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Sonntag, 11. März 2018

Pflichtfrau fehlt: David Byrne bereut



Ausgerechnet er hätte es doch besser wissen müssen! Damals, vor 40 Jahren, lange vor den Genderkriegen, ja, sogar vor Erfindung des Wortes Gender, arbeitete David Byrne wie selbstverständlich auch mit einer Frau zusammen. Tina Weymouth hatte bei den Talking Heads nicht viel mehr zu tun als vier Saiten eines Basses in einem Rhythmus zu zupfen, den Byrne vorgab. Aber das war nicht weiter schlimm, denn auch die beiden übrigen männlichen Mitglieder gehorchten besser den Befehlen des Chefs, der allein hier das Sagen hatte.

In den 70ern, 80ern und 90ern ging das, ohne Widerspruch innen und außen. Zerstört aber hat diese frühe Zeit, die Byrne zu Songs wie "Psycho Killer", "Once in a Lifetime" und "Life During Wartime" trieb, die Person des Künstlers. Denn mittlerweile hat der 66-jährige Schotte jedes Gefühl für richtig und falsch verloren, wie er pünktlich zur Veröffentlichung seines neuen Albums ‘American Utopia’ selbst eingestehen musste: Ja, er habe mit zahlreichen Kollegen zusammengearbeitet, gab Byrne zu. Und ja, es sei leider auch richtig, dass er dabei keine weibliche Musikerin einbezogen habe.

Die Pflichtfrau - bei 18 männlichen Mitmusikern allerdings eher 18 Pflichtfrauen - fehlt. Und Byrne ist es erst aufgefallen, als ihm die Schlagzeugerin Lauren Martin die Nase in den Männerüberhang stubste.

Aber wenigstens ist David Byrne, der als einer der großen intellektuellen des Rock gilt, einsichtig. „Diese mangelhafte Repräsentation ist problematisch, aber weit verbreitet in unserer Industrie“, gesteht er. Und er entschuldigt sich: „Es tut mir leid, das ich keine Frauen für dieses Album angeheuert habe - es ist lächerlich, es ist nicht, wer ich bin, und es ist nicht die Art, wie ich in der Vergangenheit gearbeitet habe“, schreibt Byrne, dem bewusst ist, dass er an der Kante zu einem Genderskandal wandelt, der sein mühevoll zusammengepuzzeltes Album in einem Abgrund aus Verachtung reißen könnte.

Das hat das Werk, wie üblich exaltiert und mit verstellter Stimme gesungen, nicht verdient. Und so wirft sich das Genie in den Staub und leistet Abbitte. "American Utopia", so viel ist sicher, wird sein letztes Album sein, das als generisches Maskulinum auf die Welt kommt. Von hier aus nur noch mit Quotendame - und nicht nur einer, denn "Girls want to be with the girls".

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Schulligung, ganz OT: "Wolfgang Nieke" - bei Pipi aufgeschnappt - also, den hätte Philipp Rupprecht (Fips) nicht besser hinbekommen. Sie leben ...