Google+ PPQ: Immer weniger Kinder immer mehr arm

Mittwoch, 3. August 2011

Immer weniger Kinder immer mehr arm

Kommando zurück, Pasta in die Tube, Alarmglocken an. Nicht ganz drei Monate nach der Verkündung der überraschenden Nachricht, dass in Deutschland jahrelang viel mehr Kinder als arm gezählt wurden, als wirklich arm waren, hat das Statistische Bundesamt die Korrektur korrigiert. Erst im Mai war bekannt geworden, dass über Jahre hinweg nicht wie imemr wieder bekanntgegeben 16 Prozent aller Kinder arm oder von Armut bedroht seien, sondern nur acht bis zehn Prozent. Nicht jedes sechste Kind lebe damit in Armut oder zumindest in Armutsgefahr, sondern nur jedes zehnte. Durch gewisse Erfassungs- und Rechenfehler sei das leider über ein knappes Jahrzehnt hinweg nicht aufgefallen, enthüllte das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung.

Beim Statistischen Bundesamt in Berlin wollte man sich diese Zurechtweisung natürlich nicht gefallen lassen. Drei Monate lang wurde ruhelos erfasst und gerechnet, bis die Welt wieder im Lot war: "Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut bedroht", konnte der Oberstatistiker Roderich Egeler jetzt wieder zufrieden mitteilen. Das seien "rund 15 Prozent aller Kinder". Wieviele davon direkt arm sind und wie viele nur theoretisch von Armut bedroht, sagte Egeler nicht, dafür aber, dass "Kinder in Haushalten von Alleinerziehenden am stärksten gefährdet" seien.

Andere Experten gehen noch weiter und prognostizieren, dass die Armut von Kindern umso höher ist, je niedriger das Einkommen der Eltern liegt. Es gebe da einen "direkten Zusammenhang", sagte Sven Branzez vom mecklenburgischen Institut für Statistikanwendung in der Reproduktion (SAR).

Beruhigend auf die angespannte Lage (links: drei Schlagzeilen der Illustrierten "Stern" aus drei Monaten) wirke sich aus, dass der Kinderanteil in Deutschland insgesamt in den vergangenen zehn Jahren erheblich gesenkt werden konnte. 2010 lebten bereits rund 2,1 Millionen weniger Kinder in Deutschland als noch im Jahr 2000. Zählten die Bundesstatistiker damals noch mehr als 15 Millionen Minderjährige bundesweit, sind es jetzt nur noch knapp 13 Millionen. Die absolute Zahl der armen Kinder ging damit von 2,4 Millionen im Jahr 2000 auf nur noch 1,95 Millionen in diesem Jahr zurück.

Für das Jahr 2030, wenn die Erdtemperatur das Planziel von zwei Grad Plus erreicht haben wird, prognostizierte Egeler ein weiteres Absinken. Bei einem Kinderanteil von dann nur noch 15 Prozent reiche selbst eine Stabilisierung des Bestandes an armen Kindern bei 15 Prozent aus, um ihre Gesamtzahl in Richtung 1,8 Millionen zu drücken.

Kommentare:

nwr hat gesagt…

Und wer zählt eigentlich die Hungertoten, ja wer?

Arme Kinderlein!

ppq hat gesagt…

nachdem wir 30 t lebensmittel nach nairobi verluftfrachtet haben, so dass das in der tagesschau gemeldet werden konnte, ist das problem beinahe gelöst. okay, nairobi leidet nicht hunger, man hätte die 30 tonnen auch dort kaufen können. aber vielleicht mussten alte bundeswehr-komplekte weg?

Carl Gustav hat gesagt…

Ich glaube diesen Zusammenhang hat vor einiger Zeit auch schon Sarrazin entdeckt. Nun gut, er sprach nicht von "von Armut bedrohten Kindern", sondern von den Kindern aus der "funktionslosen bildungs- und leistungsfernen Unterschicht".

Es fällt aber schon auf, daß die ärmsten Säue eben die meisten Kinder haben. Da bleiben solche Effekte nicht aus.

Anonym hat gesagt…

manchmal wird man auch zu ner armen sau, weil man kinder hat und entschließt sich, weitere zu bekommen. in manchem fall muß das nicht einmal eine bildungs- und leistungsferne schicht betreffen. allerdings möchte diese schicht nicht gern mit einzelfällen konfrontiert werden. die allgemeinheit mag dies ja auch nicht* nun ja.
was ich sagen will, es ist keine frage des geldes, eher der einstellung, wie gut kinder in der familie groß werden.
(mir ist das wichtig zuerwähnen, statistiken empfinde ich als sehr gefühlskalt und das macht etwas mit der einstellung familien gegenüber. kein mensch sollte argumente bekommen, andere zu verurteilen, vor allem kine familien in denen kinder aufwachsen- anders vielleicht noch! - )
freundliche grüße.