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Dienstag, 8. Oktober 2013

Gesänge fremder Völkerschaften: Blut im Blues

Iverson Minter kam selbstverständlich nicht aus Louisiana, sondern auch Alabama, er spielte den Blues auch nicht auf den Baumwollfeldern, sondern am liebsten in deutschen Konzertsälen. Louisiana Red Spiel entsprach genau den Erwartungen, die das deutsche Publikum an echten und ursprünglichen Blues aus dem Delta hegt: Bei einem seiner letzten Auftritte kurz vor seinem Tod im Februar 2012 ließ der Mann mit dem breiten Gesicht noch einmal die gesamte Atonalität heraus, die in wahrhaft beseelter Musik möglich ist. Zuverlässig klimpert das Klavier. Louisiana Red steigt mit anlasslosen Gitarrenakkorden dazwischen: Ein würdiger Neueinsteiger für die große völkerkundliche PPQ-Serie "Gesänge fremder Völkerschaften".

Es ist, als ob er sein seltsames Leben als komischer Star in diesen zerschossenen Blues hineinsteckt, um dann zu spielen, zu singen und zu krähen. In den 50ern spielte er bei John Lee Hooker, in den 70ern im "Rockpalast" heute ist eine mitteldeutsche Kirche dran. Louisiana Red, seit 1981 Vollzeiteuropäer mit deutschem Wohnsitz, gibt noch einmal einen der großen alten Häuptlinge unter den Blueser, einen Klassiker, dem sie jeden schiefen Ton abkaufen. Er spielt Lieder, die alle kennen, so, dass sie kaum einer erkennt. Dauernd geht es um rolling stones, um Mama, um crying babies und lange Wege, weit weg von zuhaus. Schön ist das nicht, aber auf seine Weise bedeutsam.

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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

http://www.moviepilot.de/movies/dogville/comments

ich stimme lvt nicht zu, und auch ppq nicht. auch wenn dieses ende möglich ist

Anonym hat gesagt…

ich glaube, auch wenn lars von trier seine heldin tief sehen konnte, ist ihm doch wesentliches verborgen geblieben. nicht dogville hat grace zum opfer gemacht, und auch nicht die betrachtung, sondern erst die zustimmung, des vorwurfs der arroganz.

der naive, ungeschickte, dumme versuch des schreiberlings, sich ihr in einer solch brisanten situation zu erklären, hätte ihr nichts anhaben können. wenn gleich alles zusammen die situation zuspitzte, die haut, die nerven bis ins innerste durchbohrte. am ende war es die liebe zum vater, die ihr zu dieser fatalen, nur allzu menschlichen entscheidung verhalf. aus sich selbst heraus, hätte grace einen moment tiefer innerer ruhe gefunden, eine nacht darüber geschlafen, sich von diesem traurigen ort entfernt - sie hätte eine andere entscheidung getroffen. wie hätten die bewohner von dogville je wieder zur alten ordnung zurück finden können? waren sie doch alle zeugen geworden, ihrer abgründe.

grace hatte scheinbar, im gegensatz zu uns meisten, das glück in einem feld bedingungsloser liebe, respekt und geborgenheit aufzuwachsen, unversehrt, unverbogen denken und sich äussern zu dürfen. als junge frau im natürlichen abnabelungsprozeß vom vater jedoch geriet etwas in bewegung. die infragestellung, seiner sicht und handlungweise in der welt, ihrer argumente, müssen etwas berührt haben, einen schmerz der "richtigkeit". es kam zu einer solch heftigen reaktion, dass er auf sein kind schoß und in die flucht trieb. was der mensch noch weniger ertragen kann, als die ungeradigkeit eines anderen, ist seine heiligkeit, im konkurrenzspiel um papa gottes gunst. diesen vortritt gestatten wir nicht einmal unseren kindern. in diesem sinn sind wir alle dogville

grace verkörpert das liebende, das weibliche, aufnehmende prinzip schlechthin bis zur letztendlichen verwirrung - wer will sie verurteilen? wir nicht. da wir ja betrachter, empörer ihres schmerzes wurden. doch am ende ist jeder grace, jeder spiegel seiner selbst, seiner reflexion, projektion - auch ein alfons hatler- und verdient mitgefühl.