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Montag, 23. Januar 2017

Fake News aktuell: Die Erinnerungslüge

Wissenschaftlich unmöglich, aber für Heiko Maas ein Kinderspiel: Der Justizminister erinnert sich sogar an Dinge, die er nicht erlebt hat.

"I remember", behauptet Heiko Maas. "I remember" behaupten auch Doris Schröder-Köpf (SPD), Katja Suding (FDP) und Michael Müller (SPD) in einer großen "Bild"-Aktion mit dem World Jewish Congress, die "eine Mahnung gegen das Vergessen" des Holocaust (Bild) sein soll. Sie "erinnern" sich also. Allerdings gründet, was den Deutschen ihre andauernde Mitwirkungspflicht am Tragen der Last der Vergangenheit verdeutlichen soll, auf einer falschen Prämisse: "Erinnern" kann sich ein Mensch nur an das, was er selbst erlebt hat.


Wo war Heiko Maas 1944? Wo hielt sich Schröder-Köpf auf, wie als ist die Schauspielerin Iris Berben wirklich, wann wurde der frühere Schwimm-Weltmeister Michael Groß geboren?

Sie alle erinnern sich hier mit ihren Pappschildern an Dinge, von denen sie gelesen haben, die sie im Fernsehen oder im Kino sahen, von denen ihnen vielleicht auch Zeitzeugen erzählt haben mögen. Zwangsläufig können sie sich also erinnern, dass sie davon gelesen haben, dass sie etwas erzählt bekommen oder im im Kino gesehen haben. Diese Erinnerung aber umfasst zwangsläufig ausschließlich den Vorgang des Erzähltbekommenhabens, nicht das eigentliche Ereignis.

Die ministerielle Supererinnerung


Denn Erinnerung ist das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen - hier aber hat der Mensch Maas selbst nur das Lesen über den Holocaust erlebt, das Ansehen von "Schindlers Liste" oder Begegnungen mit Holocaust-Opfern. An den Holocaust selbst aber kann er sich nicht erinnern können, weil er ihn nicht erlebt hat. Mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches geboren, kann auch das im Vergessen geübte Ministergedächtnis nicht auf "Erinnerungen" an das Ereignis zurückgreifen.

Denn das menschliche Erinnerungsvermögen verfügt nur über die Fähigkeit, im Langzeitgedächtnis vorhandene Erinnerungen zu finden, die sich auf Erlebnisse beziehen, auf einmal gesehene Gesichter, an dazugehörige Namen oder alphanumerische oder numerische Informationen, die gespeichert worden sind. Niemand kann sich heute noch an die Kreuzgung von Jesus Christus "erinnern", niemand an den 30-jährigen Krieg, an die Amtseinführung von Bismark oder die Geburt von Martin Luther. Denn kein heute noch lebender Mensch war dabei.

Erinnern ohne Erlebnisse


Und Erinnerungen stammen aus dem autobiographischen Gedächtnis und unterscheiden sich deshalb grundlegend von reinem Wissen über Ereignisse, das sich auch auf vielen anderen Wegen erwerben lässt. "Bild", Maas, Schröder-Köpf und Berben nehmen es da mit der Wahrheit nicht so genau. Sie "erinnern" sich an Dinge, die sie nicht erlebt haben, sie lügen, wenn sie ihre Schilder hochhalten, denn sie "remembern", was sie nicht erinnern können, weil es ihnen an Primärerlebnissen und selbstgemachten Erfahrungen gebricht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nichts kann die Irrelevanz und Verlogenheit solcher Aktionen besser illustrieren als die Liste der teilnehmenden Prominenten.

Anonym hat gesagt…

Hape Kerkeling hat sich sogar daran erinnert, als polnischer Priester von der SS erschossen worden zu sein. in "Ich bin dann mal weg." War so ein Spritismus-Rückführungszeug.

Also der Iris Berben traue ich zu, daß sie schon mal inkarniernt wurde, als Kuh oder Ameise. Aber der Maas? Der hat das noch vor sich.

Und natürlich geht es hier gar nicht um das Technische. Sie erinnern sich kollektiv. Als Volk, das sie abzuschaffen bemüht sind, damit sie sich in späterer Gestalt nicht mehr zu erinnern brauchen.

Die Anmerkung hat gesagt…

Haha, PPQ-Fake aufgeflogen. Obamas klammheimlicher Rücktritt wurde doch von weitaus mehr Schaulustigen verfolgt, als PPQ berichtet hat. Die wurden von Polizei und Secret Service jedoch in Seitenstraßen abgedrängt.

http://edition.cnn.com/interactive/2017/01/politics/trump-inauguration-gigapixel/

ppq hat gesagt…

das war nur eine alternative deutung von fakten, die völlig unabhängig von den fakten funktioniert

Anonym hat gesagt…

Das Blöde ist, dass die Herrschaften Schildchen mit einem englischen (warum eigentlich?)Begriff hochhalten, der durchaus auch mit einer anderen Bedeutung übersetzt werden kann: z.B. entsinnen, besinnen, gedenken, sich vor Augen halten etc.

ppq hat gesagt…

das schöne ist, das in der schlagzeile, im subtext, in der ankündigung usw durchweg von "erinnern" und "vergessen" die rede ist, nirgendwo von "gedenken" oder "besinnen"

Anonym hat gesagt…

"Remember" kann - und in diesem Fall muss - auch als "gedenken" übersetzt werden. Das deutsche "erinnern" im engeren Sinne würde man eher als "recall" übersetzen.

ppq hat gesagt…

kannst du gern tun, aber die präsentierende zeitung übersetzt es mit "erinnern"

Dieter Graber hat gesagt…

I remember heißt: Ich erinnere mich. Nichts sonst.

Die Anmerkung hat gesagt…

Hinzu kommt die Käuferschicht des Blattes mit ihren fulminanten Englischkenntnissen.

Was soll der Quark, deutsche Schauspieler und Darsteller mit englisch bemalten Schildern zu präsentieren. Das hat was von den Schildern, die man Leuten bis 45 um den Hals baumelte.

Anonym hat gesagt…

Ich erinnere mich daran, wie ich vor Jahren an eine gewisse Internetseite kam, und schier ein halbes Jahr brauchte, die Grundaussage zu akzeptieren. Heute wundere ich mich, daß ich das Zeugs zuvor einmal geglaubt habe...

Anonym hat gesagt…

Dann ist die Kritik an die falschen Leute gerichtet. Wenn BILD mit lückenhaften Englischkenntnissen glänzt, muss das selbe nicht zwangsläufig für die abgebildeten Personen gelten.

Gernot hat gesagt…

Niemand kann sich heute noch an die Kreuzgung von Jesus Christus "erinnern", niemand an den 30-jährigen Krieg, an die Amtseinführung von Bismark oder die Geburt von Martin Luther. Denn kein lebender Mensch war dabei."

1. Viele lebende Menschen waren dabei - damals lebende. Sie glauben wohl nicht an Reinkarnation?
2. Die gezeigten Erinnerungsdarsteller gehören zu den Eliten, nicht zum Pack. Sie verfügen daher möglicherweise über Fähigkeiten, die unsereins gar nicht ermessen kann.

ppq hat gesagt…

die meinen schon "erinnern" und nicht nur erinnern im sinne von gedenken als an etwas erinnern, sondern erinnern im sinne von "wir erinnern uns". http://eurojournalist.eu/morgen-erinnern-wir-uns-an-den-holocaust/

Anonym hat gesagt…

Ich erinnere mich auch daran, daß jemand für die logischen Schlußfolgerungen aus gewissen chemischen Analysen so zweieinhalb Jahre brummen mußte. Es war wohl vergebens - etliche, auch hier, glauben noch an den Weihnachtsmann (Hohoho!).