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Donnerstag, 30. August 2018

PPQ-Faktenfinder: Wird bei der Hadsch Hass gepredigt?



Rechte Hetzer und sächsische Pegidisten, ewiggestrige AfD-Sturmtruppen und irregleitete Radikalkonservative haben einen neuen Empörungsgrund gefunden, der ihnen hilft, mobil zu machen gegen eine der größten Weltreligionen und eine der heiligsten Pflichten, die deren Anhänger zu erfüllen haben. 


Als Werkzeug zum Schüren von Hass dient dabei ein angebliches Youtube-Video, auf dem ein Vorbeter zu Bildern der allerheiligsten heiligen Städte des Islam ein typisch arabisches Gebet anstimmt, während Gläubige zu Tausenden um die berühmte Kaaba, eine Kultstätte, die um einen uralten Meteoriten erbaut wurde, früher der Verehrung des Gottes Hubal diente und später der Einfachheit halber zum Zielort der Hadsch genannten Pilgerfahrt der Muslime erklärt wurde.

Das zweifelhafte Gebet


Angeblich, so Rechtspopulisten und Internethetzer, ist der Text des in Hocharabisch gehaltenen Gebets trotz des recht angenehm klingenden eintönigen Singsangs mehr als zweifelhaft. So fordere der Imam etwa "Allah bestrafe diese ungerechten Christen, Allah bestrafe diese verbrecherischen Juden, Allah bestrafe diese boshaften Abtrünnigen" und "Allah verderbe ihren Glauben, Allah zerstöre ihre Wege".

Immer wieder wiederholt würden auch Forderungen an den vermeintlichen "Allah", er solle Andersgläubige "mit Trauer und Verderben" überziehen, sie "unter vielen Plagen leiden" lassen, sie "mit Schmerzen und Krankheiten" treffen. Ein geschmackloses Gebet, das sich im Weiteren zu immer hinterhältigeren Forderungen versteigt. So komme weiter zur Sprache, behaupten rechte Hetzer, dass Allah das Leben der Ungläubigen "in Tod und Verderben enden" lassen solle, "Allah lasse ihren Tod eine Qual sein, Allah lasse sie deinen Zorn spüren, Allah lasse sie unter deiner Strafe verenden, Allah vernichte diese verdorbenen Christen" und schließlich "Allah bestrafe die verbrecherischen Juden".

PPQ-Faktenfinder urteilt eindeutig


Ist das wahr? Und wenn nicht, was ist damit gemeint? Wer verbreitet warum solche islamfeindlichen Parolen? Harald Findig vom PPQ-Faktenfinderteam hat die vom TV-Journalisten Imad Karim hochgeladene vermeintliche Filmsequenz (oben) geprüft - und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Imad Karim behauptet, die Übersetzung der Tonspur des Videos sei zutreffend. Außerdem, so der des Arabischen mächtige "TV-Journalist", wie er sich selbst bezeichnet, sei "das Verfluchen von Juden und Christen innerhalb vieler strenggläubiger Familien" in seiner Heimat, dem Libanon, "völlig normal" gewesen. Ein zweiter Blick aber zeigt: Das Video, das sich derzeit bei Rechten und Rechtsextremen in den sozialen Netzwerken verbreitet, stammt nicht etwa von der diesjährigen Hadsch, die nach den besten Wünschen des deutschen Außenministers Heiko Maas durchweg friedlich verläuft. Sondern aus dem Jahr 2016, als eine 3. Intifada in der Luft lag. Schuld daran war der Jude Isreal, das arabische Jugendliche provoziert hatte, Messerangriffe zu begehen.

Verständlich, dass die Stimmung im arabischen Raum seinerzeit angespannt war und bestimmte Kreise versuchten, das zur Aufstachelung von Hass zu nutzen. Ein noch austehender forensischer Befund zum Video deutet darauf hin, dass das auch Hintergrund der Filmveröffentlichung sein könnte. Die Bildqualität verrät, dass es sich beim verwendeten Material um solches älteren Datums handelt, das aus großer Entfernung aufgenommen wurde. Die dazugeschnittene Stimme des Imam hingegen ist direkt an einem Mischpult abgenommen worde - womöglich, so sagt der Faktencheck, in einem Tonstudio, das von an einer Verschwärfung der Situation interessierten Gruppen oder Einzelpersonen verwendet wird, Zwist zwischen den Religionen zu säen.

Eine plumpe Fakten-Fälschung


Der vermeintliche Urheberhinweis "Islamkritik rettet Menschenleben" deutet auf radikale Rechte, hinter der angeblichen aufklärenden Internetseite steckt aber nur eine Umleitung zu einem amerikanischen Videoportal. Zwar ist auch für den Sprachunkundigen deutlich zu vernehmen, dass der angebliche "Allah" mehrfach angerufen wird, die unter wahrhaft Gläubigen üblichen arabischen Anrufungsformeln Ar-rahman („der Barmherzige“) und ar-rahim („der Gnädige“) fehlen jedoch, was auf eine plumpe Fälschung hindeuten dürfte.

Fakt ist, dass die erneute vermehrte Verbreitung des fragwürdigen Hass-Videos zu diesem Zeitpunkt kein Zufall sein dürfte. Fest steht aber auch, dass es dafür keinen Grund gibt. Selbst gesetzt den Fall, dass alle im Video zu sehenden Pilger die Hassparolen des Predigers unterstützen oder ihnen zumindest in der unmittelbaren Situation des Pilgergebets an der Kaaba nicht direkt widersprechen können, ist die Mehrheit der 1,8 Milliarden Muslime weltweit sicher nicht einverstanden mit den Forderungen nach Tod und Verderben für Ungläubige und Strafen für boshafte Abtrünnige.


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