Google+ PPQ: Dezember 2019

Dienstag, 31. Dezember 2019

Fireworks Night: Letzter Gruß und guten Rutsch


All the mistakes that I have made
All the things I should have seen but I looked away
All the things we should have shared that we kept to ourselves
All the things that we shared we should have kept to ourselves
And I guess it's the modern way the phone call that comes
flying out of a blue autumn day and suddenly everything
goes so and quiet and soon everyone seems to be alone
with their own thoughts And now it's as if I'm standing
beneath a torrent of falling water, feeling things I don't
want to feel, remembering things I don't want to remember
But we said what we said and we made what we made

And so I say the things I have learned to say
Thankful for words that can be used
We were both like waves not able to break
Rolling and turning and turning and rolling
But still not able to break


And I'm numb, I'm numb like when you've been driving
so fast for so long that it feels as if you're hardly
moving at all, my body rigid with tension, my sould all
wound up like a twisted ttree, the way we used to be when
we sang of passion and justice and faith was easy and
celebrated in a ritual of curling smoke, arms all raised up
towards the lights…
And we said what we said but we made what we made
And so by now you'll be further on that I ever went; and is
it still painless? Do you get to float and look down and do
all of that? Tonight would be as good a night as any.
you'll see the city alive like a great resting animal
lying in the lea of the hills and the moorland and
breathing little patterus of fire out into the cold dark
coming of winter. And I'm warming my back against
the heat of a bonfire like the ones you so loved so build
and I'm thinking about it all â " and I'm sorry and Im not sorry.
Our time was made up of confused emotiongs and little
whirlwinds and all that stuff we coulnd't really talk about
but most of all it was sealed in sacred moments like these
And then it was gone…


Justin Sullivan, Fireworks Night, 2009

 

2019: Das Jahr des Kobold

Sie ist klein, eher dunkel und am Ende eines verrückten Jahres vollkommen zurecht die "Personin des Jahres" geworden: Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg hat das Jahr 2019 geprägt wie sonst nur noch die Angst vor der Angst vor unendlichen Flüchtlingsströmen. Dass es sie gab, ist ein Glücksfall für die Bundesregierung gewesen. Für alle anderen aber werden die bereits wieder erloschenen "Klimaproteste" nun für alle Ewigkeit teuer.


Hätte es Greta Thunberg, die von den Machern des Öko-Netzwerks We don't have time" entdeckt worden war, nicht gegeben, wäre die mittlerweile wieder eingeschlafene Schulstreikbewegung Fridays for Future nie entstanden. Keine Bundesregierung hätte sich zur Durchsetzung der höchsten Steuererhöhungen seit der Einführung des Solidaritätszuschlages darauf berufen können, dass es doch das Volk sei, das nach Strafe lechze. Die AfD schließlich, bis zum Kipp-Punkt, an dem das Klima alles wurde und der ganze Rest nichts, die Partei, die alle anderen vor sich hertrieb, erreicht seit Beginn der Klimakrise nicht mehr die Zustimmung, die sie zuvor hatte.

All das gelang einigen wenigen mit der Unterstützung vieler: Nicht einmal zwei Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler waren auf dem Höhepunkt der Klimaproteste auf der Straße, ungleich viel weniger als vor 15 Jahren gegen die Hartz-4-Gesetze protestiert hatten. Doch wo Medien damals gegen den Protest anschrieben, machten sie ihn sich jetzt zueigen. Und eine Bundesregierung, die einerseits nach einem Thema suchte, um den leidigen "Flüchtlingszustrom" (Merkel) endlich wieder beschweigen zu können, sich andererseits aber auch eine Aufgabe wünschte, um dem an den Fähigkeiten der Spitzenpolitik zweifelndem Volk Tatkraft und Entschlossenheit zu demonstrieren, griff begeistert zu.

Jahr der Entscheidung


2019 war für die Welt in Deutschland ein entscheidendes Jahr. Der erneute Aufstieg der Grünen, deren eine Spitze den Kampf gegen den Kobold forderte, während die andere verkündete, Afrika retten und in den Klimakrieg gegen die USA ziehen zu wollen, ist Symptom einer galoppierenden Agoraphobie der europäischen Zentralmacht. Wollte Deutschland vor Jahren noch mit Hilfe des Hades-Planes friedlich erobern, was ihm in zwei Weltkrieges nicht gelungen war, gelten alle Bemühungen des einstigen Export- und Autoweltmeisters inzwischen der Verpuppung vor einer bösen Welt. Während Trump die Beziehungen der Großmächte mit raschen, harten Schnitten neu ordnet, begleitet vom unermüdlichen Kläffen einer Horde aus Meinungspinschern, nach deren früheren Voraussagen der US-Präsident schon längst keiner mehr sein kann, kümmert sich Deutschland um sich selbst und seine Klimagefühle. Wer, wenn nicht wir, ist schuld an allem? Wer außer uns soll die Welt retten? An wessen Wesen kann sie denn sonst genesen?

Eine Industrienation schafft sich ab


Eine Industrienation baut sich zu Phantasialand um, ohne dass das im Wahlkampf versprochen, geschweige denn, dass die Ganz Große Klimakoalition (GGKK) aus CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken zuvor auch nur andeutungsweise klargemacht hätte, wohin der Staatszug fahren soll und wer die Reise zahlt. Nun aber geht es plötzlich nur noch um mehr Geld, mehr Regulierung, neue Verbote, mehr Einschränkungen, mehr Scham, Umbau, Ausstieg, Bremse, Strafe und Konflikt. Wo aber landet ein Kontinent, der Schutzzölle gegen die USA ausruft, während die sich mit ihrem größten Rivalen auf die massive Senkung von Zöllen einigt?

Vor dem Handelsgerichtshof der WTO sicherlich, gleichzeitig aber auch im wirtschaftlichen Abseits. Dort ist schon lange ein Platz reserviert: Seit dem Ende der großen "amerikanischen Krise" (Peer Steinbrück) vor zehn Jahren hat sich der US-Aktienindex Dow Jones verdreifacht. Der deutsche DAX kam gerademal auf eine Verdopplung und er liegt heute noch unter seiner einstigen Rekordmarke.

Es sind überall Zeichen an der Wand. Die Welt, soweit es die USA, China, Russland, Südamerika und selbst Afrika betrifft, wird ohne Deutschland überleben. Aber schafft es Deutschland ohne die Welt? Und wer wird dem Ehrgeiz des Musterschülers aus der letzten Bank dann noch applaudieren?

„Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt“, hat Greta Thunberg, ein Schulmädchen ohne abgeschlossene Ausbildung, aber mit augenscheinlich äußerst mächtigen Freunden, Anfang des Jahres gefordert, als die ewige Kanzlerin vor dem Aus stand und das ganze Land auf eine Zeitenwende wartete, auf einen Aufbruch, auf neue Energie, ein Ende der Lähmung einer alternden Gesellschaft, die sich ihre Abendunterhaltung von zwei Handvoll Egomanen liefern lässt. Es kam nicht dazu. Doch in Deutschland, dem Land der Funklöcher, Flughafenbaustellenruinen, stillgelegten Bahnlinien, fehlenden Großstadtwohnungen, der schimmelnden Kunststoffdämmungen und himmelhohen Nahverkehrs- und Weltrekord-Strompreise, erhörte man den Panikruf des verängstigten Kindes.

Im Namen der betreuten Opfer


Hier, wo sie zumindest in den Schreibmaschinengewehrgräben der Großmedien glauben, dass Gretas Thunberg Obama traf, Merkel, den Papst, Leonardo DiCaprio und Arnold Schwarzenegger, den namentlich derzeit nicht allzu bekannten Chef der Uno und wenigstens beinahe auch Donald Trump, weil ihre Botschaft so wichtig ist, wurden Konsequenzen aus den freitäglichen Klimagebeten einer Generation gezogen, die umhegt und umsorgt, von Wohlstand umgeben und betüttelt wie keine vor ihr aufwächst. Statt weiterhin "Europa" zu predigen, einen Psalm, der sichtlich nicht verfing, muss nun das Klima herhalten, um Bühnenschlachten mit Pappschwertern zu schlagen. Gewinnen aber, das ist lange vor jedem neuen "Kompromiss" zu einem "Klimapaket" klar, wird immer nur einer: Der Staat. Und verlieren werden alle, was sie immer verlieren: Geld und Freiheit.


Rückblickend festzuhalten bleibt, dass 2019 zwar formal auf 2018 folgte, in seinen Grundaussagen aber eher dem Jahr 1961 in der DDR glich. Hier und heute kommt es nicht mehr auf Fakten an, auf Wirklichkeit und Wahrheit. Gefragt sind Gefühle, und möglichst groß und verletzt sollen sie sein. Im  Kampf gegen das Klima und seine Leugner, um koboldfreie Energiespeicherung und den Verschissmus, ein Phänomen, das als Idee Einzelner begann, mittlerweile aber kollektive Phantasien anregt, müssen alle Rohre schießen.

Sonst würde irgendwann jemand hören, wie still es eigentlich ringsum geworden ist.

Montag, 30. Dezember 2019

Zitate zur Zeit: Nur was die Mächtigen sagen


Verzweifelte Leute sind zu allem fähig. Zu allem. Ich hab`s gesehen. Ich habe unter Stalin gelebt.

Ich habe Dinge gesehen, die jeden Rahmen sprengen, die unbegreiflich sind.

Eure Schwäche, die Schwäche eures verweichlichten amerikanischen Lebens, ist, dass ihr meint, alle Menschen wären wie ihr, dass Vernunft für alles in der Welt eine Erklärung bereithält.

Ihr erwartet, dass zwei plus zwei gleich vier ist.

Aber so ist das nicht. Es ist gleich dem, was die Mächtigen sagen. Wenn sie sagen, es ist hundertundacht, dann werden die Mathematiker das beweisen.

Elisabeth Elo in "Die Frau, die nie fror"

EU-Staaten bringen Verbot von Kapuzenjacken auf den Weg


Sie sehen schick aus, haben aber nur eine eingeschränkte Nützlichkeit für wenige Momente ihrer Existenz. Dennoch sind Kapuzenjacken allgemein beliebt – einer EU-weiten Untersuchung zufolge existieren allein in Europa mehr als fünf Milliarden Jacken mit Kapuzen. Daraus ergibt sich ein gewaltiges Ressourcenproblem. Doch nun bahnt sich in Europa eine radikale Wende an.

Nach dem das Aus für Plastikteller, Strohhalme und andere Kunststoff-Wegwerfprodukte in Europa rückt nun auch ein Verbot für Kapuzenjacken immer näher. Die EU-Staaten stimmten nochmals darüber ab, welche Möglichkeiten das Europaparlament hat, sich für ein Verbot oder doch weitgehende Nutzungsuntersagungen aussprechen zu können. Bis Ende des Jahres sollen nun die finalen Verhandlungen zwischen beiden Seiten und mit der neuen von-der-Leyen-Kommission abgeschlossen werden. Danach würden Jacken mit Kapuze nicht mehr zum Import in die Gemeinschaft zugelassen und es erginge auch ein europaweites Verkaufsverbot.

Kapuzen sind ein Umweltproblem


Hintergrund ist nach Angaben der EU-Kommission ein gewaltiges Umwelt- und Ressourcenproblem, das die schicken Kragenanhänge mit sich bringen, die besonders bei jugendlichen Hipstern so beliebt sind. Nach Berechnungen im Auftrag der Gemeinschaft entspricht die Baumwollmenge, die benötigt wurde, um den derzeit in der EU vorhandenen Bestand an sogenannten festen Kapuzen an Jacken unterschiedlichster Art anzubringen, einem Gewicht von zwischen 250.000 und 500.000 Tonnen. Ausgebreitet würde die Stoffmenge fast 1000 Saarländer oder aber 350 Millionen Fußballfelder bedecken.

Nach einer Studie von Wissenschaftlern des An-Institutes für Entropie der Bundeskulturstiftung aber wird diese Stoffmenge dauerhaft nur zu einem Zehntel genutzt – das sei im Durchschnitt der Anteil der Tragezeit einer Jacke, in der der Träger die Kapuze wegen Regen, starken Windes oder aus modischen Gründen wirklich aufgesetzt trage, so heißt es bei den Forschern, die dazu 12.234 Kapuzenjackenbesitzer befragt hatten.

Neun der zehn durchschnittlich in deutschen Kleiderschränken vorhandenen Jacken mit Kapuze seien im Durchschnitt unnötig mit einer Kapuze ausgestattet, sagt Forschungsleiter Hans Achtelbuscher. Getreu dem Vorhaben der EU, dass nur verboten wird, wofür es aus Sicht der Kommission bereits Alternativen gibt, ist an eine Lizensierung von Kapuzenjacken gedacht, die in Verbindung mit einer sogenannten Mützenregelung künftig die Herstellung unnötiger Kapuzen verhindert. „Eine einzige Mütze kann durch ihre höhere Flexibilität zu einem oder gar zu zwei Dutzend verschiedenen Jacken getragen werden“, sagt  Achtelbuscher. Damit werde das Weltklima, entlastet, es würden wichtige Ressourcen geschont und die Ozeane geschützt, in die heute auch viele Baumwoll- und andere Kleidungsreste gelangen.

Verbot  bringt große Umweltvorteile


Die EU-Kommission verspricht sich dadurch große Umweltvorteile. Die Maßnahmen sollen den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern. Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 220 Milliarden Euro vermieden werden, hieß es. Das wäre das Zehnfache dessen, was das Strohhalmverbot erreicht hat. Verbraucher, die künftig nur noch Jacken ohne Kapuze kaufen, die deshalb billiger würden, könnten bis zu 12,5 Milliarden Euro sparen. Die Kommission begründet den Vorstoß vor allem mit dem Schutz der Umwelt. Derzeit fielen allein in Deutschland jedes Jahr 750.000 Tonnen Textilmüll an - 1996 waren es noch 615.000 Tonnen. Etwa sieben Prozent dieses Mülls besteht aus Kapuzenjacken, der Anteil der Kapuzen summiert sich dabei auf etwa elf Prozent. das sind knapp 6.000 Tonnen Kapuzen, die jährlich in Deutschland entsorgt werden, für Europa liegt die Zahl bei weit über 30.000 Tonnen.



"Kapuzen-Müll verschmutzt unsere Flüsse, Strände und Ozeane. Daher wollen wir Kapuzenjacken, für die es mit einfachen, kombinierbaren Mützen gute Alternativen gibt, verbannen", heißt es nun sowohl im EU-Parlament und in der EU-Kommission. Die hatte ursprünglich vorgeschlagen, die Hersteller von Kapuzenjacken weltweit zu verpflichten, abknöpfbare oder mit Reißverschluss trennbare Kapuzen anzubieten. Die EU-Staaten wollen nun noch darüber hinausgehen: Ein Komplettverbot soll nicht nur die Hersteller treffen, sondern auch Firmen, die betreffende Produkte importieren beziehungsweise verkaufen, so dass umweltschädliche Kapuzenjacken gar nicht mehr bis zum Verbraucher gelangen.

Bundesregierung begrüßt Kapuzen-Verbot in der EU

Deutsche Politiker begrüßten die Entwicklung. "Ich hoffe auf eine zügige Einigung, so dass wir das Paket noch in diesem Jahr beschließen und ab dem nächsten Jahr mit der Umsetzung in Deutschland starten können", hieß es im Bundesumweltministerium. Bei dem Kommissionsvorschlag handelt es sich um eine EU-Richtlinie, die Mitgliedstaaten haben dabei nach der finalen Einigung in der Regel zwei Jahre Zeit, die entsprechenden Vorgaben in nationales Recht umzusetzen, nicht aber die Möglichkeit, anderslautende Regelungen zu erlassen.


Sonntag, 29. Dezember 2019

Premium-Journalismus: Qualität kommt von Quälen

Nicht erst seit Udo Jürgens großem Bekenntnis "Ich glaube", herausgesungen in eine seinerzeit zusehends ungläubiger werdende Welt voller Studentenproteste, staatlicher Knüppelaktionen und einem ersten Vorgeschmack von Terror, ist der Glaube wieder auf dem Vormarsch. Rationalität, Wissen und Tatsachen haben die letzte Schlacht verloren, gesiegt hat das Wissen, dass der Glaube an die Wissenschaft sogar ausreicht, die Wissenschaft selbst zu ersetzen. "Ich glaube nicht mehr an die alten Lügen", sang Jürgens. Ein halbes Jahrhundert später ist es Ehrensache, neuen zu vertrauen, die von einer unerschöpflich scheinenden Quelle beinahe im Wochentakt ausgereicht werden.

Gut, dass Premium-Journalismus, wie ihn der "Focus" aus München verlässlich zelebriert, immer wieder deutlich macht, dass die Grenze zwischen Teufelsglauben, Magie und modernen Umfragemethoden zum Zwecke der Klickgenerierung noch weit tiefer liegt als Limbostangen für Regenwürmer.

Das kommt an, das lockt die Informationselite aus der Reserve: Als das Nachrichtenmagazin jetzt von seien Lesern wissen wollte, wie sie "die Hitze-Sommer der letzten Jahre sehen", ging es nicht um Temperaturen, Messwerte oder auch nur subjektive persönliche Erfahrungen. Sondern um die Abfrage von Informationen, die eigentlich nur etwa 16.000 Menschen in ganz Deutschland haben können: Waren die "Hitze-Sommer der letzten Jahre" nun die "wärmsten Sommer der letzten hundert Jahre"? Oder werden sie dereinst die kühlsten Sommer der nächsten hundert Jahre gewesen sein?

Letzteres kann niemand wissen, ersteres nur die 16.000 Hundert- und Überhundertjährigen, die wissen, wie die Sommer früher waren. Geantwortet haben dennoch fast 19.000 Menschen, allesamt Wahrsager und Erinnerer an frühere Leben, als Sommer und Winter noch kalt und die Zukunft aller kommenden Generationen noch nicht rettungslos zerstört war.

Doku Deutschland: Brief eines Klimaleugners an einen Sportfreund

Umweltministerin Svenja Schulze hat begriffen: Auf diesem Bild lässt sie ihren Dienstwagen zugunsten der Umwelt stehen und geht demonstrativ zu Fuß.
Er verteidigt sich, indem er angreift. Er rabuliert und argumentiert und lässt sein Gegenüber typischerweise nicht zu Wort kommen. Die Freiheit eben dessen aber, schreibt er, sei ihm am Wichtigsten. Er muss, er wird ein Ostdeutscher sein, denn dann passt das alles genau zusammen. PPQ dokumentiert den angeblichen "Brief eines Klimaleugners an einen Sportfreund", der im Internet kursiert.

Die Echtheit des Papiers ist nicht nachgewiesen, aufgrund der aktuellen Verhältnisse im Land aber ist die Wahrscheinlichkeit durchaus gegeben, dass rechtspopulistische Radikale sich genau so verteidigen könnten - selbstbewusst, ja, fast schon frech in einer Attitüde des Besserwissens, der Faktenhuberei und des Hintanstellens von Gefühlen, die doch so wichtig sind in einer Zeit der Globalisierung und Rationalisierung.

Wohin, weswegen und wann, das sind die Grundfragen, die der "Brief" nicht stellt, was wohl weniger an seinem Verfasser als an dessen imaginärem Gegenüber liegt. Niemand kann wissen, was ein anderer denkt, nicht einmal in der SPD wussten sie das, ehe die Wutgenossen das Parteiestablishment hinwegfegten und eine klimaschonende junge und frische Generation ans Ruder holten.

Bedenkenswert ist, dass solche Briefe heute geschrieben werden können und immer noch dürfen. Und naheliegend, dass der "Sportsfreund" (im Original) allen Internetauskünften zufolge bis heute nicht geantwortet hat.

Lieber F.,

ich habe eine Weile überlegt, ob ich Dir schreiben soll. Ich tue es, weil es mir um einige prinzipielle Dinge geht, über die ich mir selbst klar werden wollte. Deswegen bin ich Dir auch ein wenig dankbar für die Anregungen, die ich nach unserem wöchentlichen Sporttermin durch Dich und Deinen Vorwurf des Klimaleugners erhalten habe.

Erstens – und so etwas stößt mir als jemandem, der täglich mit Sprache arbeitet – besonders auf, ist Deine unreflektierte Übernahme von Begriffen problematisch. Nur ein paar Erläuterungen zu dem von Dir verwendeten und mir unterstellten Begriff des „Klimaleugners“:

Der Begriff ist unsinnig. Kein Mensch leugnet das Klima, das wäre so, als ob man den Tod oder physikalische Naturgesetze leugnet.

Der Begriff ist pejorativ, also abwertend gemeint. Er suggeriert semantisch, wohl nicht ohne Absicht, eine Nähe zum Holocaustleugner, setzt also den Anderen in eine unmoralische Position, die die eigene aufwertet und moralisch adelt.

Der Begriff ist totalitär, da er insinuiert, es gäbe nur eine einzige Wahrheit und wer ihr widerspricht, der muss im Unrecht sein, also leugnen. Eine andere Meinung wird so gar nicht mehr zugelassen oder in den Bereich des Verfemten verschoben.

Äußerst perfide, aber wirkungsvoll


Wer Andersdenkende als „Leugner“ diskreditiert, ist für Dogmen und Unfehlbarkeit und versucht zu diffamieren. Das Framing, das Du dann sofort gesetzt hast, ist die Gleichung: Bist Du gegen Greta, dann bist Du das Böse. Denn niemand kann gegen Greta/Umwelt sein. Wer gegen die herrschende Auffassung ist, ist nicht nur ein Leugner, sondern auch gegen Umweltschutz. Diese Gleichung ist äußerst perfide, aber wirkungsvoll, denn sie macht den Anderen zum unmoralischen Menschen, der im Diskurs keine Stimme haben kann.

Das scheint mir für Deutschland symptomatisch: Praktisch jedes Themenfeld wurde in diesem Land seit Jahren von unzähligen Tabus und Sprechverboten begleitet: Migration, Bildung, Geschlechterverhältnisse, Kindererziehung, Kriminalität, Klimawandel, Atomkraft, Gentechnik.

Im Idealfall hat jeder die „richtige Meinung“ dazu, ja, in allen diesen Fällen kann es im Prinzip nur eine richtige Meinung geben, alle anderen sind am besten bei Strafe des gesellschaftlichen Ausschlusses zu verbieten oder – die Macht dazu hat man noch nicht – unter Strafe zu stellen. Zumindest müssen die Protagonisten von „Fehlmeinungen“ in die rechte, rassistische, populistische, neoliberale oder unmoralische Ecke gestellt werden.

Die moderne Wissenschaft basiert auf Hypothesenbildung und Falsifikation. Es ist vollkommen naiv, zu glauben, dass eine einmal formulierte Hypothese auf alle Zeiten Gültigkeit haben kann, insbesondere bei einem chaotischen und multivariaten System wie dem Klima. Es handelt sich hier um komplexe Simulationsmodelle, die mit vielen Unsicherheiten rechnen. Alle diese Modelle haben einen experimentellen Charakter. Biologen, Geologen oder Paläoklimatologen, die mit empirischen Daten (etwa der Analyse von Baumringen oder Stalagmiten) arbeiten, sind bezeichnenderweise oft kritischer, was die Theorien des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) betrifft.

Warum ein einziges Element (CO2) aus einem hochkomplexen System nun alles erklären soll, erschließt sich vielen Wissenschaftlern nicht. Ein kritischer Kopf muss sich fragen, warum so sehr auf wissenschaftliche Übereinstimmung gepocht wird. Schließlich sind Wissenschaftler auch bei weit weniger komplexen Fragen immer verschiedener Meinung.

Kann man die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit noch bezweifeln, wenn ein Diskurs darüber verhindert wird und das einzig mögliche Narrativ von vornherein feststeht? Das IPCC verfolgt in den Augen vieler Kritiker mehr eine politische Agenda und hat mit Wissenschaft wenig zu tun. Der Austritt ehemaliger Mitglieder aufgrund von Zweifeln an den vorherrschenden Erklärungsmodellen, die Manipulation widersprechender Daten (im sog. Climategate kulminierend), die ständige Rücknahme von Prognosen, die Verquickung von Politik und Wissenschaft, das alles sind Hinweise darauf, dass wir zumindest vorsichtig sein sollten, was die Ergebnisse des IPCC anbelangt.

Widersprechende Theorien


Unser Ausgangspunkt war mein Einwand, dass es durchaus viele Wissenschaftler gibt, die sowohl den anthropogenen Anteil als auch die CO2-Theorie aufgrund eigener Ergebnisse bezweifeln (die 97-Prozent-Theorie, die der Mainstream ständig propagiert, ist längst widerlegt, sogar der SPIEGEL hatte dazu mal einen kritischen Artikel, das kann man also wissen).

Im Unterschied zu Dir maße ich mir kein abschließendes Urteil zu, sondern nehme zunächst zur Kenntnis, dass es verschiedene Positionen gibt. Ich kann und will nicht entscheiden, wer recht hat, aber so zu tun, als ob man im alleinigen Besitz der Wahrheit ist, das ist Religion, aber nicht Wissenschaft. Im Netz kann man sofort hunderte Studien finden, die unter dem Stichwort: „Supporting Skeptic Arguments Against ACC/AGW Alarmism“, gegenteillige Positionen vertreten.

Vor Kurzem gab es eine Petition von 500 Wissenschaftlern an die UNO, in der die CO2-Theorie komplett abgelehnt wird. Warum hört man davon so wenig in den Medien? Nochmals, und ich hoffe, Du verstehst das: Ich will damit nur sagen (und darum ging unser Konflikt), es gibt auch andere Positionen als diejenigen, die die mediale Aufmerksamkeit haben, da sie nicht das erwünschte Narrativ bedienen.

Ich frage mich, warum Du es nicht zulassen kannst, dass es die EINE Erklärung nicht gibt und Du so emotional reagierst, nur weil ich nüchtern die unterschiedlichen Positionen abwäge. Aber wie Du schon sagtest, Du kennst eben niemanden mit einer anderen Meinung. Das ist natürlich ein guter Schutz.

Wir können mit unseren basalen naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch schwer beurteilen, welche Theorie nun richtig ist und welche falsch. Zumindest sollte man aber zur Kenntnis nehmen, dass es unterschiedliche Erklärungsmodelle gibt. Als Psychologe beschäftigen mich aber ganz andere, für mich wichtigere Fragen. Dazu ein paar Anmerkungen.

Kindeswohlgefährdung


Ich habe mir – auf Deinen Hinweis – nun einige Videos von Greta Thunberg, auch jenes bei den Vereinten Nationen, angeschaut. Was ich da gesehen habe, hat mich wirklich erschüttert. Die Instrumentalisierung eines behinderten Kindes für die eigene Agenda grenzt für mich an Kindeswohlgefährdung. Es gibt in der westlichen Welt eine Schutzpflicht gegenüber einem Kind. Warum die Eltern nicht wegen Kindesmissbrauchs belangt werden, weiß ich nicht. Man braucht kein Psychologe zu sein, um zu prophezeien, dass hier bald ein psychischer Zusammenbruch erfolgen wird.

Unabhängig davon ist vor allem der letzte Auftritt mehr als grotesk. Die Untergangsszenarien und die Unerbittlichkeit, die Maximalforderungen, die jeden, der nicht bereit ist, 100-prozentig zuzustimmen, grenzenlos beschimpft, das alles hat etwas Totalitäres, Erschreckendes. Am interessantesten ist aber die Reaktion der beschimpften Erwachsenen: Sie applaudieren ihrer eigenen Abwertung! Ein Facebook-User schrieb dazu treffend:

„Mich hat dieser Auftritt tief geschockt, und ebenso die Reaktionen. Dieser Fanatismus. Diese Instrumentalisierung. Das Ganze hat etwas Mittelalterliches. Totalitäres. Es erinnert an Videos von sowjetischen Revolutionären in den Anfangstagen und Applaus für Selbstbezichtigungen unter Stalin. Oder an chinesische Auftritte zur Zeiten der Kulturrevolution. Die heutige Greta Rede in New York sollte jeder sehen, um eine Diktatur zu verstehen. Und alle sind begeistert. Wer das ablehnt, hat sich für immer aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen. Schon jetzt, nur mit einer oberflächlichen Diskussion, ist die Stimmung aufgeladen.“

Willkommen im totalitären Staat, nur diesmal unter dem Banner des Ökologismus und zum Wohl der Uneinsichtigen. Kannst Du wirklich nicht sehen, was hier für ein Tor geöffnet wird? Denn um die Menschheit zu „retten“, sind totalitäre Visionen ohne jegliche Scham aussprech- und umsetzbar. So fordert Fridays for Future eine globale, totale Mobilmachung von Ressourcen zur „Rettung“ und zwar in einem Ausmaß „ähnlich wie zu Kriegszeiten“. Dass Bewegungen wie die Endzeitsekte Extinction Rebellion gerade in Deutschland so viele gläubige Anhänger finden, ist kein Zufall. Und es ist wohl keine allzu gewagte Prognose, dass mit der sogenannten Klimabewegung neue Formen des Terrors und der Gewalt einhergehen werden.


Weniger Ende der Welt, mehr Ende des Monats


Es ist vollkommen anmaßend und zeugt von keinerlei Geschichtskenntnis, wenn Jugendliche Westeuropas behaupten, sie hätten Angst, in dieser Welt zu leben. Alle vorherigen Generationen haben wirkliche Kriege, Katastrophen, Hunger und Diktaturen erlebt. Die heute herabgesetzte Vorgängergeneration hat all das unter großen Anstrengungen, Verzicht und Disziplin aufgebaut, von dem die Wohlstandskinder nun profitieren. Einer der wenigen vernünftigen Grünen, Boris Palmer, hat in diesem Sinne auf die Rede Thunbergs geantwortet: „Nein, wir haben deine Jugend nicht zerstört. Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen für junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte.“

Die erste Generation, die in ihrem Leben keinerlei Entbehrungen oder Verzicht mehr leisten musste, hat nun mit dem Klimawandel ihr säkulares Heilsprojekt gefunden, auf das sie ihren Generationenkonflikt projiziert. Es gäbe übrigens viel für die FFFs zu tun, das wäre aber anstrengend: nämlich Umwelt- und Naturschutz aktiv zu unterstützen, Parks von Müll zu säubern, Flussufer, Städte zu reinigen, wirklichen Konsumverzicht. In der Realität hinterlassen die Gretajünger nach ihren Demos aber nur tonnenweise Dreck und Wohlstandsmüll. Umweltschutz fordert in der Regel ein wenig mehr Engagement als imaginärer Klimaschutz. Was die Militanz der Bewegung derzeit noch hemmt, ist nur das schlechte Gewissen ob der eigenen Heuchelei.

Man weiß ja aus Untersuchungen, dass der Grünwähler im Durchschnitt über das höchste Einkommen verfügt, die meisten Flugreisen unternimmt und auch beim privaten Konsum ganz vorne dran ist. Zur SUV-Dichte in den linksgrün dominierten Stadtteilen, mit denen Soja-Malte oder Anna-Sophie zur Schule gefahren werden, sage ich jetzt nichts.

Die eigentliche Spaltung (nicht nur) in Deutschland bringt der französische Sozialgeograph Christophe Guilly auf den Punkt. Sie verläuft heute zwischen einer linksgrünen Bourgeoisie und denjenigen, die „sich weniger Gedanken über das Ende der Welt machen, sondern über das Ende des Monats.“ In der Regel leben Letztere aber wohl um einiges umweltverträglicher als der urbane, globale Moralist.


Säkularer Religionsersatz


Wir haben es hier mit einer säkularen Heilslehre zu tun, die alle Zeichen einer Religion trägt. Dazu gehören: Die Masse der Gläubigen und der Mitläufer, eine Gruppe von Häretikern und Ketzern („Klimaleugner“, kritische Wissenschaftler) die bekämpft werden muss. Dann natürlich Schuldige (die böse Industrie, der Kapitalismus, die Alten), das Auftauchen einer Prophetin (Greta), die lauten Forderungen nach Buße und Verzicht (vor allem für die anderen), die Zerknirschtheit des Sünders, gepaart mit Scham, schließlich die erträumte Katharsis und natürlich auch eine apokalyptische Vision, nur, anders als noch in der Offenbarung des Johannes, ohne Transzendenz, das heißt, es folgt kein Paradies.

Es scheint, als wäre hier eine Ersatzreligion gefunden worden, die insbesondere eine von allen existenziellen Problemen befreite Jugend anzieht, die nun ein gemeinsames Projekt hat. In der Vorstellung des drohenden Unterganges der Menschheit, in der die Schuldigen ausgemachte Sache sind, steckt aber auch ein Moment der Lust an der Katastrophe. Angstlust hat Freud das genannt.

Endzeitreligionen neigen zu Fanatismus. Widerspruch ist nicht mehr erlaubt. Jeder, der nur ansatzweise Kritik oder Fragen stellt, wird gnadenlos ins Abseits gestellt. Er leugnet eben. Hier kommen typisch „deutsche Tugenden“ zum Ausbruch: die Selbstüberschätzung, der missionarische Eifer, die moralische Rigorosität und ein humorbefreiter Furor. Am deutschen Wesen soll wieder einmal die Welt genesen.


Tabuisierung der Bevölkerungsexplosion


Das größte Problem, das immer noch tabuisiert wird, ist die Demographie. Die demografische Entwicklung der arabischen, aber vor allem der afrikanischen Länder, übertrifft alles, was historisch bekannt ist. Selbst die Bevölkerungsexplosion in Europa seit dem 15. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand, verblasst dagegen in ihrer Dynamik. Afrika wächst jede Woche um fast eine Million Menschen, das sind 40-50 Millionen im Jahr. Keine Ökonomie der Welt kann auf Dauer ein Bevölkerungswachstum wie in Afrika oder den arabischen Ländern absorbieren. Damit bleiben den nachdrängenden jungen Männern drei Möglichkeiten:

Die Gewalt richtet sich nach innen, Bürgerkrieg, Rebellion, ein Aufstand gegen die staatlichen Institutionen und dominanten Väter.Gibt es infolge staatlicher Repression kein Ventil, das den Druck reduziert, kann die Lösung in der Konstruktion eines äußeren Feindes (der Westen, das Judentum) und dem Anschluss an radikale Gruppen (IS, Boko Haram, andere Terrormilizen) liegen.

Es gelingt die Flucht und Auswanderung in die befriedeten Wohlstandzonen, nach geografischer Lage der Dinge also nach Europa und hier – aufgrund seines umfangreichen Sozialsystems und der mentalen Verfassung des Landes – nach Deutschland. Diesem Problem müssen wir uns stellen, und es ist in meinem Augen um vieles dringlicher. DAS wird aber aktuell durch die Klimadebatte vollkommen verstellt.

Moralisierung ist kontraproduktiv


Dass die Energiewende gescheitert ist, das kann man inzwischen vielfach nachlesen. Die horrenden Kosten von mehreren 100 Milliarden Euro haben keinerlei Einsparungen an CO2 gebracht (das war ja das Ziel). Die physikalischen und chemischen Grenzwerte von Wind und Sonnenenergie können nicht außer Kraft gesetzt werden, auch wenn manche glauben, zaubern zu können. Das alleinige Setzen auf E-Mobilität (Rohstoffe, Problem der Batterien, Ladestationen und so weiter), die Zerstörung und Rodung von Wäldern für immer größere Windanlagen, die nicht grundlastfähig sind und deren Recycling ungeklärt ist, fehlende Trassen, fehlende Speichermöglichkeiten, das notwendige und irrsinnig teure Back-up durch konventionelle Kraftwerke, die zur Stabilisierung des Stromnetzes am Netz gehalten werden müssen und so weiter.

Ich glaube, wir sollten anfangen umzudenken und nicht Abermilliarden von Euro ausgeben für null Effekt. Wir müssen unsere Umwelt und Natur schützen. Dass jeder einen vernünftigen Umweltschutz verfolgen sollte, darüber herrscht wohl Konsens. Ich wehre mich aber gegen hysterische, radikale und völlig unvernünftige Forderungen, gegen Weltuntergangs-Phantasien, die unsinnige Milliarden kosten und die die heimischen Industrien zerstören, auf denen der Reichtum des Landes beruht. Meiner Meinung nach sollte sich jeder vernünftige Mensch gegen diese Einseitigkeit wehren und kritisch hinterfragen, wem das alles nützt. Politik ist immer interessengebunden. Die Moralisierung politischer oder wissenschaftlicher Kontroversen halte ich für kontraproduktiv.

Es wird zwischen uns nie einen Konsens geben. Das ist für mich auch nicht nötig. Das einzige, was mich wirklich stört, ist Deine rein moralische Haltung und Deine Empörung darüber, dass es Leute gibt, die anders denken als man selbst. Beim Sport sollte das keine Rolle spielen, und ich möchte diese Themen auch nicht in unserer Runde vertiefen. Danke für Dein Verständnis.

Alexander

Samstag, 28. Dezember 2019

Dicke Eier: Plötzlich ist überall Blut

Es geht um Sex, um faszinierend unbekannte Prominente, um skurrile Unfälle und riesige Gefahren, wahlweise für Einzelne oder uns alle. Und es trommelöfeuert jeden Tag aus den Geschützrohren der Medienkonzerne: "Tochter seit Wochen vermisst: Mutter sieht Fernsehbeitrag und handelt sofort", "Du hast dicke Eier“: Lena zeigt sich völlig ungeniert, hat aber wichtige Botschaft" oder "Sieht aus wie ein harmloser Raum: Erst eine Wärmebild-Kamera zeigt die riesige Gefahr" lauten die Botschaften, mit denen ehemals seriöse Tageszeitungen auf ihren Onlineportalen um Aufmerksamkeit bitten.

Was dem Fernsehen sein "Bares für Rares" oder der Dschungelstar, sind der ums Überleben kämpfenden früheren Kioskpresse Meldungen bar jedweder Relevanz, aufgemacht als Appell an den Klikcfinger. "Meghan Markle: Klare Anzeichen – sie ist doch nicht etwa", "Düsseldorf: Frau verlässt Kneipe – plötzlich ist überall Blut" und "Bundeswehr sprengt offenbar 18 seltene Wale tot - Tierschützer reagieren fassungslos" lassen es jucken bis zur Ejakulation. Ja, "Sohn (18) begleitet Hausbesitzerin zu Wohnung: Mieter schießt ihm ins Gesicht"!

Hätte man damit gerechnet? Dass ernsthafte Verlage in der Verzweiflung schwindender Bedeutung zu Arbeitsvorlagen greifen, die seinerzeit von Kleinkriminellen erfunden worden waren, die mittels möglichst fantasieaufgeladener Halbzeilen aus Mittelamerika deutsche Klicks abgriffen? Indem sie Suchanfragen wie "fergewaltigung von ser jungen mätchen" (im Original) befriedigten? Und deren Geschäftsmodell so schnell verfiel, dass es den Leitmedienplattfoirmen im Netz kaum gelang, noch rechtzeitig gelang, faszinierende Geschichten wie "15 Eltern, die ihre erwachsenen Kinder wie Babys behandeln" und "10 fast vergessene Diäten" mit derselben  klickgeilen Dumpfheit nachzubauen?

Es ist jedenfalls passiert: Der Irrsinn hat Methode und er ist überall. Und er findet sein Publikum unter denen, die morgens halb sieben beim ARD-Morgenmagazin anrufen, um zu fragen, ob man eigentlich auch besoffen E-Roller fahren darf, ob schon bekannt sei, wie das mit der weißen Weihnacht dieses Jahr geregelt wird und ab wann man Weihnachtsgeschenke in den Laden zurückbringen darf.

Nicht vor Heiligabend und nicht an den Feiertagen, sagt der Experte, ohne dessen guten kein Mensch mehr sein kann. Die Ministerpräsidenten der Länder haben jetzt reagiert: Im neuen Medienstaatsvertrag findet sich eine Regelung, Suchplattformen wie Google vorschreibt, Medieninhalte mit gesellschaftlichem Mehrwert leichter auffindbar zu machen als schädlichen Schund und Schmutz oder auch renitente Einträge unbelehrbarer Kritikaster.

Mit dieser privilegierten Auffindbarkeit nützlicher Nachrichten von hoher Bedeutung für den Fortbestand etwa der großen Koalition soll verhindert werden, dass wichtige Meldungen wie "Rosins Restaurants: Als der Sternekoch die Küche sieht, ist er fassungslos – Straßenstrich am Kanal“ (Der Westen), "Heilige Unterstützung für Greta Thunberg: Klima-Bewegung bekommt Zuspruch von unerwarteter Seite" (OP-Online) und "1Live-Krone Gewinnerin sorgt in rotem Leder-Outfit für Hingucker des Abend" (Express) nicht in der Masse von Hetze, Hass und "verbale Gewalt" (Die Zeit) untergehen, die das Internet nicht nur "überflutet" (Deutschlandfunk", sondern sogar "überschwemmt" (Süddeutsche).

Premiumjournalismus: Vom tödlichsten Tod


Es ist seriös, es ist nachdenklich und alarmierend zugleich und es hat Tiefenwirkungen, die weit über alles hinausgehen, was frühere Meldungen über Uran im Trinkwasser an akuter Furcht hatten auslösen können. Nicht mehr nur tödlich sind die Gefahren, die da draußen in einer Welt des steten Wandels auf die BewohnerInnen und Bewohner (m/w/d) Deutschlands lauern. Nein, sie müssen inzwischen auch noch unterschieden werden nach dem Ausmaß ihrer Tödlichkeit.

Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" jetzt mit Hilfe eines in der Danachrichtenfabrik DPA gebauten Textes aufgedeckt hat, muss die bisher gebräuchliche einfache Tödlichkeit aufgrund der immer unsicherer werdenden Welt künftig gesteigert werden. Neben "tödlichen" Bedrohungen gibt es nunmehr auch "tödlicherere" und sogar "tödlichste". Die Deklination des Adjektivs erfolgt dabei nach dem Muster "Straßenverkehr für Wildkatzen die tödlichste Gefahr" (Die Welt, 2017) entlang der üblichen und vertrauten Komparationsformen tödlich, tödlicher, am tödlichsten bis hin zum "tödlichsten", dem Fallbeil der Steigerungsform, die wie ein elektrischer Stuhl zum umgehenden Ableben jeder sprachlichen Logik führt.

Der Superlativ "am tödlichsten" kann dabei vollkommen sinnfrei sowohl attributiv vor einem Nomen mit und ohne Artikel jeweils stark, schwach und gemischt verwendet werden. Möglich ist auch eine prädikative Verwendung in Verbindung mit Berichten über neue, ernste und akute Todesgefahren im Alltag, etwa durch die Zunahme von immer mehr Starkregen, Wirbelstürmen, Trockenheiten und SUVs bis hin zum Radon, einem radioaktivsten Stoff, der augenblicklich die totesten und sogar die tötesten Toten zur Folge hat.

Denn kein Tod ist wieder andere. Manche Tote, das ist spätestens seit der aufsehenerregenden bundesweiten Berichterstattung über die tödlichsten Folgen der EHEC-Verseuchung im Jahr 2011 bekannt, werden sogar nie mehr gesund. Andere wiederum waren damals einer "tödlichsten" Bedrohung zum Opfer gefallen, die womöglich sogar tödlichster wirkte als das tödlichste Gift.

Freitag, 27. Dezember 2019

Schnapsfabrik löst CO2-Problem: Wodka aus tödlichem Klimagas


Alle suchen danach, die besten Köpfe selbst im Wirtschaftsministerium von Peter Altmeier und bei Svenja Schulze im Umweltamt. Doch nicht in Deutschland, eigentlich traditionell das Land der Erfinder und Tüftler, sondern in Donald Trumps verunsicherter USA,die längst aus dem letzten wegweisenden Klimaabkommen von Paris ausgetreten sind, haben junge Forscher nun endlich eine Lösung für das weltweite CO2-Problem erdacht. "Air" ist ein Wodka, der aus Luft gebraut wird - und dazu noch kohlenstoffnegativ ist, das heißt, die Herstellung jeder einzelnen Flasche reduziert der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre.

Ein Geniestreich, den die Weltneuheit nur durch die Verwendung von Wasser, erneuerbaren Energien und Kohlendioxid aus der Luft schafft. Die Forscher von Air Co. extrahieren mit einer - zur Zeit noch sehr kleinen - solarbetriebenen Maschine CO2 aus der Luft, spalten das fpür das Weltklima so tödliche Killergas in Kohlenstoff und Sauerstoff auf und mischen die abgetrennten Moleküle mit Wasser über einem Katalysator auf Metallbasis, so dass sich gezwungen werden, reines Ethanol zu bilden.

"Das Verfahren verwendet die gleichen Prinzipien wie die Photosynthese in Pflanzen, arbeitet jedoch effizienter", beschreibt der Elektrochemiker und Mitbegründer des Unternehmens, Stafford Sheehan. Nach der Umwandlung destilliere man das 10-prozentige Ethanol auf 96,5 Prozent, aus dem in weiteren "firmeneigenen, geheimen Prozessen zur Reinigung und Verdünnung des Ethanols" (Sheehan) ein Wodka mit der klassischen Prozentzahl 40 wird.

Typisch aber ist an Air-Wodka nichts. Während das Destillieren einer normalen Flasche Wodka üblicherweise etwa 6,5 Kilogramm Treibhausgas verursacht, bindet Air Co.-Wodka ein halbes Kilo CO2 pro Flasche. Das ist dieselbe Menge, die beim Verschicken von etwa 120 E-Mails durch Mitarbeiter von ZDF, Umweltbundesamt oder die sächsische Landesregierugn erzeugt wird.

Normalerweise werden acht Bäumen benötigt, um diese Menge aus der Erdatmosphäre zu filtern, hier reicht nun eine einzige Flasche, die auszutrinken zudem gesundheitlich völlig unbedenklich ist. Da Air-Co- Alkohol reiner ist als der in typischen gebrannten Wodkas, weil hier keine Destillation erforderlich ist, um Verunreinigungen aus Getreide, Hefen oder Fermentationsprozessen zu entfernen, bleiben die üblichen Spätfolgen ausgiebigen Genusses aus. Auch dafür hat Air Co. die bereits Auszeichnungen von der NASA und den Vereinten Nationen erhalten.

SPD-Neustart: Verbot von dicken Wahlkampfschlitten

Im Wahlkampf verzauberte SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch seine Wähler mit einem rollenden Diesel-Schlucker.
Als der staatliche Volkswagenkonzern im April bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" an Greta Thunberg tief in Gabenkiste griff und einen ps-starken SUV als Preis spendierte, regte sich kaum Widerstand, nicht einmal in der SPD. Die einstige Arbeiterpartei war mit der Schlacht um den Vorsitzendenposten ausreichend beschäftigt, man wollte gern an der Macht bleiben, aber auch gern neu durchstarten, mit einem neuen Vorsitzenden, gern auch zwei, aber nicht gleich, sondern nach einem wasserdichten Wahlmarathon, der ausschließen sollte, dass irgendwer Verantwortung übernehmen muss, wenn wieder ein Schulzzug aus der Kurve fliegt.

Inzwischen aber hat sich die Rest-Partei gefunden und es vergeht kein Tag, an dem nicht führende oder gerade erst abgeschaltete Genossen (m/w/d) mit Vorschlägen vorspreschen, wie sich ein neues goldenes Zeitalter für die deutsche Sozialdemokratie starten lassen könnte.

Saskia Esken, dievon Skandalen aus ihrer früheren Vorsitzendentätigkeit in einem Landeselternrat geplagte Co-Chefin neben Walter Borjans, lockt fernpendelnde Monteure mit dem Versprechen, ein Tempolimit einzuführen. Ralf Stegner, nach seinem Scheitern im Rennen um den Parteivorsitz zurückgeworfen auf seine schleswig-holsteinische Homebase, preschte mit der Idee vor, seine kränkelnde Linkspartei mit der ehemaligen PDS, vormals SED, zu vereinen. Und der im Lande weitgehend unbekannte Matthias Miersch, immerhin einer der sechs hochbezahlten stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionschefs, hat über die Weihnachtsfeiertage den Plan eines Neuzulassungsverbotes für Pick-up-Trucks ausgeknobelt, wie sie Handwerker, Gewerbetreibende, Landwirte und Wahlkämpfer häufig fahren.

Ein generelles Tempolimit allein, so Miersch, reiche nicht aus, das Weltklima zu retten und die sichersten Autobahnen Europas noch sicherer zu machen. Dazu bedürfe es auch eines Neuzulassungsverbotes für "verbrauchsintensive Autos". Er glaube nicht, bekannte sich Matthias Miersch zu einem gewissen Bauchgefühl, "dass die Welt untergeht, wenn wir auf die Neuzulassung von riesigen Spritschluckern wie zum Beispiel großen amerikanischen Pick-up-Trucks mit Benzinmotoren in Deutschland und Europa verzichten“.

Zu groß sind diese Fahrzeuge, zu schwer und wenig nachhaltig. Deshalb müssten "wir uns als Gesellschaft sehr genau überlegen, welche Fahrzeuge wir in unserem Straßenverkehr wollen“, so der studierte Verwaltungsfachwirt, der heute als Umweltpolitiker einen detaillierten Karriereplan abarbeitet. In der Folge würden aus seiner Sicht dann alle seine Position teilen und „um ordnungsrechtliche Eingriffe werden wir nicht herumkommen.“

Verboten würden dann nicht nur dicke Handwerkerfahrzeuge von Fiat, Wahlkampfmobile von VW oder fette Heizungsmonteurschlitten Ford, sondern ausdrücklich auch Elektrofahrzeuge wie der jüngst von Tesla vorgestellte „Cybertruck“, der Miersch zufolge überhaupt nicht dem entspricht, was die deutsche Gesellschaft seiner Kenntnis nach auf ihren Straßen wolle. Gerade bei Elektrofahrzeugen komme es auf Effizienz an, "weil wir sonst nie mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien hinterherkommen.“

Der war zuletzt vollkommen zum Stillstand gekommen, so dass derzeit nur die Hoffnung auf vermehrte Importe von Atomstrom aus Frankreich und Kohlestrom aus Polen Deutschlands Energieversorgung sichert. Miersch erneuerte deshalb die SPD-Forderung nach einer Geschwindigkeitsobergrenze auf deutschen Autobahnen, die nötig sei, um Stromzu sparen. Seiner Meinung nach koste eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 130 allenfalls Zeit, die aber sei kein Geld, nicht einmal ein paar Cent. Ein Monteur, der pro Woche 900 Kilometer pendelt, benötige im Jahr gerademal eine Woche mehr Fahrzeit, wenn er mit 130 km/h statt mit 180 km/h nach Hause fahre. "Ein Tempolimit ist sozial gerecht", rechnet Miersch vor, denn "der Porsche-Fahrer mit dem 100.000-Euro-Auto muss sich genauso daran halten wieder Fahrer eines Kleinwagens.“


Donnerstag, 26. Dezember 2019

Zitate zur Zeit: Die wir nie gewesen sind

Vielleicht wird uns eines Tages die Erkenntnis kommen, dass erst jener Beitritt zur Bundesrepublik uns zu den DDR-Bürgern hat werden lassen, die wir nie gewesen sind, jedenfalls nicht, solange wir dazu gezwungen waren.


Der Meuselwitzer Dichter Wolfgang Hilbig sinniert über das Vermögen der Einheit, zu spalten

Biolandwirtschaft: Düngerloses Klima-Desaster


Vielleicht ist es nicht sinnvoll, alle ölgetriebenen Fahrzeuge durch elektrische zu ersetzen. Vielleicht reicht es nicht mal, das tun, um die Erde zu retten. Vielleicht ist es nicht sinnvoll, Atomkraftwerke, Braunkohlekraftwerke und Gasöfen abzuschalten, weil Windräder und Solaranlagen nicht immer Strom liefern und zehntausende neuer Anlage allein durch ihren Bau erst einmal mehr CO2 erzeugen als sie über Jahre hinweg einsparen. Und vielleicht langt es auch nicht, die gesamte Landwirtschaft auf regionalen Biobetrieb umzustellen, weil der zur Überraschung aller zur Erzeugung derselben Menge Nahrung mehr Fläche braucht.

Die zu bearbeiten und zu beackern den Ausstoß an CO2 nicht etwa senkt, sondern erhöht.


Das zumindest sagt eine neue Studie, die soeben in "Nature Communications" erschienen ist. Das vielerorts mit großer Überraschung quittierte Phänomen ist eigentlich naheliegender Natur: Wo nicht gedüngt wird, wächst die Frucht nicht so schnell und nicht so viel. Der Flächenverbrauch geht bei der Ökolandwirtschaft deshalb ganz automatisch hoch. Forscher an der Cranfield University in Großbritannien haben nun ausgerechnet, wie sich das auswirken würde: Wollte man die aktuelle Menge an Nahrung nur auf diese vermeintlich umweltschonende Art produzieren, müsste man bestehende Wiesen- und Waldflächen reduzieren. Durch die dann angewandte Biowirtschaft würde dann deutlich mehr sogenanntes "Klimagas" (BWHF) entstehen als die derzeit betriebene sogenannte konventionelle Landwirtschaft bei der Herstellung derselben Menge Nahrung verursacht.

Eine ausgemachte Gemeinheit, die alle Pläne zum großen Umbau der Gesellschaft infragestellt. Gerade erst hatten die Grünen einen wegweisenden Beschluss gefasst, nachdem "tierische Lebensmittel" möglichst schnell so verteuert werden sollen, dass sie nicht mehr gegessen werden. Das würde den direkten Ausstoß von "Klimagas" durch Fleischtierzucht um fünf Prozent senken, auch in der Pflanzenzucht würde rund 20 Prozent weniger CO2 verbraucht, wie die derzeit als Notvorstand der SPD tätige Klimawissenschaftlerin Malu Dreyer formulieren würde.

Kontraproduktiv allerdings ist der Umstand, dass die landwirtschaftlichen Erträge einer düngerlosen und chemiefreien Landwirtschaft zugleich um rund 40 Prozent sinken würde. Um die Verluste auszugleichen, müsste die landwirtschaftliche bewirtschaftete Fläche entsprechend ausgeweitet werden. Mit erwartbaren Folgen: Würde nur die Hälfte der benötigten Fläche aus natürlichen Wald- und Wiesenflächen gebildet, in denen Kohlenstoff in Pflanzengewebe, Wurzeln und der Erde gespeichert ist, hätte dies den Forschern an der Cranfield University zufolge ein Anwachsen der gesamten CO2-Emissionen um 21 Prozent zufolge.

Ein Trauerspiel für alle Hoffnungen, dass Ökolandwirtschaft ein baustein sein könnte, aus dem die Menschheit sich ein schönes, klimaneutrales Morgen baut. Für den speziellen Fall von England und Wales, den die Forscher durchgerechnet haben,  würden man für 100 Prozent Biolandwirtschaft im Inland mangels ausreichend vorhandener Flächen zur Ausweitung des Anbaus höhere Importe aus dem Ausland bedeuten - mit der Folge, dass dort sogar bis zu fünf Mal mehr Fläche nur zur landwirtschaftlichen Nutzung erschlossen werden müsste, als britische Bauern benötigen würden, die besonders hohe Erträge aus ihren Feldern holen.

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Zitate zur Zeit: So lonely



Bei fallendem Weltmarktpreis steigt die Nachfrage eben woanders, und es werden dort noch mehr SUVs und schwere Lkws gefahren.

Länder, die auf die grüne Politik pfeifen, haben nun einen doppelten Vorteil. Erstens können sie das Öl verbrennen, das wir freigeben, und zweitens kriegen sie das Öl, das die Scheichs zusätzlich extrahieren.

Das Weltklima ändert sich noch schneller, als es ohne unsere unilateralen Aktionen der Fall gewesen wäre. Ob Greta das bedacht hat?

Hans-Werner Sinn zweifelt am deutschen Alleingang zur Klimarettung

Steinmeier-Schock: Kein Wort über das Klima

Klima heißzeit
Die Wortwolke der Steinmeierschen Arbeitsverweigerung: "Klima", der am meisten verbreitete Notstandsgrund unserer Zeit, kommt in der Weihnachsansprache des früheren SPD-Politikers nicht vor.
Die Jahre ziehen ins Land und eigentlich, so hatte es die Spitzenpolitik den Klimakindern versprochen, sollten künftig alle Bemühungen der Großen Koalition dem einen hehren Ziel gelten, die von Deutschen gemachte Erderhitzung aufzuhalten und nach Möglichkeit umzukehren. Vor zehn Jahren hatte der damalige Bundespräsident Horst Köhler dazu in seiner bedeutsamsten Weihnachtsamnsprachen eigens eine Initiative dazu ausgerufen.

Mit seinem Aufruf "Zwei Grad Köhler" hatte sich der frühere Banker damals  an die Spitze der Bemühungen von Staatsmännern aus aller Welt gestellt, das Zwei-Grad-Klimaziel doch noch zu erreichen. Dazu wollte Horst Köhler jeden einzelnen deutschen Bürger, ob lange hier lebend oder kurz, zum Klimaretter machen. "Wenn wir unser großes Ziel erreichen wollen, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen", sagte Köhler, "dann brauchen wir eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, an der alle mitwirken". Es gehe darum, mit vielen kleinen Opfern die Rettung der Erde, die wir nur von unseren Enkeln geborgt hätten, zu erreichen. Dazu sei es notwendig, dass jederman und jede Frau ihren Beitrag leiste. "Meine lieben Mitbürger", sagte Köhler, "ich fordere von uns allen eine große Anstrengung, die uns allen hilft".

Eine Initialzündung, glaubten seinerzeit viele. Danach entstanden großartige Klimaverträge wie die von Paris und Barcelona, historische Abschlusserklärungen und Marschpläne zu Großregulierungen, Fridays for future, Extinction Rebellion und schließlich, wie ein Schlussstein, das Klimapäckchen der Ganz Großen Klimakoalition (GGKK) in Berlin, mit dem CDU, CSU, SPD, Grüne und Linke den Bürgerinnen und Bürgern die größte Steuererhöhung seit Einführung des Solidaritätszuschlages verordneten.

Ein Moment, in dem  sich alles entscheidet. Und in dem der aktuelle Bundespräsident Walter Steinmeier eigentlich gefordert gewesen wäre, tröstende Und ermutigende Worte zum Wahlvolk zu sprechen. Doch statt diese seine große Aufgabe anzunehmen und zu erfüllen, wie es seine Aufgabe im Klimakrieg erfordern würde, verweigert der frühere SPD-Politiker die Hürde. Statt über das Thema Nummer 1 unserer Zeit zu sprechen, erging sich Steinmeier, als Kanzlerkandidat gescheitert und als SPD-Chef schnell ausgewechselt, in seiner traditionellen Weihnachsansprache in Erwägungen über Rolle und Bedeutung, Mut, Verheißung, DDR und Staatsgewalt.

Eine ernüchternde Rede, die ebensogut 1995 oder 2005 hätte gehalten werden können. Während Helmut Kohls einstiger Geldkofferträger ehrlich ist und Blut, Schweiß und Tränen im Kampf gegen Heißzeit, Hunger und Klimadürre ankündigt, gefällt sich der eigentlich dafür Zuständige in einer nochmaligen Beschwörung der Legende von den Wunderkräften der Synagogentür von Halle und der störrischen Behauptung, obwohl mancher Mitmensch nicht nur den deutschen Kanzler, sondern dank Doppel- und Dreifachpass wahlweise auch noch den türkischen, amerikanischen oder russischen Präsidenten wählen können, gäbe es keine "Bürger erster oder zweiter Klasse".

Das Wort "Klima" aber, obgleich wichtigste Vokabel unserer Zeit direkt nach "rechts", kommt nur ein einziges Mal vor, in einer fast schon provokant kursorisch gehaltenen Anmerkung zu den Wirren unserer Tage. Ein Bundespräsident im Klimagebüsch, der mit seinem Ausweichen auch noch Applaus bei den staatlichen Medien erntet: Steinmeier habe "mehr Tatkraft, Anstand und Solidarität in Deutschland" gefordert, loben die Kommentatoren, die damit zusätzliches Wasser auf die Mühlen der Klimaleugner leiten. Wenn der erste Mann im Staate schon kein Wort zum Klima  verliere, wozu sollte jemand anders es tun?

Dienstag, 24. Dezember 2019

Berlin im Lichterglanz: Weihnachten wenigstens können wir

Mit dem Bau von Flughäfen läuft es schon länger nicht mehr wie gewünscht, die Autobranche wrackt ab, die neue Elektromobilität leidet unter Kinderkrankheiten und der CO2-Preis an der Börse droht, alle deutschen Preisfestlegungen zu unterlaufen. Doch jetzt ist erstmal Weihnachten, das Fest der Liebe, das genaugenommen eine deutsche Erfindung ist, weil der Weihnachtsbaum erstmals in einer Urkunde aus Mainz erwähnt wird, die aus dem Jahr 1527 datiert, und der erste Schwibbogen von Männern geschnitzt wurde, die - wenn auch in einem weitgehend unverständlichen Dialekt - Deutsch sprachen.

Selbst der Weihnachtsmann mit dem Rauschebart, den sich die Skandinavier ungefragt unter die Nägel gerissen haben, ist eine deutsche Deutung des in der heutigen Türkei wirkenden griechischen Bischofs Nikolaus von Myra, denn ehe die Berliner Wochenzeitschrift „Mannigfaltigkeiten“ im Jahr 1770 vom „Weyhnachtsmann“ schrieb, gab es den bärtigen Gesellen mit dem roten Mantel schlicht nicht.

Dafür ist er heute überall, ebenso wie Lichterglanz und Klimaverachtung. Einmal im Jahr lassen es die Deutschen, Calvinisten im Herzen, richtig krachen. Es gibt Geschenke, fettes Essen und Nachtisch, wo schon nichts mehr reinpasst. Die Hungernden der Welt, an den wenigstens Festtafeln spielen sie am Heiligen Abend eine Rolle, ein Schicksal, das sie mit Jesus teilen, der Anlass, aber nicht Gegenstand des Festes ist. Nur in den offiziellen Reden kommt er vor, meist zum "Flüchtling" umlackiert, der traditionell für allerlei schräge aktuellpolitische Gleichnisse herhalten muss.

Dieses Jahr wird Jesus Klimaflüchtling sein, das ist klar, er wird die Dürre fliehen, den Wind, den Regen, die Hitze, den Staub und den Krieg, die sterbenden Korallenriffe, den Terror der Israelis und die Ausbeutung durch den Westen. Wenigstens aber redet die Kanzlerin nicht an diesem Abend, auch der Bundespräsident ist erst später dran. Heiligabend gehört der Familie und der Wiener Wurst mit Salat, dem toten Karpfen oder der toten Gans.

Das "Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten", wie es Joachim Gauck einmal nannte, als er noch erster Mann im Staat war, unterscheidet sich hierzulande nicht nur durch neue, strenge Bräuche zum Schutz vor rechten Anschlägen von den Vorgängen in den meisten anderen Ländern. Deutschland, einer der Staaten auf der Welt, die am härtesten von der allesvernichtenden Klimakeule getroffen werden, setzt eine neue Bescheidenheit gegen Pomp und Prunk, wie sie anderswo in obszönem Ausmaß ausgestellt werden.

Wo die Autokraten und Diktatoren in Moskau, Peking und Washington nicht genug bekommen können vom Tand des falschen Glimmers, widersteht Berlin der Verführung des Nochmehr und Nochgrößer. So wie Brüssel längst eine weihnachtsmannfreie Zone ist, zeigt sich die Kanzlerin in diesen letzten Tagen des Jahres gern vor einem struppigen Baum mit wenigen, auf Halbmast hängenden Kerzen, wie immer eine eines Landesverbandes der Waldbesitzer und weniger prächtig als beispielhaft: Schaut, ihr Deutschen und ihre Gäste, so mahnt die Kanzlerin auch zu ihrem vorletzten Weihnachtsfest im Dienst, die Haltung ist es, die die Würde des Weihnachtsfestes ausmacht und nicht die Materialschlacht, die Donald Trump, der Fahrer des Coca Cola-Trucks und europäischen Freunde im benachbarten Österreich veranstalten.

Deutschland kann Weihnachten, aber eben auch nicht mehr lange: Der neueste Vorschlag ist, das traditionelle Weihnachtsfest nicht mher "Weihnachten", sondern nur noch neutral "fest" zu nennen. 
Deutschland, die Region, in der die Erfinder von Weihnachten leben, könnte auch damit wieder Vorreiter werden.

Klimakiller frohes Fest: Wie Weihnachten zur Erdüberhitzung beiträgt

Geht es um den Klimawandel und den anstehenden Weltuntergang, denken die meisten an Fleisch, Flugzeuge, Autos, beheizte Wohnzimmer und industriell hergestellte Produkte. Doch gerade das Weihnachtsfest mit seinen vielen unseligen Ritualen trägt zur Erhitzung der Atmosphäre bei: Als falschverstandenes Familienfest sorgt es einer neuen Studie zufolge für Verkehrsströme, die wie ein Messer in den Rücken aller Bemühungen um Premiumpreise für Klimavernichter wirken.

Es ist von alters her ein überkommenen Brauch, dass zu Weihnachten möglichst die ganze Familie an einem Ort zusammenkommt, um Geschenke und Erinnerungen auszutauschen, sich zu herzen und zu streiten, fett zu essen und sich gepflegt zu trinken. Doch dafür müssen viele länger und kürzer hier Lebende mal größere, mal kleinere Wege zurücklegen.

Über 43 Millionen Söhne und Töchter reisen alljährlich zu den Festtagen aus den verschiedensten Teilen der Welt nach Hause, um die Weihnachtstage mit ihrer Familie zu verbringen. Das zeigt eine von Mastercard beauftragte Studie des Marktforschungsunternehmen Fly Research, das über 10 000 Menschen aus 19 Ländern Europas befragt hat und gerade für Deutschland zu erschütternden und verstörenden Ergebnissen gekommen ist. Danach legen Deutsche und ihre Gäste durchschnittlich 410 Kilometer zurück, um zur Weihnachtszeit für einige wenige Tage nach Hause zu kommen.

Für den einzelnen Weihnachtsheimkehrer sicher ein schönes Gefühl, für das Klima unserer Erde aber jedes Jahr neu eine CO2-Injektion, die das ohnehin geschwächte Klimasystem  an den Rand des Zusammenbruchs bringt:  Mehr als 33,5 Millionen Tonnen CO2 "verbraucht" (Malu Dreyer) der vor allem von der Generation Fridays-for-Furure hemmungslos ausgelebte Drang, zurückzukehren in die "Heimat",  obgleich schon der Begriff  als zweifelsfrei "politisch nicht unschuldig" besser "dem rechten Rand überlassen" überlassen bleiben sollte, wie die Hamburger Wochenschrift "Die Zeit" bereits vor längerer Zeit empfohlen hat.

Doch die Deutschen scheinen unbelehrbar, unheilbar ihre Sehnsucht dorthin zurück, woher sie gekommen sind. Der 24. Dezember ist der Mastercard-Umfrage zufolge der beliebtesten Weihnachtsreisetag der Deutschen, die überwiegend angaben, ihre Eltern besuchen zu müssen. Sicher keine Entschuldigung angesichts der historisch einmaligen Situation mit Klimanotstanden vom Bodensee über München bis Brüssel. Doch schlimmer noch: Menschenverachtende 29 Prozent begründeten ihre Reise damit, ein "geliebtes Haustier" wiedersehen zu wollen.

Nicht nur, weil Hund, Katze und Co. als entscheidende Auslöser Erdüberhitzung gelten, scheint das verantwortungslos. Die 33 Millionen Tonnen Weihnachtsreise-CO2 entsprechen immerhin der Menge an Kohlendioxid, die die Internetnutzung in Deutschland im gesamten Jahr verursacht - wofür E-Mail-, Streaming- und Shoppinganbieter zurecht immer wieder auch von den höchsten Instanzen der EU kritisiert werden.

Dergleichen entschlossene Töne gegen den weihnachtlichen Reisewahn hört man auch Brüssel nicht, auch das Klimakabinett schweigt und versucht - ebenso übrigens wie die Grünen - trotzig, das schwierige Thema totzuschweigen. Dabei sprechen die Zahlen eine klare Sprache:  87 Prozent der Deutschen und ihrer Gäste nutzen für die Heimreise das Auto oder den Bus, nur 21 Prozent nehmen den Zug.

Klimaverachtende 13 Prozent steigen unbeeindruckt von den aktuellen Nachrichten über sterbende Wüsten und Plastik im Meer sogar in ein Flugzeug. Schlimmer noch: Fast jeder vierte Deutsche fliegt sogar  eigens zum Weihnachtsfest ins Ausland. 17 Prozent von ihnen sagen, dass es weniger stressig ist als Weihnachten zu Hause zu verbringen, 21 Prozent wollen Familienstreitigkeiten vermeiden und 16 Prozent zu Weihnachten lieber "etwas Wintersonne genießen", wie sie zynisch zugaben.

Montag, 23. Dezember 2019

Weihnachten in Familie: Keine Nachsicht für die kleine Sophia

Wenn die kleine Sophia zu Weihnachten beginnt, der ganzen Familie ihre Klimapläne vorzustellen, ist niemand verpflichtet, um des lieben Friedens willen zuzuhören.
Weihnachten geht es nach Hause. So will es die Tradition. Auch wenn jede einzelne Heimreise dem Klima unermesslichen Schaden zufügt, muss es sein. Selbst wenn einem davor graut. Graut vor dem Moment, wenn die kleine Sophia mit der ganzen Autorität ihrer 14 Jahre beginnt, ihre Pläne zum Umbau der Wirtschaft im Namen des Weltklimas vorzutragen. Graut vor den Stunden, die Onkel Willy ausgesperrt in der Küche zubringen muss, weil er mehrfach behauptet hat, früher sei auch manchmal ziemlich warm gewesen. "Du bist wohl ein Klimaleugner", hatte Vater René anfangs nur kurz kommentiert und versucht, die Sache ins Lächerliche zu ziehen.

Aber kaum war die letzte Faser der Gänsekeule abgenagt, die Bratensoße mit dem Kartoffelkloß aufgetupft und auch die Veganer, Vegetarier und Fruktarier am Tisch hatten sich eine neue Tasse Kräutertee geholt, brandete der Streit wieder auf. Hier die Daheimgebliebenen, die Leute vom Dorf, ohne Weltkenntnis, niemals in New York, niemals in Athen. Dort die klimabewegten jüngeren Semester, klimastreikerfahren, weltgewandt und bereit, für die Zukunft vieles zu opfern.

Ausgerechnet die engagierten Menschen, die es in jeder Familie gibt, platzen dann oft mit ultimativen Sätzen heraus wie eben gerade die bei Fridays for Future erweckte Sophia: "Tja, Weihnachten wird es wohl auch nicht mehr lange geben, wenn das mit der Klimaerwärmung so weitergeht." Es folgen: Betretenes Schweigen, die Schwester steht wutrot auf, der Vater schenkt schnell noch mal nach, Mutter ist, weil in vielen rückständigen Familien gerade in Sachsen noch die Reste einstiger Rollenaufteilung gelten, noch in der Küche und kann nicht beschwichtigen.


Und nun? Viel Aquavit und vergessen? Schnell vom letzten Urlaub auf den Malediven erzählen? Nein, beides ist keine Option. So ätzend es ist, man darf die Freitagskinder, die Windmühleneuphoriker und Sonnenstromgläubigen, die es in vielen Familien gibt, nicht unwidersprochen schwadronieren lassen. Sondern muss einhaken, nachfragen. Wie sich das rechnen werde? Wie eine höhere Ölsteuer das Heizverhalten in Wohnungen und Häusern das Heizverhalten beeinflussen solle, wenn dort schon die modernsten Heizungen eingebaut sind? Wie ein Pendler die Mehrkosten auffangen werde, die mit der CO2-Steuer auf ihn zukommen? Und ob Sophia selbst bereit sei, das Handy und das Laptop künftig ausgeschaltet zu lassen?

Es ist ein Kampf, ein Krieg unterm Weihnachtsbau. Aber vielleicht gibt es noch Hoffnung, vielleicht ist die kleine Sophia sogar froh, zu erfahren, dass all ihre Facebookposts, in denen sie behauptet, man müsse nur wollen, am Umstand, dass man im richtigen Leben auch können muss, kaum etwas ändern. Vielleicht ist sie erleichtert, dass die Klimakatastrophe gar nicht vor der Tür steht?

Es kann allerdings sein, dass der Rest Ihrer Familie nicht begeistert davon ist, dass der Glaubenskampf an der Festtagstafel stattfindet. Doch Sie sollten sich nicht einsschüchtern lassen. Mag man Sie auch als Störenfried ansehen und nicht die jungen Leute, heißen sie nun Sophia, Lilly, Ben, Adres oder Anthony. Trotzdem muss es sein. Wichtiger als das bisschen Familienfrieden zu wahren, ist es, gegen ein menschenverachtendes Klima zu kämpfen, indem jeder besinnungslos herumschwatzen kann, ohne irgendwelche Fakten zu kennen. Stoppt Sie die kleine Sophia nicht, wird sie vom Festtagstisch aufstehen und glauben, die Welt funktioniere wirklich, wie sie es sich vorstellt.


Genau deshalb ist es auch wichtig, ihr und Ihresgleichen entschieden zu widersprechen: Weil diese von Medien und Politikern in akute Angstzustände versetzen Kinder sonst glaubt, gar nicht so falsch zu liegen. Nur still zu denken "Was für ein Idiot" und sich überlegen zu fühlen, hilft leider nicht. Wenn keiner mit Fakten argumentiert, auf den Zustand der Umwelt verweist, den frühere Generationen vorgefunden haben, und den Lebensstandard verdeutlichen, in den die heutige junge Generation weich gebettet aufwuchs, werden die gratismutigen Kämpfer für einen radikalen Gesellschaftsumbau, für Vergemeinschaftungen, Verbote und die Errichtung einer Ökodiktatur sich bestätigt fühlen. Das wäre schlecht.

Wer dabei Hilfe braucht: Sie findet sich beispielsweise im Buch "Anleitung zum Widerspruch" von Franzi von Kempis (Mosaik). Die Autorin, die in Berlin lebt und macht was mit Video macht, liefert Fakten zu Verschwörungstheorien, Klimaleugnung und anderen unangenehmen Themen, die am Weihnachtstisch aufkommen könnten, und erklärt, wie man sogenannte Strohmann-Argumente erkennt. Das Buch hat leider 288 Seiten und ist damit sehr, sehr umfangreich für die Verhältnisse der aktuellen Klimadiskussion. Aber man liest es für eine gute Sache, denn wenn kein Störenfried dazwischengeht, fabuliert Sophia nächste Weihnachten vielleicht schon davon, wer alles nicht mehr hierhergehört, weil er das Klima leugne, den in Deutschlang gemachten Anteil der Erderhitzung kleinrede und fordert, dass auch die Carnivoren der Familie zu Weihnachten gefälligst Gusgus und Kleie statt Ente essen sollen.

Ist dieses Stadium des menschenverachtenden Hasses erreicht, ist die Zeit der Gegenargumente natürlich vorbei. Was aber nicht heißt: Weitermachen im Vorweihnachtswahn und diese Ekelhaftigkeiten über den nächsten Glühwein vergessen. Um das Schlimmste zu verhindern, heißt es gegenhalten. Weihnachten mit der kleinen Sophia ist kein Schicksal. Es gibt keinen guten Grund, mit Familienmitgliedern zu feiern, die so voller Sehnsucht nach Naturkatastrophen, Notstandsgesetzen, Verboten und Einschränkungen der Freiheit sind. Wenn Sophia mit Gegenrede nicht leben kann, soll sie in ihr Zimmer gehen. Es steht ihr sogar frei, die Heizung dort auf Null zu drehen.

Heiligabend-Holocaust: Fühlt Schuld, ihr Bäume!

Brauch Verbot Groko
In seiner natürlichen Umgebung speichert jeder einzelne Weihnachtsbaum rund eine Tonne CO2, das deutsche Ritual, zum Jahresendfest rund 30 Millionen Bäume zu töten, verursacht damit Millionen Tonnen CO2..

Es ist fürwahr ein barbarischer, durch keine Begründung zu entschuldigender Brauch, den die Deutschen störrisch pflegen, obwohl die Klimaglocken nie drohender dröhnten. Nahezu 30 Millionen junge, vielverprechende Bäume, jeder einzelne eine potenzielle Waffe im Kampf gegen die Erderwärmung, mussten auch in diesem Jahr wieder sterben, herausgerissen aus einem Leben, das noch kaum begonnen hatte.

Weil die schon länger hier Lebenden meinen, ein Recht auf die Fortführung eines alten Brauches zu haben, der längst jede Rechtfertigung verloren hat: Weihnachtsbäume sind, wonach sie aussehen, ritualisierter Mord an Bäumen, ein Heiligabend-Holocaust, den keine noch so vorgeschobene Entschuldigung relativieren kann. Der millionenfache Mord an Tannen, Fichten und Kiefern ist genau, wonach er aussieht, ein Kückensterben, eine Hinrichtung, ein im wortwörtlichsten Sinne totes Ritual.

Würden diese Millionen Bäume weiterleben dürfen, sie hätten in den kommenden 95 Jahren 21 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich gespeichert, genug, um mit mit einem Pkw 2,5 Millionen Mal um die Erde fahren zu können. Stattdessen aber werden sie auf dem Altar eines überkommenden Brauches geopfert - und wie zum Hohn werfen ihnen die Apologeten der großen Klimawende nun auch noch vor, sie seien es, die im Vergleich mit aus China importierten Plastikbäumen "schlecht" abschnitten.

Die nämlich seinen aus ökologischer Sicht die idealen Weihnachtsbäume, nicht die von Großhändlern herbeigeschafften Naturbäume, die schon Silvester nadeln und im Januar dann als traurige Holzhalden hinter den Wohnhäusern der Städte enden, das belege eine neue Studie des Schaffhauser Büros für Umweltberatung ESU-Services, aus der die Schweizer NZZ zitiert: Die wissenschaftlichen Berechnungen zeigten, dass eine Zuchttanne aus Dänemark die Umwelt rund vier Mal so stark belaste wie ein regionaler Baum, der ohne Dünger und Pestizide frei im Wald aufgewachsen ist. Hole man sich eine Miettanne ins Haus, die während fünf Jahren wiederverwendet werden kann, sinke die Belastung weiter, ein eine künstliche Tanne aus Polyvinylchlorid und Stahl, die aus China importiert wird und im Grunde ein Leben lang verwendet werden kann, belastet die Umwelt je nach tatsächlicher Nutzungsdauer wenig bis überhaupt nicht.

Ein Einsehen aber setzt nicht ein, nicht bei den Bürgerinnen und Bürgern, deren Klimawille stets an der Grenze zwischen Wollen und Tun endet. Und nicht bei der Großen Koalition, die auch in ihrem ehrgeizigen Klimapäckchen kein Weihnachtsbaumverbot vorgesehen hat. Ebensowenig vorgesehen ist eine bundesweite Aufklärungskampagne, die vor klimaschädlichen echten und lokalen Bäumen warnt und auf die umweltfreundliche Alternative aus China hinweist.

Sonntag, 22. Dezember 2019

HFC: Im Wintergarten der geplatzten Träume

Boyd jubelt wie immer
Seit Timo Furuholm hat niemand so zuverlässig für den HFC getroffen wie Terrence Boyd.

Einmal noch ist alles drin, den fürchterlichen letzten Wochen zum Trotz, die eine Woche zuvor im Debakel gegen eine Mannschaft aus Würzburg gipfelten, die nach Halle gekommen war, um nicht zu verlieren. Und mit einem Sieg nach Hause fuhr, nach dem die Männer von HFC-Trainer Torsten Ziegner alle Aufstiegsambitionen begraben konnten. Nicht allerdings der Tabellenkonstellation nach. Die zeigt auch am ersten Rückrundenspieltag eine Woche nach dem Ende der Hinrunde, das noch alles drin ist. Ein Sieg gegen Uerdingen, und der HFC wäre wieder Tabellendritter mit bestem Blick nach oben.

Was aber geht noch mit einer Elf, die nur noch ein Schatten der Truppe ist, die durch Sommer und Herbst stürmte, dass die Liga zitterte? Gelingt es endlich, den Knacks aus dem 3:3 gegen Meppen zu kleben, zu kitten, zu überspielen?

Vorgenommen haben es sich die Männer in Rot, das ist an diesem Sonntag im Erdgas-Sportpark deutlich zu spüren. Wiedereinmal deutlich umformiert, weil Mittelfeldantreiber Bentley Baxter Bahn und der zuletzt standardmäßig auf der Sechs gesetzte Papadopulous gelbgesperrt fehlen und Abwehrchef Sebastian Mai nach seiner Gelbsperre zurückgekehrt ist, zeigen Ziegners Spieler von Anfang an mehr Engagement als gegen Würzburg. Wobei: Weniger wäre praktisch auch gar nicht möglich. Bis zur ersten Ecke des KFC dauert es zwei Minuten, zu der Zeit hatten die Kickers aus Würzburg schon zwei. Nach Torchancen steht es 0:3, als die erste Strafraumaktion der Gastgeber folgt: Guttau setzt sich linksaußen durch, Sohm kann den Ball aber nicht kontrollieren und stolpert ihn ins Aus.

Es wird dann ausgeglichener, aber nicht rasant. Uerdingen kombiniert, der HFC versucht es über die Außen. Bei beiden ist jeweils in Torraumnähe Schluss. Der HFC erarbeitet sich in dieser Phase zwar Chancen auf Chancen, aber mehr auch nicht. Ex-HFC-Keeper Königshofer im KFC-Tor muss nach einer Viertelstunde zum ersten Mal zugreifen, als der neben dem zurückgekehrten HFC-Kapitän Jan Washausen und Jonas Nietfeld im Mittelfeld aufgelaufene Felix Drinkuth aus 25 Metern abzieht. Ein dankbarer Ball, immerhin aber der erste Schuss der Roten aufs Tor.

Die 7500 Zuschauer im Stadion - erstaunlicherweise tausend mehr als zuletzt - springen in der 21. Minute auf, als Sohm den Bann bricht. Vom langen Pfosten aus netzt die Neun die HFC ein. Jubel, Trubel, Erleichterung. Bis die ersten Spieler und Zuschauer merken, dass der Linienrichter die Fahne oben hat, weil Sohm angeblich im Abseits stand.

Immerhin ist der KFC nun gewarnt. Die Gäste ziehen sich weiter zurück und lauern auf Konter, der HFC macht das Spiel, ohne wirklich in jene rauschhaften Kombinationswirbel zu finden, die er in seinen besten Saisonspielen zelebriert hatte. Wenigstens aber droht Kai Eisele im HFC-Tor keinerlei Gefahr, Uerdingen scheint im Grunde zufrieden damit, hier nicht als Verlierer vom Platz zu gehen.

Der HFC dagegen will siegen, und er muss es auch, wenn da noch was nach oben gehen soll. Drei Punkte reichen zu Platz 3, vier betrüge dann der Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz. Eine Niederlage hingegen ließe den eigenen Vorsprung auf Mittelfeld-Platz 11 auf schmale drei Punkte schmelzen. Angesichts des angegriffenen Nervenkostüms der Hallenser und dem ersten Rückrundengegner Hansa Rostock, der exakt jenen Platz 11 besetzt, eine Konstellation, die auf dem Feld nicht präsent sein mag, in den Köpfen der Männer auf der HFC-Bank aber zweifellos gegenwärtig ist.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wird der HFC denn auch noch ein wenig energischer im Vorwärtsgang. Nietfeld versucht es aus der Distanz, Guttau auf Außen, Göbel aus Nahdistanz. Aber Königshofers Tor ist nicht mal vernagelt, es kommt nie wirklich in Gefahr, weil der letzt Pass keinen Abnehmer oder der Torschuss kein Ziel findet.

Unterhaltsam ist es, wenigstens, und das schon mehr als in den zurückliegenden 40 Jahren meist geboten wurde im früheren Kurt-Wabbel-Stadion. Ziegners Mannschaft stemmt sich gegen den Negativtrend, sie will auch wieder, was während der ersten Hälfte gegen Würzburg keineswegs der Fall war. Doch es geht nicht, es klappt, es will nicht. Boyd etwa gewinnt alle seine Kopfbälle, verliert aber anschließend jedes Mal den Ball. Lindenhahn, eingewechselt für Guttau, für den Drinkuth auf die Außenbahn geht, gibt in seinen ersten beiden Aktionen alles. Und erreicht nichts. Torchancen sind immer noch Mangelware.

Die Fans auf den Tribünen würden, wenn sie nur könnten, gerade sicher gern ein paar Weihnachtsgeschenke gegen ein Tor, einen einzigen erlösenden Treffer eintauschen. Aber als er dann fällt, ist es zwar ein HFC-Spieler, der einnetzt, sogar der bis dato beste auf dem Platz. Aber er trifft ins falsche Tor: Sebastian Mai spitzelt eine eigentlich harmlos heransegelnde Eingabe aus dem Halbfeld, wie sie seine eigenen Offensivkräfte an diesen Tag schon im Dutzend geschlagen haben, unhaltbar für Eisele ins lange Eck des HFC-Tores.

Geht denn das immer so weiter? Hört das denn nie auf? Es ist der gefühlt 69. Rückstand der Saison und das 212zigtse Mal, dass vor dem Sieg die Aufgabe steht, ein Spiel zu drehen. Ziegner reagiert, er nimmt Sohm und Landgraf raus, bringt aber nicht etwa Mathias Fetsch, den Torgaranten der Vorsaison. Sondern Abwehrchef Mai als neuen Sturmtank. Hinten ersetzt Vollert den Abwehrchef, Lindenhahn geht für Kastenhofer auf die rechte Abwehrseite, Kastenhofer übernimmt dafür Landgrafs linke.

Eine Verzweiflungsaktion, die ganz nebenbei wie eine Kündigung auf Fetsch wirken muss. Wann, wenn nicht jetzt, soll er überhaupt noch spielen? Wen denn, wenn nicht Sohm ersetzen?

Der HFC drückt jetzt noch mehr, hat aber weiter kaum Chancen. Der ruhig und mit großer Übersicht leitende Schiedsrichter Badstübner versagt den Gastgebern zur Empörung der Fankurve gleich drei mögliche Elfmeter, allerdings alle in derselben Szene. Dann aber schafft es Göbel doch, seinen Gegenspieler einmal im 1:1 stehenzulassen. Flanke kommt, Flanke kullert von rechts nach links durch den Fünfmeterraum, vor bei an allen,inklusive Königshofer. Am Ende der Nahrungskette wartet Terrence Boyd, der aus Nahdistanz das 1:1 erzielt.

Mehr geht nicht, obwohl sie es noch zehn Minuten lang versuchen. Dann ist es vorbei, das Sommernachtsmärchen vom schnellen Aufstieg beendet. Der HFC feiert Weihnachten im Wintergarten der geplatzten Träume. Mit einem Blick auf die Tabelle, in der der Club jetzt Platz 6 mit sieben Punkten Rückstand zum Tabellenführer und zwölf Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz belegt, vielleicht nicht der schlechteste Ort, um sich darüber klarzuwerden, wohin die Reise im nächsten Jahr gehen soll.