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Samstag, 16. Oktober 2010

Weiße Wölfe, schwarzer Mann

So viel Spaß für wenig Geld und das auch noch in einem mehr als 40 Jahre alten Film. Humor ist nicht eben das hervorstechendste Merkmal des DDR-Kinos aus der Defa-Schmiede, doch gelegentlich ließen es die Ausstatter der großen Pferdeopern mit Gojko Mitic geradezu obszön laut krachen. In "Weiße Wölfe" etwa, dem einzigen tragischen Theaterstück innerhalb der losen Indianerwestern-Serie, die die magische Gruppe "Roter Kreis" zwischen 1966 und 1975 zur Stärkung der internationalistischen Verbundenheit zwischen Rothäuten und Rotgardisten drehte.

Der Spaß hängt hier an der Wand hinter dem tapferen Sheriff Pat Patterson, gespielt von Holger Mahlich, und dem ehrlichen Kaufmann Sam Blake, verkörpert von Helmut Schreiber, und er sieht aus wie ein Fahndungsplakat. "5000 Dollar" gibt es für die Ergreifung eines "James Brown" - zum Kinostart der "Wölfe" rein zufällig gerade mit dem Lied „Say It Loud – I'm Black And I'm Proud“ auf dem ersten Höhepunkt einer Weltkarriere angelangt. Brown, der sich später als "Sexmachine" inszenieren wird, avanciert mit seinem Bekenntnis zur eigenen Hautfarbe zum Idol der bürgerbewegten schwarzen Bevölkerung. Die Weißen aber, offenbar bis hin ins sozialistische Hollywood Babelsberg, verzeihen ihm das nicht in diesem zweiten Teil der Mär vom edlen Wilden Gojko Mitic, der die "Spur des Falken" fortsetzt und erstmals mit dem Tod des Helden enden wird.

Doch im Unterschied zum Häuptling Weitspähender Falken, den die Knechte der Konzerne, angeführt vom großen Rolf Hoppe mit schiefem Hals, am Ende der kammerspielartigen Pferdeoper stellen und in Person von Gojko Mitic feige ermorden, ist kein Herankommen an James Brown, über Jahre hinweg nicht. Mitic und Hoppe feiern Auferstehung im nächsten Indianerfilm "Tödlicher Irrtum", in dem Armin Mueller-Stahl den Horst Mahlich spielt, der das gute Gewissen der westlichen welt verkörpert, aber am Ende natürlich einsehen muss, dass der geballten Macht der Geldhaie kein ehrliches Gewissen gewachsen ist. Erst 1988, genau 20 Jahre nach der letzten Klappe für "Weiße Wölfe", reist der Soulsänger zum ersten Mal in die DDR ein. Er steht in Ostberlin auf der Bühne und singt, was ein „Godfather Of Soul“ so zu singen hat. Sheriff Patterson kann ihm schon nicht mehr zuhören: Horst Mahlich war schon Mitte der 80er Jahre in den Westen ausgereist.

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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das nenne ich Auge fürs Detail.

ppq hat gesagt…

erfolgte im rahmen der debatte "hingucken!", war also ehrensache

axt hat gesagt…

...weil James Brown in den USA ja auch ein derart seltener Name ist...übel an den Pferdehaaren herbeigezogen.

Mit "dem einzigen tragischen Theaterstück innerhalb der losen Indianerwestern-Serie" outet sich der Schreiber als Amateurgucker, der eben _nicht_ die DEFA-Indianerfilme kennt.

Sicher stirbt Gojko Mitić als Weitspähender Falke im 4. DEFA-Indianerfilm "Weiße Wölfe" erstmals, dramaturgisch folgerichtig, jedoch später im 7. als Tecumseh erneut - ein Jahr später hat man Osceola nur "Das ist der Krieg." (und zwar der 2. von 3 Seminolenkriegen) sagen lassen, während er in der Realität später in US-Gefangenschaft gestorben ist.

Auch so haben mehrere DEFA-Indianerfilme tragisch geendet, ob nun mit dem Tod Shave Heads Halbbruder Chris Howard (Armin Müller-Stahl) in "Tödlicher Irrtum" oder Ulzanas Frau Leona (Renate Blume) in "Ulzana".

Übrigens wird heute Rolf Hoppe, unvergessen insbesondere als Bashan in "Spur des Falken" und "Weiße Wölfe" 80 Jahre.

http://soekcms.de/hoftheater/

ppq hat gesagt…

du zählt "tecumseh" und "osceola" nicht wirklich zu den ddr-indianerfilmen, oder?

wenn doch, unterscheiden wir uns in dem punkt. ich zähle übrigens "blutsbrüder" auch nicht dazu, ebensowenig "der lange ritt zur schule" und "der scout"