Google+ PPQ: Abriss-Exkursionen Kinderferienlager Friedrichsbrunn: Der Duft einer anderen Zeit "

Samstag, 2. Januar 2016

Abriss-Exkursionen Kinderferienlager Friedrichsbrunn: Der Duft einer anderen Zeit

Ganz am Rande des Städtchens Friedrichsbrunn im Harz, dort, wo keiner der wenigen Touristen jemals hinkommt, rottet eine verlassene Barackensiedlung mit alten Hütten aus Sperrholz und Presspappe vor sich hin. Das "Buna-Lager" war früher der gesellschaftliche Mittelpunkt des Ortes, eines der größten  Kinderferienlager der untergegangenen DDR, speziell vorbehalten dem Nachwuchs der Beschäftigten der Buna-Werke.


Ein Ort, der ein Vierteljahrhundert nach der Abreise der letzten Feriengäste halb verfallen, halb überwachsen ist. Gebäude sind moosüberwachsen, Fenster eingeschlagen, Wände durchfeuchtet und brüchig.

Die Erinnerungen derjenigen, die damals dabei waren, stecken in halbeingestürzten Tischtennisplatten, in überwucherten Appellplätzen, in verschimmelten Küchenräumen. Ein paar verfallene Holzbaracken und einige verwüstete Backsteingebäude, aus denen schon lange alles heraus geholt wurde, was sich noch irgendwie gebrauchen ließ, das ist der Rest vom Kinderferienlager Erich Weinert, wie es offiziell hieß.

Hier wurde früher gewandert, es wurden Spiele gespielt, Feste veranstaltetet, die internationale Solidarität beschworen, die von der Buna-Luft verklebten Lungen durchgelüftet und die Illusion genährt, dass der Sozialismus die bessere Alternative ist.
Er ist inzwischen als krude Vision enttarnt und hat sich ins Dickicht zurückgezogen. Die Natur holt sich die Illusionen der 60er, 70er und 80er Jahre zurück.  Zersplittertes Glas liegt vor den leeren Fensterrahmen, innen verfault  Unrat: alte Stofffetzen, Reste von Möbelstücken und anderer kaum noch identifizierbarer Müll. Der Schimmelpilz kriecht die Wände empor und leuchtet selbst in den schummrigen Baracken, auf die die hohen Buchen ihre dunklen Schatten werfen, noch in einem kräftigen Grün. 
Hier haben Generationen ihre ersten Schlägereien durchgestanden, zum ersten Mal erlebt, welche Dynamik eine Gruppe hat und wo man sich selbst am besten einordnet. Hier blühte die erste Liebe und weinte nach der abendlichen Disko der erste Liebeskummer. Durch die leeren Fensterhöhlen des einstigen Waschraumes fällt der Blick heute in hohe Räume, aus denen ein feuchter Hauch weht. 
Der Duft einer anderen Zeit, das Aroma eines Mausoleums für verstorbene Ideen. Drüben im Dorf, ein paar hundert Schritte entfernt, hat ein Ewiggestriger in seinem Garten eine DDR-Fahne am Mast aufgezogen.

Mehr Abriss-Exkursionen in der heimatkundlichen PPQ-Serie
und noch mehr

Kommentare:

Carl Gustaf hat gesagt…

Wenn ich nicht irre, so durfte ich dort die mir (uns) verordnete vormilitärische Laufbahnbefähigung über mich ergehen lassen? Mit einem obligatorischen Räuber und Gendarme Spiel zum Hexentanzplatz und wieder zurück.

der bastelneger hat gesagt…

Also Entschuldigung, für mich als Wessi sieht dieses Gemäuer eher aus wie eine KZ-Ruine...

I.S hat gesagt…

Ich kenne dieses Objekt auch nur als ehemaliges zv lager.wir hatten das Glück das bei uns noch die DDR Band rockhaus spielte.dabei fielen viele Bänke der Tribüne dem jugendlichen Leichtsinn zum Opfer.schöne zeit