Google+ PPQ: Heizen mit Hartz-4

Mittwoch, 10. Februar 2010

Heizen mit Hartz-4

Ein kleines Detail in einem der Berichte zu Hartz-4 gestern erzählte eigentlich die ganze düstere Geschichte der Bundesrepublik, eines Landes, in dem die "Schere zwischen Arm und Reich" (Angela Merkel) immer weiter "auseinanderklafft" (Sigmar Gabriel). Nein, die Geschichte des "Tagesthemen"-Berichtes ist nicht der Vogelbauer in der Ecke der Hartz-4-Klägerfamilienküche mit dem Vogel drin, für dessen Unterhalt die Solidargemeinschaft der starken Steuerzahlerschultern ebenso gern aufkommt wie für das niedliche Hündchen, das sich neben der später in die Kamera klagenden Klägermutter auf die Couch der fünfköpfigen Familie Kerber-Schiel aus Dortmund kuschelt, die seit fünf Jahren auf Hartz-4 angewiesen ist, wie dpa meldet. Es ist ein Grundrecht, sich auf Staatskosten einen Piepmatz und ein Hündchen halten zu dürfen, wenn einem danach ist, und gleichzeitig darauf zu klagen, dass einem mehr Geld für die Unterstützung der eigenen Kinder zur Verfügung gestellt wird. Die rund 2500 Euro, die es bisher gibt, reichen zwar augenscheinlich für Hund und Vogel, nicht aber für die Schulsachen der Kleinen.

Das ist grundgesetzwidrig, haben die Verfassungsrichter beschlossen. Eine Ohrfeige für den Gesetzgeber, der nur die Interessen von Hund, Katze und Vogel bei der Berechnung der Hartz-4-Sätze berücksichtigt hat, nicht aber die der Kinder. Der Sohn der Klägerfamilie Kerber-Schiel macht das passende Gesicht, während er für die "Tagesthemen" vor Traurigkeit schmollend auf dem Wohnzimmersofa Pose sitzt. Draußen klirren fünf Grad Frost. Drinnen hat es Vater Sozialstaat klimaneutral so schön warm geheizt, dass der Junge in kurzen Hosen, barfuß und sogar ohne Socken traurig sein kann.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Karin Kerber-Schiel, Gigi Deppe, Edita Budimir..da fällt mir nur noch das alte Liebermann'sche Zitat dazu ein..

Anonym hat gesagt…

Wie witzig! Selten so gelacht!
Wir hatten z.B. schweren Herzens versucht, unsere beiden Katzen im Tierheim abzugeben. Aber alle Tierheime im Umkreis von 100Km waren schon rappelvoll und hatten abgewunken! Und jetzt? Sind die beiden immer noch da und werden mit durchgefüttert. Was ist die Alternative? Umbringen? Irgendwo aussetzen?
Zu Beginn unseres H4-Bezuges hatte ich noch gesagt, diese Sauerei gönne ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind! Nach all den Anfeindungen, widerlichen und dummen Gerüchten und von grandiosem Unwissen gebildeten Vorurteilen sage ich: ich gönne es jedem! Jeder sollte diese Erfahrung mal machen, um überhaupt zu wissen, um was es hier wirklich geht!

Anonym hat gesagt…

meine Katze hat gelernt sich selbst zu versorgen..die ist nicht auf Whiskas vom Herrchen angewiesen

Anonym hat gesagt…

mein hund nicht. er weigert sich schlicht, jagen zu gehen

Kessy hat gesagt…

Ich gönne Harz 4 eigentlich niemandem,bis vor kurzem jedenfalls.Jetzt sage ich,ich gönne Harz 4 ganz besonders unseren Politikern.

nwr hat gesagt…

@Anonym2
"Was ist die Alternative?"

Aufessen! Die Katzen müssen dann überhaupt nicht mehr hungern und Sie wenigstens für ein paar Tage nicht.

PS.: Wie finanzieren Sie eigentlich Ihren Internetzugang?

LePenseur hat gesagt…

@nwr:
Katzen in Polenta sind angeblich eine norditalienische Spezialität an kalten Wintertagen ;-)

Anonym hat gesagt…

der Internetzugang zählt unter Teilhabe und Würde. Im Filchen der Mann ja doch auch einen Flachbildschirm, 19 Zoll immerhin würde ich schätzen. das hat er sich verdient

derherold hat gesagt…

Bei *Schnee und Eis* heizen, daß man im Wohnzimmer nur ("obenrum") mit Unterhemd bekleidet sitzen kann, war auch mal östlich der Elbe durchaus en vogue ...
... bis Nebenkosten(abrechnungen) eingeführt wurden. ;-)

"Katzen abgeben" ?
Piepmatz+Hund anschaffen, obwohl *hüstel* drei Kinder keine Schulbücher haben ... und die Ehefrau und Mutter nicht arbeiten gehen kann, weil sie sich um die Kinder kümmern muß und der Mann nicht arbeiten gehen kann, weil er nicht arbeiten gehen kann.

Als zynisches (ehemaliges) Schlüsselkind würde ich sagen, daß in dem Alter, in dem die Kinder sind, der mind. halbtags vorhandene Vater ausreichen sollte zur "Tagesbetreuung".

Für fiese Menschen, also z.B. mich, ist es halt auffällig, daß immer die Gleichen die gleichen "Begleiterscheinungen" zeigen.
Und ich wäre bereit, ein Flasche Wilthener Goldkrone darauf zu verwetten, daß eine Familie X-Y noch nie ohne Wohlfahrt ausgekommen ist - gleichgültig, wie der Gesundheitszustand des Mannes ist, oder wieviele Kinder im Haushalt sind. Und ich würde auch wetten, daß eine "sich tapfer an die Öffentlichkeit Trauenden" in einem familiären Umfeld lebt, in dem Sozialhilfe seit 1970 zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörte.

Über "Würde" könnte man diskutieren. Ob das allerdings jedem gefiele, lasse ich außen vor.

Anonym hat gesagt…

seit 2005 auf hartz IV..und trotzdem dann in 2008 ein weiteres kind fabriziert und nun auf die hilfe des staates hoffen! endweder sind die kerber-schiels gnadenlos blöd oder dahinter steckt ein cleveres kalkül..

ppq hat gesagt…

also dumm sind die nicht und an selbstbewusstsein mangelt es ihnen auch nicht. die stehen halt dazu, dass ihnen was zusteht, und wenn das aus ihrer sicht nicht reicht, wie sich vadder staat kümmert, dann zwingen sie ihn. soweit ich die nach dem kurzen film richtig einschätzen kann, sind das keine intellektuellen, die viel geld für bücher sinnlos zum fenster rausschmeißen, sondern einfache, ehrliche leute, wie man früher sagte, die am anfang sicherlich ungewollt an der erarbeitung des eigenen unterhalts gehindert wurden, später aber bauernschlau gemerkt haben, dass es auch so geht - und das nicht mal übel.

die klage hat ihnen mit sicherheit jemand eingeblasen, wer die frau anschaut, weiß, dass die da nicht selbst drauf gekommen ist.

Anonym hat gesagt…

gestern oder vorgestern in der welt: http://www.welt.de/die-welt/debatte/article6311869/Wie-man-mit-viel-Geld-Armut-vermehrt.html

Anonym hat gesagt…

Das Thema scheint gerade angesagt :-)

Hier ein Link zu einer Provinzzeitung in der auch lebhaft diskutiert wird: http://www.wiesbadener-kurier.de/nachrichten/vermischtes/8384855.htm

derherold hat gesagt…

*wiesbadener-kurier*:
Wenn es zur demographischen Katastrophe kommt, kann Petra K. mit ihren fünf Kindern kein Vorwurf gemacht werden. Unredlich ist es, wenn dann vom Journalisten "Zusatzbedingungen" eingeführt werden, wie Ratenzahlungen, die (angeblich) notwendig sind.

Ich glaube, daß eine Mutter mit fünf Blagen ausgelastet ist ... andererseits dürfte es nicht so viele geben, die ein monatliches Netto-Einkommen von (umgerechnet) mehr als 3.000 Euro haben. Wenn eher 4-4.500 netto als Armutsgrenze gelten sollen, muß man fragen, wann sich die Aufnahme einer Beschäftigung lohnt.

Wir hatten "im Westen" die Diskussion wohl bereits in den 70-igern: Die folgende massive Lohnerhöhung im ÖD zog später die komplette Auslöschung des sog. Einfachen (Beamten-)Dienstes nach sich, weil die Genossen die zu teuer gewordenen Büroboten, etc. wegrationalisierten.
Ist das die Lösung ?

VolkerStramm hat gesagt…

Entsetzlich, dass es 65 Jahre danach schon wieder so weit ist!

Anonym hat gesagt…

Wenn die HartzIVlerin sich auf Tagesmutter versucht, zwei Kinder aufnimmt, die Zahlungen des Jugendamt annimmt, von den Eltern noch knappe 300€ zusätzlich im Monat einnimmt.... und nach einem halben Jahr das ganze hinschmeißt weil es sich ja nicht lohnt.
Na, dann läuft doch alles prima.
(Ist nicht zum lachen, unser Bengel ist jetzt wieder zuhause bei Muttern)
Dumm, dreißt und raffgierig gesellt sich bekanntlich gern.
Allerdings nicht nur beim Prekariat.

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Bürgermeinungen hat gesagt…

Lebst Du noch, oder "hartzt" Du schon?

[...]Nun kommt ein Mensch aus dem Arbeitsmarkt, auf dem er bereits schon seit Jahren ausgebeutet, ebenfalls schikaniert und immer wieder mit der Drohung um den Verlust des Arbeitsplatzes zu Mehrarbeit, Urlaubsverzicht und Sonderleistungsverzicht gezwungen wird, in diese Maschinerie hinein. Bereits geschädigt durch den wachsenden Druck, die Schikanen auf dem Arbeitsmarkt oder heute ja auch bereits in den höheren Schuljahrgängen, erhofft er sich nun in seiner prekären Situation Hilfe. Nein, die bekommt er dort in den wenigsten [...]

Lebst Du noch, oder "hartzt" Du schon?

Anonym hat gesagt…

Gebt der Familie doch meinetwegen die 300 Piepen im Jahr mehr, so quasi als KP III. Das tut niemanden weh und hilft vllt. den ebenso steuelich alimentierten Spaßbädern beim wirtschaftlichen Leben.

Schade, dass die Analyse in großen Teilen das eigentliche Problem außen vor läßt. Seit Jahren schon sitzen Merkel und Co. die drigenden Probleme der Gesellschaft aus, und so mündet es in einem Treppenwitz, dass das BVG (da wo die Gebrüder Kirchhof sind oder waren), mal wieder die Fragen der Nation stellen muss anstatt diese zu beantworten.

Und bei all den ganzen Ungerechtigkeiten um Hartz IV darf man nicht vergessen, daß inzwischen eine ganze Klientel davon sehr gut leben kann. Und das sind nicht die Bezieher dieser Leistung!

Denn genauso ein Treppenwitz ist in der Tatsache zu sehen, dass ein ehemaliger Leiter von Sozialbehörden in den neuen und dann alten Bundesländern sich plötzlich zum Rächer der Geächteten aufschwingt. Oder doch nur vom Saulus zum Paulus mutiert. Vllt. kann Herr Reucher der armen Familie aus Dortmund von seinem sicher nicht unerheblichen Honorar ein bißchen unter die Arme greifen und den Besuch im Spaßbad ermöglichen.

ppq hat gesagt…

@anonym: wenn ich die aussagen von frau kerber richtig erinnere, möchte sie gern 300 euro mehr - aber im MONAT

Anonym hat gesagt…

Hurra, das Niveau steigt, Bildzeitungspolemik bei ppq.
Das war schon mal viel besser hier.
Die Regierung verschenkt Milliarden an Hoteliers, die trotzdem die Preise nicht senken. Aber alle HartzIVler sind arbeitsscheu und faul und saufen und haben riesigen Flat-Tv's.
Dass kann ich bei A. Springer auch lesen, vielleicht stecken ja hier die gleichen Journalisten dahinter....

panzerbummi hat gesagt…

@anonym: Wo siehst du im Ausgangsbeitrag irgendwelche "Bildzeitungspolemik?" Würde mich schon mal interessieren.

nwr hat gesagt…

@Anonym XY
"Wenn die HartzIVlerin sich auf Tagesmutter versucht, ..."

Das Problem ist, daß wohl kaum jemand seine Kinder in die fürsorglichen Hände des Prekariats geben wird, außer das Prekariat selber. Und das nutzt keine Tagesmütter, sondern die postsozialistischen Kinderverwaltungseinrichtungen.

300 Euro mehr im Monat? Die sollten soviel bekommen, daß es gerade noch für eine kalte Kellerwohnung und ein Stück Brot reicht. Dann erhielten die Steuerzahler wieder mehr Geld, und könnten das wiederum für Dienstleistungen ausgeben, die vom Prekariat durchgeführt werden können: Müll sammeln, Wege fegen, Wohnungen säubern, Schuhe putzen ... Und man wird staunen, wie die danach lechzen würden, Schuhe putzen oder Müll sammeln zu dürfen, nur damit die Kellerwohnung warm wird und das Stück Brot mit Butter beschmiert werden kann.

Aber nein, das ist ja alles unter der Würde und nur importierten Ausländern zuzumuten. Weitaus würdevoller ist es für das bundesdeutsche Herrenmenschen-Prekariat, den von arbeitenden Steuerzahlern zwangsweise eingezogenen Lohnanteil zugewiesen zu bekommen.

ppq hat gesagt…

@ Anonym: Von "alle" und "riesigen" Flachbildschirmen war nicht die Rede. Sondern davon, dass die Familie behauptet, mit den Sozialleistungen, die die Solidargemeinschaft ihr zahlt, die eigenen Kinder nicht in Würde aufziehen zu können - während sie gleichzeitig Geld genug hat, sich einen Hund zu halten, einen Vogel zu füttern, einen Flachbildschirm an den PC zu stöpseln und die Wohnung mitten im Jahrhundertwinter so kuschelig zu heizen, dass Sohnemann barfuß und im kurzen Höschen durch die Bude springen kann.

Darf man das nicht anmerken? Weil die Bild mal eine Kampagne gegen Hartz-Vierer gefahren ist? Sind die seitdem heilig? Unantastbar?

Wenn das so ist, hast du Recht. Es wäre unentschuldbar. Das nächste Mal machen wir es wie die ARD - Kamera draufhalten und nur ja keine Fragen stellen. Da macht man sich nicht nur die Geschichte kaputt, von der man ja vorher wusste, wie sie gehen wird, sondernman kriegt auch noch Ärger mit Volksbeaufsichtigern und Meinungsvorgebern wie Dir. Und das wollen wir ja nicht.

Gandolf hat gesagt…

Stimmt Anonym, übelste Polemik, noch unterhalb Bildzeitung. Das ist schon fast Zeit-Niveau. Wie wir alle wissen, reissen sich alle HartzIV-ler um Arbeit, die gar nicht dreckig und schäbig genug sein sein. Sie sind strikte Abstinenzler, Nikotinverweigerer und boykottieren das Fernsehen auf ihren kleinen 37cm-Schwarzweiß-Glotzen, insbesondere um die Mittagszeit, so das die Sender schon überlegen, das Tagesprogramm zu streichen und erst um 20 Uhr zu beginnen, wenn der arbeitende Teil der Bevölkerung die Flimmerkiste anschaltet. Statt dessen sind die öffentlichen Büchereien voll von Hartz-IV-Empfängern, die sich am liebsten immer gleich zehn Bücher auf ein mal ausleihen würden. Doch die Bibliotheksleitung musste die Zahl aufgrund des Ansturms auf 5 begrenzen. Insbesondere sind die Bücher über Quantenphysik, Philosophie nach Heidegger und Kunstgeschichte immer rasch vergriffen.


PS: Immer genau auf den Punkt! Grösstes Lob und Dank an alle, die das hier machen.

VolkerStramm hat gesagt…

PPQ, meiner Erfahrung nach ist es immer so, dass solche Diskussionen bei der „Zeitung mit den großen Buchstaben“ und Auschwitz enden.
Ich glaubte hier das zu verhindern, indem ich die Schwachsinn-Phrase von „65 Jahre danach ...“ gepostet habe. Hat leider auch hier nicht geholfen.
Never feed a troll. Wenn die Beschuldigung nicht substanziiert ist, am besten entweder gar nicht antworten oder die Frechheiten einfach zurückspiegeln.

Gustav Fröhlich hat gesagt…

@Volker Stramm: aber selbst der Bild-Zeitung kann doch ab und zu mal ein bißchen Qualitäts-Journalismus passieren..

ppq hat gesagt…

@volker: klar, so ist das. aber nur deshalb jemanden unwidersprochen unsinn schreiben lassen? meiner erfahrung nach lassen sich solche leute auch mit argumenten vom hof jagen