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Montag, 27. August 2018

John McCain: Vom Feind zum Helden


Der Feind deines Freundes ist dein Feind, das bekam John McCain damals zu spüren, als er es wagte, gegen den in Deutschland längst heiliggesprochenen Barack Obama um die amerikanische Präsidentschaft zu kandidieren. 


Schonungslos deckten deutsche Leitmedien die fragwürdigen und unethischen Methoden des greisen Republikaners auf: Wie er Anrufroboter einsetzte, die Wählen erzählten, Barack Obama liebe Terroristen, töte Kinder und verachte seine Wähler. Wie er mit digitalen Mitteln versuchte, unseren Mann aus Chicago zu verhindern, indem er behaupten ließ, "Barack Obama is putting Hollywood above America, he doesn't share our values". Barack Obama zieht Hollywood den USA vor, heißt das, er teilt unsere Werte nicht.

Skrupelloser Kriegsheld


John McCain, der Kriegsheld, handelte skrupellos: "Obama - Terroristenfreund" penetrierte er seine Zielgruppe über Festnetz und Briefkasten, berichteten deutsche Medien. Verkommen, ekelhaft, gewissenlos! "Mob-Mengen" bei seinen Auftritten wurden immer aggressiver, wo Obamas Wähler "vom modernen Deutschland" schwärmten (Spiegel), ließ McCain in einer Schlammschlacht "die Kampfhunde von der Leine" - ein entsetzlicher alter Mann, der es darauf anlegte, unseren Mann in Washington "mit dubiosen Vorwürfen zu diskreditieren".

Den "Spiegel" schüttelte es spürbar angesichts solcher Ausgeburt einer höllischen Republikaner-Fantasie. Dieser McCain, der Barack Obama als "volksfernen Sozialisten diffamiert" und "sich selbst als Marktliberalen preist" (Spiegel) und dabei "auf üble Tricks" setzte, durfte nicht gewinnen und zum Glück gewann er dann auch nicht.

Eine Fußnote der Wahlkampfgeschichte. Zehn Jahre später nämlich gilt nicht mehr der Spruch vom Feind deines Freundes, der automatisch auch dein Feind wird, sondern das Gegenteil: Der Feind deines Feindes ist dein Freund. Und weil John McCain ein scharfer innerparteilicher Kritiker des US-Präsidenten Donald Trump war, der mit seiner Präsidentschaft etwas erreicht hat, das McCain zu dessen großer Enttäuschung versagt blieb, verwandelt er sich anlässlich seines Todes vom machtgierigen Greis, der den großen amerikanischen Aufbruch unter Obama aus schierer Bosheit hatte verhindern wollen, zurück zu dem "Helden" (Spiegel), der er nach Ansicht vieler Amerikaner stets war.

"Der integre Patriot",  ist er nun, ein "Kriegsheld und Parteirebell" und "kämpferischer Moralist", der "der Letzte seiner Art", der sich selbst für beinharte linke Blätter von dem knochenharten Konservativen, der er immer gewesen ist, wie von Zauberhand in den "letzten Liberalen" verwandelt.

Engagiert gegen den Irren


Der Grund dafür ist natürlich nicht in der Person des charakter- und prinzipienfesten  Senators selbst zu sehen und ebensowenig in der alten Regel, dass über Tote nichts Schlechtes gesagt werden soll. Vielmehr findet sich die Ursache für die gewandelte Sichtweise im Weißen Haus: Seit Trump dort regiert, aus deutscher Sicht ein "Irrer" (FR), "Wahnsinniger" (Spiegel) und "Hassprediger (Steinmeier), darf jeder, der dem Präsidenten widerspricht oder ihn kritisiert, mit Vergebung für frühere Sünden rechnen.

John McCain wird dadurch von einem Mann, der - zum Glück für die Welt erfolglos!!! - versucht hat, Barack Obama mit miesen Methoden zu schlagen, zu einem leuchtenden Beispiel dafür, dass der Kampf gegen Trump niemals enden darf.

Wertungen im Wandel


Wertungen im Wandel ihrer Nützlichkeit. Held ist er nun, er wird "Patriot" genannt, und das ist, es geht ja nicht um Björn Höcke, positiv gemeint. John McCain, so schreibt dasselbe Magazin, dass ihn vor zehn Jahren bezichtigt hatte, "die Kampfhunde von der Leine" gelassen zu haben, um Obama "mit dubiosen Vorwürfen zu diskreditieren", habe sich damals im Wahlkampf immer "um Toleranz und Offenheit" bemüht. Muss. Schließlkich wird der teure Tote gerade noch mal gebraucht.

Denn am Ende einer Lebensgeschichte, die in den meisten Nachrufen auf das Kapitel "McCain als Gegner von Trump" zusammenschrumpelt, wird sein Vermächtnis bemüht. Das liege darin, dass "andere den unvollendeten Kampf gegen Donald Trump" nun weiterführen müssten.

1 Kommentar:

derherold hat gesagt…

Der Gedanke ist mir auch gekommen, als ich die Überschriften in unseren Zeitungen heute morgen laß.