Mittwoch, 23. September 2020

Karl Marx' Rassismus: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Whitefacing: Karl Marx (hinten) als rassistischer "Mohr".
Er selbst kann es nicht mehr, aber sicher wäre er der Erste, der seinen Kosenamen ablegen würde, wüsste, wie sehr das Vierbuchstabenwort "Mohr" heute unzählige Menschen auf ein nicht mehr hinzunehmende Art verletzt, zurücksetzt und beleidigt. Nachdem auch der Rat der Niedersorben und Wenden sich in Solidarität mit anderen marginalisierten Minderheiten dafür ausgesprochen hat, dass nicht nur Straßen und Einrichtungen wie Mohrenstraße und Mohren-Apotheke dringend umbenannt werden müssen, sondern auch menschliche Träger der menschenverachtenden Bezeichnung, ist mit Karl Marx einer der Vordenker des progressiven Linksseins ins Visier gerückt: Marx war von seiner Frau Jenny, gleich ihrem Mann eine Ikone der weltweiten Arbeiterbewegung, der Kosename "Mohr" verliehen worden.


Vermeintlich gut gemeint, spielt der Name jedoch unzulässig auf äußerliche Merkmale an, die von Verteidigern angeblich zu bewahrender Traditionen gern Menschen aus Afrika angeheftet werden. Marx schwarzer Bart und sein schwarzes Haar hätten ihm den verletzenden Beinamen eingebracht, der sich bei Freunden, Genossen und Mitkämpfern schnell durchsetzte.

Marx, der Mohr


Von Nazis eingesperrte Proletarier trugen Marxens Beinamen später auf den Lippen, wenn sie ihm zu Ehren das eigens geschriebene Lied von den "Mohrsoldaten" sangen, mit "Max und Mohritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen" setzte auch der humoristische Dichter und Zeichner Wilhelm Busch dem Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretiker, politischen Journalisten, Protagonisten der Arbeiterbewegung und von Kapitalismus und Religion ein Denkmal. Die beiden Schriftsteller Vilmos Korn und Ilse Korn eiferten Busch mit dem Kinderbuch "Mohr und die Raben von London" nach und machten den fragwürdigen Spitznamen unvergesslich. Später wurde aus dem Buch auch noch ein Kinofilm, mit dem Millionen nichtsahnender Schülerinnen und Schüler indoktriniert wurden.


Damals wussten es die Menschen noch nicht besser, denn es herrschte nicht nur ein großer Mangel an zivilgesellschaftlich engagierten Projekten, die rassistisch empfundene Begriffe aufspüren und deren unreflektierte Verwendung immer wieder anprangern. Vielmehr glaubten seinerzeit selbst viele gut ausgebildete Kader aus der leninistischen Glaubensschule, dass der Begriff "Mohr" auf den heiligen Mauritius zurückgehe, das Wort also eigentlich in bester Absicht verwendet werde.

Anton Amo, der studierte Sklave


So hatte Anton Wilhelm Amo, einer der ersten Afrikaner, die als Sklave nach Europa verschleppt wurden, in Deutschland ein Studium absolviert und seine Doktorarbeit auf heute kaum noch hinnehmbare Art mit "Über die Rechtsstellung der Mohren in Europa" überschrieben. Zum Glück ist von der wegweisenden Arbeit aus dem Jahre 1729 nicht mehr als der äußerst zweifelhafte Titel geblieben, so dass eine Umbenennung  kaum einen erzieherischen Effekt erzielen wird.

Anders sieht es im Fall Karl Marx aus, dessen Erbe durch die Verbreitung des "Mohr"-Buches und des gleichnamigen Filmes bis heute gleichermaßen missbraucht und zu falschen Zwecken genutzt wird. "Entscheidend ist, wie die Betroffenen die Begriffe wahrnehmen. Und viele empfinden beispielsweise das Wort 'Mohr' als etikettierend und stigmatisierend", sagte Kai Weber der im niedersäcjsischen Flüchtlingsrat für eine bundesweite Lösung des Mohren-Problems kämpft. 

Straßen und Einrichtungen wie Mohrenstraße und Mohren-Apotheke müssten umbenannt, denn die Bewahrung von Tradition dürfe kein Argument sein, als rassistisch empfundene Begriffe unreflektiert hinzunehmen. Das Marx-Buch mit dem Mohrentitel kann da nicht bleiben, wie es ist, ebenso wenig wie der  Mohrenfalter und die Mohrrübe.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hieß Buschs Rassistenstück nicht 'Marx und Mohritz'? Kann mich irren.

"Entscheidend ist, wie die Betroffenen die Begriffe wahrnehmen. Und viele empfinden beispielsweise das Wort 'Mohr' als etikettierend und stigmatisierend", sagte Kai Weber aus der Geschäftsführung des Vereins.

Die Betroffenen müssen sowohl ausreichende Deutschkenntnisse besitzen als auch kulturhistorisch entsprechend gebildet sein, um von diesem Wort beeinträchtigt zu werden. Andernfalls wären die Bleiblinge ja bloß tumbe Manövriermasse der NGO, die ihnen ihre eigenen Wertungen einbläst um Publicity zu produzieren und Machtspiele zu spielen. Da sei Allah vor.

Anonym hat gesagt…

Na, vor > dreißig Sonnen konnte man sich noch, so man an die Falschen geriet, mit dem Begriff "die Russen" sehr ordentlich das Knie dick machen ... sogar dann, wenn man von Russen sensu strictu sprach.

Anonym hat gesagt…

Im Lichte der brandneuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Begriff „Mohr“ müssen auch die Marxschen Familienverhältnisse neu untersucht werden.
Dass Jenny ihrem Karl den menschenverachtenden und herabsetzenden Spitznamen Mohr aufdrücken konnte, zeigt doch, wer in diesem Haushalt die Domina war.
Karls sexuelle Ausbeutung des Dienstmädchens Helene und wohl auch ein beträchtlicher Teil seines schriftstellerischen Wirkens dürften Kompensation für die tägliche Erniedrigung sein, mit Mohr angeredet zu werden.