Google+ PPQ: Rache aus der Wahlkabine

Dienstag, 12. Oktober 2010

Rache aus der Wahlkabine

Es ist diese Art Schweigen, das ausbricht, wenn jedes gesprochene Wort wie ein schriller Alarmton klingen würde. Wahl in Wien und die FPÖ holt 27 Prozent der Stimmen, fast doppelt so viel wie die 14,8 Prozent von 2005, wenig weniger, als die Grünen derzeit in Stuttgart bekämen und und doppelt soviel wie bei der letzten Wahl vor fünf Jahren.

Damals war selbstverständlich Jörg Haider schuld, der "Populist" (Der Spiegel), den Europa zeitweise zum Anlass genommen hatte, Österreich boykottieren zu wollen. Dann wickelte sich Haider um einen Baum, der gar nicht im Wege stand, und das Problem schien aus der Welt. Kein Haider, keine neuen Nazis in der alten Reichsmark. Eine ganz einfache Rechnung, etwa vergleichbar mit: Kein Fieberthermometer im Haus, keine Grippe in der Familie.

Und dann reicht es plötzlich auch ohne den Führer der Bewegung wieder zur alten Stärke. Da bricht Ratlosigkeit aus in den deutschen Redaktionsstuben, den Edelfedern stockt der Tintenfluß, die Schreibmaschinengewehre schießen maulfaul mit knappen Erwägungen nach dem Muster "FPÖ triumphiert mit Anti-Islam-Wahlkampf".

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Angst vor den Angstmachern vor dem Islam. Seehofer fühlt es, Merkel weiß es, die Amazon-Rezensionen von Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" ließen es früh ahnen. Wien ist überall, Wien ist vor allem nebenan. Und Wien!

In "Alles nur Faschisten? Über das Ende des Traums von Multikulti" beschreibt Ulrich Brunner in der renommierten "Presse" mit seltsamer Leichtigkeit und ohne jedes Soziologengewäsch, was da vorgeht, in wem und warum ein um Pathos bemühter Präsident wie Christian Wulff davon nichts wissen kann und mag. "In vielen Volksschulen beträgt der Anteil von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache bis zu 90 Prozent. Wer kann, gibt sein Kind in eine andere Schule. Wer keine Möglichkeiten hat, auszuweichen, rächt sich spätestens in der Wahlzelle", heißt es bündig. Vor zwei Jahren wäre Brunner, der als Korrektor in der Arbeiter-Zeitung begann und schließlich Intendant des ORF-Landesstudios Burgenland wurde, für diesen Beitrag sarraziniert worden. Diesmal versichert "Die Presse" noch "Der Inhalt dieses Beitrags spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und steht in keinem Zusammenhang mit den Ansichten der Mitarbeiter der "Presse"." Beim nächsten Mal wird auch das wegfallen können.

Aus Deutschland kommen derweil bärbeißige Backanweisungen für künftige deutsche Populisten. Man benötige zwingend ein "Talent zur Angstmache" analysiert die Süddeutsche messerscharf, gestatten, "Österreichs neuer Rechtsaußen" stellt die RP knirschend vor, "Harter rechter Einschlag in Wien", gruselt sich das Neue Deutschland.

So kann es weitergehen, werden sie bei der FPÖ sagen. Oder wie Ulrich Brunner formuliert: "Die Bundesregierung muss handeln und sich von allen Multikulti-Träumen verabschieden. Ein Staatssekretariat für Integration mag hilfreich sein, wenn aber sonst nichts geschieht, wird Strache beim nächsten Mal Wiener Bürgermeister. Oder Bundeskanzler." Zu befürchten ist: Nicht nur in Österreich.

Kommentare:

VolkerStramm hat gesagt…

Was hat er den Verbrochen, der Haider.
Nur einen Populisten schilt man ihn, sonst nichts?

panzerbummi hat gesagt…

Kann mal bitte jemand die Rechtschreibung wenigstens annähernd den Standards anpassen? Danke.

Friederich hat gesagt…

Schon wieder Wien. Die haben eine lange islamophobe Tradition.

nwr hat gesagt…

Zitat: Und zu befürchten ist: Nicht nur in Österreich.

Wieso, wollen die Straches sich die BRD in ihr Großösterreich einverleiben?

ppq hat gesagt…

so läuft es doch immer, oder?

derherold hat gesagt…

Zur Zeit wird aber noch der Volkssturm vorgeschickt: Sarrazin, Wehler, Brunner.

Interessant allerdings, wie die FPoe, die für Außenstehende 2005 *platt* zu sein schien, als Stehaufmännchen reüssiert. Und das eben ohne den Lebensmenschen.

Le Penseur hat gesagt…

@ppq:

Zu befürchten ist: Nicht nur in Österreich

Nur eine Frage: warum zu befürchten?

Zu befürchten ist eher, daß durch Wahlfälschungen und nicht im Weg Straches stehende Bäume, um die er gewickelt wird, das verhindert wird, um "de Paddei" (alias SPÖ)an der Spitze, und "de Goaliziaun" (alias SPÖVP) an den Fleischtöpfen der Macht zu halten.

ppq hat gesagt…

es gehört sich einfach so, den satz so zu verwenden, wie ihn dpa auch verwenden würde, wenn es um einen reinen bericht und nicht um einen kommentar geht. da ist das ein wort zu-befürchten-ist,-dass-usw. je nachdem, was gerade nicht gewollt ist und nicht gemocht wird.

ich kann da gar nichts dafür, das ist vorgabe, im mordernen deutsch geht es nicht anders

nwr hat gesagt…

Ja, ppq, ich hatte das auch so verstanden. Schließlich muß man heute immer das Schlimmste befürchten, selbst die Furchtlosesten müssen das. Das verlangt schon allein der knoppäugige Guido, wenn er seinen mordgrauen Diktator auf der Mattscheibe tanzen läßt.