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Mittwoch, 5. Dezember 2018

Die CDU nach Merkel: Wochen der Entscheidung


Nach dem angekündigten Rückzug von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom CDU-Parteivorsitz ist der Kampf um die Nachfolge an der Spitze von Partei und Staat mit aller Härte entbrannt. Jens Spahn, Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer ziehen argumentativ alle Register, Spahn, der als rechtskonservativ gilt, versucht sein image zu moderatisieren, Merz, der unter seiner wirtschaftsfreundlichen Herkunft leidet, ist dabei, an einer menschenfreundlichen Empathiemaske zu stricken. Und Annegret Kramp-Karrenbauer, eine zwergenhaft kleine Frau, die bisher nur ein zwergenhaft kleines Bundesland regiert hat, strebt danach, sich beim rechten Parteiflügel als stramme Ausländerrauspopulistin zu etablieren.

Das sollte reichen, denn in den Medien ist der Wettstreit um das Merkel-Erbe bereits ebenso entschieden wie bei den Demagogen Demoskopen, deren Vorhersagen seit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA als als untrüglicher Indikator für das tatsächliche Wahlergebnis gelten. Ebenso verhält es sich mit den Schlagzeilen, die die Aspiranten auf den CDU-Vorsitz im Wahlkampf liefern: Kramp-Karrenbauer, im Zuge der konservativen Markenbildung inzwischen häufig kernig als "AKK" abgekürzt, arbeitet hier erfolgreich an ihrer Abnabelung von der Ziehmutter Merkel.

Staatsmännisch verspricht sie, künftig "die grundlegenden Themen in der Partei zuerst zu diskutieren und zu entscheiden, bevor sie ins Regierungshandeln gehen." Merkels abgehobener Hinterzimmerstil, bei dem ein Kreis demokratisch nicht legitimierter kleiner Kreis an Kanzlerinnenvertrauten Politik nach sinistren Entscheidungskriterien machte, so lässt sich das übersetzen, wird nicht fortgesetzt.

Für die CDU, eine genügsame Partei, die das Folgen ohne Widerspruch gelernt hat, könnte das reichen. Ein Vorleben in Form einer Biografie voller Brüche und Widersprüche hat AKK nicht, zumindest den Medienberichten über sie zufolge. Gut katholisch ist sie, ihre Ablehnung der Homo-Ehe ist somit religiös motiviert und damit entschuldigt. Sonst keine Leichen im Keller, ja, offenbar nicht einmal ein Keller ist da. Helmut, mit dem sie seit 1984 verheiratet ist, ist ein "toller Mann", die ganze Familie steht hinter ihrer Kanzlerschaft, auch die drei Kinder. AKK ist die saubere Lösung für einen Bruch ohne Bruch, einen Neuanfang mit Weiterso. Ihr fliegen die Herzen der Medienarbeiter zu.

Die Konkurrenten dagegen umweht schon in den Wochen der Entscheidung ein Ruch von Korruption und Unmoral. Zwar traf die Enthüllung, er habe einen "Studenten angeschrien" durch einen Regiefehler nicht Friedrich Merz, sondern den grünen OB Boris Palmer. Doch gegen Vorwurf, er habe einen Obdachlosen "unverschämt" (Spiegel)behandelt und damit gezeigt, dass es ihm am moralischen Fundament für eine Kanzlerschaft mangele, konnte sich Merz kaum wehren.

"Der Spalter der Fraktion" (Die Zeit) spaltete mit seiner bloßen Kandidatur die letzte Volkspartei, auf deren Stabilität es in Tagen der gesellschaftlichen Zerrissenheit so sehr ankommt. Mit ihm steht Schwarz-Grün, die Wunschkoalition der meisten Medienschaffenden, auf der Kippe. Folglich arbeitet eine ganze Branche daran, dem früheren Bierdeckelreformer die Biedermannmaske vom Gesicht zu reißen: Merz ist der "Zeigefinger", der "Millionär von nebenan", der "dunkle Lord der CDU" und ein Typ, der "nichts zu verschenken" hat.

Wer den wählen würde, wäre genauso selbst schuld wie der, der Jens Spahn seine Stimme gäbe, dem dritten Bewerber im Rennen, dessen Außenseiterchancen von harscher Kritik der politischen Konkurrenz kaum noch vermindert werden können. Gut, dass Merz Wolfgang Schäuble hinter sich weiß, den Mann, der einst Kohls Koffer trug und später von Angela Merkel aussortiert und abgeschoben wurde. Schäuble, das zeigte schon sein Agieren als CDU-Parteispendensammler, steht für eine gelenkte Demokratie, der es weniger auf steife Formen des formell grundgesetzkonformen Funktionierens des Gemeinwesens als vielmehr auf die richtigen Ergebnisse ankommt. Friedrich Merz, das hat der Letzte der der Väter des Hades-Planes klargestellt,  wäre dieses Ergebnis.

Das Rennen um die nächste Kanzlerschaft, denn das ist es, worum es beim Wettbewerb um den Sitz des CDU-Parteivorsitzenden geht, ist kaum eröffnet und doch schon entschieden.

Zumindest in den Medien.


1 Kommentar:

Erbschleicher hat gesagt…

Tolles Dreigestirn, das die C-Partei unter der Kuratel von IM Erika da aufzubieten hat, um Doofmichels grenzenlose Geschicke auch in der Post-Merkel-Aera asylantenkonform zu reglementieren.

Keine Sorge, Herr und Frau Mustermann, Sie müssen auch zukünftig nicht selber denken, nur bezahlen, denn es betreuen Sie demnächst: Ein Finanzhai oder eine Mannfrau oder ein Fraumann.

Schönes Migrationspackleben wünsche ich also.