliert und die Gesetze modernisiert. Alles andere ist Augenwischerei.

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Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Ein Glücksspiel, wenn sie überleben? Die Menschenhändler von Seawatch mit einem Highlight des Bordprogramms. Wettschwimmen vor Lampedusa.

https://sciencefiles.org/2019/08/18/open-arms-inszenierung-ist-das-schwimmen-aus-verzweiflung-im-mittelmeer-gestellt/

Und nun unser Problem:
Seit wann können Afrikaner schwimmen?

https://twitter.com/campsoscar/status/1163044472554496001

Anonym hat gesagt…

Kirpal 18. August 2019 at 16:41

@Babieca 17. August 2019 at 18:54

zu „Marie-Belen 17. August 2019 at 17:54
In dem Zusammenhang fällt mir da gerade die alte deutsche Redewendung „Man muss das Kind beim Namen nennen“ ein.“
Ja. Und das deutsche Märchen von Rumpelstilzchen (Grimm). Das sich ausschließlich darum dreht, den richtigen Namen zu sagen und den richtigen Namen zu verbergen.

Im Märchen verliert das Böse im selben Moment seine Macht, indem die Müllerstochter spricht: „Heisst du etwa Rumpelstilzchen“?
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In der schnöden Wirklichkeit verliert das Böse seine Macht gerade eben nicht, wenn man seinen Namen nennt, denn alle mündigen Bürger kreischen auf wegen unserer Verantwortung und so.