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Mittwoch, 23. Dezember 2015

Beim ersten Regen: Wie die Sonnenschein-Gemeinschaft Europa ihre Regeln über Bord wirft

Was wären denn das für Regeln, gülten sie nicht auch, wenn sei niemand mehr beachtete? Schwache Regeln, nicht mehr existente Regeln. Regeln, die nur noch beweisen, dass der, der sie erlassen hat, nicht mehr in der Lage ist, ihre Gültigkeit durchzusetzen. Ein Kindergarten, in dem die Kleinen Alkohol trinken. Ein Stadion, in dem der Mob auf dem Rasen tanzt. Oder eben eine Völkergemeinschaft, die Verträge darüber unterschrieben hat, wie alle am selben Seil ziehen, dieselben Vorschriften beachten und dieselben Ziele verfolgen wollen. Und die dann doch beim ersten bisschen schlechten Wetters auseinanderjagt wie ein Kakerlakengeschwader, wenn das Licht angeht.

Deine Regeln sind nicht mehr meine Regeln. Das Hemd ist näher als die Hose. Der Schwanz wedelt mit dem Hunde. Natürlich würden die Regeln weiter gelten, sagt Martin Schulz, ein Mann, der die Fähigkeit besitzt, Schüsse erst zu hören, wenn die Kugel zu Staub zerfallen ist. Gelten heißt natürlich aber nicht, dass sie auch eingehalten werden: Der Mörder mordet schließlich auch, ohne dass dadurch der Mordparagraph des Strafgesetzbuches in seiner Wirksamkeit beeinträchtigt wird. Ganz im Gegenteil: Jeder Mord macht noch deutlicher, wie sehr der Mordparagraph benötigt wird!

Jetzt fragt man einander nicht mal mehr, und niemand widerspricht. Not kennt kein Gebot, nationale Not keine internationalen Verträge. Wegen zusätzlicher Ausgaben für die Innere Sicherheit wird Frankreich die Schuldenobergrenze des Euro-Stabilitätspakts nach den Worten von Premierminister Manuel Valls „zwangsläufig überschreiten“. Protest regt sich nicht, auch die letzte Griechenlandrettung ist ja schon wieder so lange her, dass niemand sich mehr erinnert, wie hart die nie eingehaltenen Auflagen waren, damals, im August. „Europa muss das verstehen“, sagte Valls.

Es ist eine große, eine noch kaum einzuschätzende zivilisatorische Leistung der europäischen Staatengemeinschaft, die Notwendigkeit geltender Regeln bei gleichzeitiger völliger Nichtachtung ihres Inhaltes in den vergangenen Jahren entdeckt und wie planmäßig ausgebaut zu haben. Eine Regel ist eine Regel, aber nie ist klar, ob nicht ihre Auslegung das eigentliche Regelrad ist. "Wenn man ständig nur auf die eigene Interpretation pocht, wirkt das schnell oberlehrerhaft", sagt Schulz, der deshalb seit Jahren im Nachtrab zur Realität interpretiert. Verträge und Völkerrecht existieren nur dadurch, dass alle sie respektieren. Gelingt es aber erst, den Respekt vom Inhalt zu lösen, dann verschwindet er nicht etwa, sondern wird zu reiner, unangreifbarer Größe.

Eine Regel, auf die niemand achtet, ist wie ein Fußweg, neben dem ein Trampelpfad zum Abkürzen einlädt. Er existiert, weil ihn alle benutzen. Weil ihn alle benutzen, gibt es niemanden, der jemanden wieder auf den Fußweg zurückrufen könnte, ohne ausgelacht zu werden.

Das ist die EU, 23 Jahre nach ihrer Gründung. Eine Zugewinngemeinschaft, in der bei Sonnenschein blaue Briefe angedroht wurden, weil Bordsteinkanten in Mitgliedsländern Zentimeter zu hoch ausgefallen waren. Und die bei Regen beginnt, sich selbst gegenseitig die Wäsche zu klauen. „Muss doch rein“, rufen alle, „wird doch nass“.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das mit dem Regen finde ich gut. Gibt es auch hier bei Rosenstolz

https://www.youtube.com/watch?v=yUjgrsvlswE

und beginnt passend mit "Fischweib", welches hier erklärt wird

https://www.openthesaurus.de/synonyme/schimpfen%20wie%20ein%20Fischweib

Beste Grüße vom Preußen

Anonym hat gesagt…

Das ist aber schon ein ordentlicher Platzregen...

Borsig hat gesagt…

Trotzdem herrscht hier noch Recht und Ordnung. Das merkt der Michel, wenn er ein Blitzerfoto nicht rechtzeitig bezahlt. Da läuft die Apparatschik-Maschine an. Aber alle vier Jahre haben wir ja die Wahl zur Wahl - alternativlos.

Fröhliche Weihnachten an die Gemeinde