Mittwoch, 16. April 2008

Selbstporträt im Wachkoma

Wieder ein Tag wie ein Selbstporträt des Landes im Wachkoma. Kriegt alles mit. Kapiert nichts. Der Morgen jedenfalls beginnt mit der "Premiere für Wilbär" (alle Zitate dpa), dem "Stuttgarter Eisbärenbaby", das "erstmals öffentlich ein Bad genommen" hat. Nicht ganz allein, nein, sondern "unter großem Medienandrang stapfte der gut vier Monate alte Eisbärjunge um Punkt elf Uhr mit seiner Mutter Corinna durch eine Luke in das Freigehege des Stuttgarter Zoos Wilhelma".

Als Wilbär "seiner Mama nach anfänglicher Scheu" ins Wasser folgt, läutet die Landesregierung von Sachsen-Anhalt eine neue Runde im unendlichen "Kampf gegen rechts" ein. Mit einem neuen Versammlungsgesetz will der NVA-Innenminister Hövelmann die Demonstrationsfreiheit soweit einschränken, dass es an einer ganzen Anzahl von Orten und einer ganzen Reihe von Tagen keine Demonstrationsfreiheit mehr gibt.

Versammlungen könnten dann endlich nicht mehr allein wegen einer Gefährdung der Ordnung und öffentlichen Sicherheit untersagt werden, sondern auch schon, wenn der Anmelder einer Demo oder deren Thema den Behörden nicht genug gefällt. Der gute Zweck heiligt die Mittel: "Wir wollen politische Demonstrationen rechtsextremer Gruppen an bestimmten historischen Tagen und historischen Stätten unterbinden", gibt Holger Hövelmann zu.

Unterbunden wurde gleich auch die Tätigkeit eines Schornsteinfegermeisters in Laucha bei Naumburg. Der sitzt nicht nur für die rechtsextreme NPD im Kreistag, sondern hat "wiederholt an Veranstaltungen teilgenommen, bei denen an die Mörder von Walther Rathenau, dem ehemaligen Leiter Kriegsrohstoffabteilung im preußischen Kriegsministerium, erinnert wurde", wie das Landesverwaltungsamt mitteilte. Rathenau galt zu Lebzeiten als großer Verfechter einer Bombardierung Londons mit Zeppelinen und Anhänger der Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Ob die Versammlungen, die der rechte Feger besuchte, nach altem oder erst nach neuem Versammlungsrecht oder überhaupt verboten waren, wurde nicht gesagt.

Dringend notwendig scheint da die Diskussion über einen Vorschlag des "Nationalen Drogen- und Suchtrates". Nach dessen Vorstellungen sollte dem Demonstrationsverbot gleich noch ein "Werbe- und Sponsoringverbot für Hersteller alkoholhaltiger Getränke" folgen, flankiert von einem Alkohol-Verkaufsverbot an Tankstellen und einer Promillegrenze für Autofahrer von 0,2.

Das könnte ein ähnlicher Erfolg werden wie das landesweite Rauchverbot, das vor allem im Landtag, der es beschlossen hat, sklavisch befolgt wird: Bei der Linken qualmen Fraktionäre oder Mitarbeiter am geöffneten Fenster, bei der CDU hinter verschlossenen Bürotüren. Nach Wilbär im Wasser bringt n-tv dann Benedikt bei Bush. Man kriegt alles mit. Aber da ist nichts mehr zu kapieren.

Die zwei Leben des Thomas G. Hornauer

erst so:


dann so:

Wer hat das gesagt?

Für diesen Auswurf der Menschheit, diese rettungslos verfaulten und verkommenen Elemente, diese Seuche, diese Pest, diese Eiterbeule darf es keine Schonung geben. Es bedarf eines Kampfes auf Leben und Tod, denn wir haben es mit Parasiten zu tun, gegen die viele Strategien eingesetzt werden müssen. Die Mannigfaltigkeit der Wege ist hier eine Bürgschaft für Lebensfähigkeit, eine Gewähr für Erreichung des gemeinsamen, einheitlichen Ziels: der Säuberung der Erde von allem Ungeziefer, von den Flöhen,den Gaunern, den Wanzen. An einem Ort wird man zehn von ihnen ins Gefängnis stecken. An einem anderen Ort wird man sie Klosetts reinigen lassen. An einem dritten Ort wird man ihnen nach Abbüßung ihrer Freiheitsstrafe gelbe Pässe aushändigen, damit das ganze Volk sie bis zu ihrer Besserung als schädliche Elemente überwache. An einem vierten Ort wird man zehn, die sich des Parasitentums schuldig machen, auf der Stelle erschießen.

"Aktuelle Kamera" jetzt in der ARD


Eine kurze Geschichte über die Unabhängigkeit from Berlin Institute on Vimeo.

Ulkig oder unsensibel

Vorbei ist es, zu Ende noch lange nicht. In der Affäre um antisemitische "Schmährufe" (dpa) der Fans des Fußball-Oberligisten HFC im Spiel gegen Carl Zeiss Jena legt die Berliner tageszeitung jetzt nach. Fröhlich zusammengestoppelt aus Agenturmeldungen, "Spiegel"-Vermutungen, Internet-Recherche auf Fanclubseiten und eigenem fußballerischen Einfühlungsvermögen, überrrascht der Text mit dem unheildrohenden Totel "Ligaweiter Konflikt droht" mit Neuigkeiten, die selbst die vielkritisierte Führung des Amateurvereins schocken dürften.

So erfuhren Fans und Vereinsführung brühwarm aus dem fernen Berlin, dass der HFC, dem bei Redaktionsschluß in der taz noch nicht einmal die schriftliche Begründung der Verurteilung zu drei Punkten Abzug vorlag, inzwischen bereits "in Berufung" gegangen sei. Bislang hatten die Verantwortlichen des früheren Zweitligisten selbst angenommen, sie hätten eine Berufung nur angekündigt.

Nach den aufwendigen taz-Recherchen liegt ein Teil der Verantwortung für das aufmüpfige Verhalten der Vereinsführung allerdings bei der Staatsanwaltschaft Halle. Die habe nach den "Juden Jena"-Rufen "ermittelt, leitete jedoch keine Anklage ein", weiß das Fußballfachmagazin aus der Hauptstadt. Fast richtig, denn eigentlich hatte die Staatsanwaltschaft nur geprüft, ob ermittelt werden müsse. Ermittelt selbst hatte sie nicht. Weil, so hatte Sprecher Klaus Wiechmann formuliert, die Formulierung "Juden Jena" eben moralisch verwerflich, aber strafrechtlich irrelevant sei.

Für die taz, gegründet einst als Organ der Gegenöffentlichkeit, inzwischen aber angekommen im Niemandsland der Besinnungslosigkeit zwischen "Spiegel" und "Focus", wo es auf Griffigkeit ankommt, nicht auf Wahrheit, sind da sogar Äußerungen aus dem Rechtsausschuss des Bundestages ein Zitat wert. Wenn man sonst schon nichts zu melden hat, weil es nirgendwo im Land irgendein anderes Problem gibt, ist das ja ein Brüller: Wenn ein Ausschußmitglied die Beurteilung der Staatsanwaltschaft als, Achtung, neuer Rechtsbegriff! "unsensibel" bezeichnet, weil sie "von einigen Fans als Freibrief für Antisemitismus angesehen werden" könnte, ist die Schuldfrage letztinstanzlich beantwortet. Unabhängige Justiz? Dritte Gewalt? Gestriges Gerede!

Besser wäre es gewesen, schließen wir daraus messerscharf, den Fall auszuermitteln und trotz allem, was dagegen spricht, trotzig zur Anklage zu bringen.

Das Gericht hätte die dann mangels einer strafrechtlichen Grundlage entweder abgewiesen oder die Täter mit Rumtata freigesprochen. Aber das wäre nach der überaus ulkigen Ansicht von "taz" und Rechtsausschuß nur ein "unsensibles" Urteil gewesen. Keineswegs ein "Freibrief für Antisemitismus".

Dienstag, 15. April 2008

Halb so schlimm

Alles halb so schlimm. Neulich erst rechnete der Internationale Währungsfond in einer Mußeminute alles zusammen und platzte dann mit einer exakt bei einer Billion Dollar liegenden Schadensumme aus der "US-Hypothekenkrise" (dpa) heraus. Eine Billion! Wahrscheinlich zur großen Überraschung der Fondsmanager stürzte sich alle Welt auf diese Zahl, man war so begeistert, dass kaum jemandem auffiel, dass ausgerechnet der IWF die Dollar-Billion zu Phantasiekursen aus der Weiuhnachtszeit in Euro umgerechnet hatte. Weil die Studie wahrscheinlich von damals stammte.

Großes Glück für die Welt, dass die OECD nun nochmal gewürfelt hat. Schwupps, ist alles nur noch halb so schlimm: Die Verluste durch die Hypothekenkrise würden sich auf insgesamt 350 bis 420 Milliarden Dollar belaufen. Das sind nur 100 Milliarden mehr als bisher von der OECD gedacht. Na gut, hat man um ein Viertel daneben gelegen. Aber der IWF liegt um die Hälfte falsch! Das kann man dann auch mal kritiseren, macht die OECD also auch: Die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verbreitete Verlustschätzung von rund einer Billion Dollar sei "irreführend", heißt es.

Das ist beruhigend, obwohl auch 420 Milliarden sehr nach einer zielgerichtet auf die runde Summe zusammengeschluderten Zahl klingt. Aber wir wollen mal nicht irritiert sein, sondern selber würfeln: Vielleicht steht am Ende eine Summe von 395.456.123.534 Dollar unterm Strich, zum Tageskurs umgerechnet also rund 249 Milliarden Euro. Oder gar nur 387.667.999.989 Dollar? Das wären nicht mehr Euro, als Hans Eichel seinerzeit locker in einer Legislaturperiode zusammengeborgt hat. Das ist dann die Weltfinanzkrise? Haben wir ein Glück.

Attacke auf die ARD

Es steht nirgendwo, aber gemeint ist es so: Chinesen dürfen bei Umfragend er Tagesschau im Internet nicht mitmachen. Wenn sie das doch versuchen, wird das als "Angriff" (dpa) gewertet wie im Fall der Online-Umfrage zum Thema "Soll der olympische Fackellauf abgebrochen werden sollte oder nicht".

Nachdem von dpa oder sonstwem gezählte "mehr als 7600 Webseiten aus der Volksrepublik" Nutzer zur Teilnahme an der Abstimmung aufgerufen hatten, stürmten "hunderttausende Nutzer aus China" die Seite, um ihr Pünktchen bei "nicht abbrechen" zu machen. Demnächst sollen Umfrageteilnehmer ihre GEZ-Nummer eingeben müssen, ehe die Stimmabgabe-Funktion personengebunden scharfgeschaltet wird.

"Angriffe" (dpa) durch Menschen aus fremden Ländern, die die interne Meinungsabbildung der Tagesschau-Zuschauer verfremden, sind dann ausgeschlossen.

Kurze Karriere

Erst war gar nichts, dann begann der große Sturm. Als wäre das Thema gerade vom Himmel gefallen, machte Tibet in den vergangenen 60 Tagen Medienkarriere. Der Höhepunkt aber ist erstmal vorbei, sagt uns Googles wirklich liebenswerte Timeline-Funktion. Zeit für die nächste Sau im Dorf.

Kränkelnder Klimawandel

Der Klimawandel ist auch nicht mehr, was er mal war. Damals, als Politik und Klimaforscher das große Aufbäumen der Menschheit gegen den drohenden Untergang in der Erdsauna organisierten, fehlte den Warn ungen nie der Verweis auf die "seit Jahren" kontinuierlich "ansteigende Zahl von Stürmen und Hurrikans". Auch Kerry Emanuel vom MIT warnte damals mit.

Jetzt hat der Forscher es sich anders überlegt. In einer neuen Studie namens „Hurricanes and Global Warming" ist plötzlich nichts mehr so eindeutig wie es war. Zwar nähme etwa die Aktivität von Stürmen im Nordpazifik zu, gleichzeitig aber gibt es weniger Wirbelstürme an anderen Orten.

Insgesamt gibt es nach den Berechnungen Emanuels weniger Hurrikane weltweit, nur an einigen Plätzen nimmt ihre Zahl infolge des Klimawandels zu, an vielen anderen hingegen nimmt sie ab.

Montag, 14. April 2008

Ohne Rollstuhl

wie schlimm kann es noch werden? nach dem rauchverbot bringt die bundesregierung jetzt das behindertenverbot auf den weg:

Du willst Schläge?

Rätsel der Anti-Gewalt-Reklame. Weil die angedrohte Überwachungsdrohne irgendwie nicht in dieLuft zu bekommen ist, geht das Innenministerium in Sachsen jetzt mit Zeitungsanzeigen gegen Schlägereien und "Randale" (dpa) auf den Fußballplätzen im Land vor.

Dass die als Imageträger verpflichteten Kicker wie Jörg Emmerich von Aue und Maik Wagefeld von Dynamo Dresden aus den Anzeigen aber derart böse gucken, ergibt im Zusammenspiel mit dem Kampagnenclaim "... dann zieh unser Trikot aus" nur Sinn, wenn man sich die Überschrift "Du willst Schläge?" dazu denkt. Die fehlt aber über den Anzeigen. Wahrscheinlich, weil irgendwer Schiß hatte, dass die Kampagne veranstanden werden könnte.

Alles wird gut

Nun wird doch noch alles gut. Bis heute hat der große Mangel an Netzwerken und staatlich geförderten Initiativen im Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut dazu geführt, dass immer mehr über rechtsradikale Untaten berichtet werden muss. Gerade in Ostdeutschland fehlten vielen rechtsextremen Jugendlichen Ansprechpartner mit gediegener linker Sozialarbeiterausbildung, die in rechten Jugendkulturen bekanntermaßen als erste Adresse für Rat und Hilfe gelten. Allein in Sachsen-Anhalt existieren bis heute gerade sieben, neun oder neunzehn Netzwerke gegen rechte Gewalt, gegen das Wegschauen, für das Hinschauen, gegen national befreite Zonen, für das Miteinander, für Opferhilfe, gegen das Vergessen, gegen das Verdrängen, für freie Jugendzentren und kostenlose Proberäume, gegen das Vermieten von Proberäumen an rechte Bands, gegen Schulhofmusik, gegen Schulhof-CDs, zuviel rechte Straftaten, vertuschte rechte Straftaten und gegen rechte Strukturen überhaupt.

Das reicht natürlich nicht, fand die Arbeiterwohlfahrt deshalb jetzt heraus und rief, steter Tropfen höhlt noch den rechtesten Stein, zu "Zivilcourage im Alltag" auf. Unter dem überraschend jugendgemäßen Motto «Demokratie und Toleranz leben» verabschiedene der Wohlfahrtsverband dazu auch noch eine "entsprechende Resolution", wie er selbst vermeldete. Der Grund dafür wird viele Awo-Freunde ganz auf dem falschen Fuß erwischen: «Wir wollen ein deutliches Zeichen für zivilgesellschaftliches Engagement setzen», gestand AWO-Landesvorsitzende Petra Grimm-Benne verblüfften Sympathisanten und Mitgliedern.

Ihre Organisation bekenne sich "ganz klar zu Toleranz und einer Gesellschaft der Vielfalt", dieses erstaunliche und mutige "Bekenntnis zu Solidarität, Toleranz und sozialer Demokratie bedeute gleichzeitig die Absage an jede Form von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus" (Grimm-Benne).

Noch was vergessen? Konkrete Maßnahmen folgen: Beim AWO Landesverband wird "eine Stelle für Demokratiebildung und Toleranz" eingerichtet, die "ein entsprechendes Netzwerk aufbauen" und "Anleitung zur demokratiefördernden Bewältigung von Streitfragen" geben solle. Anleitung zur demokratiefördernden Bewältigung von Streitfragen. Warum ist da bisher noch keiner drauf gekommen?

Sonntag, 13. April 2008

Mach mir den Hugo

"Oskar Lafontaine will Telekom, Post und Stromwirtschaft wieder verstaatlichen und künftige Privatisierungen stoppen."

Wo das Glück zu Hause ist

Es gibt diese Geschichten vom ganz großen Glück wirklich, die sich kein Drehbuchautor ausdenken würde, weil sie einfach zu ausgedacht aussehen. Nur hier unten in der Fußballprovinz, in der der ebenso traditionsreiche wie erfolgsentwöhnte Hallesche Fußballklub gegen den Untergang kickt, passieren im Ernstfall eher andere Dinge: Kaum war der von seinen Fans immer noch trotzig "Chemie" genannte Klub endlich mal wieder auf Platz 1 der Tabelle vorgestoßen, stand schon der Fußballverband des Ostens bereit, von hirnfreien Kurvengängern intonierte Fanchöre, für die das Hamburger Chormagazin "Spiegel" ausgiebig deutschlandweit Werbung gemacht hatte, mit der Aberkennung des ersten Platzes zu prämieren.

Zusätzlich durften zum Spiel gegen den ZFC Meuselwitz, der den Hallensern als Angstgegner gilt, nur 1000 Zuschauer eingelassen werden - unter ihnen selbstverständlich auch alle Mitglieder der für die Krise verantwortlichen Singegruppe.

Unter diesen Bedingungen spricht in Halle, wo das Glück nicht zu Hause ist, alles für ein sang- und klangloses Remis. Das würde die gastgebende Elf auf der Zielgerade der Saison in den Abgrund des Tabellenmittelfeldes stürzen und sicherstellen, dass die Geschichte ehemaligen Bundesligisten im Sommer endet.

Allerdings ist da ja noch Nico Kanitz, ein dreikäsehoher Linksaußen, der am Abend vor dem Spiel Vater eines "Pepe" genannten Babys geworden ist. In der vierten Minute nimmt er eine Ecke von Torsten Görke volley und schießt den Ball aus 15 Metern in Netz.

Meuselwitz aber schlägt zurück und macht nur fünf Minuten später den Ausgleich, nachdem Christian Kamalla, nach dem Kreuzbandriß von Abwehrchef David Berger in die erste Elf gerückt, vorm eigenen Strafraum stolpert, fällt und den Weg freimacht für den Tschechen Bocek, der dankbar ausgleicht.

Da wankt die Tribüne und für Minuten wackelt auch der Klub. Der HFC hat Chancen, ein halbes Dutzend sogar. Aber Tore machen weder Neubert noch Kanitz noch Görke. Selbst als Neubert nach einem Pass des ansonsten viel zu kleinteilig dribbelnden Shubititze allein auf den Meuselwitzer Kepper zuläuft, geht der Ball an der falschen Pfostensete vorbei. Erst kurz vor der Pause, als der ungelenke Winter-Einkauf sich zwei Meter vor dem Tor selbst tunnelt, statt den Ball über die Linie zu tippen, fällt die längst verdiente erneute Führung: Kanitz, der über den Platz läuft, als sei er in einen Badewanne mit Zaubertank gefallen, trifft im Nachschuß.

Der Rest ist ein kurzes, scharfes Aufbegehren der Gäste, dem der HFC mehr mit Staunen als mit Widerstand begegnet. Dann aber bringt Trainer Sven Köhler das Klub-Urgestein Rene Stark für Shubititze, der die Zehn nur auf dem Rücken trägt. Vier Minuten später setzt sich Kanitz links durch, Neubert irritiert den Meuselwitzer Keeper Dix. Und Stark zieht aus zehn Metern ab.

Das Spiel ist entschieden, die Tribüne bebt, die angemessenerweise auf der rechten Seite zwangsplatzierte Fankurve singt, nimmt aber nicht ein verbotenes Wort in den Mund. Mit dem Abpfiff belohnt sich HFC-Kapitän Torsten Görke noch selbst: Ein Verlegenheitsschuss des besten Mannes auf dem Platz wird abgefälscht und fällt ins Netz. Die Fans singen jetzt "Spitzenreiter, Spitzenreiter", der Stadionsprecher teilt mit, dass Konkurrent Markleeberg im Begriff ist, daheim gegen den Ortsrivalen Sachsen Leipzig zu verlieren. Es gibt diese Geschichten vom ganz großen Glück wirklich, die sich kein Drehbuchautor ausdenken würde, weil sie einfach zu ausgedacht aussehen.

Wie beleidigt man Erich Mielke?

Mit einem neuen Rechtsgutachten hat die renommierte Hamburger Jura-Illustrierte „Spiegel“ neuen Zündstoff entdeckt in der Affäre um die, Achtung, neuer Fachbegriff, „Schmährufe“ (dpa) der Fans des viertklassigen Fußballvereines Hallescher FC Ende März im Spiel gegen die Reservemannschaft des FC Carl-Zeiss Jena.

Nach Ansicht der Beobachter von der Alster, die weder mittendrin noch auch nur dabei waren, als die beiden ehemaligen DDR-Oberligavereine aufeinander trafen, hat die Staatsanwaltschaft Halle mit ihrer Weigerung, gegen die Rufer der Parole zu ermitteln, einen „Freibrief für Judenhasser“ (Spiegel) ausgestellt. Da es allerdings wohl zutreffend sei, dass weder das Wort Jude noch das Wort Jena noch die Kombination beider Begriffe „vom Strafrecht zu greifen sind“ (Staatsanwaltschaft Halle), ist es nach Auffassung der Hamburger Extremismus-Experten nun dringend nötig, den Rechtsstaat in Deutschland abzuschaffen. Der sieht bislang vor, dass nur bestraft werden kann, wer sich strafbar macht. Künftig soll gelten, dass auch eigentlich nicht strafbare Taten, sobald sie nur in Magazinen, Funk und Fernsehen ausreichend als unappetitlich oder moralisch verwerflich beschrieben worden sind, eine Strafe nach sich ziehen.

Wie etwa der in der Tat eklige Spruch „Juden-Jena“. Rund drei Dutzend nicht eben der Bildungselite zuzurechnende Fans des gastgebenden HFC, fröhlich gestimmt durch etliche Biere vom Dönerstand vor dem Stadion, hatten ihren ebenfalls martialisch schwarzgekleideten Konkurrenten aus der Jena-Fankurve die beiden Worte während des Spiels mehrmals zugerufen. Weder Schiedsrichter noch ein mitfilmendes MDR-Fernsehteam, weder Jenaer Spielern noch hallesche Funktionäre hörten in den Rufen etwas anderes als eine ganz gewöhnliche, gesellschaftliche Tabugrenzen gezielt überschreitende Provokation, wie sie in Fußballstadien von Dortmund bis Cottbus die Regel ist. Von „Ruhrpottkanaken“ über „Ossi-Schweine“ bis zu „Schachtscheißer“ und „Zooaffen“ reichen die Beschimpfungen, mit denen sich Fans gegenseitig ihrer Wertschätzung versichern. Schiedsrichter werden seit jeher als „schwule Sau“ oder „Schieber“ angesprochen, Spieler heißen „Schauspieler“, „Arschloch“ und „Simulant“ oder bekommen aus der Kurve freundlich mitgeteilt, dass „wir wissen, dass Du Strapse trägst“.

Das alles ist ehrenrührig. Unappettitlich. Aber spätestens seit dem „Soldaten sind Mörder“-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes gilt hierzulande, dass mit einer Beleidigung eine konkrete Person oder Gruppe gemeint sein muss, weil eine „unbestimmte Gesamtheit nicht beleidigt werden kann“. Schon gar nicht sicher mit einem Wort, das für sich genommen etwa so beleidigend ist wie der Begriff Wandschrank. Zudem ist im Fall der Juden-Jena-Rufe wohl die Intention der Rufer klar. Natürlich wollen sie beleidigen. Der erste Eindruck aber, auf den sich der „Spiegel“ verlässt, täuscht.

Was antisemitisch aussieht, und den Halleschen FC inzwischen drei Punkte wegen „Unsportlichkeit“ kostete, ist es allenfalls in zweiter Linie. Denn die Wurzeln der inkriminierten Parole liegt tief in der DDR-Zeit. Damals waren die Fußballplätze zwischen Rostock und Dresden für viele Jugendliche ein Stück exterritoriales Gebiet: Aus der Fankurve konnte ohne Furcht vor Strafe gerufen werden, was sonst nicht einmal gedacht werden durfte. Traumwandlerisch sicher entdeckten Fans in Jena, Leipzig und Halle die Schwachstellen des Systems: Aktenkundig sind „Liverpool, Liverpool“-Gesänge von Chemie-Leipzig-Fans bei einem Auswärtsspiel in Karl-Marx-Stadt unmittelbar nach der von Liverpool-Fans ausgelösten Katastrophe im Brüsseler Heyselstadion. Saß Erich Mielke, Polizistenmörder, Staatssicherheitschef, kommunistischer Widerständler und Fußballfan bei einem Spiel seines BFC Dynamo auf der Tribüne, gehörte der Schlachtruf „Berlin, Berlin, Juden Berlin“ (nach dem Rhythmus „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin) zum Standardprogramm in allen Oststadien. In seinem hervorragenden Buch „Mielke und das runde Leder“ beschreibt Hanns Leske einen Auftritt von Magdeburger Fans im Jahr 1987 in Berlin, bei dem entsetzte MfS-Mitarbeiter sowohl diese Parole als auch „Deutschland, Deutschland“-Rufe protokollierten.

Die Kurve wusste genau, was den MfS-Minister zur Weißglut bringen würde: Nazis auf den Rängen, FDJ-Mitglieder, die nach „Deutschland“ riefen.

Der „Spiegel“ hat es nicht bemerkt. Aber viel hat sich seitdem nicht geändert. „Juden Jena“ zu rufen, gehört für die Fans der Erfurter Elf bei Derbys mit dem Nachbarn zur Routine. Bei den live im Fernsehen übertragenen Relegationsspielen zum Aufstieg in die Regionalliga zwischen BFC und 1. FC Magdeburg konnte die ganze Republik zuhören, wie sich tausende Magdeburger an längst vergangene DDR-Oberligazeiten erinnerten und inbrünstig „Berlin, Berlin, Juden Berlin“ brüllten.

Das Fußballfachmagazin „Spiegel“ war damals wie DFB und Nordostdeutscher Fußballverband anderweitig beschäftigt. Anderweitig beschäftigt wie auch bei jedem „schwule Sau“-Ruf gegen einen Schiedsrichter in den letzten 20 Jahren. Wie auch bei jedem „Wir bauen eine U-Bahn von (Gegner einsetzen) bis nach Auschwitz“ seit Schalkes letzter Meisterschaft.

Als per anonymer Email eine sorgfältig um die Videospur bereinigte Aufnahme der halleschen Juden-Jena-Rufe in Hamburg eintrifft (die das Audio-Fachmagazin als „in der Fankurve aufgenommen“ ausgibt, obwohl das Klangbild einen Mitschnitt aus größerer Entfernung ausweist), feiert der vor mehr als zwei Jahrzehnten von „feindlich-negativen Jugendlichen“ (MfS) ersonnene Spruch folglich endlich deutschlandweit Medienpremiere. Und weil der Gesang auch davon nicht justitiabler wird, wie die Reaktion der Staatsanwaltschaft zeigt, ruft das Magazin in Ermangelung wirklicher Probleme im Land nach geänderten Gesetzen.

Einen Vorschlag, wie die denn aussehen sollten, bleiben allerdings auch die vom „Spiegel“ in aller Eile herbeizitierten Experten und Politiker schuldig. Wie auch soll das Recht fassen, was sich erst in der Rezeption als Beleidigung offenbart? Wenn „Juden Jena“ ein Schmähruf ist, was ist dann „Sachsen-Schweine“? Und wenn „Sachsen-Schweine“ ein Schmähruf wäre, was wäre dann „Scheiß-Ossis“? Dürfen Produkte außerhalb von Fußballplätzen „Nürnberger Würstchen“ heißen können, dürfte eine enthemmte Masse dann straflos auch „Würstchen Nürnberg“ rufen? Und wenn nicht – sind dann Bezeichnungen wie „Preußen Münster“ zulässig – obwohl doch in der DDR allein der Begriff „Preuße“ als beinharte Beleidigung galt? Ebenso wie „Sachse“ übrigens, was die Frage nach der Straffreiheit eines Vereines aufwirft, der sich selbst „Sachsen Leipzig“ nennt?

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, die hier wohl durchaus dem gesunden Menschenverstand folgt, sind weder der Begriff „Jude“ noch der Begriff „Jena“ diskriminierend, rassistisch oder rechtlich in irgendeiner Weise zu beanstanden. Die Zusammensetzung beider Worte hingegen sei „moralisch verwerflich“, aber eben „nicht vom Strafrecht zu fassen“.

Das kann man, wie wir, schade finden, weil es Dummköpfen und Rassisten Tür und Tor öffnet, mit gezielten Provokationen straffrei davonzukommen. Aber das ließe sich vermutlich nur ändern, wenn die Experten an der Alster umgehend eine Liste verfassen mit allen Worten, die für sich genommen in Ordnung sind. Zusammen gesungen aber umgehend strafbar werden. „Spiegel“ und „Spinner“ sollten unbedingt berücksichtigt werden.

Samstag, 12. April 2008

Nichts als die Unwahrheit

Manchmal dauert es nur ein kleines Weilchen, manchmal dauert es auch fünf Monate. Aber letztlich ist doch Verlaß darauf, dass es den Leitmedien irgendwann langweilig wird mit ihren eigenen ehernen Wahrheiten. Dann findet sich, nicht mehr auf Seite 1 und noch nicht auf Seite 5, sondern irgendwo ganz weit hinten versteckt, doch noch eine Geschichte, die eine Geschichte, die bis dahin ganz anders erzählt wurde, plötzlich ganz anders erzählt.

Die "Zeit" überrascht dieser Tage mit einem langen, langen Blick nach Mittweida, wo vor einem knappen halben Jahr einem Mädchen von vier Skinheads ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt worden war. So zumindest hatte es das Opfer erzählt, so zumindest hatten es die großen und die kleinen Medien wochenlang im Chor gesungen. Dass die Tat nie außerhalb der Fantasie des Mädchens stattgefunden hat, war zwar am ersten Tag klar, weshalb PPQ auf klaffenden Löcher in der Räuberpistole des Opfers schon am Tag nach Bekanntwerden der Tat hinwies. Dessenungeachtet gab es einen Preis für Zivilcourage und Beifall aus dem ganzen Land. Logisch, denn wie schreibt die "Zeit" jetzt treffend: "Eine Lüge ist umso effizienter, je besser sie die Erwartungen der Belogenen bedient".

Späte Einsicht, die in einen vierseitigen Artikel mündet, an dem nur eines auffällt - das eigene Versagen hat es nie gegeben. Der Beitrag ist aber ist dennoch erhellend,

"Im Rathaus sind Blumen abgegeben worden, spontan haben sich Demonstrationen gebildet. Bestürzte Bürger aus der Region haben Kerzen am Tatort aufgestellt, Fanpost und Geld geschickt an die tapfere junge Frau von Mittweida. Rebecca K. ist am Abend des 3. November 2007 einem kleinen Kind zu Hilfe geeilt, das von Rechtsradikalen drangsaliert wurde, und hat ihren Mut bitter büßen müssen: Die vier martialischen Gestalten haben sie gepackt und ihr mit einer skalpellartigen Waffe ein Hakenkreuz in die Hüfte geschnitten – obwohl sie sich nach Kräften gewehrt hat.

Diese Geschichte jedenfalls erzählte Rebecca K., und als Matthias Damm, Bürgermeister des sächsischen Städtchens, der 17-Jährigen in die Augen schaute, schenkte er ihr Glauben. Damm dachte bei sich: »Sollte sie gelogen haben, wird sie mir jetzt nicht ins Gesicht sehen können.« Doch Rebecca hielt seinem Blick stand. Heute weiß der Bürgermeister allerdings nicht mehr, was er von Rebecca halten soll. Fast alles, was die Polizei ermittelt hat, spricht dafür, dass das Mädchen sich diese brutale Szene bloß ausgedacht hat.

Im November jedenfalls schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Reporter und Kamerateams strömten nach Mittweida. Hatte man nicht geradezu auf das nächste Nazidelikt im Osten gewartet? Und jetzt hatte es sogar ein hilfloses Kind und ein unerschrockenes junges Mädchen getroffen! Die Polizei gab vorschnell bekannt, die Zeugin sei glaubwürdig.

Dabei gab es von Anfang an Ungereimtheiten in Rebeccas Geschichte: So ist sie nach ihrem traumatischen Erlebnis nicht einmal zur Polizei gegangen. Auch ihre Eltern erfuhren erst durch einen Verwandten von dem Überfall auf ihre Tochter, sie waren es, die Rebecca schließlich dazu drängten, den Vorfall anzuzeigen – neun Tage nach der Tat.

Auch von den zahlreichen Augenzeugen, die nach Rebeccas Angaben deren Martyrium tatenlos auf Balkonen stehend mitangesehen haben sollen, meldete sich keiner, nicht einmal, als 5000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt wurden. Die Polizei ermittelte zwar eine Sechsjährige, die das schikanierte kleine Kind hätte sein können, doch auch diese Spur löste sich im Nichts auf.

Blieb das in die Hüfte eingeritzte Hakenkreuz als einziger Beweis. Eine Rechtsmedizinerin hielt es für möglich, dass Rebecca sich die Wunde selbst zugefügt haben könnte, legte sich aber nicht fest. Erst als die Staatsanwaltschaft Chemnitz den Chef der Gerichtsmedizin Hamburg, Klaus Püschel, um ein Gutachten bat, kam Licht in die Sache. Püschel ist ein Fachmann für selbst beigebrachte Hautläsionen in Hakenkreuzform, er hat darüber zahlreiche Aufsätze veröffentlicht und verfügt über eine ansehnliche Fotosammlung von blutunterlaufenen Hakenkreuzen auf Stirnen, Bäuchen, Armen und Beinen – die alle von der Hand der vermeintlichen Opfer stammen. Als Püschel die Fotos von Rebeccas Wunden analysiert, hat er keinen Zweifel, dass es sich um Selbstbeschädigungen handelt...

kompletter Text hier

Böse, böse Bahn

Erst macht die anstehende Privatisierung der Deutschen Bahn
das Bahnfahren teurer, wenn auch langsamer, als es die bisher ausgebliebene Privatisierung in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht hat. Und jetzt hiobsbotschaften mitteldeutsche Medien auch noch die Nachricht ins Land, dass "zwei Drittel der IC-Verbindungen bei einer Privatisierung bedroht" (HZ) seien.

Unter Bezug auf dieselbe Studie, die schon den blühenden Unsinn zum Teurerwerden durch Privatisierung goß, heißt es nun, "unrentablen Strecken im Fernverkehr droht bei einer Privatisierung der Deutschen Bahn das Aus".

Genannt werden dann von den "Experten der Beratungsagentur KCW" (HZ) 16 Städte, die "ihre IC-Verbindungen verlieren könnten".

Selbst wenn sie das nicht nur "könnten", sondern täten, würde sich das Tempo des Schrumpfens im Fernverkehr damit ähnlich wie der Anstieg bei den Preisen entschieden verlangsamen: Seit dem Jahr 2000 kappte die Deutsche Bahn 24 Städten den direkten Anschluss ans Fernnetz, für 20 weitere Städten verschlechterte sich die Anbindung an IC und ICE. Steht in derselben Studie. Ähm, privatisiert werden musste das Staatsunternehmen dazu keineswegs.

Freitag, 11. April 2008

Adidas macht Mel Gibson traurig


So ist das, wenn große Lebenslügen zerbrechen. In einem Moment noch alles schön, perfekt fast. Und im nächsten nur noch Verzweiflung, Jammer, tiefe Enttäuschung. Für einen Siegertyp wie Mel Gibson ein ganz neues Gefühl - und deshalb nur umso schwerer zu ertragen.

Schuld an der Tragödie des Mimen aus Peeksville ist der deutsche Sportkonzern Adidas. Der hat im Streifenstreit mit den Modehäusern H&M und C&A einen Etappensieg errungen: Jacken mit zwei Streifen, wie sie H&M und C&A verkauft hatten, können von Käufern leicht mit Jacken mit drei Streifen verwechselt werden, wie sie Adidas traditionell edel und teuer in China, Thailand, Vietnam und auf den Phillipinen nähen lässt, wo auch H&M und C&A ihre Kleidung fertigen lassen.

Da liegt Verwechslungsgefahr nahe. Die EU-Richter gaben Adidas insofern Recht, als dass die Verwechslungsgefahr maßgeblich für den Markenschutz sei. Ein wichtiger Einwand, gerade vor dem Hintergrund der persönlichen Geschichte von Gibson: Der hatte in "Lethal Weapon 4" eine Jacke mit zwei Streifen getragen, war aber fest überzeugt, es handele sich "um eine echte Adidas".

IOC übernimmt Macht in Tibet

Mitten in der "olympischen Krise" (FAZ), die IOC-Präsident Jacques Rogge jetzt eingestanden hat, übernehmen die Olympioniken die Macht in der umstrittenen Bergregion. So hat das Internationale Olympische Komitee, in den vergangenen Jahren bekannt geworden durch mannigfaltige Skandale, Bestechungsaffären und grenzenlosen Nepotismus, hat in einem ersten Schritt stellvertretend für die Zentralregierung in Peking den Weg des Olympischen Feuers durch Tibet abgesegnet.

„Das Exekutivkomitee hat die geplante Route nochmals diskutiert und ihr zugestimmt", teilte Rogge mit. Lange hatte man offenbar erwogen, der Volksrepublik China das Veranstalten eines solchen Fackellaufes über das mit einer kurzen Unterbrechung im vergangenen Jahrhundert fremdverwaltete Gebiet zu untersagen. Nun aber ist das nicht mehr nötig, Tibet steht unter dem Schutz des IOC, die Flamme kann kommen. "Das gilt auch für Tibet und seine Hauptstadt Lhasa“, sagte der neue Verwaltungsdirektor Jacques Rogge in Peking.

Der Fackellauf wird die südtibetische Stadt Shannan Diqu nun am 19. Juni erreichen, am 20. und 21. Juni steht Lhasa auf dem Programm. Dort soll das Feuer auch mit der zweiten Flamme wieder vereinigt werden, die im Mai auf den Mount Everest getragen wird. Im Moment denkt das IOC noch darüber nach, wie es die Krisen in Tschetschenien, der Westsahara und Darfur lösen wird. Da die wegen der öffentlichen Tibet-Begeisterung derzeit aber als nicht so wichtig gelten, wird die überregionale Großregierung mit langgedienten Menschenrechtskämpfern wie dem Syrer Samih Moudallal, dem nigerianischen General Henry Edmund Olufemi Adefope und dem Togolesen Matthia Anani sich mit seiner Entscheidung noch Zeit bis nach den Spielen lassen.

Wer hat es gesagt?

Zur Zeit, als das Buch verfasst wurde, war dieser Gedanke, dass den Menschen Willenskraft gegeben sei, damit sie zwischen Wahnsinn einerseits und Irrsinn andererseits wählen, ewas, das ich belustigend fand und für möglicherwiese durchaus wahr hielt.